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Archive for 1. Juli 2007

Paul Ehrlich (* 14. März 1854 in Strehlen, heute: Strzelin, bei Breslau in Niederschlesien; † 20. August 1915 in Bad Homburg) war ein deutscher Arzt und Forscher auf dem Gebiet der Immunologie und Hämatologie, mit der Einführung des Salvarsans in die Therapie der Syphilis Begründer der ersten antibakteriellen Chemotherapie, Träger des Medizinnobelpreises 1908 gemeinsam mit Elia Metschnikow.

Jugend

Der Vater war Ismail Ehrlich, Gastwirt, Likörfabrikant und Lottoeinnehmer sowie Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Die Mutter, Sara Ehrlich, geb. Weigert, war die Tante des später sehr bekannten Pathologen Karl Weigert, der nur 8 Jahre älter war als E. und ihn bereits während der Schulzeit für die Techniken der Färbung mikroskopischer Gewebepräparate begeisterte.

E. studierte Medizin in Breslau (heute: Wroclaw), Straßburg, Freiburg und Leipzig, seine Doktorarbeit trug den Titel: Beiträge zur Theorie und Praxis der histologischen Forschung. In dieser Arbeit wird unter anderem die Entdeckung der Mastzellen, einer gewebeständigen Zellart des Immunsystems, mitgeteilt.

An der Charité und Heirat

Neun Jahre lang, von 1878 bis 1887 arbeitete E. zunächst als Assistenzarzt, dann als Oberarzt an der Charité in Berlin in der Abteilung von Professor Frerich, der ihm weitgehend freie Hand für seine Forschungen gab. In dieser Zeit entwickelte E. die Grundlagen der Einfärbung der Blutzellen und damit die Grundlage der modernen Hämatologie.

1884, nach anderer Quelle 1883, heiratete er Hedwig Pincus, eine schlesische Industriellentochter, mit der er zeitlebens eine harmonische Ehe führte. Das Ehepaar bekam zwei Töchter: Stephanie und Marianne.

Seit 1882 arbeitete E. mit Robert Koch zusammen und entwickelte eine Nachweismethode für die von Koch entdeckten Tuberkelbazillen durch Färbung. 1887 wurde E. Privatdozent für Innere Medizin, der Titel der Habilitationsschrift lautet: Das Sauerstoffbedürfnis des Organismus. Eine farbenanalytische Studie.

Lungentuberkulose und Privatforscher

1888/89 kurierte er eine vermutlich im Laboratorium erworbene Lungentuberkulose in Ägypten und anderen südlichen Ländern aus.

Der Schwiegervater unterstützte die wissenschaftlichen Arbeiten seines Schwiegersohns durch finanzielle Zuwendungen, so richtete er ihm 1890 ein kleines Privatlabor in einer Mietwohnung an der Steglitzer Straße in Berlin ein. Hier forschte er über die Entwicklung der Immunität gegen Pflanzengifte. Er stellte fest, dass Hasen mehr als die 500fache tödliche Dosis eines Gifts vertragen, wenn sie nur langsam daran gewöhnt werden.

1890 bis 1895 arbeitete E. mit Emil von Behring bei der Entwicklung des Diphterie-Antitoxins zusammen. Er entwickelt u. a. eine Methode, um das Antiserum quantitativ zu standardisieren.

Seitenkettentheorie

Aus dieser Zeit entstammt auch Ehrlichs Theorie der Seitenketten, der ersten immunologischen Theorie überhaupt. Nach dieser Theorie binden Toxine an Seitenketten der Zelloberfläche. Werden alle Rezeptoren besetzt, geht die Zelle zugrunde, da diese Seitenketten auch die Aufgabe der Bindung von Nährstoffmolekülen haben. Bleiben einige Seitenketten frei, dann bildet die Zelle Seitenketten im Überschuss, die im Blut als Antitoxine auftauchen. Die Seitenkettentheorie hat sich in manchen Punkten als falsch herausgestellt, allerdings hat E. hierbei zum ersten Mal das Schlüssel-Schloss-Prinzip zwischen Antigen und Antikörper richtig beschrieben. Ebenfalls in diese Zeit fielen (erfolglose) Versuche mit Methylenblau und Trypanrot in der Behandlung der Malaria.

Institut für Serumprüfung und Serumforschung

1891 wurde E. von Robert Koch in das neu geschaffene Institut für Infektionskrankheiten (dem heutigen Robert Koch-Institut) berufen.

Auf Betreiben seines Förderers im preußischen Kulturminsterium, Friedrich Althoff, wurde ihm 1896 die Leitung des Instituts für Serumprüfung und Serumforschung in Berlin-Steglitz übertragen, die er auch nach dem Umzug des Instituts 1899 nach Frankfurt in das Königliche Institut für Experimentelle Therapie behielt. 1902 errichtete E. eine Abteilung für Krebsforschung auf eigene Kosten und leitete seit 1906 das von der Bankierswitwe Franziska Speyer gestiftete Georg-Speyer-Hauses für Chemotherapie.

