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Archive for Januar 2007

Testosteron

Testosteron, ein Steroidhormon, das im Hoden, im Eierstock und in der Nebennierenrinde gebildet wird. Es ist ein sog. C-19-Steroid (C19H28O2) , das wichtigste und wirksamste aus der Gruppe der männlichen Geschlechtshormone (Androgene). Beim Mann führt es zur Ausbildung der Geschlechtsmerkmale, bei beiden Geschlechtern fördert es die Libido, den Antrieb und die Stimmung sowie den Aufbau von Muskeln und Knochen und die Blutbildung. Ohne T. kommt beim Mann die Produktion der Spermien zum Erliegen.

img-168_250px-testosteronpng.jpgStrukturformel des Testosterons

Synthese

T. wird beim Mann von den Leydig-Zellen des Hodens gebildet, die Hormonproduktion wird gesteuert durch das Luteinisierende Hormon (LH) der Hirnanhangdrüse. Das T. hemmt dagegen die Ausschüttung von LH – auf diese Weise entsteht ein Regelkreis, der der Aufrechterhaltung eines adäquaten T. – Spiegels im Blut bewirkt. T. hemmt außerdem die Freisetzung des Gonadotropin Releasing Hormons (GnRH) aus dem Hypothalamus, eines Hormons, das die Produktion von LH fördert.

Blutspiegel

Im Blut ist Testosteron zum größten Teil an das Sexualhormon bindende Globulin (SHBG) – ein Transporteiweiß für das in Wasser schlecht lösliche T. – gebunden. Nur die 1,5 bis 2,5 % ungebundenes, sog. freies T. sind für die biologische Wirkung verantwortlich.

Die Blutspiegel des T. weisen beim Mann eine Tagesrhythmik auf: Die Werte sind morgens um 20 % höher als abends. Das GnRH wird in Schüben, pulsatil, ausgeschüttet, die Testosteronkonzentrationen im Blut schwanken demzufolge von Stunde zu Stunde.

Recht hohe T.-Spiegel finden sich bei Säuglingen beiderlei Geschlechts unmittelbar nach der Geburt bis etwa zum sechsten Lebensmonat. Der biolog. Sinn hierfür ist noch unklar, sichtbar wird die Wirkung des männl. Sexualhormons an der Neugeborenakne und an einer vergrößerten Klitoris weiblicher Säuglinge. Nach dem sechsten Monat fällt die Produktion von T. stark ab, um mit dem Beginn der Pubertät recht plötzlich auf Erwachsenenniveau anzusteigen. Im Alter von 20 bis 30 Jahren ist die T.-Konzentration im Blut beim Mann am höchsten, um danach langsam wieder abzufallen.

Wirkungsweise

Vergleichbar anderen Steroidhormonen entfaltet das T. seine Wirkung, in dem es die Zellmembran passiert und sich im Inneren der Zelle an Androgenrezeptoren bindet. Der Komplex aus Hormon und Rezeptor wandert in den Zellkern, um sich dort direkt an die DNA zu binden und die Transkription bestimmter Abschnitte des Genoms zu fördern, um damit die vielfältigen androgenen Wirkungen zu entfalten.

In vielen Zellen des männlichen Körpers wird T. durch das Enzym 5-α-Reduktase in 5-α-Dihydrotestosteron (DHT) verwandelt. Die Bindung des DHT an den Rezeptor ist noch erheblich stärker als die der Ursprungssubstanz, durch die chemische Umwandlung zu DHT wird die T.-Wirkung demnach verstärkt. Das Enzym Aromatase fördert die Umwandlung von T. zu Estradiol, das an Östrogenrezeptoren des männlichen Körpers bindet. Die volle Wirkung des T. entfaltet sich erst nach seiner Umwandlung zum Estradiol: Am Gehirn, an den Knochen und an der Prostata wirken Estradiol und T. gleichsinnig. Unterschiedliche, teilweise entgegengesetzte Wirkungen bestehen an anderen Organen wie z. B. den Haarfollikeln oder der Brustdrüse.

Testosteronmangelerkrankungen

Mangel an T. kommt bei einer Vielzahl von Erkrankungen vor. Beim Klinefelter-Syndrom weisen die männlichen Patienten den Genotyp XXY auf, d. h. sie haben im Vergleich zum normalen männlichen Genotyp ein X-Chromosom mehr in ihrem Erbgut. Im Laufe des Lebens entsteht ein zunehmender T.-Mangel, der sich unter anderem in übermäßigem Größenwachstum, Unfruchtbarkeit und einer Gynäkomastie ausdrückt. Auch nach Verletzungen des Hodens, nach längerfristigem Anabolikamissbrauch und bei Leberzirrhose kann es zu einem T.-Mangel kommen.

