Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for 6. Juli 2007

Herz

Herz, ein Organ, das als Pumpe den Kreislauf des Blutes bewirkt. Bei manchen Wirbellosen besteht es nur aus einer Röhre mit Muskeln, die sich periodisch zusammenzieht. Der Aufbau des Herzens wird immer komplexer von den Fischen über die Amphibien bis zu den Reptilien. Bei Vögeln und Säugetieren ist es ein kompliziert aufgebautes Organ mit zwei Vorhöfen und zwei Kammern, das zwei getrennte Kreisläufe, den in der Lunge und den im Körper aufrechterhält.

Größe, Form und Lage

Beim Menschen ist das Herz ein Hohlmuskel, etwa von der Größe der geballten Faust des Trägers, mit einem Gewicht von ca. 300 g bei Männern und 250 g bei Frauen. Die Form des Herzens erinnert grob an eine Pyramide, es liegt fast in der Mitte des Brustkorbs, nur leicht nach links weisend, hinter den unteren 2/3 des Brustbeins, die Spitze weist nach vorne unten links, die Basis nach oben. Das Herz liegt dem Zwerchfell, dem Muskel, der den Bauchraum vom Brustraum trennt, auf. Rechts und links liegen die beiden Lungenflügel.

Die rechte Kammer (ventriculus dexter, rechter Ventrikel) fasst ebenso wie die linke Kammer (ventriculus sinister, linker Ventrikel) ein Volumen von etwa 90 ml. Die Muskelwand der rechten Kammer ist aber sehr viel dünner als die der linken, die etwa dreimal so dick ist.

Blutkreislauf

Aus der rechten Kammer entspringt die Lungenarterie, die sich schon bald in den rechten und linken Ast verzweigt, je einen für jeden Lungenflügel. Die rechte Kammer bildet den Großteil der Vorderseite des Herzens, die linke den der Hinterwand. Die beiden Vorhöfe liegen oberhalb der Kammern. Der rechte Vorhof (atrium dexter) ist mit der unteren und oberen Hohlvene und der rechten Kammer verbunden, er hat eine sehr dünne Wand. Die Wand des linken Vorhofs (atrium sinister) ist etwas dicker, in ihn münden die Lungenvenen, von vorne gesehen ist er von der Hauptschlagader (Aorta) und den Lungenarterien verdeckt.

Das sauerstoffarme Blut der unteren Körperhälfte strömt zum rechten Vorhof durch die untere Hohlvene (Vena cava inferior). Das sauerstoffarme Blut der oberen Körperhälfte wird dem rechten Vorhof durch die obere Hohlvene (Vena cava superior) zugeführt. Vom rechten Vorhof aus gelangt das Blut in die rechte Herzkammer. Von dort aus wird es über die Lungenarterie (Arteria pulmonalis) in die Lungen gepumpt. In der Lunge gibt es Kohlendioxid ab und nimmt Sauerstoff auf, bevor es über die Lungenvenen (Venae pulmonales) in den linken Vorhof strömt. Vom linken Vorhof nimmt das sauerstoffreiche Blut seinen Weg in die linke Kammer. Von der linken Kammer aus wird es in die Hauptschlagader, die Aorta, gepumpt und gelangt durch die Verzweigungen der Aorta in alle Körperregionen.

Aufbau der Herzwand

Die Herzwand besteht aus drei Schichten. In der Mitte liegt die dickste Schicht: Die Muskelschicht, auch Myokard genannt. Außen ist der Muskel vom Epikard, innen vom Endokard überzogen. Das Epikard besteht aus Bindegewebe und Fett. Das Endokard ist eine dünne, glatte Schicht von Endothelzellen, die nicht nur die Herzhöhlen, sondern auch die Herzklappen und alle Blutgefässe überzieht.

Herzbeutel

Das gesamte Herz liegt in einem Beutel aus Bindegewebe, der Perikard genannt wird. Das Perikard besteht aus zwei Schichten, dazwischen ist etwas Flüssigkeit, dies ermöglicht die Bewegungen des Herzmuskels innerhalb des Perikards.

Herzkranzgefässe

Die Herzkranzgefäße (Koronararterien) versorgen den Herzmuskel mit Blut. Zwei Koronararterien – die rechte und die linke – entspringen der Aorta unmittelbar nachdem sie die linke Kammer verlassen hat. Sie umlaufen das Herz in Höhe der Grenze zwischen Vorhöfen und Kammern kranz- oder kronenförmig, daher haben sie ihren Namen. Sie liegen dabei in einer rinnenförmigen Vertiefung, dem Sulcus coronarius, auf der Rückseite des Herzens treffen sich die beiden Herzkranzgefäße. Beide verzweigen sich recht bald in zwei Äste. Die linke Koronararterie ist erheblich dicker als die rechte: Sie versorgt die linke Kammer, die eine erheblich größere Arbeit als die rechte erledigen muss. Sie verzweigt sich in den Ramus circumflexus, der im Sulcus coronarius nach hinten verläuft und in den Ramus interventricularis anterior, der zwischen den beiden Herzkammern in einer Vertiefung, dem Sulcus interventricularis nach vorne zur Herzspitze verläüft. Wegen der starken Ausprägung der linken Koronararterie hat es sich eingebürgert, ihre beiden Äste als jeweils eigene, selbständige Kranzarterie anzusehen. Man spricht also beispielsweise von einer Dreigefäßerkrankung, wenn beide Äste der linken und die rechte Koronararterie von Verengungen betroffen sind.

Die rechte Koronararterie wird auch mit RCA, die linke mit LCA (right bzw. left coronary artery) abgekürzt, der linke absteigende Ast, der Ramus interventricularis anterior mit RIVA oder LAD (left anterior descendent), der umlaufende Ast, der Ramus circumflexus mit CX.

Die Versorgung des Herzmuskels mit Kapillaren ist außerordentlich dicht, es ist beinahe für jede einzelne Muskelzelle eine Kapillare vorhanden.

