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Archive for Mai 2008

Einen geringen, aber signifikanten Zusammenhang zwischen Parodontose und Krebserkrankungen fand eine britisch-amerikanische Forschergruppe jetzt heraus. Dieser Zusammenhang blieb auch bestehen, wenn man die bekannten Krebs-Risikofaktoren wie das Rauchen und die Ernährung herausrechnet.

Sehr wichtig ist diese statistische Korrektur vor allem für das Rauchen, weil Rauchen nicht nur die Krebsentstehung, sondern auch die Parodontose kräftig fördert. Umso erstaunlicher war es, dass auch bei „Nie-Rauchern“ der Zusammenhang zwischen der Zahl der durch Parodontose verlorenen Zähne und des Risikos für eine Krebserkrankung nachweisbar war.

Deutlich war der Zusammenhang insbesondere bei Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse, des blutbildenden Systems und der Niere, bei Rauchern auch der Lunge.

Die Ursache für die im Durchschnitt um 14 % höhere Rate an Krebserkrankungen ist unklar. Zeigt die Parodontose ebenso wie die Erkrankung an Krebs ein gestörtes Immunsystem an oder ist sie ein eigenständiger Krebsrisikofaktor ?

In diesem Fall wäre Zähneputzen eine effektive Art der Krebsvorbeugung!

Quelle

Zusammenfassung der Originalstudie in Lancet Oncology 2008; 9:550-558 (engl.)

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Die Polymorphe Lichtdermatose (PLD) ist eine sehr häufige, oft juckende, manchmal schmerzende Reaktion der Haut auf die ersten Sonnenstrahlen des Jahres.

Polymorph heißt vielgestaltig: Die PLD zeigt rote Flecken, Knoten (Papeln) und Bläschen, sie ist häufiger bei Frauen als bei Männern und sie beginnt meist im jungen Erwachsenenalter. Am häufigsten befällt sie den Hals- und den Brustausschnitt, die Arme und den Handrücken.

Das Sonnenekzem tritt einige Stunden bis hin zu einigen Tagen nach der ersten intensiven Sonnenbestrahlung des Jahres auf, es bessert sich auch ohne Therapie und verschwindet in der Regel nach sieben bis zehn Tagen, ohne Narben zu hinterlassen.

Kortisonhaltige Cremes und Lotionen lindern die Beschwerden, zur Vorbeugung wird Sonnenschutz, möglicherweise auch eine dosierte Bestrahlung der Haut mit UV-Strahlen zur Gewöhnung der Haut empfohlen.

PLD ist keine Allergie

Viele Patienten verwenden für die Erkrankung die Bezeichnung Sonnenallergie. Die PLD ist aber keine Allergie im engeren Sinne, sie bessert sich – im Gegensatz zu allergischen Erkrankungen – bei weiterer Einwirkung der Ursache, der Sonnenbestrahlung.

Häufigkeit: Jeder fünfte Schwede, jeder zehnte Amerikaner

Studien aus den Vereinigten Staaten zufolge leiden rund 10 % der Bevölkerung an einer PLD, in Schweden sollen es 21 % sein, in China nur 0,65 %. Frauen sind zwei bis dreimal häufiger als Männer betroffen, nach den Wechseljahren nimmt die Häufigkeit bei Frauen ab.

Eine sehr gründliche Studie aus China kommt zu dem Ergebnis, das die Symptome im Durchschnitt 5,8 Jahre anhalten, die durchschnittliche Dauer der Sonnenexposition betrug sechs Stunden am Tag.

Viele Patienten leiden jahrzehnte- manche lebenslang an der PLD.

Flecken, Papeln und Bläschen

Die Krankheit hat ihren Namen von der Vielfalt der Symptome, die im Einzelfall auftreten. Kleine Knötchen in der Haut (Papeln), rote Flecken und auch Blasen mit wässerigem Inhalt zeigen sich.

Ultraviolette Strahlung als Ursache

Die meisten Experten gehen davon aus, dass die kurzwellige UV-A-Strahlung , die tief in die Haut eindringt, für das Sonnenekzem verantwortlich ist. Bei einigen wenigen ist aber auch die langwelligere UV-B-Strahlung mit geringerer Eindringtiefe, die die Haut bräunt und ihr den Sonnenbrand beschert, der Übeltäter. Sehr selten kann das sichtbare Licht (UV-Strahlung ist für das menschliche Auge unsichtbar) sogar durch eine Fensterscheibe Symptome der PLD hervorrufen.

Es beginnt im Frühling, im Sommer wird es wieder besser

Die PLD beginnt meistens im Frühjahr, spätestens im Frühsommer, je nach Wetterlage. (Eine Urlaubsreise aus dem winterlichen Deutschland ins sonnige Südafrika verschiebt den Beginn der Krankheit natürlich, aber auch ein Sonnenbad in den Schweizer Alpen kann zum Sonnenekzem führen.)

Im weiteren Verlauf des Sommers (oder des Urlaubs) wird der Hautzustand immer besser, nach einiger Zeit ist nichts mehr zu sehen.

