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Archive for 17. Juli 2007

Medizin

Medizin (lat.: ars oder scientia medicina, Heilkunst oder Heilkunde), die Wissenschaft, die sich mit der Aufrechterhaltung der Gesundheit sowie der Vorbeugung, der Linderung und der Heilung von Krankheiten beschäftigt. Vor allem ugs. und lit. bezeichnet M. auch das Medikament.

Abgrenzung

Von der Humanmedizin, die sich mit dem Menschen befasst, wird die Tier- o. Veterinärmedizin abgegrenzt, mit Pflanzenkrankheiten beschäftigt sich die Phytomedizin. Mit dem Begriff Paramedizin (syn.: alternative M.) werden die diagnostischen und therapeutischen Systeme bezeichnet, die von der wissenschaftlichen M. („Schulmedizin“) nicht anerkannt werden. Als Naturwissenschaft hat die M. Wurzeln in der Physik, der Mathematik, der Biologie und der Chemie. Als Wissenschaft vom Menschen sind Methoden und Erkenntnisse der Psychologie, Soziologie, Philosophie (Ethik), Geschichte und Pädagogik bedeutsam. Eine zunehmende Rolle spielt die volkswirtschaftl. Betrachtungsweise. Die Evidenzbasierte M. (EbM) versucht, die überlieferte medizin. Heilkunst mit den Mitteln der Statistik auf ihre Schwächen hin zu überprüfen.

Das Gesamtgebiet der M. gliedert sich seit dem 19. Jh. zunehmend in spezialisierte Fachdisziplinen.

Allgemeinmedizin

Der Allgemeinmediziner (Hausarzt) entwickelt sich zunehmend vom Universalisten zum Koordinator der spezialisierten Untersuchungs- u. Behandlungsmethoden sowie zum (lebenslangen) Berater des Patienten. Daneben beschäftigt er sich mehr als die Spezialisten mit den sozialen, ökonom. und ethischen Bezügen der M. Die exakte Diagnose spielt in der A.M. nur selten eine führende Rolle, Diagnosen haben oft den Charakter der Vorläufigkeit und müssen dem Verlauf der Erkrankung angepasst werden. Die strukturierte Diagnostik soll insbesondere „abwendbar gefährliche Verläufe“ erkennen. Damit sind Krankheitsverläufe gemeint, die zwar selten auftreten, deren spezifische Behandlung aber Schaden oder gar den Tod des Patienten abwenden können. Die A.M. ist nicht nur praktisch angewandte M., sie besitzt auch eine eigene Forschung und an allen medizinischen Fakultäten einen eigenen Lehrstuhl, sie ist obligates Prüfungsfach im medizin. Staatsexamen.

Innere Medizin

Die Innere M., die sich mit den Erkrankungen innerer Organe beschäftigt, gliedert sich einerseits in eine zunehmende Anzahl von Spezialgebieten, andererseits werden Aufgaben der Allgemeinmedizin übernommen.

Die Kardiologie als Teilgebiet der Inneren M. umfasst die Krankheiten des Herzens u. des Kreislaufs. Neben der Diagnostik u. konservativen (z. B. medikamentösen) Therapie gewinnt zunehmend die interventionelle Kardiologie an Bedeutung (Kathetherdilatation, Stentimplantation, Schrittmachertherapie). Venen u. Arterien sind Gegenstand der Angiologie.

Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts sind die Domäne der Gastroenterologie. Beflügelt wurde die Entwicklung dieses Fachgebiets durch die Fortschritte der Endoskopie, der Spiegelung des Magen-Darm-Trakts mit flexiblen opt. Instrumenten. Die Endoskopie ermöglicht, Diagnosen auf einem weitaus sicheren Niveau zu stellen, als es mit der Röntgendiagnostik zuvor mögl. war. Veränderungen an Magen u. Darm können nun direkt u. in Farbe beurteilt werden, die Entnahme von Proben zur histolog. Sicherung der Diagnose ist mögl. Die Endoskopie erlaubt auch operative Eingriffe, wie z. B. die Abtragung von Polypen aus dem Dickdarm o. die Extraktion von Steinen aus dem Gallengang. Die Endokrinologie befasst sich mit der Erforschung u. Behandlung von Störungen des Hormonhaushalts. Wegen der zunehmenden Zahl an Erkrankungen hat die Diabetologie eine gewisse Selbstständigkeit als Teilgebiet der Inneren M. erlangt. Sie beschäftigt sich mit der Erforschung u. Behandlung der Zuckerkrankheit (des Diabetes mellitus).Bluterkrankungen u. die konservative (nicht operative) Therapie maligner Tumoren gehören zum Gebiet der Hämatologie u. Onkologie. Alle Fragen im Zusammenhang mit der Verwendung von Blut u. Blutprodukten werden von der Transfusions-M. bearbeitet.

Weitere Teilgebiete der Inneren M. sind die Rheumatologie u. die Nephrologie (Erkrankungen der Nieren inkl. Dialysebehandlung bei chronischer Niereninsuffizienz). Die Pulmologie (Erkrankungen von Lunge u. Atemwegen), früher ein eigenständiges Fachgebiet, wird nunmehr auch als Teilgebiet der Inneren M. angesehen.

Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Mit den Erkrankungen des Gehirns und der Nerven beschäftigt sich die Neurologie. Diese Erkrankungen sind angeboren oder entstehen durch Infektionen, Verletzungen und Vergiftungen oder durch degenerative Prozesse. Epilepsien und Parkinsonerkrankungen lassen sich medikamentös behandeln, Bandscheibenvorfälle und Engpaßsyndrome mit Schädigungen der Nerven werden der Operation zugeführt. Die Zunahme der Demenzkranken (Morbus Alzheimer, vaskuläre Demenz) stellt die Neurologie in Forschung und Therapie noch vor große Probleme. Bei der Therapie der Infektionen des Zentralnervensystems durch z. B. Borellien und das HIV – Virus gibt es große Fortschritte in der antiinfektiven Therapie, aber auch noch viele ungelöste Probleme. Neben der körperlichen neurologischen Untersuchung mit Prüfung von Sensibilität, Motorik und der Muskeleigenreflexe steht der N. die Elektroencephalografie (EEG, Messung der Hirnströme), die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) und die Sonografie (Ultraschalluntersuchung) der hirnversorgenden Gefässe als apparative Diagnostik zur Verfügung. Manchmal ist eine Untersuchung des Liquors (Gehirnwassers) im Labor zur Diagnosestellung unerlässlich. Computertomografie und Kernspintomografie haben große Fortschritte in der neurolog. Diagnostik ermöglicht.