Nobelpreis

1908 wurde E. mit dem Nobelpreis für Medizin oder Physiologie für unvergängliche Verdienste um die medizinische und biologische Forschung, namentlich um die Wertbestimmung der Serumpräparate ausgezeichnet.

Salvarsan

1909 entwickelte E. zusammen mit seinem japanischen Mitarbeiter Sachahiro Hata Salvarsan, das Dioxy-diamino-arsenobenzol-dihydrochlorid oder Präparat 606 nach einer langen Reihe von Versuchen als erstes wirksames Präparat zur Behandlung der Syphilis. Das Präparat, hergestellt von den Farbwerken Hoechst, wurde zu einem internationalen Erfolg. Aber es gab auch Kritiker: So wurde E. die Förderung der Prostitution vorgeworfen, andere kritisierten den angeblich zu hohen Preis. Häufig waren die Verleumdungen mit antisemitischen Vorurteilen durchsetzt. E. konnte sich vor Gericht gegen alle Beleidigungen erfolgreich durchsetzen und wurde auch vom Reichstag ausdrücklich rehabilitiert.

E. starb in Bad Homburg vor der Höhe an den Folgen seines zweiten Schlaganfalls, er wurde auf dem israelischen Friedhof in Frankfurt (Main) beigesetzt.

Hedwig Ehrlich richtete 1929 die Paul Ehrlich Stiftung zur Forschungsförderung ein. 1938 musste sie die Umbenennung der Paul-Ehrlich-Straße in Frankfurt miterleben, 1939 vor den Nationalsozialisten in die Schweiz und 1941 in die USA emigrieren.

Heute ist das für die staatliche Zulassung und Kontrolle von Impfstoffen und Seren zuständige Paul-Ehrlich-Institut in Langen bei Frankfurt (Main) nach ihrem Mann benannt.

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dorsal

dorsal (von lat.: dorsum – der Rücken), Fachausdruck der Anatomie, bedeutet: zum Rücken des Körpers gelegen oder den Rücken betreffend.

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Gerhard Johannes Paul Domagk (* 30. Okt. 1895 in Lagow in der Mark Brandenburg, † 24.4.1964 in Burgberg-Königsfeld im Schwarzwald), Arzt, Entdecker des ersten Sulfonamids und Medizinnobelpreisträger 1939.

D. forschte seit 1928 als Leiter in einem Institut der Bayer Werke in Elberfeld zusammen mit den Chemikern Dr. Fritz Mietzsch und Dr. Josef Klarer. Seitdem Paul Ehrlich 1910 das Salvarsan entwickelt hatte, war kein weiteres Chemotherapeutikum gegen Bakterien mehr entdeckt worden. Nachdem er eine große Zahl von Substanzen erfolglos gestestet hatte, entdeckte D. Ende 1932 die antibakterielle Wirkung eines sulfonamidhaltigen Azofarbstoffs, der später Prontosil ® genannt wurde. Labormäuse, die Prontosil erhalten hatten, überstanden eine ansonsten meist tödliche Infektion mit Streptokokken. Noch bevor das neue Mittel am Menschen erprobt war, erkrankte Dogmagks einzige Tochter an einer gefährlichen Infektion – ein Arm sollte amputiert werden, weil man anders der Entzündung nicht Herr werden konnte. D. setzte das Prontosil erfolgreich zum ersten Mal bei seiner eigenen Tochter ein. Im Februar 1935 veröffentlichte D. seine Forschungsergebnisse, die anschließend in aller Welt überprüft und bestätigt wurden. Nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an Carl von Ossietzky 1935 hatte Adolf Hitler allen Deutschen die Annahme von Nobelpreisen untersagt. D. konnte seine Ehrung daher erst 1947 entgegennehmen, das Preisgeld war zwischenzeitlich verfallen. Nach dem zweiten Weltkrieg forschte D. weiter auf dem Gebiet der Chemotherapie bakterieller Erkrankungen und entwickelte ein neues Medikament gegen Tuberkulose.

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Edward Albert Doisy, (* 13. Nov. 1893 Hume, Illinois, USA, † 23. Okt. 1986 in Saint Louis, Missouri, USA), Biochemiker, erhielt 1946 zusammen mit dem dänischen Forscher Henrik Dam 1943 den Medizinnobelpreis für die Aufklärung der Struktur des Vitamin K.

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distal

distal (von lat.: distare – entfernt sein), in der Anatomie gebr. Lagebezeichnung für entfernt von der Körpermitte (im Gegensatz zu proximal); in der Zahnmedizin die der Mitte der Zahnbogenreihe abgewandte Seite des Zahns, hier im Gegensatz zu mesial.

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Diphterie

Die Diphtherie ist eine lebensbedrohliche Infektionskrankheit durch das Corynebacterium diphtheriae, sie befällt in erster Linie den Rachen und die Mandeln, manchmal die Haut.

