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Archive for Dezember 2007

oral

oral (von lat.: os, oris – der Mund, des Mundes), durch den Mund (z. B. Aufnahme von Medikamenten), mit dem Mund oder im Mund gelegen (z. B. Krankheit).Die orale Phase bedeutet nach der Hypothese der Psychoanalyse die Periode in der Entwicklung eines Kindes, in der alle Befriedigung aus dieser Region des menschlichen Körpers stamme.

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Chemotherapeutikum

Chemotherapeutikum (Mehrz.: Chemotherapeutika), Bezeichnung für verschiedene Arzneimittel, die zur Behandlung von Krebserkrankungen dienen aber auch für solche, die zur Behandlung von Infektionskrankheiten eingesetzt werden, im Gegensatz zu Antibiotika aber nicht natürlichen Ursprungs sind.

Chemie.de

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Karl Popper (voller Name: Sir Karl Raimund Popper; * 28. Juli 1902, Wien, † 17. Sept. 1994, Croydon, Greater London, England), österreichisch-britischer Philosoph, Begründer des von ihm so genannten Kritischen Rationalismus. Wissenschaft zeichnet sich nach P. dadurch aus, dass die aufgestellten Hypothesen falsifizierbar sind, d. h. der Wissenschaftler sucht nach einer Beobachtung, die seiner Hypothese widerspricht. Es gibt eine objektive Wahrheit, aber der Mensch kann sich nie sicher sein, ob er sie ganz oder nur teilweise erkannt hat (Fallibilismus). Aus P.’s erkenntnistheoretischem Standpunkt ergibt sich sein Kampf für die offene Gesellschaft: Revolutionen und Diktaturen brauchen absolute Wahrheiten, demokratische Reformen sind mühsam, rechnen aber mit der unvermeidlichen Fehlbarkeit des Menschen.

Kindheit und Jugend

P. war das dritte Kind des Rechtsanwalts, Sozialreformers und Literaten Dr. Simon Sigmund Carl Popper und seiner Frau Jenny Popper, geb. Schiff. Schon zwei Jahre vor seiner Geburt waren seine Eltern vom Judentum zum Protestantismus konvertiert. P. hat sich zeitlebens nie als Jude verstanden. Sein Vater besaß eine riesige Bibliothek mit schätzungsweise 14.000 Büchern zum Thema Philosophie. Seine Mutter stammte aus einer wohlhabenden Fabrikantenfamilie, sie führte ihren Sohn in die Liebe zur klassischen Musik ein.

Vom 6. bis zum 11. Lebensjahr besuchte der kleine Karl die Freie Schule, eine private Einrichtung, die der Reformpädagogik anstelle des damals üblichen Drills verpflichtet war. Nach einem Jahr Realgymnasium wechselte P. wegen des langen Schulwegs auf das humanistische Franz Josef Gymnasium in der Nähe. Die Konfrontation mit offenem Antisemitismus konnte das sensible Kind kaum ertragen, er wechselte zurück auf die alte Schule, ging aber von dort nach einem Jahr ohne Abschluß ab.

In den Jahren 1918 bis 1920 erlebte der Jugendliche drei für sein späteres Denken prägende Ereignisse.

Als Mitglied in der sozialistischen Schülerbewegung Wiens, die der Kommunistischen Partei Deutsch-Österreichs (KPDÖ) nahe stand, erlebte er in der Wiener Hörlgasse einen blutigen Zusammenstoß von Demonstranten mit der Polizei: 12 von ihnen wurden erschossen, 80 verletzt. Er konnte die Vertreter der Partei nicht verstehen, die Tote im Dienst der als absolut richtig erkannten Sache für unvermeidlich hielten. Die KPDÖ hatte die Demonstration insgeheim als Putsch geplant, die Demonstranten aber im Unklaren gelassen.

P. arbeitete in sozialpädagogischen Einrichtungen die von dem Freud – Mitarbeiter Alfred Adler geleitet wurden. P.’s Erfahrungen mit den betreuten Jugendlichen kontrastierten oft mit Adlers Theorie. Adler – anstatt die Theorie zu ändern – interpretierte das Verhalten der Jugendlichen so um, dass die Abweichung die Theorie bestätigte.

Albert Einstein wiederum postulierte für die Sonnenfinsternis im Mai 1919 eine Verschiebung der Lage von Fixsternen in Sonnenähe aufgrund der von der Relativitätstheorie vorausgesagten Krümmung der Lichtstrahlen. Zwei englische Astronomen bestätigten die Vermutung. Die Theorie Einsteins war so formuliert, dass sie aufgrund von Beobachtungen widerlegt werden konnte.

Musiker, Lehrer oder Schreiner?

P. war von Jugend auf von einem prostestantischen Arbeitsethos durchdrungen, dabei ließ er sich aber ungern die Inhalte seiner Arbeit von außen auferlegen. 1924 schloss er eine Tischlerlehre mit der Gesellenprüfung ab und beendete erfolgreich das Studium zum Grundschullehrer. Zwei Jahre zuvor hatte er als Externer die Matura (das Abitur) abgelegt – im zweiten Versuch. Beim ersten Mal scheiterte er in Latein und – bezeichnenderweise – Logik. Kurz zuvor hatte er mit der Komposition einer Fuge nach Bach die Aufnahmeprüfung am Wiener Konservatorium bestanden. Er sah aber nach kurzer Zeit ein, dass ihm für die Musik die Begabung fehle.

P. fand eine Stelle als Erzieher in einem Heim für schwer Erziehbare und besuchte nebenbei das Pädadogische Institut, an dem er zunehmend mit philosophischen und psychologischen Themen konfrontiert wurde. Er lernte die Gestaltpsychologie von Karl Bühler kennen und kam in Kontakt mit dem Neukantianismus, vertreten in der damaligen Zeit von dem in Göttingen lehrenden Leonard Nelson. Nelson hielt jede Erkenntnistheorie für unmöglich, denn … das Kriterium der Wahrheit der Urteile kann nicht selbst wieder ein Urteil sein …. Wollte man Grundprinzipien beweisen, musste man voraussetzen, dass gewisse Aussagen bereits wahr waren – und somit hatte man nichts bewiesen, sondern nur Schlussfolgerungen aus ungeprüften Voraussetzungen entwickelt. Der Wiener Philosophieprofessor Heinrich Gomperz vertrat die Richtung des Positivismus und war ein wichtiger Lehrer und Förderer des jungen Lehramtsstudenten.

1928 promovierte P. mit dem Thema: Zur Methodenfrage der Denkpsychologie, 1929 folgte die pädagogische Arbeit Axiome, Definitionen und Postulate in der Geometrie. Mit dieser Arbeit hatte er die Qualifikation eines Hauptschullehrers für Mathematik und Physik erlangt.

Hennie

Am Pädagogischen Institut lernte P. die vier Jahre jüngere Sportstudentin Josefine Anna Henninger, genannt Hennie, kennen. Die beiden heirateten am 11. April 1930, beide fanden eine Anstellung an der Hauptschule und mit zwei Gehältern ließ sich selbst in der damaligen schwierigen Zeit eine einigermaßen auskömmliche Existenz gründen.

Die Ehe blieb kinderlos und hielt lebenslang. Hennie wurde die Frau an seiner Seite, das heißt sie stellte ihre eigenen Interessen zurück und wurde die Beraterin, Sekretärin und Managerin ihres Mannes. Hennie wurde aber nie zur Hausfrau, Kochen und Hausarbeit waren ihr ein Gräuel.

Der Wiener Kreis

Der Wiener Kreis war eine lockere Gespächsrunde, die sich regelmäßig bei dem Wiener Physiker und Philosophen Moritz Schlick traf. Zu dieser Runde ging man nicht aus freien Stücken, man wurde von Schlick eingeladen. P. wurde nie eingeladen, er war nie erfreut darüber und hat Schlick diese Tatsache Zeit seines Lebens nie vergessen. Zu verschieden waren die Charaktere: Schlick war sanftmütig und konziliant, P. eher aufbrausend und rechthaberisch. Außer Schlick waren der Soziologe Otto Neurath und der Logiker Rudolf Carnap bekannte Repräsentanten.

Das Hauptanliegen des Wiener Kreises bestand darin, die Philosophie zu einer Wissenschaft zu machen. Er stand in der Tradition der Empiriker David Hume und John Stuart Mill, nach denen nur empirische Wissenschaften gesichertes Wissen über die Welt vermitteln können. Sinnvolle Aussagen der Philosophie sind nur solche, die durch empirische Mehtoden verifiziert werden können, alles andere – insbesondere metaphysische Spekulation – sind sinnlos. Wahre Aussagen lassen sich über die Methode der Induktion gewinnen. Ausgehend von empirischen Einzelbeobachtungen werden allgemeine Gesetzmäßigkeiten induktiv abgeleitet. Der pilosophische Ansatz des Wiener Kreises wurde oft auch als Logischer Empirismus oder Neopositivismus bezeichnet.