Geistes- und Gemütserkrankungen wie die Schizophrenie, Manie und Depression sowie die Neurosen sind Gegenstand der Psychiatrie. Die Neuroleptika haben es ermöglicht, viele Schizophreniepatienten außerhalb geschlossener Anstalten zu behandeln, die Antidepressiva und das Lithium haben den Krankheitsverlauf manisch-depressiver Psychosen deutlich gebessert.

Die Psychotherapie gehört in Forschung und Praxis sowohl zur Medizin als auch zur Psychologie. Die Psychoanalyse, begründet von Sigmund Freud, hatte zu Beginn des 20.Jahrhunderts den Anfang gemacht, Verhaltenstherapie und Geprächspsychotherapie u. a. sind hinzugetreten. Psychotherapie wird nicht nur von Psychiatern, sondern auch von weitergebildeten Psychologen und Ärzten vieler anderer Fachrichtungen durchgeführt.

Die Psychosomatik klärt und behandelt Zusammenhänge zwischen psychischen Erkrankungen und körperlichen Beschwerden.

Radiologie

Die letzten 30 Jahre haben einen gewaltigen Aufschwung für die Bildgebende Diagnostik durch die Computer- u. die Kernspintomografie erfahren. Diese Verfahren gehören neben anderen bildgebenden Verfahren wie dem konventionellen Röntgen, der Szintigrafie u. der Sonografie zum Gebiet der (diagnost.) Radiologie. Eng verwandt hiermit ist die Strahlentherapie (Radioonkologie), bei der hochenerget. ionisierende Strahlung zur Behandlung meist bösartiger Erkrankungen eingesetzt wird. In der Nuklearmedizin werden radioaktive Nuklide (Radiopharmaka) zur Diagnostik u. Therapie eingesetzt.Bildgebende Verfahren werden außerdem in vielen anderen medizin. Teilgebieten verwendet: Die Sonografie (Untersuchung mittels Ultraschall) in fast allen Gebieten, das konventionelle Röntgen z. B. in der Chirurgie u. Inneren M.

Kinderheilkunde

Das Fachgebiet der Kinderheilkunde (Pädiatrie) nennt sich heute meist Kinder- u. Jugendmedizin. Die Kinderfrüherkennung im Alter zwischen 0 und 5 Jahren (U1 bis U9) soll die angeborene Defekte frühzeitig erkennen, die bei rechtzeitiger Therapie geheilt oder gebessert werden können. Dazu zählt z. B. die angeborene Hypothyreose, die Phenylkentonurie, die angeborene Hüftdysplasie oder Hör- und Sehstörungen. Viele angeborenen Herzfehler können durch rechtzeitige Operation korrigiert werden. Störungen der Entwicklung soll durch Erkennung und Frühförderung entgegengewirkt werden. Schutzimpfungen, Diagnose und Therapie der Kinderkrankheiten sowie jener Erkrankungen, die im Kindesalter ihren Anfang nehmen (Epilepsie, Allergien) sind weitere Betätigungsfelder. Subdisziplinen sind die Neonatalogie (Erkrankungen des Neugeborenen), die Kinderhämatologie u. -Onkologie, die Neuropädiatrie (neurolog. Erkrankungen im Kindesalter), die Kinderkardiologie u. die Sozialpädiatrie. Als eigenständiges Fachgebiet hat sich die Kinder- u. Jugendpsychiatrie bzw. -psychotherapie etabliert.

Umweltmedizin, öffentliches Gesundheitswesen und Rehabilitation

Die Beziehung zwischen beruflicher Tätigkeit und Gesundheit ist das Thema der Arbeitsmedizin. Das Fachgebiet der Hygiene u. Umweltmedizin ist stark präventiv orientiert und erstreckt sich auf alle den Menschen von außen schädigende Faktoren: In der Krankenhaushygiene z. B. geht es um die Vermeidung nosokomialer Infektionen, schädl. Einflüsse auf die Gesundheit der Bevölkerung durch Umwelteinflüsse identifiziert die Umweltmedizin, auch im Verbraucherschutz wird diese Fachdisziplin tätig. Ein ähnliches Teilgebiet der M. ist das des Öffentl. Gesundheitswesens, hier stehen mehr die staatlichen Aufgaben der Gesundheitsvorsorge u. Gesundheitsfürsorge im Vordergrund. Die Physikalische M. konzentriert sich auf den Einsatz von Wärme u. Kälte, Wasser, elektrischen Strömen und Licht, Bewegung, Massage sowie Inhalationen zur Vorbeugung und Rehabilitation von chronischen Erkrankungen, Behinderungen und Unfallfolgen. Die Epidemiologie untersucht die Verteilung verschiedener Krankheiten in der Bevölkerung, um Hypothesen über deren Ursachen zu formulieren.

Pathologie und Rechtsmedizin

Die Hauptaufgaben des Pathologen als eines spezialisierten Mediziners sind die Beurteilung von Gewebeproben unter dem Mikroskop (histologische Untersuchung) und die Obduktion zur Klärung der Todesursache. Ein ähnliches Arbeitsfeld hat die Rechtsmedizin (forensische M.), sie dient der Aufklärung von Straftatbeständen. Dies erfolgt durch Obduktion zur Feststellung der Todesursache, aber auch durch toxikolog. u. molekularbiolog. Untersuchungen (DNA-Analyse) u. a..

Medizin im Labor

Hochspezialisierte Untersuchungs- und Forschungsmethoden haben die Laboratoriumsmedizin und die medizin. Mikrobiologie zu eigenen Spezialgebieten gemacht. Die Humangenetik erforscht Erbkrankheiten des Menschen. Die Pharmakologie untersucht die Wirkung von Arzneimitteln auf den menschl. Körper: In der experimentellen Pharmakologie anhand von Modellen, in der klinischen Pharmakologie in der Untersuchung am Menschen, in der Toxikologie geht es um die Erforschung von Giftwirkungen.