Die Erkrankung beginnt ganz plötzlich, dreißig Minuten bis hin zu mehreren Stunden nach der Einwirkung der Sonnenstrahlen. Betroffen sind meistens Hautbezirke, die im Winter von Kleidung bedeckt waren, manchmal generalisiert der Ausschlag und ist am ganzen Körper zu finden.

Die meisten Patienten klagen über Juckreiz, einige auch über Brennen und Schmerzen, andere haben das Gefühl, eine Grippe oder Erkältung zu bekommen.

Von Jahr zu Jahr wird der Ausschlag schlimmer.

Diagnose: Was könnte es sonst sein, was da juckt?

Nach dem Aussehen des Hautausschlags und der Vorgeschichte (Sonnenlicht auf bleiche Haut!) kann die Diagnose meistens leicht gestellt werden.

Es gibt eine Reihe anderer Hauterkrankungen, die der PLD ähneln und von ihr abgegrenzt werden müssen.

Lichturtikaria – „Lichtallergie“

Eine sehr seltene Erkrankung ist die Lichturtikaria. Trotzdem ist sie in aller Munde, weil verschiedene Anzeichen darauf hindeuten, dass die durch Freitod verstorbene Hannelore Kohl an dieser Krankheit gelitten haben könnte. Vor sechs, sieben Jahren glaubten viele Patienten in Deutschland, die Symptome der „Lichtallergie“ bei sich festgestellt zu haben. Die Lichturtikaria wird in der Laienpresse oft „Lichtallergie“ genannt, im medizinischen Sprachgebrauch hat sich diese Bezeichnung nicht durchgesetzt.

Der Begriff „Urtikaria“ leitet sich von der botanischen Bezeichnung für Brennesseln – Urtica – ab. In der Tat sieht ein Patient mit Urtikaria so aus wie einer, der in die Brennesseln gefallen ist. Bei der Lichturtikaria löst die UVA – Strahlung des Sonnenlichts diesen juckenden und brennenden Hautausschlag aus – sofort und sogar durch Fensterglas hindurch. Im Extremfall ist der Patient zu einem Leben hinter zugezogenen Vorhängen verdammt. Sobald die Haut bedeckt wird, klingt auch der Ausschlag wieder ab. Sowohl das schnelle Auftreten als auch das schnelle Abklingen sind wesentliche Unterscheidungsmerkmale zur PLD.

Hydroa vacciniforme

Sie tritt in einem Fall auf 200.000 Menschen auf, ist damit recht selten, sie führt zur Bildung von juckenden und brennenden Flecken, Knötchen und Blasen meist wenige Stunden nach Sonnenbestrahlung. Im Gegensatz zur PLD beobachtet man die Hydroa vacciniforme zum erstenmal im Kindesalter zwischen drei und 15 Jahren, ebenfalls im Gegensatz zur PLD hinterlassen die (oft auch im Gesicht auftretenden) Blasen Narben. Nach der Pubertät leiden nur noch wenige Patienten an der Krankheit.

Lupus – Ausschlag

Der Hautausschlag bei bestimmten Formen des Lupus erythematodes (LE) wird ebenfalls durch Sonnenlicht ausgelöst. Mit etwa 40.000 Erkrankten in Deutschland ist der LE ebenfalls eine seltene Erkrankung, die zu 90 % Frauen betrifft. Typischerweise kommt es zur Schmetterlingsröte (Schmetterlingserythem): Eine Rötung des Gesichts über beide Wangen mit einer Brücke über dem Nasenrücken ergibt die Form eines Schmetterlings.

Bei anderen Formen des LE entwickeln sich kleine Erhebungen, die schuppen und jucken. Bei wieder anderen erinnern die Symptome an eine Urtikaria, eine juckende Nesselsucht mit roten unregelmäßig geformten roten Ringen um ein blasses Zentrum.

Alle drei Hautveränderungen des LE können durch Sonnenlicht ausgelöst werden.

Medikamente und chemische Substanzen

Eine Reihe von Medikamenten wie bestimmte Antibiotika, aber auch chemische Substanzen, die in Sonnenschutzmitteln (!) und Kosmetika enthalten sind, können zu einer Überempfindlichkeit der Haut gegen das Sonnenlicht führen. Der resultierende Hautausschlag sieht der PLD oft sehr ähnlich.

Diagnose: Welche Prozeduren sind nötig?

Ist die Diagnose nicht auf den ersten Blick zu stellen, kann weitere Abklärung nötig werden. Die Blutuntersuchung oder die Entnahme von Proben aus der Haut können zur Klärung der Diagnose beitragen.

Die Bestrahlung einer kleinen Hautfläche mit einer UV-Lampe provoziert die Hautveränderungen, um sie diagnostisch weiter abklären zu können.

