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Archive for 12. Dezember 2007

Nobelpreis

Nobelpreis heißt jeder einzelne der fünf jährlich seit 1901 am 10. Dezember verliehene Preise, die auf das Testament des schwedischen Erfinders und Industriellen Alfred Nobel aus dem Jahre 1895 zurückgehen. Die Preise werden vergeben für besondere Leistungen jeweils auf dem Gebiet der Physik, der Chemie, der Physiologie oder Medizin, der Literatur und für besondere Verdienste um den Frieden. Seit 1969 wird ein von der Bank von Schweden gestifteter sechster Preis für Wirtschaftswissenschaften in Erinnerung an A. Nobel vergeben. Der Nobelpreis besteht aus einer Medaille, einer Urkunde und einem Preisgeld, das im Laufe des letzten Jahrhunderts stark schwankte.

Die Preise werden finanziert durch die Zinsen, die das Vermögen des Nachlasses von A. Nobel erbringt. Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften vergibt den Preis für Chemie, Physik und Wirtschaftswissenschaften. Der Preis für Physiologie oder Medizin wird vom Karolinska Institut, einem großen Krankenhaus in Stockholm, vergeben. Die schwedische Akademie vergibt den Literaturnobelpreis. Der Friedensnobelpreisträger wird vom norwegischen Nobelkomitee, einem vom norwegischen Parlament gewählten fünfköpfigem Gremium, ausgewählt.

Der Friedensnobelpreis kann auch an eine Institution vergeben werden, die anderen Preise nur an Einzelpersonen, jeder Preis an maximal drei Personen. Die Verleihung ist juristisch nicht anfechtbar, der Preis kann nicht zurückgefordert werden. Der N. kann an die gleiche Person mehrfach verliehen werden.

Die Nobelstiftung verwaltet das Vermögen und ist für die praktische Durchführung der Preisverleihung in Schweden zuständig, sie nimmt keinen Einfluss auf die Auswahl der Preisträger.

Diese Auswahl ist ein kompliziertes und geheimes Verfahren, das mitunter mehr als ein Jahr andauert. Im Herbst des Vorjahres werden mehrere tausend Personen und Institutionen aufgefordert, Vorschläge bis zum 31. Januar des folgenden Jahres einzureichen. Vorschlagsberechtigt sind u. a. alle Nobelpreisträger, die betreffenden Fakultäten aller skandinavischen Hochschulen, sechs internationale wissenschaftliche Einrichtungen und qualifizierte Einzelpersonen. Das Vorschlagsrecht für den Friedensnobelpreis haben u. a. die Mitglieder der Parlamente und Regierungen aller Staaten, mehrere internationale Organisationen wie z. B. die Mitglieder der Interparlamentarischen Union und des Internationalen Schiedsgerichtshofs in Den Haag sowie alle Universitätsprofessoren für Geschichte, Politik, Jura und Philosophie. Es können nur lebende Personen nominiert werden, der Preis wird aber posthum verliehen, wenn der Gewinner bei der Nominierung noch lebte.

Sechs Nobelkomitees, je eines für jeden Preis, beraten die etwa 100 bis 250 Nominierungen und schlagen sie den für die Preisverleihung zuständigen Gremien vor. In der Regel haben die Komitees ihre Arbeit, bei der sie sich mit externen Experten beraten, im Laufe des Septembers erledigt. Sie tragen ihre Empfehlungen den Preis verleihenden Gremien vor, die meistens, aber nicht immer, zustimmen. Bis zum 15. November muss die letzte Entscheidung über die Preisträger des Jahres gefallen sein.

Wurde kein würdiger Preisträger gefunden, kann die Preisverleihung auf das nächste Jahr verschoben werden, dann werden die Nobelpreise für zwei Jahre auf einmal vergeben oder aber das Preisgeld wandert zurück in den Fundus – eine zweimalige Verschiebung ist nicht vorgesehen. Auch die Gelder abgelehnter Preise werden dem Grundstock zugeschlagen. Kann der Empfänger später den Grund der Ablehnung plausibel machen – den Deutschen unter Hitler war z. B. der Empfang von Nobelpreisen verboten – dann erhält er die Urkunde und die Medaille, aber nicht mehr die finanzielle Würdigung.

