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Archive for 8. Juli 2007

Illusion

Illusion (lat. illusio: Verspottung, Täuschung), eine Sinnestäuschung, bei der im Ggs. zur Halluzination ein entsprechender Sinnesreiz vorhanden ist, der jedoch verkannt oder umgedeutet wird.

Ein klass. Beispiel ist die Verkennung von Windmühlen als Riesen durch Don Quijote. I. kommen bei verschiedenen, vor allem körperlich begründeten Psychosen vor, aber auch als Aura vor einem epileptischen Anfall, bei Migräne, bei Müdigkeit und starker Angst.

Philex – Lexikon der Philosophie: Illusion

Enzyklopaedia Britannica: „illusion“

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Ibuprofen

Ibuprofen, schmerzstillendes, fiebersenkendes und entzündungshemmendes Medikament aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) und nicht opioiden Schmerzmittel. Aufgrund der im Vergleich zu Paracetamol größeren therapeutischen Breite wird es zunehmend zur Fiebersenkung bei Kindern eingesetzt. Bei der Behandlung des Migräneanfalls ist es ein Mittel der ersten Wahl. Vielfach wird es aufgrund der besseren Magenverträglichkeit und der geringeren Beeinflussung der Blutgerinnung der Acetylsalicylsäure als Schmerzmittel vorgezogen.

Anwendung

I. steht in Deutschland als Dragee und Tablette mit einem Gehalt von 200, 400, 600 und 800 mg zur Verfügung, ab 600 mg Wirkstoffgehalt pro Tablette besteht Rezeptpflicht, darunter Apothekenpflicht. Zäpfchen mit einem Gehalt von 500 mg Wirkstoff, Saft und Ampullen werden ebenfalls eingesetzt. Zur Linderung von Gelenkbeschwerden o.Ä. sind auch lokal anwendbare Mittel (z. B. Dolgit Creme®) im Handel.

Im letzten Drittel der Schwangerschaft sollte I. wegen der Gefahr eines vorzeitigen Verschlusses des Ductus Botalli nicht eingesetzt werden, für die anderen Drittel fehlen bisher fundierte Studien zur Unbedenklichkeit. Zu einem sehr geringen Teil (ein Prozent) geht I. in die Muttermilch über.

Die Dosis schwankt je nach Anwendungsgebiet: Bei Kopfschmerzen reichen oft 200 mg als Einzeldosis beim Erwachsenen aus, bei rheumatischen Beschwerden muss höher, bis zu 800 mg, dosiert werden. Die Tageshöchstdosis beträgt 2400 mg beim Erwachsenen, bei Kindern 30mg pro kg Körpergewicht.

Wirkungsmechanismus

I. wirkt, indem es das Enzym Cyclooxygenase (COX) reversibel hemmt. Dadurch kommt es zu einer verminderten Bildung von Prostaglandinen, die als Mittler von Schmerz, Entzündung und Fieber bekannt sind. Die Bildung von Thromboxan und damit die Blutgerinnung werden ebenfalls gehemmt, aber weitaus schwächer, als dies die Acetylsalicylsäure (ASS, bekannt als Aspirin® u.ä.) durch ihre irreversible Hemmung der COX bewirkt. Wie neuere Studien zeigen, kann I., zusammen mit ASS eingenommen, der gerinnungshemmende Wirkung dieser Substanz sogar entgegenwirken. Die Schutzwirkung vor Herzinfarkt und Schlaganfall würde damit ebenfalls verringert.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen resultieren im wesenlichen aus dem Wirkprinzip der COX – Hemmung: Magenbeschwerden bis hin zum Geschwür und zur Magenblutung, Auslösung eines Asthmaanfalls und möglicherweise Verschlechterung der Nierenfunktion. Die Magenverträglichkeit wird durch die Einnahme nach dem Essen erhöht, durch den gleichzeitigen Konsum von Alkohol verschlechtert. Wie bei anderen NSAR kann es auch bei I. zu Allergien kommen. I. kann Psychosen und Depressionen auslösen.