Insbesondere das Frühwerk Ludwig Wittgensteins, der Tractatus logico-philosophicus wurde intensiv diskutiert, aber keineswegs alle Teilnehmer stimmten Wittgensteins Haltung des Schweigens vor den letzten Fragen des Lebens und seiner Reduktion der Philosophie auf die Klärung des Sinns von Sätzen zu.

Logik der Forschung

P. entschloss sich, neben seiner Tätigkeit als Hauptschullehrer ein Buch zu schreiben. Er wollte darin seine vom Wiener Kreis abweichende Meinung zur Erkenntnistheorie niederlegen. Ende 1932 war das Manuskript fertig, aber erst Ende 1934 konnte es unter dem Titel Logik der Forschung erscheinen. Der Verlag forderte eine radikale Kürzung des Manuskripts, P. dachte eher an eine Ausweitung. Nun nahm P.’s Onkel, Walter Schiff, die Kürzungen vor, nach dem sein Neffe mehrere Fristen hatte verstreichen lassen. Ohne ihn wäre das Werk wohl nie erschienen.

P. kritisierte die induktive Methode des Wiener Kreises: Aus der Beobachtung, dass Kupfer wiederholt Strom geleitet habe, schlussfolgert man durch Induktion, dass alles Kupfer Strom leitet. Man versucht dies durch wiederholte Messungen positiv zu verifizieren. Man bräuchte wohl unendliche viele Messungen, um zum Ziel zu kommen, meint P. in Anlehnung an eine schon von Hume geäußerten Kritik. Wissenschaft und Spekulation (Metaphysik) grenzt P. hingegen durch das Kriterium der Falsifizierbarkeit voneinander ab. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollten so formuliert werden, dass es möglich ist , sie durch eine empirische Beobachtung zu falsifizieren. Die Verifikation wissenschaftlicher Erkenntnisse ist dagegen kaum möglich, alle Naturgesetze sind lediglich Hypothesen, die so lange gelten, bis eine neu beobachtete Tatsache ihre Ungültigkeit oder beschränkte Gültigkeit beweist. So war es gerade mit der Newtonschen Physik durch die Relativititätstheorie geschehen: Bisher für unumstößlich gehaltene Naturgesetze galten nicht mehr in jedem Fall. An die Stelle von Kants grundlegenden Unerkennbarkeit des Dings an sich setzte P. den grundsätzlichen Vermutungscharakter wissenschaftlicher Erkenntnis.

Die Logik der Forschung machte P. auf einen Schlag international bekannt. Er bekam Einladungen zu internationalen Kongressen und diskutierte mit Philosophen und Wissenschaftlern.

Emigration

Schon vor dem Anschluss an Deutschland im Jahre 1938 entstand in Österreich eine zunehmend antidemokratische und antisemitische Atmosphäre. Moritz Schlick wurde am 22. Juni 1936 in der Wiener Universität von einem Studenten erschossen. Viele Wiener Zeitungen sympathisierten mit dem Mörder, Schlick wurde fälschlicherweise für einen Juden gehalten. P. bemühte sich vergeblich um eine Anstellung vornehmlich in England, aber auch in Amerika und anderen Ländern. Zum Schluss erhielt er eine Dozentenstelle für Philosophie am Canterbury University College in Christchurch in Neuseeland, die er im März 1937 antrat.

Die offene Gesellschaft

Was ist Dialektik? war P.’s erste Arbeit auf Englisch, sie entstand 1938 und wurde 1940 veröffentlicht.

Hegel nahm an, dass der Weltgeist sich im Laufe der Geschichte selbst realisiert. Dabei gibt es Widersprüche zwischen These und Antithese, die in der Synthese aufgelöst und auf eine höhere Stufe gehoben werden. Karl Marx übernahm diese Vorstellung, sah aber nicht den Weltgeist, sondern die ökonomischen Widersprüche als Treibkraft der Geschichte.

Hegel und Marx wenden die Dialektik so an, sagte P., dass sowohl eine Aussage als auch ihr Gegenteil zugleich wahr sein können. Jedes Gegenargument wird dabei auch als Widerspruch im Sinne der Dialektik aufgefaßt, die Lehre wird dadurch immun gegen Kritik.

Das Elend des Historizismus erschien 1944, aber P. arbeitete daran schon seit 1936. In dieser Schrift versuchte er nachzuweisen, dass sich in der Geschichte keine Gesetzmäßigkeit nachweisen lässt. Es gibt überhaupt keine Geschichte als Ganzes, sondern nur eine Menge von Geschichten. P. wandte sich gegen Sozialutopien, seien sie von Platon, Thomas Morus oder Karl Marx. An Stelle des Utopisten trat für ihn der nüchterne Politiker, der versucht, konkrete Missstände in kleinen Schritten nach dem System von Versuch und Irrtum zu ändern.

Das Hauptwerk P.’s zur Gesellschaftsphilosophie ist aber Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, das zwischen 1939 und 1943 entstand. P. sah den Ursprung der totalitären Ideologie nicht im 20. Jahrhundert, sondern schon bei Platon. Hegel und Marx sind neben Johann Gottlieb Fichte Vertreter der orakelnden Philosophen, die ebenso wie Platon vorgeben, zu wissen, wie die geschichtliche Notwendigkeit, der ideale Staat auszusehen hat. Der Staat wird dabei immer dem Individuum übergeordnet, Hitler und Stalin gründen sich gleichermaßen auf diese irrigen Ansichten, meinte P..

London School of Economics

P. wollte im Gegensatz zu seiner Frau nie wieder zurück nach Wien. England,dessen Staatsbürger er 1949 wurde, war für ihn aber das Vorbild der offenen Gesellschaft, er war hoch erfreut als er Anfang 1946 an der London School of Economics eine Stelle als Dozent für Logik und Wissenschaftstheorie erhielt. P. wurde leidenschaftlicher Brite, angefangen vom Schulsystem bis hin zum Mehrheitswahlrecht fand er fast alles, was seine neue Heimat anzubieten hatte, trefflich eingerichtet. 1950 wurde er zu einer Vortragsreise nach Amerika eingeladen. Auch das amerikanische politische System fand seine ungeteilte Zustimmung.

Zurück aus Übersee, kauften sich die Poppers Fallowfield, ein westlich von London auf dem flachen Land gelegenes Haus, in völliger Abgeschiedenheit.

Obwohl P. international immer bekannter wurde, war er doch unter seinen englischen Philosophenkollegen weitgehend isoliert. Zum Teil war diese Isolation selbst gewählt, zum Teil war sie seinem Diskussionsstil geschuldet. P. hatte die Falsifikation, also die Kritik an scheinbar feststehenden Wahrheiten, zum Maßstab der Erkenntnis gemacht. Aber selbst konnte er Kritik schlecht vertragen, er neigte dazu, beleidigt oder rechthaberisch zu reagieren.

Der Ungar Imre Lakatos, der Wiener Paul Feyerabend, der Israeli Joseph Agassi – alle wurden wegen ihrer kritischen Haltung vom Meister verstoßen. Die einzige bedeutende Ausnahme war ausgerechnet der Deutsche Hans Albert. Die beiden lernten sich 1958 auf dem jährlichen Philosophentreffen im Tiroler Bad Alpach kennen. Es war der erste Deutsche, dem er nach dem Krieg die Hand gegeben habe, sagte P.. Er hatte den Deutschen die Begeisterung für den Österreicher Adolf Hitler zeitlebens nicht vergeben. Albert führte den Kritischen Rationalismus in Deutschland ein.

Sein mitunter scharfer Diskussionsstil in seinen Seminaren, besonders gegenüber Anfängern, brachte ihm den Spitznamen das liberale Rasiermesser ein.

P. arbeitete weiter ohne Unterbrechung von morgens bis abends an 365 Tagen im Jahr. Die arbeitsintensive Zeit in England ergab aber zunächst keine neuen Positionen, sondern im wesentlichen die Untermauerung seiner alten Anschauung, die er in der Logik der Forschung und der Offenen Gesellschaft schon dargelegt hatte.

Vermutungen und Widerlegungen erschien 1963 und ist eine Sammlung von Aufsätzen aus der englischen Zeit. Unter anderem wird hier noch einmal der Fallibilismus präzisiert: Die Wahrheit ist das Ziel des Denkens, sie existiert auch außerhalb des menschlichen Bewußtseins, aber der Mensch kann nie sicher sein, ob er sie erreicht hat.

