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Archive for 5. September 2008

Der neue Grippeimpfstoff für die Saison 2008/2009 ist gerade in den Praxen eingetroffen, da geht auch die alljährliche wissenschaftliche Auseinandersetzung um die Wirksamkeit der Grippeimpfung wieder los.

Sterblichkeit 50 % weniger durch Impfung?

In Deutschland wird die Grippeschutzimpfung nach Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) allen Patienten über 60 Jahre ans Herz gelegt.

Auch alle, die an einer chronischen Krankheit wie Zuckerkrankheit, Herzschwäche, chronischen Bronchitis oder AIDS leiden, sollten geimpft werden.

Die Impfung der Menschen, die in der Pflege, im Krankenhaus oder in Arztpraxen arbeiten, dient in erster Linie dem Schutz der Patienten.

Neu ist die Empfehlung, dass auch Vogelzüchter und Geflügelhalter sich impfen lassen sollen: Der Impfstoff schützt zwar nicht vor der Vogelgrippe, er verhindert aber eine Doppelinfektion mit dem Vogelgrippevirus und dem menschlichen Grippevirus. Eine solche Doppelinfektion könnte einmal der Ausgangspunkt einer weltweiten Vogelgrippe-Epidemie (einer sog. Pandemie) werden.

Der Grippeimpfstoff ist gut verträglich: Schwellung, Schmerzen und eine Rötung an der Stelle der Injektion kommen vor. Kopfschmerzen, Fieber und Gliederschmerzen sind schon seltener. Alle diese Erscheinungen klingen in der Regel nach einem bis drei Tagen folgenlos wieder ab.

Gegenanzeigen für eine Grippeimpfung sind eine Allergie gegen Hühnereiweiß oder ein fieberhafter Infekt.

Die Impfung gegen Grippe soll die Sterblichkeit älterer Menschen an grippebedingter Lungenentzündung um 50 % senken, so lauten die Ergebnisse früherer Studien.

Der „Healthy-User-Effect“

Dies ist wahrscheinlich maßlos übertrieben, sagt jetzt eine Studie der Universität von Alberta in Edmonton (Kanada). Die Forscher verglichen 352 geimpfte mit 352 Patienten ohne Impfung, die in sechs Krankenhäuser der Region mit einer Lungenentzündung eingeliefert wurden. Und tatsächlich: Geimpfte Patienten wiesen eine um 50 % verminderte Sterblichkeit auf.

Das Dumme war nur: Die Mediziner hatten ihre Untersuchung auf einen Zeitraum außerhalb der Grippesaison gelegt – die Grippeimpfung sollte eigentlich gar keinen Einfluss auf die Sterblichkeit haben.

Dieser Vorteil schmolz außerdem auf 19 % zusammen, wenn man Paare von Geimpften und Nichtgeimpften verglich, die sich auch hinsichtlich Einkommen, Sozialstatus und Schulabschluss glichen. (Dieser Unterschied war nicht mehr „signifikant“, er könnte auch zufällig entstanden sein.)

Die Untersucher schlussfolgern, der Effekt der Grippeimpfung werde deutlich überschätzt. Der sog. „Healthy-User-Effekt“ habe die Ergebnisse verfälscht. Der „Healthy-User-Effekt“ entsteht dadurch, dass besonders die Menschen an Schutzimpfungen und anderen vorbeugenden Maßnahmen teilnehmen, die auch sonst gesünder leben.

Händewaschen nicht vergessen!

Die kanadischen Mediziner raten aber nicht von der Grippeimpfung ab. Bloß sollten ältere Menschen nicht auf einen 100 %-igen Schutz vertrauen, sondern auch an andere Schutzmaßnahmen während einer Grippewelle denken: Händewaschen etwa oder das Vermeiden von Menschenansammlungen.

Quellen

Zusammenfassung der Studie auf Englisch, American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine Vol 178. pp. 527-533, (2008)

EurekAlert: Flu shot does not reduce risk of death

Zusammenfassung der Studie im Deutschen Ärzteblatt, Links zu anderen Beobachtungsstudien

Merkblatt des Robert Koch-Instituts zur Virusgrippe mit Empfehlungen der STIKO zur Grippeimpfung

Bild: seedo auf pixelio.de

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