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Archive for 20. Juli 2007

Onkologie

Onkologie ( von griech. Όγκος die Schwellung und λόγος die Lehre), Teilgebiet der Medizin, das sich mit der Diagnose und Therapie der Krebserkrankungen beschäftigt.

Nach der deutschen Musterweiterbildungsordnung (MWBO) für Ärzte ist die Onkologie zusammen mit der Hämatologie ein Schwerpunkt im Gebiet der Inneren Medizin und der Pädiatrie (Kinderheilkunde). Die Chemotherapie wird im wesentlichen von diesen beiden Berufsgruppen durchgeführt. Auch im Fach Gynäkologie ist die Weiterbildung im Schwerpunkt Onkologie geregelt.

Die Bestrahlung bösartiger Tumore übernimmt ein Facharzt für Strahlentherapie, bei der inneren Anwendung radioaktiver Substanzen auch ein Arzt für Nuklearmedizin. Tumoroperationen nehmen die Spezialisten in den jeweiligen chirurgischen Gebieten (Allgemeine Chirurgie, Viszeralchirurgie (Bauchchirurgie) bei Tumoren im Bauchraum, Neurochirurgie bei solchen am Nervensystem, Thoraxchirurgie im Brustkorb usw.) vor. Ein Spezialgebiet Onkologie ist hier nicht vorgesehen.

Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO)

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Novaminsulfon (syn.: Metamizol), gut schmerzstillendes, stark fiebersenkendes und krampflösendes, aber nur gering entzündungshemmendes Arzneimittel aus der Gruppe der nicht opioiden Analgetika, also der Schmerzmittel, die keine Ähnlichkeit mit Opium und seinen Abkömmlingen zeigen. Wegen der seltenen, aber lebensbedrohlichen Nebenwirkungen Schock und Agranulozytose (dem plötzlichen Verschwinden der weißen Blutkörperchen) erfolgt die Anwendung beim Menschen nur bei Tumorschmerzen, starken Schmerzen nach Verletzungen und Operationen sowie bei Fieber, das auf andere Behandlungsmaßnahmen nicht anspricht.

Anwendung

N. ist in Deutschland als Tablette, Brausetablette, Zäpfchen für Erwachsene und Kinder, Tropfen und Injektionslösung nur nach ärztlicher Verordnung erhältlich. Kombinationspräparate wie Baralgin®, die früher oft zur Behandlung von Nierenstein- und Gallenkoliken eingesetzt wurden, besitzen keine Zulassung mehr.

In der Schwangerschaft sollte N. nicht eingenommen werden, im ersten Drittel wegen dem ungeklärten Mißbildungsrisiko, im letzten Drittel wegen eines möglichen vorzeitigen Verschlusses des Ductus Botalli. (Im mittleren Drittel ist eine Anwendung u. U. möglich.)

N. geht in die Muttermilch über, 48 Stunden nach Einnahme sollte nicht gestillt werden.

Kinder können ab dem 3. Lebensmonat mit N. behandelt werden, wenn keine anderen Alternativen zur Verfügung stehen.

Die Dosis beim Erwachsenen liegt bei etwa 500 bis 1000mg als Einzeldosis mit einer Höchstdosis von 4 g am Tag, bei Kindern 8 bis 16 mg pro kg Körpergewicht als Einzeldosis.

Wirkungsmechanismus, Aufnahme und Ausscheidung

Der Wirkungsmechanismus von N. ist noch nicht aufgeklärt, vermutlich hemmt N. ähnlich wie Paracetamol die Synthese der Prostaglandine im zentralen Nervensystem.

Die Substanz wird aus dem Magendarmtrakt schnell und zu 90 % aufgenommen, nach der Aufnahme fast vollständig zum ebenfalls wirksamen Stoffwechselprodukt 4-N-Methylaminoantipyrin (MAA) umgewandelt. Die Wirkung setzt bei oraler Aufnahme nach etwa 30 bis 60 Minuten, nach parenteraler Gabe nach 30 Minuten ein.

N. wird zu 95 % mit dem Urin und zu 5 % über den Stuhl ausgeschieden. Bei Leberzirrhose und eingeschränkter Nierenfunktion sowie bei älteren Menschen ist der Abbau verlangsamt, deswegen sollten in diesen Fällen höhere Dosen vermieden werden.