Wechselwirkungen

I. sollte nicht zusammen mit anderen NSAR eingenommen werden, weil dies die Rate der NSAR-typischen Nebenwirkungen erhöht, ohne die Wirkung wesentlich zu verstärken. Die von anderen entzündungshemmenden Mitteln her zu erwartende Verstärkung der Wirkung oraler Antikoagulantien (z. B. Marcumar®) konnte bisher bei I. nicht nachgewiesen werden, bis zur endgültigen Klärung sollte die gleichzeitige Einnahme nur auf ärztlichen Rat und unter strenger Kontrolle der Gerinnungswerte erfolgen.Die Wirkung wassertreibender und blutdrucksenkender Mittel kann durch I. abgeschwächt werden. I. kann die Konzentration von Digoxin, einem Digitalisglykosid zur Behandlung der Herzschwäche, im Blut erhöhen. Ebenso finden sich erhöhte Serumkonzentrationen von Lithium und Phenytoin, die giftige Wirkung von Methotrexat und Baclofen werden durch I. verstärkt.

Medline Pls: Ibuprofen (engl.)

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Hypothyreose (ugs.: Schilddrüsenunterfunktion, veraltet: Myxödem), eine Krankheit, bei der der Körper unzureichend mit Hormonen der Schilddrüse versorgt wird. Bei angeborener oder in der Schwangerschaft erworbener H. des Neugeborenen entsteht unbehandelt eine ausgeprägte Störung der körperlichen und geistigen Entwicklung (Kretinismus). Im Erwachsenenalter sind die Beschwerden sehr vielgestaltig, sie reichen von der Herzschwäche über die Adipositas bis hin zur Depression, in diesem Alter entsteht die H. meist als Folge einer Entzündung der Schilddrüse oder einer medizinischen Behandlung. Im höheren Lebensalter und bei Frauen tritt die Erkrankung häufiger auf, sie wird mit Schilddrüsenhormonen behandelt.

Häufigkeit

Die Angaben zur Häufigkeit schwanken stark, weil der Übergang von der normalen zur unzureichenden Funktion der Schilddrüse fliessend ist und von verschiedenen Untersuchern unterschiedlich festgelegt wurde. Es wird geschätzt, dass 0,25 bis 1,1 % der Bevölkerung betroffen sind, bei den über 60-jährigen sind es 2%, Frauen erkranken fünfmal häufiger als Männer. Die Neugeborenhypothyreose tritt einmal auf drei- bis viertausend Geburten auf.

Symptome

Beim Säugling fällt eine kühle und trockene Haut, eine Verstopfung, eine Bewegungsarmut und eine Schwäche der Muskulatur auf. Die Gelbsucht des Neugeborenen ist verstärkt und verlängert. Der Zahndurchbruch erfolgt verspätet, das Wachstum ist verzögert. Die körperliche und geistige Entwicklung verläuft stark gestört.

Beim Erwachsenen entwickeln sich die Beschwerden langsam über mehrere Jahre. Die Symptomatik ist sehr vielgestaltig und wird oft als normaler Altersabbau angesehen. Der Patient friert leicht, er weist eine trockene und kühle Haut auf, das Gewicht steigt an. Gesicht, Arme und Beine können anschwellen, Frauen klagen oft über Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit, Männer über Impotenz. Auch Haarausfall (auch die der Achsel und der Augenbrauen), Heiserkeit und Verstopfung sind häufige Beschwerden; Muskel und Gelenke können schmerzen. Im psychischen Bereich zeigen sich Antriebsstörungen, Müdigkeit und Merkstörungen, manchmal eine regelrechte Depression. Der Puls ist verlangsamt, Herzbeschwerden treten als Angina pectoris – oder Luftnotbeschwerden auf. Manchmal sind Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern) das einzige Symptom. Zittern der Hände – sonst typisch für eine Überfunktion der Schilddrüse – tritt auch bei der Unterfunktion bisweilen auf. Die Cholesterinwerte im Blut steigen bei Mangel an Schildrüsenhormonen. Tritt eine akute Stresssituation wie z. B. eine schwere Erkrankung oder Operation hinzu, dann kann sich in seltenen Fällen ein lebensbedrohliches hypothyreotes Koma mit Bewusstseinstrübung, stark herabgesetzter Körpertemperatur und verminderter Atmung entwickeln.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine Blutuntersuchung. Das TSH ( Thyreoidea [= die Schilddrüse] stimulierendes Hormon) der Hirnanhangdrüse findet sich meistens erhöht, die Konzentration des freien, nicht an Eiweiß gebundenen T4 (Tetrajodthyronin, Thyroxin) ist erniedrigt. Die Bestimmung des TSH ist aussagekräftiger, weil es sehr viel sensibler auf eine H. reagiert. Untersuchungen auf Schilddrüsenautoantikörper und eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse klären möglicherweise die Ursache der H. ab. Bei der sehr seltenen sekundären H., die durch einen Mangel an TSH entsteht, wird ein TRH-Test durchgeführt.