Schrittmacher und Reizleitung

Das Herz eines Erwachsenen zieht sich etwa 70 Mal in der Minute zusammen, ebenso oft erschlafft der Herzmuskel. Die koordinierte Kontraktion der Herzmuskelzellen wird durch eine elektrische Erregung ausgelöst, die ihren Ursprung in spezialisierten Zellen hat, die im rechten Vorhof liegen. Diese Zellen gehören zum sog. Sinusknoten, dem natürlichen Schrittmacher des Herzens. Im Prinzip haben alle Herzmuskelzellen die Fähigkeit, spontan ihre elektrische Polarität zu ändern, sich spontan zu depolarisieren. Die Zellen des Sinusknoten sind aber hierbei die schnellsten, sie können das sog. Aktionspotential schneller aufbauen als alle anderen Herzmuskelzellen. Die elektrische Erregung wird zunächst über die Muskelzellen des Vorhofs zum AV (Atrioventrikular) – Knoten weitergeleitet. Dort findet eine Verzögerung der elektrischen Leitung statt. Vom AV-Knoten aus erfolgt die Weiterleitung des elektrischen Impulses über spezialisierte Herzmuskelzellen des sog. Reizleitungssystems, dem His-Bündel, das sich in die beiden Tawara-Schenkel und sodann in die Purkinje Fasern aufspaltet. Von dort aus wird die elektrische Erregung an das Arbeitsmyokard weitergeleitet, dass sich infolge der Depolarisierung kontrahiert.

Herznerven

Das Herz steht unter dem Einfluss des unbewussten (vegetativen) Nervensystems, der Sympathikus führt zu einem schnelleren Herzschlag, die Schlagkraft des Herzens nimmt zu und die Leitung der Impulse im Reizleistungssystem wird beschleunigt (positiv chronotrope, positiv inotropE und positiv dromotrope Wirkung). Der Parasympathikus verlangsamt den Herzschlag und die Kontraktionskraft nimmt ab.

Herzklappen

Um die Flussrichtung des Blutes in eine Richtung zu gewährleisten, sind vier Herzklappen in den Blutstrom eingebaut, sie funktionieren wie Ventile, die ein Zurückfließen des Blutes in der Phase der Erschlaffung des Herzmuskels verhindern. Alle vier Herzklappen liegen in einer Ebene, der Ventilebene, die von außen durch den Sulcus coronarius markiert wird.

Zwischen Vorhöfen und Kammern liegen die Segelklappen, die aus Ausstülpungen des Endokards mit einem bindewebigen Kern bestehen, gegen das Durchschlagen in den Vorhof sind sie mit Sehnenfäden (Chordae tendineae) an Ausstülpungen des Myokards, den Papillarmuskeln befestigt. Die Segelklappe zwischen rechtem Vorhof und rechter Kammer ist dreiteilig und wird aus diesem Grunde Trikuspidalklappe (von lat. cuspes: Segel) genannt. Die Herzklappe zwischen linkem Vorhof und linker Kammer ist zweiteilig und erinnerte die Anatomen an eine Bischofsmütze (Mitra), sie wird aus diesem Grunde Mitralklappe genannt. Auch die Taschenklappen zwischen den Arterien und den Herzkammern bestehen aus einem bindegewebigen Kern mit einem Endokard-Überzug an der Oberfläche. Zwischen rechter Kammer und Arteria pulmonalis liegt die Pulmonalklappe, analog liegt zwischen linker Kammer und Aorta die Aortenklappe.

Systole und Diastole

Die Kontraktion des Herzmuskels wird Systole genannt, die Entspannung Diastole. Beide Aktionen zusammen dauern etwas mehr als 0,8 s bei einer Herzfrequenz von 70 Schlägen in der Minute. Der Ablauf eines Herzschlags, bestehend aus Systole und Diastole wird auch Herzzyklus genannt. Die durchschnittliche Diastole dauert mit 0,6 s erheblich länger als die Systole mit 0,2 s.. Nach der Diastole und vor der Systole der Kammer kann man noch eine sehr kurze Zeitspanne von 0,06 s abgrenzen, in denen sich die beiden Vorhöfe zusammenziehen: die Vorhofsystole.

Der Herzzyklus

Zu Beginn der (Kammer-)systole ziehen sich beide Kammern zusammen. Dies erhöht den Druck in den Kammern über den Druck in den Vorhöfen: Die Segelklappen schließen sich, das Blut kann nicht zurück in die Vorhöfe strömen. Die Kammermuskulatur spannt sich weiter an, aber die Aortenklappe und die Pulmonalklappe sind noch nicht geöffnet. Wir haben also zu Beginn der Systole eine Phase der isovolumetrischen Kontraktion (der Druck erhöht sich, aber das Volumen in den Kammern bleibt gleich). Erst wenn der Druck in den Herzkammern größer ist als der Druck in der Aorta bzw. Arteria pulmonalis, öffnen sich Pulmonal- und Aortenklappe und das Blut strömt in die Lunge bzw. in den Körper. Ist die Systole abgeschlossen, dann erschlafft der Herzmuskel: Die Diastole beginnt, Aorten- und Pulmonalklappe schließen sich, wenn der Druck im Herzen unter den Druck in den beiden Schlagadern sinkt. Fällt der Druck in den Kammern noch weiter ab und liegt schließlich unter dem Druck in den Vorhöfen, dann öffnen sich in der späteren Diastole die Segelklappen (Trikuspidal- und Mitralklappe) und das Blut strömt von den Vorhöfen in die Kammern. Gleichzeitig füllen sich die Vorhöfe mit dem Blut aus dem Körper durch die Hohlvenen bzw. dem Blut aus den Lungen durch die Pulmonalvenen. Bevor die Kammersystole einsetzt, kontrahieren sich beide Vorhöfe, um eine optimale Füllung der Kammern mit Blut zu erreichen.

Herztöne und Herzgeräusche

Im Laufe des Herzzyklus entstehen zwei Herztöne, die bei der ärztlichen körperlichen Untersuchung mit einem Stethoskop abgehört oder mit einem Phonokardiografen aufgezeichnet werden können. Der erste Herzton entsteht, wenn die Segelklappen sich zu Beginn der Systole schließen, der zweite beim Schluss der Taschenklappen. Der zweite Herzton ist lauter und kürzer als der erste. Schließen die Klappen nicht richtig (Klappeninsuffizienz) oder öffnen sie sich nicht komplett (Klappenstenose), dann entstehen Herzgeräusche. Aus der Art des Geräuschs und seiner Lokalisation kann schon bei der körperlichen Untersuchung ein Herzklappenfehler diagnostiziert werden.

