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Archive for Juli 2008

In Sachsen herrscht Ärztemangel. Die sächsische Landesregierung hat sich einiges einfallen lassen, um dem entgegen zu wirken: Österreichische Ärzte werden angeworben; Medizinstudenten bekommen Unterstützung, wenn sie sich nach dem Studium in Sachsen niederlassen.

Das alles wird wenig nützen: 40 Millionen Euro sollen 272 sächsische Arztpraxen bezahlen, weil sie zu viele Medikamente verordnet haben.

Das alles läuft unter dem Stichwort „Arzneimittelregress“. Kaum jemand in der Öffentlichkeit versteht das richtig. Der Arzneimittelregress heißt nicht, dass ein Arzt weniger Honorar erhält. Nein, es heißt, dass er für die Medikamente, die er seinen Patienten verordnet hat, mit seinem ganzen Hab und Gut haftet.

Ja, sie haben richtig verstanden: Mit seinem ganzen Hab und Gut. Die Summe, die der Arzt für ein Jahr bezahlen muss, kann um ein Vielfaches höher sein, als das, was er in diesem Jahr verdient hat. Die einzige Begrenzung: Der Umsatz (nicht Verdienst!) von einem und einem halben Jahr.

Ich habe enorme Schwierigkeiten, solche Widersprüche zu verstehen: Auf der einen Seite wird Geld verschwendet, um Medizinstudenten und ausländische Ärzte nach Sachsen zu holen – auf der anderen Seite werden bestehende Praxen in den Ruin getrieben.

In Sachsen und auch anderswo in Deutschland ist vor allem die Hausarztpraxis auf dem Land vom Aussterben bedroht. Und genau diese Praxen sind auch überdurchschnittlich oft vom Regress betroffen. Die ländliche Lage wird nicht als „Praxisbesonderheit“ gewertet. Der Landarzt muss in vielen Fällen Rezepte schreiben, weil der Weg für den Patienten zum Facharzt viel zu weit ist. Und dennoch gelten für ihn die gleichen Arzneimittelrichtgrößen wie für seinen Stadtkollegen. Wen wundert es noch, dass keiner mehr auf dem Land praktizieren will?
Quellen

Deutsches Ärzteblatt: „Arzneimittelregresse: Sächsischen Ärzten droht Insolvenz“

Sächsische Landesärztekammer zum selben Thema

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Die Multiple Sklerose (MS) ist eine Erkrankung des Zentralen Nervensystems (also des Gehirns und des Rückenmarks) unbekannter Ursache, die meist chronisch und oft in Schüben verläuft und eine Vielzahl von Symptomen wie z.B. Lähmungen, Sehstörungen, Sprachstörungen oder Inkontinenz verursacht.

Bei der MS wird die Scheide der Nervenfasern, die aus dem sog. Myelin besteht, geschädigt und schließlich zerstört.

Diese Myelinscheide wird durch die körpereigene Abwehr, das eigene Immunsystem angegriffen, die MS wird aus diesem Grund zu den Autoimmunkrankheiten gezählt.

In Deutschland leben rund 122.000 Menschen, die an MS leiden, die Häufigkeit wird auf 149 pro 100.000 Einwohner geschätzt, Frauen erkranken fast doppelt so häufig wie Männer.

Zur Behandlung werden Medikamente eingesetzt, die das Immunsystem beeinflussen: Im akuten Schub hochdosiertes Kortison, zur Besserung des langfristigen Verlaufs Interferon, das vergleichbare Glatiramer und andere.

Der Verlauf der Erkrankung ist im Einzelfall schwer vorherzusagen, rund 30 % der Erkrankten zeigen auch nach jahrelangem Verlauf noch keine wesentlichen Behinderungen.

Symptome: „Die Krankheit mit den tausend Gesichtern“

Die Symptome der MS sind außerordentlich vielgestaltig – so kann auch hier nur ein kleiner Ausschnitt wiedergegeben werden.

Schubförmiger Verlauf anfangs am häufigsten

Bei 85 % der Patienten beginnt die Krankheit schubförmig: Lähmungen und Sehstörungen zum Beipiel treten urplötzlich auf und verschwinden wieder mehr oder weniger vollständig. Nur bei einer Minderzahl – etwa 15 % – wird es immer schlechter, ohne jede Besserung.

Bei etwa einem Drittel bis zur Hälfte aller Multiple Sklerose Kranken mit schubförmigem Verlauf wandelt sich das Bild nach 10 bis 15 Jahren: Zwischen den Schüben kommt keine Erholung mehr, die Krankheit schreitet stetig fort.