Therapie

Bei starkem Juckreiz helfen cortisonhaltige Cremes oder Lotionen. In schweren Fällen können auch sogenannte Antihistaminika wie sie auch zur Behandlung von Pollenallergien eingesetzt werden, helfen. Das schwerste Geschütz gegen den Juckreiz ist die innerliche Gabe von Kortison als Tabletten – allerdings sollte diese Therapie sehr schnell wieder abgesetzt werden, schließlich hat das PLD eine starke Tendenz zur Selbstheilung und Kortison bei längerer Anwendung erhebliche Nebenwirkungen.

Die betroffene Haut sollte vor weiterer Sonnenbestrahlung geschützt werden, am besten durch Kleidung.

An den Stellen (Hände!) und in den Situationen, wo eine Abdeckung durch Kleidung nicht möglich ist, können Sonnenschutzmittel vorbeugen. Es sollte nur Sonnenmilch oder Sonnencreme mit Schutzfaktor über 15 verwendet werden, die nicht nur gegen den Sonnenbrand-Auslöser UV-B, sondern auch gegen die UV-A-Strahlung schützt – schließlich ist sie in der Mehrzahl der Fälle verantwortlich für das Sonnenekzem.

Eine langsame Gewöhnung an die Sonne im Frühjahr kann dazu beitragen, dass der Ausschlag abgemildert wird – insbesondere in der Zeit zwischen 10 und 16 Uhr ist die UV-Strahlung am intensivsten.

Wer mitten aus dem mitteleuropäischen Winter in die Sonne will oder muss und an einer PLD leidet, der kann sich unter Umständen durch eine wohl dosierte ärztliche UV-Bestrahlung abhärten lassen.

Oft wird eine sechswöchige Einnahme von Beta-Carotin vor der Sonnenbestrahlung empfohlen. Gute wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit gibt es nicht. Die Einnahme von Beta-Carotin führte bei Rauchern zu einer Erhöhung der Lungenkrebsrate. Calcium Tabletten sind sicher unwirksam.

Links

Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft

DermIS: Bilder zur Diagnose

emedicine: Polymorphous Light Eruption

DermAtlas: Weitere Bilder zur Diagnose PLD

Mayo Clinic.com: Polymorphous light eruption

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Die Hand-Fuß-Mundkrankheit ist eine Viruskrankheit, an der überwiegend Kleinkinder und Grundschulkinder bis zum 10. Lebensjahr erkranken, die meist harmlos verläuft und einen Ausschlag mit Bläschen um den Mund herum, an den Innenseiten der Hände und den Fußsohlen hervorruft. Seit April 2008 werden vermehrt Fälle aus China und Vietnam mit Dutzenden von Todesfällen berichtet. Warum diese Erkrankung offensichtlich zur Zeit in diesen Ländern so schwer verläuft, ist noch ungeklärt.

Erreger

Der Erreger der Krankheit sind Viren aus der Gruppe der Enteroviren, zu denen z.B. auch der Erreger der Kinderlähmung gehört. Die häufigsten Erreger sind der Coxsackie Virus 16 und der Enterovirus 71, der jetzt auch für die Epidemie in Asien verantwortlich zu sein scheint.

Symptome

Die Krankheit beginnt meist mit mäßigem Fieber, Halsschmerzen und einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Ein bis zwei Tage nach Beginn des Fiebers entsteht der Ausschlag mit roten Flecken im Mund, um den Mund herum, an den Innenseiten der Hände und den Fußsohlen, manchmal auch auf dem Gesäß. Auf den roten Flecken entwickeln sich nach kurzer Zeit Bläschen, aus den Bläschen entwickeln sich im Mund auch kleine Geschwüre. Manche Patienten zeigen keine Bläschen, sondern nur rote Flecken und Geschwüre im Mund.

Die meisten Kinder sind nach gut einer Woche wieder gesund. In seltenen Fällen kann es zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) kommen. Vor allem bei Infektionen mit dem Enterovirus 71 kommt es auch zu der weitaus schwereren Komplikation einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis), die in manchen Fällen tödlich verläuft.

Übertragung

Die Hand-Mund-Fußkrankheit ist nur mäßig ansteckend. Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt – die Bläschen enthalten Viren – und durch Tröpfcheninfektionen mit virushaltigem Speichel. Auch im Stuhl sind Viren zu finden, Übertragungen durch Schmierinfektionen sind daher möglich. (Bis zu 70 % der Infizierten erkranken nicht, sie können dennoch das Virus mit dem Stuhl ausscheiden.)

Vorbeugung und Behandlung

Eine Behandlung ist nicht bekannt.

Zur Vorsicht sollten Kinder mit einem Ausschlag den Kindergarten oder die Schule nicht besuchen. Allerdings scheiden viele Kinder den Virus auch nach der Gesundung mit dem Stuhl aus, die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist vermutlich das gründliche Händewaschen nach dem Besuch der Toilette.

Quellen

Centers for Disease Control:
Hand, Foot, & Mouth Disease

Robert Koch-Institut Berlin: Zum Ausbruch von Hand-, Fuß- und Mundkrankheit in Südostasien durch Enterovirus 71

Weitere Abbildungen zur Hand-Mund-Fußkrankheit auf DermIS

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