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Archive for November 2007

Rückfallfieber

Rückfallfieber (syn.: Febris recurrens, Rekurrensfieber, engl.: : relapsing fever, Abk.: RF), als Läuserückfallfieber (louse-borne RF, LBRF) durch Kleiderläuse, als Zeckenrückfallfieber (tick-borne RF, TBRF) durch Zecken übertragene, von Borellien – spiralförmigen, gramnegativen Bakterien – verursachte Infektionskrankheit. Typisch sind Fieberschübe, die von mehreren fieberfreien Tagen unterbrochen werden (rekurrierendes Fieber).

Vorkommen

Etwa 10000 Fälle von LBRF kommt im Nordwesten Afrikas, dort vor allem im Hochland von Äthiopien, jährlich vor. Kleiderläuse vermehren sich vor allem, wenn es schwer wird, die Wäsche zu waschen und zu wechseln. Dies betrifft vor allem armen Menschen in Afrika während der Regenzeit, bei Krieg und Bürgerkrieg oder anderen Katastrophen. Dann kommt es zeitweise zu Epidemien von LBRF.

Im 19. Jahrhundert war das LBRF global noch weit verbreitet: In Gefängnissen, Slums und anderen Orten, an denen Menschen unter schlechten hygienischen Verhältnissen zusammen leben mussten. Zu Beginn des 20. Jahrhundert trat das LBRF häufig in Osteuropa, auf dem Balkan und in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion auf. Mittlerweile ist es dort wegen der verbesserten Lebensbedingungen verschwunden.

LBRF wird selten auf Touristen übertragen, weil der Kontakt zur einheimischen Bevölkerung nicht eng genug ist. Eine reale Gefahr besteht aber für Entwicklungshelfer.

Das TBRF, übertragen durch Zecken der Gattung Ornithodorus aus der Familie der Lederzecken (Argasidae), ist weltweit verbreitet. Die genaue Anzahl der Erkrankungen ist nicht verlässlich zu schätzen, Experten rechnen mit einer hohen Dunkelziffer.

TBRF kommt im gesamten Mittelmeerraum, in Afrika südlich der Sahara, im Mittleren Osten, Südrussland, Zentralasien China und Indien sowie Nord- Mittel- und Südamerika vor. In den USA werden gelegentlich Fälle vor allem aus den westlichen Bundesstaaten berichtet.

Übertragung

Kleiderläuse ( Pediculus humanus var. corporis ) infizieren sich nach der Blutmahlzeit beim Menschen, dem einzigen Reservoir, mit dem Bakterium Borellia recurrentis. Es kommt bei der Laus nur in der Hämolymphe, nicht im Speichel vor. Die Infektion des Menschen nach dem Läusebiss erfolgt nur, wenn die Laus zerstört wurde und Hämolymphe in die Bißwunde oder in den Läusespeichel gelangt. Die Kopflaus überträgt kein RF.

TBRF wird dagegen direkt beim Biss der Zecke übertragen. Zecken infizieren sich in der Regel bei Nagetieren mit den für das RF verantwortlichen Borellien. Nur eine Zeckenart, die Ornithodorus moubata, infiziert sich direkt beim Menschen mit dem Bakterium Borellia duttoni.

RF-übertragende Zeckenarten beißen schmerzlos, meist in der Nacht und saugen nur etwa 30 bis 45 Minuten, bevor sie wieder vom Wirt, dem Menschen, abfallen. Die meisten Patienten mit RF durch Zecken können sich daher nicht an einen Zeckenbiss erinnern.

Symptome

Die Symptome des LBRF und TRBF sind recht ähnlich. Durchschnittlich eine Woche nach der Infektion bricht die Erkrankung plötzlich und heftig aus mit Fieber über 40 ° C, Kopfschmerzen, trockenem Husten, Muskel- und oft starken Gelenkschmerzen. Übelkeit und Erbrechen sind nicht selten. Lichtempfindlichtkeit, Nackensteifigkeit und Delir lassen an eine Beteiligung des ZNS denken. Koma, Gehirnnervenlähmungen und Erblindung durch eine Entzündung des Sehnerven treten bisweilen auf. Bei einem Drittel der Patienten finden sich punktförmige Blutungen der Haut (Petechien). Aber auch Nasenbluten, Blutungen von Magen und Darm und Gehirnblutungen kommen vor. Leber und Milz sind meist leicht vergrößert, in seltenen Fällen kann eine Milzruptur als lebensbedrohliche Komplikation auftreten.