Kritik

Mit zunehmender Bekanntheit nahmen auch kritische Äußerungen an P.’s Philosophie seit Beginn der 1950er Jahre zu.

Rudolf Carnap bekräftigte in seinem 1959 erschienen Buch Induktive Logik und Wahrscheinlichkeit gerade in der Kritik an P. noch einmal die Induktion als Methode wissenschaftlicher Erkenntnis.

Der P.-Schüler Imre Lakatos hält in Beweise und Widerlegungen an der Falsifikation fest, meint aber, Theorien und Hypothesen seien nur in einem größeren Zusammenhang, eines wissenschaftlichen Forschungsprogramms zu beurteilen.

Der amerikanische Wissenschaftstheoretiker Thomas Samuel Kuhn betont gegenüber P., der Übergang einer wissenschaftlichen Theorie auf eine andere sei kein kühler rationaler Vorgang, sondern oft ein irrationaler Machtkampf, eine wissenschaftliche Revolution. Kuhn prägte den Begriff des Paradigmenwechsels und betonte die Irrationalität in der Wissenschaft: Auch wenn eine Theorie offensichtlich falsifiziert sei, werde sie noch lange nicht aufgegeben, insbesondere dann nicht, wenn noch keine bessere in Sicht sei.

Paul Feyerabend, ebenfalls ein Schüler P.’s, ging in seiner Kritik noch über Kuhn hinaus. Nach Feyerabend gibt es außer der Wissenschaft noch viele andere Methoden wie Religion oder Kunst, um die Wahrheit zu erkennen. Anything goes war der Slogan seiner Erkenntnistheorie.

Der Positivismusstreit

Der deutsche Soziologe, Politiker und P.-Schüler Ralf Dahrendorf lud sowohl seinen Lehrer als auch den führenden Kopf der neomarxistischen Frankfurter Schule, den Philosophen Theodor W. Adorno, zum Tübinger Soziologentag 1961 ein. Er erhoffte sich eine Auseinandersetzung zwischen diesen beiden grundverschiedenen deutschsprachigen philosophischen Traditionen.

P. betonte in seinem Referat, dass auch in der Soziologie das Ideal der wissenschaftlichen Objektivität anzustreben sei. Es sei jedoch dem Soziologen selten möglich, sich völlig von den Vorurteilen seiner Schicht so weit zu lösen, dass er wirklich wertfrei untersuchen könne.

Adorno stimmte in seinem Referat P. im wesentlichen zu. Die von Dahrendorf erhoffte Kontroverse war – zumindest auf dem Soziologentag – ausgeblieben.

Es war der Adorno – Schüler Jürgen Habermas, der später P. vorwarf, er rechtfertige alles Bestehende und übersehe das notwendigerweise Wertbehaftete aller soziologischen Forschung. Er war es auch, der P. – vermutlich wider besseres Wissen – als Positivisten bezeichnete. P. selbst sah sich nie als Positivist, entwickelte seine Philosophie ja gerade als Kritik am Neopositivismus des Wiener Kreises.

Hans Albert, der deutsche Schüler P.’s antwortete auf Habermas und betonte noch einmal den Unterschied zwischen wissenschaftlichen Tatsachen und Werten. Wissenschaftliche Erkenntnisse seien von sich aus zunächst wertfrei und könnten nicht ein Werturteil belegen oder politisches Engagement begründen.

Ruhestand

1965 wurde P. von Queen Elizabeth II. wegen seiner Verdienste um die Demokratie in den Adelsstand erhoben. 1969 folgte die Emeritierung. Die außerparlamentarische Opposition der 1968er Jahre hatte ihn zum Feind erklärt.

P. lebte zunehmend zurückgezogen, war aber weiterhin emsig tätig und veröffentlichte in den 25 Jahren, die er noch lebte, zahlreiche Aufsätze und Bücher. 1974 erschien sein zweibändiger Beitrag zu Paul Arthur Schilpps Library of Living Philosophers. Ein Teil davon, seine geistige Autobiografie und Einführung in seine Philosophie erschien noch einmal separat 1976 unter dem Titel Unended Quest. An Intellectual Autobiography.

Popper und die deutsche Politik

Herbert Marcuse war einer der prominentesten Vertreter der Frankfurter Schule in der Studentenbewegung der 1968er Jahre. P. führte mit ihm 1971 eine Streitgespräch im deutschen Fernsehen, das auch in Buchform unter dem Titel Reform oder Revolution? erschien. P. verteidigt entschieden die westlichen Staaten, auch und besonders die USA. Es sei die Opposition innerhalb der Vereinigten Staaten gewesen, die zum Ende des Vietnamkrieges geführt habe. Damit habe sich dieses Land als offene, reformfähige Gesellschaft bewährt. Die Frankfurter Schule war für P. eine Fortsetzung der deutschen Tradition der orakelnden Philosphen, die sich nach seiner Meinung auszeichneten durch eine lächerlich verschraubte Sprache und einen gefährlichen Hang zum Totalitarismus aufgrund der Annahme einer historischen Notwendigkeit.

P. wurde zum „Lieblingsphilosophen“ deutscher Politiker. Bundeskanzler Helmut Kohl bekannte sich ebenso zu ihm wie sein Vorgänger Helmut Schmidt.

Die drei Welten

In seinem Spätwerk wandte sich P. noch einmal den letzten Fragen, der Metaphysik zu. Er hatte metaphysische Überlegungen nie gänzlich abgelehnt. Zwar seien metaphysische Feststellungen immer mehr oder weniger Spekulation, könnten also nicht durch Beobachtungen falsifiziert werden. Sie könnten aber doch, wie z. B. der Atomismus der alten Griechen, die Weiterentwicklung der Wissenschaft fördern. So könnten also metaphysische Feststellungen danach beurteilt werden, ob sie sich gut oder schlecht mit den Wissenschaften vereinbaren lassen.

P.’s Interesse an Metaphysik begann bereits 1965. In seinem Aufsatz mit dem Titel Über Wolken und Uhren tritt er für den freien Willen des Menschen und die Unbestimmheit der Natur ein.

Das Ich und sein Gehirn, das 1977 erschien, ist die Ausformulierung seiner metaphysischen Theorie der drei Welten, die P. ihn ihren Grundzügen schon seit 1967 vertrat. Er hat dieses Buch gemeinsam mit seinem Freund, dem australischen Neurophysiologen und Nobelpreisträger John Carew Eccles verfasst. Es geht in dem Buch um das Leib-Seele-Problem. P. geht davon aus, dass das menschliche Bewußtsein an die Existenz des menschlichen Körpers gebunden sei, es also kein Bewußtsein, kein Gefühl ohne Körper gibt. Er glaubt auch nicht an eine unsterbliche Seele und auch nicht wie Eccles an einen übernatürlichen Ursprung des Geistes. Er nimmt aber an, dass Ideen und Theorien, einmal niedergelegt, einer eigenen, der dritten Welt angehören. Diese Welt hat eine eigene, von der Materie unabhängige Existenz. Ideen können wieder aufgegriffen und weiter entwickelt werden, auch wenn der Schöpfer dieser Ideen schon lange tot ist. Die zweite Welt – das Bewußtsein – stirbt, wenn die erste Welt – der Körper – stirbt, aber die dritte Welt – die Idee – lebt weiter.

Philosophie bis zum Lebensende.

Im Sommer 1985 erkrankte Hennie schwer. Auf ihren Wunsch hin übersiedelte die Familie P. noch eínmal nach Österreich. Nachdem Hennie im November 1985 verstorben war, konnte sich P. doch nicht zu einem dauerhaften Aufenthalt in Österreich entscheiden. England war seine Wahlheimat geworden. Im Sommer 1986 kehrte er zurück, er wurde aufgenommen von seiner Sekretärin Melitta Mew. Bis kurz vor seinem Tod arbeitete P. weiter an philosophischen Fragestellungen, unter anderem wandte er sich noch einmal intensiv den Vorsokratikern zu.

Er erkrankte am 7. Sept. 1994 akut und verstarb nach einem kurzen Krankenlager nur 10 Tage später im hohen Alter von 92 Jahren.

