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Archive for Februar 2008

Das Institut für Demoskopie in Allensbach stellt alle paar Jahre folgende Frage an eine repräsentative Stichprobe der deutschen Bevölkerung: „Hier sind einige Berufe aufgeschrieben. Könnten Sie bitte die fünf davon heraussuchen, die Sie am meisten schätzen, vor denen Sie am meisten Achtung haben?“ Es folgt eine Liste mit 17 Berufen: Arzt, Pfarrer, Grundschullehrer, Rechtsanwalt, Politiker usw..

Der Arzt als Beruf liegt traditionell weit vorn in dieser Umfrage, bei der aktuellen Umfrage aus dem Jahre 2008 ergab sich ein Zustimmungswert von 78 % und ein Plus von 6 % gegenüber der letzten Umfrage aus dem Jahr 2003. Es folgen der Geistliche und Pfarrer mit 39 und der Hochschulprofessor mit 34 %. Ganz am Ende der Skala rangieren Gewerkschaftsführer mit 8 % (+1%), Politiker mit 6 % ( – 2%) und Buchhändler mit 5 % (ebenfalls – 2%).

Institut für Demoskopie Allensbach – Die Studie wird unter „Presseinformationen“ vorgestellt

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Eine am 28. Februar 2008 in der Online Publikation PLoS Medicine veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die neuen Antidepressiva Fluoxetin, Paroxetin, Venlafaxin und Nefazodon (nicht mehr im Handel) allesamt nicht viel besser als Placebo wirken.

Die Forschergruppe um Irvin Kirsch von der Psychologischen Fakultät der englischen Universität Hull untersuchte Zulassungsunterlagen der amerikanischen staatlichen Arzneimittelzulassungsbehörde, der Food and Drug Administration. Viele Studien waren von den Herstellerfirmen eingereicht, aber bisher nie veröffentlicht worden.

Das Resultat der Analyse von 35 Studien: Alle vier genannten neueren Antidepressiva wirken bei leichten und mittelschweren Depressionen nicht besser als Plazebo. Nur bei sehr schweren Verlaufsformen der Erkrankung mit einem Hamilton Score von mehr als 28 zeigte sich ein zwar nur leichter aber signifikanter Vorteil gegenüber der Behandlung mit einem wirkungslosen Scheinmedikament.

„Diese Berichterstattung wird Menschenleben kosten“

Prof. Dr. Ulrich Hegerl von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Universitätsklinikum Leipzig und Sprecher des Kompetenznetzes Depression äußert sich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sehr besorgt über die Auswirkungen der Studie. Er befürchtet, dass manche Menschen die Medikamente absetzen, wieder in eine Depression verfallen und ihrem Leben ein Ende setzen könnten. Dass der Placebo-Effekt in klinischen Studien sehr hoch ist, sei bekannt, erklärte der Psychiater. Man könne von dieser speziellen Situation – in der die Patienten umsorgt und aktiviert werden – nicht auf den klinischen Alltag schließen.

„Würde man übrigens ähnlich strenge Kriterien an den Wirkungsnachweis der Psychotherapie anlegen, so wäre deren Wirksamkeit auch nicht belegt.“, erklärte Ulrich Hegerl im Interview.

Deutsches Ärzteblatt : „Meta-Analyse: Antidepressiva nur bei schwersten Depressionen wirksam“

Originalarbeit in Englisch auf PloS Medicine

Interview Professor Ulrich Hegerl mit der Süddeutschen Zeitung: Studie zu Antidepressiva
„Diese Berichte werden Menschenleben kosten“

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Die Hamilton Skala (Ham D, exakt: Hamilton Rating Scale of Depression – HRSD -) ist ein standardisiertes diagnostisches Instrument für den Arzt zur Beurteilung des Schweregrades einer Depression. Die Hamilton Skala dient insbesondere dazu, die Wirksamkeit verschiedener Therapien, z.B. von Medikamenten in Zulassungsstudien, zahlenmäßig exakt zu erfassen. Die Skala wurde 1960 von dem deutschstämmigen englischen Psychiater Max Hamilton („Himmelschein“) eingeführt.

Aufbau

In der ursprünglichen, auch heute noch oft verwendeten Fassung, werden 21 Symptomenkomplexe systematisch vom Untersucher mit meist 0 bis 4 Punkten, manchmal auch von 0 bis 2 oder 0 bis 3 Punkten bewertet.

Untersuchungspunkte sind z.B. die depressive Stimmung (Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit, Wertlosigkeit), Schuldgefühle, Selbstmordgedanken, Schlafstörungen, körperliche Beschwerden, Sexualität, Gewichtsverlust.