Nebenwirkungen

Risiko Agranulozytose

N. wurde 1920 in den Hoechst-Werken in Frankfurt/Main zum ersten Mal hergestellt und unter dem Markennamen Novalgin® auf den Markt gebracht. In den 1970er Jahren entstanden zunehmend Vermutungen über ein gehäuftes Auftreten von Agranulozytose unter Novalgin®. Die 1986 veröffentlichte Boston Studie sollte diese Frage klären. In mehr als 300 Kliniken aus verschiedenen Ländern wurde 221 Agranulozytose – Patienten mit 1425 Kontrollpersonen verglichen. Die Boston Studie ergab eine Häufigkeit der Agranulozytose von 6,2 Fällen auf 1 Million Einwohner, 1,1 Fälle davon sollten nach der statistischen Kalkulation auf N. entfallen. In Deutschland war ein Viertel aller Fälle von Agranulozytose auf N.-Einnahme zurückzuführen, in Rumänien und Israel erstaunlicherweise keiner. Die Studie war von der Firma Hoechst finanziert, aber von unabhängigen Fachwissenschaftlern durchgeführt worden. Das Risiko veranlasste die deutschen Behörden dazu, N. unter Rezeptpflicht zu stellen. In vielen anderen Ländern der Welt wie z. B. Großbritannien, den USA, Kanada und Australien ist es aus diesem Grunde nicht zugelassen. In vielen Ländern Afrikas und Lateinamerikas sowie Russland ist N. hingegen rezeptfrei erhältlich und stellt einen Großteil des OTC-Verkaufs an Schmerzmitteln. In Deutschland kommt es pro Jahr zu ca. 5 Millionen Verordnungen.

Spätere Untersuchungen ergaben ein von der Boston Studie abweichendes Bild. Eine 2002 veröffentlichte schwedische Untersuchung ergab eine Häufigkeit von einem Fall auf 1439 Verordnungen. Die beiden Untersuchungen sind nicht direkt vergleichbar: In Schweden wurden Fälle aus dem Krankenhaus nicht berücksichtigt, in der Boston Studie waren es nur stationär behandelte Patienten.

Das Risiko, an einer Agranulozytose zu sterben, wird in der Fachliteratur mit 9 bis 23 % angegeben.

Risiko Kreislaufschock

Der Kreislaufschock nach der Gabe von N. tritt vor allem nach parenteraler Gabe auf, ist aber auch bei oraler Aufnahme nicht ausgeschlossen. Die parenterale Anwendung sollte sehr langsam erfolgen und nur dann, wenn sie unvermeidlich ist Der Schock kann vor allem bei unzureichender Behandlung tödlich enden, die Häufigkeit wird mit einem Fall auf 1000 Anwendungen geschätzt.

Allergie

Wie auch andere Arzneimittel aus der Gruppe der Nicht-opioiden-Analgetika kann auch N. einen Asthma-Anfall auslösen. Allergische Reaktionen von Hautausschlägen bis hin zum anaphylaktischen Schock sind ebenfalls möglich.

Zusammenfassung der Boston Studie auf Pubmed (engl.)

Schwedische Metamizol Studie auf Pubmed (engl.)

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medalliejpg.jpgNobelpreis für Physiologie oder Medizin (schwedisch: Nobelpriset i fysiologi eller medicin), seit 1901 jährlich von der Nobelversammlung des Karolinska Institutet entsprechend dem Testament von Alfred Nobel verliehener Nobelpreis.

Physiologie und Medizin

Der Preis wird oft abgekürzt als Medizinnobelpreis bezeichnet. Dies ist nicht ganz korrekt, weil Alfred Nobels 1895 niedergelegter letzter Wille ausdrücklich die Physiologie einschließt. Die Physiologie umfasste damals aber einen weitaus größeren Bereich als die medizinische Physiologie, Gebiete, die heute vor allem der Biologie, aber auch der Chemie oder Physik zugerechnet würden. So hatte das Karolinska Institutet, die schwedische medizinische Universität in der Nähe Stockholms, schon immer einen großen Spielraum in der Auswahl der Bewerber. Der Preis 1973 für Konrad Lorenz gehört z. B. in das Gebiet der Biologie (Verhaltensforschung).

Statistik

Der Preis wurde von 1901 bis 2005 in insgesamt 96 Jahren an 184 Preisträger verliehen, sieben davon an Frauen. Er kann an bis zu 3 Personen gleichzeitig vergeben werden. Von 1915 bis 1918, in den Jahren 1921 sowie 1925 und von 1940 bis 1942 fand keine Verleihung statt, das Preisgeld wanderte zurück in den Fundus. Erster Preisträger war Emil von Behring.
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Der erste Preisträger 1901: Emil Adolf von Behring

Fast alle Preisträger wohnten oder arbeiteten in den USA, Europa und Australien. Je einmal ging der Preis je an einen Südafrikaner und einen Japaner, je zweimal nach Argentinien, Kanada und Russland. Nach dem zweiten Weltkrieg stellten die USA die meisten Preisträger.

