Feeds:
Beiträge
Kommentare

Süßstoff wurde schon oft beschuldigt: Krebserzeugend sollte er sein, Diabetes (Zuckerkrankheit) begünstigen und Übergewicht fördern, sprich: Er spart zwar Kalorien ein, macht aber soviel Hunger, dass unter dem Strich mehr Kalorien verzehrt werden als wenn man gleich Zucker verwendet hätte.

Nun kommt ein neuer Vorwurf hinzu, das Deutsche Ärzteblatt berichtete in diesen Tagen darüber: Süßstoff soll das Risiko für Schlaganfall und Demenz erhöhen! Und zwar gleich um das Dreifache! (Ein ähnliches Risiko konnte für zuckerhaltige Getränke nicht gefunden werden.)

Es handelt sich hier natürlich um einen rein statistischen Zusammenhang, der nichts über die Ursache aussagt. Will sagen: Es muss nicht der Süßstoff sein, der Schlaganfall und Demenz verursacht, es kann auch sein, dass die Menschen, die viel Süßstoff zu sich nehmen, andere Risikofaktoren aufweisen, die die genannten Erkrankungen begünstigen. Und tatsächlich ist es ja so, dass vor allem Übergewichtige und Diabetiker zu Light-Getränken greifen. Und die haben von vorn herein und sowieso ein erhöhtes Risiko. Oder: Jemand wird durch Süßstoffe dick und hat dadurch und nicht wegen des Zuckerersatzes das erhöhte Risiko. Alles klar? Auf jeden Fall glauben die Menschen, die mehr von Statistik verstehen als Du und ich, dass der Effekt doch noch darüber hinaus geht. Also: Vorsichtig vor allem mit künstlich süß gemachten Getränken, lieber das zuckerhaltige Original oder noch besser: Wasser trinken! (Jedenfalls solange die Forschung die Süßstoffe freispricht – und das kann dauern…)

Quellen (für alle, die mir nicht glauben oder einfach noch mehr wissen wollen)

* Deutsches Ärzteblatt zum Thema
* Das ganze kurz, aber auf Englisch zusammengefaßt in der Zeitschrift „Stroke“ – Schlaganfall
* Alzheimer and Dementia – zum selben Thema auf Englisch


Lange Zeit konnte ich hier nicht schreiben, weil meine eigene Krankheit und meine Landarztpraxis zusammen genug waren und keine Kraft für den Blog übrig blieb. Zum Schluss habe ich mich fast ein bisschen geschämt, weil ich so lange nicht mehr am Blog gearbeitet habe….
Nun, die Praxis habe ich jetzt nicht mehr, nur noch die Krankheit…
Auf jeden Fall habe ich mir vorgenommen, meine alten Beiträge zu überarbeiten und hin und wieder auch einen neuen folgen zu lassen. Bitte habt ein wenig Geduld mit mir, ein halbes Jahr oder so und der Blog erstrahlt in neuem Glanz! Bis später, Euer

Günter Schütte, Landarzt im Ruhestand.

Aufruf…

Alltagimrettungsdienst Blog

Seit dem Artikel zu “ Prüfen Rufen Drücken“ geistert eine Idee durch meinen Kopf. Die Idee hinter diesem Projekt ist spitze, aber ich glaube man kann daraus noch ein bisschen mehr machen!

Meine Idee ist, dass ihr liebe Leser hier eure Geschichten postet. Nicht um die Gaffer zu befriedigen, sondern anderen Lesern zu zeigen, jeder kann Erste Hilfe leisten. Und es muss keine Reanimation sein, nein auch das Händchen halten oder das absetzen eines Notrufs darf hier gerne veröffentlich werden.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr das auf eurem Blog, Twitter, Facebook oder sonst wo weiter verbreiten würdet.

Mails an alltagimrettungsdienst (at) gmx. de

Den Anfang macht heute Machermama die zu einem schweren Verkehrsunfall dazu gekommen ist.

Liebe Grüße

Euer Paul

Ursprünglichen Post anzeigen

Angelina Jolie bekannte in einem Artikel in der New York Times: Ich habe mir aus Furcht vor Brustkrebs beide Brustdrüsen entfernen lassen. Die bekannte Schauspielerin leidet an einer Mutation des BRCA1-Gens, ihr Brustkrebsrisiko lag bei 80 %, ihre Mutter starb im Alter von 54 Jahren an Brustkrebs. Durch die Operation reduzierte Angelina Jolie ihr Brustkrebsrisiko auf unter 5 %.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Zum Glück leiden nur 0,2 % aller Frauen an einer Mutation des BRCA1 oder BRCA2-Gens, die beide ein hohes Risiko für Brustkrebs bedeuten. Aber nicht nur das Risiko an Brustkrebs zu erkranken, ist erhöht, auch an Eierstockkrebs erkranken die betroffenen Frauen weitaus häufiger.