Im Einzelfall ist der Verlauf schwer vorher zu sagen, diese Unsicherheit belastet Patient und Arzt. Trotzdem besteht guter Grund, dem Patienten Mut zu machen, wenn er die Diagnose MS erfährt: Nur die Minderzahl (weniger als 5 %) landet innerhalb der nächsten 10 Jahre im Rollstuhl, die Lebenserwartung von MS-Patienten nähert sich immer mehr der durchschnittlichen an.

Doppelbilder und verschwommenes Sehen

Bei fast 40 % der MS-Kranken ist irgendwann einmal der Sehnerv betroffen. Sehstörungen wie z.B. Verschwommensehen bis hin zur völligen Erblindung sind die Folge. Meist ist nur ein Auge betroffen, Schmerzen können hinzutreten. Augenmuskellähmungen führen zu Doppelbildern.

Kribbeln und Brennen, Lähmungen und Inkontinenz

Greift die MS das Rückenmark an, dann empfindet der Patient Taubheitsgefühle in Armen und Beinen oder auch Kribbeln und Brennen. Schlaffe Lähmungen gehen mit einer völligen Kraftlosigkeit einher, bei spastischen scheint die Kraft zu viel zu sein: Das Bein oder der Arm können nicht mehr gebeugt werden, weil sich die Muskeln unwillkürlich verkrampfen.

Besonders unangenehm für den Patienten ist die fehlende Kontrolle über den Urinabgang: Soziale Isolation ist oft die Folge. Je nachdem welche Nerven und damit welche Muskeln der Blase betroffen sind, kann auch die Blasenentleerung gestört sein – es verbleibt Urin in der Blase, Harnwegsinfekte können die Folge sein.

Schmerzen im Gesicht und verwaschene Sprache

Heftige Gesichtsschmerzen können ebenso Zeichen einer MS sein wie Lähmungen der Gesichtsmuskulatur. Ursache dieser Symptome sind Schädigungen im Bereich des Hirnstamms, auch eine undeutliche, verwaschene Sprache kann Folge einer Läsion in diesem Bereich sein.

Schwindel, Taumel und abgehackte Sprache

Ein einwandfrei funktionierendes Kleinhirn ist wichtig für unseren Gleichgewichtssinn und unsere automatischen Bewegungen. Das Kleinhirn ist anfangs selten, später sehr oft im Rahmen einer MS betroffen. Die Patienten gehen unsicher, sind ungeschickt, zittern, klagen über Schwindel oder über eine eigentümlich lallende oder abgehackte Sprache. Von unwissenden Außenstehenden werden sie oft für betrunken gehalten.

Depressionen und Erschöpfung

Viele, wenn nicht sogar die Mehrzahl der Patienten mit Multipler Sklerose leiden irgendwann einmal an einer Depression. Aber auch das „Gegenteil“: Euphorie und ihre krankhafte Übersteigerung – die Manie – treten bisweilen auf.

Schon im Frühstadium der Erkrankung sind sehr viele MS-Patienten leicht erschöpft, fühlen sich müde und wenig leistungsfähig. Die Ursachen hierfür sind nicht genau bekannt, aber die große Müdigkeit ist so typisch, dass sie einen eigenen Namen bekommen hat: „MS-Fatigue“.

Diagnose: Nicht immer einfach

Fast alle Symptome der MS können auch durch andere Erkrankungen hervorgerufen werden.

Die Diagnose einer MS wird heute durch eine Kombination verschiedener Untersuchungsmethoden gestellt.

Die Vorgeschichte und die körperliche Untersuchung ergibt ein Bild der Beschwerden und Ausfälle.

Eine Untersuchung der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit (des Liquors) weist typische Antikörper nach.

Die Kernspintomografie des Gehirns und des Rückenmarks zeigt räumlich verteilte Schädigungen des Nervengewebes.

Bei der Untersuchung der sogenannten evozierten Potentiale wird gemessen, wie lange es dauert, bis ein Reiz vom Auge oder Ohr – über die Nervenbahnen des Gehirns geleitet – in den zuständigen Hirnregionen ankommt. Bei einem Patienten mit MS werden die Signale von Auge oder Ohr langsamer weitergeleitet als beim Gesunden.

International akzeptierter Standard der Diagnostik sind die McDonald-Kriterien. Durch Kombination und Wertung aller genannten Untersuchungsmethoden folgt das Resultat: „MS sicher“, „MS möglich“ oder „MS ausgeschlossen“. „Encephalomyelitis disseminata“ ist eine anderer Name für die MS, der vor allem von Ärzten verwendet wird. Übersetzt heißt dies: „verstreute Entzündung des Gehirns und Rückenmarks“. Und auf diese Streuung (Disseminierung) kommt es bei der Diagnose an – Streuung sowohl im Raum als auch in der Zeit: Befall unterschiedlichster Regionen in Gehirn und Rückenmark zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

Hat ein Patient zum Beispiel zwei Krankheitsschübe hinter sich und lassen sich in der Untersuchung Ausfälle in (mindestens) zwei räumlich getrennten Hirnregionen nachweisen, dann gilt die Diagnose Multiple Sklerose als gesichert. Weitere technische Untersuchungen sind eigentlich entbehrlich, sie erhöhen nicht die Diagnosesicherheit.