Früherkennung

Von fast allen Neugeborenen in Deutschland wird im Rahmen der Kinderfrüherkennung am 5. Tag nach der Geburt ein Tropfen Blut aus der Ferse entnommen und auf die TSH-Konzentration untersucht. Ist diese erhöht und zeigt sich bei einer Kontrolle, dass auch die Schilddrüsenhormone im Blut erniedrigt sind, wird innerhalb weniger Tage mit der Behandlung begonnen, um dauerhafte Schäden der körperlichen oder geistigen Entwicklung zu vermeiden.

Vor allem in den USA wird häufig die Forderung erhoben, bei allen Frauen über 35, bei allen Schwangeren und allen Männern über 65 routinemäßig den TSH-Wert zu bestimmen. Es ist bisher noch nicht gesichert, ob die Behandlung von H., die sich lediglich in den Laborwerten und nicht durch Symptome äußern, langfristig sinnvoll ist.

Ursachen

Die häufigste Form der H. bei Erwachsenen ist die sog. primäre H.. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass die Schilddrüse nicht in der Lage ist, ausreichend Hormon zu produzieren.

Die weitaus häufigste Ursache hierfür ist die Autoimmunthyreoiditis, bei der Antikörper sich gegen die eigene Schilddrüse richten. Die Erkrankung tritt bei Frauen 20 mal häufiger als bei Männern auf. Die verantwortlichen Antikörper (vor allem Autoantikörper gegen die Thyreo-Peroxidase, Abk.: TPO-AK) lassen sich im Blut nachweisen. Die Erkrankung geht häufig mit anderen Autoimmunkrankheiten wie Morbus Addison oder Zöliakie einher. Auch andere Formen von Schilddrüsenentzündungen können – manchmal nach einer vorübergehenden Überfunktion – in eine H. münden.

Operationen wegen einer Schilddrüsenvergrößerung (Struma), Bestrahlungen oder die Radiojodtherapie der Schilddrüse können ebenfalls eine H. auslösen.

Große Mengen Jod, extremer Jodmangel und bestimmte Medikamente können zur H. führen.

Sehr viel seltener sind gutartige Tumore der Hirnanhangdrüse (Adenome), die zu einer verminderten Produktion von TSH führen. Wegen des fehlenden Anreizes durch das stimulierende Hormon TSH produziert die Schilddrüse weniger Hormone, man spricht in diesen Fällen auch von einer sekundären H..

Eine tertiäre H. entsteht, wenn der Hyptothalamus aufgrund z. B. einer Sarkoidose, einer Hämochromatose oder eines Tumors (z. B. Kraniopharyngeom) zu wenig TRH produziert. Der Ausfall von TRH (Abk. von engl. thyrotropin-releasing hormone) führt zur Verminderung der TSH-Freisetzung und dies erst im dritten Schritt zur Verminderung der Schildrüsenhormonproduktion.

Hat sich die Schilddrüse schon während der Embryonalzeit gar nicht (Schilddrüsen-Agenisie), nur teilweise (Hypoplasie) oder an falscher Stelle (Ektopie) entwickelt, dann resultiert daraus eine lebenslange H., die schon beim Neugeborenen auftritt. Auch vererbbare Störungen der Biosynthese der Schilddrüsenhormone lösen eine H. schon unmittelbar nach der Geburt aus.

Das gleiche gilt für Jodmangel oder einen starken Überschuss an Jod in der Schwangerschaft, nur ist in diesen Fällen die H. des Säuglings meist vorübergehend, dennoch behandlungsbedürftig.

Therapie

Eine Therapie ist angezeigt, wenn die TSH-Werte erhöht sind und der Patient Beschwerden hat. Ohne Beschwerden erfolgt eine Behandlung nur, wenn der TSH Spiegel über 10 mU/l (normal bis 2) liegt und Schilddrüsenantikörper nachweisbar sind, auch in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch und natürlich jede Neugeborenen – H..