Literatur

* Karl R. Popper, Logik der Forschung (1930), (Logik der Forschung, Gesammelte Werke Bd. 3, Mohr Siebeck, 2005)

* Karl R. Popper, The Open Society and Its Enemies, (Vol. I and II), (1945), (dt.: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, 2 Bände, UTB, Stuttgart 1992)

* Karl R. Popper, Unended Quest. An Intellectual Autobiography, (1976), (dt.: Ausgangspunkte: Meine intellektuelle Entwicklung, Hoffmann und Campe, 2002)

* Karl R. Popper, John C. Eccles, The Self and Its Brain, (1977), (dt.: Das Ich und sein Gehirn, Piper 1989)

* Martin Morgenstern, Robert Zimmer, Karl Popper, dtv, München, 2002

The Karl Popper Web (engl.)

poppersociety.net (deutsch)

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Säugetiere

Säugetiere (wiss.: Mammalia), eine Klasse der Wirbeltiere, deren Mitglieder ihre Neugeborenen mit Milch ernähren, die in spezialisierten Drüsen der Mutter hergestellt wird. Alle S. haben Haare (zumindest irgendwann in ihrem Leben), drei Gehörknöchelchen (Amboß, Hammer und Steigbügel), ein Zwerchfell, rote Blutkörperchen ohne Zellkern, einen Unterkiefer, der direkt am Schädel befestigt ist und nur den linken Teil des Aortenbogens.

Systematik

Die Klasse der S. besteht aus über 5000 Arten. Das sind nicht viele, wenn man z. B. einen Vergleich mit einer Million Insektenarten anstellt. Erstaunlich sind aber die großen Unterschiede im Phänotyp. Das Gewicht reicht von ca. 2 g der Etruskerspitzmaus bzw. der Schweinsnasenfledermaus bis hin zu den 190 Tonnen des Blauwals, des vermutlich größten und schwersten Tiers, das jemals auf der Erde gelebt hat. Es gibt S.-Arten, die fliegen, solche, die graben, andere die schwimmen, wieder andere, die hüpfen, auch solche, die laufen und schließlich auch S., die sich gleitend fortbewegen.

S. zählen überwiegend zur Unterklasse der höheren Säugetiere (Eutheria). Angehörige dieser Unterklasse werden auch als Plazentatiere bezeichnet. Höhere S. bilden eine echte Plazenta aus, der Nachwuchs verbringt die gesamte Embryonalperiode im Mutterleib, wächst in der Fetalperiode noch weiter heran und kommt relativ weit entwickelt zur Welt.

Die beiden anderen Unterklassen der S. spielen – gemessen an der Zahl der noch existierenden (rezenten) Arten und auch der Individuen – eine weitaus geringere Rolle.

Zu nennen sind hier die Beutelsäuger ( auch: Metatheria oder Marsupialia), hierzu gehören z. B. die Opossums und die Kängurus. Neugeborene dieser Gruppe von S. werden weitaus unreifer zur Welt gebracht als die der höheren S., sie holen einen Teil der Entwicklung an den Zitzen der Mutter hängend nach.

Somit sind fast alle S. vivipar (lebendgebärend) , d. h. die Jungen absolvieren ihre Embryonalperiode im Leib der Mutter. Nur in Australien und in Neuguinea existieren noch eierlegende (ovipare) S. aus der dritten Unterklasse der Ursäuger (Protheria) – fünf verschiedene Arten der beiden Familien der Schnabeltiere und der Ameisenigel. Sie gehören zur Ordnung der Kloakentiere; so genannt, weil bei ihnen die Geschlechtsorgane, der Harnleiter und der Darm in einer einzigen Öffnung (der Kloake) münden.

Verbreitung

S. sind weltweit verbreitet; abgesehen von Insekten und Spinnentieren die am weitesten verbreitete Tierklasse. Sie sind auf allen Kontinenten vertreten, nach Australien kamen die höheren Säugetiere allerdings recht spät, einige Fleder- und Nagetierarten wanderten erst vor ca. 10-15 Mio Jahren ein, alle anderen höheren S. wurden erst durch den Menschen eingeführt.

Der Grund für die weite Verbreitung könnte die hohe Anpassungsfähigkeit der S. z. B. an unterschiedliche Außentemperaturen sein. S. sind wie die Vögel in der Lage, ihre Körpertemperatur unabhängig von der Außentemperatur selbst zu regulieren, sie sind endotherm. Dies führt zu einem erhöhten Energiebedarf im Vergleich zu wechselwarmen Tieren wie den Fischen, Reptilien oder Insekten, erlaubt aber auch eine größere körperliche Aktivität.

Fortpflanzung

Bei weiblichen, geschlechtsreifen S. entsteht unter dem Einfluss der Hormone der Hirnanhangdrüse und des Eierstocks ein regelmäßiger Sexualzyklus. Während des Östrus (syn.: Estrus oder Brunst) ist das weibliche Tier bereit für die Begattung, der Zeitraum fällt zusammen mit der Ovulation. Der Brunst voran geht die Phase des Proöstrus, während dessen der Eifollikel unter dem Einfluss des Follikel stimulierenden Hormons (FSH) der Hirnanhangdrüse heranwächst. Der Follikel produziert Östrogen, ein Hormon, das die Schleimhaut der Gebärmutter zum Wachstum anregt. Nachdem das Ei gesprungen ist und sich durch den Eileiter in Richtung Gebärmutter bewegt, wandelt sich der verbliebene Follikel in den Gelbkörper um. Der Gelbkörper oder das Corpus luteum ist wiederum eine Hormon produzierende Drüse: Das von ihm gebildete Progesteron oder Gelbkörperhormon ermöglicht die Reifung der Uterusschleimhaut und stellt die Muskulatur der Gebärmutter ruhig, so dass ein befruchtetes Ei sich einnisten kann. In der Unterklasse der Eutheria oder Placentatiere produziert die Plazenta weiterhin Progesteron, die dem Erhalt der Gebärmutterschleimhaut während der ganzen Schwangerschaft dient.

Kommt keine Befruchtung zustande, schliesst sich die Zyklusphase des Metöstrus an, in der der die weiblichen Geschlechtsorgane wieder zum Ruhezustand zurückkehren. Bei vielen S. tritt jetzt eine lange Ruhephase ohne Brunst ein (Anöstrus), bisweilen folgt jedoch nach kurzer Pause (dem Diöstrus) eine zweite Brunstzeit.

Manche S. wie z. B. das Wildschwein oder der Elefant und die meisten Haussäugetiere weisen mehrere Sexualzyklen im Jahr auf – sie werden polyöstrisch genannt. Das Reh oder das Schaf und die meisten Wildsäuger hingegen erlebt nur eine Brunst im Jahr – sie sind monoöstrisch. Zwei Zyklen im Jahr kann man bei den diöstrischen Hunden beobachten. Der Sexualzyklus der Primaten ähnelt dem der anderen S., die Gebärmutterschleimhaut wird jedoch abgestossen, wenn keine Befruchtung erfolgte und die Progesteron – Sekretion des Corpus luteum versiegt. Beim Menschen schließlich ist der Zusammenhang zwischen Eisprung und Bereitschaft für sexuelle Kontakte zum größten Teil aufgehoben.

Auch der Sexualzyklus der eierlegenden Ameisenigel und Schnabeltiere entspricht dem der anderen Säuger. Das gleiche gilt für die Beutelsäuger, die nach einer kurzen Tragzeit von 11 bis 43 Tagen embryoartige, aber lebende Junge gebären.

Nach der Einnistung des befruchteten Eis, das bis dahin zur Blastozyste gereift ist, entwickelt sich bei den höheren Säugetieren im Gegensatz zu den Beutelsäugern und Kloakentieren eine echte Plazenta. Die Plazenta baut sich aus mütterlichem und embryonalem Gewebe auf und erfüllt zwei Funktionen: Sie filtert den Stoffaustausch zwischen Mutter und Embryo und sie stellt die Hormone hCG und Progesteron her, die dem Erhalt der Schwangerschaft dienen und eine zweite Befruchtung verhindern.

Die Tragzeit, d. h. die Zeit zwischen Empfängnis und Geburt variiert stark bei den verschiedenen S.-Arten: Von 2 Wochen beim Goldhamster bis hin zu 22 Monaten beim afrikanischen Elefanten. Bei vielen S.-Arten können die Neugeborenen gleich nach der Geburt stehen und gleich darauf laufen, bei anderen Arten kommen die Nachkommen blind, nackt und hilflos zur Welt. Im Allgemeinen ist eine lange Tragzeit und ein zahlenmäßig kleiner Wurf ein Indiz dafür, dass der Nachwuchs als Nestflüchter – also recht selbstständig – zur Welt kommt, während eine kurze Tragzeit und ein zahlenmäßig großer Wurf in einer Art eher Nesthocker – gänzlich hilfebedürftige Junge – erwarten lässt. Der Mensch stellt sich hier als Ausnahme dar – nach recht langer Schwangerschaft von 9 Monaten werden außerordentlich hilfebedürftige Säuglinge geboren. Die großen pflanzenfressenden Säugetiere wie Rinder, Schafe und Ziegen produzieren Nestflüchter, während die Nagetiere und Fleischfresser eher Nesthocker zur Welt bringen.