Etwas anders liegt der Fall, wenn der Patient zwar zwei Schübe erlitt, diese aber in der körperlichen Untersuchung nur einer Hirnregion zuzuordnen sind. In diesem Fall muss die Verteilung im Raum entweder durch eine positive Kernspintomografie mit zwei oder mehr Herden, den Liquorbefund oder durch eine weitere Attacke in einem räumlich getrennten Gebiet des zentralen Nervensystems nachgewiesen werden.

So legen die McDonald-Kriterien für jeden Einzelfall fest, wann die Diagnose der MS berechtigt ist, wann sie auszuschließen ist und in welchen Fällen eine MS möglich, aber noch nicht bewiesen ist. Die Mc Donald-Kriterien wurden 2001 erstellt und bereits 2005 von einem internationalen Expertengremium überarbeitet, sie lösen ihrerseits die Schuhmacher Kriterien aus dem Jahre 1963 und die Poser Kriterien aus dem Jahre 1983 ab. Mit weiteren Änderungen infolge neuer Forschungsergebnissen ist zu rechnen.

Ursachen weitgehend unbekannt

Die Ursachen dafür, dass jemand an einer Multiplen Sklerose erkrankt, sind weitgehend unbekannt. Es scheint, dass genetische und Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Möglicherweise ist die MS gar keine einheitliche Erkrankung, sondern ein Bündel verschiedener Erkrankungen, die noch nicht hinreichend von uns unterschieden werden können.

Multiple Sklerose als Autoimmunkrankheit

Allgemein akzeptiert ist die Autoimmunhypothese der MS: Körpereigene Abwehrzellen – die sogenannten T-Lymphozyten zerstören die Myelinscheiden der Axone -das sind die langen, faserigen Fortsätze der Nervenzellen. Über das Axon werden elektrische Impulse von einer Nervenzelle zur nächsten geleitet, die Myelinschicht um das Axon dient dabei der elektrischen Isolation. Ist diese Schicht zerstört oder beschädigt, dann wird die Weiterleitung von Nervenimpulsen verlangsamt oder ganz unterbunden.

T-Lymphozyten können normalerweise die Blutgefäße des Gehirns nicht verlassen, die Lücken in der Gefäßwand der Hirngefässe sind besonders dicht – die „Bluthirnschranke“ schützt das Hirngewebe. Bei der Multiplen Sklerose lässt die Bluthirnschranke die T-Lymphozyten passieren. Warum sie dies tut, ist noch unklar. Möglicherweise ist ein Infekt die Ursache, Viren werden als Auslöser diskutiert. Eine bestimmte Familie sogenannter Humaner Endogener Retroviren wird sehr oft bei MS-Kranken nachgewiesen, sie werden deshalb als MS assoziierte Retroviren (MSRV) bezeichnet.

Die T-Lymphozyten empfinden die Myelinschicht der Axone als fremd und aktivieren Entzündungsprozesse, die zum Abbau dieser schützenden Hülle führen, gleichzeitig erhöhen diese Entzündungsprozesse selbst die Durchlässigkeit der Bluthirnschranke, so dass weitere Lymphozyten nachfolgen können.

Vitamin D und MS

Die Multiple Sklerose tritt um so häufiger auf, je weiter man sich vom Äquator entfernt. Diese Tatsache hat zu der Vermutung geführt, dass Vitamin D – Mangel vor allem in der Kindheit und Jugend, wie er in sonnenarmen Regionen häufiger vorkommt, einen Auslöser der MS darstellen könnte.

Schützen Infekte in der Kindheit?

Menschen, die mit Geschwistern zusammen aufwachsen, entwickeln seltener MS als Einzelkinder. Geschwisterkinder stecken sich gegenseitig mit allen möglichen banalen Infektionen an, Einzelkinder sind seltener erkältet. Möglicherweise begünstigt ein Mangel an Erkältungen in der Kindheit die Entwicklung eines Immunsystems, das sich gegen den eigenen Körper richtet.

Welche Rolle spielt die Vererbung?