Dermatologie

Die Dermatologie hat seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts bedeutende Fortschritte in der Therapie des Hautkrebses, der pilzbedingten Hauterkrankungen und auch lebensbedrohlicher Krankheiten wie dem Pemphigus und dem Lupus erythematodes gemacht. Die Psoriasis vulgaris (Schuppenflechte) ist eine der häufigsten Hauterkrankungen, sie kann zwar nicht geheilt, aber doch effektiv unter Kontrolle gebracht werden. Allergien manifestieren sich meist zuerst an Haut und Schleimhäuten, neben der Pulmologie und der HNO-Heilkunde beschäftigt sich auch die Dermatologie sehr intensiv mit der Diagnose und Therapie von Allergien. Auch die Syphilis zeigt vielfältige Symptome an der Haut, von Anfang an war daher die Dermatologie auch mit der Therapie der Geschlechtskrankheiten (Venerologie) verbunden.

Chirurgie und Anästhesie

Die Chirurgie ist so alt wie die Menschheit selbst, schon in der Steinzeit wurden Knochenbrüche geschient und Wunden versorgt. Ihren Platz in der wissenschaftlischen M. erhielt die Chirurgie aber erst mit dem Fortschreiten der anatomischen Kenntnisse in der Zeit der Renaissance und dann mit der Entwickelung der Anästhesie im 19. Jahrhundert. Wie auch in der gesamten M., so ist auch in der Chirurgie eine zunehmende Spezialisierung festzustellen: Herzchirurgie (z. B. Implantation von künstl. Herzklappen, Bypass-Operationen an den Herzkranzgefässen), Thoraxchirurgie (Eingriffe im Brustkorb), Viszeralchirugie (Operationen im Bauchraum), Orthopädie und Unfallchirurgie (Skeletterkrankungen u. a. durch Verschleiß und Unfälle). Die Gefäßchirurgie beschäftigt sich unter anderem mit der Wiedereröffnung von Verschlüssen an den Hirnversorgenden Schlagadern oder denen des Beins, der Entfernung von Aneurysmen (krankhaften Gefäßerweiterungen mit der Gefahr der Ruptur), der Entfernung von Krampfadern und anderem mehr. Die Plastische Chirurgie ist Wiederherstellungschirurgie nach Unfällen, Verbrennungen oder Tumoroperationen etc.. Kinder sind nicht einfach kleine Erwachsene, in der Kinderchirurgie haben sich eigenständige Operations- und Behandlungsmethoden sowie ein neues Fachgebiet entwickelt. Die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie hat enge Berührungspunkte mit der Zahnmedizin, in Deutschland müssen Ärzte in dieser Spezialdisziplin deswegen das Staatsexamen sowohl in Zahnmedizin als auch das in M. ablegen. Ein vollständig selbstständiges Fachgebiet ist das der Neurochirurgie, unter anderem Eingriffe am Gehirn (z. B. Tumorentfernung) oder an den Bandscheiben gehören zum Spektrum. Ohne Anästhesie (Schmerzausschaltung) gäbe es keine moderne Chirurgie, die zunehmende Schwierigkeit der chirurgischen Eingriffe hat zur Entwicklung eines eigenständigen Fachgebiets geführt. Das Gebiet der Anästhesie deckt daneben auch die Intensivmedizin, die Notfallmedizin und die spezielle Schmerztherapie bei chron. Schmerzkranken ab.

HNO und Augenheilkunde

Erkrankungen von Ohr, Nase, Nasennebenhöhlen, Mundhöhle, Rachen und Kehlkopf werden von Ärzten der Fachrichtung Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (Abk.: HNO) behandelt. Auch Stimm-, Sprach-, Sprech- u. Hörstörungen gehören zum Fachgebiet. Die Augenheilkunde (Opthalmologie) befasst sich mit allen Störungen des Sehorgans: Von der Fehlsichtigkeit bis hin zur operativen oder konservativen Behandlung des grünen Stars (Glaukom), des grauen Stars (Katarakt) und der Folgen des Diabetes mellitus am Auge (Retinopathia diabetica – diabetische Netzhauterkrankung). Auch Entzündungen und Verletzungen des Auges gehören zum Gebiet der Ophtalmologie.

Urologie und Gynäkologie

Die Gynäkologie (Frauenheilkunde) beschäftigt sich mit den Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane und schließt meist die Geburtshilfe mit ein. Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, gynäkolog. Onkologie sowie Perinatalmedizin sind weitergehende Spezialisierungen in diesem Fachgebiet.Die Urologie befasst sich mit Erkrankungen der männlichen Harn- und Geschlechtsorgane sowie der weibl. Harnorgane.

Grundlagenfächer

Die Anatomie untersucht den Aufbau des menschl. Körpers, von der makroskopischen, mit dem bloßen Auge sichtbaren bis hin zur nur mit dem Mikroskop sichtbaren Ebene der Zellen, Zellverbände u. -bestandteile (Histologie).Die Physiologie untersucht die Funktion des Bewegungsapparats, des Herzkreislaufsystems, der Sinnesorgane und des zentralen Nervensystems. Sie hat enge Berührungspunkte mit der Physik, der Biochemie, der Mathematik und der Anatomie. Die Biochemie befasst sich mit der Chemie lebender Organismen.

Ethische Probleme

Grundlegende u. kontrovers diskutierte eth. Probleme in der modernen M. sind alle Fragen zum Ende des Lebens (Sterbehilfe), der genet. Forschung (z. B. Embryonenforschung) u. Fortpflanzungsmedizin sowie der Organtransplantation.

Gesundheitsökonomie

Ursachen für die Steigerung der Gesundheitskosten in den westl. Industrienationen liegen in den zunehmenden diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten der M. sowie in der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung. In vielen Entwicklungsländern ist das Gesundheitssystem in einem völlig desolaten Zustand. Folgen daraus ergeben sich nicht nur für die Bevölkerung in diesen Ländern, sondern auch für den Rest der Welt. AIDS–Epidemie u. Vogelgrippe sind nur zwei Beispiele dafür.

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Barry James Marshall (* 30. Sept. 1951 in Kalgoorlie, Australien), australischer Arzt, Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin 2005 zusammen mit J. Robin Warren für die Entdeckung des Bakteriums Helicobacter pylori (Hp) und seiner Rolle bei der Gastritis und der Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre.

M. schloss sein Medizinstudium an der University of West Australia in Perth 1974 ab. Anschließend arbeitete er bis 1983 als Assistenzarzt am Royal Perth Hospital. Seit 1981 forschte er zusammen mit dem Pathologen Robin Warren, 1982 gelang den beiden Forschern die Kultur des Bakteriums, das Warren zuvor in Silberfärbungen an Magenschleimhautproben nachgewiesen hatte. 1983 deckten sie den Zusammenhang einer Hp – Infektion mit Erkrankungen wie Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür und Magenkrebs auf. 1983 und 1984 konnte M. seine Forschungen am Fremantle Hospital fortsetzen, 1985 als Stipendiat des Medical Research Council (NHMRC).

