Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for 21. Dezember 2007

Chlamydiosen

Chlamydiosen, durch verschiedene Chlamydienarten verursachte Infektionskrankheiten des Auges (Trachom), der Atemwege und der Lunge (Pneumonie) sowie des Urogenitaltrakts als sexuell übertragene Krankheit.

Chlamydien sind gramnegative Bakterien, die sich nur in der Zelle vermehren können, da sie auf den Energiestoffwechsel (die ATP-Synthese) der Wirtszelle angewiesen sind. Für den Menschen pathogen (krankmachend) sind die drei Arten Chlamydia trachomatis, C. pneumoniae und C. psittaci.

Chlamydia trachomatis

Die Serotypen A – C von C. trachomatis sind Erreger des Trachoms, die Serotypen D – L rufen Infektionen der Harn- und Geschlechtsorgane hervor. Die Serotypen L1 – L3 von C. trachomatis verursachen das Lymphogranuloma venerum.

Trachom

Das Trachom ist eine chronische Infektion der Bindehaut und der Hornhaut des Auges und eine der häufigsten Ursachen für Erblindung weltweit. Die WHO schätzt, dass etwa 8 Millionen Menschen durch diese Krankheit bereits erblindeten und etwa 84 Millionen Menschen dringend behandelt werden müssen, um eine Erblindung zu vermeiden. Das T. grassiert heute vor allem in armen ländlichen Gebieten Süd- und Zentralamerikas, den meisten afrikanischen Staaten und im östlichen Mittelmeerraum. (Genauere Angaben zu der Lage in Indien und China fehlen.) Die Hauptursache ist schlechte Hygiene durch den Mangel an sauberem Wasser und Sanitäreinrichtungen.

In Deutschland tritt das Trachom nur sporadisch auf.

Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt, Gegenstände und Fliegen. Die chronische Infektion führt nach einigen Jahren zu einer Verformung der Augenlider, die Wimpern scheuern dadurch auf dem Augapfel, unbehandelt führt dieser Zustand nach einiger Zeit zur Erblindung.

Therapie und Prophylaxe des T. sind in der SAFE-Strategie des Global Programme for the Elimination of Trachoma der WHO zusammengefasst: S = Surgery, Chirurgie der Lider, um das Scheuern der Wimpern zu beseitigen; A = Antibiotika; F = Facial Cleanliness, Sauberkeit des Gesichts zur Vermeidung von Schmierinfektionen; E = Enviromental Improvement, Verbesserung der Hygiene, sauberes Wasser.

Urogenitalinfektionen

Die weltweit vielleicht häufigste sexuell übertragbare Krankheit sind Infektionen des Urogenitaltrakts durch C. trachomatis. In Deutschland wird die Zahl der jährlichen Neuinfektionen auf ca. 300.00 geschätzt, 2 bis 5 % aller Frauen im sexuell aktiven Alter gelten als infiziert. Die Infektion verläuft bei über 80 % der Frauen und bei einer unbekannten Anzahl der Männer ohne Symptome.

Bei der Frau kann eine Entzündung der Harnröhre (Urethritis), der Bartholinischen Drüsen, des Gebärmutterhalses (Zervizitis), der Gebärmutterschleimhaut (Endometritis) und der Eileiter (Salpingitis) auftreten. Bei einer Zervizitis tritt häufig vaginaler Ausfluss auf, die Salpingitis führt zur Sterilität (Unfruchtbarkeit) und begünstigt Extrauteringraviditäten (Schwangerschaften außerhalb der Gebärmutter). Die Ausbreitung der Entzündung im kleinen Becken (PID = pelvic inflammatory disease) führt zusätzlich zu Schmerzen im Unterbauch. Frauen mit einer C. haben ein fünffach erhöhtes Risiko, sich mit HIV zu infizieren. Infektionen in der Schwangerschaft fördern Frühgeburten, unter der Geburt kann das Neugeborene infiziert werden: Bindehautentzündung und Pneumonie sind die Folge.

Beim Mann treten Urethritis (Harnröhrenentzündung), Entzündungen der Prostata (Prostatitis) und der Nebenhoden (Epididymitis mit der mögliche Folge einer Sterilität) auf.

Selten beobachtet man bei beiden Geschlechtern als Folge der C. ein Reiter-Syndrom, gekennzeichnet durch Entzündungen der Gelenke, der Augen und der Harnröhre.

Die Diagnose erfolgt meist durch Nachweis spezifischer DNS in Abstrichen oder Urinproben, die direkte Anzucht der Erreger ist sehr aufwändig. Gleichzeitige Infektionen mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten sind nicht selten, so dass auch nach diesen gefahndet werden sollte.