MS ist keine Erbkrankheit, aber genetische Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Die Wahrscheinlichkeit für einen Durchschnittsbürger in Deutschland, im Laufe seines Lebens an MS zu erkranken, liegt bei Bruchteilen eines Prozents. Hat er aber nahe Verwandte wie Eltern, Kinder oder Geschwister, die an MS leiden, dann schnellt seine Erkrankungswahrscheinlichkeit auf ein bis drei Prozent hoch. Bei eineiigen Zwillingen erkrankt der zweite zu 30 % an MS, wenn der erste betroffen ist. Bei zweieiigen Zwillingen liegt die Wahrscheinlichkeit nur bei 4 %. Das legt den Schluss nahe, dass Erbfaktoren bei der Manifestation der MS eine Rolle spielen aber andere Faktoren wie Umwelteinflüsse oder einfach Zufall hinzutreten.

Rauchen ist ein Risikofaktor für die Erkrankung an Multipler Sklerose, aber es scheint den Krankheitsverlauf nicht zu verschlechtern.

Behandlung: Kortison, hoch dosiert, im akuten Schub

Multiple Sklerose ist nicht heilbar, aber die Lebenserwartung und die Lebensqualität der Patienten konnte durch die Behandlung in den letzten Jahren ständig verbessert werden.

Ein akuter Schub wird in der Regel mit hochdosierter Kortisontherapie behandelt – in der Regel wird Methylprednisolon als Infusion über drei bis fünf Tage verabreicht. Bisweilen kann auch für kurze Zeit abgewartet werden, weil manche Schübe auch ohne Therapie sich kurzfristig zurückbilden. Kein Pardon gibt es aber bei schwerer Symptomatik oder einem Befall des Sehnerven. Während die kurzfristige Effektivität dieser Behandlung gut belegt ist, fehlen Beweise dafür, ob auch der langfristige Verlauf der Krankheit verbessert wird.

Infekte konsequent behandeln

Infektionen der Harnwege, der Nebenhöhlen und auch der Zahnwurzeln sollten konsequent behandelt werden, weil solche Entzündungen den Verlauf der MS verschlechtern können.

Basistherapie mit Interferon

Interferon, eine das Immunsystem anregende, körpereigene Substanz verringert die Anzahl weiterer Schübe einer Multiplen Sklerose. Die Daten der vorliegenden Untersuchungen geben ein Bild über die ersten zwei Jahre nach Behandlungsbeginn, verlässliche Daten über die Langzeitwirkung der Interferone auf den Verlauf der MS liegen noch nicht vor. Drei sogenannte Interferon-beta-Präparate sind für die Therapie der MS zugelassen.

Die Nebenwirkungen der Betainteferone sind teilweise erheblich. Sie werden meist einmal wöchentlich unter die Haut (subkutan) oder in den Muskel (intramuskulär) gespritzt. Nach der Injektion treten häufig grippeähnliche Beschwerden wie Gliederschmerzen, Fieber, Unwohlsein und Schüttelfrost auf. Die Gabe von z.B. Ibuprofen verringert die Stärke dieser Nebenwirkungen. Rötung und Schmerzen an der Injektionsstelle, Erhöhung der Leberwerte und die Entwicklung von Depressionen werden ebenfalls beobachtet.

Glatiramer

Glatiramer, ein Peptid aus vier Aminosäuren, ist eine Alternative zu den Interferonen, die Verträglichkeit scheint etwas besser zu sein; es muss allerdings täglich gespritzt werden. Nach der Injektion kommt es häufiger zu einer Reaktion mit Angst, Herzklopfen und Luftnot, die manchmal nur wenige Sekunden, bisweilen bis zu einer halben Stunde andauert. Der genaue Wirkungsmechanismus ist noch nicht aufgeklärt. Glatiramer ist nur wirksam bei der schubförmig verlaufenden MS, nicht bei der stetig sich verschlechternden (chronisch progredienten) Form.

Azathioprin

Azathioprin ist ein das Immunsystem dämpfendes Medikament, das auch bei anderen Autoimmunerkrankungen und zur Bekämpfung der Abstoßungsreaktion nach Organtransplantation eingesetzt wird. In der Behandlung der MS hat es heutzutage einen Stellenwert als Reservemedikament, wenn z.B. die Therapie mit Betainterferonen nicht durchführbar ist.

Immunglobuline intravenös

Immunglobuline, also menschliche Antikörper, in die Vene injiziert, scheinen ebenfalls wirksam bei der Behandlung der schubförmigen MS zu sein, allerdings hat noch kein Präparat die Zulassung für dieses Anwendungsgebiet.

