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Archive for Juni 2008

Die Strahlung der Sonne ist für den Menschen nur zum Teil sichtbar. Neben dem sichtbaren Sonnenlicht enthält sie die unsichtbare Ultraviolett- und die ebenfalls unsichtbare Infrarotstrahlung.

Die UV-Strahlung hilft dem Menschen, Vitamin D herzustellen und bräunt die Haut.

Sie verursacht Sonnenbrand, läßt die Haut schneller altern und steigert das Risiko für Hautkrebs. UV-Strahlung fördert die Entstehung eines Grauen Stars am Auge und schwächt das Immunsystem.

Aufgrund der Abnahme der Ozonschicht und der veränderten Freizeitgewohnheiten werden immer mehr Menschen einer immer höheren UV-Dosis ausgesetzt. Ein Resultat: Die Hautkrebsraten steigen rapide.

UV-A, UV-B und UV-C

Je nach Energie und Wellenlänge wird die UV-Strahlung in drei Bereiche unterteilt. Die energiereichste (und kurzwelligste) UV-C-Strahlung erreicht die Erde nicht, sie wird vollständig von der schützenden Erdatmosphäre verschluckt. Die UV-B-Strahlung ist weniger energiereich, sie wird zu 90 % von der Atmosphäre gefiltert. Die energieärmste UV-A-Strahlung ist auch die mit der größten Wellenlänge, sie kommt vollständig auf der Erdoberfläche an.

UV-Strahlung: Stärker im Somer und in Richtung Äquator

Wie stark die UV-Strahlung beim Weg durch die Atmosphäre verschluckt wird, hängt von vielen Faktoren ab. Um in Deutschland auf den Erdboden zu gelangen, müssen die Sonnenstrahlen einen schrägen Weg durch die Atmosphäre nehmen – im Sommer ist der Weg steiler und dementsprechend kürzer als im Winter. Je näher man dem Äquator kommt, um so steiler ist der Winkel, in dem die Sonnenstrahlen auf den Erdboden fallen, um so kürzer ist ihr Weg und um so geringer wird die UV-Strahlung abgeschwächt. Den kürzesten Weg von der Sonne zur Erde nehmen die Sonnenstrahlen direkt am Äquator – die UV-Strahlung ist hier am stärksten.

Aus dem gleichen Grund ist die UV-Strahlung am stärksten in den Mittagstunden zwischen 11 und 15 Uhr.

Auch Wolken am Himmel filtern UV-Strahlung.

Ozon“loch“: Immer mehr UV kommt durch

Durch die Verringerung der Ozon-Konzentration in 15 bis 35 km Höhe kommt es auch in Deutschland zu einer Zunahme der UV-(B)-Strahlung, weil das Ozon in der Erdatmosphäre wichtig für die Filterung des Sonnenlichts ist. Die UV-Strahlung in Deutschland stieg vor allem im Frühjahr und Frühsommer besonders steil an – gerade zu der Zeit, wo die Haut der Menschen besonders empfindlich ist, weil sie sich noch nicht abhärten konnte.

Die Ozonkonzentration in der Atmosphäre über Deutschland ist seit 1968 um 10 % gesunken, die Stärke der UV-B-Strahlung hat seitdem um 15 % zugenommen. Die Zerstörung der Ozonschicht ist Folge der Freisetzung von FCKW aus Treibmitteln in Sprays und Kühlmitteln. Selbst nach dem weitgehenden Verbot der FCKW-Produktion wird sich die Ozonkonzentration in diesem Jahrhundert vermutlich nicht mehr normalisieren.

Künstliches UV: Solarien und Schreibtischlampen

UV-Strahlung kommt nicht nur vom Himmel, sie wird auch künstlich erzeugt. In Solarien wird überwiegend UV-A-Strahlung eingesetzt, die die Haut ohne Sonnenbrand bräunen soll. UV-A ist aber keineswegs unschädlich für die Haut: Es dringt tiefer in die Haut ein als UV-B-Strahlung, begünsigt die Hautalterung und wird nach neueren Forschungsergebnissen in Zusammenhang gebracht mit der Enstehung des besonders bösartigen „schwarzen Hautkrebs“. Die UV-A-Strahlung der Sonnenstudies trägt auch nur wenig bei zur Bildung der sogenannten Lichtschwiele, durch die sich die Haut vor der Sonne schützt. Als Abhärtungsmaßnahme vor dem Urlaub sind daher Sonnenstudios ebenfalls wenig geeignet.

Auch Halogenstrahler z.B. in Schreibtischlampen produzieren UV-Strahlung. Im Nahabstand von weniger als 60 bis 30 cm können diese Lampen durchaus eine gesundheitliche Gefährdung darstellen, sie müssen aus diesem Grunde einen Schutzfilter aus Glas tragen.

