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Archive for 7. März 2008

In einer Studie an 72 Patienten an der Berliner Uniklinik „Charité“ zeigte sich, dass eine Impfung gegen den körpereigenen, blutdrucksteigernden Botenstoff Angiotensin II den Blutdruck deutlich zu senken vermag.

Angiotensin an Viruspartikel geheftet

Der Impfstoff wurde hergestellt, in dem ein Viruspartikel mit Angiotensin II – der stärksten blutdrucksteigernden Substanz im Körper des Menschen – verknüpft wurde. Der menschliche Organismus bildet Antikörper gegen Angiotensin II, wenn diese Verbindung als Impfstoff injiziert wird.

Aufbau der Studie in Berlin

Die Studie wurde im Auftrag der Schweizer Biotechnologiefirma Cytos durchgeführt und am 8. März 2008 in der renommierten amerikanischen Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht.

Die 72 Patienten mit mildem bis mäßigem Bluthochdruck wurden in einer sogenannten Doppelblindstudie entweder mit dem Impfstoff oder einem Placebo, also einem wirkungslosen Scheinmedikament, dreimal geimpft. Der Impfstoff wurde in zwei verschieden hohen Dosierungen verabreicht.

Es zeigte sich, dass unter der höheren Dosis der Blutdruck um durchschnittlich 9 mmHg systolisch und 4 mm Hg diastolisch gesenkt werden konnte. Der Blutdruck um 8 Uhr morgens sank sogar um durchschnittlich 25/13 mmHg.

Nebenwirkungen

Vier Patienten aus der Impfstoffgruppe und einer aus der Placebogruppe brachen die Studie wegen Nebenwirkungen ab. Die Untersucher schließen einen Zusammenhang mit der Impfung aus.

Die „Hochdruckimpfung“ zeigte ansonsten die Nebenwirkungen, wie sie auch sonst bei Schutzimpfungen typisch sind: Rötungen und Schmerzen an der Impfstelle und ein leichtes Grippegefühl.

Zukunftsaussichten

Blutdruckmedikamente, die die Wirkung des Angiotensin II abschwächen, gehören zu den best verträglichsten und wirksamsten. Ihre Wirkung klingt im Laufe eines jeden Tages wieder ab. Die Nebenwirkungen der neuesten Generation dieser Medikamentengruppe liegt fast auf Placeboniveau.

Zukünftige Studien werden zeigen müssen, ob die Impfung Vorteile gegenüber der Tablette hat. Angiotensin II hat (auch) eine lebenserhaltende Funktion. „Was ist, wenn die Impfung zu stark wirkt und sich nicht mehr rückgängig machen läßt?“ – diese Sorge äußern die Herausgeber des Lancet in ihrem Kommentar zur Studie.

Zusammenfassung der Studie im Lancet (engl.)

Bericht über die Studie im Deutschen Ärzteblatt

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rotelnausschlag.jpgRöteln (syn.: Rubella) sind eine meist harmlos verlaufende Infektionskrankheit durch den Rötelnvirus, die aber bei einer Infektion in der Schwangerschaft schwere Mißbildungen des Neugeborenen erzeugt.

Röteln treten weltweit meist im Kindesalter auf. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion ausschließlich von Mensch zu Mensch. Nach 14 bis 21 Tagen tritt ein feinfleckiger, rötlicher Hautausschlag (Exanthem) auf, der sich vom Gesicht aus über den ganzen Körper ausbreitet und nach einem bis drei Tagen wieder verschwunden ist. Die Körpertemperatur steigt häufig leicht an und die Lymphknoten können im Nacken anschwellen. Fast jede zweite Erkrankung an R. verläuft ohne Symptome.

Komplikationen treten selten auf, aber vor allem im höheren Lebensalter kommt es mitunter zu einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis), des Herzmuskels (Myokarditis) oder des Herzbeutels (Perikarditis). Die Blutgerinnung kann durch einen Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten) gestört sein mit der Folge punkt- oder flächenförmiger Blutungen in die Haut.

Ansteckend sind R. schon eine Woche vor Ausbruch des Exanthems und bis zu einer Woche danach. Eine spezifische Behandlung gibt es nicht und ist auch nicht erforderlich.

Infektionen in der Schwangerschaft, vor allem in den ersten vier Monaten, führen in einem hohen Prozentsatz zur Fehlgeburt, zur Frühgeburt oder zur Rötelnembryopathie (Gregg Syndrom). Fehlbildungen des Herzens (offener Ductus arteriosus), Katarakt (Trübung der Augenlinse) und Taubheit sind die führenden Symptome dieser Erkrankung, die darüber hinaus noch zu vielen anderen Schädigungen, u. a. des Gehirns und der inneren Organe führen kann.

Die Rötelnembryopathie ist in Deutschland meldepflichtig, im Jahr 2002 wurde ein Fall gemeldet, das Robert Koch Institut (RKI) rechnet mit einer Dunkelziffer, die 10 mal höher liegt.

Die Rötelndiagnose aufgrund einer körperlichen Untersuchung ist sehr unsicher, da ähnliche Symptome bei vielen anderen Erkrankungen vorkommen. Eine sichere Diagnose der akuten Erkrankung erfolgt durch Nachweis von Antikörpern der IgM – (Imunglobulin M) Klasse im Blut. Die Abwehrlage wird in der Schwangerschaftsvorsorge routinemäßig durch Überprüfung der IgG (Imunglobulin G) – Antikörper überprüft.

Die WHO hat das Ziel verkündet, die R. bis zum Jahr 2010 in Europa durch konsequente Schuzimpfung auszurotten.

Die aktive Schutzimpfung gegen R. wird im Alter von 11 bis 15 Monaten empfohlen, eine Wiederholung frühestens 4 Wochen danach, aber spätestens vor der Einschulung. Die Immunisierung erfolgt in der Regel als kombinierte Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln.

Hat eine Schwangere ohne schützende Antikörper Kontakt mit R., kann eine passive Immunisierung (die Injektion von Antikörpern), möglichst innerhalb von 48 Stunden, die Infektion unter Umständen verhindern.

Für R. besteht keine generelle Meldepflicht in Deutschland, nur der Nachweis von R. beim Neugeborenen muss ohne Namensnennung vom Laborarzt dem RKI angezeigt werden.

Robert Koch – Institut: Röteln, Merkblatt für Ärzte

Rötelnausschlag bei einem 14jährigen Mädchen auf dermis

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