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Archive for März 2007

Heparin

Heparin ist ein Medikament zur Behandlung und Vorbeugung von Thrombosen, z. B. während und nach chirurgischen Eingriffen, aber auch bei einer Vielzahl von inneren Erkrankungen. H. ist eine natürlich im menschlichen und tierischen Organismus vorkommende Substanz, sie findet sich in den basophilen Granulozyten und den Mastzellen, die die Substanz bei einer Entzündung freisetzen. Industriell wird das H. aus Rinderlunge und Schweinedarm gewonnen.

H. ist chemisch ein Polysaccharid, d. h. eine Verbindung mehrerer Kohlenhydrat (Zucker-)-Moleküle. Als Zucker fungieren das Glucosamin, die Glucuronsäure und die Iduronsäure, sie sind mit Resten der Schwefelsäure verbunden. H. lagert sich oft mit basischen Proteinen, z. B. seinem Gegenspieler Protamin, zu Komplexen zusammen.

H. aktiviert Antithrombin III, einen normalen Bestandteil im Blut des Menschen, der in der Lage ist, die Blutgerinnung zu hemmen. Darüber hinaus hemmt H. die Aktivität der Gerinnungsfaktoren XII, XI, IX, VIII, X und II.

H. wird nach oraler Aufnahme sofort zerstört, deswegen muss es entweder intravenös oder subcutan injiziert werden.

Das Molekulargewicht (MG) des H. schwankt zwischen 4.000 und 50.000, durchnittlich liegt es bei 16.000 Dalton. Um die Therapie mit H. zu vereinfachen, führte man das sog. fraktionierte oder niedermolekulare H. (NMH) ein: Im Gegensatz zum natürlichen, unfraktionierten H. (UFH), das mehrmals täglich gegeben werden musste, reicht eine Anwendung täglich beim NMH. aus. Außerdem entfällt die Kontrolle der Gerinnungswerte im Blut des Patienten. NMH besteht aus Molekülen mit einem MG um 5000, es wirkt in erster Linie nur auf den Gerinnungsfaktor X.

Die Dosierung des H. erfolgt nach Internationalen Einheiten (I.E.), 200 I.E. machen ca. 100 ml Blut völlig ungerinnbar.

Die low dose (Niedrigdosis) – Therapie mit H. dient der Prophylaxe (Vorbeugung) von Thrombosen und Embolien und wird mit ca 3 x 5000 i.E. UFH durchgeführt, die hochdosierte Verabreichung dient der Therapie solcher Erkrankungen.

Nebenwirkungen sind Blutungen, Haarausfall, Allergien und Osteoporose bei sehr langfristiger Anwendung.

In 5 % der Fälle bei UFH, bei NMH in weniger als 1 %, tritt die heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT), d. h. ein Mangel an Thrombozyten auf.

Parodoxe Thrombosen beim Typ II der HIT

Gefürchtet ist vor allem der sog. Typ II der HIT, der mit „paradoxen“ Gefäßverschlüssen durch die Bildung von Thromben (Blutgerinnsel) an vielen Stellen im Körper einhergeht. Durch Heparin induzierte Antikörper gegen den sog. Plättchenfaktor 4 aktivieren die Thrombozyten, gleichzeitig sinkt deren Zahl im Blut ab. Obwohl die Zahl der Thrombozyten im Blut absinkt und damit Thrombosen seltener werden sollten, erleidet der Patient einen Hirninfarkt, einen Herzinfarkt oder eine Lungenembolie. Völlig parodox wird die Situation, wenn der behandelnde Arzt die Situation verkennt und die Heparindosis erhöht, anstatt die verantwortliche Substanz abzusetzen.

Laborlexikon.de: Heparine: Wirkung, Pharmakokinetik, Therapiekontrolle

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