Andropause

Verminderte Libido und Potenz, eine Antriebsarmut und Schweißausbrüche werden als Symptome der Wechseljahre des Mannes beschrieben. Im Unterschied zur Menopause der Frau betrifft die Andropause des Mannes nicht alle Männer, der zeitliche Verlauf und die Ausprägung des auch PADAM (partial androgen deficiency in the aging male = partielles Androgendefizit beim alternden Mann) genannten Syndroms sind sehr variabel. Zur Zeit fehlen noch langfristige Untersuchungen über die Effektivität und Sicherheit einer T.-Behandlung älterer Männer. Es steht zu befürchten, dass die wieder gewonnene Tatkraft mit einer erhöhten Zahl an Herzinfarkten und Thrombosen erkauft wird. Ein Behandlungsversuch wird im allgemeinen als gerechtfertigt erachtet, wenn bei entsprechenden Beschwerden der T.-Spiegel unter 12 nmol/l liegt.

Therapie des Testosteronmangels

T. wird nach der Aufnahme aus dem Magen durch den First-Pass-Effekt beim Durchgang durch die Leber vollständig zu unwirksamen Stoffwechselprodukten abgebaut.

Testosteronundecanoat (Andriol®) ist eine neu entwickelte Abwandlung des natürlichen T.-Moleküls. Es ist auch nach oraler Gabe wirksam, muss aber zwei bis viermal täglich eingenommen werden.

Mesterolon (Proviron®) ist ein Abkömmling des Dehydrotestosterons. Es ist ebenfalls nach oraler Gabe wirksam, kann aber nicht die volle T.-Wirkung entfalten, weil es nicht zum Estradiol umgebaut werden kann.

Reines T. kann dem Organismus über die Haut in Form  eines Gels (Androtop® , Testogel®) zugeführt werden. Testosteronhaltige  Pflaster (Androderm®) wurden wegen häufiger Hautprobleme vom Markt genommen.

Standardbehandlung des T.-Mangels und die Therapie mit der größten Zahl von klinischen Studien ist die alle zwei bis drei Wochen erfolgende Verabreichung von Testosteronenantat (Testoviron-Depot®). Das Präparat muss intramuskulär gespritzt werden. Ein Fortschritt bringt in dieser Hinsicht möglicherweise das neu eingeführte Testosteronundecanoat – Präparat (Nebido®) – ebenfalls zur intramuskulären Injektion – , das nur alle 10 bis 12 Wochen verabreicht werden muss.

Nebenwirkungen

T. ist wahrscheinlich nicht in der Lage, ein Prostatakarzinom auszulösen, es kann aber einen vorhandenen Tumor zum Wachstum anregen. Vor jeder Verabreichung von T.- Präparaten an Patienten über 40 Jahre muss daher ein bösartiger Tumor der Prostata durch rektal-digitale Untersuchung und Bestimmung des Prostata spezifischen Antigens ausgeschlossen werden, während der Behandlung ist eine regelmäßige Kontrolle erforderlich.

Die gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse (benigne Prostatahyperplasie) kann ebenfalls durch T.-Präparate gefördert werden.

Migräne und Epilepsie können sich durch die Behandlung mit T. verschlechtern.

Durch die gesteigerte Blutbildung kann es zu einem Anstieg des Hämatokrits (Anteil der festen Bestandteile am Blutvolumen) kommen. Die Viskosität des Blutes nimmt zu, bei vorbestehenden Risiken können sich Durchblutungsstörungen manifestieren. Natrium und Wasser werden vermehrt im Körper zurückgehalten, das Gewicht und der Blutdruck steigen an, die Konzentration an gefäßschützendem HDL-Cholesterin sinkt.

Aggressivität, Depression und Kopfschmerz wurden als unerwünschte Wirkungen beschrieben.

An der Haut können Akne, verstärkte Talgproduktion (Seborrhoe) und Haarausfall auftreten.

Eine bestehende Schlafapnoe kann sich verschlechtern.

T. wird illegal als Dopingmittel im Hochleistungssport eingesetzt. Nebenwirkungen sind wegen der oft hohen Dosierung häufig. Bei Frauen tritt eine oft irreversible Vermännlichung (Virilisierung) mit Entwicklung von Bartwuchs, einer tiefen Stimme und einer Klitorishypertrophie auf. Der Einsatz bei Kindern führt zu einer Wachstumsstörung. Unfruchtbarkeit bei beiden Geschlechtern ist ebenfalls eine häufige Folge.

Laborlexikon

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