Wie die Sonne die Haut schädigt

  • Die Bräune der Haut nach dem Sommerurlaub wird oft als ein Indiz für die gute Erholung angesehen. In Wirklichkeit, das weiß man heute, ist die Bräunung bereits ein erstes Anzeichen der Schädigung durch UV-B-Strahlung: die vermehrte Produktion von Melanin, dem dunklen Hautpigment,  entsteht als Folge vermehrter Mutationen in den Zellkernen der Melanin produzierenden Zellen, den sogenannten Melanozyten. Durch den gleichen Mechanismus entsteht aber auch der Hautkrebs.Die vermehrte Produktion von Farbstoff stellt einen Versuch der Haut dar, sich vor der UV-Strahlung zu schützen. Ein weiterer Mechanismus ist eine Verdickung der Hornschicht, die Bildung der sogenannten Lichtschwiele. Durch beide Schutzmaßnahmen kann sich die Empfindlichkeit der (weißen) Haut erheblich (bis hin zu 50fach) verringern.
  • Das Immunsysten des Menschen wird durch UV-Strahlung geschwächt. Dies ist heute sehr gut wissenschaftlich belegt. Für die Hypothese, dass mit geringerer Dosis eine Steigerung der Immunabwehr verbunden ist, fehlen Belege. (Sonniges Wetter löst oftmals eine gehobene Stimmung aus. Eine Stimmungsverbesserung ist immer auch eine Immunstärkung, die aber nicht auf der UV-Strahlung beruht, sondern trotz der UV-Strahlung auftritt.) Das beste Indiz für die Schächung des Immunsystems ist das gehäufte Auftreten von Herpesbläschen an der Lippe nach einem ausgedehnten Sonnenabd: Das Aufflackern einer latent im Körper vorhandenen Herpesinfektion ist ein deutliches Zeichen für eine geschwächte Immunabwehr.
  • UV-Strahlung lässt die menschliche Haut schneller altern. Die Elastizität geht durch Zerstörung der Kollagenfasern verloren, die Haut wird runzelig.
  • Vor allem UV-A-Strahlung führt zur Polymorphen Lichtdermatose (Sonnen“allergie“, Sonnenekzem), einer Erkrankung, die im Frühsommer immer häufiger auftritt.
  • Sonnenbrände werden in erster Linie durch UV-B-Strahlung hervorgerufen. Gehäufte Sonnenbrände im Kindes- und Jugendalter stellen einen erheblichen Risikofakto für die Entwicklung eines schwarzen Hautkrebses (des malignen Melanoms) im späteren Lebensalter dar.
  • Der „weiße Hautkrebs“ hängt direkt mit der Menge an Sonne zusammen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens „getankt“ hat. Wie der schwarze nimmt auch der weiße Hautkrabs in allen westlichen Industrieländer in den letzten Jahrzehnten rapide zu. In Australien, einem Land, in dem eine vorwiegend weiße Bevölkerung einer hoher UV-Bestrahlung ausgesetzt ist, liegt die Rate zehnmal so hoch wie in Europa.
  • Wie der weiße Hautkrebs, so hängt auch der graue Star, die Linsentrübung (Katarakt), direkt von der Lebenszeitdosis an UV-Strahlung ab. Die amerikanische Umweltbehörde schätzt, dass die Zahl der Katarakte um 0,3 bis 0,6 % steigt, wenn die Ozonkonzentration der Atmosphäre um 1 % abnimmt.

Nicht jede Haut ist gleich empfindlich


Der Hauttyp entscheidet, wie empfindlich ein Mensch auf die Sonne reagiert. Hautkrebs und Sonnenbrand sind eine sehr seltene Erscheinung bei den Einwohnern Afrikas und den Ureinwohnern Australiens. Schwarze Haut wird dem Hauttyp VI zugerechnet, während der empfindlichste Hauttyp I einen hellen Teint, rote Haare, helle (blaue) Augen und viele Sommersprossen aufweist. Hauttyp I ist am anfälligsten für Sonnenbrand – braun wird er nie – und Hautkrebs. Typ II ist blond, mit blauen oder grünen Augen. Er wird braun, aber nur langsam – auch er ist noch recht anfällig für die schädlichen Auswirkungen der Sonne. Hauttyp III ist da schon besser dran: Er kann ungberäunt schon fast eine halbe Stunde in der prallen Sonne ohne Sonnenbrand verbringen (zum Vergleich: Hauttyp I: 10 Minuten, Typ II 20 Minuten). Der Hauttyp III ist dunkelblond und hat braune Augen. Noch weniger anfällig ist der Hauttyp IV (dunkle Haare/braune Augen) , er kann er die Sonne (ungewöhnt) 40 Minuten ohne Sonnenbrand ertragen. Typ V entspricht dem arabischen/indischen Hauttyp, seine Haut kann 60 Minuten oder mehr der Sonne trotzen, ohne dass sie sich schmerzhaft rötet.

Die Mehrzahl der Deutschen (über 70 %) lassen sich dem Hauttyp III zuordnen. Die Einteilung in Hauttypen sollte nicht schematisch verwendet werden – die Grenzen sind fließend, Haar- und Augenfarbe Indizien, aber keine Beweise für die Empfindlichkeit gegenüber der UV-Strahlung.

