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Archive for 10. Juni 2008

Impotenz ist der umgangssprachliche Begriff für die fehlende oder mangelnde Erektionsfähigkeit des Penis. Das männliche Glied wird nicht groß oder steif genug, um einen befriedigenden Geschlechtsverkehr zu ermöglichen.

Das Wort Impotenz kommt vom lateinischen Impotentia und bedeutet so viel wie Unvermögen. Um den negativen Beigeschmack dieser Diagnose zu vermeiden und um das Problem exakter auf den Punkt zu bringen, spricht man in der Medizin meist von der erektilen Dysfunktion, abgekürzt e.D..

Ein „gelegentliches Versagen“ ist noch keine e.D. sondern ein völlig normaler Vorgang, der ohne jeden Grund oder z.B. bei Müdigkeit und Stressbelastung häufiger auftritt. Sechs Monate Dauer, dabei in 70 % der Versuche kein befriedigender Geschlechtsverkehr möglich – so lautet etwa die Definition der Deutschen Gesellschaft für Urologie.

Häufigkeit: Wie viele Männer sind betroffen?

Die Angaben über die Häufigkeit schwanken sehr stark, liest man die unterschiedlichen Untersuchungen zum Thema. In der international angelegten Males – Studie , veröffentlicht im Jahre 2004, wurde eine durchschnittliche Häufigkeit in allen Ländern von 16% im Alter von 20 bis 75 Jahren angegeben, sie schwankte von 22 % in den Vereinigten Staaten bis hin zu 10 % in Spanien. 1998 fand eine Kölner Untersuchung eine Häufigkeit (Prävalenz) von 19 % bei Männern im Alter zwischen 30 und 80 Jahren. Allerdings: Nur ein gutes Drittel der Betroffenen – 6,9 % – leiden unter diesem Mangel, natürlich sind nur diese Männer behandlungsbedürftig.

Je älter der Mann, um so häufiger tritt die e.D. auf: Berichteten (in der Kölner Studie) nur 2 % aller Befragten im Alter von 30 bis 39 Jahren von Schwierigkeiten, so taten dies 53 % im Alter von 70 bis 80. Weniger stark stieg die Anzahl der therapiebedürftigen Patienten, nämlich nur von 1,1 % in der Gruppe 30 bis 39 Jahre bis auf 7,7 % in der Gruppe der befragten Männer im Alter zwischen und 70 Jahren.

Nur etwas mehr als die Hälfte aller betroffenen Männer, die unter der e.D. leiden, sucht den Arzt auf.

Was sind die Ursachen?


  • 20 % aller Fälle sind auf Gefäßprobleme zurückzuführen: Arteriosklerose, Rauchen oder ein venöses Leck verhindern eine ausreichende Füllung mit Blut oder führen zu einem vorzeitigen Abstrom bei der Venenleckage.

  • Nervenerkrankungen finden sich in einem weiteren Fünftel der Fälle: Nervenschädigungen durch einen Diabetes mellitus, zuviel Alkohol oder eine Multiple Sklerose wirken sich negativ aus. Operationen oder Unfälle können für die Erektion wichtige Nerven im Bereich des Beckens oder der Wirbelsäule beschädigen.
  • Auch ohne nachweisbaren Nervenschaden kann Alkohol eine e.D. verursachen: Der Verzicht auf Alkohol verbessert die Potenz in der Hälfte aller Fälle, bei rund 20 % ist einzig und allein zuviel Alkohol die Ursache für die fehlende Erektion.

  • Psychische Faktoren – früher als Hauptursache angesehen – dürften nach heutigen Erkenntnissen für ein Fünftel aller Fälle von Erektionsproblemen verantwortlich sein. Allerdings spielen bei allen betroffenen Männern psychische Probleme eine Rolle – das Selbstgefühl sinkt und es kann zu Störungen in der Paarbeziehung durch die e.D. des Mannes kommen.
  • Hormonelle Störungen – beispielsweise ein Mangel an männlichem Geschlechtshormon oder eine Unterfunktion der Schilddrüse sind für 10 % verantwortlich. Eine Erhöhung des Prolaktinspiegels kann ebenfalls zu Potenzproblemen führen, selbst bei normalem Testosteronwerten – der genaue Mechanismus ist unbekannt.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten werden bei weiteren 10 % als Ursache gefunden. Die Reihe von möglichen Kandidaten ist lang: Vor allem Mittel gegen Bluthochdruck, Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie Psychopharmaka spielen in der täglichen Praxis eine große Rolle. (Beim Bluthochdruck sollte man nicht vergessen, dass der Bluthochdruck selbst ein Auslöser von Potenzstörungen sein kann. Die sogenannten ACE-Hemmer und Calciumantagonisten sollen weniger Potenzstörungen verursachen.)