Die Behandlung erfolgt mit dem Schilddrüsenhormon Thyroxin. Bei jungen Menschen (unter 40 Jahren) kann mit 50 bis 100 µg begonnen werden, bei älteren und vor allem bei Patienten mit einer Koronaren Herzkrankheit beginnt man mit 12,5 bis 25 µg und steigert vorsichtig alle 4 bis 6 Wochen um die gleiche Dosis. Wenn nötig, werden zusätzlich Betablocker eingesetzt, um das Herz zu schonen.

Eine Kontrolle des TSH ist erst nach 6 bis 8 Wochen sinnvoll, weil sich dieser Wert nur langsam ändert. Ziel der Behandlung ist die Normalisierung des TSH-Wertes und Beschwerdefreiheit. Wenn der Zielbereich erreicht ist, reicht eine Kontrolle des TSH in jährlichen oder sogar mehrjährigen Abständen. Häufiger kontrolliert werden muss in der Schwangerschaft, bei zusätzlicher Einnahme von Östrogenen oder deutlicher Gewichtsänderung.

Die Therapie sollte in der Schwangerschaft beibehalten werden, meist ist eine Erhöhung der Thyroxindosis um 25 bis 50 µg erforderlich. Nach Feststellung der Schwangerschaft sollte die Dosis um 25 µg erhöht werden, bei anschließend Laborkontrollen sollte der TSH-Wert unter 4 mU/l liegen.

Die Dosis zur vollen Substitution liegt bei Kindern um 4 µg pro kg Körpergewicht, bei Erwachsenen um 1,7 µg/kg, bei Frauen also durchschnittlich 100 µg Thyroxin am Tag, bei Männern 150 µg.

Quellen

  • Harrison’s PRINCIPLES OF INTERNAL MEDICINE, Chapter 320: Disorders of the Thyroid Gland, The McGraw-Hill Companies Inc, Sixteenth Edition, New York, 2005
  • Evidence based Medicine – Guidelines für Allgemeinmedizin, Kapitel: Hypothyreose, Deutscher Ärzteverlag, Köln, 2006

Medizininfo.de: Hypothyreose

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Hypothalamus

Hypothalamus ( von griech.: ὑποθαλαμος [ypotalamos], unter dem Thalamus), beim Menschen und allen Säugetieren ein Teil des Zwischenhirns, unter dem Thalamus gelegen, der zuständig für die Regulation verschiedener Stoffwechselprozesse und anderer autonom ablaufender Steuerungsvorgänge der Körpertemperatur, von Hunger und Durst und der Tagesrhythmik ist. Der H. produziert sog. Releasing (Freisetzungs-)hormone, die wiederum die Hirnanhangdrüse zur Hormonproduktion anregen – der H. verbindet somit das Nervensystem mit dem endokrinen (Hormon-)System.

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Hypertonie, auch: Bluthochdruck, Erhöhung des arteriellen Blutdrucks auf mehr als 140/90 mmHg. Die pulmonale H. meint dagegen einen erhöhten Druck in den Blutgefäßen der Lunge, die portale H. dasselbe im Gebiet der Pfortader.

Der Blutdruck wird weltweit immer noch in der Einheit mm Quecksilbersäule (mmHg) angegeben, nach der SI-Nomenklatur wäre pascal korrekt. (1 mmHg = 1 Torr = 133,32 pascal)

RR steht häufig als Kürzel für den Blutdruckwert; dies geht zurück auf den italienischen Arzt Scipione Riva-Rocci, der Ende des 19. Jahrhunderts einen Vorläufer der auch heute noch verwendeten Blutdruckmessgeräte mit einem Quecksilbergefüllten Rohr als Druckanzeiger konstruierte.

Häufigkeit

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts leiden etwa 30 % der Männer und 26,9 % der Frauen in Deutschland an einer H..