„Entdeckung, die den größten Nutzen für die Menschheit gebracht hat“

Nach dem Willen von Alfred Nobel sollte der Preis an denjenigen verliehen werden, der im letzten Jahr mit seiner Entdeckung den größten Nutzen für die Menschheit erbracht hat. Das Wort Entdeckung bevorzugt in der Medizin immer die Grundlagenfächer, da in der klinischen Medizin der Fortschritt in der Regel nicht als plötzlicher Erkenntnisschub, sondern in sehr kleinen Schritten erfolgt. Und in der Tat erfolgten weitaus mehr Preisverleihungen an Forscher in der Immunologie, der Genetik oder Neurobiologie als an die in der Pharmazie, der Diagnose oder sogar der praktischen Therapie.

Welche Entdeckung den größten Nutzen für die Menschheit erbracht hat, ist immer noch Gegenstand vieler Diskussionen. Die Entwicklung des DDT durch den Schweizer Chemiker und Nobelpreisträger 1948 Paul Hermann Müller wird vom heutigen Standpunkt aus oft kritisiert. Die Anwendung von DDT ist wegen seiner Giftigkeit für Mensch und Tier mittlerweile verboten, dennoch konnten durch seine Anwendung nach Schätzungen der WHO ca. 25 Millionen Menschenleben gerettet werden. Das heute bekannte Ausmaß der Giftigkeit war weder dem Erfinder noch der Nobelversammlung zum Zeitpunkt der Preisverleihung bewusst.

Ein weiteres Handicap ist der Zusatz im letzten Jahr in Nobels Testament. Im allgemeinen dauert es einige Zeit, bis wissenschaftliche Erkenntnisse veröffentlicht werden; es dauert eine weitere Zeit, bis diese Erkenntnisse von der Fachwelt aufgenommen und akzeptiert werden: Manchmal beträgt diese Zeitspanne mehrere Jahrzehnte. So erhielt Oswald T. Avery nie einen Nobelpreis, obwohl seine Erkenntnis, dass die DNA der Träger der Erbinformation ist, mit Sicherheit eine Jahrhunderterkenntnis war. Es dauerte nur sehr viele Jahre bis die Wissenschaft diese Erkenntnis akzeptierte. Avery war mittlerweile verstorben und posthum darf niemand mehr für den N. nominiert werden.

Karolinska Institutet, Nobelversammlung, Nobelkomitee

Alfred Nobel hatte in seinem letzten Willen festgelegt, dass das Karolinska Institutet den Preis in Physiologie oder Medizin vergibt. 1901 wurde die Auswahl aus den Nominationen von allen 19 Professoren der medizinischen Fakultät besorgt. Sie wählten aus ihrer Reihe ein Nobelkomitee mit dem Präsidenten der Karolinska als Vorsitzendem. 1918 wurde Professor Göran Liljestrand zum Sekretär des Nobelkomitees gewählt, der diesen Posten 42 Jahre lang behielt.

1977 wurde die Nobelversammlung am Karolinischen Institut eingerichtet, weil die Zahl der Dozenten inzwischen stark angestiegen war. Eine Gesetzesänderung in Schweden, die alle Papiere staatlicher Einrichtungen öffentlich machte, hätte zudem die Geheimhaltung des Auswahlprozesses bedroht. Die Nobelversammlung ist völlig unabhängig vom Staat, sie wird auschließlich von der Nobelstiftung finanziert, obwohl alle 50 Mitglieder Professoren der Karolinska sind. Mit 65 gehen sie in den Ruhestand, neue Mitglieder werden von der Versammlung gewählt.

Das Nobelkomitee wird von der Nobelversammlung gewählt und besteht aus 5 Mitgliedern und einem Geschäftsführer. Jedes Mitglied kann zweimal für die Dauer von drei Jahren gewählt werden, der Geschäftsführer dreimal für die Dauer von 4 Jahren. Um die Kontinuität der Arbeit zu gewährleisten, wird jedes Jahr nur ein Teil der Mitglieder neu gewählt, einer der Mitglieder wird für drei Jahre Vorsitzender.

Sobald die Nominierungen vom Komitee geprüft worden sind, wird ein Ad-hoc- Komitee mit 10 Mitgliedern bestimmt, die für die Dauer von 9 Monaten die Nominierungen bewerten. Die Mitglieder des Ad-hoc-Komitees müssen nicht Mitglieder der Nobelversammlung sein.

