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Archive for 16. Oktober 2008

Guillaume Depardieu, der Sohn des berühmten französischen Schauspielers Gérard Depardieu starb kürzlich in Paris an einer Lungenentzündung. In 90 % der Fälle wird eine solche Pneumonie, wie die Lungenentzündung im Fachjargon genannt wird, durch Bakterien, am häufigsten durch Pneumokokken verursacht – kleine kugelige Krankheitserreger. Ihren Namen verdanken sie ihrer Form: kokkos heißt im griechischen Beere und die Vorsilbe Pneumo deutet auf die Lungenentzündung als häufige Erkrankung durch die kleinen Kugeln an.

Besonders gefährlich für kleine Kinder und alte Menschen

Pneumokokkenerkrankungen sind besonders gefährlich für kleine Kinder und sehr alte Menschen, natürlich auch für solche, die durch Krankheiten wie Diabetes etc. in ihrer Abwehr geschwächt sind. Pneumokokken verursachen nicht nur Lungenentzündungen, sondern auch Gehirnhautentzündung und Sepsis (Blutvergiftung). Eher „harmlosere“ Erkrankungen durch Pneumokokken sind Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung) und Otitis media (Mittelohrentzündung).

Harmlose Pneumokokken im Rachenraum

Der Nachweis von Pneumokokken in einem Abstrich des Rachens bedeutet aber nicht, dass der Betroffene jetzt schwer erkrankt ist – Pneumokokken kommen auch als ganz normale Besiedler des Nasenrachenraums vor.

Impfung für Risikogruppen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Impfung gegen Pneumokokken für Kinder bis zum Alter von 2 Jahren und für alle Menschen über 60 sowie für alle, die durch eine Vorerkrankung wie Diabetes, Leukämie, Asthma oder AIDS besonders gefährdet sind.

90 Sorten Pneumokokken

Pneumokokken existieren in über 90 bekannten Varianten, sogenannten Serotypen, die Impfung schützt gegen die häufigsten von ihnen. Bruchstücke von insgesamt sieben verschiedenen Stämmen sind in der heute erhältlichen Kinderimpfung zusammengefasst. Die Impfung für Erwachsene gibt Schutz für 23 verschiedene Pneumokokken-Stämme.

Serotyp 19A: Die bösen Kokken nehmen überhand

Allerdings taucht jetzt ein neues Problem auf: Gerade in den Regionen der Vereinigten Staaten, in denen (Kinder) am häufigsten geimpft wurde, tauchen besonders aggressive Pneumokokken der Serogruppe 19A auf. Dumm, das die heute gängige Kinderimpfung diesen Typ nicht umfasst. Dumm auch, dass gerade diese Untergruppe sich als sehr resistent gegen die Impfung erweist.

Alexander S. Kekulé, der Direktor des Instituts für Mikrobiologie an der Universität Halle (Saale) glaubt nicht, dass es Zufall ist, dass die aggressiven Infektionen durch die Gruppe 19A gerade dort zugenommen haben, wo die meisten Kinder gegen Pneumokokken geimpft wurden.

Er glaubt eher an einen Verdrängungswettbewerb: Die Impfung habe die harmlosen Pneumokokken aus dem Nasen- und Rachenraum verdrängt, danach war dann mehr Platz für die bösen.

Aber dies ist nichts mehr als eine Vermutung.

Zulassung für neuen Impfstoff beantragt

In den USA wurde bereits die Zulassung eines neuen Kinderimpfstoffs mit Schutzwirkung gegen die Gruppe 19A – Pneumokokken beantragt.

Mal sehen, was sich die Pneumokokken dann „einfallen“ lassen….

In dem in Deutschland für Erwachsene zugelassenen Pneumokokkenimpfstoff ist der Serotyp 19A allerdings bereits enthalten.

