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Archive for 22. Juli 2007

pille.jpgOvulationshemmer, (weitgeh. synonym: orale Kontrazeptiva, Antibabypille, Pille), Medikament zur Empfängnisverhütung, das die beiden weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen in kombinierter Form enthält.

Wirkungsweise

O. wirken auf drei Wegen empfängnisverhütend: Sie verhindern durch Einwirkung auf das Regelsystem HypothalamusHypohyseOvar den Eisprung. Sie verändern den Schleim im Kanal des Gebärmutterhalses (Cervix) derart, dass Spermien diesen kaum passieren können und sie verhindern, dass die Gebärmutterschleimhaut regelrecht aufgebaut wird – ein evtl. befruchtetes Ei (die Zygote) kann sich nicht einnisten und zum Embryo heranwachsen.Dieser dreifache Ansatz erklärt die überaus effektive Wirkung der O.: Bei korrekter Einnahme über ein Jahr wird die Schwangerschaft in 99,1 bis 99,9 % verhindert . (Pearl Index: 0,1 bis 0,9).

Zusammensetzung

Die weiblichen Geschlechtshormone werden nicht in ihrer natürlichen sondern in einer chemisch veränderten Form verabreicht. Diese Modifikation ist unvermeidlich: Die Hormone würden sonst nach der Aufnahme aus Magen und Darm in der Leber zerstört.

Als synthetisches Derivat (Abkömmling) des natürlichen Östrogens kommt in der Regel Äthinylöstradiol (englisch: Ethinylestradiol, Abk.: EE) zur Anwendung. Es werden viele verschiedene Gestagene verwendet, alle mit etwas unterschiedlichen Wirkungen und Nebenwirkungen.

Die Östrogendosis ist seit der Premiere der Pille 1960 immer geringer geworden. Es zeigte sich nämlich, dass die Sicherheit auch mit der geringeren Dosis gleich hoch blieb aber Nebenwirkungen seltener auftraten. Die meisten neu verordneten Pillen enthalten nur 20 bis 35 µg EE , die höchstdosierten in Deutschland noch erhältlichen 50 µg.

Einphasenpräparate enthalten in jeder Pille die gleiche Menge Östrogen und Gestagen, bei Zweiphasenpräparaten ist das Gestagen nur in der zweiten Hälfte der Packung enthalten, in der ersten Phase wird nur das Östrogen eingenommen.

Zwei- oder Dreistufenpräparate enthalten zwei bzw. drei verschiedene Kombinationen von Östrogen und Gestagen.

Einnahme

In der Regel enthält eine Pillenpackung 21 Pillen. Nach 21 Tagen kontinuierlicher Einnahme folgen 7 Tage Pause, in der meist die Monatsblutung stattfindet. Bei Packungen mit 22 Pillen gelten entsprechend 22 Tage Einnahme und 6 Tage Pause. O. mit 28 Pillen pro Packung enthalten 6 oder 7 Tabletten ohne Wirkstoff, sie sollen die Einnahmesicherheit verbessern.

Die Ersteinnahme erfolgt heute meist am ersten Tag des Zyklus (dem ersten Tag der Regelblutung). Gegenüber dem früher üblichen 5. Tag wird damit ein Schutz vor Empfängnis schon im ersten Zyklus erreicht, es treten aber auch häufiger Zwischenblutungen auf.

O. müssen regelmäßig alle 24 Stunden eingenommen werden. Wird die Pille vergessen, so kann sie bei Einphasen- und 2- oder 3- Stufenpräparaten noch 12 Stunden später eingenommen werden, ohne die Verhütungssicherheit zu gefährden. (Allerdings sollte dies nicht mehrfach im Zyklus vorkommen.) Bei Zweiphasenpräparaten ist das Zeitfenster nur 6 Stunden groß, bei der Minipille nur 2 Stunden. Sind diese Zeitspannen überschritten, sollten zusätzliche Verhütungsmittel, z. B. das Kondom, angewendet werden. Der Rest der Packung sollte bei Überschreiten der Zeitspanne und auch völligem Vergessen dennoch aufgebraucht werden, um Zyklusunregelmäßigkeiten zu vermeiden.

Erbrechen und Durchfall können die Sicherheit der O. verringern. Einige Antibiotika, Antiepileptika aber auch frei verkäufliche Johanniskrautpärate u. a. können die Wirksamkeit von O. herabsetzen.