Bewertung

Je höher die Punktzahl, um so stärker ist die Depression.

66 ist die höchste, 0 die niedrigste erreichbare Punktzahl. Es gibt keinen „Normalwert“, aber es hat sich eingebürgert, ab 10 Punkten von einer leichten, ab 20 von einer mittelschweren und ab 30 von einer schweren Depression zu sprechen.

Es existieren Kurzformen mit 17 und 7 statt 21 Untersuchungspunkten.

Max Hamilton: “A rating scale for depression”, 1960, Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatry. vol 23 pp 56-62, Link zum Download der Originalarbeit als pdf

Die Hamilton Scale in Englisch zum Download – Testinstrument für Ärzte, ungeeignet zur Selbstdiagnose!

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Ecstasy

ecstasy.jpgEcstasy ist die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Gruppe von Substanzen, die als Verwandte des Amphetamins eine aufputschende und leicht halluzinogene Wirkung haben.

Ecstasy wird (illegal in Deutschland und den meisten Ländern der Welt) in Tablettenform gehandelt, die oft mit Tierfiguren, (Auto)markennamen, Smileys und ähnlichem verziert sind.

In Deutschland enthalten Ecstasypillen in über 95 % der vom Bundeskrimalamt 2005 analysierten Proben MDMA (3,4-Methylendioxymethamphetamin) und zwar rund 100 mg pro Tablette. MDA, MDE und MBDB sind Wirkstoffe mit ähnlicher Wirkung, die unter der Bezeichnung Ecstasy gehandelt werden.

PMA als Wirkstoff führt zu gefährlichen Überdosierungen, weil die psychische Wirkung geringer, die Effekte auf Herz, Kreislauf und Körpertemperatur aber ausgeprägter sind. PMA führt immer wieder zu Todesfällen bei Ecstasy-Usern, die der Meinung waren, MDMA geschluckt zu haben. Auch Ephedrin, Scopolamin und Atropin sind in den bunten Wachmachern zu finden und führen zu Komplikationen und Todesfällen.

Wirkungen

MDMA macht wach, steigert die Stimmung und Aufmerksamkeit, soll das Einfühlungsvermögen in andere Menschen und das Wahrnehmungsvermögen für eigene Gefühle schärfen. Die Wirkungen hängen sehr vom seelischen Zustand des Konsumenten ab und von der Umgebung, in der konsumiert wird. So kann Ecstasy auch zu Angstzuständen, Depressionen und Kontaktvermeidung führen. In Extremfällen führt E.-Gebrauch zu akuten Psychosen.

E. steigert den Blutdruck und die Herzfrequenz, erweitert die Pupillen, erhöht die Körpertemperatur („Ecstasy-Fieber“) und führt zu Schweißausbrüchen. Im Zusammenhang mit ausdauerndem Tanzen in warm-feuchter Umgebung (überfüllte Disco) können ausgeprägte Flüssigkeitsverluste zu Dehydration mit Volumenmangelschock und Leber- und Nierenversagen führen. Starke Steigerung der Körpertemperatur in Kombination mit spontaner Auflösung der Muskulatur (Rhabdomyolyse) ist ebenfalls eine notfallmedizinische Komplikation des E.-Gebrauchs. Häufig werden in der Fachliteratur auch Notfälle durch stark erhöhten Blutdruck mit entsprechenden Auswirkungen auf das Herz und das Gehirn sowie Herzrhythmusstörungen beschrieben.
Auch eine über das normale Maß gesteigerte Flüssigkeitsaufnahme – eine Hyperhydration – mit der Folge eines lebensbedrohlichen Hirnödems kommt als Folge des E.-Konsums vor.
Es existieren Fallberichte von akutem Leberversagen Tage bis Wochen nach dem letzten Ecstasykonsum, die Gründe hierfür sind noch unklar – es traf auch zuvor vermutlich lebergesunde Konsumenten.

Die Körpermuskulatur verspannt sich, am Kiefer kann dies zu unwillkürlichem Zähneknirschen und Zahnschäden führen.

Nach Abklingen der E.-Wirkung treten oft Depressionen, Unlust und Angstgefühle auf.

Dauerhafte Hirnschäden sehr wahrscheinlich

Obwohl noch große Unsicherheiten bestehen, scheint es nach dem aktuellen Stand der Forschung sehr wahrscheinlich, dass E.-Konsum dauerhafte Hirnschäden auslöst. Diese Schäden vermindern in erster Linie das Gedächtnis.