Mitoxantron – ein Zytostatikum

Auch Mitoxantron, ein Zytostatikum zur Behandlung verschiedener Krebserkrankungen u.a. der Brust, der Prostata und bei Leukämie, ist ein Reservemittel zur Behandlung der MS. Wegen der ausgeprägten, mitunter lebensbedrohlichen Nebenwirkungen, kann die Entscheidung zu dieser Therapie erst nach gründlicher Aufklärung des Patienten und Abwägen aller Alternativen erfolgen.

Das Umfeld günstig gestalten

Physiotherapie, z.B. Krankengymnastik, ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung.

Effektive Behandlung der Depressionen verbessert die Prognose der MS.

Die Behandlung von Blasenfunktionsstörungen, also z.B. Inkontinenz oder erschwerter Blasenentleerung, schafft mehr Lebensqualität und beugt Harnwegsinfekten vor.

MS-Kranke verlieren nicht selten ihren alten Freundeskreis. Die Förderung der sozialen Integration, z.B. durch Selbsthilfegruppen, Hobbies und Training der Mobilität fördert das Selbstbewusstsein und schützt vor Depressionen.

Eine krankhafte Erhöhung des Muskeltonus, die sogenannte Spastizität kann, wenn sie die Mobilität stört, durch geeignete Medikamente (z.B. Baclofen) behandelt werden.

Quellen und weiterführende Links

EbM-Guidelines für Allgemeinmedizin (kostenpflichtig): Multiple Sklerose (Encephalitis disseminata)

„Diagnostic Criteria for Multiple Sclerosis“ – Die sog. McDonald Kriterien zur Diagnose der MS (engl.)

muskl.de: Sehr informative, umfangreiche Seite über MS von einem Betroffenen

Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Multiplen Sklerose“

Neurologen und Psychiater im Netz: Informationen für Patienten über MS

„Smoking is a risk factor for multiple sclerosis“, Abstract einer norwegischen Studie aus dem Jahre 2003 auf neurology.org (Englisch)

pressetext austria: „Rauchen kann Multiple-Sklerose-Risiko verdoppeln, Risiko ist bei Männern deutlich höher“ – Zusammenfassung o.g. Studie auf Deutsch

Cigarette smoking and progression in multiple sclerosis, neurology.org, Studie aus dem Jahre 2007 über den Einfluss des Rauchens auf die Progression der MS

Bildnachweis

Kernspintomografie des Schädels bei Multipler Sklerose, gefunden auf wikimedia commons, gemeinfrei („public domain“)

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Die Weisse Liste, so nennt sich ein kürzlich gestartetes Internetportal der Bertelsmann Stiftung. Mit ihr sollen Patienten das für ihre Krankheit passende Krankenhaus finden.

Die Weisse Liste wurde mit vielen (Vorschuss-)Lorbeeren von allen Medien bedacht. Die Ärztekammer Berlin fand dagegen viel Falsches, Unbrauchbares und Unverständliches hier und in ähnlichen Patientenportalen mit dem gleichen Zweck.

So soll es – glaubt man der Weissen Liste – in der Berliner Charité weder eine Computertomografie noch eine Sonografie geben, auch ein Facharzt für Urologie sei dort nicht beschäftigt. Das muß in der Tat verwundern, die Charité ist schließlich eines der größten Unikliniken Europas.

Die Angaben zur Charité sind keine Ausnahme. Alle vier Krankenhäuser in der näheren Umgebung meines Wohnorts, bei der ich den passenden Platz für eine Gallenblasenoperation suchte, können angeblich keine Ultraschall-Untersuchung durchführen – glaubt man den Angaben der Weissen Liste.

Der beste Weg für Patienten, um sich über das passende Krankenhaus zu informieren, ist scheinbar immer noch der Weg zum Hausarzt.

Anmerkung: Die Schreibweise Weisse Liste wurde bewusst so von den Betreibern der Seite gewählt. Der Duden lässt dies nicht zu – korrekt muss es Weiße Liste heißen. Zunächst vermutete ich ein Kotau vor den Suchmaschinen. Wie ich aber jetzt höre – siehe Kommentar unten – gibt es kein „ß“ in Domainnamen. Vielleicht sollten wir das „Buckel-s“ dann doch mal abschaffen? Die Schüler würde es freuen und mich auch.

Quellen

Ärztekammer Berlin warnt vor fehlerhaften Ergebnissen in Patienteninformations-Portalen

Stern.de über die Weisse Liste

Bertelsmann Stiftung stellt die Weisse Liste vor

Startseite der Weissen Liste

Bildnachweis

Schwesternklingel von Stihl024 auf pixelio.de

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Die englische Fachzeitschrift British Medical Journal veröffentlichte in diesen Tagen eine sehr gründliche Studie über den Zusammenhang zwischen Muskelkraft bei Männern und ihrer Sterblichkeit.

