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Archive for 13. April 2008

Medizinische Mythen sind weit verbreitet – nicht nur unter medizinischen Laien. Einige davon haben zwei amerikanische Ärzte im renommierten britischen Fachblatt British Medical Journal unter die Lupe genommen.

Acht Glas Wasser am Tag?

„Jeder Mensch muss eine bestimmte Menge Wasser am Tag trinken“ – dieser Mythos ist weit verbreitet – aber völlig unbewiesen. Offensichtlich reicht die übliche Aufnahme von Flüssigkeit über die Nahrung, Milch, Kaffee, Tee und dergleichen völlig aus. Folgen Sie Ihrem Durst, irgend etwas anderes wurde nie bewiesen.

Nutzen wir nur 10 % unseres Gehirns?

Diese Meinung wird Albert Einstein zugeschrieben. Bewiesen wurde Sie nie.

Wachsen Haare und Nägel nach dem Tod weiter?

Nein, tun sie nicht! Allerdings kann es so scheinen, weil die Haut durch Austrocknung nach dem Tod schrumpfen kann und die Haare und Nägel dadurch länger scheinen, weil die Haut sich von ihnen zurück zieht.

Wachsen Haare schneller nach, wenn man sie rasiert?

Das hoffen männliche Teenager, wenn sie heimlich Papas Rasierapparat benutzen und befürchten weibliche, wenn sie ihre Beine rasieren. Aber auch dieser Mythos stimmt nicht – und die Haare werden auch nicht dunkler oder dicker.

Verdirbt Lesen im Dunkeln die Augen?

Auch dafür gibt es keinen Anhalt! Die Augen zeigen Anzeichen der Übermüdung – Brennen und Schwierigkeiten bei der Nahanpassung (Akkomodation), die gehen aber nach kurzer Zeit wieder zurück. Tatsache aber ist: Menschen in akademischen Berufen sind häufiger kurzsichtig als die durchschnittliche Bevölkerung. Die Ursache hierfür ist unbekannt.

Macht Putenfleisch besonders müde?

Der Truthahn gehört bei vielen amerikanischen Familienfeiern obligat zum Festtagsmahl. Die gebratenen Vögel sind so riesig, dass amerikanische Backöfen größer sein müssen als europäische. Opulente Mahlzeiten machen nun mal müde, egal ob Truthahn- oder Schweinebraten, es kommt nur auf die Menge an.

Die Hypothese, dass Truthahnfleisch mehr Tryptophan enthalte als Rinder-, Hühner- oder Schweinefleisch ist widerlegt. Außerdem enthalten Käse, Milch und Schokolade weitaus mehr davon als jedes Fleisch.

(Tryptophan ist eine Aminosäure, die in hoher Dosis schlaffördernd und stimmungsaufhellend wirken kann.)

Schaden Handys im Krankenhaus?

Obwohl die Autoren auch hier von einem medizinischen Mythos sprechen, zeigen ihre eigenen Zahlen doch ein etwas anderes Bild.

Die Mayo Clinic, eine amerikanische gemeinnützige Krankenhausorganisation, führte 2005 einige hundert Versuche mit verschiedenen medizinischen Geräten und verschiedenen Mobiltelefonen durch. Immerhin: In 1,2 % der Fälle ergaben sich klinisch bedeutsame Störungen durch den Gebrauch der Handys im Krankenzimmer. Der Gebrauch von Handys im Krankenhaus ist also zu rund 99 % sicher. Europäische Studien zeigten zudem: Ist der Abstand vom Handy zum Medizingerät größer als einen Meter, ist eine Störung fast ausgeschlossen.

BMJ: Medical myths

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Eine englisch-amerikanische Forschergruppe der Cambridge Health Alliance untersuchte die Wirksamkeit von Akupunktur bei Armschmerzen, die durch monotone Tätigkeiten hervorgerufen werden.

Solche Schmerzen sind z.B. als Tennisellenbogen bekannt.

Akupunktur versus Scheinakupunktur

123 Patienten wurden per Los entweder einer Gruppe mit echter Akupunktur oder einer zweiten mit Scheinakupunktur zugeteilt.

Die Scheinakupunktur wurde mit sogenannten „Streitberger-Nadeln“ durchgeführt. Diese funktionieren wie ein Dolch im Theater oder einem Zauberkunststück: Die Spitze berührt die Haut, aber die Nadel dringt nicht ein, sondern schiebt sich teleskopartig zusammen. Der Patient hat also den Eindruck, er werde akupunktiert, die Nadel kann aber keine Akupunktureffekte auslösen, weil die Haut intakt bleibt.

Es wurden acht Behandlungen in 4 Wochen durchgeführt. Der Effekt der Behandlung wurde nach zwei, vier und acht Wochen beurteilt. Entscheidend für die Beurteilung war der Schmerz, aber auch Gesichtspunkte wie Beweglichkeit und Kraft beim Händedruck wurden berücksichtigt.

Weniger Schmerzen unter Placebo

Das Ergebnis der Untersuchung: Die Gruppe mit der Scheinakupunktur hatte nach vier Wochen weniger Schmerzen als die Gruppe mit der echten Akupunktur. Nach weiteren vier Wochen waren die Beschwerden in beiden Gruppen gleich.

Das Resultat spricht nicht dafür, dass Akupunktur bei Armbeschwerden wirksam ist.

Quellen

Acupuncture for Treatment of Persistent Arm Pain Due to Repetitive Use: A Randomized Controlled Clinical Trial, Zusammenfassung auf der Website: BioInfoBank Library

Zusammenfassung der Studie auf PubMed

The Clinical Journal of Pain, Ausgabe März/April 2008:

Acupuncture for treatment of persistent arm pain due to repetitive use: a randomized controlled clinical trial.

Goldman RH, Stason WB, Park SK, Kim R, Schnyer RN, Davis RB, Legedza AT, Kaptchuk TJ.
(Department of Medicine, Cambridge Health Alliance, Cambridge, UK)

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