Betroffen von der Mutation sind vor allem Frauen aus Familien, in denen Brustkrebs bei jungen Frauen gehäuft auftrat, beidseitiger Brustkrebs sowie Brust- und Eierstockkrebs bei der gleichen Verwandten diagnostiziert wurde sowie Brustkrebs bei männlichen Verwandten auftrat. Frauen aus betroffenen Familien sollten mit ihrem Arzt besprechen, ob eine genetische Testung und Beratung für sie sinnvoll oder sogar notwendig ist.

Keineswegs müssen alle betroffen Frauen den Weg wählen, den Angelina Jolie vorgezeichnet hat. In 15 Zentren deutschlandweit wird ein intensiviertes Vorsorgeprogramm für Frauen angeboten, die von der Risikomutation betroffen sind. Die intensivierte Vorsorge besteht aus Selbstuntersuchungen der Brust, Tastuntersuchungen durch den Arzt, Sonografie, Kernspintomografie und Mammographie.

Leider gibt es keine vernünftige Vorsorge für den Eierstockkrebs. Hier bleibt nur die vorsorgliche Entfernung der Eierstöcke nach Abschluss der Familienplanung bei den betroffenen Frauen. Hierdurch sinkt auch das Risiko für den Brustkrebs um 50 %.

Quellen und weiterführende Links

* Uniklinik Köln: Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs

* New York Times vom 14.5.2013: Angelina Jolie: My Medical Choice

* Dtsch Arztebl Int 2011; 108(19): 323-30; DOI: 10.3238/arztebl.2011.0323: Familiäres Mamma- und Ovarialkarzinom: Neue Gene, neue Therapien, neue Konzepte

* Deutsches Ärzteblatt, Nachrichten vom 15.5.2013: Vorsorgliche bilaterale Mastektomie: Individuelle Entscheidung

Zecken (2013)

Ein interessanter Blogbeitrag von meiner Kollegin Frau Dr Zehnle über Zecken…

Dr. Zehnle Ostfildern - Allgemeinmedizin Homöopathie Reisemedizin

(16. Tübinger Tag der Impf-und Reisemedizin, 27.4.2013)
2012 gab es weniger FSME-Fälle (unter 200 gemeldete) als in den Jahren zuvor. Mit Borrelien sind  ungefähr 15 Prozent der Zecken behaftet. Jeder vierte Kontakt davon führt tatsächlich zu einer Borreliose-Infektion.
Das bedeutet, dass ungefähr jeder zehnte Zeckenbiss zu einer Borreliose führt.
Die Borrelien leben im Darm der Zecke. Dort müssen sie sich erst vermehren und gelangen dann in die Speicheldrüsen der Zecke. Es vergehen ungefähr 24 Stunden, also ein Tag, bis sie tatsächlich in den Organismus (z.B. des Hundes oder des Menschen) gelangen.
Es entsteht in der Mehrzahl der Fälle zunächst eine Art grippaler Infekt sowie an der Biss-Stelle eine Rötung, die im Laufe der nächsten Tage innen blaß wird und einen roten Rand bekommt und von Zentrum aus weiter in die Peripherie sich ausbreitet.
Ein Drittel der Betroffenen entwickeln kein Erythema migrans („Wanderröte“), sondern es entsteht gleich das Stadium, in dem…

Ursprünglichen Post anzeigen 166 weitere Wörter

„Habe ich Rheuma?“ Das ist eine häufige Frage, die Patienten in der Hausarztpraxis stellen. „Rheuma“, das ist eine ganze Gruppe von Krankheiten, bestimmt mehr als hundert verschiedene Erkrankungen gehören dazu. Verschiedene Erkrankungen mit unterschiedlichen Beschwerden, unterschiedlicher Behandlung und unterschiedlichen Prognosen für die Zukunft.