Frustriert durch die mangelnde Anerkennung der Fachwelt, trank M. 1984 eine Probe mit Hp-Bakterien und entwickelte prompt eine Magenschleimhautentzündung, die er auch durch Magenspiegelung nachweisen ließ.

Von 1986 bis 1996 arbeitete M. als Medizinprofessor an der Universität von Virginia in den Vereinigten Staaten. 1997 kehrte er wieder nach Australien für ein Sabbat – Jahr zurück. 1998 setzte er seine Forschungen, ausgestattet wiederum mit einem Stipendium des NHMRC, fort.

Zurzeit arbeitet er als Spezialist für Magen- und Darmkrankheiten (Gastroenterologe) am Sir Charles Gairdner Hospital, außerdem betreibt er ein Hp-Forschungs-Labor am Queen Elizabeth II Centre. Er wohnt mit seiner Frau Adrienne und 4 Kindern in Subiaco in der Nähe von Perth.

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Marburger Bund

mb-logo.jpgMarburger Bund, Gewerkschaft der angestellten und beamteten Ärzte in Deutschland, wurde 1947 in Marburg gegründet und hatte Ende 2005 rund 100.000 Mitglieder.

Der Sitz des MB ist Berlin, der Bundesvorsitzende ist seit November 2007 der Internist Rudolf Henke aus Düren. Der MB hat eine föderale Struktur mit 14 Verbänden in den Bundesländern. Seit 1950 vertrat die Deutsche Angestelltengewerkschaft DAG und die Nachfolgegewerkschaft ver.di den MB bei Tarifverhandlungen auf Bundesebene. Auf seiner 108. Hauptversammlung im September 2005 entzog der MB der Gewerkschaft ver.di die Vollmacht, Tarifverhandlungen auch für Ärzte zu führen. Dieser Beschluss war eine Reaktion auf die 2005 angekündigte Bereitschaft ver.dis, Tarifverträge abzuschließen, die einen Einkommensverlust bei angestellten Ärzten zur Folge gehabt hätten.

Marburger Bund: Homepage

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Mastzellen

Mastzellen sind Zellen im Bindegewebe der Wirbeltiere, die in der Auslösung von Entzündungen und Allergien eine Rolle spielen. Besonders oft liegen sie direkt unter der Haut, in der Lunge, in der Nähe von Blutgefässen und Nerven, im Magen-Darmtrakt und in den ableitenden Harnwegen. M. enthalten eine Reihe von Substanzen wie Histamin, Heparin und Interleukine in Granula (Bläschen) in ihrem Zytoplasma, die sie bei Entzündungen und Allergien in ihre Umgebung freisetzen.

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Abb.: Mastzellen unter dem Mikroskop – Deutlich sind die dunkelblau gefärbten Bläschen im Zytoplasma  („Zelleib“) zu erkennen

Die freigesetzten Substanzen führen zu einer vermehrten Durchlässigkeit der Blutgefässe, zu Juckreiz und Schmerzen und zu einer Kontraktion der glatten Muskulatur (z. B. der Bronchien). Der Name wurde von Paul Ehrlich geprägt, der annahm, diese Zellen seien Fresszellen.

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Masern

Masern (syn.: Morbilli), hochansteckende, fiebrige Infektionskrankheit durch den Masernvirus mit einem typischen Hautausschlag, die meist folgenlos ausheilt, in seltenen Fällen aber tödlich verläuft oder bleibende Schäden vor allem am Zentralnervensystem hinterlassen kann.

M. sind weltweit verbreitet, in den USA wegen konsequenter Impfung fast ganz verschwunden. Nach Angaben der WHO verstarben 2003 etwa eine halbe Million Menschen weltweit an M., die Hälfte davon in Afrika, ca . 5000 in Europa, keiner in Amerika. Das Robert Koch Institut berichtet 779 gemeldete Fälle von M. in Deutschland 2003. 2006 stieg die Zahl durch einen gewaltigen Ausbruch in NRW noch einmal auf über 2300 Fälle an.

M. können nur von Mensch zu Mensch übertragen werden (meist Tröpfcheninfektion), fast 100% aller Kotaktpersonen ohne Schutz durch Antikörper infizieren sich, fast 95 % aller Infizierten erkranken. In Deutschland stirbt einer von 10.000 bis 20.000 Erkrankten, aus Afrika werden Sterblichkeitsraten von bis zu 25% berichtet.
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Die Erkrankung an M. verläuft in zwei Phasen. Nach einer Inkubationszeit von 8 bis 10 Tagen kommt es zunächst zu Fieber, Husten, Schnupfen, einer Bindehautentzündung und einem typischen Ausschlag der Mundschleimhaut, der an weiße Kalkspritzer erinnert (Kopliksche Flecken). Erst 3 bis 7 Tage nach Beginn der Erkrankung beginnt der typische Hautausschlag (Masernexanthem) mit bräunlich-roten Flecken, der an den Ohren und im Gesicht beginnt und sich von dort aus über den ganzen Körper ausbreitet. Das Fieber fällt nach 5 bis 7 Tagen ab. M. hinterlassen eine lebenslange Immunität, sie sind etwa 9 Tage lang ansteckend.

Nach Abklingen der akuten Erkrankung entwickelt sich eine Abwehrschwäche von etwa 6 Wochen Dauer. In dieser Zeit kommt es gehäuft zu Infektionskrankheiten durch Bakterien wie Mittelohrentzündung, Lungenentzündung, Bronchitis und Durchfallerkrankungen.

Die postinfektiöse Enzephalitis, eine Entzündung des Gehirns, tritt in einer von 1000 Masernerkrankungen 4 bis 7 Tage nach Abklingen des Hautausschlags mit Kopfschmerzen, erneutem Fieber und Bewusstseinsstörungen auf. 10 bis 20 % der Erkrankten versterben, bei 20 bis 30 % bleiben Schäden am Zentralnervensystem zurück.

Die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) tritt sehr selten (1-5 Fälle auf 1 Million) 6 bis 8 Jahre nach der Erkrankung an M. auf. Sie beginnt mit psychischen und intellektuellen Veränderungen, schreitet chronisch fort mit zunehmenden Ausfällen zentralnervöser Funktionen bis hin zum sicheren Tode.

Die Diagnose wird durch das klinische Bild und den Nachweis virusspezifischer Antikörper im Blut gestellt.