Nach Beginn der Erkrankung kommt es ohne Behandlung zwei bis sieben Tage lang zu einer Verschlimmerung, dann fällt das Fieber nach einem letzten heftigen Anstieg mit Schüttelfrost plötzlich (kritisch) ab. Der Kreislauf des Patient ist durch diese Krise stark belastet.

Nach einigen Tagen bis hin zu einigen Wochen scheinbarer Gesundheit und völliger Fieberfreiheit kommt es zu einem erneuten Fieberanstieg. Auch dieser geht nach einigen Tagen wieder in eine fieberfreie Phase über. Bei LBRF wiederholt sich diese Abfolge in der Regel zweimal, bei TBRF wesentlich häufiger, bis zu zehnmal. Die Erkrankung schwächt sich von Zyklus zu Zyklus ab.

Diagnose

RF wird sicher diagnostiziert durch den mikroskopischen Nachweis der Erreger im Blut, im Knochenmarkpunktat oder im Liquor. Lebende, bewegliche Borellien können in der Dunkelfeld- oder Phasenkontrastmikroskopie eines ungefärbten Ausstrichs gefunden werden. Fixiert und unbeweglich werden sie unter dem Mikroskop nach einer Giemsa- oder Wright-Färbung dargestellt. Der Nachweis gelingt in 70 % der Fälle, die meisten Erreger sind im Blut während des Fieberanstiegs vor der Krise der Erkrankung zu finden.

In Speziallaboren wird auch die Kultur auf Spezialnährböden oder im Bauchfell von Laborratten durchgeführt.

Der Nachweis von Antikörpern im Blut ist unzuverlässig, es gibt viele Kreuzreaktionen mit anderen Krankheiten wie Syphilis, Leptospirosen etc..

Therapie

Das LBRF kann mit einer einzigen Dosis eines Antibiotikums ausreichend behandelt werden, bei dem durch Zecken übertragenen RF bevorzugt man eine Therapie über 7 Tage. Verwendet wird meist Doxycyclin (100 mg einmalig bzw. 2 x tgl.) oder Erythromycin (500 mg einmalig bzw. 4 x tgl.).Die Behandlung führt in 50 % der Fälle zu einer Jarish-Herxheimer-Reaktion mit Fieberanstieg, Blutdruckabfall, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Schüttelfrost. Eine symptomatische Behandlung ist hierbei meist ausreichend.

Das unbehandelte LBRF hat eine hohe Sterblichkeit, sie wird mit 50 bis 70 % angegeben und hängt ab vom Ernährungs- und vorhergehendem Gesundheitszustand der betroffenen Menschen. Mit Behandlung sterben weniger als 5 % der Erkrankten.

Das TBRF ist insgesamt eine etwas weniger ernste Erkrankung, die Sterblichkeitsraten sind nicht genau bekannt, sie liegen nach Angaben des CDC (Center for Disease Control, USA) zwischen 5 und 10%, behandelt erholen sich fast alle Patienten nach einigen wenigen Tagen.

Vorbeugung

Das LBRF wird am besten vermieden, wenn die Lebensumstände der betroffenen Menschen verbessert werden: saubere Kleidung und Wohnungen, Auflösung von Slums und Flüchtlingslagern und Schaffung menschenwürdiger Unterkünfte. Im Falle einer Epidemie stehen Entlausungsmaßnahmen der Kleidung und Behandlung der Betroffenen im Vordergrund, unter Umständen ist auch eine vorbeugende Behandlung mit einer Einmalgabe von 100 mg Doxycylin sinnvoll. Schwangere und Kinder erhalten wegen der Nebenwirkungen besser Erythromycin.

Das TBRF wird in den betroffenen Regionen meistens bei Übernachtungen in ländlicher Umgebung im Freien oder in Unterkünften, in denen auch Nagetiere leben, erworben. Das Vermeiden solcher Unterkünfte, die Beseitigung von Nagetieren und Zecken aus Wohnunterkünften und der Schutz vor Zecken durch zeckenabweisende Mittel (Repellents) und geeignete Kleidung sind wirksame Maßnahmen zur Vorbeugung.