PCPVeränderungen der Fingergelenke bei RA

Wer von „Rheuma“ spricht, meint jedoch meistens die „rheumatoide Arthritis“ (RA). Die RA ist die häufigste Rheumaerkrankung.
Morgensteifigkeit, Schmerzen und Überwärmung

Sie betrifft vor allem die Gelenke, und von allen Gelenken besonders die kleinen Gelenke an den Händen und an den Füßen. Typisch ist ein symmetrischer Befall, also z.B. die Fingergrundgelenke der rechten und der linken Hand sind geschwollen, schmerzen und fühlen sich überwärmt an. Der Patient kann die betroffenen Gelenke nach dem Aufstehen erst gar nicht oder nur schlecht bewegen: Die Morgensteifigkeit ist ein wichtiges Anzeichen für die Diagnose rheumatoide Arthritis. Von den Finger- und Fußgelenken „springt“ das Rheuma zu den Knie- Schulter- und Ellenbogengelenken. Müdigkeit und Abgeschlagenheit, leichtes Fieber und Appetitlosigkeit können hinzutreten.

Rheuma, Gicht, Arthrose ….

Suchen Sie Ihren Hausarzt auf, wenn Sie über eine längere Zeit eine schmerzhafte Schwellung Ihrer Gelenke bemerken. Er wird zusätzliche Blutuntersuchungen durchführen, um die Diagnose Rheuma zu festigen. Insbesondere wird er nach Entzündungszeichen im Blut suchen: Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und CRP (C-Reaktives Protein) untersuchen. Sind diese Werte normal, spricht das gegen Rheuma.

Der Rheumafaktor (RF) im Blut ist bei 80 % der Menschen mit RA erhöht, aber auch bei 5 % der gesunden Normalbevölkerung. Etwas spezifischer sind die Antikörper gegen CCP ( Cyclische Citrullin Peptide). Sind diese erhöht, kann man mit 96 prozentiger Sicherheit davon ausgehen, dass wirklich eine RA vorliegt. (Beim Rheumafaktor trifft dies nur auf 60 bis 80 der Fälle zu.)

Die Gicht: Schmerzen im „großen Onkel“
PodagraGichtanfall der Großzehe links

Die Bestimmung der Harnsäure grenzt Rheuma von Gicht ab, obwohl es auch Gichtanfälle bei normalem Harnsäurespiegel im Blut gibt und längst nicht alle Patienten mit erhöhter Harnsäure eine Gicht haben. Typisch für eine Gicht ist eine Gelenkentzündung im Grundgelenk der Großzehe oder des Daumens, streng einseitig und nicht symmetrisch wie beim Rheuma. Gicht tritt häufig nach einem reichlichen Mahl mit viel Alkohol auf.

Psoriasisarthritis: „Befall im Strahl“

Die Psoriasarthritis ist der RA sehr ähnlich, typisch ist der Befall „im Strahl“ – so sind z.B. an einem Finger das Grund-, das Mittel- und das Endgelenk betroffen. Meistens, aber nicht immer, finden sich auch die Hauterscheinungen der Schuppenflechte (Psoriasis) am Körper des Patienten.

Lyme Arthritis: Borelliose nach einem Zeckenbiss

Die Lyme Arthritis ist eine Gelenkentzündung als Folge einer Infektion mit Borellien, z.B. nach einem Zeckenbiss. Meist ist nur ein Gelenk betroffen, am häufigsten das Kniegelenk, im Blut finden sich Antikörper gegen Borellien.

Bakterien im Gelenk

Auch andere Bakterien können ein Gelenk infizieren, z.B. Streptokokken oder Staphylokokken nach einer Punktion des Kniegelenks. Meistens ist nur ein Gelenk befallen, das Gelenk ist geschwollen und mit Flüssigkeit gefüllt. Bei der Punktion zeigt sich nicht selten Eiter.

Gelenkentzündungen bei Erkrankungen des Darms

Nach Darminfektionen z.B. mit Yersinien kommt es bisweilen zu Gelenkentzündungen, bei denen weniger die Bakterien sondern mehr das fehlgeleitete menschliche Immunsystem eine Rolle spielen. Der gleiche Mechanismus spielt eine Rolle, wenn bei chronischen Darmentzündungen wie der Colitis ulcerosa und dem Morbus Crohn die Gelenke schmerzen und anschwellen.