Zeitplan

Komitee und Versammlung halten mehrere Treffen im Laufe des Jahres ab, so dass die Versammlung zum Zeitpunkt der Abstimmung über den Auswahlprozess und die wissenschaftlichen Verdienste der Kandidaten gut informiert sind. Die Entscheidung der Nobelversammlung erfolgt in der ersten Hälfte des Oktobers, eine einfache Mehrheit reicht aus.

Der Zeitplan ist seit 1901 der gleiche geblieben: Im September des Vorjahres werden 2500 bis 3000 Wissenschaftler von medizinischen Fakultäten außerhalb Skandinaviens nach einem rotierenden System ausgewählt und um ihre Kandidaten-Vorschläge für das nächste Jahr gebeten.

Vorschlagsrecht

Alle Träger des Nobelpreises für Physiologie oder Medizin und alle Professoren der Medizin in skandinavischen Ländern haben ein regelmäßiges Nominierungsrecht. Die letzte Frist für Nominierungen ist der 31. Januar. Im Frühjahr gibt es eine gemeinsame Sitzung mit dem Nobelkomitee für Chemie, um zu vermeiden, dass ein Preisträger zwei Preise erhält.

Nobelprize.org (engl.)

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Nikotinsucht

aschenbecher.jpgNikotinsucht, körperliche und psychische Abhängigkeit von Nikotin, einem Alkaloid des Tabaks, das meistens durch Zigarettenrauchen aufgenommen wird.

Häufigkeit

Im Jahr 2003 rauchten in Deutschland 33 % der Bevölkerung über 18 Jahre, 37 % der Männer und 31 % der Frauen. Im Durchschnitt beginnen Jugendliche zwischen dem 15. und 16. Lebensjahr mit dem regelmäßigen Rauchen, 90 % aller Raucher haben vor dem 20. Lebensjahr damit begonnen. Niedriger sozialer und ökonomischer Status begünstigt die Entwicklung der Sucht. Zwischen dem 20. und 44. Lebensjahr erreicht der Anteil der Raucher seinen Höhepunkt, danach sinkt er kontinuierlich ab. Der Anteil der Raucher unter den Männern nimmt in den letzten 15 Jahren ab, dafür steigt er bei den Frauen und den Jugendlichen zwischen dem 15. und 17. Lebensjahr an.In der Europäischen Union sind die Raucherraten sehr unterschiedlich, sie liegen zwischen 45 % in Griechenland und 22 % in Schweden. Weltweit rauchen etwa ein Drittel der Männer in den westlichen Industriestaaten verglichen mit 50 % in den Entwicklungsländern. Besonders hohe Raten an männlichen Rauchern mit über 60 % verzeichnen China und die Länder der ehemaligen UDSSR. Bei den Frauen sind es 22 % in den westlichen Ländern und 9 % in denen der sog. Dritten Welt.

Suchtentwicklung

Bereits der Genuss einer oder einiger weniger Zigaretten kann zur Sucht führen. Rauchen soll die Konzentration steigern, wach machen, Hunger und andere Unlustgefühle vertreiben sowie in Stresssituationen entspannen. Wie bei allen anderen Drogen auch, konsumiert der Nikotinabhängige nach einiger Zeit nicht mehr, um angenehme Empfindungen zu erzielen, sondern um die unangenehmen Auswirkungen des Entzugs zu vermeiden, der sich in Unruhe und dem unstillbaren Verlangen nach einer Zigarette (dem craving) äußert. Die psychischen Wirkungen des Nikotins sollen durch Beeinflussung von Nervenzellrezeptoren entstehen, die sonst auf den körpereigenen Botenstoff Acetylcholin ansprechen mit der Folge einer vermehrten Freisetzung des Neurotransmitters Dopamin. Mit der Entwicklung der Sucht wurde eine Vermehrung der nikotinsensiblen Rezeptoren an den Nervenzellen beschrieben. Wird das Rauchen eingestellt, führt der resultierende Dopaminmangel zu Unlustgefühlen. Auch das Rauchzeremoniell scheint eine Bedeutung bei der Aufrechterhaltung der Sucht zu haben.

