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Archive for 3. Juni 2008

Von Bettnässen (Enuresis nocturna) spricht man, wenn ein Kind nach seinem fünften Geburtstag nachts sein Wasserlassen noch nicht kontrollieren kann und regelmäßig sein Bett nass macht. Bettnässen ist weitaus häufiger, als viele Eltern oder betroffene Kinder glauben, im Alter von fünf Jahren sind nach verschiedenen Untersuchungen zwischen 15 und 25 % aller Kinder noch nicht trocken.

Primäres Bettnässen beschreibt den Zustand, dass ein Kind noch nie richtig trocken war, während sekundäres Bettnässen definitionsgemäß nach einer mindestens sechsmonatigen Trockenperiode auftritt.

Primäres Bettnässen hat fast nie psychische Ursachen, bei sekundärem Bettnässen kommt dies häufiger vor. Auch körperliche Erkrankungen sind sehr selten die Ursache der primären Enuresis, bei der sekundären Form ist die Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung der Nieren, der Blase oder eines Diabetes mellitus viel höher.

Die genauen Ursachen des Bettnässens sind nicht bekannt, die familiäre Veranlagung spielt eine große Rolle.

Bettnässen kann eine große psychische Belastung für die betroffenen Kinder und ihre Eltern bedeuten. Bevor man eine Therapie beginnt, sollte immer auch bedacht werden, dass sich das Problem in den allermeisten Fällen von alleine löst: Pro Jahr werden 15 % aller Bettnässer auch ohne Therapie trocken, allerdings nässen auch nach dem 18. Lebensjahr immer noch 1 % regelmäßig ein.

Wirksam sind eine Behandlung mit Klingelhose / Klingelmatte und mit dem Antidiuretischen Hormon (ADH). Die Behandlung mit dem Antidepressivum Imipramin ist zwar ebenfalls effektiv, aber umstritten wegen der Nebenwirkungen.

Ursachen

Viele Bettnässer:

  • schlafen tief und fest, sie werden nicht von der vollen Blase und auch von anderen Störungen wie z.B. Lärm nicht so leicht geweckt,
  • produzieren nachts ungewöhnlich viel Urin,
  • haben Eltern oder andere nahe Verwandte, die ebenfalls spät trocken wurden.

Andere Ursachen sind dagegen selten: Ein Diabetes mellitus kann zum Bettnässen führen, ebenso eine Blasenentzündung oder eine Verstopfung, bei der harter Stuhlgang im Enddarm die Blase reizt.

Diagnose

Aus der Vorgeschichte und mit einer einfachen körperlichen Untersuchung können schon eine Reihe recht seltener Ursachen ausgeschlossen werden. Eine Untersuchung des Urins schließt eine Blasenentzündung und eine Zuckerkrankheit aus, eine Ultraschalluntersuchung von Niere und Blase angeborene Mißbildungen.

Therapie

Bevor man mit der Behandlung beginnt, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass das Problem Bettnässen in der Regel von alleine verschwindet. Bei Kindern unter 5 Jahren und wenn das Kind weniger als einmal pro Woche einnässt, ist Abwarten die beste Therapie.

Auf jeden Fall sollte die Eltern Strafen vermeiden, es nutzt nichts und führt zu weiteren, psychischen Problemen.

Die wirksamste Behandlungsmethode sind sogenannte Alarmgeber, also Klingelhose oder Klingelmatte. Eine Sensor spürt die Feuchtigkeit, wenn das Kind nachts einnässt und gibt einen akustischen Alarm. Dadurch soll das Kind aufgeweckt und ein Lernprozess in Gang gesetzt werden: „Bei voller Blase wache ich auf!“.

Die Anwendung dieser Alarmgeräte erfordert viel Geduld bei Eltern und Kind. Bettnässer schlafen fest, oft wird das Kind zu Anfang gar nicht wach, die Eltern müssen es wecken. Der Erfolg stellt sich erst nach Wochen oder Monaten ein.

Schneller hilft Desmopressin, eine Substanz die wie das körpereigene ADH wirkt. Desmopressin wird nur noch in Tablettenform verabreicht, das früher übliche Nasenspray zeigte zu viele Nebenwirkungen. Desmopressin führt zu einer geringeren Urinproduktion in der Nacht. Nach der Einnahme von Desmopressin am Abend darf das Kind nichts mehr trinken, sonst ensteht eine Wasservergiftung, die sich durch Kopfschmerzen, aber auch durch Krampfanfälle und Bewußtlosigkeit äußern kann.

Desmopressin ist das ideale Medikament, wenn das Kind im Kindergarten oder bei Freunden übernachten will oder die Klassenfahrt ansteht. Ansonsten kommt es auch zum Einsatz, wenn es mit der Klingelhose nicht klappt, weil z.B. Kind und Eltern nicht aufwachen.

Antidepressiva wie Immipriamin wurden früher eingesetzt, weil man einen psychischen Hintergrund des Bettnässens vermutete. Die Wirkung der Antidepressiva beruht aber nicht auf ihrer Wirkung auf die Psyche, in der Tat ist der Wirkmechanismus im einzelnen unbekannt. Da die Nebenwirkungen aber zum Teil erheblich sind, wird diese Therapie nicht mehr so häufig eingesetzt.

Quellen

Deutschlandfunk – Sprechstunde – Radiolexikon Bettnässen

eMedicine: Enuresis (engl.)

Cochrane Review, Zusammenfassung zur Behandlung auf Deutsch

NHS Health Encyclopaedia: Bedwetting(engl.)

Evidence based Medicine – Guidelines für Allgemeinmedizin, Deutscher Ärzteverlag 2007, Online Version (kostenpflichtig): Kindliche Enuresis, 12.05.2007

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