Quellen

„Kugelförmige Killer“ – Alexander S. Kekulé kommentiert im Tagesspiegel

Robert Koch-Institut in Berlin: PneumoWeb: Laborsentinel invasiver Pneumokokken-Erkrankungen

Robert Koch-Institut in Berlin: Pneumokokken-Infektionen

Pressemitteilung der Wyeth-Lederle Pharma GmbH über neuen Pneumokokkenimpfstoff

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Diamorphin heißt der Stoff, er wird synthetisch hergestellt, und ist nichts anderes als Heroin. Diamorphin wird eingesetzt zur Behandlung der Heroinabhängigkeit – ist das nicht widersinnig?

Nein, ist es nicht, die deutsche Heroinstudie zeigt sehr beeindruckend, wie gut diese Therapie hilft.

In mehreren deutschen Großstädten läuft seit 2002 ein Modellversuch: Heroinabhängige bekommen Heroin unter ärztlicher Aufsicht, um sie von der Sucht zu heilen. Die Studie ist abgeschlossen und die Ergebnisse sind eindeutig: Es funktioniert.

Maria Eichhorn, drogenpolitische Expertin der CDU/CSU – Fraktion im Bundestag ist strikt dagegen, die Abgabe von Diamorphin an Abhängige zu erlauben.

Sie steht damit im Gegensatz zum Antrag von 13 Bundesländern und der Auffassung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing. Die dreizehn Bundesländer und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung wollen eine Änderung des Arzneimittelrechts, das den Einsatz von Diamorphin zur Therapie Drogenabhängiger erlaubt.

Die CDU-Abgeordnete Beatrix Philipp meint zum Thema: „Niemand käme auf die Idee einem Alkoholabhängigen von staatlicher Seite jeden Tag zehn Flaschen Schnaps zur Verfügung zu stellen“

Der Vergleich hinkt: Heroinabhängige müssen einbrechen, stehlen, sich prostitutieren etc., um an den Stoff zu kommen. Sie können daneben keiner geregelten Arbeit nachgehen, sie infizieren sich mit HIV und anderen Krankheiten, sie sterben an einer Überdosis, keiner weiß, wie stark der Stoff auf der Strasse wirklich ist.

Zeit für einen Entzug haben sie auf jeden Fall nicht.

Heroinabhängige, die Heroin unter ärztlicher Aufsicht bekommen, müssen nicht einbrechen, stehlen oder auf den Strich gehen. Sie haben eine Überlebenschance und den Kopf frei, um einen Entzug zu beginnen.

Heroin ist Methadon eindeutig überlegen in der Behandlung der Heroinabhängigkeit – das zeigt die deutsche Studie und auch die Erfahrungen in England, der Schweiz und Holland.

Die entsprechende Gesetzesänderung wird vor der nächsten Bundestagswahl trotzdem nicht zustande kommen. Es wird unnötige Drogentote geben, der HI-Virus wird sich ausbreiten, die Beschaffungskriminalität wird zunehmen – Ideologie besiegt wissenschaftliche Erkenntnisse.

Oder? Vielleicht sprechen Sie mit Ihrem Bundestagsabgeordneten. Lesen Sie die Quellen, die ich unten nenne. Vielleicht ändert sich doch noch etwas…

P.S.: Sehen Sie – Es hat geholfen – Der Deutsche Bundetag hat am 28.Mai 2009 die Möglichkeit gesetzlich eröffnet, Heroin an Schwerstabhängige zur Therapie abzugeben.

Quellen

Deutsche Heroinstudie

Deutsches Ärzteblatt: Heroinbehandlung von Opiatabhängigen: Vorurteile überwinden

Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung der Universität Hamburg – federführend in der Deutschen Heroinstudie

Die Zeit: Interview mit dem Hamburger Suchtforscher Christian Haasen


Tagesspiegel: Weg aus der Sucht – Studie: Durch Diamorphin können Heroinabhängige besser therapiert werden als mit Methadon

TAZ vom 15.10.2008: Staatliche Heroinvergabe –
Wie eine leere Hülle

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