Die Therapie erfolgt mit Antibiotika, geeignet sind Tetrazykline (Doxycylin), Erythromycin und Azithromycin, eingeschränkt auch Chinolone. Der oder die Partner müssen mitbehandelt werden, ggf. auch auf Verdacht, sonst ist eine Reinfektion unvermeidlich. Einige Wochen nach Abschluss der Therapie sollte noch einmal untersucht werden, da häufig Rezidive auftreten.

Kondome schützen auch vor der Infektion mit Chlamydien, regelmäßiges Screening der Schwangeren auf C. schützt vor vermeidbaren Frühgeburten und Infektion des Neugeborenen.

Chlamydia psittaci

Erkrankungen durch C. psittaci sind weltweit verbreitet, sie treten in Deutschland nur selten auf (ca. 100 Erkrankungen pro Jahr.)

Die Infektion des Menschen erfolgt vor allem durch Vögel, obwohl auch andere Haustiere befallen sein können, eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist selten. Die Vögel scheiden den Erreger mit dem Kot aus, infizierte Vögel können schwer krank aber auch völlig gesund wirken.

Die Erkrankung des Menschen führt meist zur Pneumonie, aber auch jedes andere Organ kann betroffen sein. Die Schwere der Erkrankung reicht von sehr leichten bis hin zu tödlichen Verläufen.

Die Diagnose erfolgt mittels Antikörpernachweis im Blut, behandelt wird meist mit Tetrazyklinen über eine Dauer von zwei bis drei Wochen.Die Erkrankung durch C. psittaci ist nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig.

Chlamydia pneumoniae

5 bis 15 % aller außerhalb des Krankenhauses erworbenen Pneumonien sind durch C. pneumoniae verursacht. Bei 60 % der 20jährigen sind Antikörper gegen C. pneumoniae nachweisbar. C. pneumoniae wird durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Die Regel dürften eher leichte Entzündungen der Nebenhöhlen, des Rachens und der Bronchien sein. Es gibt aber auch schwere und tödlich verlaufende Pneumonien und Organbeteiligungen wie bei Infektionen mit C. psittacosis. Diagnostik erfolgt ebenfalls durch Antikörpernachweis, die Therapie entspricht der bei anderen C..

WHO

Robert Koch-Institut

CDC (engl.)

Read Full Post »

Läusebefall

Läusebefall (med.: Pediculosis, Pedikulose), juckende Hauterkrankung, verursacht durch den Befall mit Kopfläusen, Filzläusen oder Kleiderläusen. Vor allem Kleiderläuse können Infektionskrankheiten übertragen.

Alle Menschenläuse sind blutsaugende Ektoparasiten (außerhalb des Körpers lebende P.), ihre Stiche rufen Rötung und Juckreiz hervor. Durch Kratzen kommt es zur Bildung von Ekzemen.

Kopflausbefall

Die Kopflaus (Pediculus humanus capitis) wird durch direkten Kontakt, seltener durch Gegenstände (Kämme u. a.) übertragen. Die K. legt ihre Eier an den Haaren ab, sie sind als schuppenförmige, weißliche Nissen fest mit dem Haar verbunden und leichter sichtbar als die K. selbst. Die Behandlung erfolgt durch zweimalige Anwendung geeigneter Insektizide. Reinigungs- und Entwesungsmaßnahmen in der Umgebung beugen erneutem Befall vor.

Kleiderlausbefall

Die Kleiderlaus (auch Körperlaus, Pediculus humanus corporis) legt ihre Eier in der Kleidung ab, Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt oder durch Kleider. Wolhynisches Fieber und Fleckfieber sind Erkrankungen durch Rickettsien, das Rückfallfieber eine Erkrankung durch Borellien, die von K. übertragen werden können. Therapie erfolgt durch Wechsel und Entwesung der Kleidung.

Filzlausbefall

Die Filzlaus (Pediculus pubis ) lebt vorwiegend im Schamhaar, aber auch im Barthaar, Achselhaar, bei Kindern an den Wimpern und Brauen. Die Übertragung erfolgt selten durch Bettwäsche und Kleider, meist durch Geschlechtsverkehr, Filzlausbefall (Pediculosis pubis) wird deshalb zu den sexuell übertragbaren Krankheiten gezählt. Die Therapie besteht in Wäschewechsel sowie Insektiziden.

Läusebefall in Gemeinschaftseinrichtungen muss nach dem Infektionsschutzgesetz dem zuständigen Gesundheitsamt vom Leiter der Einrichtung gemeldet werden, ein Besuch der Einrichtung ist Betroffenen erst nach ärztlichem Zeugnis wieder erlaubt.