Herzzeitvolumen

Das Herz schlägt in Ruhe etwa 70 Mal, pro Herzschlag werden etwa 60 ml Blut gepumpt, pro Minute also 4200 ml, diese Menge wird auch das Herzzeitvolumen (HZW) genannt. Bei einer Füllung von 90 ml bedeutet dies, dass ca. 2/3 (66 %) des im Herzen vorhandenen Volumens mit jedem Herzschlag ausgeworfen werden, dieser Prozentsatz ist die sog. Ejektionsfraktion (EF). Die EF wird heute meist mittels Echokardiografie bestimmt und ist ein Maß für die Leistungsfähigkeit des Herzens.

Das HZW ist auch unter normalen Bedingungen großen Veränderungen unterworfen: Die Pulsfrequenz kann bei körperlicher Anstrengung auf 200 und mehr Schläge steigen, das Auswurfvolumen auf bis zu 120 ml, das HZV also bis auf 24 l/min!Andererseits kann im Tiefschlaf die Pulsfrequenz bis auf 45/min und das Schlagvolumen auf unter 45 ml, das HZV also auf 1025 ml/min absinken.

Embryonale Entwicklung

Das primitive Herzrohr bildet sich am Ende der dritten Schwangerschaftswoche (SSW). Einwandernde Zellen bilden eine innere Muskelschicht. Am 22. Tag beginnt das primitive Herz zu schlagen. Während der 4. SSW wird das Herzrohr länger und faltet sich, um die Vorstufen der 4 Herzhöhlen (der beiden Vorhöfe und der beiden Kammern) zu bilden. Die Faltung ist am 28. Tag abgeschlossen. Anschließend bilden sich die Herzsepten zwischen rechtem und linkem Vorhof bzw. rechter und linker Kammer aus und die Herzklappen entstehen. Die Entwicklung des Herzens ist mit dem Ende der 12. SSW abgeschlossen.

Veränderungen nach der Geburt

Während der Schwangerschaft atmet das Ungeborene nicht selbst, es erhält seinen Sauerstoff über den Mutterkuchen (die Plazenta). Das Blut des Kindes strömt in der Plazenta durch ein Kapillarsystem, das mit dem mütterlichen Kapillarsystem vermischt ist. Sauerstoff und Nährstoffe diffundieren von den mütterlichen Kapillaren zu den kindlichen. Es ist also für das Kind unnötig, dass das gesamte Blut durch die Lunge fließt. Es existiert eine Öffnung zwischen dem rechten und dem linken Vorhof, das Foramen ovale, durch das Blut direkt vom rechten Vorhof in den linken Vorhof fließt, ohne die Lunge zu passieren. Weiterhin besteht eine Verbindung zwischen der Arteria pulmonalis (Lungenarterie) und der Aorta (Körperschlagader), der Ductus arteriosus, durch den das meiste Blut, das aus der rechten Herzkammer kommt, nicht in die Lunge, sondern direkt in den Körperkreislauf geschickt wird.

Nach der Geburt sistiert der Blutfluss durch die Nabelschnur und das Neugeborene macht seinen ersten Atemzug. Durch die Belüftung der Lunge sinkt der Gefäßwiderstand in der Lunge, durch den Wegfall der Nabelschnurdurchblutung steigt der Widerstand im Körperkreislauf an. Dadurch steigt der Druck im linken Vorhof und sinkt im rechten, der Blutfluss kehrt sich um. Eine ventilartige Klappe schließt sich, der Blutfluss vom linken in den rechten Vorhof wird gestoppt. Auch im Ductus arteriosus kehrt sich die Strömungsrichtung aufgrund der geänderten Druckverhältnisse um. Jetzt fließt Blut von der Aorta in die Arteria pulmonalis. Diese Strömungsumkehr und der erhöhte Sauerstoffgehalt führen zu einem langsamen Verschluss des Ductus, der einige Monate nach der Geburt abgeschlossen ist.

Evolution des Herzens: Die Wirbellosen

Bei manchen Würmern besteht das Herz nur aus einem muskulären Schlauch, der sich rhythmisch zusammenzieht und eine blutähnliche Flüssigkeit weiter befördert. Bei Seescheiden, einem wirbellosen, an Felsen festsitzenden Unterwasserbewohner, pumpt das Herz erst einige Minuten in die eine Richtung, dann kehrt sich der Blutstrom in die andere Richtung um. Einige Mollusken haben dagegen ein Herz mit einer sehr komplexen Struktur mit bisweilen vier Vorhöfen und einer Kammer. Bei manchen Ringelwürmern existieren mehrere unabhängige Herzen. Diese großen Unterschiede in der Struktur und der Zahl der Herzen bei Wirbellosen kann durch die geringe Größe und die geringe Stoffwechselaktivität erklärt werden. Der Kreislauf bei den Wirbellosen dient auch nicht dem Gasaustausch, sondern dem Transport von Nährstoffen.

Evolution des Herzens: Die Wirbeltiere

Bei Wirbeltieren bekommt der Kreislauf eine zusätzliche Aufgabe: Den Transport von Sauerstoff zu den Zellen.

Fische besitzen unter den Wirbeltieren die einfachste Konstruktion des Herzens: es besteht nur aus einem Vorhof und einer Kammer, getrennt durch eine Klappe. Das Herz transportiert das sauerstoffarme Blut zu den Kiemen, anschließend gelangt es in den Körperkreislauf. Auch die Muskulatur der Kiemen ist am Bluttransport beteiligt. Der Fisch hat somit nur einen einzigen Kreislauf.

Bei den Amphibien existieren dagegen schon zwei (weitgehend) getrennte Kreisläufe. Das Amphibienherz besteht aus zwei Vorhöfen und einer Kammer. Die Trennung von sauerstoffreichem und sauerstoffarmem Blut erfolgt durch zeitliche Koordination: Erst wird das verbrauchte Blut in die Lungen gepumpt, dann kommt das oxygenisierte Blut in den Körperkreislauf.

