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Archive for 30. November 2007

Rückfallfieber

Rückfallfieber (syn.: Febris recurrens, Rekurrensfieber, engl.: : relapsing fever, Abk.: RF), als Läuserückfallfieber (louse-borne RF, LBRF) durch Kleiderläuse, als Zeckenrückfallfieber (tick-borne RF, TBRF) durch Zecken übertragene, von Borellien – spiralförmigen, gramnegativen Bakterien – verursachte Infektionskrankheit. Typisch sind Fieberschübe, die von mehreren fieberfreien Tagen unterbrochen werden (rekurrierendes Fieber).

Vorkommen

Etwa 10000 Fälle von LBRF kommt im Nordwesten Afrikas, dort vor allem im Hochland von Äthiopien, jährlich vor. Kleiderläuse vermehren sich vor allem, wenn es schwer wird, die Wäsche zu waschen und zu wechseln. Dies betrifft vor allem armen Menschen in Afrika während der Regenzeit, bei Krieg und Bürgerkrieg oder anderen Katastrophen. Dann kommt es zeitweise zu Epidemien von LBRF.

Im 19. Jahrhundert war das LBRF global noch weit verbreitet: In Gefängnissen, Slums und anderen Orten, an denen Menschen unter schlechten hygienischen Verhältnissen zusammen leben mussten. Zu Beginn des 20. Jahrhundert trat das LBRF häufig in Osteuropa, auf dem Balkan und in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion auf. Mittlerweile ist es dort wegen der verbesserten Lebensbedingungen verschwunden.

LBRF wird selten auf Touristen übertragen, weil der Kontakt zur einheimischen Bevölkerung nicht eng genug ist. Eine reale Gefahr besteht aber für Entwicklungshelfer.

Das TBRF, übertragen durch Zecken der Gattung Ornithodorus aus der Familie der Lederzecken (Argasidae), ist weltweit verbreitet. Die genaue Anzahl der Erkrankungen ist nicht verlässlich zu schätzen, Experten rechnen mit einer hohen Dunkelziffer.

TBRF kommt im gesamten Mittelmeerraum, in Afrika südlich der Sahara, im Mittleren Osten, Südrussland, Zentralasien China und Indien sowie Nord- Mittel- und Südamerika vor. In den USA werden gelegentlich Fälle vor allem aus den westlichen Bundesstaaten berichtet.

Übertragung

Kleiderläuse ( Pediculus humanus var. corporis ) infizieren sich nach der Blutmahlzeit beim Menschen, dem einzigen Reservoir, mit dem Bakterium Borellia recurrentis. Es kommt bei der Laus nur in der Hämolymphe, nicht im Speichel vor. Die Infektion des Menschen nach dem Läusebiss erfolgt nur, wenn die Laus zerstört wurde und Hämolymphe in die Bißwunde oder in den Läusespeichel gelangt. Die Kopflaus überträgt kein RF.

TBRF wird dagegen direkt beim Biss der Zecke übertragen. Zecken infizieren sich in der Regel bei Nagetieren mit den für das RF verantwortlichen Borellien. Nur eine Zeckenart, die Ornithodorus moubata, infiziert sich direkt beim Menschen mit dem Bakterium Borellia duttoni.

RF-übertragende Zeckenarten beißen schmerzlos, meist in der Nacht und saugen nur etwa 30 bis 45 Minuten, bevor sie wieder vom Wirt, dem Menschen, abfallen. Die meisten Patienten mit RF durch Zecken können sich daher nicht an einen Zeckenbiss erinnern.

Symptome

Die Symptome des LBRF und TRBF sind recht ähnlich. Durchschnittlich eine Woche nach der Infektion bricht die Erkrankung plötzlich und heftig aus mit Fieber über 40 ° C, Kopfschmerzen, trockenem Husten, Muskel- und oft starken Gelenkschmerzen. Übelkeit und Erbrechen sind nicht selten. Lichtempfindlichtkeit, Nackensteifigkeit und Delir lassen an eine Beteiligung des ZNS denken. Koma, Gehirnnervenlähmungen und Erblindung durch eine Entzündung des Sehnerven treten bisweilen auf. Bei einem Drittel der Patienten finden sich punktförmige Blutungen der Haut (Petechien). Aber auch Nasenbluten, Blutungen von Magen und Darm und Gehirnblutungen kommen vor. Leber und Milz sind meist leicht vergrößert, in seltenen Fällen kann eine Milzruptur als lebensbedrohliche Komplikation auftreten.

