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Archive for 28. Juli 2007

pawlow.jpgIwan Petrowitsch Pawlow (russ. Иван Петрович Павлов, * 14. Sept. 1849 in Rjasan; † 27. Feb. 1936 in Leningrad, heute Petersburg), russischer Arzt und Physiologe, erhielt 1904 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für seine Arbeiten über die Physiologie der Verdauung. Weltweit am meisten bekannt ist er aber für sein Konzept des bedingten Reflexes.

Jugend, Ausbildung, Heirat

P. verbrachte seine Jugend in Rjasan, als Sohn eines Priesters wollte er auch diesen Beruf ergreifen und besuchte zunächst das theologische Seminar am Ort. 1870 überlegte er es sich anders, zog nach St. Petersburg um, um dort Chemie und Physik zu studieren. Ein anschließendes Medizinstudium schloss er 1879 ab.

1881 heiratete er Serafima Wasiliewna Karchewskaja, eine spätere Lehrerin und Tochter eines Arztes der Schwarzmeerflotte. Aufgrund ihrer Armut mussten sie nach der Hochzeit zunächst getrennt leben. Er schrieb seiner Frau einen großen Teil seines Erfolgs zu, sie war von ausgleichendem Temperament, sehr religiös und bescheiden. Das Ehepaar hatte vier Söhne und eine Tochter.

Nach seiner Promotion studierte er von 1884 bis 1886 in Deutschland bei den Physiologen Carl Ludwig in Leipzig und Rudolf Heidenhain in Breslau.

Als Schüler von Ludwig wandte er sich zunächst der Erforschung der Steuerung des Herzens durch das Nervensystem zu. Seit seiner Habilitation 1890 und auch schon in seiner Breslauer Zeit bei Heidenhain war sein Hauptforschungsgebiet der Verdauungstrakt. Er erhielt in dieser Zeit den Auftrag, die Physiologische Abteilung des Instituts für Experimentelle Medizin in St. Petersburg aufzubauen, gleichzeitig wurde er Professor für Pharmakologie, später Physiologie an der Militärmedizinischen Akademie. Diesen Lehrstuhl behielt er bis zu seinem Ruhestand 1924.

Physiologie der Verdauung am lebenden Tier

Die neue Arbeitsweise Pawlows bestand in der Untersuchung von Verdauungsdrüsen beim lebenden, gesunden Tier. Schon mit Heidenhain hatte er eine Operationstechnik entwickelt, um einen kleinen Separatmagen vom Hauptmagen operativ abzutrennen, in dieser Seitentasche konnte er die Verdauungssekrete beim lebenden Tier während seines ganzen Lebens studieren. Andere Verdauungssekrete wie die der Mund- und Bauchspeicheldrüse wurden durch Fisteln, die teilweise von Metallrohren gebildet wurden, nach außen geleitet und analysiert.

Der bedingte Reflex

Während der Untersuchung der Speicheldrüsen entdeckte P., dass die von ihm untersuchten Hunde bereits Speichel absonderten, wenn sie das Essen nur sahen, lange bevor sie es im Maul hatten. Er betrachtete dieses Verhalten zunächst als Störung seiner Forschung und stopfte den Tieren das Futter ohne Umweg ins Maul. Später machte er die Störung zu seinem neuen Forschungsgebiet. Er stellte fest, dass die Hunde schon auf das Läuten einer Glocke mit Speichelfluss reagierten, wenn zuvor der Klang der Glocke mit der Fütterung kombiniert worden war. Der von Pawlow erforschte Lernprozess wird heute klassisches Konditionieren genannt: Der Hund reagiert auf den natürlichen Reiz Futter mit der natürlichen (angeborenen) Reaktion Speichelfluss. Nach einer mehrmaligen Kombination des Reizes Futter mit dem Reiz Glocke, kann schon der unnatürliche Reiz Glocke alleine den Speichelfluss auslösen. Natürlich kann auch jedes andere Signal wie das Erscheinen des Versuchsleiters, ein Metronom oder die Tageszeit zu der Reaktion Speichelfluss führen, wenn es nur einige Mal zuvor mit der Futtergabe zeitlich zusammen aufgetreten war. Genau so kann ein Hund die Konditionierung wieder verlernen, wenn der Reiz (z. B. Glockenklang) einige Male ohne nachfolgendes Futter auftrat. P. versuchte dieses Konzept zur Erklärung sehr komplexer Gehirntätigkeiten wie der Sprache, der Geisteskrankheiten und Neurosen heranzuziehen.

Verhältnis zu den Kommunisten

P. nahm nie ein Blatt vor den Mund, wenn es um die Auseinandersetzung mit den politischen Autoritäten nach der Oktoberrevolution ging. Berühmt ist sein Ausspruch aus dem Jahre 1923, gerichtet an die Kommunisten: Für die Art des sozialen Experiments, das ihr durchführt, würde ich nicht das Hinterbein eines Frosches opfern!. Lenin lehnte 1922 sein Gesuch ab, sein Labor ins Ausland verlegen zu dürfen. Lenin und auch Stalin schätzten seine Forschung über alle Maßen, sein Labor wurde ständig mit außergewöhnlichen Mitteln ausgestattet und es wurden nie größere Pressionen auf den unbotmäßigen Wissenschaftler ausgeübt. P. war von einer ausgeprägten Pedanterie, verpasste nie einen Termin und legte auch bei seinen Mitarbeitern großen Wert auf Pünktlichkeit. Obwohl er selber ungläubig war, beneidete er seine Frau nach eigenem Bekunden um ihre große Frömmigkeit.

Die offizielle Website der Nobelstiftung berichtet allgemeinverständlich, aber leider nur auf Englisch, über Pawlov und seine Entdeckungen

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Paul-Ehrlich-Institut (Abk.: PEI), staatliche deutsche Einrichtung, die dem Bundesministerium für Gesundheit untersteht. Das PEI ist u. a. zuständig für die Zulassung von Impfstoffen und Antiseren (Antikörper enthaltende Arzneimittel), für die Überwachung der Impfstoffchargen und der Sicherheit von Blut und Blutprodukten. Es führt auch eine eigene experimentelle Forschungstätigkeit durch.

Der Institutssitz ist in Langen bei Frankfurt (Main), es wurde 1896 als Institut für Serumforschung und Serumprüfung in Berlin-Steglitz gegründet, sein erster Direktor war Paul Ehrlich.

Homepage des Paul-Ehrlich-Instituts

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