Eine spezifische Therapie gegen M. gibt es nicht. Es werden Bettruhe und fiebersenkende Mittel empfohlen. Bakterielle Komplikationen werden mit Antibiotika behandelt.

Nach dem Infektionsschutzgesetz sind der Verdacht, die Erkrankung und der Tod an M. in Deutschland namentlich meldepflichtig.

Eine Vorbeugung ist nur durch Impfung möglich, in der Regel kombiniert mit der Immunisierung gegen Mumps und Röteln (MMR : Masern – Mumps –Röteln – Impfung), seit neuestem auch kombiniert mit der Impfung gegen Windpocken als Vierfachimpfung. Die erste Impfung sollte im Alter von 11 bis 14 Monaten erfolgen, die Zweitimpfung erfolgt frühestens 4 Wochen danach, empfohlen wird der 15. bis 23. Lebensmonat. Der Masernimpfstoff besteht aus lebenden, abgeschwächten Masernviren. Neben lokalen Reaktionen an der Impfstelle (z. B. Rötung) treten bei bis zu 5 % der Impflinge Impfmasern auf, gekennzeichnet durch leichtes Fieber, einen flüchtigen Hautausschlag, Husten und Schnupfen. Die WHO hat es sich zum Ziel gesetzt, die Masern durch Impfung weltweit auszurotten.

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Malaria

Malaria (von ital. mala aria: schlechte Luft, syn.: Wechselfieber, Sumpffieber), eine der bedeutendsten und gefährlichsten Infektionskrankheiten weltweit, an der 300 bis 500 Millionen Menschen jährlich erkranken und 1 bis 2,7 Millionen sterben. Die verantwortlichen Erreger sind Einzeller (Protozoen), vier Arten aus der Gattung Plasmodium. Plasmodium falciparum ist der Erreger der gefährlichsten Erkrankung, der Malaria tropica. Die meisten Todesfälle sind auf Infektionen mit dieser Art zurückzuführen. P. ovale und P. vivax lösen die Malaria tertiana aus, die selten tödlich endet. Die seltenste Form ist die Malaria quartana, hervorgerufen durch P. malariae.

Entwicklung der Plasmodien

Die Infektion erfolgt in der Regel durch den Stich weiblicher Exemplare einiger Arten der Gattung der Anophelesmücke aus der Familie der Stechmücken.

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Anophelesmücke bei der Blutmahlzeit

Die Malariaplasmodien benötigen sowohl den Menschen als auch die Mücke, um sich zu vermehren. Sie durchlaufen dabei einen außerordentlich komplizierten Entwicklungszyklus mit einem geschlechtlichen Abschnitt in der Mücke und einem ungeschlechtlichen im Menschen.

Entwicklung der Plasmodien im Menschen

Die nach dem Stich der Mücke in die Blutbahn des Menschen aufgenommenen Erreger werden Sporozoiten genannt. Sie wandern binnen kurzer Zeit zu Leberzellen, dringen in die Leberzellen ein und verwandeln sich in eine intrazelluläre Form, den sog. Trophozoiten. Dieser beginnt mit einer Reihe von Kernteilungen, gewinnt dadurch ein anderes Aussehen und wird nun Leberschizont genannt. Ein Leberschizont kann mehrere Tausend Zellkerne enthalten, er füllt die Leberzelle fast ganz aus.

Beim P. ovale und P. vivax, den Erregern der M. tertiana, entwickeln sich nicht alle Sporozoiten zu Schizonten. Aus einigen von ihnen entstehen stattdessen Hypnozoiten, die in einer Art Ruhephase verharren. Nach längerer Zeit – manchmal erst nach vielen Jahren – werden auch sie aktiviert und verursachen die für die M. tertiana charakteristischen Rückfälle. Diese Rückfälle sind auch bei der M. quartana bekannt, unklar ist allerdings noch die morphologische Grundlage hierfür, denn Hypnozoiten bildet P. malariae nicht aus.

Wenn der Schizont in der Leberzelle seine Entwicklung – die Schizogonie – abgeschlossen hat, platzt die Zelle und es werden eine große Zahl neuer Erreger in die Blutbahn freigesetzt, die nunmehr Merozoiten heißen.

Die Merozoiten heften sich an die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) an, dringen in sie ein und entwickeln sich wiederum zum (erythrozytären) Schizonten. Auch diesmal platzt die Wirtszelle, der Erythrozyt, wenn der Schizont reif ist und es werden wiederum Merozoiten feigesetzt, die weitere Erythrozyten befallen. In einem immer wiederkehrenden Zyklus werden nun Erythrozyten befallen und neue Merozoiten produziert. Jedesmal, wenn die Erythrozyten zerstört werden, tritt ein Fieberschub auf.

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Blutausstrich eines Malariapatienten: Ringförmige Malariaerreger in den roten Blutkörperchen

Ein Teil der Merozoiten entwickelt sich in den roten Blutkörperchen jedoch nicht zu Schizonten, sondern zur Makro-und Mikrogametozyten, den beiden geschlechtlichen Formen der Malariaplamodien.

Entwicklung der Plasmodien in der Anophelesmücke

Die Mücke nimmt die Mikro- und Makrogametozyten zusammen mit der Blutmahlzeit beim Menschen auf. In ihrem Darm wandeln sich diese zu Mikro- und Makrogameten. Nach der Vereinigung dieser beiden entsteht eine Oozyste, aus der wiederum Sporozoiten hervorgehen, durch die weitere Menschen beim nächsten Stich der Mücke infiziert werden.

Verbreitung

Die M. ist heute eine Krankheit der Tropen und Subtropen. Sie kommt auf allen Kontinenten außer Australien in diesen Klimazonen vor. 90 % aller Malariafälle entfallen auf Afrika in Gebieten südlich der Sahara. Die anderen Erkrankungen betreffen Afrika, Asien und Südamerika.

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In den blau markierten Gebieten kommt die Malaria ständig vor – sie ist dort „endemisch“

In Deutschland erkanken vornehmlich Reisende aus diesen Gebieten, 2005 waren es 628, davon verstarben sechs. 87 % hatten sich in Afrika infiziert, die meisten davon in Kenia und westafrikanischen Ländern. 11 Fälle stammen aus Papua-Neuguinea und 8 aus Indien. In 77 % aller Fälle konnte die auch in Afrika vorherrschende Plasmodienart P. falciparum nachgewiesen werden.