8762 Männer zwischen 20 und 80 Jahren wurden im Durchschnitt 18,9 Jahre (!) lang beobachtet. In diesem Zeitraum starben 503.

Wenn man die Probanden in drei Gruppen je nach ihrer Muskelkraft einteilt, dann sieht man, dass in dem schwächsten Drittel die meisten, im mittleren schon weniger und im oberen Drittel die wenigsten Todesfälle zu beklagen waren. Rechnet man das Ergebnis auf Todesfälle pro Zehntausend hoch, dann ergibt sich eine Sterblichkeit bei den Schwächsten von 38.9/ 10.000, bei den Halbstarken eine von 25.9 und bei den Atlethen eine von 26.6 auf 10.000.

Erstaunlicherweise schützt Muskelkraft nicht nur vor dem Herz – Kreislauftod, sondern auch vor dem Ableben durch Krebserkrankungen. Der Effekt bleibt auch bestehen, wenn man die Wirkung der bessern Fitness des Herzens, des Kreislaufs und der Lunge herausrechnet.

Quelle

BMJ online, 1.7.2008, „Association between muscular strength and mortality in men: prospective cohort study“ (Zusammenfassung auf Englisch, dort auch Link zur kompletten Arbeit

Bildquelle

Casiocan auf Pixelio.de

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Sterbehilfe

Sterbehilfe, das sind alle Handlungen eines Arztes oder anderer Menschen, die einen schwer Kranken auf seinen eigenen Wunsch hin vorzeitig sterben lassen. Manchmal, aber selten, wird unter Sterbehilfe auch die Linderung der Beschwerden, die mit dem Sterben verbunden sind, verstanden.

Passive und indirekte Sterbehilfe
Die sogenannte passive Sterbehilfe besteht darin, dass der Arzt bestimmte Behandlungsmaßnahmen, die das Leben verlängern könnten, nicht durchführt. Oft nimmt der Arzt in Kauf, dass Medikamente zur Schmerzlinderung das Leben verkürzen können, solche Handlungen werden indirekte Sterbehilfe genannt.

Euthanasie: Aktive Sterbehilfe

Bei der aktiven Sterbehilfe gibt der Arzt dem Patienten ein Gift, um ihn damit zu töten. Die aktive Sterbehilfe wird auch Euthanasie genannt. Das Wort Euthanasie stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie schöner Tod. Menschen, die der Ansicht sind, die aktive Sterbehilfe sollte in Deutschland zugelassen werden, hören das Wort Euthanasie in diesem Zusammenhang nicht gern. Es erinnert zu sehr an die Tötung von geistig und körperlich Behinderten und seelisch Kranken zur Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945. Im Ausland, z.B. in Holland ist aber die Bezeichnung Euhanasie für die aktive Sterbehilfe weit verbreitet.

Aktive Sterbehilfe in Deutschland verboten

Die Euthanasie ist in Deutschland verboten. Kann die Einwilligung des Patienten nachgewiesen werden, wird sie als Tötung auf Verlangen nach § 216 des Strafgesetzbuchs bestraft. Das Strafmaß für die Tötung auf Verlangen liegt zwischen sechs Monaten und fünf Jahren Gefängnis. Der Arzt darf in der Regel seinen Beruf lebenslang nicht weiter ausüben.

Kann die Einwilligung des Patienten zur Tötung durch den Arzt nicht sicher nachgewiesen werden, dann wird die Euthanasie als Totschlag (fünf Jahre bis lebenslänglich Gefängnis) bestraft. Kommen niedere Beweggründe wie Mordlust oder Habgier ins Spiel, dann kommt nur die lebenslange Freiheitsstrafe für Mord in Frage.

Wille des Patienten ist entscheidend

Etwas schwieriger für den Richter zu beurteilen sind die passive und die indirekte Sterbehilfe. Der Fall liegt recht eindeutig, wenn der Patient seinen Willen äußern kann und er selbst bestimmt hat, dass die Behandlung nicht mehr weitergeführt werden soll. Der Arzt muß in einem solchen Fall auf jeden Fall dem Willen des Patienten folgen. Tut er das nicht und behandelt den Patienten gegen seinen Willen weiter, dann begeht er eine Körperverletzung. Dem Wunsch des Patienten nach Abbruch der Behandlung muß der Arzt auch dann folgen, wenn die Therapie den Patienten voraussischtlich heilen könnte.

Hat ein Helfer ein Gift besorgt, das der Patient selbst einnimmt, dann wird der Helfer nicht bestraft. Schließlich ist Selbstmord in Deutschland nicht verboten, somit kann auch die Beihilfe zum Selbstmord nicht bestraft werden. Für Ärzte ist die Rechtslage unklar: Zumindest verstoßen sie möglicherweise gegen das Standesrecht, wenn sie ein Gift zur Selbsttötung verordnen.