In Europa, speziell in Deutschland, tritt die H. häufiger auf als in Nordamerika, die Gründe hierfür sind noch unbekannt. In sechs europäischen Ländern (Deutschland, England, Finnland, Italien, Schweden und Spanien) wurde im Durchschnitt bei Männern und Frauen im Alter zwischen 35 und 74 Jahren ein Blutdruck von 136/83 gemessen, in den USA von 127/77 mmHg. In dieser Altergruppe hatten 28 % der Nordamerikaner, dagegen 44 % der Europäer und sogar 55 % der Deutschen einen Bluthochdruck. Bei den behandelten Patienten lagen in der gleichen Studie in den USA 25 % im gewünschten Bereich unter 140/90 mmHg, in Deutschland nur 8 %. (1)

Bedeutung

Die H. beschleunigt die Entwicklung der Atherosklerose, hoher Blutdruck hat deswegen vor allem eine Bedeutung als Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und arterielle Durchblutungsstörung.

Das linke Herz vergrößert sich zunächst durch Zunahme der Muskelmasse (Linksherzhypertrophie). Später erweitert es sich (Linksherzdilatation) und ist nicht mehr in der Lage, effektiv zu pumpen (Herzinsuffizienz). An den Nieren werden die kleinen und kleinsten Blutgefässe geschädigt, 10 % aller Todesfälle durch H. werden durch eine Niereninsuffizienz verursacht. Am Gehirn fördert die H. neben dem durch Atherosklerose verursachten Schlaganfall Gehirnblutungen durch die Ausbildung von Mikroaneurysmen (kleinen Gefäßaussackungen) mit nachfolgender Ruptur. Die H. ist auch Risikofaktor für die Ausbildung einer Demenz.

So treten z. B. bei einem systolischen Blutdruck von weniger als 110 mmHg zehn Todesfälle an Koronarer Herzkrankheit pro 10000 Menschen im Jahr auf. Bei einem Wert von 140 mmHg sind dies schon 20, bei 180 mmHg 60 Fälle pro 10000 Einwohnern und Jahr. Diese Zahlen verdeutlichen auch, dass die Grenzwertziehung bei 140 mmHg einen etwas willkürlichen Charakter besitzt, denn auch bei Werten darunter ist das Risiko geringer.

Große epidemiologische Studien haben zu einer weiter differenzierten Klassifizierung geführt, nach Vorschlag der WHO werden Werte unter 120/80 mmHg als optimal bezeichnet, darüber liegende bis zum Grenzwert von 140/90 als hoch normal.

Die H. wird in drei Schweregrade unterteilt: leichte H. (Grad 1) von 140/90 bis 160/100, mittelschwere H. (Grad 2) darüber bis zum Grenzwert 180/110 , alle Werte über 180/110 werden der schweren H. oder der H. Grad 3 zugerechnet.

Menschen mit hoch normalen Blutdruckwerten haben ein deutlich erhöhtes Risiko im Vergleich zu der Gruppe mit optimalem Blutdruck, es existieren aber keine Studien, die die Wirksamkeit einer medikamentösen Behandlung nachweisen. Dagegen existieren für alle Schweregrade der Hypertonie eindeutige Belege für die Reduzierung des Risikos durch Behandlung.

Messung des Blutdrucks

Goldstandard der Blutdruckmessung ist immer noch das sog. Quecksilbersphygmomanometer, das aus einem mit Quecksilber gefüllten Rohr in einem Standfuß, verbunden mit einer aufblasbaren Oberarmmanschette besteht. Der Arzt bläst die Oberarmmanschette mindestens soweit auf, dass der Puls am Handgelenk nicht mehr tastbar ist. Anschließend wird der Druck stufenweise abgelassen, gleichzeitig die Schlagader in der Ellenbeuge abgehört. Der systolische Blutdruck wird an der Quecksilbersäule abgelesen, wenn ein Pulston zum ersten Mal hörbar wird. Bei niedrigeren Werten verschwindet dieser Ton wieder oder er wird deutlich leiser, jetzt kann der diastolische Wert bestimmt werden. Die Manschette sollte in Herzhöhe liegen, der Umfang der Manschette dem Oberarm angepasst sein und der Patient sich in körperlicher Ruhe befinden. Zunächst wird der Blutdruck an beiden Armen gemessen, zu weiteren Messungen wird der Arm mit dem höheren Druck verwendet. Die Blutdruckmessung muss einige Mal an verschiedenen Tagen wiederholt werden, bevor therapeutische Entscheidungen getroffen werden.