Quellen

  • David T. Dennis, Edward B. Hayes: Relapsing Fever, in: Harrison’s Principles Of Internal Medicine, Kapitel 156, Sixteenth Edition, 2005, Mac Graw Hill.

Weblinks

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Insulin

Insulin, ein Hormon, das in bestimmten Zellen der Langerhans-Inseln in der Bauchspeicheldrüse produziert wird und den Blutzucker senkt. Insulin wird bei steigendem Blutzucker ausgeschüttet, es ermöglicht den Einstrom des Zuckers in die Zellen, die daraus Energie gewinnen oder Zucker in Fett bzw. in Glykogen umwandeln. Insulin hemmt die Abgabe freier Fettsäuren (die “Lipolyse“) aus dem Fettgewebe ins Blut, in der Muskulatur fördert es den Aufbau von Eiweiß aus Aminosäuren.Produziert die Buchspeicheldrüse zu wenig oder gar kein Insulin mehr, entsteht eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).Insulin ist ein Protein, das aus zwei durch Disulfidbrücken verbundenen Polypeptidketten aufgebaut ist.

Gegenspieler des Insulins

Das Hormon Glukagon entsteht ebenfalls in der Bauchspeicheldrüse und ist ein Gegenspieler des Insulins. Es wird ausgeschüttet, wenn der Blutzucker sinkt. Glucagon steigert den Blutzucker, in dem es den Abbau von Glykogen zu Traubenzucker (die “Glykogenolyse“) sowie den Neuaufbau von Traubenzucker aus Aminosäuren (die “Gluconeogenese“) fördert. Auch Adrenalin, Wachstumshormon und Kortison steigern den Blutzucker, während Insulin das einzige Hormon ist, das den Blutzucker senkt.

Biosynthese

struktur.jpgDie Biosynthese des Insulins in der Bauchspeicheldrüse beginnt mit dem Präproinsulin, das aus 107 Aminosäuren aufgebaut ist und in das Proinsulin mit 84 Aminosäuren umgewandelt wird. Nach Abspaltung des sog. C-Peptids entsteht das biologisch wirksame Insulin, zusammengesetzt aus einer 21 Aminosäuren umfassenden “α-Kette“ und einer 30 Aminosäuren langen “β-Kette“.Die beiden Ketten tragen drei Disulfid-Bindungen: Zwei verbinden die Ketten, eine liegt innerhalb des Moleküls der A-Kette.Das C-Peptid kann im Blut eines Patienten laborchemisch untersucht werden, um festzustellen, ob er noch eigenes Insulin produziert. Dies ist auch möglich, wenn der Patient Insulin injiziert – in Insulinpräparaten ist kein C-Peptid, sondern nur das aktive Insulin enthalten.Die einzelnen Insulinmoleküle lagern sich zu Polymeren zusammen. In der Bauchspeicheldrüse wird das Insulin zusammen mit zwei Zink-Ionen als stabiles “Hexamer“ von sechs Insulinmolekülen gespeichert.Soweit heute bekannt ist, besitzen alle Tiere Insulin mit einer weitgehenden strukturellen Ähnlichkeit: Selbst das Insulin der Fische zeigt beim Menschen eine Wirkung. Das Schweineinsulin unterscheidet sich in einer, das Rinderinsulin in drei Aminosäuren vom menschlichen Insulin.

Geschichte

Die kanadischen Ärzte Charles Herbert Best und Frederick Grant Banting isolierten 1921 das Insulin aus Extrakten der Bauchspeicheldrüse von Kälbern aus dem Schlachthof in Toronto, Banting erhielt dafür den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin im Jahre 1923.Schon wenige Monate nach der neuen Entdeckung wurde der erste Diabetiker im Januar 1922 mit dem neuen Extrakt erfolgreich behandelt.

Verzögerungsinsulin

Die damals verwendeten Insulinpräparate hatten eine kurze Wirkdauer von vier bis sechs Stunden und mussten daher mehrfach täglich injiziert werden. 1936 wurde Protamin und 1937 Surfen dem Insulin beigemischt, das Insulin wurde dadurch verzögert aus dem Gewebe aufgenommen und die Zahl der Injektionen konnte auf zwei am Tage reduziert werden.

Die starren und hohen Insulinspiegel machten allerdings eine regelmäßige Zufuhr von Kohlenhydraten notwendig und ließen nur mäßig dosierte körperliche Bewegung zu, um ein übermäßiges Absinken des Blutzuckers (Hypoglykämie) zu vermeiden.