Bei den Reptilien existieren zwei Vorhöfe und eine Kammer, die eine unvollständige Trennwand enthält, so dass es zu einer gewissen Durchmischung des Blutes beider Kreisläufe kommt. Eine Ausnahme bei den Reptilien bildet das Krokodil: Die Scheidewand zwischen den beiden Herzkammern ist hier komplett. Ein Unterschied zu den Säugetieren besteht dennoch: Das Blut aus der rechten Herzkammer kann zur Lunge oder in die rechte Systemarterie geschickt werden, je nachdem ob Sauerstoff zum Atmen zur Verfügung steht oder nicht.

Warmblütige Tiere wie Vögel und Säugetiere haben die höchste Entwicklung des Herzens erreicht, der Körperkreislauf und der Lungenkreislauf sind völlig getrennt. Es kommt somit zu keiner Durchmischung von sauerstoffarmem und sauerstoffreichem Blut mehr. Die Evolution bei Säugetieren und Vögeln scheint dabei völlig unabhängig zum gleichen Ergebnis gekommen zu sein, bei beiden das Ergebnis einer Millionen Jahre währenden Entwicklung.

Geschichte

Galen (129 – 199), der berühmte griechisch-römische Arzt der Antike, beschrieb die Herzklappen und den Unterschied zwischen Arterien und Venen. Er fand auch heraus, dass die Adern Blut und nicht Luft transportieren, wie man zuvor angenommen hatte. Der geschlossene Blutkreislauf blieb ihm allerdings verborgen, er sah die Leber und nicht das Herz als Zentrum des Kreislaufs an.

Andreas Vesalius (1514 – 1564), ein im heutigen Belgien geborener Anatom, war der erste, der Galen kritisierte. Er stellte fest, dass das Blut nicht von der rechten in die linke Herzkammer fließen konnte, wie Galen behauptet hatte. Von ihm stammt die erste komplette, zutreffende Beschreibung des Herzens.

Michael Servetus (1511 – 1553), spanischer Arzt und Theologe, machte bahnbrechende Entdeckungen über den Lungenkreislauf. Er maß die Menge Blut in der Lunge und kam zu dem Schluss, dass die Lunge Aufgaben der Blutaufbereitung haben müsse. Er zeigte auch, dass das Blut über die Lungenvenen zur rechten Kammer strömte. Er wurde in Genf auf dem Scheiterhaufen wegen Ketzerei verbrannt, der Ankläger war der Protestant Calvin.

Realdo Colombo (1516 – 1559), italienischer Arzt und Anatom, wurde ebenfalls von der Kirche verfolgt, sein Buch De re anatomica landet auf dem Index librorum prohibitorum, der Liste verbotener Bücher. Er war der erste, der Systole und Diastole des Herzens beschrieb, er erkannte auch die Funktion der Herzklappen als Ventile.

William Harvey (1578-1657), Leibarzt der englischen Könige James I. und Charles I. schließlich war es, der in seinem 72 seitigen Büchlein Exercitatio Anatomica de Motu Cordis et Sanguinis in Animalibus zum ersten Mal den Blutkreislauf korrekt beschrieb. Nun erst, fast 1400 Jahre nach Galens Tod, waren alle seine Irrtümer, die so lange von der Kirche konserviert wurden, beseitigt. Harvey, der vom englischen König aktiv unterstützt wurde, führte unzählige Sektionen und auch Untersuchungen sowie Experimente am lebenden Tier durch.

Eine Frage konnte Harvey aufgrund fehlender Instrumente allerdings nicht beantworten: Wie kam das Blut vom Ende der Arterien in den Anfang der Venen? Harvey postulierte, dass es kleine Blutgefässe sein müssten, die mit dem blossen Auge nicht sichtbar waren. Es war der Italiener Marcello Malpighi (1628- 1694) der zum ersten Mal das fehlende Bindeglied nachwies: Die allerkleinsten Blutgefässe, die Kapillaren, durch die das Blut aus den Arterien strömt, Nahrung und Sauerstoff an das Gewebe abgibt um dann wieder von den kleinsten Venen aufgenommen zu werden.

Es war der französiche Arzt René Théophile Hyacinthe Laënnec (1781 – 1826), der 1816 das Stethoskop erfand. Er verglich die Geräusche und Töne, die er an Herz und Lunge gehört hatte, mit den krankhaften Befunde der Organe bei der Obduktion. 1818 publizierte er De l’auscultation médiate, bei er die neue Methode der mittelbaren Auskultation vorstellte.

Die ersten Herzstromkurven hatte 1887 der englische Physiolge Augustus Désiré Waller aufgezeichnet. Sein holländischer Kollege Willem Einthoven wiederholte Wallers Untersuchungen, verbesserte die Methode, erkannte die klinische Bedeutung und nannte das neue Verfahren Elektrokardiogramm. 1924 erhielt er den Nobelpreis für das von ihm entwickelte EKG.

Der deutsche Arzt Werner Forßmann (1904 – 1979) führte die erste Herzkatheteruntersuchung 1929 bei sich selber durch. Er handelte sich damit einen Rüffel seines Chefs, Ferdinand Sauerbruch ein (Mit solchen Kunststücken habilitiert man sich in einem Zirkus und nicht an einer anständigen deutschen Klinik), verlor seine Stelle in der Berliner Charité, gewann aber 1956 den Nobelpreis.

Alexis Carell (1873 – 1944), französisch-amerikanischer Arzt und Nobelpreisträger, entwickelte die Gefäßnaht, begründete damit die Gefäßchirurgie und auch die koronare Bypassoperation.

Die erste Operation an einem der großen Blutgefäße in Herznähe nahm der amerikanische Chirurg Robert E. Gross im Oktober 1938 vor. Er korrigierte erstmals erfolgreich einen offenen Ductus arteriosus Botalli (s.o.) bei einem 7 1/2 Jahre alten Mädchen.

Die erste aortokoronare Bypassoperation unternahm im Jahre 1967 der argentinische Herzchirug René Favaloro an der Cleveland Clinic Foundation der Vereinigten Staaten. Favaloro kehrte 1971 nach Argentinien zurück und brachte sich im Jahr 2000 wegen finanzieller Probleme mit einem Schuß ins Herz uns Leben.