Welche Untersuchungen sind notwendig?

Die Erhebung der Vorgeschichte und eine gründliche körperliche Untersuchung bilden die Basis. Blutzucker, Blutfette, Kreatinin (Nierenfunktion), Testosteron und Prolaktin werden im Blut untersucht. Je nach Verdacht helfen weitere Laboruntersuchungen, z.B. die Bestimmung der Schilddrüsenwerte.

Diese Basisuntersuchungen sollten in der Mehrzahl der Fälle eine tragfähige Diagnose ermöglichen, Patienten über 50 können in Diagnostik und Therapie weiterhin von ihrem Hausarzt versorgt werden. Jüngere Patienten unter 50 sollten nach der hausärztlichen Basisabklärung einmal gründlich beim Facharzt für Urologie untersucht werden.

Therapie: Was kann man tun?

Risikofaktoren stoppen

Verzicht auf Alkohol und Nikotin, Einstellung von Blutzucker, Blutdruck und Blutfetten sind die Basis jeder Impotenzbehandlung.

Die Viagra®-„Revolution“

Sildenafil wurde 1998 von der amerikanischen Firma Pfizer unter dem Namen Viagra® auf den Markt gebracht und sorgte für eine Revolution der therapeutischen Möglichkeiten. Sildenafil wirkt bei annähernd 75 % der Patienten bei meist tolerablen Nebenwirkungen.

Kein Lifestyle-Medikament: Tödliche Zwischenfälle

Als Lifestylemedikament ist Sildenafil trotzdem nicht geeignet. Immer wieder wird von Todesfällen infolge eines plötzlichen Herztodes, eines Herzinfarkts oder anderer akuter Herzerkrankungen berichtet, in den kontrollierten Studien vor der Zulassung kam es nach Berichten des Arzneitelegramms „zu einem Todesfall bei einem von 200 bis 500 Anwendern“. Besonders häufig (aber nicht nur) tritt ein solcher Zwischenfall auf, wenn der Patient gleichzeitig ein sogenanntes „Nitrat“ eingenommen hat. Nitrate nennt man eine Gruppe von Medikamenten zur Behandlung von Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefässe.

Hör- und Sehstörungen

Über Sehstörungen wie Schleiersehen, Störungen der Farbwahrnehmung (Blausehen) berichten 11 % der Patienten, nachdem sie die allgemein übliche Dosis von 50 bis 100 mg eingenommen haben. Diese Art von Sehstörung bildet sich wieder zurück, wenn die Wirkung des Medikaments abklingt. In seltenen Fällen wurde aber auch von dauerhaften Seh- und Hörstörungen berichtet.

Verstopfte Nase, rotes Gesicht

Recht häufig aber harmlos sind dagegen das Gefühl der verstopften Nase, eine Rötung des Gesichts, Kopfschmerzen, Schwindel und Herzklopfen.

Wer darf kein Viagra® nehmen?

Patienten mit schweren Herzerkrankungen, nach kürzlich zurück liegendem Herzinfarkt oder Schlaganfall und bestimmten Augenerkrankungen sollten kein Viagra® einnehmen.

Vorsicht: Schwarzmarkt!

Auf keinen Fall sollte auf dubiose Angebote aus dem Internet zurückgegriffen werden: Viele der angebotenen Präparate enthielten gar keine wirksame Substanz, andere waren höher dosiert als angegeben. Jeder Mann, der Viagra® einnehmen will, sollte zuvor mit seinem Hausarzt darüber sprechen, ob dieses Medikament für ihn geeignet ist und welche Vorsichtsmaßnahmen er persönlich einhalten sollte.