Die sog. Flughafenmalaria, bei der aus tropischen Gebieten angereiste Anophelesmücken Menschen in der Nähe von Fughäfen infizierten, beschränkt sich auf Einzelfälle.

Übertragung

Die M. wird überwiegend durch den Stich der Anophelesmücke auf den Menschen übertragen. Die Übertragung durch Blutkonserven, kontaminierte Spritzen und von der Mutter auf den Fetus über die Plazenta ist ebenfalls möglich, fällt aber zahlenmäßig kaum ins Gewicht. Eine direkte Übertragung vom Mensch zu Mensch findet nicht statt.

Krankheitsbild

Die Inkubationszeit beträgt 7 bis 15 Tage bei P. falciparum, 12 bis 18 Tage nach dem Mückenstich beginnt die M. bei P. vivax und P. ovale, mit 18 bis 40 Tagen ist der Abstand zwischen Infektion und Erkrankung am größten bei P. malariae. Überlebende, ruhende Hypnozoiten können noch nach Jahren reaktiviert werden und eine M. lange nach dem Tropenaufenthalt auslösen.

Alle Formen der M. zeigen zu Beginn die gleichen Symtpome wie eine Virusgrippe oder ein durch Viren verursachter Magen-Darminfekt: Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen stehen im Vordergrund, manchmal kommen Erbrechen und Durchfall hinzu.

In Malaria – Endemie – Gebieten besitzen viele Erwachsene eine Teilimmunität (sog. Semiimmunität) gegen M.; sie erkranken zwar, die gebildeten Antikörper lassen die Krankheit jedoch viel leichter verlaufen als bei einem nicht immunen Kleinkind aus der gleichen Region oder einem Europäer oder Nordamerikaner.

Verlauf der Malaria tropica

Die durch P. falciparum ausgelöste M. tropica ist die gefährlichste aller Malariaformen. Sie führt zum Tode bei bis zu 20 % der Erkrankten ohne Immunität.

Das für M. sonst typische sog. rekurriende Fieber mit hohem Fieber abwechselnd mit fieberfreien Episoden entsteht nur selten. Ein Mangel an den für die Blutgerinnung wichtigen Thrombozyten führt zu punktförmigen Blutungen unter der Haut (Petechien).

Die Beteiligung des Gehirns ist häufig und äußert sich in Krampfanfällen, Lähmungen und Bewußtseinsstörungen bis hin zu lang andauerndem Koma.

Nieren- Lungen- und Kreislaufversagen, eine Anämie sowie sowie ernste Störungen der Blutgerinnung im Sinne einer disseminierten intravasalen Gerinnung sind weitere Komplikationen, die zum Kreislaufschock und zum Tode führen können.

Verlauf der Malaria tertiana

Die M. tertiana endet nur selten tödlich. Nach einigen Tagen kommt es zu einem typisch rekurrierenden Fiebertyp: Meist am Nachmittag steigt das Fieber unter Schüttelfrost auf Werte um 40 ° C an, nach einigen Stunden fällt es unter Schweißausbruch wieder auf normale Werte ab. Der Patient bleibt 48 Stunden fieberfrei, bevor der nächste Fieberschub auftritt. Fieber an einem Tag, zwei fieberfreie Tage – zusammen ergibt dies einen Dreierrhythmus, der dieser Malariaform auch den Namen gegeben hat.

Verlauf der Malaria quartana

Die seltene Form der M. quartana ähnelt in ihrem Verlauf der Tertiana, hier liegen drei fieberfreie Tage zwischen zwei Fieberschüben, zusammengenommen ergibt sich also ein Viererrhythmus.

Diagnose

Goldstandard der Malariadiagnostik ist die Untersuchung des sog. dicken Tropfens. Daszu werden etwa 10 μl Kapillarblut auf einem Objektträger auf Eurostückgröße verteilt, 20 Minuten luftgetrocknet, anschließend 40 Minuten mit einer verdünnten Giemsalösung gefärbt und unter dem Lichtmikroskop begutachtet. Zur gleichen Zeit wird parallel noch ein normal angefertigter Blutausstrich angefertigt, nach dem sich die Erregerdichte abschätzen läßt.

Mittlerweile sind einige Streifen – Schnellteste auf dem Markt, die Antigene der Plasmodien nachweisen können. Allerdings können sie auch bei schwerer Infektion ein falsch negatives Resultat anzeigen, eine M. also „übersehen“. Positive Reaktionen können verwertet werden, auf negativen Resultaten kann eine Therapieentscheidung nicht aufgebaut werden.

Therapie

Die Therapie der M. tropica sollte im Krankenhaus, die der anderen Formen kann ambulant erfolgen. Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Erkrankung und den aufgetretenen Komplikationen.

Viele Plasmodienstämme sind gegen das Standardmedikament Chloroquin (Resochin ®) resistent geworden. Dies trifft vor allem für P. falciparum zu. Wenn je nach Herkunftsland und Plasmodienart mit einer Resistenz gerechnet werden muß, dann kommen Mefloquin (Lariam ®), Atovaquon plus Proguanil (Malarone®) oder Artemether plus Lumefantrin (Riamet®) zum Einsatz. (Resistenzen gegen Lariam ® und Malarone ® sind selten, aber schon aus Afrika und Südostasien berichtet worden.)

Bei einer Behandlung der M. tertiana mit Chloroquin muß zusätzlich Primaquin gegeben werden, um die ruhenden Hypnozoiten zuverlässig abzutöten und Rückfälle zu vermeiden.

Bei einer M. tropica mit Organkomplikationen (z. B. Lunge, Gehirn) wird Chinin intravenös verabreicht, kombiniert mit Doxycyclin. Intravenöses Chinin und Primaquin sind in Deutschland nicht mehr im Handel und müssen aus dem Ausland bezogen werden.

Die intensivmedizinische Begleittherapie der komplizierten M. tropica zur Stabilisierung der Vitalfunktionen spielt eine zentrale Rolle. Bei sehr hoher Erregerzahl wird eine Austauschtransfusion des Blutes durchgeführt.

Prophylaxe

Eine Vermeidung von Mückenstichen in gefährdeten Regionen steht im Vordergrund aller Bemühungen. Anophelesmücken sind dämmerungs- und nachtaktiv, Mückenschutz muß vor allen Dingen zu diesen Tageszeiten ansetzen. Kleidung mit weiten langen Ärmeln und Beinen sowie dicht abschließenden Bündchen in heller Farbe vermindern das Risiko. Zusätzlich sollten mückenabweisende Mittel, sog. Repellents, auf unbekleideten Hautpartien angewendet werden. Im Schlaf schützt ein Moskitonetz, das zur Sicherheit oft noch zusätzlich mit einem Insektizid imprägniert wurde. Am sichersten ist der Aufenthalt abends und nachts in mückenfreien Räumen.