Patienten mit H. sollten den Blutdruck regelmäßig selbst zu Hause messen. Dabei werden oft Handgelenksgeräte mit einem oszillatorischen Messverfahren verwendet. Diese Messungen sind in der Regel zuverlässig, wenn die Gebrauchsanweisung streng beachtet und geprüfte Geräte (z. B. Prüfsiegel der Deutschen Hochdruckliga) verwendet werden. Bei Zweifeln sollte eine Vergleichsmessung in der Arztpraxis erfolgen. Bei Herzrhythmusstörungen ist die Messung am Handgelenk oft sehr unzuverlässig.

Beim Ambulanten Blutdruckmonitoring (ABDM) wird tagsüber alle 15 Minuten und nachts alle halbe Stunde der Blutdruck automatisch mit einem tragbaren Gerät gemessen. Es sollte wenigstens einmal bei allen Patienten mit H. durchgeführt werden. Die dadurch ermittelten Werte ergeben eine bessere Risikoabschätzung als Gelegenheitsblutdruckwerte, Über- oder Untertherapie werden zuverlässiger erkannt. Auch die sog. Weißkittelhypertonie (erhöhter Blutdruck nur in der Praxis) kann zuverlässig von einer behandlungsbedürftigen H. abgegrenzt werden. Der fehlende Abfall des Blutdrucks in der Nacht gibt Hinweise auf sekundäre Formen der H. (siehe unten).(Normalwerte für das ABDM: 24h- Mittelwert höchstens 130/80 mmHg, am Tage im Mittel 135/85, in der Nacht 120/75 mmHg)

Die Blutdruckmessung während einer Ergometrie (Belastungs-EKG) zeigt oft erhöhte Werte, obwohl in Ruhe normale gemessen wurden. Patienten mit dieser Belastungshypertonie tendieren dazu, später eine dauerhafte Hypertonie zu entwickeln. Im Gegensatz dazu normalisieren sich die Werte bei der Weißkittelhypertonie häufig unter Belastung. Bei der Belastungsuntersuchung kann festgestellt werden, ob das verordnete Medikament auch bei körperlicher Anstrengung vor Blutdruckspitzen schützt, weiterhin werden erste Anzeichen einer Koronaren Herzerkrankung als Komplikation der Hypertonie frühzeitig erkannt. Die Normalwerte unter Belastung liegen höher als in Ruhe, z. B. bis zu 200/100 mm Hg bei 100 Watt Belastung im Alter zwischen 25 und 50 Jahren.

Symptome

Die H. verursacht in der Regel kaum Beschwerden. Die H. wird meist bei einer Routineuntersuchung entdeckt. Manchmal besteht ein morgendlicher Hinterkopfschmerz, der sich im Tagesverlauf bessert. Erst bei extrem hohen Werten (diastolisch über 130 mmHg) treten Kopfschmerzen, Sehstörungen, Lähmungen, Krampfanfälle und Koma als Zeichen der Gehirnschädigung auf. Symptome werden oft erst bemerkt, wenn Organe wie Herz oder Nieren geschädigt sind.

Abklärung

Die Diagnose der H. gilt als gesichert, wenn mehrere Messungen beim Arzt Werte höher als 140/90 mmHg ergeben. (Bei der Eigenmessung und beim ABDM liegen die Grenzwerte bei 135/85 mmHg.)

In den meisten Fällen ist die H. eine polygen vererbte Erkrankung, deren Manifestation durch Umweltfaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel und zuviel Salzkonsum gefördert wird (primäre oder essenzielle H.).

In 5 bis 20 % (je nach Untersucher) besteht eine andere Erkrankung, die die H. auslöst (sekundäre H.). Dazu zählen Erkrankungen der Nieren (renoparenchymatöse H.) und Verengungen (Stenosen) der Nierenarterien (renovaskuläre H.). Eine Überproduktion von Blutdruckerhöhenden Hormonen liegt beim Conn Syndrom (Aldosteron), beim Phäochromozytom (Katecholamine), beim Cushing Syndrom (Kortison) und bei der Schildrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) vor. Auch die Schlafapnoe kann eine H. auslösen. Vor allem dann, wenn eine H. nicht ausreichend behandelt werden kann, sollte intensiv nach einer dieser Erkrankungen gefahndet werden.