Minipille und östrogenfreie Ovulationshemmer

Die Minipille besteht nur aus einem Gestagen, der Östrogenanteil fehlt. Minipillen hemmen nur bei einem Teil der Frauen den Eisprung, sie sind also keine Ovulationshemmer im eigentlichen Sinne. Sie wirken empfängnisverhütend, in dem sie den Zervikalschleim für Spermien unpassierbar machen und den regelrechten Aufbau der Gebärmutterschleimhaut (des Endometriums) behindern. Minipillen sind nicht so sicher, sie schützen nur in 97 bis 99,5 % pro Anwendungsjahr vor einer unerwünschten Schwangerschaft. Außerdem führen Minipillen sehr häufig zu Zwischenblutungen. Minipillen sind vor allem für stillende Frauen (Östrogene hemmen die Muttermilchproduktion) und für Frauen, die wegen einer Krankheit keine Östrogene erhalten dürfen, geeignet.

So genannte östrogenfreie O. bestehen ebenfalls nur aus einem Gestagen, das aber hier so gewählt ist, das sie ebenso wie herkömmliche Kombinationspräparate den Eisprung hemmen. Die Sicherheit ist demnach größer als bei anderen Minipillen, es fehlen aber noch längerfristige Erfahrungen.

Hormonimplantat und Dreimonatsspritze

Das Hormonimplantat ist seit Mitte 2000 in Deutschland zugelassen. Ein kleines Gestagenhaltiges Stäbchen wird unter die Haut des Oberarms eingepflanzt. Über die Zeitdauer von 3 Jahren wird das Gestagen aus dem Depot freigesetzt. Die Sicherheit und die Nebenwirkungen ähneln denen anderer O. Häufiger treten allerdings unregelmäßige Blutungen auf, bei 20 % der Frauen kommt es zur Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung). Es fehlen Langzeiterfahrungen, Studien an Frauen unter 18 Jahren sind bisher noch nicht durchgeführt worden. Hormonimplantate sind v.a. für Frauen geeignet, die Schwierigkeiten mit der regelmäßigen Einnahme der O. haben.

Ähnlich wirkt die Dreimonatsspritze. Ein lang wirksames Gestagen wird in die Oberschenkelmuskulatur alle drei Monate injiziert. Vor allem, wenn sie bei jungen Frauen angewendet wird, kann diese Form der O. später zur einer Osteoporose führen. Nach Absetzen der Dreimonatsspitze dauert es oft sehr lange, bis sich der Zyklus der Frau normalisiert und die Fruchtbarkeit wieder hergestellt ist.

Vaginalring und Verhütungspflaster

Der Vaginalring ist seit Februar 2003 in Deutschland zur Empfängnisverhütung zugelassen. Er besteht aus einem flexiblen Kunststoff, der mit Östrogen und Gestagen imprägniert ist. Der Vaginalring wird von der Frau in die Scheide eingeführt und verbleibt dort für drei Wochen. Nach einer Woche Pause, in der die Regelblutung auftritt, wird ein neuer Ring auf die gleiche Weise verwendet. Östrogen und Gestagen des Vaginalrings werden über die Vaginalschleimhaut aufgenommen, die Wirkungsweise entspricht dem der herkömmlichen Kombinationspräparate. Die niedrige Östrogendosis (15 µg EE) wird u. a. als Vorteil der sehr sicheren Methode angesehen, auch hier fehlen noch langfristige Erfahrungen.

Das Verhütungspflaster wird einmal pro Woche auf die Haut z. B. des Oberarms geklebt. Nach drei Pflastern folgt eine Woche Pause mit der Regelblutung. Das Verhütungspflaster setzt Östrogene und Gestagene frei, die von der Haut resorbiert werden. Die Wirkung und die Sicherheit entsprechen dem der herkömmlichen Einphasenpräparate. Verhütungspflaster kommen vor allem bei chronischen Darmerkrankungen in Betracht, bei denen die Aufnahme herkömmlicher O. nicht sicher ist.

Nebenwirkungen

Nichtrauchende, gesunde Frauen können O. bis zum Eintritt der Menopause (dem Beginn der Wechseljahre) einnehmen. Pillenpausen haben einen eher negativen Effekt auf die Zyklusregulation und werden heute nicht mehr empfohlen.

Bei Frauen, die rauchen oder bei Frauen mit anderen schwerwiegenden Risikofaktoren für Herzkeislauferkrankungen (z.B, schlecht eingestellter Bluthochdruck) treten Herzinfarkte und Schlaganfall häufiger auf.

Frauen, die nach Einnahme von O. Kopfschmerzen, Sprachstörungen, Bewusstseinsstörungen oder andere Symptome von Seiten des ZNS entwickeln, sollten O. sofort absetzen.

Erhöhungen des Blutdrucks werden der Östrogenkomponente zugeschrieben, Bringt ein Wechsel des Präparats keine Besserung, muss der O. abgesetzt werden. Der Blutdruck normalisiert sich danach in den meisten Fällen, Nach der heute geltenden Meinung sollten Frauen, die über 35 Jahre alt sind und rauchen, keine O. anwenden.

