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Archive for 24. Juni 2008

Zu heftigen Diskussionen zwischen den Gesundheitspolitikern der regierenden Koalition und den Vertretern der organisierten Ärzteschaft kam es in den letzten Tagen zum Thema Ärztezahlen in Deutschland.

Ärztestatistik 2007

Wie jedes Jahr hatte die Bundesärztekammer die Ärztestatistik für das Jahr 2007 vorgelegt. Das Ergebnis in Kürze:

  • Ende 2007 waren in Deutschland rund 414.000 Ärzte bei den Ärztekammern gemeldet, das sind 1,4 % mehr als im Vorjahr, 315.000 sind als Arzt berufstätig.
  • Rund 2400 Ärzte haben Deutschland im Jahre 2007 verlasen, 77 % davon waren Deutsche, 23 % Ausländer. Am liebsten wanderten die deutschen Ärzte in die Schweiz aus, gefolgt von Österreich und den USA.
  • Die Zahl der nach Deutschland zugewanderten ausländischen Ärzte stieg um 921 oder 4,7 % auf rund 20.000 Ärzte, die meisten kamen aus Österreich, Rumänien, Griechenland und der Slowakei, den größten Anteil am Bestand stellen die Ärzte aus der ehemaligen Sowjetunion.
  • Der Anteil der weiblichen Mitglieder des ärztlichen Berufsstandes nimmt weiter zu: 2007 zählte die Bundesärztekammer 42,4% Ärztinnen, 1996 lag ihr Anteil an der Gesamtärzteschaft nur bei 38 %.

Ulla Schmidt: „Noch nie so viele Ärzte“

Die Bundesminsterin für Gesundheit, Ulla Schmidt, rechnete in einem Brief an die Abgeordneten der Großen Koalition die Abwanderung der deutschen Ärzte ins Ausland mit der Zuwanderung ausländischer Ärzte nach Deutschland auf. Sie sieht insgesamt kein Problem mit der ärztlichen Versorgung in Deutschland, zumal die Zahl der Ärzte insgesamt so hoch liege wie noch nie.

Prof. Hoppe: „Vorhergesagter Ärztemangel längst Wirklichkeit“

Der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Hoppe, verweist in seinem Kommentar auf die Tatsache, dass in den östlichen Bundesländern jede zweite freie Arztstelle im Krankenhaus nicht mehr besetzt werden könne, in den westlichen sei es jede vierte.

„Hausärzte fehlen auf dem Land im Norden und im Osten“

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Köhler, wies vor allem auf die Überalterung der niedergelassenen Ärzteschaft und die jetzt schon bestehende Unterversorgung mit Hausärzten auf dem Lande in Nord- und Ostdeutschland hin.

Marburger Bund: „Volkswirtschaftlicher Irrsinn“

Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke, meinte, dass die Sprachprobleme einem uneingeschränkten Einsatz ausländischer Ärzte in Deutschland entgegenstünden.

„Es ist schlicht volkswirtschaftlicher Irrsinn, für ein Medizinstudium hierzulande rund 250.000 Euro an Steuergeldern aufzuwenden, um die hier teuer und sehr gut ausgebildeten Ärzte dann mit schlechten Arbeitsbedingungen ins Ausland zu vertreiben“, sagte Henke nach einer Meldung des Deutschen Ärzteblattes.

Quellen

Bundesärztekammer: Ärztestatistik 2007

Tagesspiegel: Ärzte wandern aus

Deutsches Ärzteblatt: „Marburger Bund fordert bessere Arbeitsbedingungen gegen Ärzteflucht“

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