In Reisen mit einem hohen Malariarisiko wird eine Chemoprophylaxe mit Antibiotika gegen M. empfohlen. Diese Medikamente müssen dann eine Zeitlang vor der Reise, während des Aufenthalts und auch einige Zeit danach eingenommen werden. Welche Medikamente im Einzelfall geeignet sind, richtet sich nach der aktuellen Resistenzsituation im gewählten Reisegebiet sowie nach Risiken und Unverträglichkeiten auf Seiten des Reisenden. Eine individuelle reisemedizinische Beratung ist daher unumgänglich.

In Gebieten mit mittlerem bis niedrigem Risiko wird die Mitnahme einer sog. Standby – Medikation empfohlen. Standby – Antibiotika werden nur im Erkrankungsfall eingenommen: Wenn Fieber auftritt und kein Arzt in angemessener Zeit zu erreichen ist.

In der Schwangerschaft ist keine Form der Chemoprophylaxe völlig unbedenklich, M. – Erkrankungen verlaufen in diseser Zeit dagegen besonders schwer. So weit wie möglich sollten Schwangere Reisen in M. – Gebiete daher auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

Auch bei Kindern sind die Möglichkeiten der medikamentösen Vorbeugung stark eingeschränkt, die Expositionsprophylaxe muß hier besonders streng gehandhabt und die Notwendigkeit der Reise überdacht werden.

Geschichte

Die Überträgerin der M.. – die Anophelesmücke – wurde als 30 Millionen Jahre altes Fossil im südlichen Afrika gefunden. Malariaerregende Plasmodien sind auf genau die zwei Wirte angewiesen: Die Mücke und den Menschen. Diese hohe Spezialisierung des Erregers lässt vermuten, dass die M. den Menschen seit Beginn seiner Entwicklung in Afrika quält.

Erste Beschreibungen der M. finden sich schon im Papyrus Ebers aus dem Ägypten des 16. Jhdts. v. Chr..

340 n. Chr. beschrieb der chinesiche Arzt Ge Hong ein Medikament, das aus der Pflanze Qinghao (Artemisia annua) – einer Beifußart -, gewonnen und gegen wechselndes Fieber eingesetzt wurde. In der Zeit des Vietnamkrieges der 1960er Jahre des vorigen Jhdts. wurde die alte Notiz wiederentdeckt. Chinesische Wissenschaftler suchten ein wirksames und erschwingliches Mittel gegen M., da der Vietcong zeitweilig mehr Soldaten an M. als durch Kriegshandlungen verlor. Der aus Qinghao gewonnene Wirkstoff Artemisinin erwies sich als preiswert und effektiv. Es gehört heute in Kombination mit anderen Medikamenten (Artemisinin Combination Therapy, ACT) zur Standardempfehlung der WHO zur Behandlung der M. in Entwicklungsländern.

In der Antike grassierte die M. rund um das Mittelmeer, der griech. Arzt Hippokrates (460 – 375 v. Chr.) lieferte eine genaue Beschreibung der Erkrankung. Er vermutete, dass das Trinken von Wasser aus den Sümpfen die Ursache der M. sei. Herodot (484 – 425 v. Chr) dagegen empfahl schon damals Mückenschutz in sumpfigen Gebieten zum Schutz vor M..

Bis in den Norden Europas und auch nach Deutschland – vermutlich im Gepäck römischer Eroberer – wurde die Malaria verschleppt. Vor allem in den Feuchtgebieten Nord- und Mitteldeutschlands war die M. bis zum Ende des 19. Jhdts. weit verbreitet. Bei einer Epidemie 1826 in Ostfriesland soll jedes zweite Kind an M. erkrankt sein.

Nach den zeitgenössischen Schilderungen der Krankheit handelte es sich bei den einheimischen Malariafällen größtenteils um M. tertiana (Anderntagsfieber), seltener jedoch auch um M. quartana (Drittagsfieber) und Malaria tropica (Gallenfieber).

In der Zeit nach den Weltkriegen kam es noch einmal zum Anstieg der Erkrankungszahlen (z. B. 3500 Fälle im ostfriesischen Emden 1918; ca. 2000 Fälle jährlich in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkriegin ganz Deutschland). Seit 1951 gilt ganz Deutschlnad als malariafrei, seit ca. 1960 gilt dies für ganz Europa.

Erreicht wurde dies durch das Trockenlegen von Feuchtgebieten, die der Mücke das stehende Wasser als Brutgebiet entzogen. Aber auch die Steigerung der Hygiene- und Wohnungsstandards trug dazu bei: Auf gestampften Lehmböden, bei engem Zusammenleben mit dem Vieh finden Anophelesmücke und Plasmodien auch bei niedrigen Aussentemperaturen noch günstige Lebensbedingungen. Die Kanalisation und der Straßenbau ließen viele Pfützen und Tonnen mit Wasser etc. verschwinden.

Auch die Behandlung der Malariakranken mit wirksamen Medikamenten verhinderte die Infektionskette.

Insgesamt war die Ausrottung der M. in Europa einfacher als in Afrika, da die Entwicklung der Plasmodien temperaturabhängig verläuft: Unter 15 Grad steht der Entwicklungszyklus ganz still; nur bei ca. 20 Grad läuft er schnell genug ab, damit er in der kurzen Lebensspanne der Mücke auch abgeschlossen werden kann. Aus diesem Grund konnte es nur in besonders warmen Sommern zur Entwicklung einer Malariaepidemie in Deutschland und Nordeuropa kommen. Die Ruheformen (Hypnozoiten) von P. ovale und vivax sind Anpassungen der Plasmodien an kühlere Aussentemperaturen: Werden in einem Jahr keine günstigen Temperaturen zur Fortsetzung des Entwicklungszyklus erreicht, dann kann dies immer noch in den folgenden Jahren in heißeren Sommern geschehen.

Nach Süd- und Nordamerika kam die M. erst mit den europäischen Eroberen. Das erste wirksame Heilmittel in Europa, die Chinarinde, aus der 1820 das reine Chinin als Wirkstoff isoliert wurde, kam 1630 ebenfalls von dort: Jesuitenpater hatten den Rindenextrakt des Chinarindenbaums als Fiebermittel von den Ureinwohnern Perus kennen gelernt und erstmals erfolgreich gegen M. eingesetzt. Anschließend kam er als Jesuitenpulver nach Europa und wird bis heute zur Therapie der M. eingesetzt.