Ebenfalls im Jahre 1967 führte der südafrikanische Herzchirurg Christiaan Barnard die erste Herztransplantation an dem 54jährigen Louis Washkansky durch. Washansky überlebte die Operation nur 19 Tage. Phillip Bleiberg, der zweite Patient bei dem Barnard eine Transplantation durchführte, überlebte 19 Monate. Im Jahre 2005 wurden 400 Herzen alleine in Deutschland transplantiert, 62% der Patienten mit einem transplantierten Herzen leben noch nach 5 Jahren.

Read Full Post »

Hepatitis

Hepatitis, eine akute oder chronische Entzündung der Leber, verursacht meist durch Hepatitisviren, Alkohol, Medikamente oder Chemikalien, seltener begleitend bei anderen Infektionskrankheiten oder durch Autoimmunprozesse und Stoffwechselerkrankungen (Morbus Wilson).

Symptome

Symptome der Hepatitis sind Appetitlosigkeit und Erbrechen, Schwäche, Fieber und Juckreiz. Eine Gelbfärbung der Haut (die Gelbsucht) entsteht, wenn die Leber nicht mehr in der Lage ist, das Bilirubin (ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs) über die Galle zur Ausscheidung zu bringen. Die Konzentration von Billirubin im Blut steigt an, das Billirubin lagert sich in der Haut ab und färbt sie gelb. Sterben Leberzellen ab, dann setzen sie intrazelluläre Enzyme in das Blut frei, bei jeder Form der H. sind diese Transaminasen (Gamma-Gt, GOT und GPT) in erhöhter Konzentration im Blut nachweisbar. Viele Formen der H. beginnen akut, je nach Ursache gehen sie in unterschiedlicher Häufigkeit in chronische Verläufe über. In jedem Stadium einer Hepatitis kann es zu einem vollständigen Leberversagen kommen. Eine völlige Auflösung der normalen Leberstruktur mit der Bildung von Knoten regenerierten Lebergewebes, umgeben von stark vermehrtem Bindegewebe, wird als Leberzirrhose bezeichnet und tritt vor allem bei chronischen Erkrankungen auf.

Virushepatitis

Fünf spezifische Hepatitisviren sind bislang bekannt, sie werden mit Buchstaben gekennzeichnet: A, B, C, D, und E. Jeder dieser Viren gehört zu einer anderen Virusfamilie, benutzt spezifische Übertragungswege und erzeugt ein unterschiedliches Krankheitsbild. Die Virushepatitis ist in Deutschland eine meldepflichtige Krankheit nach dem Infektionsschutzgesetz.

Hepatitis A

Die Hepatitis A wird durch das Hepatitis-A-Virus (HAV) verursacht, ein Einzelstrang – RNA-Virus aus der Familie der Picornaviren. Das HAV kommt auf der ganzen Welt vor, in den westlichen Industrieländern kommt es dank verbesserter Hygiene zu einem stetigen Rückgang der Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten, in den Entwicklungsländern ist es aber immer noch sehr weit verbreitet.

In Deutschland tritt die HA sehr häufig als Reiseinfektion auf. Der Erreger wird über den Stuhl ausgeschieden, die Übertragung erfolgt meist durch Virenverseuchtes Trink- oder Badewasser und Lebensmittel (besonders häufig durch Muscheln und Austern sowie durch mit Fakälien gedüngtes Gemüse). Seltener ist die Übertragung durch persönlichen Kontakt, sehr selten die durch Blut- und Blutprodukte.

Zwei bis vier Wochen nach der Infektion treten die ersten Symptome auf, nach einer Erkrankungsdauer von einigen Wochen bis Monaten werden die meisten Patienten wieder völlig gesund, sie behalten eine lebenslange Immunität. Sehr häufig verläuft eine HAV-Infektion mit nur sehr geringen Beschwerden oder sogar völlig unbemerkt. Der Übergang in eine chronische H. stellt eine Ausnahme dar. Allerdings kann es, vor allem bei Patienten mit vorgeschädigter Leber, zu sehr dramatischen und auch tödlichen Verläufen kommen.

Die Diagnose erfolgt durch den Nachweis von HAV-Antikörpern vom IgM-(Immunglobulin M)Typ. Antikörper vom IgG–Typ weisen eine überstandene Infektion nach.

Eine spezielle Therapie gibt es nicht, Alkohol sollte vermieden werden, je nach Schwere der Erkrankung ist Bettruhe erforderlich.

Eine Schutzimpfung gegen Hepatitis A steht zur Verfügung. Die STIKO empfiehlt eine Impfung für Risikopersonen: z. B. Personal in (bestimmten) medizinischen Einrichtungen und Kinderheimen, homosexuell aktive Männer, Kanalisations- und Klärwerksarbeitern, Kontaktpersonen zu H.-A–Kranken sowie Menschen mit einer chronischen Lebererkrankung ohne schützende Antikörper. Sehr wichtig ist die Schutzimpfung bei Reisen in Länder mit hoher Infektionsgefahr.

Hepatitis B

Das Hepatitis-B-Virus (HBV) ist ein umhüllter DNA-Virus, aus der Familie der Hepadnaviren. Die Hülle besteht aus dem Hepatitis-B-Oberflächenantigen (Hepatitis B surface antigen, Abk.: HBsAg), durch den auch eine akute bzw. chronischen Infektion durch eine Blutuntersuchung nachgewiesen werden kann. Das Viruskapsid besteht aus dem Core-Antigen (Abk.: HBcAg). Patienten, die eine HBV–Infektion durchgemacht haben, weisen Antikörper (anti-HbC) gegen dieses Antigen auf.

Das e-Antigen (HBeAg) stammt ebenfalls aus dem Virus-Core, der Nachweis ist ein Hinweis auf eine größere Infektiosität des Blutes und eine höhere Wahrscheinlichkeit einer chronischen Lebererkrankung.

Nach Angaben der WHO haben etwa 2 Milliarden Menschen eine HBV-Infektion durchgemacht, 5 bis 7 % der Weltbevölkerung, also 300 bis 420 Millionen Menschen, sind chronisch mit HBV infiziert, pro Jahr sterben ca. eine Million Menschen an einer Leberzirrhose oder einem Leberzellkarzinom infolge einer HB- Infektion. Somit ist die Hepatitis B eine der häufigsten und bedeutsamsten Infektionskrankheiten.