Röntgen, Sonografie und MRT können weitere Hinweise auf die Diagnose Rheuma geben

Neben der Vorgeschichte, den Beschwerden des Patienten und den Blutuntersuchungen kann auch das Röntgen beider Hände Antwort auf die Frage: „Habe ich Rheuma?“ geben. Besser gesagt: Im Röntgenbild sollte nichts zu sehen sein. Wenn sich im Röntgenbild Zeichen der Rheumatoiden Arthritis finden, dann handelt es sich um Spätschäden. Spätschäden, die eigentlich durch eine rechtzeitige Behandlung heute zu vermeiden sind. Spätschäden, das bedeutet teilweise oder völlige Zerstörung der Gelenkfunktion. Das Röntgenbild ist dennoch wichtig, um ein Ausgangsbild für die spätere Therapiekontrolle zu haben und um andere Gelenkkrankheiten aufzudecken, z.B. die so häufige Arthrose der Fingergelenke.

Anlaufschmerz typisch für Arthrose

Im Gegensatz zum Rheuma (der RA) klagt der Patient mit Gelenkverschleiß über stärkere Beschwerden bei und vor allem nach Belastung, also etwa ungewohnt langen Spaziergängen, heftiger Gartenarbeit etc.. Typisch ist der Anlaufschmerz – das abgenutzte Gelenk tut weh, wenn es nach einer Zeit der Ruhe wieder bewegt wird – z.B. Schmerzen in den Hüftgelenken, wenn der Patient nach einer längeren Pause im Sitzen wieder aufstehen will.

Auch das MRT oder die Sonografie der Gelenke kann zeigen, dass die Gelenkinnenhaut (Synovia) verdickt ist, was auf Entzündung und somit auf eine RA hinweist.

Quellen und weiterführende Links

1.) Rheuma online
2.) Gesundheitsinformation.de
3.) Mayo Clinic: Rheumatoid Arthritis
4.) Laborlexikon: CCP-AK
5.) Gesundheit Nordhessen: Medizinlexikon
6.) Internisten im Netz: Rheumatoide Arthritis

Bildnachweis

Gicht bei Wikimedia commons, dort auch Angaben zur Lizenz!

120 Experten aus der ganzen Welt, die sich mit der Behandlung von Leukämien beschäftigen, haben kürzlich in der Zeitschrift Blood gegen die exorbitant hohen Preise für Medikamente zur Behandlung der Chronisch Myeloischen Leukämie protestiert.

Blutbild bei CML

Blutbild bei CML

Die hohen Preise seien astronomisch, unhaltbar und vielleicht sogar unmoralisch, schreiben die Krebsexperten in der Zeitschrift der Amerikanischen Hämatologischen Gesellschaft. Es stimmt, die neueren Medikamente, allen voran das Glivec ® (Wirkstoff: Imatinib), haben die 10-Jahres-Überlebensrate der Patienten mit Chronisch Myeloischer Leukämie (CML) von 20 auf über 80% steigen lassen.

In den USA leben aber nur noch 60 % der CML-Patienten nach 10 Jahren, sagt Prof. Dr. Hagop Katarjian, Leiter der Abteilung Leukämie im Anderson Cancer Center an der University of Texas in Houston, der als Initiator des Offenen Briefs an den Herausgeber gilt. 10 % der Patienten, die in den USA mit Glivec ® und Co. behandelt werden, müssen aus der Behandlung aussteigen, weil sie die Kosten der Behandlung nicht mehr tragen können. Dies ist die Ursache für die bescheidenen Behandlungsergebnisse in den USA im Vergleich mit den anderen Ländern der Welt, in denen Glivec ® erheblich preiswerter zu haben ist, sagt Professor Hagop Katarjian.

In Deutschland zahlen die Gesetzlichen Krankenkassen 41.000 Euro im Jahr für die Behandlung mit dem kostspieligen Krebsmedikament, das entspricht Platz 2 weltweit nach den USA. In Indien entschied sich hingegen der oberste Gerichtshof gegen einen Patentschutz, hier kostet das Medikament nur 2000 Euro jährlich.

Die Firma Novartis, Hersteller von Glivec ® reagierte prompt und stellte klar, dass nicht nur die bisherige sondern auch zukünftige Forschung viel Geld verschlinge. Außerdem bezahlten bei weitem nicht alle Patienten den vollen Preis, 5000 Patienten in den USA und 50.000 weltweit erhielten das Medikament sogar kostenlos.

Quellen und weiterführende Links:

* Medscape Deutschland: Krebsmedikamente: 120 Leukämie-Experten protestieren gegen astronomische Preise

* The New York Times: Doctors Denounce Cancer Drug Prices of $100,000 a Year

* Blood online am 25.4.2013: Experts in chronic myeloid leukemia: „Price of drugs for chronic myeloid leukemia (CML), reflection of the unsustainable cancer drug prices: perspective of CML Experts“