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Archive for 21. Juli 2007

Opium

schlafmohn.jpgOpium, aus der Samenkapsel des Schlafmohns gewonnene Substanz, Rauschgift und historisches Arzneimittel, Ausgangsprodukt zur Herstellung von Morphin, Codein und Heroin.

anritzen.jpgO. wird gewonnen, indem die unreife Samenkapsel des Schlafmohns (Papaver somniferum) leicht angeritzt wird, nachdem die Blütenblätter abgefallen sind. Die Samenkapseln scheiden eine milchige Flüssigkeit aus, die nach einiger Zeit gerinnt und sich an der Luft in eine braune, gummiartige Masse verwandelt.

rohopium.jpgDieses Rohopium wird in Klumpen, in Platten, in Blöcken oder zermahlen als Pulver gehandelt oder gleich zu Derivaten wie Morphin, Codein und Heroin weiter verarbeitet. Opium und die im Opium enthaltenen Alkaloide Morphin, Codein etc. werden als Opiate bezeichnet.

Das wichtigste Alkaloid des Opiums ist das Morphin, es macht durchschnittlich 10 % des Gewichts von Rohopium aus. Die Alkaloide des Opiums lassen sich in zwei Gruppen unterteilen, die sich in der chemischen Struktur und in ihrer Wirkung voneinander unterscheiden: Morphin, Thebain und Codein repräsentieren den Typ, der auf das Zentralnervensystem wirkt; Papapaverin und die meisten anderen Alkaloide entspannen die glatte, unwillkürliche Muskulatur, z. B. im Magen Darm Trakt.

Opiate wirken in erster Linie auf Gehirn und Rückenmark, sie können Schmerzen lindern oder ganz unterdrücken. Sie wirken auch Angst lösend, erzeugen Benommenheit und oft einen Zustand der Euphorie. Opiate verlangsamen die Atmung und den Herzschlag und unterdrücken den Hustenreflex.

Opiate erzeugen eine körperliche Form der Abhängigkeit: Fehlt die Droge, werden Entzugssymptome provoziert, die nur verhindert werden können, wenn weiter konsumiert wird. Im Laufe der Zeit entwickelt der Körper eine Toleranz gegenüber den Opiaten, so dass zunehmend größere Mengen gebraucht werden, um Unruhe, Schmerzen, Durchfall und andere Zeichen des Entzugs zu vermeiden. Morphin und vor allem Heroin haben eine stärkere suchterzeugende Wirkung als Opium und Codein. Der chronische Missbrauch von O. und anderen Opiaten vermindern den Appetit und führen dadurch zu Fehl- und Mangelernährung. Die geistige Regsamkeit und das Interesse an der Umwelt lassen nach. Eine Überdosis von O. kann eine tödliche Atemlähmung hervorrufen.

Die schmerzstillende und beruhigende Wirkung von Opium beruht in erster Linie auf dem Gehalt an Morphin, das der westfälische Apotheker F.W.A. Sertürner 1804 zum ersten Mal aus dem Opium isolierte. 1875 wurde Morphin mit Essigsäureanhydrid aufgekocht, das Resultat war Heroin, vier bis acht mal stärker schmerzlindernd und suchterzeugend als Morphin.

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Friedrich Wilhelm Adam Sertürner

Die anderen Alkaloide des Opiums sind viel schwächer wirksam als Morphin; Codein hat nur 1/16 der Wirkstärke und wird in erster Linie zur Linderung von Reizhusten eingesetzt.

Seit den 1930er Jahren werden zunehmend vollsynthetische Abkömmlinge des Morphin entwickelt, z. B. das Fentanyl, das 50- bis 100-mal stärker wirkt als Morphin.

Opiate wirken auf das Gehirn, weil sie in ihrer chemischen Struktur körpereigenen Endorphinen ähnlich sind, die Schmerz unterdrücken und die Stimmung verbessern, in dem sie sich an spezielle Rezeptoren von Neuronen binden, die für die Weiterleitung von Schmerzimpulsen zuständig sind.