Levitra® und Cialis® – die Viagra®-Nachfolger

Nach dem riesigen Erfolg von Viagra® kamen 2002 und 2003 Tadalafil (Cialis®) und Vardenafil (Levitra®) auf den Markt. Sie haben den gleichen Wirkmechanismus wie Sildenafil (Viagra®), aber eine längere Wirkdauer. Bisweilen ist dies von Vorteil – sexuelle Aktivität kann sich so spontaner entfalten und ist nicht auf ein enges Zeitfenster beschränkt. Von Nachteil ist diese längere Wirkdauer aber dann, wenn Nebenwirkungen auftreten. Wird der empfohlene Zeitabstand bei der Einnahme einer weiteren Tablette unterschritten, kann es zu einer Anhäufung (Kumulation) mit deutlich erhöhter Häufigkeit und Schwere der Nebenwirkungen kommen.

Hoher Preis

Nachteil aller dieser drei Medikamente, die nach ihrem Wirkmechanismus Phosphodiesterasehemmer (PDE-Hemmer) genannt werden, ist ihr hoher Preis. So kosten vier Tabletten Cialis® 20mg 61,99 €, vier Tabletten Levitra® 20mg 60,98 € und vier Tabletten Viagra® 100mg 60,32 € (Apothekenpreise in Deutschland laut Roter Liste online, Juni 2008). Mit sinkenden Preisen ist wohl erst nach Ablauf der weltweiten Patente auf die Herstellung von Viagra® in den Jahren 2011 – 2013 zu rechnen.

SKAT: Schwellkörperautoinjektionstherapie

Patienten, die nicht auf die Therapie mit PDE-Hemmern ansprechen oder die solche Medikamente nicht einnehmen dürfen, können in bis zu 95 % der Fälle noch erfolgreich mit der Schwellkörper-Auto-Injektions-Technik (SKAT) behandelt werden. Dabei injiziert sich der Patient vor dem Geschlechtsverkehr ein Medikament, meist Alprostadil (Prostaglandin PGE1), selbst in den Schwellkörper des Penis.

Alprostadil führt zu einer Entspannung der glatten Blutgefäßmuskulatur, dadurch strömt vermehrt Blut in die Schwellkörper.

Schmerzen und Blutergüsse, Priapismus

Nebenwirkungen sind Schmerzen und Blutergüsse. Eine Dauererektion, der sog. Priapismus, muß dringend behandelt werden, wenn dieser Zustand länger als vier Stunden anhält. Durch die Punktion von Blut aus dem Schwellkörper oder der Injektion von geeigneten Gegenmitteln lässt sich diese gefährliche Komplikation beben und eine dauerhafte Schädigung des Schwellkörpergewebes verhindern.

MUSE: „SKAT ohne Spritze“

Alprastodil steht auch in der Form von Stäbchen zur Verfügung , die in die Harnröhre eingeführt werden (Handelspräparat: Muse® – Abk. von medicated urethral system for erection). Wirkung und Nebenwirkungen ähneln der SKAT.

Testosteron: Bei Mangel hilfreich, aber kein Wundermittel

Wenn ein Mangel an männlichem Geschlechtshormon nachgewiesen werden konnte, dann kann auch der Ersatz von fehlendem Testosteron die e.D. bessern. Die Wirkung ist insgesamt aber eher schwach ausgeprägt, am ehesten ist eine Verstärkung der anderen Therapiemaßnahmen zu erwarten.

Rein mechanisch: Das Vakuum

Die Vakuumtherapie funktioniert ganz mechanisch: Zunächst wird ein Zylinder über den Penis gestülpt und durch Abpumpen des Zylinders ein Unterdruck erzeugt – das Blut strömt, passiv dem Unterdruck folgend, in das männliche Glied und erzeugt die Erektion. Der vorzeitige Abfluss wird durch einen elastischen Ring an der Penisbasis verhindert. Schmerzen sind eine häufige Nebenwirkung.

Operationen: Gefäße und Penisprothese

Operationen an den Schlagadern und Venen des Penis werden immer seltener durchgeführt, die neuen Medikamente zeigen bessere Ergebnisse.

Wenn alle genannten Behandlungsverfahren keinen Erfolg zeigen, dann kommt das Einsetzen einer Penisprothese in Frage. Einfach einzusetzen sind biegsame Prothesen aus Silikonstangen, der Nachteil ist eine ständige Erektion. Die Operation ist komplizierter und sie sind störanfälliger, hydraulische Systeme sind aber wesentlich komfortabler. Sie werden aus Pumpe, Wasserbehälter, unter der Haut verlegten Schläuchen und dem eigentlichen Implantat zusammengesetzt.

Quellen und weiterführende Links

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