Nach Beginn der Erkrankung kommt es ohne Behandlung zwei bis sieben Tage lang zu einer Verschlimmerung, dann fällt das Fieber nach einem letzten heftigen Anstieg mit Schüttelfrost plötzlich (kritisch) ab. Der Kreislauf des Patient ist durch diese Krise stark belastet.

Nach einigen Tagen bis hin zu einigen Wochen scheinbarer Gesundheit und völliger Fieberfreiheit kommt es zu einem erneuten Fieberanstieg. Auch dieser geht nach einigen Tagen wieder in eine fieberfreie Phase über. Bei LBRF wiederholt sich diese Abfolge in der Regel zweimal, bei TBRF wesentlich häufiger, bis zu zehnmal. Die Erkrankung schwächt sich von Zyklus zu Zyklus ab.

Diagnose

RF wird sicher diagnostiziert durch den mikroskopischen Nachweis der Erreger im Blut, im Knochenmarkpunktat oder im Liquor. Lebende, bewegliche Borellien können in der Dunkelfeld- oder Phasenkontrastmikroskopie eines ungefärbten Ausstrichs gefunden werden. Fixiert und unbeweglich werden sie unter dem Mikroskop nach einer Giemsa- oder Wright-Färbung dargestellt. Der Nachweis gelingt in 70 % der Fälle, die meisten Erreger sind im Blut während des Fieberanstiegs vor der Krise der Erkrankung zu finden.

In Speziallaboren wird auch die Kultur auf Spezialnährböden oder im Bauchfell von Laborratten durchgeführt.

Der Nachweis von Antikörpern im Blut ist unzuverlässig, es gibt viele Kreuzreaktionen mit anderen Krankheiten wie Syphilis, Leptospirosen etc..

Therapie

Das LBRF kann mit einer einzigen Dosis eines Antibiotikums ausreichend behandelt werden, bei dem durch Zecken übertragenen RF bevorzugt man eine Therapie über 7 Tage. Verwendet wird meist Doxycyclin (100 mg einmalig bzw. 2 x tgl.) oder Erythromycin (500 mg einmalig bzw. 4 x tgl.).Die Behandlung führt in 50 % der Fälle zu einer Jarish-Herxheimer-Reaktion mit Fieberanstieg, Blutdruckabfall, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Schüttelfrost. Eine symptomatische Behandlung ist hierbei meist ausreichend.

Das unbehandelte LBRF hat eine hohe Sterblichkeit, sie wird mit 50 bis 70 % angegeben und hängt ab vom Ernährungs- und vorhergehendem Gesundheitszustand der betroffenen Menschen. Mit Behandlung sterben weniger als 5 % der Erkrankten.

Das TBRF ist insgesamt eine etwas weniger ernste Erkrankung, die Sterblichkeitsraten sind nicht genau bekannt, sie liegen nach Angaben des CDC (Center for Disease Control, USA) zwischen 5 und 10%, behandelt erholen sich fast alle Patienten nach einigen wenigen Tagen.

Vorbeugung

Das LBRF wird am besten vermieden, wenn die Lebensumstände der betroffenen Menschen verbessert werden: saubere Kleidung und Wohnungen, Auflösung von Slums und Flüchtlingslagern und Schaffung menschenwürdiger Unterkünfte. Im Falle einer Epidemie stehen Entlausungsmaßnahmen der Kleidung und Behandlung der Betroffenen im Vordergrund, unter Umständen ist auch eine vorbeugende Behandlung mit einer Einmalgabe von 100 mg Doxycylin sinnvoll. Schwangere und Kinder erhalten wegen der Nebenwirkungen besser Erythromycin.

Das TBRF wird in den betroffenen Regionen meistens bei Übernachtungen in ländlicher Umgebung im Freien oder in Unterkünften, in denen auch Nagetiere leben, erworben. Das Vermeiden solcher Unterkünfte, die Beseitigung von Nagetieren und Zecken aus Wohnunterkünften und der Schutz vor Zecken durch zeckenabweisende Mittel (Repellents) und geeignete Kleidung sind wirksame Maßnahmen zur Vorbeugung.

Quellen

  • David T. Dennis, Edward B. Hayes: Relapsing Fever, in: Harrison’s Principles Of Internal Medicine, Kapitel 156, Sixteenth Edition, 2005, Mac Graw Hill.

Weblinks

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