In manchen Fällen verursachen auch Medikamente wie die oralen Kontrazeptiva, Antirheumatika oder Kortison eine H.. Sobald als möglich müssen die begleitenden Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen festgestellt werden: Hypercholesterinämie, Diabetes mellitus und Rauchen. Bereits bestehende Organschädigungen am Herzen, an den Nieren, am Gehirn und an den Blutgefäßen sollten aufgesucht werden.

Die Routineuntersuchung nach Diagnose der H. umfasst die Erhebung der Vorgeschichte (Anamnese),die körperliche Untersuchung, eine Blutuntersuchung (Bluttfette, Blutzucker, Kreatinin und Kalium), eine Urinuntersuchung und eine Sonografie der Bauchorgane. Zusätzliche Untersuchungen wie EKG, Ultraschall des Herzens, Gefäßdarstellungen etc. werden je nach Einzelfall erforderlich.

Therapie

Allgemeinmaßnahmen wie Ernährungsumstellung und körperliche Bewegung werden bei jedem Schweregrad der Hypertonie und auch bei hochnormalem Blutdruck empfohlen. Eine Behandlung mit Medikamenten ist auf jeden Fall bei dem Schweregrad 3 erforderlich, bei Grad 1 und Grad 2 abhängig von begleitenden Risikofaktoren, Folge- und Begleiterkrankungen. Ziel der Behandlung ist eine Senkung des Blutdrucks unter 140/90 mmHg, bei manchen Erkrankungen wie dem Diabetes mellitus auch darunter. Die Behandlung dauert in der Regel lebenslang, es sei denn eine Ursache wie z. B. die Nierenarterienstenose kann operativ beseitigt werden. Auch eine drastische Gewichtsreduktion kann mitunter zum Verschwinden der H. führen.

Ernährung und Bewegung

Eine mäßig kochsalzreduzierte Kost (weniger als 6 g am Tag) kann in vielen Fällen blutdrucksenkend wirken und zur Einsparung von Medikamenten führen. Der Patient kann dies erreichen, wenn er auf Salz beim Kochen und auf dem Tisch verzichtet und stattdessen frische Kräuter und Gewürze verwendet. Konserven, Fertigprodukte, Salzgebäck, Geräuchertes und Mineralwässer mit hohem Natriumgehalt sollten gemieden werden. Eine vermehrte Kaliumaufnahme durch frisches Obst und Gemüse führt zu einer vermehrten Natriumausscheidung, die Zufuhr von reinen Kaliumsalzen erwies sich nicht als effektiv.

Übermäßiger Alkoholkonsum wirkt Blutdruck steigernd, die Beschränkung der konsumierten Menge auf unter 30 g wirkt blutdrucksenkend.

Eine sehr wirksame Maßnahme ist die Gewichtsreduktion bei Übergewicht, jedes verlorene kg senkt den Blutdruck um ca. 2,5/1,5 mmHg.

Regelmäßige körperliche Bewegung hilft nicht nur bei der Gewichtsreduktion, es hat auch einen davon unabhängigen Drucksenkenden Effekt. Die optimale körperliche Belastung sollte zuvor durch eine Ergometrie festgelegt werden. Bereits ab drei mal einer halben Stunde Training pro Woche mit einer ungefähren Pulsfrequenz von (180 – Lebensalter) läßt sich bei 40 bis 60 % aller Hypertoniker der Blutdruck signifikant senken.

Rauchen erhöht zwar nicht den Blutdruck, Nichtrauchen hilft aber, das gesamte Risikopotential signifikant zu entschärfen.

Medikamente

Bringt die Umstellung der Lebensgewohnheiten keine ausreichende Blutdrucksenkung, dann sollten blutdrucksenkende Medikamente verordnet werden. Die verwendeten Medikamente sollten nicht nur den Blutdruck senken, sondern auch möglichst wenige schädliche Nebenwirkungen haben und die Risiken und Folgen der H. effektiv eindämmen. Dies sollte in großen, wissenschaftlich zuverlässigen Studien abgesichert sein. Die Datenlage hierzu ist am besten für die Thiaziddiuretika und die Betablocker.