Humaninsulin

1976 wurde zunächst ein Verfahren entdeckt, bei der die endständige Aminosäure Alanin des Schweineinsulins durch die beim Menschen an der gleichen Stelle der B-Kette vorkommende Aminosäure Threonin ersetzt wurde. So konnte halbsynthetisches Humaninsulin hergestellt werden, zu deren Herstellung man aber immer noch auf Schweinebauchspeicheldrüsen aus dem Schlachthof angewiesen war.

1983 wurde industriell hergestelltes Humaninsulin, exakt identisch mit dem menschlichen Insulin der Bauchspeicheldrüse, zur Therapie des Diabetes mellitus zugelassen.Humaninsulin wird heute zum größten Teil gentechnisch hergestellt. In die DNA von Bakterien oder Hefen werden die entsprechenden “Insulin kodierenden“ Abschnitte der menschlichen DNA eingeschleust. Anschließend produzieren die genmanipulierten Mikroorganismen menschliches Insulin.

Intensivierte Insulintherapie

Diabetes-Patienten können seit Mitte der 1960er Jahre ihren Blutzucker selbst messen, seitdem in Europa der Haemoglucotest als erster Streifentest zur grob-quantitativen Selbstmessung entwickelt wurde. 1980 folgten die ersten elektrischen Messgeräte mit größerer Messgenauigkeit.

Die Selbstmessung durch den Patienten ermöglichte die neue Basis-Bolus-Therapie mit Insulin: Der Patient spritzt zweimal am Tage ein rund zwölf Stunden wirksames Verzögerungsinsulin. Zu jeder größeren Mahlzeit wird zusätzlich eine Menge an sofort wirksamen Insulin verabreicht. Der geschulte Patient bestimmt die Dosis selbst, er orientiert sich dabei am aktuellen Blutzuckerwert und an der Menge der Kohlenhydrate, die er mit der Mahlzeit aufnehmen will.Die Basis-Bolus-Therapie wird auch “Intensivierte Conventionelle Therapie“ (“ICT“) genannt und ermöglicht sowohl eine bessere Blutzuckereinstellung als auch eine größere Freiheit des Diabetikers. Er kann nun selbst entscheiden, wann er und wie viel er essen will.

Insulinpumpen

insulin_pump_with_infusion_set.jpgDie ersten Insulinpumpen kamen 1980 auf den Markt, kontinuierlich geben sie eine Basalrate an Insulin unter die Haut des Trägers ab, zu jeder Mahlzeit wird der Bolus – eine zusätzliche Dosis Insulin – per Hand ausgelöst – die Einstellung konnte hiermit noch weiter verbessert werden.Insulinpumpen werden eingesetzt bei Diabetikern, die durch andere Therapien schwer einstellbar sind und bei solchen, bei denen es auf eine besonders gute Einstellung ankommt – zum Beispiel bei Schwangeren.

Insulinanaloga

Insulinanaloga sind Insuline, bei denen synthetisch andere Aminosäuren in das Humaninsulin eingefügt werden, um die Wirkung des Insulins entweder zu beschleunigen oder gezielt zu verzögern.Das erste dieser Insuline war 1996 das schnell wirkende Insulinlispro (Humalog ®). Es folgten Insulinaspartat (Novo Rapid ®) und Insulinglulisin (Apidra ®). Durch den schnellen Wirkungseintritt soll der zeitliche Abstand zwischen Insulininjektion und Essen wegfallen, die Insulinwirkung beim Gesunden wird dadurch besser nachempfunden.

Im Jahre 2000 kam das erste extrem lang wirksame Insulin auf den Markt: Insulinglargin (Lantus ®). Ähnlich lang wirkt Insulindetimir (Levemir ®). Durch die Wirksamkeit über 24 Stunden konnte die zweimalige Injektion eines langwirksamen Insulins auf einmal täglich reduziert werden, durch die Gleichmäßigkeit der Wirksamkeit lassen sich nächtliche Hypoglykämien vermeiden.

Kritiker der neuen Insulinanaloga bemängeln die mangelnde Sicherheit. Insbesondere sei es noch nicht ganz ausgeschlossen, dass die neuen Insuline bösartige Tumore fördern oder diabetische Augenschäden (Retinopathie) verschlimmern . Auch der unverhältnismässig hohe Preis stehe in keinem Verhältnis zum relativ bescheidenen therapeutischen Gewinn.