Wie stark brennt die Sonne heute? – Der UV-Index

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagt jeden Tag voraus, wie stark die Sonne die Haut schädigen, wie stark also die UV-Strahlung auf der Erdoberfläche sein wird. Hierzu verwendet er den international akzeptierten UV-Index als Maß. In Deutschland schwankt dieser Index zwischen 0 und 8, im Extremfall erreicht er auch schon mal 9, in den Tropen liegt er zwischen 6 und 13, auf den Gipfeln der Anden können es auch schon mal 16 sein.

Ab einem UV-Index von 3 ist Sonnenschutz für den Menschen zu empfehlen, ab einem Index von 8 sollte man den Aufenthalt im Freien am besten völlig vermeiden.

Schutz vor der Sonne

Der beste Sonnenschutz ist der Schatten. Aber auch der ist nicht vollständig: Immer noch 50 % der UV-Strahlung wirkt auch dort. Besser als Sonnenschutzcreme wirken (blick)dichte Textilien, ergänzt durch einen Hut mit breiter Krempe und einer Sonnenbrille, die UV-Strahlen effektiv absorbiert.

Vor allem bei hohem UV-Index sollte die Sonne zwischen 11 und 15 Uhr gemiedern werden: In dieser Zeit ist die UV-Strahlung am intensivsten.

Sonnencremes schützen, aber nur wenn sie richtig verwendet werden. Häufig werden sie zu dünn aufgetragen oder der Auftrag wird nach dem Baden nicht erneuert. Der Lichtschutzfaktor (LSF) gibt an, wie gut die Haut gegen UV-B-Strahlung geschützt wird. Ein Lichtschutzfaktor von 10 verzehnfacht die Zeit, die man ohne Sonnenschutzmittel UV-B-Strahlung ohne Sonnenbrand ertragen kann. Die Schutzwirkung gegen UV-A wird mit dem Lichtschutzfaktor nicht erfasst! Dennoch sollte man beim Kauf einer Sonnencreme auf den UV-A-Schutz achten, Hautalterung, Sonnenekzem und Förderung des schwarzen Hautkrebses gehen schließlich auf Kosten dieses Anteils der Sonnenstrahlung.

Quellen und Links

Bildnachweis

Pixelio.de: Sonne im Sand, Pixelio.de: Sonnenbrand, Pixelio.de: Sonnenuntergang; Krebsliga der Schweiz: Hauttypen

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Zu heftigen Diskussionen zwischen den Gesundheitspolitikern der regierenden Koalition und den Vertretern der organisierten Ärzteschaft kam es in den letzten Tagen zum Thema Ärztezahlen in Deutschland.

Ärztestatistik 2007

Wie jedes Jahr hatte die Bundesärztekammer die Ärztestatistik für das Jahr 2007 vorgelegt. Das Ergebnis in Kürze:

  • Ende 2007 waren in Deutschland rund 414.000 Ärzte bei den Ärztekammern gemeldet, das sind 1,4 % mehr als im Vorjahr, 315.000 sind als Arzt berufstätig.
  • Rund 2400 Ärzte haben Deutschland im Jahre 2007 verlasen, 77 % davon waren Deutsche, 23 % Ausländer. Am liebsten wanderten die deutschen Ärzte in die Schweiz aus, gefolgt von Österreich und den USA.
  • Die Zahl der nach Deutschland zugewanderten ausländischen Ärzte stieg um 921 oder 4,7 % auf rund 20.000 Ärzte, die meisten kamen aus Österreich, Rumänien, Griechenland und der Slowakei, den größten Anteil am Bestand stellen die Ärzte aus der ehemaligen Sowjetunion.
  • Der Anteil der weiblichen Mitglieder des ärztlichen Berufsstandes nimmt weiter zu: 2007 zählte die Bundesärztekammer 42,4% Ärztinnen, 1996 lag ihr Anteil an der Gesamtärzteschaft nur bei 38 %.

Ulla Schmidt: „Noch nie so viele Ärzte“

Die Bundesminsterin für Gesundheit, Ulla Schmidt, rechnete in einem Brief an die Abgeordneten der Großen Koalition die Abwanderung der deutschen Ärzte ins Ausland mit der Zuwanderung ausländischer Ärzte nach Deutschland auf. Sie sieht insgesamt kein Problem mit der ärztlichen Versorgung in Deutschland, zumal die Zahl der Ärzte insgesamt so hoch liege wie noch nie.

Prof. Hoppe: „Vorhergesagter Ärztemangel längst Wirklichkeit“

Der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Hoppe, verweist in seinem Kommentar auf die Tatsache, dass in den östlichen Bundesländern jede zweite freie Arztstelle im Krankenhaus nicht mehr besetzt werden könne, in den westlichen sei es jede vierte.

„Hausärzte fehlen auf dem Land im Norden und im Osten“

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Köhler, wies vor allem auf die Überalterung der niedergelassenen Ärzteschaft und die jetzt schon bestehende Unterversorgung mit Hausärzten auf dem Lande in Nord- und Ostdeutschland hin.

Marburger Bund: „Volkswirtschaftlicher Irrsinn“

Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke, meinte, dass die Sprachprobleme einem uneingeschränkten Einsatz ausländischer Ärzte in Deutschland entgegenstünden.