Durchbruchblutungen können durch einen Wechsel auf ein Präparat mit höherer Östrogendosis behoben werden. Übelkeit, Spannungsgefühl in der Brust und Wassereinlagerung lassen sich unter Umständen mit einer geringeren Östrogendosis vermeiden Akne, Nervosität, und Gewichtszunahme werden der Gestagenkomponente zugeschrieben, evtl. hilft ein Wechsel auf ein Präparat mit niedriger Gestagendosis oder einem Gestagen mit anderem Wirkprofil. Einige O. mit speziell wirksamen Gestagen werden sogar bei Akneproblemen junger Frauen mit Kontrazeptionswunsch erfolgreich eingesetzt.

Die Einnahme von O. führen nicht zu einer Verminderung der Fertiltität (Fruchtbarkeit), eine versehentliche Einnahme von O. führt nicht zu Missbildungen des Embryos.

Komplikationen durch Thrombose und Embolie kommen bei Frauen unter O. etwa 4fach häufiger vor als bei Frauen, die keine Hormone einnehmen. Vor und nach einer (geplanten) Operation sollten O. aus diesem Grund abgesetzt werden. O. lösen keinen Diabetes mellitus aus, können aber die Entwicklung eines Diabetes beschleunigen bzw. die Diabetes-Einstellung verschlechtern und Gefäßkomplikationen bei Diabetikern fördern. O. führen nicht zu einer Neubildung von Gallensteinen, können aber das Wachstum fördern.

Depressionen und Schlafstörungen werden bei 1 – 2% der Frauen, die O. einnehmen, ausgelöst.

Das Chloasma, eine Hauterkrankung mit verstärkter Pigmentierung, kann unter O. auftreten. Diese seltene Nebenwirkung erfordert das sofortige Absetzen der O., da eine Behandlung nur sehr schwer möglich ist.

Das Risiko, an einem Karzinom der Eierstöcke oder der Gebärmutterschleimhaut (Korpuscarcinom) zu erkranken, ist unter der Einnahme von O. vermutlich um bis zu 50 % vermindert.

Das Risiko, ein Karzinom des Gebärmutterhalses zu entwickeln, ist vielleicht erhöht. Der ursächliche Zusammenhang ist nicht gesichert, da dieser Tumor bei sexuell aktiven Frauen unabhängig vorn der Art der Verhütung häufiger vorkommt.

Brustkrebserkrankungen treten unter langjähriger Einnahme von O. möglicherweise etwas häufiger auf, gutartige Veränderungen der Brustdüse seltener.

Bei aktiven Lebererkrankungen sollten O. nicht eingesetzt werden, sehr selten ( 1:30.000 bis zu 1:50:000) können O. gutartige Lebertumore erzeugen.

Entzündungen der Eileiter, Extrauteringravidität (Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter), Blutarmut durch Eisenmangel, Prämenstruelles Syndrom und Eierstockzysten treten unter O. seltener auf, nach amerikanischen Studien werden dadurch 50.0000 stationäre Einweisungen/Jahr in den USA vermieden. Nach dem heutigen Wissenstand kann angenommen werden, dass O. nicht zu einer verminderten Lebenserwartung führen.

Menstruationsverschiebung

Eine Menstruationsverschiebung ist mit O. möglich. Bei Einphasenpräparaten wird die folgende Packung direkt nach der ersten ohne Pause eingenommen. Die kontrazeptive Wirkung ist dadurch nicht behindert. Gegenstand klinischer Studien ist die Langzeiteinnahme von O. über einen Zeitraum von 12 Wochen. Die Langzeiteinnahme könnte Vorteile für Frauen bieten, die besonders in der Pillenpause über Beschwerden klagen.

Gesellschaftliche Auswirkungen der Pille

Mit der Antibabypille stand erstmals ein wirklich sicheres Verhütungsmittel zur Verfügung, was sich im Absinken der Geburtenraten in den Industrieländern seit den 1960er Jahren abzeichnet. „Die Pille“ ging zudem Hand in Hand mit der sexuellen Revolution, einer dramatischen Veränderung in der Sexualmoral, die sich ebenfalls im Laufe der 1960er Jahre abspielte. Durch den vereinfachten Zugang zu sicheren Verhütungsmitteln sank in den westlichen Ländern auch die Zahl der ungewollten Schwangerschaften und dadurch die Abtreibungsquote und die Anzahl von Kindstötungen und -aussetzungen.

Pro Familia: Verhütungsmethoden: Die Pille – als pdf downloadbar

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