In Deutschland erkrankten laut Robert Koch Institut 1274 Menschen im Jahre 2004 an einer HBV-Infektion, bei ca. 7 % der deutschen Bevölkerung ist anti-HBc als Merkmal einer durchgemachten HBV-Infektion nachweisbar, ca. 0,6 % sind chronische Virusträger.

Die Übertragung des HB-Virus erfolgt durch Blut- und Blutprodukte sowie Geschlechtsverkehr. Auch eine Infektion des Neugeborenen durch die Mutter ist möglich. Durch umfangreiche Schutzmaßnahmen konnte das Infektionsrisiko für Bluttransfusionen auf etwa 1: 250.000 bis 1:500.000 gesenkt werden, bei etwa 60 bis 70 % der Neuerkrankungen in Deutschland ist der sexuelle Übertragungsweg anzunehmen. So nimmt es auch nicht Wunder, dass die Mehrzahl der Neuerkrankungen bei jungen Erwachsenen (als der sexuell aktivsten Bevölkerungsgruppe) auftritt.Hochrisikogruppen für HBV-Infektionen sind spritzende Drogenabhängige, Prostituierte, homosexuell aktive Männer und Mitarbeiter im Gesundheitswesen und Heimen.

Nach einer Inkubationszeit von 40 bis 200 Tagen kommt es zum Ausbruch der Erkrankung, die in einem Drittel der Fälle einen typischen Verlauf mit Gelbsucht aufweist. Bei einem weiteren Drittel der Fälle tritt ein leichterer Verlauf ohne Gelbsucht auf und ein letztes Drittel hat keinerlei Symptome. Mehr als 90 % der Erkrankten überstehen die Erkrankung ohne Folgen und sind lebenslang immun. Bei weniger als einem Prozent tritt ein akutes Leberversagen auf, das ohne Lebertransplantation meist tödlich verläuft. 5 bis 10 % der Erkrankten entwickeln eine chronische H..(Von einer chronischen H. spricht man, wenn das HBsAG nach mehr als 6 Monaten noch nachweisbar ist.)

Eine chronische Hepatitis B führt pro Jahr in 2 bis 10 % der Fälle zu einer Leberzirrhose. 2 bis 7% der Patienten mit chronischer Hepatitis B und einer Leberzirrhose erkranken pro Jahr neu an einem Leberzellkarzinom, aber auch ohne Zirrhose sind es noch 0,1 bis 0,6 % der Fälle.

Die Diagnose einer akuten HB-Erkrankung stützt sich auf den Nachweis von IgM -Antikörpern gegen das Coreantigen (anti HBc) und dem HBsAg im Blut. Bei der chronischen Hepatitis ist das HBs – Antigen auch weiterhin nachweisbar.

Es gibt noch keine gesicherte Therapie der akuten Hepatitis B. Bei schweren Verläufen wird das aus der AIDS-Therapie bekannte Nucleosidanalogon Lamivudin (Zeffix®) eingesetzt. Beim akuten Leberversagen ist eine Lebertransplantation oft die einzige Rettung.

Zur Therapie der chronischen Hepatitis B wird Interferon α und Lamivudin eingesetzt. Bei lebensbedrohlichem Verlauf der HB-assoziierten Leberzirrhose wird eine Lebertransplantation angestrebt. Eine Vorbehandlung mit HB-Imunglobulin (Antikörper gegen das HBV) und Lamivudin verhindert oft die ansonsten regelmäßige Neuinfektion der transplantierten Leber.

Eine Schutzimpfung gegen HB wird von der STIKO bei allen Säuglingen und Kleinkindern mit Nachholimpfungen bis spätestens zum 18. Lebensjahr und allen Risikogruppen (s.o.) empfohlen.

Hepatitis C

Der Erreger der H. C ist ein RNA-Virus aus der Familie der Flaviviren. Das Hepatitis C Virus (HCV) besitzt eine hohe Variabilität, bekannt sind 6 Genotypen und 30 Subtypen.

Nach WHO-Angaben sind 3 % der Weltbevölkerung chronisch mit HCV infiziert, in Deutschland ca. 0,3 bis 0,5 %.

Das HCV wird vor allem mit dem Blut übertragen, seltener durch Geschlechtsverkehr oder von der Mutter auf das neugeborene Kind. (Das Risiko bei einer Bluttransfusion liegt in Deutschland derzeit bei weniger als 1: 1 Million.)

Bei 75 % der Infizierten verläuft die Erkrankung fast ganz oder völlig ohne Symptome, nur ein Viertel erleidet eine akute Hepatitis. Allerdings entwickeln bis zu 85 % der Betroffenen eine chronische H.C, bei jedem fünften mündet die Krankheit in eine Lebercirrhose mit deutlich erhöhtem Risiko für das Leberzellkarzinom.

Die Diagnose erfolgt durch den Antikörpernachweis im Blut, bei positivem Befund sind Bestätigungsteste erorderlich.

Die akute H. C kann mit Interferon in einem hohen Prozentsatz der Fälle geheilt werden. Bei der chronischen Form wird mit pegyliertem Interferon α in Kombination mit dem Nucleosidanalagon Ribavirin (Rebetol ®) behandelt, hierbei erzielt man je nach Genotyp langfristige Ansprechraten in 50 bis 80 % der Fälle.

Eine Schutzimpfung steht nicht zur Verfügung. Vorbeugungsmaßnahmen sind Aufklärung und steriles Besteck für spritzende Drogensüchtige, Testung der Blutspender und Blutkonserven sowie weitere Maßnahmen im medizinischen Bereich, um die Übertragung des HCV vom Patienten auf das Personal und vice versa zu vermeiden.

Hepatitis D

Der Erreger der H.D. ist ein defekter RNA-Virus, der vom HBs-Antigen des H.B-Virus umhüllt wird. Die Infektion mit H.C kann deswegen auch nur zusammen mit einer H.B.-Infektion erfolgen, entweder gleichzeitig mit dieser (Co- oder Simultaninfektion) oder nacheinander (Simultaninf.), z. B. bei einer chronischen Hepatitis B.

Die Erkrankung ist in Deutschland selten (5 % der HBsAg-Positiven), im Mittelmeerraum häufiger. Die Übertragungswege und die Vorbeugung sind die gleichen wie bei der H.B: Die Impfung gegen H.B schützt auch vor H.D, da der H.D –Virus zwingend auf eine H.B.-Infektion angewiesen ist.