Die Preise für Chemie, Physik, Physiologie oder Medizin, Literatur und Wirtschaftswissenschaften werden an Nobels Todestag in Stockholm verliehen, der Friedensnobelpreis am gleichen Tag in Oslo.

nobelprize.org

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alfred_nobel.jpegAlfred Bernhard Nobel (* 21. Okt. 1833 in Stockholm; † 10. Dez. 1896 in San Remo, Italien), Chemiker, Industrieller, Erfinder des Dynamits und Stifter des Nobelpreises.

Kindheit in Stockholm

Als N. 1833 zur Welt kam, ging sein Vater Immanuel Nobel gerade als Architekt und Baumeister Konkurs, dies war ihm zuvor schon einige Male mit verschiedenen Firmen passiert. 1838 siedelte er aus diesem Grund nach St. Petersburg um, er gründete dort eine Fabrik zur Herstellung von Tretminen. Alfred blieb mit seinen älteren Brüdern Ludwig und Robert und seiner Mutter Andriette N. in Stockholm zurück, wo sich die Restfamilie mit einem Geschäft für Milch und Gemüse mehr recht als schlecht durchschlug.

St. Petersburg

1843 holte der Vater seine Familie nach St. Petersburg nach, die neue Firma florierte, Alfred bekam eine vornehme Ausbildung durch Hauslehrer, er lernte unter anderem Russisch, Französisch, Englisch und Deutsch.

Von 1850 bis 1852 schickte der Vater seinen Sohn auf eine Studienreise durch Europa und die Vereinigten Staaten. Er sollte sich neben seiner eigenen Weiterbildung in den Naturwissenschaften zum Wohle der väterlichen Firma näher mit Sprengstoff befassen, der Vater hoffte wohl auch, den 17 jährigen von seinem Wunsch, Dichter zu werden, abbringen zu können.

Seine erste Begegnung mit dem Nitroglycerin hatte N. wahrscheinlich während seines einjährigen Aufenthaltes bei dem Chemiker Jules Pelouze in Paris.

Nachdem die väterliche Firma, bedingt durch den Krimkrieg, zunächst stark prosperierte, folgte 1856 nach Kriegsende der nächste Bankrott. Die Eltern zogen zurück nach Schweden und nahmen den jüngeren Bruder Emil mit, die drei älteren Geschwister blieben in Russland. Ihr ehemaliger Lehrer Nikolai Sinin erinnerte die Brüder an die bisher ungenutzten Möglichkeiten des Nitrogylcerins, das bereits 1847 von dem Italiener Ascanio Sobrero entdeckt worden war.

Sprengöl, Nitrogylcerin-Zünder und ein schwerer Unfall

N. folgte diesem Rat und konnte 1860 ein Patent für das Sprengöl anmelden, eine Mischung aus Schwarzpulver und Nitroglycerin.

1863 kehrte N. nach Schweden zurück, ein Jahr später kam das Patent für einen Nitroglycerin-Zünder, der aus einer Metallkapsel bestand, die mit Schwarzpulver gefüllt war, hinzu.

Im selben Jahr explodierte seine kleine Nitroglycerinfabrik, 5 Menschen kamen dabei um, darunter war auch sein kleiner Bruder Emil. Dieser tragische Unfall konnte N. nicht von weiteren Versuchen mit Nitrogylcerin abhalten. Er produzierte weiter Sprengstoff: Zunächst auf einem Kahn im Mälarsee, weil der schwedische Staat die Produktion in der Nähe von Wohnhäusern verbot, später in einer neuen Fabrik in Vinterviken südlich von Stockholm.

Nobel erfindet das Dynamit

Das Hauptproblem des neuen Sprengstoffs: Er ist schwer zu transportieren, neigt zur spontanen Explosion. Andererseits besteht das dringende Bedürfnis nach einem stärkeren Sprengmittel verglichen mit dem bisher verwandten Schwarzpulver. Der Bedarf an Verkehrswegen wie Kanälen, Tunnel und Eisenbahnen war durch die industrielle Revolution sprunghaft angestiegen, das Militär verlangte nach neuen effektiven Waffen.