Im amerikanischen Bürgerkrieg (1860 – 1865) kam es zu 1,2 Millionen Malariafällen, selbst 1914 erkrankten noch ca. 600.000 Menschen in den USA.

Australien gilt seit 1981 als malariafrei, es ist damit der einzige Kontinent mit einer subtropischen Klimazone ohne M.. Wann genau die M. nach Australien kam, ist unklar, aber noch 1937 kam es zu einer großen Epidemie mit 165 Toten.

Obwohl mit dem Chinin bereits seit dem 17. Jhdt. ein wirksames Mittel gegen M. zur Verfügung stand, dauerte es doch bis zum Ende des 19.Jhdts., bis Charles Laveran 1880 den Erreger entdeckte und dafür 1907 den Medizinnobelpreis erhielt.

Mit der Entdeckung des Erregers war der Übertragungsweg jedoch noch völlig unklar: 1897 entdeckte der britische Militärarzt Ronald Ross die Rolle der Stechmücke und erhielt den Nobelpreis dafür bereits 1902.

Erst im 20. Jahrhundert erhielt das Chinin Konkurrenz, 300 Jahre nach seiner Entdeckung. Die Erforschung neuer Medikamente wurde angespornt von den Bedürfnissen der Kolonialstaaten, ihre Soldaten und Kolonialbeamten zu schützen und das holländische Chininmonopol zu brechen. Nachdem im 19. Jahrhundert die Nachfrage nach Chinin sprunghaft angestiegen war, stand der Chinarindenbaum an vielen seiner Standorte kurz vor der Ausrottung. Die Niederlande nahmen ihre Chance war: In ihrer Kolonie auf der heute indonesischen Insel Java kultivierten sie die Chinarindenbaumsorte Cinchona ledgeriana mit einem hohen Chiningehalt in der Rinde, aufgepfropft auf die wuchsfreudige und widerstandsfähige Art Cinchona succirubra. Der Erfolg war so groß, dass am Ende des 19. Jahrhunderts fast das gesamte Chinin aus holländischer Produktion stammte. 1930 waren es immer noch 80 % und die Lage wurde nicht einfacher, als Japan zu Beginn des Zweiten Weltkriegs die niederländischen Kolonien besetzte.

1924 wurde als erster synthetischer Wikstoff das Plasmoquin, Vorläufersubstanz des Primaquin, von dem deutschen Chemiker Schulemann und seinen Mitarbeitern hergestellt.

Quinacrin (Atebrin®) wurde 1930 an dem 1898 gegründeten armeeeigenen Walter-Reed-Forschungsinstitut in den USA entdeckt und im Zweiten Weltkrieg trotz seiner erheblichen Nebenwirkungen (gelbe Hautverfärbungen, Verwirrung, Durchfall) in großem Stil eingesetzt.

Wesentlich besser verträglich war das 1934 in den deutschen Bayerwerken entwickelte Chloroquin (Resochin®). Viele Plasmodien, vor allem P. falciparum haben mittlerweile Resistenzen gegen Chloroquin entwickelt. Da wo es wirkt, wird es auch heute noch als Mittel der Wahl eingesetzt. Die Entdeckung von Proguanil und Primaquin folgten 1944 und 1950. Zur Zeit des Vietnamkrieg wurde ebenfalls am Walter-Reed-Institut in den USA das Mefloquin (Lariam ®) entwickelt und in China das Artemisinin wiederentdeckt.

„Roll Back Malaria“

1956 startete die WHO eine weltweite Kampagne mit dem Ziel, die M. auszurotten. Mit Hilfe des Insektenvernichtungsmittels DDT wurden die Anophelesmücken bekämpft. Die Erkankten wurden mit Antibiotika – hauptsächlich Chloroquin- behandelt, um die Plasmodien zu vernichten.

Die Ergebnisse waren sehr unterschiedlich: In Europa, der Sowjetunion, in Nordamerika und in einigen Gebieten Asiens und Südamerikas konnte die Seuche ausgerottet werden. In den meisten Gebieten Asiens kehrte die Malaria jedoch wieder zurück und in Afrika wurden nie große Erfolge erzielt. 1969 erklärte die WHO das Scheitern des Projekts.

Mehrere Gründe waren hierfür verantwortlich: Zum einen wurden viele Anophelesmücken, auch duch den ausgedehnten Einsatz von DDT in der Landwirtschaft, resistent gegen dieses Insektizid. Plasmodien wurden unempfindlich gegen Chloroquin. Der Aufbau einer bewässerten Landwirtschaft, z. B. in Indien, machte anfängliche Erfolge wieder zunichte. Unruhen und Kriege, Armut und politische Instabilität verhinderten jede effektive Bekämpfung der M. in Afrika.

1998 startete die WHO einen weiteren Versuch zur Bekämpfung der M. weltweit mit der Gründung der Initiative: Roll Back Malaria (RBM). Neben der WHO gehören dieser „Partnerschaft“, wie sich selber offiziell nennt, die UNICEF, das Entwicklungsprogramm der UN (United Nations Development Programme UNDP) und die Weltbank an.

Das sehr ehrgeizige Ziel ist die Halbierung der Malariaerkrankungen bis 2010.

RBM verteilt kostenlos oder verkauft zu moderaten Preisen Moskitonetze, die mit Insektiziden langzeitimprägniert sind. Die Initiative empfiehlt zur Behandlung die Anwendung des Antibiotikums Artemisinin und eines Kombinationspartners zur Vermeidung von Resistenzen, des Lumefantrins. Als fixe Kombination stellt der Schweizer Konzern Novartis dieses Präparat als Coartem ® her. Novartis hat sich gegenüber RBM verpflichtet, dieses Präparat zum Selbskostenpreis zur Verfügung zu stellen. Weiterhin wird die Anwendung von Insektiziden, auch von DDT, zur Behandlung der Innenwände der Häuser in gefährdeten Gebieten, untersützt.

Kritiker wie die Vereinigung Ärzte Ohne Grenzen monieren die Verwendung von DDT wegen der extrem langen Halbwertszeit und globalen biologischen Schädlichkeit dieser Substanz. Auch die bislang zur Verfügung gestellte Menge an Coartem sei völlig unzureichend, Verträge mit weiteren Firmen seien dringend notwendig.

Robert Koch-Institut

Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG)

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