„Es ist schlicht volkswirtschaftlicher Irrsinn, für ein Medizinstudium hierzulande rund 250.000 Euro an Steuergeldern aufzuwenden, um die hier teuer und sehr gut ausgebildeten Ärzte dann mit schlechten Arbeitsbedingungen ins Ausland zu vertreiben“, sagte Henke nach einer Meldung des Deutschen Ärzteblattes.

Quellen

Bundesärztekammer: Ärztestatistik 2007

Tagesspiegel: Ärzte wandern aus

Deutsches Ärzteblatt: „Marburger Bund fordert bessere Arbeitsbedingungen gegen Ärzteflucht“

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Beim Menschen treten im wesentlichen drei Arten von Hautkrebs auf: Das Basaliom, das Spinaliom und das Maligne Melanom.

Das Basaliom: Der häufigste und der gutartigste Hautkrebs

Die weitaus häufigste Form ist das Basaliom. Das Basaliom, auch Basalzellkarzinom genannt, tritt zu 80 % im Bereich von Kopf und Hals auf. Besonders häufig betroffen sind ältere Menschen. Hellhäutige haben ein größeres Risiko als dunkelhäutige, rothaarige ein größeres als Menschen mit brauner Haarfarbe. Neben erblicher Veranlagung und einigen krebserregenden Substanzen wie Arsen spielt vor allem die ultraviolette Strahlung durch die Sonne (und Solarien) die größte Rolle bei den Ursachen.

Die genaue Häufigkeit des Basalioms in Deutschland ist nicht bekannt. Sie wird geschätzt auf 50 bis 100 Neuerkrankungen im Jahr pro 100 000 Einwohner. Die Häufigkeit nimmt in der ganzen westlichen Welt zu, das Erkrankungsalter sinkt – es sind immer mehr und immer jüngere Menschen betroffen. Zurückgeführt wird dies meistens auf die veränderten Freizeitgewohnheiten: vermehrtes Sonnenbaden mit viel nackter Haut und Solariumsbesuch.

Das Basaliom entwickelt praktisch nie Metastasen (Tochtergeschwülste). Man stirbt in der Regel nicht an einem Basaliom. Lokal wächst der Tumor zwar zerstörend, er frißt sich immer tiefer durch alle Schichten des Gewebes – ist er aber einmal entfernt, so ist der Patient in der Regel geheilt. Leider ist es oft schwer, ihn im Gesicht zu entfernen, weil dort an vielen Stellen nur wenig „überschüssige“ Haut zur Verfügung steht. Eine rechtzeitige Erkennung des Tumors macht die Operation, die meist ambulant in loakaler Betäubung durchgeführt wird, erheblich einfacher.

An zweiter Stelle: Das Spinaliom, der „Stachelzellenkrebs“

Das Spinaliom wird auch Stachelzellenkrebs, Plattenepithel– oder Spindelzellkarzinom genannt und ist der zweithäufigste Hautkrebs in Deutschland, es sollen rund 25 bis 30 Menschen pro 100 000 Einwohner jedes Jahr an diesem Tumor erkranken. Auch das Spinaliom ist ein recht gutartiger Krebs – er metastasiert spät und selten, aber er verläuft etwas bösartiger als das Basaliom.

Am häufigsten ist das Spinaliom am Kopf zu finden, z.B. an der Unterlippe, auf der Glatze, an der Ohrmuschel oder auf der Stirn. Männer sind doppelt so häufig betroffen wie Frauen, das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 70 Jahren. Wie auch beim Basaliom besteht ein eindeutiger Zusammenhang mit der Hautschädiung durch die Sonne.

Manchmal tritt das Spinaliom aber auch an Stellen auf, die selten von der Sonne beschienen werden: an den äußeren Schamlippen zum Beispiel, an der Eichel des Penis oder in der Mundschleimhaut. Diese Spinaliome verlaufen in der Regel bösartiger, die Humanen Papillomviren (HPV) sollen eine Rolle bei ihrer Entstehung spielen.

Der seltenste, aber der bösartigste Hautkrebs: Das maligne Melanom

Der weitaus seltenste Hautkrebs ist der sogenannte schwarze Hautkrebs oder das Maligne Melanom. Das Maligne Melanom tritt jährlich bei rund 12 Menschen von 100 000 Einwohnern auf, die Sterblichkeit beträgt bei Männern 2,6 pro 100.000 und bei Frauen 1,6 pro 100 000 und Jahr.

Im Gegensatz zu den beiden anderen Hautkrebsarten, die auch als „weißer Hautkrebs“ zusammengefaßt werden, metastasiert der schwarze Hautkrebs sehr viel früher und häufiger. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt weitaus niedriger als beim schwarzen Hautkrebs – Mittfünfziger sind am häufigsten betroffen, Melanome finden sich aber auch schon bei jungen Erwachsenen, 2 % aller Erkrankten sind jünger als 20 Jahre.