Durch Zufall entdeckte N., dass Nitroglycerin vermischt mit Kieselgur, einem Sediment der Panzer vorzeitlicher Kieselalgen, einen effektiven, sicher zu transportierenden Sprengstoff ergab. Er nannte ihn Dynamit von dynamis, dem griechischen Wort für Kraft.

Das Patent hierfür erhielt N. 1867 zum ersten Mal in England. Die Sprenggelatine, eine Mischung aus Nitroglycerin und Kollodium, ist eine weitere Verbesserung des Dynamits, N. erhält das Patent hierfür 1875. Neun Jahre später beantragt N. das Patent für Ballistit, eine Mischung aus Nitrozellulose und Nitroglycerin, das das seit dem 15. Jahrhundert in Handfeuerwaffen verwendete Schwarzpulver mit seiner enormen Rauchentwicklung ablöst.

Ein rastloser Erfinder und eifriger Unternehmer

Insgesamt entwickelte der rastlose Tüftler 355 Patente, die ihren Teil zu seinem enormen Reichtum beitrugen. Eine zweite Quelle war die Gründung von 90 Dynamitfabriken in über 20 Ländern der Welt, die erste davon war die schwedische Nitroglycerin Aktie Bolaget und die Niederlassung Nobels in Krümel bei Hamburg mit seinen reichen Kieselgurvorkommen. Kurz darauf folgte die amerikanische United States Blasting Oil Company, 1871 wurde die Sprengstofffabrikation in Frankreich in Rekordzeit aus dem Boden gestampft – passend zum deutsch französischen Krieg. Die dritte Quelle seines Reichtums waren die Beteiligungen an den Ölgeschäften seiner in Russland verbliebenen Brüder Robert und Ludwig.

Unglückliche Lieben

N. heiratete nie und hatte auch keine Kinder. Er hatte eine kurze Affäre mit der Friedenskämpferin Bertha von Suttner, die damals noch Bertha Kinski hieß. Kennen gelernt hatte er sie nach einer Annonce, in der er eine Haushälterin suchte. Er blieb mit der Friedensaktivistin zeitlebens verbunden und führte einen regen Briefwechsel. Eine etwas längere unglückliche Liebe verband ihn mit dem 23 Jahre jüngeren Blumenmädchen Sofie Hess.

Der Zugvogel Nobel

Seinen Wohnsitz wechselte N. mehrfach jährlich. Von 1873 bis 1890 traf man Nobel häufig in Paris, nach Auseinandersetzungen mit den französischen Behörden verlegte er seinen Schwerpunkt ins italienische San Remo, seit 1894 hielt er sich im Sommer in Schweden, im Winter in Italien auf.

Das Testament

In San Remo starb N. völlig einsam im Jahre 1896 an einer Hirnblutung. Ein Jahr zuvor litt er an Angina pectoris, die Anwendung von Nitroglycerin zur Linderung seiner Beschwerden, wie sie auch heute noch üblich ist, lehnte er kategorisch ab.

Sein letztes Testament, dem schon zwei mit ähnlichem Inhalt vorausgegangen waren, verfasste er am 27.11.1895 ohne jeden Rechtsbeistand auf einer einzigen Seite Papier. Die Erben sollten nur 1,5 Millionen erhalten, der Großteil der 33, 5 Millionen Schwedenkronen sollte:

„… vom Testamentvollstrecker in sicheren Wertpapieren realisiert, … einen Fond bilden, dessen jährliche Zinsen als Preise denen zuerteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben.“

Die Auswahl der fünf Gebiete des Nobelpreises war eine konsequente Folge seiner Biografie: Zeit seines Lebens war N. der Chemie und Physik als Forscher und Erfinder zugetan. Er kränkelte ebenfalls zeitlebens, den Zeitpunkt seines Todes hat er vorausgesehen, die Beschränktheit der Medizin seiner Zeit erkannt. Schriftsteller wäre er selber gerne gewesen, er verfasste einige Gedichte, auch kurze Novellen und Bühnenstücke, erkannte aber selbst die bescheidene Qualität seiner literarischen Arbeit. Ob der Friedensnobelpreis seinem schlechten Gewissen wegen der Erfindung des Dynamits oder der Verbindung mit Berta von Suttner gedankt werden kann, bleibt Gegenstand der Spekulation.

„Alfred Nobel – His Life and Work“ auf nopelprize.org (engl.)

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