Weblinks

Medizininfo.de über Insulin

DocCheck Flexicon zum Thema

DAK (Deutsche Angestelltenkrankenkasse): Was ist Insulin und wie wirkt es?

Arzneimittelkomission der Deutschen Ärzteschaft zur Risiko/Nutzenbewertung der Insulinanaloga

IQWiG – Institut für Qualtität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Kurzwirksame Insulinanaloga bei Diabetes Typ 2: Überlegenheit ist nicht belegt

IQWiG: Humaninsulin oder Insulinanaloga?
Fragen und Antworten zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 1

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Das Robert Koch-Institut in Berlin meldet heute seine Schätzung für die Zahl der Neuinfektionen mit HIV in Deutschland. Die Zahlen steigen seit Jahren an: 1.443 waren es im Jahr 2001, 2.505 in 2005 und dieses Jahr sollen es 3000 werden, 150 oder 5 % mehr als im letzten Jahr.Insgesamt leben nach Angaben des RKI damit 59.000 Menschen mit einer HIV-Infektion in Deutschland, 650 werden in diesem Jahr voraussichtlich an AIDS sterben.

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Cannabis

img-320_cannabis_sativa.jpgCannabis (griech.: κάνναβις [kannabis] – Hanf), Pflanzengattung mit nur einer einzigen Art: dem Gewöhnlichen Hanf (Cannabis sativa).

C. wird angebaut, um Fasern zur Herstellung von Seilen, Schnüren und Textilien zu gewinnen.

Darüber hinaus scheiden vor allem blühende weibliche Pflanzen ein Harz aus, das als Haschisch gewonnen wird. Marihuana ist ein Gemisch aus getrockneten Blütenständen. Häufig wird der Ausdruck Cannabis auch als Sammelbezeichnung für diese beiden Rauschmittel verwendet, die in Deutschland und den meisten anderen Ländern der Welt verboten sind.

C. wird auch kultiviert, um aus den Samen ein pflanzliches Speiseöl, das Hanföl zu gewinnen.

Es wurden mehr als 30 verschiedene Hanfsorten gezüchtet, die sich je nach Verwendungszweck den Gruppen Faserhanf, Ölhanf oder Drogenhanf zuordnen lassen.In Deutschland war nach den Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes der Anbau von C. im Zeitraum von 1981 bis 1996 ganz verboten. Seitdem ist die Kultur wieder erlaubt, wenn die angebauten Sorten weniger als 0,2 % Tetrahydrocannabinol (THC) enthalten. (Speziell für die Drogenproduktion gezüchtete Sorten enthalten bis zu 20 %!) THC, das ist die Substanz, die in erster Linie verantwortlich ist für die berauschende Wirkung der Hanfpflanze.

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Hanf ist ein schnellwachsendes, einjähriges krautiges Gewächs, das bis zu vier Meter hoch werden kann. Die Hanfpflanze ist zweihäusig, d. h. es existieren „weibliche“ und „männliche“ Exemplare. Wer Öl oder Drogen erzeugen will, der muss auf Abstand zwischen den Pflanzen achten, damit die männlichen leicht entfernt werden können, denn die männlichen produzieren zu wenig THC-haltiges Harz und auch keine ölhaltigen Samenfrüchte. Es werden auch einhäusige Pflanzen angebaut, die männliche und weibliche Blüten an einem Stamm tragen.

Haschisch und Marihuana

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Haschisch (vom arabischen Wort für Gras, auch: „Dope“, „Shit“) besteht aus dem Harz der blühenden weiblichen Cannabispflanze. Nach der Ernte wird es mit Streckmitteln versetzt und zu bräunlich-grünen Platten gepresst.

img-224_marihuana.jpgMarihuana (aus dem mexikanischen Spanisch) wird aus den getrockneten Blüten der weiblichen Hanfpflanze hergestellt, es hat tabakähnliche Konsistenz.

Das selten konsumierte Haschischöl ist ein konzentrierter Auszug aus dem Blütenharz der Cannabispflanze. Der konzentrierte Extrakt wird vielfach nur hergestellt, um den Schmuggel zu erleichtern – das Konzentrat wird gestreckt und als Haschisch weiter verkauft.