Gesundheitliche Folgen

In Deutschland sterben ca. 140.000 Menschen vorzeitig an den Folgen des Rauchens, weltweit sind es 3,5 Millionen. Rauchen ist einer der bedeutsamsten Risikofaktoren für Krebserkrankungen, Herzinfarkt und Schlaganfall sowie chronische Atemwegserkrankungen. Mindestens 30 % aller Krebserkrankungen, 25 % aller Herzinfarkte, 10 % aller Schlaganfälle sowie 90 % aller chronischen Atemwegserkrankungen sind durch Rauchen bedingt. Zigarettenrauch enthält neben dem Nikotin ca. 4000 andere chemische Substanzen, darunter 40 bekannte hochpotente Karzinogene, Kohlenmonoxid, eine Vielzahl giftiger und die Atemwege reizender Substanzen. Das Rauchen führt vor allem zu Krebserkrankungen der Lunge, des Kehlkopfs, der Speiseröhre und der Mundhöhle: Mehr als 80 % der von diesen Erkrankungen betroffenen Patienten sind Raucher.
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Drastische Krebswarnung auf belgischer Zigarettenpackung

Aber auch bei Blasen– und Zervixkarzinom sowie einer ganzen Reihe von Krebserkrankungen anderer Organe, die keinen direkten Kontakt mit dem Zigarettenrauch haben, spielt das Rauchen eine wesentliche Rolle als Verursacher. Rauchen fördert die Krebsbildung durch andere Karzinogene, z. B. Asbest und Radon.

Bei den Gefäßerkrankungen potenziert das Rauchen die Auswirkung anderer Risikofaktoren wie der Erhöhung des Cholesterins und dem Bluthochdruck. Bei den nicht durch Diabetes mellitus verursachten Durchblutungsstörungen der Beinschlagadern ist das Rauchen in 90 % der Fälle die Hauptursache. Zigarettenrauchen fördert die Faltenbildung, den Eintritt der Menopause und die Osteoporose bei der Frau sowie die Impotenz der Männer.

Rauchen in der Schwangerschaft erhöht das Risiko einer Fehl- und Frühgeburt, die neugeborenen Kinder weisen eine erhöhte Sterblichkeit, ein verringertes Geburtsgewicht und eine Entwicklungsverzögerung in den ersten Lebensjahren auf.

Passivrauchen ist das unfreiwillige Inhalieren von Tabakrauch, ohne selbst Raucher zu sein. Hiervon sind v.a. Gaststättenbesucher und -angestellte sowie Kinder rauchender Eltern betroffen. Passivrauchen führt ebenso zu einer Erhöhung der Krebsrate sowie zu einer Förderung von Herzkreislauf- und Atemwegserkrankungen.

Die gesundheitliche Verfassung bessert sich nach Abstinenzbeginn schon innerhalb weniger Stunden und Tage: Durch den Abfall der Kohlenmonoxidkonzentration im Blut verbessert sich die Sauerstoffversorgung und das Leistungsvermögen, durch die Normalisierung der Blutgerinnung sinkt das Risiko für Herzkreislaufkomplikationen. In jedem Jahr der Abstinenz verbessert sich das Risikoprofil, in Bezug auf Herzinfarkt und Schlaganfall hat der Exraucher das gleiche Risiko wie der Nichtraucher nach 15 Jahren erreicht. Das Krebsrisiko nähert sich nach 20 Jahren der normalen Rate an, bleibt aber leicht erhöht.

Raucherentwöhnung

Mehr als 70 % der Raucher haben den Wunsch, aufzuhören; fast ein Drittel versucht jedes Jahr, sich von der Abhängigkeit zu befreien. Die meisten, die es schließlich schaffen, haben mehrere erfolglose Versuche hinter sich. Eine Kombination von Verhaltenstherapie und Nikotinersatzpräparaten (Pflaster, Spray, Kaugummi) können dem abstinenzwilligen Raucher den Entzug erleichtern. In manchen Fällen können zusätzlich Antidepressiva hilfreich sein.

Prävention

Das Vorbild der Eltern, die Werbung, Stärkung des Selbstbildes durch Imitation erwachsener Vorbilder, Lust am Experimentieren – alles dies sind Motive, die Kinder und Jugendliche zur ersten Zigarette verleiten. Da die überwiegende Zahl der Raucher vor dem 20. Lebensjahr mit dem Rauchen beginnt, muss die Prävention im Kindesalter beginnen. Der Verbot der Zigarettenwerbung und die soziale Stigmatisierung des Rauchens schon im Kindergarten sind erprobte Verfahren. Der Zugang kann durch ein Verkaufsverbot an unter 18jährige, das Verbot von Zigarettenautomaten sowie einen hohen Preis wirkungsvoll erschwert werden.

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) e.V.: Tabakabhängigkeit (pdf)

WHO: The Tobacco Atlas (pdf)

Deutsche Krebshilfe e.V.: Rauchen und Krebs

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