Auch bei der Enstehung des malignen Melanoms spielt die UV-Strahlung eine große Rolle: Sowohl die Anzahl der Sonnenbrände in der Kindheit als auch die gesamte UV-Belastung der Haut im Laufe des Lebens sind Risikofaktoren. (Das Melanom entsteht  weitaus häufiger als der weiße Hautkrebs an Stellen des Körpers, die nicht oder nur wenig dem Sonnenlicht ausgesetzt waren.)

Aber auch Menschen mit sehr vielen Muttermalen und solche mit mehreren sehr großen und sonst auch ungewöhnlich aussehenden Muttermalen tragen ein erhöhtes Risiko.

Auch der schwarze Hautkrebs ist, wenn er rechtzeitig erkannt wird, mit einer einfachen Operation – der Entfernung des Tumors – zu heilen. Schwierig wird die Behandlung, wenn er bereits Tochergeschwülste gebildet hat – dann sind z.B. Chemotherapie, Immuntherapie und Bestrahlung notwendig, die Aussicht auf Heilung ist drastisch reduziert.

Ab 1. Juli 2008 gibt es eine neue Hautkrebsvorsorge

Zusammengefaßt gilt für alle drei Hautkrebsarten: Hautkrebs ist in 100 % der Fälle durch eine einfache, ambulant durchzuführende Operation heilbar, wenn er früh genug erkannt wird.

Ab dem 1. Juli 2008 wird eine flächendeckende Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebs in Deutschland eingeführt. Diese Untersuchung wird für alle gesetzlich Krankenversicherten angeboten, die älter als 35 Jahre sind, sie sollte alle zwei Jahre wiederholt werden.

Die Hautkrebsvorsorge wird von speziell geschulten Hausärzten und Dermatologen durchgeführt. Bisher haben 10 000 der 45 000 Hausärzte die vorgeschriebenen Kurse besucht.

Bei der Untersuchung wird die gesamte Haut von Kopf bis Fuß inspiziert , für die Versicherten ist die Teilnahme kostenlos.

Quellen und weiterführende Links

P. Altmeyer: Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie, Umweltmedizin, Online Version, Stichworte: Melanom, malignes; Basalzellkarzinom; Karzinom, spinozelluläres

Hautkrebs-Screening.de

Krebsinformationsdienst.de – Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums für Patienten, hier zum Theam Hautkrebs

Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention zum Thema Hautkrebsscreening

Das Robert Koch-Institut in Berlin zum Thema Häufigkeit von Hautkrebs

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Kaffeetrinken schadet vielleicht dem Schlaf, aber nicht der Gesundheit. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Esther Lopez-Garcia und Mitarbeiter von der Universität Madrid jetzt vorlegten.

Sie werteten dabei die Daten zweier großer amerikanischer Studien aus: Die Nurses‘ Health Study untersuchte 84.214 Krankenschwestern, die Health Professionals Follow-up Study 41.736 männliche Angehörige der Gesundheitsberufe. In der spanischen Studie wurden die Antworten zum Kaffeekonsum herangezogen, die die Teilnehmer in der Zeit von 1980 bis zum Jahre 2004 auf die Befragung im Zweijahresrhythmus angaben.

Die Höhe des Kaffeekonsums wurde in Beziehung gesetzt zur Sterblichkeit. Und siehe da: Die Sterblichkeit sank sogar mit der Höhe des Verbrauchs ab! In der Gruppe mit dem höchsten Konsum (6 Becher am Tag) fanden die Untersucher die geringste Sterblichkeit. Vor allem die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Leiden war geringer, während die Rate der tödlichen Krebserkrankungen denen der Kaffee-Verächter entsprach.

Die Unterschiede sind insgesamt gering. Sie reichen aber sicher dazu aus, allen unseren Patienten, die Kaffee vertragen, ihr Lieblingsgetränk auch zu gestatten, auch solchen mit hohem Blutdruck beispielsweise.

Menschen, die bisher noch nie Kaffee getrunken haben, sollten jetzt nicht unbedingt damit anfangen – diese Schlußfolgerung kann aus der Studie nicht gezogen werden. Es ist durchaus denkbar, dass eine dritte, unbekannte Variable im Spiel ist, die sowohl den Kaffeekonsum als auch das längere Überleben fördert.

Quellen

Annals of Internal Medicine, 17 June 2008 | Volume 148 Issue 12 | Pages 904-914, The Relationship of Coffee Consumption with Mortality, (Zusammenfassung auf Englisch)

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Warzen sind gutartige Hauttumore, die durch Viren hervorgerufen werden.
Die verantwortlichen Viren gehören zu den Humanen Papillomviren (HPV), von denen rund 100 Untertypen bekannt sind.

Warzen sind ansteckend, die Viren werden von Mensch zu Mensch übertragen, aber auch von einer Hautstelle zu einer anderen bei ein- und demselben Menschen. Die Inkubationszeit schwankt zwischen einem bis acht Monaten, im Extremfall bis zu 20 Monaten.

Gewöhnliche Warze: Verruca vulgaris

Je nachdem, wie sie aussehen und wo sie auftreten, erhalten die Warzen unterschiedliche Bezeichnungen. Die häufigste Warze ist die gewöhnliche Warze (Verruca vulgaris), die vor allem bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr häufig an den Händen und Füßen auftritt.