Der vermutlich wichtigste psychoaktive Wirkstoff aller drei Rauschmittel ist das Tetrahydrocannabinol (THC). Allerdings sind noch 60 weitere chemisch ähnliche Substanzen in der Cannabispflanze nachgewiesen worden, die teilweise ähnliche, aber auch antagonistische Wirkungen entfalten.

Der THC-Gehalt der drei Zubereitungsformen schwankt stark, er hängt u. a. ab von der gewählten Hanfsorte und der Menge an zugefügten Streckmitteln. Im allgemeinen enthält Marihuana 1 – 14 %, Haschisch 5 – 10 % und Haschischöl 30 bis 50 % THC.

Der Konsum aller drei Cannabisprodukte erfolgt in erster Linie über das Rauchen sog. Joints – selbst gedrehte, meist großvolumige Zigaretten. Haschisch wird zerbröselt und mit Tabak vermischt, Marihuana kann auch pur verwendet werden und Haschischöl wird auf die fertige Zigarette geträufelt. Der Gebrauch von Wasserpfeifen kann die Wirkung intensivieren.Mitunter werden auch Kekse mit Cannabisextrakt gebacken oder Haschisch in Tee suspendiert getrunken.

Cannabiswirkungen und Nebenwirkungen

Die Wirkung tritt nach dem Rauchen praktisch sofort ein, erreicht nach 15 bis 30 Minuten ihren Höhepunkt und klingt nach zwei bis drei Stunden wieder völlig ab. Gegessenes oder getrunkenes Haschisch wirkt erst nach einer bis drei Stunden – so geschieht es leicht, dass der Konsument versehentlich erheblich mehr aufnimmt als er ursprünglich plante.

Die Art der Wirkung hängt von der Art und Menge des aufgenommenen C. ab, von der Situation, in der konsumiert wird, außerdem von der Stimmungslage und der psychischen Grundstruktur des Konsumenten. Als angenehm wird ein Gefühl der Entspannung, des Wohlbefindens und der gesteigerten Kommunikationsfähigkeit erlebt. Dass die Gedanken oft sehr sprunghaft verlaufen, dabei ungewöhnliche Assoziationen auftreten, wird nicht als störend empfunden. Viele Konsumenten erleben eine Intensivierung der Sinneseindrücke: Farben erscheinen intensiver, Tasteindrücke werden verstärkt wahrgenommen. Die Zeit scheint still zu stehen, vielleicht, weil das Kurzzeitgedächtnis gestört ist.

Vor allem bei höheren Dosen und bei gedrückter oder ängstlicher Ausgangsstimmung kann C. auch Unruhe, Angst und Panik auslösen. Eine depressive Stimmungslage wird u. U. weiter verschlechtert. Die Unruhe kann sich bis zur Psychose steigern.

C. vermindert die Reaktionsgeschwindigkeit, stört Aufmerksamkeit und Wahrnehmung. Die daraus resultierende Fahruntüchtigkeit hält acht bis zwölf Stunden an, dauert also rund vier mal so lange wie der Rausch. Zusätzlich konsumierter Alkohol verstärkt die Ermüdung.

An körperlichen Symptomen verursacht C. häufig gerötete Augen, gesteigerten Appetit, Mundtrockenheit, eine leichte Erhöhung der Pulsfrequenz und in sehr hohen Dosen auch einen Blutdruckabfall, der zum Kollaps führen kann.

Langzeitfolgen des Cannabiskonsums

Langjährige Cannabiskonsumenten lernen schlechter, d. h. sie können sich neue Informationen schlechter merken: Die Einbußen sind zwar nur gering, aber deutlich nachweisbar. Die meisten Studien beschäftigen sich mit Erwachsenen, die Auswirkungen bei Kindern und Jugendlichen sind vermutlich ausgeprägter.

Die Entwicklung einer chronischen Bronchitis wird durch regelmäßige Cannabisinhalation gefördert – unklar ist, welche Rolle der gleichzeitig eingeatmete Tabakrauch spielt. Haschisch- und Marihuanaraucher nehmen mehr Teer und krebserzeugende Substanzen auf als Zigarettenraucher, daran ändert auch die Wasserpfeife nichts – sie filtert nicht, sondern kühlt den Rauch nur ab.