Affen entwickelten im Tierversuch eine Parkinsonerkrankung nach langfristiger Verabreichung von MDMA.

Ängstlichkeit, Depressionen und verstärkte Impulsivität sind weitere mögliche Spätfolgen.

Geschichte

MDMA wurde 1912 von Anton Köllisch, einem Chemiker der Firma Merck in Darmstadt zum ersten Mal synthetisiert. Es war ein Zufallsprodukt auf der Suche nach einem blutstillenden Mittel, die Firma ließ die Substanz routinemäßig patentieren, hatte aber keinen Verwendungszweck im Sinn.

MDMA geriet dannach viele Jahre in Vergessenheit, in den 1950ern testete die amerikanische Armee die Droge im Tierversuch.

-wird fortgesetzt-

Suchtzentrum.de: drugscouts

Drogenlexikon auf drugcom.de – allgemeine Infos zu Ecstasy

Partypack.de, die Seite der Drogenhilfe Köln zu Ecstasy

Ecstasy.org zeigt die Vielfalt an Ecstasy Pillen und ihre Inhaltsstoffe in den USA (engl.)

Informationen über Ecstasy-Fälschungen bei eve-rave.net aus Berlin

„Der Nervenarzt“, Ausgabe Mai 2002: Neurotoxische Langzeitschäden bei Ecstasy (MDMA)-Konsumenten

Zeitschrift für Gastroenterologie 8/2002: „Akutes Leberversagen nach dem Konsum von Ecstasy (MDMA)“

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Crack

Crack entsteht aus handelsüblichem Kokain in dem dieses mit Natriumhydrogencarbonat („Speisesoda“, Natron) und Wasser erhitzt wird. Kokain wird meist als Kokainhydrochlorid gehandelt, durch das Erhitzen mit Natron (NaHCO3) ensteht Kokainhydrogencarbonat. Durch diese chemische Veränderung wird Kokain rauchbar gemacht – in Pfeifen, Zigaretten oder einfach von Alufolie. Die Wirkung setzt dadurch schneller ein, klingt aber auch nach rund 10 Minuten schon wieder ab.
Beim Rauchen knacken die kleinen Crackbröckelchen, vermutlich stammt der Name von diesem typischen Geräusch.

Durch das schnelle Anfluten wird die Wirkung als sehr intensiv, das schnelle Abklingen als sehr negativ empfunden. Ein heftiges Verlangen nach einer Wiederholung des Konsums setzt ein. Crack soll die illegale Droge sein, die am schnellsten von allen bekannten Substanzen Sucht hervorruft. Crack-User sollen einigen Berichten zufolge besonders zu Aggressivität neigen, ansonsten entsprechen die Wirkungen und Nebenwirkungen denen des Kokains.

Drugcom: Drogenlexikon

Suchtzentrum.de: drugscouts

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Gammahydroxybuttersäure (GHB) wird illegal als Droge unter vielen Namen gehandelt: Liquid X, Liquid Ecstasy, Liquid E, G-Juice u.a..

Die sog. „k.o. – Tropfen“ sind oft identisch mit GHB. K.o.- Tropfen werden unbemerkt alkoholischen Getränken junger Frauen zugemischt, in der Absicht, sie anschließend zu vergewaltigen.

In der Medizin hat GHB nur noch eine untergeordnete Bedeutung: Als Narkosemittel z.B. bei Kaiserschnittentbindungen (Somsanit®) oder als Medikament zur Behandlung der Narkolepsie (Xyrem®). Der Einsatz als Schlafmittel, als Medikament zum Entzug bei Alkohol- und Morphinabhängigkeit wurde wegen der gravierenden Nebenwirkungen aufgegeben.

Früher war GHB in der „Bodybuilderszene“ beliebt, weil es den Muskelaufbau durch Stimulation des Wachstumshormons fördern sollte, was allerdings nie eindeutig bewiesen wurde.

GHB unterliegt seit 2002 in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz.

Tod durch Atemlähmung

Der Gebrauch von GHB kann akut und völlig unvorhersehbar zum Tod durch Atemlähmung führen. Die Gefahr besteht besonders im Zusammenwirken mit Alkohol, Morphium und Heroin sowie verschiedenen Medikamenten, die zur Behandlung von AIDS eingesetzt werden. Riskant ist illegal erworbenes GBH, weil die genaue Reinheit der Substanz und damit die verabreichte Dosis nicht bekannt ist.

Als „Partydroge“ wird GHB in der Regel als Flüssigkeit in kleinen Plastikflaschen verkauft. Es schmeckt salzig, manchmal auch seifig.