Wie sehen Warzen aus?

Gewöhnliche Warzen sind 2 bis 8 mm große Knötchen, sie stehen manchmal alleine, manchmal in Gruppen und sie sind hautfarben oder grau-gelb. Die Oberfläche ist eigentümlich zerklüftet. Das Aussehen ist so typisch, dass man andere Hautveränderungen in der Dermatologie als verrucös – warzenähnlich – beschreibt.

Manchmal schon an der Oberfläche sichtbar, bei stärkerer Verhornung erst in der Tiefe der Warze sind kleine schwarze Punkte zu finden, die von punktförmigen Einblutungen herrühren.

Warzen mit Stiel, flache Warzen

An bestimmten Körperstellen wachsen gewöhnliche Warzen deutlich anders als an Händen und Füßen – in der Nasenschleimhaut z.B. haben sie lange Stiele, an der Lippe sind sie ganz flach.

Warzen an der Fußsohle heißen Dornwarzen

Unter dem Fuß, an der Fußsohle, können Warzen nicht nach außen wachsen. Durch den ständigen Druck des Körpergewichts werden sie zu einem Wachstum nach innen gezwungen. Das Laufen kann durch diese Dornwarzen (Verrucae plantares) schmerzhaft werden.

Sonderfall: Feigwarzen

Im Genitalbereich und rund um den After wachsen bei Mann und Frau gewöhnliche Warzen als Feigwarzen, die auch als Genitalwarzen, Kondylome oder medizinisch als Condylomata acuminata bezeichent werden. Feigwarzen gehören zu den sexuell übertragbaren Krankheiten, sie unterscheiden sich in der Behandlung von den Warzen an anderen Regionen des Körpers.

Dellwarzen: Keine gewöhnlichen Warzen

Nicht zu den gewöhnlichen Warzen zählen die vor allem bei Kleinkindern auftretenden Dellwarzen (Mollusca contagiosa). Sie werden nicht von den Humanen Papillomviren, sondern von den Mollusca Contagiosa Viren (MCV) aus der Gruppe der Pockenviren hervorgerufen. Auch ihre Therapie ist grundlegend anders als die der gewöhnlichen Warze.

Behandlung der gewöhnlichen Warze: Hohe Rate von Spontanheilungen

Gewöhnliche Warzen sind eine sehr häufige Erkrankung mit einer sehr hohen Rate an Spontanheilung. Leider fehlen wirklich aussagekräftige Studien über die exakte Häufigkeit und über den Prozentsatz der Warzen, die ohne jede Behandlung von alleine verschwinden.

Schätzungen besagen aber, dass mehr als dreiviertel aller Menschen in Deutschland irgendwann in ihrem Leben meist in der Kindheit, eine Warze hatten. Weiterhin sollen etwa 65 % alle Warzen nach zwei Jahren ohne Therapie verschwunden sein.

Diese hohe Rate an Spontanheilungen macht es schwer, verschiedene Therapieverfahren hinsichtlich ihrer Wirksamkeit zu beurteilen: War nun die Therapie oder der Zufall verantwortlich für das Verschwinden der Warze?

Für die Behandlung folgt, dass die Verfahren nie so eingreifend sein sollten, dass sie zu Narben oder anderen Komplikationen führen. Operationen sind nach Möglichkeit zu vermeiden, konservative Verfahren oder die Spontanheilung abwarten, das sind bessere Optionen.

Hausmittel: Schlecht untersucht, oft Placeboeffekt wahrscheinlich

Für die Behandlung der Warzen existiert eine Reihe von Hausmitteln. Sie sind zwar nie auf ihre Wirksamkeit hin wissenschaftlich untersucht worden, die hier angeführten sind aber allesamt völlig unschädlich und daher einen Versuch wert.

Ein Placeboeffekt liegt wahrscheinlich vor, wenn Warzen durch Besprechen verschwinden oder dadurch, dass in einer Vollmondnacht eine Schnecke darüber kriecht.

Auch normale Schulkreide, zerrieben und mit einem Pflaster fixiert, ist sicher unschädlich. In die gleiche Kategorie gehört das Betupfen mit Zitronensaft oder einer Mischung aus Salz und Essig (mehrfach täglich).

Auf die gleiche Weise soll Holunderbeersaft, der weiße Saft aus den Blütenstängeln des Löwenzahns oder der Saft des Schöllkrauts sowie frischer Knoblauch wirken.

Vom Teebaumöl ist eher abzuraten, zu häufig sieht man schwere Allergien nach der Anwendung.

Bananenschale: Die weiße Seite zur Haut geklebt

Vor allem bei Kindern scheint nach Einzelbeobachtungen die Bananenschale zu helfen. Ein Stückchen der Schale (möglichst Biobanane verwenden) wird mit der weißen Seite auf die Warze geklebt, z.B. mit Leukoplast®. Nach 24 Stunden wird der Verband erneuert, aufgelöste Warzenbestandteile werden vorher vorsichtig mit einem stumpfen Gegenstand oder einem Bimsstein entfernt.