Ein dauerhafter Gebrauch kann eine psychische Abhängigkeit erzeugen, neuere Forschungsergebnisse sprechen dafür, dass nach Absetzen der Droge auch körperliche Entzugssymptome auftreten, also eine körperliche Abhängigkeit auftreten kann. Allerdings entwickeln nur vier bis sieben Prozent aller C.-Raucher eine Sucht.

Sehr umstritten ist das amotivationale Syndrom infolge Cannabiskonsums. So soll es nach Ansicht einiger Untersucher nach langfristigem Missbrauch zu einem Verlust oder Abschwächung des Antriebs und des Interesses kommen. Andere sind jedoch der Meinung, dass fehlender Ehrgeiz und Antrieb eher eine Ursache als eine Folge des Haschischrauchens sind.

C. verursacht vermutlich keine dauerhaften Psychosen. Zwar gibt es v.a. bei Überdosierung psychotische Symptome, sie klingen in der Regel jedoch nach einigen Stunden wieder ab. Anderseits kann möglicherweise eine schon latent bestehende, aber noch nicht manifeste Psychose nach C.-Konsum zum Ausbruch kommen – C. verursacht nicht die Psychose aus, es “triggert“ den Ausbruch lediglich.

THC

Tetrahydrocannabinol (THC) ist vermutlich der entscheidende psychoaktive Wirkstoff aller Cannabiszubereitungen. THC bindet sich an den Cannabinoid-Rezeptor (CB1-Rezeptor) im Gehirn des Menschen, diese Rezeptoren kommen vor allem in den Basalganglien, dem Hippocampus und im Kleinhirn vor.

Beim Rauchen werden 20 % des THC-Gehalts im Cannabis aufgenommen, nur 6 % bei oraler Aufnahme. Nach anfänglicher Anflutung des THC im Blutplasma kommt es zu einer ausgeprägten Umverteilung ins Fettgewebe.THC wird in der Leber zu Tetrahydrocannabinolcarbonsäure, THC-COOH und zu 11-OH-THC umgewandelt, anschließend zu 70 % über die Gallenflüssigkeit in den Darm ausgeschieden, aus dem Darm jedoch wieder zu einem großen Teil in den Körper aufgenommen (sog. enterohepatischer Kreislauf). 30 % verlassen den Körper über die Nieren mit dem Urin, meist als mit Glucuronsäure verbundene THC-Carbonsäure (glucuronidierte THC-COOH).

Die Besonderheiten der Pharmakokinetik des THC führen dazu, dass THC nach einer Woche erst zu 30 % endgültig abgebaut und noch ca. ein Monat nach dem letzten Joint im Urin nachweisbar ist.

THC wird in Deutschland und anderen Länden als Medikament eingesetzt, vor allem bei Erbrechen durch eine Krebstherapie mit Zytostatika oder bei Untergewicht infolge von AIDS. Der internationale Freiname von THC als Arzneimittel ist Dronabinol. THC erwies sich weiterhin als wirksam gegen einige Formen der Epilepsie, es senkt den Augeninnendruck, wirkt schmerzstillend, erweitert die Bronchien und lindert Muskelkrämpfe bei Multipler Sklerose.

In Deutschland ist kein Fertigpräparat im Handel, in den USA z. B. wird THC als Marinol® vertrieben. Der Arzt muss Dronabinol auf einem speziellen Formblatt, dem sog. Betäubungsmittelrezept verordnen. Der Apotheker importiert THC entweder abgabefertig aus dem Ausland oder er stellt nach ärztlicher Anweisung ein THC-Präparat in Form von öligen Tropfen, Hartgelatinekapseln oder alkoholischen Lösungen zur Inhalation in speziellen Geräten her.

Geschichte

C. stammt ursprünglich aus Zentralasien, in China wurde es schon vor mehr als 10 000 Jahren als Nutzpflanze angebaut. Schon früh verbreitete sich der Hanf bis nach Europa – die frühesten Funde von Hanfsamen in Deutschland werden auf 3500 v. Chr, . datiert. Genutzt wurde der Samen zur Ölgewinnung, die Fasern zur Herstellung von Textilien, Seilen und später Segeln und Papier. (Die Gutenbergbibel und die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung bestehen beide aus Hanfpapier.)