Zu Beginn wird meist eine Behandlung mit einem Wirkstoff (Monotherapie) versucht. Die meisten Hypertoniker sind nur durch die Einnahme mehrerer Wirkstoffe befriedigend einzustellen, daher kann die Behandlung auch mit zwei niedrig dosierten Wirkstoffen (Kombinationstherapie) begonnen werden.

Thiaziddiuretika (z. B. Hydrochlorothiazid, HCT) sind Wassertreibende Medikamente, die die Harnproduktion der Nieren erhöhen und zu einer vermehrten Ausscheidung von Natrium führen. Der häufigere Harndrang ist meist nur zu Beginn der Behandlung unangenehm, die Ausscheidung von Kalium und anderen Mineralstoffen kann zu Herzrhythmusstörungen führen. Überwachung durch Blutuntersuchung und ggf. Ersatz der fehlenden Mineralstoffe kann dem vorbeugen. Die Wirkung von HCT wird durch Kochsalzarme Diät wesentlich unterstützt. Thiaziddiuretika sind die preiswertesten Medikamente gegen H..

Betablocker (z. B. Metoprolol) senken das Blutvolumen, das vom Herz pro Zeiteinheit in den Körperkreislauf gepumpt wird, das sog. Herzzeitvolumen. Weniger Volumen/Zeit bedeutet weniger Druck. Neben der Blutdrucksenkung schützen Betablocker nach einem überstandenen Herzinfarkt vor dem Re –Infarkt, vermindern auch Angina pectoris Beschwerden. Sie können bei empfindlichen Patienten Asthmaanfälle auslösen, die Durchblutung in den Beinen bei vorgeschädigten Arterien verschlechtern und bei Männern zur Impotenz führen. Bisweilen kann der Puls zu stark verlangsamt werden.

ACE-Hemmer (= Angiotensin converting enzyme-Hemmer, z. B. Lisinopril, Captopril) hemmen die Umwandlung von Angiotensin I in Angiotensin II, einem blutdrucksteigernden Hormon. Sie sind besonders zu empfehlen bei Diabetikern, weil sie die Entwicklung der diabetischen Nephropathie verzögern. Auch bei anderen Nierenerkrankungen bewirken sie einen Erhalt der Nierenfunktion. Sie sind außerdem Standardmedikamente bei der Behandlung der Herzinsuffizienz. Kontraindiziert sind sie bei der Nierenarterienstenose, weil sie in diesen Fällen zu einer weiteren Verschlechterung der Nierendurchblutung führen. Mitunter führen sie zu einem hartnäckigen, trockenen Reizhusten.

Angiotensin – II – Antagonisten (z. B. Lorsartan) ähneln in ihrer Wirksamkeit den ACE Hemmern. Sie sind allerdings noch nicht so gut untersucht wie diese und wesentlich teurer. Sie werden vor allem eingesetzt, wenn ACE – Hemmer wegen des Hustens nicht vertragen werden.

Calciumantagonisten (z. B. Amlodipin) senken den Blutdruck durch Erweiterung der Gefäße und Minderung des Herzzeitvolumens. Herzrhythmusstörungen und Wassereinlagerung in den Beinen sind gelegentliche Nebenwirkungen. Sie werden vor allem dort eingesetzt, wo Betablocker nicht vertragen werden.

Quellen

  • Wolf-Maier,K et. al: Hypertension prevalence and blood pressure levels in 6 European countries, Canada, and the United States. Journal of the American Medical Society (JAMA), 14.5.2003;289(18):2363-9 (Zusammenfassung auf PubMed (engl.)
  • Thamm, M.: Blutdruck in Deutschland, Zustandsbeschreibung und Trends, in: Das Gesundheitswesen, Sonderheft, Thieme Verlag, Dezember 1999 (online als pdf verfügbar)

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Hyperthermie

Hyperthermie, durch eine vermehrte Wärmezufuhr oder eine verminderte Wärmeabgabe kommt es zu einer Erhöhung der Körpertemperatur. Im Gegensatz zum Fieber ist dabei der Sollwert für die Körpertemperatur normal. Therapeutisch wird die H. bei der Wärmetherapie verwendet, als krankhaftes Symptom äußert sie sich beim Hitzschlag.

Krebsinformationsdienst.de: Hyperthermie: Tumore durch Überwärmen behandeln?

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