Das Neugeborene wird direkt nach der Geburt bei allen S. mit der Milch der Mutter ernährt. Bei den Beutelsäugern und den höheren Säugetieren münden die gruppiert stehenden Milchdrüsen – eine Weiterentwicklung der Schweißdrüsen – in spezialisierten Warzen, die beim Tier Zitzen und beim Menschen Brustwarzen (Mamillen) genannt werden. Bei den Ursäugern sind die milchproduzierenden Drüsen diffus verteilt und haben keinen gemeinsamen Ausführungsgang, die Jungen lecken die Milch aus dem Fell der Mutter.

Während die Entwicklung der Milchdrüsen während der Schwangerschaft durch die von der Plazenta und den Eierstöcken produzierten Hormone gefördert wird, kommt es zur Milchproduktion erst nach der Geburt – ausgelöst unter anderem durch die Freisetzung der Hormone Prolactin und Oxytocin aus der Hirnanhangdrüse. Die Trinkmenge des Kindes entscheidet darüber, wie viel Milch nachgebildet wird. Der Anreiz des Saugens kann sogar die Laktation bei nicht schwangeren Frauen in Gang bringen, was früher bei Ammen häufiger bewiesen wurde.

Die Milch besteht aus Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten in bei jeder S.-Art verschiedener Konzentration. Die menschliche Milch enthält z. B. mit 4 % annähernd so viel Fett wie die Milch des Hausrindes, erheblich mehr Milchzucker (Laktose) aber nur ein Drittel des Eiweißgehaltes der Kuhmilch. Das in der Milch enthaltene Eiweiß dient nicht nur der Ernährung, in der Form von Antikörpern (Immunglobuline) schützt es den Säugling vor Infektionen im Magen-Darmbereich. Elektrolyte, Spurenelemente und Vitamine sind ebenfalls in der Muttermilch enthalten.

Verhalten

Die Abhängigkeit des Säuglings schafft die Möglichkeit und Notwendigkeit des Lernens. S. entwickeln dadurch einen Vorteil gegenüber anderen Klassen des Tierreichs. Verhaltensweisen, die durch Lernen anstatt durch Vererbung an den Nachwuchs weiter gegeben werden, können schneller an geänderte Umweltbedingungen angepasst werden.

Manche S. leben einzelgängerisch, nur zur Zeit der weiblichen Brunst besteht sozialer Kontakt. Andere leben ganzjährig in sozialen Gruppen, wobei sich bei den bisher untersuchten eine hierarchische Struktur feststellen lässt. Die Position der männlichen Tiere innerhalb der Gruppe wird oft durch Kämpfe festgelegt, bisweilen ersetzen Kampfrituale diese kräftezehrende Prozedur. Monogamie und Promiskuität bilden im Sexualverhalten der S. eher die Ausnahme, am häufigsten herrscht Polygynie vor, bei dem das dominante männl. S sich mit mehreren weiblichen paaren darf. Dieses Paarungsverhalten begünstigt die Entwicklung eines ausgeprägten sexuellen Dimorphismus: männl. S. sind größer und stärker als weibliche, weil sie mit diesen Eigenschaften eine höhere Fortpflanzungschance hatten.

Winter- und Sommerschlaf

Der Winterschlaf ist eine Strategie der S. zur Anpassung an extreme Umweltbedingungen. Beim echten Winterschlaf sinkt die Körpertemperatur auf Temperaturen nahe 0 ° C, die Atmung findet nur noch zwei bis drei mal pro Minute statt, der Puls verlangsamt sich. Einige Fledermaus- und Nagetierarten sowie Igel haben diese Überlebensstrategie entwickelt, der „Winterschlaf“ der Bären ist hiermit nicht zu vergleichen, die Körpertemperatur wird nur moderat gesenkt, der Bär ist leicht zu wecken. Eine ähnliche, aber mildere Anpassung ist der Sommerschlaf, der bei großer Hitze, Trockenheit und Mangel an Nahrung bei einigen S. auftritt.

Wanderungen

Auch die Wanderung zählt zu den Möglichkeiten der Anpassung an ungünstige Umweltbedingungen. Einige Grauwale leben im Sommer vor den Küsten Sibiriens und ziehen im Winter bis nach Kalifornien und Mexiko, Rentiere wandern von ihren winterlichen Waldquartieren in den sommerlichen Aufenthalt in der Tundra. Neben dieser regelmäßigen, jahreszeitlichen Wanderung gibt es auch unregelmäßige Migrationsbewegungen, wie z. B. der Zug der Lemminge zu neuen Weidegründen.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung der Säugetiere ist sehr unterschiedlich, sie reicht von ein paar Monaten bei einigen Nagetierarten bis hin zu 80 Jahren beim Elefanten und 200 Jahren beim Grönlandwal. Im allgemeinen gilt, das kleinere Säugetiere eine kürzere Lebensspanne haben als größere. Auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel: Bei einigen Fledermäusen konnte ein Lebensalter von 20 Jahren nachgewiesen werden.

Fortbewegung

In Anpassung an ihren Lebensraum haben S. eine Vielzahl von Fortbewegungsarten entwickelt. S., die auf festem Land leben, bewegen sich als Sohlengänger wie der Mensch, als Zehengänger wie Hund und Katze oder als Spitzengänger wie das Pferd. Menschen setzen beim Laufen die Zehen, einige Mittelfußköpfchen und die Fersen auf den Boden. Schnellere Läufer wie Hund und Katze berühren nur mit den Zehen den Grund, das Pferd benutzt dazu nur die Zehenspitzen. Kaninchen und Kängurus haben eine springende Art der Fortbewegung entwickelt, die Hinterbeine sind doppelt so lang wie die Vorderbeine, um einen möglichst kräftigen Absprung im optimalen Winkel zu erreichen. Elefanten erreichen trotz ihres hohen Gewichts Laufgeschwindigkeiten von bis zu 25 km/h, sie belasten den ganzen Fuss, die Zehen sind kreisförmig um den Mittelpunkt des Fusses angeordnet. Die einzigen S.. die fliegen können, sind die Fledermäuse. Einige andere S.-Arten wie z. B. die Pelzflatterer in Südostasien können zu Boden gleiten, nachdem sie größere Höhen, z. B. auf Bäumen erklettert haben. Wale und Seekühe sind S., die an das Leben im Wasser angepasst sind, an Land können sie nicht mehr überleben. Ihre einzig mögliche Fortbewegungsart ist das Schwimmen. Robben und Otter sind Beispiele für S., die sich an Land und im Wasser gleichermaßen fortbewegen können.

Nahrung

Auch im Bereich der Nahrung beweisen die S. eine große Spanne der Anpassung. Ihre allerersten Urahnen im Erdzeitalter des Trias vor mehr als 200 Millionen Jahren waren vermutlich sämtlich Raubtiere. Mittlerweile decken die S. jede nur erdenkliche Ernährungsweise ab: In vielen Ökosystemen sind sie die beherrschenden Raubtiere, pflanzenfressende S. dienen ihrer Ernährung. Allesfresser wie Bären, Schweine und Menschen stellen einen großen Teil der S.. Mit 900 verschiedenen Arten erreichen die Fledermäuse die größte Vielfalt unter den S., je nach Art ernähren sie sich von Insekten, kleinen S., Früchten und Nektar oder vom Blut anderer S..

Anatomie

Der Vielfältigkeit der Nahrung entspricht das differenzierte Gebiss der meisten S.: Sie sind heterodont ,d. h. im Gegensatz zu anderen Tierklassen besitzen sie deutlich unterscheidbare Typen von Zähnen. Da sind zunächst einmal die Schneidezähne (Incisivi), gefolgt von den Eckzähnen (Canini) und den Backenzähnen, die sich wiederum in Prämolare und Molare einteilen lassen. Je nach bevorzugter Nahrung des S. sind die verschiedenen Zahnspezialisierungen unterschiedlich deutlich entwickelt. Eindrucksvolle Schneidezähne weisen die Nagetiere auf, die Eckzähne sind bei Raubtieren sehr beeindruckend und die Pflanzenfresser haben ausgeprägte Backenzähne. S. sind meist diphyodont, die Zähne werden einmal im Leben gewechselt.