Die Diagnose erfolgt durch Antikörpernachweis, eine Therapie ist nicht bekannt. In über 90 % der Fälle entsteht eine chronische H., das Risiko von Lebercirrhose und Leberzellkarzinom ist gegenüber der alleinigen Infektion mit H.B. deutlich erhöht.

Hepatitis E

Die H.E tritt vor allem in Südostasien, in Mexiko, im Nahen Osten und in Nord- und Westafrika auf. In Deutschland sind nur vereinzelte Fälle berichtet worden. Der Erreger, das Hepatitis-E-Virus (HEV), ist ein hüllenloses, bislang nicht klassifiziertes RNA-Virus. Krankheitsbild und Übertragungsweg entsprechen der HA: Es gibt keine chronischen Verläufe, das HEV wird mit dem Stuhl ausgeschieden, die Übertragung erfolgt durch verunreinigtes Wasser und Lebensmittel. Die Sterblichkeit liegt nach WHO-Angaben zwischen 0,4 und 4 % der Erkrankten, sie kann in der Schwangerschaft bis zu 20 % erreichen. Eine Schutzimpfung ist nicht bekannt.

Alkoholhepatitis, Hepatitis durch Medikamente und Chemikalien

Die A.H. tritt im Rahmen der Alkoholkrankheit auf, chronischer Alkoholmissbrauch führt in vielen Fällen zunächst zur Verfettung der Leberzellen (Fettleber), dann zur meist chronischen Fettleberhepatitis und schließlich zur Lebercirrhose. Medikamente und Chemikalien können das gleiche Krankheitsbild hervorrufen.

Hepatitis bei anderen Infektionskrankheiten (Begleithepatitis)

Infektionen mit dem Ebstein Barr Virus (EBV, infektiöse Mononukleose, Pfeiffersches Drüsenfieber), dem Zytomegalievirus oder Leptospiren (Morbus Weil) können eine Hepatitis hervorrufen, wobei diese meist nicht im Vordergrund der Erkrankung steht.

Autoimmunhepatitis, Morbus Wilson

Bei einigen Fällen von Hepatitis lässt sich eine eindeutige Ursache nicht ermitteln („kryptogene“ H.). Oft sind diese Erkrankungen mit Anzeichen einer gestörten Immunregulation verbunden. Obwohl der klare Beweis für die kausale Bedeutung der Autoimmunvorgänge fehlt, sprechen viele dieser meist chronischen Hepatitiserkrankungen auf Kortison und immunsupressive Medikamente an. Auch der Morbus Wilson, bei dem der Stoffwechsel des Kupfers gestört ist, kann eine Hepatitis verursachen.

WHO

Robert Koch-Institut zur Hepatitis B

Centers for Disease Control: Viral Hepatitis

Read Full Post »

Helicobacter pylori (Abk.: Hp), spiralförmiges, gramnegatives Bakterium, ruft Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre sowie Magenkrebs hervor.

Bedeutung

Ca. 50 % der Bevölkerung weltweit sind mit Hp infiziert, in Entwicklungsländern bis zu 100 %, in Westeuropa 30 % und weniger, ältere Menschen und solche mit niedrigerem sozialen Status sind häufiger befallen. Die Übertragung erfolgt vermutlich fäkal-oral, d.h. das Bakterium wird mit dem Stuhl ausgeschieden und gelangt durch sogenannte Schmierinfektionen über den Mund in den Verdauungstrakt.

Die australischen <Ärzte Barry Marshall und Robin Warren entdeckten das Bakterium 1983 und erhielten dafür 2005 den Medizinnobelpreis. Bis zu diesem Zeitpunkt hielt man den Mageninhalt aufgrund seines Gehalts an Salzsäure für steril. Hp schützt sich vor der Säure durch das Enzyme Urease, das Harnstoff in Ammoniak und Wasser verwandelt, dadurch um das Bakterium herum die Salzsäure abpuffert.

Hp lässt sich bei 70 bis 90 % aller Zwölffingerdarmgeschwüre und bei 30 bis 60 % aller Magengeschwüre nachweisen. Andererseits erkranken längst nicht alle Infizierten, sondern nur etwa 10 %. Die Ursachen hierfür sind im Wesentlichen noch unklar, sie liegen vermutlich in Wirtsfaktoren ebenso begründet wie in Pathogenitätsfaktoren der verschiedenen Hp-Stämme.

Diagnose

Hp wird meist bei einer Spiegelung von Magen und Zwölffingerdarm in einer gewonnen Gewebeprobe diagnostiziert. Dies geschieht histologisch unter dem Mikroskop an einem gefärbten Gewebeschnitt und durch den sog. Urease-Schnelltest, der das spezifische Enzym Urease in der Geweprobe aufspürt. Hp lässt sich auch ohne Endoskopie nachweisen. Beim Atemtest muss der Patient zunächst eine mit dem schwach radioaktivem Isotop 13C markierte Lösung von Harnstoff trinken. Ist in der Atemluft nach einiger Zeit 13C nachweisbar, ergibt dies einen Hinweis auf das Vorliegen des Harnstoff spaltenden Enzyms Urease und somit indirekt von Hp im Magen.Auch der Antikörpernachweis im Blut oder der Antigennachweis im Stuhl sind diagnostische Möglichkeiten.

Therapie

Wird zusammen mit dem Nachweis eines Zwölffingerdarm- oder Magengeschwürs eine Infektion mit Hp festgestellt, dann strebt man heutzutage eine Erradikation an, d. h. man versucht den Keim durch die kombinierte Gabe von Antibiotika und säurehemmenden Mitteln völlig abzutöten. Hierzu erhält der Patient in der Regel einen Protonenpumpenhemmer (z. B. Omeprazol) in Verbindung mit Clarithromycin und Amoxicillin über 7 Tage. Alternativ kann statt des Amoxicillins auch Metronidazol gegeben werden. Diese Therapie revolutionierte die Behandlung des Magen- und Zwölffingerdarmgeschwürs: Erstmals waren Heilungen durch medikamentöse Therapie möglich geworden, wo früher verstümmelnde Operationen durch z. B. 2/3-Resektionen des Magens erforderlich waren.