Als Medizin wurde C. zum ersten Mal in einem Arzneibuch des chinesischen Kaisers Sheng-Nung aus dem Jahre 2737 v. Chr.erwähnt. Der Kaiser empfahl die Droge als hilfreich gegen Rheuma, Malaria und andere Entzündungen.Die Verwendung als Rauschmittel begann vermutlich in Indien, oft in religiösen Zeremonien – C. ist in Indien bis heute nicht verboten, es gilt als göttliches Geschenk Shivas.Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert wurde C. weit verbreitet als Medikament und als Rauschdroge in Europa benutzt, das Knaster-Rauchen war beliebt bei den Armen, während die Reichen den Tabak bevorzugten.

Auf der zweiten Internationalen Opium Konferenz 1925 in Genf wurde ein weltweites Verbot von Cannabis als Rauschmittel beschlossen. Indien und einige andere Staaten behielten sich jedoch vor, den C.-Konsum im eigenen Land weiterhin zu gestatten, verpflichten sich aber, den Export zu unterbinden.

Erst 1929 wurde der Beschluss der Konferenz durch eine Änderung des Opiumgesetzes in deutsches Recht umgesetzt – seit dem ist C. als Rauschdroge in Deutschland illegal, allerdings war C. als Medikament immer noch erhältlich; in Deutschland wurde bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs die medizinischen Wirkung von C. erforscht. Der Bedarf an Fasern (für Uniformen, Rucksäcke etc.) durch den Krieg förderte den Hanfanbau in Deutschland, Amerika und anderen Ländern.In der Nachkriegszeit war in Deutschland und Europa das Interesse an C. gering, die Droge war weitgehend in Vergessenheit geraten. Erst die Hippiebewegung brachte ein Comeback des jahrtausendealten Rauschmittels in Europa und den USA.

1971 kam es in Deutschland zu einer Verschärfung des Cannabisverbots durch das neue Betäubungsmittelgesetz, das das alte Opiumgesetz aus den 1920er Jahren ablöste, möglicherweise als Reaktion auf die Jugendbewegungen der 1968er Jahre.Der Besitz, der (ungenehmigte) Anbau und der Handel mit Cannabis sind in Deutschland (und den meisten anderen Staaten der Welt) verboten. Nicht strafbar ist in Deutschland der Konsum. Beim Besitz geringer Mengen Droge wird in der Regel von Strafverfolgung abgesehen – welche Menge als gering anzusehen ist, wird jedoch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich entschieden.

Statistik

1973 hatten rund 25 % der männlichen und 13 % der weiblichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 14 bis 24 Jahre in ihrem Leben wenigstens einmal schon Cannabis konsumiert. Im Jahre 2004 waren dies schon 40 % der männlichen und 31 % der weiblichen Befragten aus der gleichen Altersgruppe. Zwei Trends sind also deutlich erkennbar: Der Cannabiskonsum hat in den letzten drei Jahrzehnten deutlich zugenommen und der früher bestehende Geschlechtsunterschied gleicht sich aus.

Besonders drastisch stieg die Zahl der Klienten, die wegen Suchtproblemen mit Cannabis die Drogenberatungen aufsuchten – von rund 8000 im Jahr 2001 auf ca. 18 000 im Jahr 2005.

Rund 4 % aller deutschen Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 24 Jahren konsumierte im Jahre 2004 regelmäßig (mehr als 10 mal im Jahr) Cannabis, das entspricht rund 400 000 Menschen.

Nach den Daten des Bundeskriminalamts wurden im Jahre 2006 rund 5 1/2 Tonnen Haschisch und fast 3 Tonnen Marihuana sichergestellt. Nach Alkohol und Nikotin steht Cannabis an Platz drei der am häufigsten konsumierten Suchtdrogen, es ist die wichtigste illegale Droge in Deutschland.

Das wichtigste Anbauland ist Marokko, von dort gelangt das Cannabis über Spanien, Frankreich, Belgien und vor allem die Niederlande nach Deutschland.

Durch die Zucht neuer, kleinwüchsiger Sorten mit hohem THC-Gehalt wurde anfangs in den Niederlanden, zunehmend jetzt aber auch in Deutschland das indoor growing von Cannabis populär, d. h. die illegale Hanfaufzucht im Haus, z.T. in Schränken, die mit Pflanzenlampen und Ventilatoren zu Gewächshäusern umgestaltet wurden.

Weblinks

Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren (DHS) Basisinformationen Cannabis (pdf)

Drugcom.de von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA über Cannabis

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