Die Haut der S. besteht aus drei Schichten: Epidermis (Oberhaut), Dermis (Corium oder Lederhaut) und Subcutis (Unterhaut) genannt. Die Epidermis liegt aussen, sie besteht aus einer Reihe von flachen Zellen, weist keine Blutgefäße auf und ist von einer Hornschicht bedeckt. Die nächste Schicht wird von der Dermis gebildet, sie trägt die Blutgefässe genauso wie die Nervenendigungen und wölbt sich periodisch fingerförmig in die Epidermis vor. DIe innen liegende Subcutis (Unterhaut) dient in erster Linie der Fettspeicherung und der Wärmeisolation. Die Haut der S. dient als Barriere gegen schädliche Umwelteinflüsse wie z. B. UV-Strahlung, Pilze und Bakterien, sie vermittelt Tasteindrücke zur Orientierung und Schmerz- sowie Temperaturreize zur Gefahrenabwehr. Darüber hinaus regulieren S. ihre Körpertemperatur über die Haut und bilden das lebensnotwendige Vitamin D dort unter dem Einfluss des Sonnenlichts.

Das Skelett der S. weist einige Gemeinsamkeiten auf, die sie von anderen Tiergruppen unterscheiden. Das Wachstums der langen Röhrenknochen findet in zwei Zentren am Knochenende, in der sog. Epiphysenfuge statt; bei niedrigeren Wirbeltieren gibt es nur eins in der Mitte des Knochens. Im Zentrum des Knochenwachstums wird Knorpel in Knochen umgewandelt, diese Umwandlung geschieht beim S. im Vergleich schneller und vollständiger. So hat schon das jugendliche Tier belastbare, knöchern ausgebildete Gelenkflächen und der Anteil des Knorpels am Gesamtskelett ist beim S. geringer als bei anderen Wirbeltieren.

Mit Ausnahme einiger Faultiere, Ameisenbären und Seekühe haben alle S. sieben Halswirbel. Der erste und zweite Halswirbel sind als Atlas und Axis ausgebildet, die Gelenkverbindung dieser beiden ermöglicht eine große Beweglichkeit des Kopfs gegenüber dem Rumpf. Typisch für alle S. ist der doppelte Höcker im Gelenk zwischen Schädel und erstem Halswirbel (Atlantooccipitalgelenk). Die Brustwirbel tragen Rippen, die an der Vorderseite gelenkig mit dem Brustbein verbunden sind, der so gebildete knöcherne Brustkorb (Thorax) schützt Herz und Lunge. Die Zahl der Brustwirbel ist artspezifisch verschieden, beim Menschen sind es zwölf. Vier bis sieben Lendenwirbel besitzen die meisten Säugetiere, die Extreme reichen von 2 bis 21, beim Menschen sind es fünf. Lendenwirbel tragen bei den S. keine Rippen, sie haben sich zu den Querfortsätzen zurückgebildet. I. d. R. drei bis fünf (maximal 13) Kreuzwirbel verschmelzen zum Kreuzbein, an dem der Beckengürtel mit den unteren Extremitäten befestigt ist. Fünf bis fünfzig Schwanzwirbel bilden den S.-Schwwanz, der beim Menschen nur noch rudimentär als Steißbein vorhanden ist.

Der Schädel der S. ist relativ größer als der anderer Gruppen, um dem größeren Gehirn Platz zu bieten. Die drei Ohrknöchelchen: Hammer, Amboss und Steigbügel sind bei allen S. im Mittelohr zu finden. Hammer und Amboss haben sich aus Knochen des Reptilien – Kiefergelenks weiterentwickelt. Die Kiefergelenke der Säugetiere wird daher nur noch von den Gelenkflächen an den Enden der Unterkiefer und der entsprechenden Fläche am Schädel gebildet.

Die Ursäugetiere hatten vier Extremitäten, sowohl am Vorder- als auch am Hinterlauf bestand der körpernahe Abschnitt aus einem einzelnen Knochen – Oberarm und Oberschenkel – der körperferne Abschnitt aus jeweils zwei – Schienbein und Wadenbein bzw. Elle und Speiche. Neun Knochen bildeten das Hand- und sieben das Fußgelenk. Hände und Füße bzw. Vorder- und Hinterpfoten waren mit 5 Fingern bzw. Zehen versehen. Im Laufe der Evolution mit der Entwicklung neuer Arten der Fortbewegung bildeten sich Knochen zurück, gingen verloren oder verschmolzen miteinander. So ging bei den Walen das Schlüsselbein verloren und die Hinterläufe verkümmerten zu Rudimenten ohne jede Funktion.

Bisweilen kommt es auch zu Knochenbildungen außerhalb des Skelettsystems im Bindegewebe, wie z. B. bei der Kniescheibe (Patella) in der Sehne des vierköpfigen Oberschenkelmuskels oder der bei den meisten S., aber nicht beim Menschen, vorkommende Penisknochen (Baculum). Die weibliche Entsprechung hierzu wird Baubellum genannt und ist eine Knochenbildung im Bereich der Klitoris.

Die Muskulatur der S. unterscheidet sich von der ihrer Vorfahren aus dem Reich der Reptilien nur im Bereich der Haut und des Kiefers. S. können die Oberfläche der Haut durch eine gesonderte Muskelschicht der Unterhaut bewegen – unabhängig von der Tätigkeit der großen, tief liegenden Muskulatur. Bei S. ist nicht nur der Temporalmuskel (Schläfenmuskel) sondern auch der Musculus masseter (Kaumuskel) u. a. an den Kaubewegungen beteiligt. Außer einer Auf- und Abbewegung werden so auch seitwärtige sowie vor- und rückwärtige Mahlbewegungen möglich.

Der Verdauungstrakt der S. ist angepasst an die Ernährungsweise und den Lebensraum. Besonders pflanzenfressende S. benötigen einen spezialisierten Magen-Darmtrakt, um Zellulose verdauen zu können. Wiederkäuende Paarhufer erledigen diese Aufgabe mithilfe spezieller Mikroorganismen in einem vierteiligen Magen, bei Pferden erfolgt die Fermentation der Zellulose durch Bakterien, Protozoen und Hefen in dem außerordentlich großen Blinddarm und im anschließenden Dickdarm. Hasen und Kaninchen fressen einen Teil ihres Kots (Koprophagie) und verdauen ihn erneut. Im unteren Verdauungstrakt produzieren Mikroorganismen das lebensnotwendige Vitamin B, das aber dort nicht aufgenommen werden kann.

Körpertemperatur

Die Körpertemperatur der S. liegt meist zwischen 36 und 39 ° C, bei den Vertretern der Klasse, die Winterschlaf halten und bei den Eier legenden S. auch darunter.

Herz und Kreislauf

S. haben aufgrund ihrer Endothermie einen hohen Energiebedarf. Das Herz-Kreislaufsystem sorgt für den effizienten Transport von Sauerstoff, um Energie durch Oxidation der vom Verdauungsapparat aufgenommen Nährstoffe bereitzustellen. Vögel (mit einem ähnlich hohen Energiebedarf) und S. besitzen ein Herz aus vier Kammern, der Lungen- und der Körperkreislauf sind völlig voneinander getrennt. Das Blut strömt zum Herzen durch die untere und obere Hohlvene (Vena cava inferior und superior), nach der Passage durch den rechten Vorhof und die rechte Kammer verlässt es das Herz durch die Lungenarterien (Arteriae pulmonales), gibt in in der Lunge Kohlendioxid ab und nimmt Sauerstoff auf; strömt anschließend durch die Lungenvenen (Venae pulmonales) zum linken Vorhof, von dort in die linke Kammer. Das Blut verlässt die linke Herzkammer durch die Aorta, die bei den S. in ihrem Anfangsteil (Aorta thoracica) asymmetrisch angelegt ist. Während bei vielen anderen Wirbeltieren und auch beim menschlichen Embryo die Aortenbögen noch in der ursprünglichen Anzahl von fünf Paaren vorhanden sind, besitzen Reptilien einen rechten und einen linken, Vögel nur noch den rechten und S. nur den linken Bogen der Hauptschlagader.

Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) transportieren den Sauerstoff an Hämoglobin gebunden, die der S. sind scheibenförmig und bikonkav geformt, dadurch bieten sie die größte Oberfläche pro Volumeneinheit. Sie verlieren ihren Zellkern im Rahmen ihrer Reifung, weiteres Gewicht und Herzarbeit wird damit gespart.