Bleibt der Helfer beim Patienten und unternimmt nichts, nachdem er durch das Gift bewußtlos wurde, dann kann er wegen unterlassener Hilfeleistung verurteilt werden.

Wenn der Patient sich nicht mehr äußern kann…

Was aber, wenn der Patient seinen Willen nicht mehr äußern kann? Wenn eine Patientenverfügung vorliegt, dann kann diese dem behandelnden Arzt als Richtlinie dienen. Allerdings: Es muß sichergestellt sein, dass die Patientenverfügung den aktuellen Willen des Patienten widerspiegelt. Zweifel können aufkommen, wenn die Patientenverfügung schon sehr alt ist oder den konkreten Fall, die konkrete Erkrankung mit ihren besonderen Umständen, nicht berücksichtigt.

Im Zweifelsfall muss sich der behandelnde Arzt an das zuständige Gericht wenden. Das gilt auch dann, wenn ein Betreuer verlangt, die Behandlung abzubrechen und der Patient selbst sich nicht äußern kann.

Euthanasie in den Niederlanden erlaubt

In den Niederlanden ist die Euthanasie seit April 2002 gesetzlich erlaubt. Es gibt bestimmte Regeln, an die sich der ausführende Arzt halten muß. Dazu gehört unter anderem die Meldung jeder Euthanasie an die Behörden. Im Jahr 2005 wurden 1993 Euthanasien gemeldet. Aber selbst die holländische Regierung vermutet, dass eine Vielzahl der Ärzte der Meldepflicht nicht nachkommt, Schätzungen gehen von rund 4000 Fällen im Jahr aus.

In manchen Fällen sollen auch Euthanasien ohne Einwilligung des Patienten durchgeführt worden sein. Meldungen hierüber veranlasste manche ältere niederländische Bürger, einen Ausweis bei sich zu tragen, in dem sie Sterbehilfe für sich ausdrücklich ablehnen.

Die überwiegende Mehrheit der niederländischen Bevölkerung und auch der Ärzteschaft sind aber mit der Regelung der Euthanasie in ihrem Land einverstanden.

Mehrheit der Deutschen für aktive Sterbehilfe

In Deutschland wünscht sich die Mehrheit (mehr als 70 %) der Bevölkerung eine ähnliche Liberalisierung der Sterbehilfe wie in Holland. Dies haben mehrere Umfragen gezeigt. In der Ärzteschaft ist aber nur eine Minderheit für eine Freigabe der aktiven Sterbehilfe. Die Bundesärztekammer lehnt die Euthanasie regelmäßig strikt und in scharfem Ton ab.

Quellen und weiterführende Links

1000fragen.de: „Sterbehilfe“

„Sterbehilfe und Euthanasie“ –
Referat im Rahmen des Philosophieunterrichts der Stufe 12

Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften: „Blickpunkt Sterbehilfe“

Deutsches Ärzteblatt, 27.04.2006: „Niederlande: Mehr Fälle von aktiver Sterbehilfe“

Grundsätze der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung

Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben e.V. (DGHS): Umfragen zur Sterbehlfe in Deutschland

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Es gibt nur wenige gute Untersuchungen, die den Drogenkonsum international vergleichen. Eine interesante Studie wurde in diesen Tagen in der Online-Fachzeitschschrift PLOS Medicine veröffentlicht.

Australische Forscher befragten 54.000 Menschen aus 17 Ländern im Auftrag der WHO danach, ob sie schon einmal Kokain, Alkohol, Marihuana oder Tabak konsumiert haben.

Erstaunlich war, dass die USA mit ihrer restriktiven Politik gegnüber illegalen Drogen weit vor den Niederlanden mit ihrer liberalen Drogenpolitik landen was den Konsum von Haschisch und Kokain angeht. 42,4 Prozent aller Amerikaner und nur 19 % aller Holländer gaben an, schon einmal einen Joint geraucht zu haben. Die Deutschen liegen mit 17,5 % noch hinter beiden.

Auch beim Kokain hält die USA mit 16,2 % den internationalen Spitzenplatz, Deutschland liegt mit 1,2 % auf den hinteren Rängen.

Auch wenn die Autoren selbst gewisse methodische Schwächen ihrer Arbeit sehen: Dass Deutschland beim Alkoholkonsum hinter der Ukraine weltweit den zweiten Platz erreicht, wundert mich nicht.