Höllenstein: Silbernitrat ätzt und macht schwarze Flecken

Silbernitrat (Argentum nitricum) ist als Höllensteinsteinstift in der Apotheke frei erhältlich. Mit ihm kann man Warzen verätzen. Aber Vorsicht: der Stift macht schwarze Flecken – in der Haut, in der Kleidung und anderswo. Für Warzen an den Händen ist er also vielleicht nicht so das Mittel der Wahl.

Der Höllensteinstift trägt eine Wachsbeschichtung, die vor der ersten Anwendung an der Spitze mit einem scharfen Messer vorsichtig entfernt werden muss. Die Wirkung tritt erst auf, wenn etwas Wasser vorhanden ist, die Spitze muss etwas angefeuchtet werden – am besten indem der Stift in einem Glas Wasser eingetaucht wird (auch hier: Vorsicht Flecken!).

Am besten untersucht: Salicylsäure

Am besten untersucht sind Behandlungen mit Salicylsäure, die rezeptfrei als Pflaster und Tinkturen erhältlich sind. Die Erfolgsraten liegen bei 73 %, in den Kontrollgruppen mit Placebo oder ohne Behandlung bei 48 %.

Ebenfalls gut untersucht sind Präparate, die aus einer Kombination von Salicylsäure und Fluorouracil (z.B. Verrumal®) bestehen.

Cremes, die eine Kombination aus Dithranol und Salicylsäure enthalten, erwiesen sich in einer Studie ebenfalls als wirksam.

Nach Möglichkeit sollten die obersten Schichten der Warze zu Beginn und im Verlauf der Behandlung immer wieder – möglichst unblutig – abgetragen werden. Das Aufweichen der Warze durch ein warmes Fußbad erleichtert die Entfernung der obersten Hornschicht, durch die die Warze immer wieder vor dem Einwirken des Medikaments geschützt wird. Auch eingetrocknete Reste des aufgetragenen Medikaments müssen nach Möglichkeit entfernt werden, bevor neuer Wirkstoff aufgetragen wird.

Bei jeder Warzenbehandlung ist Geduld erforderlich

Die Reaktion auf die Behandlung setzt sehr langsam ein, zwar ist die Zeitdauer im Einzelfall sehr unterschiedlich, aber vor zwei Monaten ist in der Regel kein Erfolg zu erwarten.

Imiquimod (in Deutschland als Aldara® Creme im Handel) scheint wirksam zu sein, angesichts des sehr hohen Preises und der dürftigen Beweislage kommt es heute eher bei der Behandlung der ansonsten schwierig zu behandelnden Feigwarzen zum Einsatz.

Etwas schmerzhaft: Laser und Vereisen

Schmerzhaft ist das Vereisen mit flüssigem Stickstoff oder eine Behandlung mit dem Kohlendioxid- oder Farbstoff-Laser, manchmal ist eine Lokalanästhesie erforderlich. Die Behandlung mit dem Laser ist sehr teuer und nicht eindeutig den anderen Verfahren überlegen. Er kommt in erster Linie zum Einsatz, wenn die sehr hartnäckigen und manchmal schmerzhaften Warzen der Fußsohle jeder anderen Behandlung trotzen.

Operation: Narben und Rückfallgefahr

Eine chirurgische Behandlung mit tiefer Ausschneidung der Warzen wird heute meist abgelehnt. In bis zu 80 % der Fälle kommen die Warzen wieder, es entstehen Narben, die vor allem an den Fußsohlen ein Leben lang Beschwerden bereiten können.

Vorsicht – Verwechselungsgefahr

Viele andere Hauterkrankungen, darunter auch bösartige, können für den Laien so aussehen wie Warzen. Im Zweifelsfall suchen Sie daher immer ihren Hausarzt auf. Kann er die Diagnose nicht auf den ersten Blick stellen, wird er eine Probe entnehmen oder Sie zu einem Spezialisten (Hautarzt) überweisen.

Quellen und weiterführende Links

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Eine gestern im British Medical Journal veröffentlichte englische Studie zeigt eine hohe Komplikationsrate beim Bodypiercing. Body – das waren in der Untersuchung alle Körperstellen außer dem Ohrläppchen.

Befragt wurden 10 503 Briten aus allen Regionen, 10 % aller Erwachsenen über 16 Jahre hatten sich an verschiedenen Körperregionen piercen lassen. Am häufigsten trugen junge Frauen zwischen 16 und 24 fest installierten Körperschmuck – fast jede zweite hatte sich so verzieren lassen.

31 % aller Gepiercten berichteten über Komplikationen, 15 % suchten deswegen den Arzt auf und 0,9 % mußten ins Krankenhaus. Blutungen, Infektionen und Schwellungen waren die häufigsten Beschwerden.

Quelle

BMJ: Body piercing in England: a survey of piercing at sites other than earlobe

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Der HbA1 – Wert ist jedem interessierten Diabetiker bekannt: Er spiegelt den Blutzuckerwert der letzten zwei bis drei Monate wieder. Der Zielwert des HbA1 für die Einstellung des Erwachsenen (Typ II) – Diabetes liegt nach den deutschen Leitlinien unter 7 %, die berühmte St. Vincent Deklaration – 1989 von führenden Diabetes Experten unter Schirmherrschaft der WHO erstellt – fordert schon weniger als 6,5 %.