Der Schlafmohn stammt ursprünglich aus dem Gebiet der heutigen Türkei. Schon in medizinischen Schriften der alten Assyrer wird sowohl der Schlafmohn als auch das Opium erwähnt. In seiner Abhandlung De Materia Medica, einer grundlegenden Abhandlung der Pharmakologie für viele Jahrhunderte, beschreibt der griechische Arzt Dioscorides im 1. Jahrhundert nach Christus die Anwendung des Opiums detailliert.

Der Anbau von Schlafmohn zur Opiumgewinnung verbreitete sich von Mesopotamien und Griechenland aus ostwärts. Im 7. Jahrhundert erreichte das Wissen um den Schlafmohn China. Opium wurde in Form von Tabletten oder aufgelöst in Getränken aufgenommen. Die orale Aufnahme von Rohopium scheint keine weit verbreitete Sucht zu der damaligen Zeit in Asien ausgelöst zu haben.

Erst nachdem die ersten Europäer in Nordamerika das Tabakrauchen von den Indianern übernommen hatten, wurde diese Technik auch auf den Konsum von Opium ausgeweitet. Nach China kam das Opiumrauchen im 17. Jahrhundert und verbreitete sich schnell. Der Verkauf von Opium wurde von den chinesischen Behörden verboten, aber niemand hielt sich daran.

Im 18. Jahrhundert fanden europäische Kaufleute es sehr lukrativ, chinesische Seide und Tee mit O. aus dem britisch beherrschten Indien zu tauschen. Der Versuch der chinesischen Regierung, diesen Handel zu unterbinden, führte zu Konflikten mit den Engländern, die ohnedies den chinesischen Markt für ihre Produkte öffnen wollten. Nach der Niederlage in den Opiumkriegen wurde China 1858 gezwungen, den Import von Opium zu legalisieren. Die Opiumsucht blieb ein Problem der chinesischen Gesellschaft bis 1949, als die kommunistische Revolution das Problem endgültig beseitigte.

In Europa geriet O. als wirksames Arzneimittel im christlich dominierten Mittelalter fast völlig in Vergessenheit, wurde oft als Werk des Teufels verdammt.

Erst mit Beginn der Neuzeit führte der deutsche Arzt Paracelsus (1493–1541) und nach ihm der englische Arzt Thomas Sydenham (1624–1685) das O. als alkoholische Tinktur, Laudanum genannt, wieder in die medizinische Therapie ein.

bayer_heroin_bottle.jpgIm folgenden 18. und 19. Jahrhundert waren Opium und die Abkömmlinge – die Opiate wie Heroin – Bestandteil vieler Arzneimittel und ohne jede gesetzliche Einschränkung völlig frei verkäuflich.

pare.jpgParegoric, eine Mischung aus Opium, Campher u. a. wurde gegen Schmerzen und Durchfall, aber auch zur Beruhigung von Kindern eingesetzt.. Auch die bekannten Hoffmannstropfen, 1845 von Dr. Heinrich Hoffmann erfunden, enthielten fünf Prozent O. und wurden bis 1924 so hergestellt.

Erst seit den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde der Konsum von Opiaten gesetzlich geregelt. O. in all seinen Formen untersteht in Deutschland heute dem Betäubungsmittelgesetz (BtmG).

O. wird auch heute noch illegal gehandelt und als Rauschgift gegessen, geraucht und injiziert. Das Opiumprodukt Heroin ist ein weitaus größeres Problem geworden.

Schlafmohn zur Herstellung von O. und Heroin wird seit Ende des 20. Jahrhunderts hauptsächlich in Myanamar (ehemals Burma), Afghanistan, Laos, Iran und Pakistan angebaut.
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Schlafmohnfeld in Myanmar

Quelle

Aktories et. al., Pharmakologie und Toxikologie, Elsevier, 9. Aufl. 2004

Encyclopædia Britannica

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