Quelle

Zusammenfassung der Studie auf PLOS Medicine, dort auch Link zum ausführlichen Text,  Englisch

Bildquelle

Pixelio.de: Cannabisblatt

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Der Sonnenbrand ist eine Verbrennung der Haut durch die UV-Strahlung der Sonne oder einer künstlichen UV-Quelle wie z.B. eines Solariums.

Medizinische Fachbegriffe: Erythema und Dermatitis solaris

Die Haut rötet sich, in der Medizin wird der Sonnenbrand daher auch Erythema solaris genannt (von griech.: ἐρύθημα, erythema – Röte und lateinisch sol – die Sonne). Ein weiterer medizinischer Fachbegriff ist der Ausdruck Dermatitis (=Entzündung der Haut) solaris.

Nach 24 Stunden brennts am schlimmsten

Im Gegensatz zu einer Verbrennung durch Hitze entwickelt sich die Rötung mit einer gewissen Latenzzeit: Erst 3-5 Stunden nach dem Sonnenbad fängt der Sonnenbrand an, nach 12 bis 24 Stunden ist er voll entfaltet. Bilden sich auch Blasen, spricht man von einem Sonnenbrand 2. Grades, ist nur eine Rötung sichtbar, handelt es sich um einen Sonnenbrand 1. Grades.

Sonnenbrände sind schmerzhaft, manchmal jucken sie auch.

Krebsrisiko erhöht

Sonnenbrände – vor allem in der Kindheit – erhöhen das Risiko, an einem malignen Melanom, dem sehr bösartigen schwarzen Hautkrebs, zu erkranken.

Kühlung und Kortisoncremes lindern

Kühlung hilft in jedem Fall, feuchte, saubere Tücher sind zu bevorzugen. (Eis kann weitere Schädigungen der Haut hervorrufen!).

Traditionsgemäß, aber nicht durch Studien gesichert, ist der Einsatz von mittelstarken bis starken Kortisonsalben. Dazu muss man aber den Hausarzt aufsuchen, weil solche Präparate verschreibungspflichtig sind.

Bei Blasen zum Hausarzt

Den Hausarzt aufsuchen sollte man in jedem Fall, wenn sich Blasen gebildet haben – hier kommt es auf einen sterilen Verband an, möglicherweise ist es sinnvoll, die Blasen steril (durch den Arzt) zu eröffnen. Bei ausgedehnter Blasenbildung ist Behandlung in einem Krankenhaus erforderlich.

Schmerzmittel

Oft werden sogenannte Nichsteroidale Entzündungshemmer – das sind Rheumamittel wie Diclofenac oder Ibuprofen – empfohlen. Nach neueren Untersuchungen wirken diese aber auch nicht besser als ganz gewöhnliche Schmerzmittel. Aus diesem Grunde kann man auch Paracetamol (u.a. Ben-u-ron®) oder Acetylsalicylsäure (u.a. Aspirin®) gegen die Schmerzen nehmen.

Vorbeugung: Welcher Hauttyp sind sie?

Die Verträglichkeit der Sonne richtet sich nach dem Hauttyp: Rotblonde mit Sommersprossen sind erheblich empfindlicher als Schwarzhaarige mit braunen Augen. (Welcher Hauttyp sind Sie ?)

UV-Index: Sonnenbrandwarnung vom Wetterdienst

Die UV-Strahlung ist im Sommer am Äquator wesentlich höher als im Winter in Norddeutschland, ein hoher UV-Index UV-Index zeigt eine hohe Sonnenbrandgefahr an.

Schatten und Kleidung

Der Schatten schützt, aber nur zu 50 %. Vor allem am Wasser und im Schnee muß noch mit zusätzlicher Reflektion der UV-Strahlen gerechnet werden.

Am besten schützt Kleidung: Ein Hut mit breiter Krempe, u.U. noch mit Nackenschutz, langärmelige Hemden und eine lange Hose.

Sonnenfrei zwischen elf und drei

Zwischen 11 und 15 Uhr ist die UV-Strahlung am stärksten: Empfindliche Menschen mit noch nicht an Sonne gewöhnter Haut und vor allem Kinder bleiben bei praller Sonne am besten im Haus.

Sonnencremes nur mit Breitbandwirkung

Sonnencremes und andere Lichtschutzmittel müssen einen ausreichend hohen Lichtschutzfaktor (mehr als 15) haben, nach dem Baden und alle 2 Stunden erneut, vor allem auch nicht zu sparsam, aufgetragen werden. Man sollte Mittel wählen, die gegen UV-B und UV-A wirken.

Quellen

P. Altmeyer: Enzyklopädie der Dermatologie, Online Version, 2008, Stichwort: Dermatitis solaris

Bildnachweis

Pixelio.de: Sonnenbrand

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