Atmung

Die Atmung der S. wird mechanisch nach Art einer Saugpumpe betrieben: Das Zwerchfell senkt sich und die Rippen heben sich, als Folge erweitert sich der Brustraum, die fest darin eingebettete Lunge folgt passiv nach und wird ebenfalls geweitet, dies erzeugt einen negativen Druck in den Atemwegen: Luft strömt in die Lunge ein. Entspannen sich Zwerchfell und Zwischenripenmuskulatur, kehren Brustraum und Lunge wieder zum Ausgangsvolumen zurück, die eingeatmete Luft entweicht. Zwar kann die Anspannung der Bauchmuskulatur die weitgehend passive Ausatmung forcieren, es bleibt jedoch in jedem Fall ein Rest verbrauchter Luft, der nicht ausgeatmet werden kann, zurück: das Residualvolumen. Die Atmung der Vögel ist ungleich effektiver: Ein kontinuierlicher Strom von Luft durchströmt die Lunge, eine verbesserte Sauerstoffaufnahme ist die Folge.

Typischer Weise nimmt die Atemluft bei S. den Weg durch die Nasenlöcher zum Rachen (Pharynx), sie wird dabei erwärmt, befeuchtet und von Staub gesäubert. Sie strömt dann über den harten und schließlich den weichen Gaumen, dort kreuzen sich die Wege von Nahrung und Luft: Durch die Weiterentwicklung des weichen Gaumens sind S. in der Lage, gleichzeitig zu atmen und zu saugen bzw. zu schlucken. Der Eingang zur Luftröhre (Trachea) wird bei Säugetieren vom Kehlkopf (Larynx) gebildet. Dieser trägt die für die S. einzigartige Ausstattung mit Stimmbändern, die durch den Strom der Atemluft in Schwingungen versetzt werden können, um Töne zu erzeugen. Beim Schlucken wandert der Kehlkopf nach oben und wird schließlich vom Kehldeckel (Epiglottis) verschlossen, damit keine Nahrung in den Kehlkopf und die Luftröhre geraten kann. Im Bereich der Lunge verzweigt sich die Luftröhre in die beiden Hauptbronchien, die sich weiterhin wie die Äste einer Baumkrone bis hin zu den kleinsten Bronchiolen aufteilen. An diesen Millimeterdünnen kleinsten Luftwegen sitzen die Alveolen, die Lungenbläschen, durch deren Wand hindurch der „Gasaustausch“ Sauerstoff (aus der Luft) gegen Kohlendioxid (aus dem Blut) stattfindet.

Nervensystem und Hormone

Die Hormone und das Nervensystem sind erforderlich, um die Aktivitäten der hochspezialisierten Organe des S.-Organismus zu koordinieren. Diese beiden Steuerungssysteme sind ihrerseits miteinander verbunden. Am offensichtlichsten wird dies im Hypothalamus – Hypophysen – System. Der im Zwischenhirn gelegene Nervenzellbezirk des Hypothalamus sezerniert Hormone, die als Releasing- oder Inhibiting Hormone die Funktion der Hirnanhangdrüse steuern. Im Hypothalamus laufen Reize aus der Umwelt und aus dem Körperinneren zusammen, die entweder weitergegeben werden an höhere Gehirnzentren oder das autonome, unbewusste Nervensystem. Das Kleinhirn der S. ist hoch entwickelt, es dient der Koordination aller Bewegungen und sorgt für das Gleichgewicht, es nutzt dazu Informationen aus Rezeptoren in den Sehnen und Muskeln des ganzen Organismus und wertet Informationen der Gleichgewichtsorgane im Innenohr aus.

Das Endhirn der S. ist größer im Vergleich zu ihren Vorfahren, den Reptilien. Der Isocortex (auch: Neocortex) entsteht als Teil dieses vorderen Gehirnabschnitts, er ist nur bei S. zu finden. Der Isocortex weist bei der Untersuchung mit dem Lichtmikroskop im Gegensatz zu dem entwicklungsgeschichtlich älteren Teil der Hirnrinde, dem Allocortex, eine in sechs Schichten gegliederte Architektur auf. Der Isocortex ist bei manchen Säugetieren kaum größer als der Hirnstamm, bei den Primaten und dem Menschen macht er bis zu 90 % der gesamten Hirnmasse aus. Hier werden komplexe Funktionen wie z. B. bewusste Körperbewegungen gesteuert. Aber auch alle Sinneswahrnehmungen werden letztlich hierhin geleitet, Gedächtnisinhalte gespeichert und Assoziationen zwischen den neuen Eindrücken und alten Erinnerungen hergestellt. Die Gehirnoberfläche, die reich an Nervenzellen ist und wegen ihres Aussehens am toten Gehirn auch graue Substanz genannt wird, faltet sich in Windungen (Gyri) und Furchen (Sulci). Durchschnittlich ist das relative Gehirngewicht (Gewicht des Gehirns im Verhältnis zum Körpergewicht) bei S. höher als bei anderen Tieren.

Gebärmutter

Die meisten weiblichen S. besitzen eine Gebärmutter, einen Uterus. Er entsteht während der Embryonalperiode aus der Verschmelzung der beiden Müller-Gänge. Nach dem Ausmaß dieser Verschmelzung unterscheidet man vier unterschiedliche Typen des Uterus. Hasen und Nagetiere weisen einen doppelten Uterus (Uterus duplex) auf, auch der Gebärmutterhals (die Cervix uteri) ist doppelt angelegt. Beim Uterus bipartitus ist der größte Teil der Gebärmutterhöhle zweitgeteilt, sie mündet aber in eine einheitliche Cervix uteri. Diese Form findet sich bei den meisten Raubtieren. Huftiere besitzen oft einen Uterus, der nur zur Hälfte oder weniger zweigeteilt ist, die andere Hälfte wird von einem einheitlichen Gebärmutterhohlraum (Cavum uteri) eingenommen. Diese Form wird auch Uterus bicornis – „zweihörniger Uterus“ – genannt. Viele höhere Primaten und der Mensch weisen eine vollständige Verschmelzung der beiden Müller-Gänge auf, die Kammer des Uterus ist einteilig (Uterus simplex).

Bei Beuteltieren sind sowohl der Uterus als auch die Vagina doppelt angelegt. Bei den höheren Beuteltieren wie z. B. dem Känguru bildet sich bei der Geburt zwischen den beiden lateralen Vaginen eine dritte mediale, die als Geburtskanal dient.

S. der Unterklasse der Monotremata (Kloakentiere) haben einen doppelten, recht einfachen Uterus, der zusammen mit dem Urin in einen Urogenitalsinus mündet; auf dem gleichen Weg wie die Exkremente verlassen die Eier den Körper durch die Kloake.

Hoden

Die Hoden der meisten S. wandern im Laufe der Entwicklung vom Embryo zum reifen Neugeborenen aus der Bauchhöhle in eine Haut- und Muskeltasche, die Skrotum genannt wird. Bei einigen S.-Arten liegen die Hoden ständig im Skrotum, bei anderen wandern sie nur während der Paarungszeit dorthin, nur selten bleiben sie ständig im Bauchraum. Vermutlich können die Spermien bei der Temperatur, die in der Bauchhöhle herrscht, bei den meisten S. nicht heranreifen, sie brauchen die um 2 bis 5 ° C kühlere Temperatur im Hodensack. Die Cowperschen Drüsen, die Prostata und die Samenblase sind typisch für die männlichen S.. Jede dieser Drüsen produziert ein Sekret, zusammen mit den Spermien des Hodens bilden diese Sekrete das Sperma. Das Sperma verlässt den Körper durch die Harnröhre (‚‘Urethra‘‘) , die wiederum in dem reichlich mit Blutgefässen versorgten erektilen Penis liegt. Bei manchen Arten wird der Penis in eine Falte am Bauch zurückgezogen, bei anderen hängt er frei am Unterbauch herab.

Nieren

Die paarigen Nieren der S. bestehen aus einer großen Anzahl von funktionalen Einheiten, die Nephrone genannt werden. Jedes Nephron besteht aus einem distalen Tubulus, einem medialen Abschnitt, der Henleschen Schleife, einem proximalen Tubulus und einem Nierenkörperchen (Glomerulum). Das Nierenkörperchen ist ein Druckfilter; durch den Blutdruck werden Wasser, Ionen und kleine organische Moleküle aus dem Blut entfernt. Einige der entfernten Substanzen sind Abfall, andere können noch gebraucht werden. Das Filtrat wird in den Tubuli sortiert, Wasser und darin gelöste nützliche Substanzen werden je nach Bedarf zurück resorbiert. Die Rückresorption erfolgt sowohl passiv (durch Osmose) als auch durch aktive Ionentransportmechanismen. Die distalen Tubuli münden in Sammelrohre, die sich in die Nierenkelche des Nierenbeckens entleeren, das wiederum den Anfang des Harnleiters darstellt. Die Nieren der S. zeigen abhängig von den Anforderungen der Umwelt beachtliche Unterschiede bei verschiedenen S.-Arten. S., die in den Wüsten leben, haben extra lange Henlesche Schleifen, um Wasser einzusparen und einen sehr konzentrierten Urin produzieren zu können.