Hp lebt offensichtlich schon seit vielen hunderttausend Jahren im Magen des Menschen, die spezifische DNA konnte von Archäologen in entsprechend alten Funden nachgewiesen werden. Viele Forscher vermuten, dass eine so lange Koexistenz auch einen Vorteil für den Menschen haben müsse: Die Verhütung von Darminfektionen, von Sodbrennen und Entzündungen der Speiseröhre (Refluxösophagitis) wird als heilsame Wirkung des Hp diskutiert.

The Heliobacter Foundation, von Barry Marshall

European Helicobacter Study Group

Max- Planck-Gesellschaft

Read Full Post »

Hausarzt (syn.: Primärarzt), Arzt, der den Patienten umfassend und lebenslang in seinem häuslichen und familiären Umfeld diagnostisch und therapeutisch betreut. Der HA übernimmt darüber hinaus eine koordinierende Funktion der verschiedenen diagnostischen, therapeutischen, vorbeugenden und pflegerischen Maßnahmen.

In Deutschland übernehmen Praktische Ärzte, Fachärzte für Allgemeinmedizin, Pädiater und Fachärzte für Innere Medizin ohne Schwerpunktbezeichnung die hausärztliche Versorgung.

Während um 1900 die HA die weit überwiegende Zahl aller Ärzte stellte, waren sie bis zum Ende des 20 Jhdts. zur Minderheit geworden. Sowohl wegen der schädlichen Auswirkung auf die Patientenversorgung (z. B. unbeachtete Medikamentenwechselwirkungen) als auch auf die Gesundheitsökonomie (z. B. Doppeluntersuchungen) forderte die WHO in einem 1963 veröffentlichten Bericht die vermehrte Förderung der hausärztlichen Betreuung als einer Medizin, die sich nicht auf bestimmte Organsysteme, Krankheiten, Alter oder Geschlecht konzentriert.

In vielen Ländern der Welt ist man dieser Forderung nachgekommen, auch in Deutschland mit der letzten Gesundheitsreform 2006 durch Änderung des Sozialgesetzbuches V, mit der festgelegt wurde, dass alle Krankenkassen zukünftig Hausarzttarife anbieten müssen. Die Teilnahme bleibt für Ärzte und Patienten freiwillig, die Kassen gewähren ihren Versicherten einen Rabatt, wenn sie vor der Inanspruchnahme eines spezialisierten Gebietsarztes ihren fest gewählten HA konsultieren.

Read Full Post »

Deutscher Hausärzteverband, Berufsverband der Hausärzte in Deutschland, mit rund 30.000 Mitgliedern der größte fachgruppenspezifische ärztliche Interessenverband, sieht sich zunehmend in der Rolle einer gewerkschaftsähnlichen Organisation mit eigenständiger Vertragskompetenz in hausärztlichen Angelegenheiten gegenüber Krankenkassen und anderen Beteiligten im Gesundheitswesen.

1960 wurde der HÄV als Berufsverband Praktischer Ärzte (BPA) gegründet; später umbenannt in Bundesverband der Allgemeinärzte Deutschlands (BDA), trägt er seinen jetzigen Namen seit 2002. Der HÄV fordert eine eigenständige hausärztliche Vergütung nach einer eigenen Gebührenordnung und eine von den Fachärzten getrennte hausärztliche Kassenärztliche Vereinigung. Er engagiert sich in der Fortbildung seiner Mitglieder und entwickelt eigene, hausärztlich orientierte medizinische Leitlinien.

Vorstandsvorsitzender ist seit dem 16. Feb. 2005 der Allgemeinarzt Rainer Kötzle.

Hausärzteverband im Netz

Read Full Post »

Hartmannbund, Berufsverband in Deutschland zur Interessenvertretung aller Ärzte mit etwa 40.000 Mitgliedern.

Der HB wurde lange Zeit als Interessenvertretung vor allem der niedergelassenen Ärzte angesehen. Mittlerweile sind jedoch 38 % der Mitglieder angestellte und beamtete Ärzte und nur 37 % niedergelassen in eigener Praxis. 25 % der Mitglieder sind Pensionäre oder Studenten. Der HB gibt seine Mitgliederzahl mit 60.000 an, da jedoch auch Organisationen dem HB beitreten können, sind Doppelzählungen anzunehmen.

Ziel des HB ist die freie und unabhängige Berufsausübung von Ärzten in Klinik und Praxis… Der Hartmannbund steht satzungsgemäß für Vertragsfreiheit, freie Niederlassung, freie Arztwahl sowie für eine gerechte und angemessene Vergütung ärztlicher Leistungen.

Der HB wurde im Jahre 1900 von dem Leipziger Arzt Hermann Hartmann als Schutzverband der Ärzte Deutschlands zur Wahrung ihrer Standesinteressen gegründet. Nach dem Tod seines Gründers wurde er 1924 in Verband der Ärzte Deutschlands (Hartmannbund) umbenannt. Der HB wurde am 1.4.1936 aufgrund § 87 der Reichsärzteordnung vom 13.12.1935 aufgelöst; er wurde am 20.5.1949 wieder gegründet. Der Bundesvorsitzende des HB ist der Allgemeinarzt Dr. Kuno Winn aus Hannover.

Hartmannbund

Read Full Post »

Harnstoff

Harnstoff ensteht, wenn im menschlichen und tierischen Organismus stickstoffhaltige Substanzen wie z.B. Eiweiße oder Aminosäuren abgebaut werden. Harnstoff ist auch oft Bestandteil von Medikamenten zur Behandlung von Hautkrankheiten, z.B. bei trockener Haut oder Schuppenflechte.

1828 synthetisierte Friedrich Wöhler H. aus Ammoniumcyanat, dies stellte die erste Synthese eines organischen Stoffes aus anorganischen Stoffen dar.

Die Bestimmung der H.-Konzentration im Blutserum dient zur Kontrolle der Nierenfunktion, da H. in der Leber gebildet und über die Nieren ausgeschieden wird. H. wird in Salben eingesetzt, um der Haut Feuchtigkeit zuzuführen.

Links

Seilnacht.com: Harnstoff chemisch

Med4you: Harnstoff in der medizinischen Labordiagnostik

Read Full Post »

Older Posts »