Vorkommen

Im Jahr 2000 erkrankten weltweit etwa 30.000 Menschen an D., 3000 verstarben daran. In Deutschland ereignete sich eine große Epidemie mit einem Höhepunkt in den Jahren 1942 bis 1945, die erst in den 1960er Jahren abklang. In einigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion erreichte eine Epidemie ihren Höhepunkt 1995 mit 50.000 Erkrankten, die Sterblichkeit variierte zwischen 2-3 % in Russland und der Ukraine bis hin zu 17-23% in Georgien und Turkmenistan. In Deutschland wurden in den letzten Jahren kein Fall oder nur vereinzelte eingeschleppte Erkrankungen registriert, das gleiche gilt für die USA und die anderen westlichen Industrieländer.

Übertragung

Der Erreger der D. ist das aerobe (Sauerstoff liebende), nicht Sporenbildende Stäbchenförmige Corynebacterium diphtheriae. Entscheidend zur Schwere der Erkrankung trägt das Diphtherietoxin bei, nicht alle Diphtheriebakterien produzieren dieses Gift, sondern nur solche, die mit einem speziellen Virus, einem Bakteriophagen, infiziert sind. Die Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion, nur 10 bis 20 % aller nichtimmunen Kontaktpersonen erkranken. Bei der Hautdiphterie ist auch eine Übertragung durch Schmierinfektion möglich. Es gibt Menschen, die das Diphtheriebakterium übertragen, ohne selbst erkrankt zu sein ( Ausscheider).

Krankheitsbild

2 bis 5 Tage nach der Infektion kommt es zum Befall von Mandeln und Rachen, seltener sind die Nase, der Kehlkopf, die Luftröhre und die Bronchien betroffen. Halsschmerzen, Fieber, Schluckbeschwerden und Fieber lassen zunächst an einen grippalen Infekt senken. Wenn sich pfeifende Geräusche bei der Einatmung und eine Lähmung des weichen Gaumens einstellen, wird klar, dass es sich um eine ernstere Erkrankung handeln muss. Der Rachen und die Mandeln sind bis hin zum Kehlkopf von grau-weißen membranartigen Belägen bedeckt, die beim Ablösen bluten. Typisch ist ein süsslicher Geruch. Die Schwellungen im Bereich des Halses können so massiv werden, dass der Patient erstickt, eine andere häufige Todesursache ist die Entzündung des Herzmuskels durch das Diphterietoxin, die diphterische Myokarditis. Die Hautdiphtherie kommt gehäuft in den Tropen vor und ähnelt anderen bakteriellen Infektionen von Haut und Wunden.

Diagnose und Therapie

Die Diagnose ergibt sich aus den typischen Symptomen, die Behandlung muss schon vor dem Nachweis von Diphteriebakterien im Labor eingeleitet werden. Antitoxin (Antikörper gegen das Diphterietoxin) und Antibiotika (Erythromycin oder Penicillin) sind Basis der Therapie, manchmal ist Intensivbehandlung (Beatmung) erforderlich. Wie die Diphtherieepidemie 1995 in Osteuropa gezeigt hat, ist die Gefahr einer neuerlichen Epidemie auch in Deutschland noch nicht gebannt. Eine regelmäßige aktive Schutzimpfung wird nach den Empfehlungen der STIKO bereits im Säuglingsalter begonnen und muss im Erwachsenenalter alle 10 Jahre, zusammen mit der Tetanusimpfung, wiederholt werden.

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Das Zwerchfell (von. ahd. zwerch – quer und fel – Haut, med.: Diaphragma) ist eine Muskel- und Sehnenplatte und der wichtigste Atemmuskel, das bei Säugetieren den Brustkorb vom Bauchraum trennt.

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Zwerchfell, von unten gesehen

Die Muskeln des kuppelförmigen Z. entspringen an der Lendenwirbelsäule, am unteren Teil des Brustbeins und an der 6. bis 12. Rippe, sie ziehen zu einer zentralen Sehnenplatte. Die Anspannung der Zwerchfellmuskulatur führt dazu, dass das Z. nach unten tritt, dadurch den Raum im Brustkorb vergrößert und damit die Einatmung auslöst. Entspannt sich das Z., dann ziehen sich die Lungen aufgrund ihrer eigenen Elastizität wieder zusammen, es kommt zur Ausatmung.

Außer bei der Atmung tritt das Z. in Aktion beim Erbrechen, Husten, Weinen, beim Stuhlgang, Wasserlassen und bei der Geburt. Die Beteiligung des Z. beim Lachen ist in die Umgangssprache eingegangen, wenn man von „Zwerchfell erschütternden“ Witzen o.ä. spricht. Auch der Schluckauf wird durch das Z. ausgelöst.

Im Z. sind eine Reihe von Öffnungen, durch die Nerven, Adern und die Speiseröhre treten. Entlang dieser Öffnungen kann sich eine Hernie (ein Bruch) bilden mit der Folge, dass Organe des Bauchraums (meist der Magen) ganz oder teilweise im den Brustraum übertreten

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