Haare

Alle S. haben Haare irgendwann im Laufe ihrer Entwicklung, die meisten während ihres ganzen Lebens. Auch die Haut der ganz an das Leben im Wasser angepassten Wale einschließlich der zu den Zahnwalen gerechneten Delfine ist (zeitweise) mit Haaren bedeckt, meistens jedoch nur noch während der Fetalperiode; die wenigen Haare, die bei der Geburt noch vorhanden sind, verschwinden nach ein paar Tagen.

Das aus einem speziellen Eiweiß, dem Keratin aufgebauten Haar dient mehreren Funktionen. Es schützt vor Wärmeverlust und auch vor Hitze, gibt einen mechanischen Schutz z. B. vor Sonnenbrand, aber auch vor Raubtieren – die Stacheln des Igels sind spezialisierte Haare. Die Gestaltung des äußeren Erscheinungsbildes durch das Haarfell kann das Geschlecht anzeigen, Raub- und Beutetiere tarnen.
Evolution der Säugetiere

Entwicklungsgeschichte

S. entwickelten sich bereits im Erdzeitalter des Trias, also vor 250 bis 200 Millionen Jahren; gleichzeitig mit den Dinosauriern und nicht nach ihnen, wie man früher einmal vermutete. Sie entstammen der Ordnung der Therapsida, die wiederum zur Unterklasse der Synapsiden, eine der ältesten bekannten Gruppe von Reptilien zählt. Bei den Therapsiden – kleinen, beweglichen Fleischfressern – entwickelte sich ein spezialisiertes Gebiss, der Schläfenmuskel wurde kräftiger und die Beweglichkeit verbessert, als die Beine näher an den Körper wanderten. Viele der Besonderheiten, die die S. von anderen Klassen des Tierreichs – insbesondere von den Reptilien – unterscheiden, sind Anpassungen an ihre hohe Aktivität. Die komplette Trennung des Lungen- und des Körperkreislaufs, die Verlagerung der Beine direkt unter den Rumpf, das Zwerchfell zur Verbesserung der Atmung, das spezialisierte Gebiss – alles dies ermöglicht gesteigerte motorische Beweglichkeit. Das für S. typische Fell dient der Aufrechterhaltung der Endothermie. Die selbständige Steuerung der Körpertemperatur erlaubt körperliche Tätigkeit mit relativer Unabhängigkeit von der Außentemperatur. Nicht alle Organe des S.-Organismus haben sich mit der gleichen Geschwindigkeit weiterentwickelt. So existierten im Laufe der Evolution Formen von Lebewesen, die Eigenschaften der S. und Eigenschaften der Reptilien zugleich aufwiesen. Obwohl dies die Theorie bestätigt, dass sich die S. aus Reptilien weiterentwickelten, ist es doch im Einzelfall schwer, Millionen Jahre alte Knochenfunde, die oft nur aus ein paar Zähnen bestehen, sicher dem Reich der S. oder der Reptilien zuzuordnen.

Quellen

* David Macdonald (Hrsg.): Die große Enzyklopädie der Säugetiere, Königswinter (Tandem Verlag), 2004

* Grzimek, Bernhard (Hrsg.): Grzimeks Enzyklopädie – Säugetiere, München (Kindler), 1988

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Wirbeltiere

Wirbeltiere (syn.: Schädeltiere, lat.: Vertebrata), im Tierreich ein Unterstamm des Stamms der Chordatiere. Ihren Namen leiten sie von ihren Wirbeln ab, sie haben darüber hinaus ein Muskelsystem, das auf beiden Seiten der Wirbel liegt und ein zentrales Nervensystem, das zu einem Teil von den Wirbeln umschlossen wird. Zu den W. gehören u. a. die Fische, die Vögel, die Reptilien und die Säugetiere.

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pare.jpgAmbroise Paré (* um 1510 in der Nähe von Laval, Frankreich, † 22. Dezember 1590 in Paris) war ein bedeutender französischer Chirurg. Er zeigte, dass die damals übliche Behandlung von Schusswunden mit siedendem Öl mehr schadete als nutzte. Bei der Amputation von Gliedmaßen verzichtete er darauf, die Blutung durch das Ausbrennen mit glühenden Eisen zu stillen – stattdessen unterband er die durchtrennte Schlagader durch eine Naht (Ligatur).

Paré gehörte zum Berufsstand der Handwerkschirurgen, die in Deutschland auch Bader, Wundärzte oder Feldscher genannt wurden. Er veröffentlichte seine Werke in Französisch, sehr zum Spott der akademisch gebildeten Ärzte, die wissenschaftliche Abhandlungen in Latein verfassten.

Paré praktizierte bis ins hohe Alter und erreichte hohes Ansehen in seinem Land und den europäischen Nachbarländern.

Ambroise Pare in der Enzyklopaedia Britannica (engl.)

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

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Tetrazykline

Tetrazykline (syn.: Tetracycline), Gruppe von Antibiotika, die gegen ein sehr breites Spektrum verschiedener Bakterien wirken, zunehmende Resistenzen haben ihre Bedeutung eingeschränkt.

tetrazyklin.jpgVier (Tetra) Kohlenstoff – Sechserringe (zykline) bilden das Grundgerüst.

Die Derivate der T. unterscheiden sich weniger in ihrer Wirkung, als vielmehr in ihrem pharmakokinetischen Eigenschaften, also z. B. der Aufnahme aus dem Magen-Darm -Trakt, der Verteilung im Körper und der Ausscheidung.

T. sind Stoffwechselprodukte verschiedener Arten von Streptomyces-Bakterien oder werden aus diesen Stoffwechselprodukten hergestellt.

T. wirken bakteriostatisch, d. h. sie hemmen die Vermehrung von Bakterien, töten sie aber nicht ab – diese Aufgabe bleibt dem körpereigenen Immunsystem überlassen. T. hemmen die Synthese von Proteinen in der Bakterienzelle indem sie sich dort an die Ribosomen binden.

T. bilden mit zwei- und dreiwertigen Kationen in Wasser schwer lösliche Chelate. Aus diesem Grund sollten sie nicht zusammen mit Milch oder Milchprodukten mit ihrem reichlichen Angebot an zweifach positiv geladenen Calcium-Kationen eingenommen werden. Die dauerhafte Einlagerung in Knochen und Zähne (bei Kindern) ist auch eine Folge der Bildung von Chelaten mit Calcium.

Die Resistenz gegen T. kann von einem Bakterium an das andere über Plasmide weitergegeben werden. Das Plasmid enthält die nötige genetische Information für eine Pumpe, die in der Lage ist, T. aktiv aus der Zelle auszuschleusen.

T. werden u. a. eingesetzt bei Erkrankungen der Atemwege, Hauterkrankungen, Infektionen mit Chlamydien und Mykoplasmen sowie der Lyme-Borreliose.

Doxycyclin weist von allen T.-Abkömmlingen die beste Aufnahme aus dem Magen-Darmtrakt auf und hat die wenigsten Nebenwirkungen, es wird daher am häufigsten eingesetzt. Zur Behandlung der Akne vulgaris eignet sich Minocyclin wegen der guten Fettlöslichkeit.

Die Nebenwirkungen der T. betreffen in erster Linie den Verdauungstrakt: Übelkeit und Erbrechen, Bildung von Geschwüren in der Speiseröhre, Durchfall und die Überwucherung des Darms mit Sprosspilzen sind sowohl Folge direkter Reizung der Schleimhäute als auch der Zerstörung der ortsansässigen natürlichen Bakterienbesiedlung.

Die Bildung von Tetrazyklin-Calcium-Phospahat-Komplexen in Knochen und Zähnen kann zu Wachstumsstörungen und einer dauerhaften Gelbfärbung des Zahnschmelzes führen, aus diesem Grunde dürfen T. während der Schwangerschaft und von Kindern unter 9 Jahren nicht eingenommen werden.

Während der Einnahme von T. kann die Haut überempfindlich gegen Sonne werden, Solariumsbesuche und Sonnenbaden sollten daher vermieden werden.

T., insbesondere das Derivat Minocyclin, können eine Erhöhung des Drucks in der Schädelhöhle („Pseudotumor cerebri“) verursachen, die sich in Kopfschmerzen und auch neurologischen Störungen (Ataxie) bemerkbar machen kann.

Allergien sind eher selten, Blutbildveränderungen, Leber- und Nierenschäden können als Folge einer Behandlung mit T. auftreten. Die Wirksamkeit oraler Kontrazeptiva kann herabgesetzt sein.

Roche Lexikon der Medizin

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