Robert Koch-Institut zum Befall mit Kopfläusen

Read Full Post »

Safer Use

Safer Use (dt.: Sicherer Gebrauch), Maßnahme, um die Infektion mit HIV und anderen Infektionskrankheiten (v.a. Hepatitis) bei intravenös Drogenabhängigen zu verhindern.

9 % aller HIV – Neuinfektionen in Deutschland traten im Jahr 2004 bei i.v. Drogenabhängigen auf, in den USA waren es fast ein Drittel. Durch Aufklärung der Abhängigen und Bereitstellung steriler Spritzbestecke kann die Rate an HIV-Infektionen signifikant gesenkt werden.

Deutsche Aidshilfe e.V.

Center for AIDS Prevention Studies, University of California, San Francisco

Read Full Post »

Robert Koch-Institut

Robert Koch-Institut (RKI), eine Bundesinstitution in Deutschland mit dem Ziel der Erkennung, Bekämpfung und Verhütung von Krankheiten, besonders von Infektionskrankheiten.

Das RKI mit Sitz in Berlin forscht, gibt Berichte und Ratschläge an die politisch Verantwortlichen und an Ärzte. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am RKI erstellt den Impfplan der öffentlich empfohlenen Impfungen. Das RKI wurde 1891 als Königliches Preußisches Institut für Infektionskrankheiten gegründet, um die Forschungsarbeiten von Robert Koch zu unterstützen. Das RKI gehörte organisatorisch seit 1952 zum Bundesgesundheitsamt (BGA). Das BGA wurde 1994 aufgelöst, das RKI wurde selbstständiges Bundesinstitut und übernimmt seitdem Aufgaben des BGA im Bereich Sozialmedizin und Epidemiologie.

Offizielle Homepage

Read Full Post »

Placebo (Plazebo)

Placebo, (Syn.: Plazebo, lat.: ich werde gefallen), Scheinmedikament, welches keine wirksamen Inhaltsstoffe enthält. P. werden im Rahmen der Arzneimittelprüfung eingesetzt, um die Wirksamkeit und die Nebenwirkungen eines Medikaments im Doppelblindversuch zu erforschen.

Informationsdienst Wissenschaft: „Heilung durch Einbildung?! – Kann der Placebo-Effekt „echte“ Medikamente und Operationen ersetzen?“

Die Zeit vom 19.12.2007: „Die Medizin des Glaubens“

Read Full Post »

Arzneimittelprüfung

Arzneimittelpüfung, Testung eines Medikaments vor seiner Zulassung auf Wirksamkeit und Unbedenklichkeit.

Nach Abschluss der vorklinischen Phase mit u. a. Tierversuchen und Zellkultur erfolgt die A. in vier Stufen. In der Phase I wird das Medikament an eine möglichst geringe Zahl (weniger als 100) gesunder Probanden verabreicht. Bestehen nach Abschluss dieser Stufe keine Bedenken zur Verträglichkeit, werden in Phase II einige hundert Patienten in ausgewählten Kliniken behandelt. Ergeben sich weiterhin keine Einwände und erweist sich das Mittel der Standardtherapie überlegen, erfolgt in Phase III eine breite, meist auf mehr als 1000 Patienten bezogene Anwendungsbeobachtung. Nach positivem Abschluss der Phase III – Prüfung wird die Zulassung – in Deutschland meist beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte – beantragt. Phase IV-Studien sind A., die unerwartete Nebenwirkungen nach der Zulassung in Erfahrung bringen sollen.

Die Durchführung der A. ist in Deutschland im Arzneimittelgesetz geregelt, das auch den Schutz der Versuchspersonen nach der Deklaration von Helsinki regelt.

Medizinfo.de: “

Arzneimittelsicherheit:
Der Weg eines Arzneimittels von der Forschung bis zur Zulassung“

Read Full Post »

Psychotherapie

Psychotherapie, Behandlung von seelischen Erkrankungen durch Gespräche und Übungen.

Tiefenpsychologische Verfahren wie z. B. die Psychoanalyse sehen unbewusste Konflikte als Ursache psychischer Erkrankungen an. Die Therapie versucht, diese Konflikte aufzuspüren und zu lösen.

Die Verhaltenstherapie setzt am falschen oder nicht gelernten Verhalten an; in der Behandlung sollen neue Verhaltensweisen erlernt werden.

Die interpersonelle Therapie versucht, Lebenskonflikte zu verdeutlichen und zu lösen.

In der Gesprächspsychotherapie versucht der Therapeut, durch gefühlsmässiges Einfühlen (Empathie) dem Patienten in der Lösung seiner Konflikte zu helfen.

P. wird in Deutschland von Ärzten und psychologischen Psychotherapeuten durchgeführt, sie ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen.

Neurologen und Psychiater im Netz: Psychiatrie und Psychotherapie
Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen

Read Full Post »

Older Posts »