In diesen Tagen wurden auf der 68. Tagung der Amerikanischen Diabetes Vereinigung die Ergebnisse der ACCORD – Studie vorgestellt. Sie führte zu angeregten Diskussionen darüber, ob die angestrebten HbA1-Zielwerte für die Typ II -Diabetiker nicht ein wenig zu ehrgeizig sind und möglicherweise mehr schaden als nutzen.

ACCORD-Studie: Aggressive Behandlung schädlich?

Die ACCORD Studie wurde in den USA und Kanada durchgeführt, an ihr nahmen mehr als 10.000 Typ II – Diabetiker mit hohem Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen teil. In der Studie sollte untersucht werden, ob die Senkung des HbA1 auf unter 6 % (den Normalwert des Gesunden!), die intensive Behandlung des Blutdrucks und/oder die Senkung der Bluttfette die bekannte erhöhte Anfälligkeit der Diabetiker für Herzinfarkte und Schlaganfälle senken könnte.

Vorzeitige Beendigung der radikalen HbA1 Senkung

Geplant war eine Studiendauer von 5,6 Jahren für alle Studienarme. Der Studienarm mit der Untergruppe „radikale HbA1 – Senkung“ wurde nach 3,5 Jahren vorzeitig beendet, weil die Studienteilnehmer in diesem Arm häufiger verstarben als ihre Kontroll-Probanden, deren HBA1 „nur“ auf Werte von 7 bis 7,9 % gesenkt wurde.

In der aggressiv behandelten Gruppe verstarben 5 % der Teilnehmer, während dieses Schicksal nur 4 % der „mild“ Behandelten traf. (In absoluten Zahlen: 257 Tote in der strengen Gruppe gegenüber 203 in der Standardgruppe in drei Jahren und einem halben – macht einen Unterschied von 54 Todesfällen.)

Es war nach statistischer Analyse unwahrscheinlich, dass dieser Unterschied auf Zufall beruht. Aus ethischen Gründen wurde daher die radikale Strategie komplett verlassen.

Die Experten können nach gründlicher Analyse keinen Grund für die Unterschiede zwischen diesen beiden Gruppen geben.

ADVANCE-Studie: HbA1-Senkung schützt die Nieren

Die ADVANCE – Studie, international kurz zuvor durchgeführt in Europa, Asien, Australien, Neuseeland und Amerika, hatte mehr als 11.000 Teilnehmer. Auch hier wurde in einer Untergruppe angestrebt, das HbA1 unter 6,5 % zu senken. Resultat: Typ II – Diabetiker mit einer intensiven Therapie hatten die gleiche Rate an Herzinfarkten/Schlaganfällen wie die laxer therapierten. Allerdings konnte die Häufigkeit von Nierenkomplikationen um 21 % gesenkt werden – im Gegensatz zur ACCORD – Studie lohnte sich eine intensive Blutzuckersenkung also durchaus!

ADVANCE: Blutdrucksenker wirkt herzschützend für Diabetiker

Bereits vorher war ein anderes Ergebnis der ADVANCE-Studie veröffentlicht worden: Durch die Gabe eines ACE-Hemmers in Kombination mit einem Diuretikum kann die Rate von Herzinfarkten und Schlaganfällen bei Typ-II Diabetikern um 9 % gesenkt werden, unabhängig von der Höhe des Blutdrucks. (ACE-Hemmer in Kombination mit einem wassertreibenden Mittel wurden bisher zur Behandlung des Bluthochdrucks eingesetzt.)

Wie weit muss der HbA1 jetzt runter?

ACCORD und ADVANCE werden die Diskussion unter den Experten sicherlich noch einige Zeit anheizen. Warum führte in der einen Studie die energische Behandlung zu vermehrter Sterblichkeit, in der anderen jedoch nicht? Sofort ins Auge springt die Zahl der verwendeten Medikamente: Die ACCORD – Patienten in der Gruppe mit dem niedrigen HbA1 erhielten weitaus häufiger (zu 52%) drei und mehr Medikamente zur Behandlung als die Teilnehmer der Kontrollgruppe (nur 16 % erhielten drei und mehr). Waren Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten die Ursache der erhöhten Sterblichkeit?

Ein anderer Unterschied: Der neue Wirkstoff Rosiglitazon wurde von 90 % der HbA1-ACCORD – Besten genommen, aber nur von 58 % der Vergleichsgruppe und von nur 20 % der ADVANCE-Teilnehmer. Rosiglitazon steht aber im Verdacht, schädlich fürs Herz zu sein – so darf es z.B. bei Herzschwäche nicht eingesetzt werden. „Völlig überinterpretiert – das geben die Studienergebnisse nicht her“ – sagen die Experten.

Wir hoffen auf neue Ergebnisse zum Wohl der Patienten und werden (aus vielen Gründen) den bisherigen Kurs (vorerst) beibehalten.

Quellen und Links

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