Bei niedriger Dosierung steht die gute Laune (Euphorie) im Vordergrund, bald tritt die hypnotische (einschläfernde) und schnell auch die narkotische (bewußtlos machende) Wirkung hinzu. Verwirrtheit, Übelkeit, Erbrechen und Störungen der Atmung sind häufige Probleme. Muskelkrämpfe, Atemnot und Muskelschmerzen werden ebenfalls als Nebenwirkungen berichtet.

Die Wirkung tritt 15 bis 30 Minuten nach der oralen Aufnahme ein und hält etwa zwei bis vier Stunden an. Häufig besteht eine ausgeprägte Amnesie für das, was während des GHB-Rauschs vorfiel. Bisweilen treten auch bizarre Verkennungen der Realität und entsprechende Erinnerungen auf. Diese Tatsache machen sich natürlich die Vergewaltiger zunutze, um sich von Tatvorwürfen zu entlasten.

GHB ist nur kurze Zeit nach der Einnahme nachweisbar – im Urin ca 12, im Blut nur rund 8 Stunden. Die Substanz wird vollständig zum körpereigenen Neurotransmitter Gammaaminobuttersäure (GABA) abgebaut. Bei dem Verdacht auf eine Vergewaltigung unter GHB-Einfluss ist es also wichtig, möglichst bald Blut- und Urinproben zur späteren Untersuchung zu sichern. (Die Untersuchung auf GHB ist eine Spezialuntersuchung und wird nicht im normalen Drogenscreening in Klinik oder Arztpraxis erfasst.) Vor allem nach mehrfachem Gebrauch ist GHB in den Haaren nachweisbar, dort allerdings auch noch nach Monaten.

Lösungsmittel als Vorläufersubstanz

GBL ist die Abkürzung für Gammabutyrolacton, diese Substanz wird im Körper recht zügig in GHB umgewandelt. Während GHB jedoch dem Betäubungsmittelgesetz unterliegt, wird GBL in großem Maßstab in der chemischen Industrie als Lösungsmittel und Grundsubstanz verschiedener chemischer Synthesen genutzt.

Ebenso wie GHB wird auch GBL auf dem Drogenmarkt gehandelt.

Sucht

GHB kann vermutlich psychische und physische Abhängigkeit erzeugen, die Entzugssymptome und möglichen Komplikationen beim Entzug (Delir, Krampfanfälle) erinnern an die Alkoholabhängigkeit.

Drogenhilfe Köln – Partypack.de

Deutsches Ärzteblatt: „Sexualisierte Gewalt: Wie der Verdacht auf „K.-o.-Tropfen“ bewiesen werden kann“

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12 gesunde junge Männer und acht gesunde junge Frauen mussten – im Dienste der Wissenschaft – das Experiment des Regisseurs Morgan Spurlocks („Supersize me„) wiederholen.

Im schwedischen Linköping instruierte der Leberspezialist Stergios Kechagias und seine Mitarbeiter die Freiwilligen, vier Wochen lang zusätzlich zur gewohnten Kost zwei Fast Food-Mahlzeiten einzunehmen. Gleichzeitig sollten sie ihre Bewegung auf weniger als 5000 Schritte am Tag reduzieren. Das Team wollte herausfinden, wie sich diese Überernährung auf die Leberwerte auswirkte. Dazu wurden die 18 „Supersizer“ mit einer ebenso großen Kontrollgruppe verglichen, die ihren bisherigen Lebensstil fortsetzten.

Die Teilnehmer der Versuchsgruppe nahmen im Durchschnitt um 6,5 kg zu, die Werte für das Leberenzym GPT (ALT) vervierfachten sich. Bei 11 der 18 Versuchspersonen überstiegen die Leberwerte die Normalbereiche. Die Leberwerte der Kontrollgruppe blieben unverändert normal.

Die Untersucher schlussfolgern, dass außer dem Alkoholkonsum auch Überernährung als Ursache für Leberschäden, insbesondere die Entwicklung der Fettleber, in Betracht gezogen werden muss.

Quelle: Stergios Kechagias, Åsa Ernersson, Olof Dahlqvist, Peter Lundberg, Torbjörn Lindström, and Fredrik H Nystrom

Fast food based hyper-alimentation can induce rapid and profound elevation of serum alanine aminotransferase in healthy subjects

Gut, Feb 2008; doi:10.1136/gut.2007.131797

Zusammenfassung in Englisch als online Vorabveröffentlichung auf der Homepage der Zeitschrift „gut“

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