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Archive for 19. November 2008

abreiseMehr als 70 % aller Medizinstudenten denken daran, im Ausland als Arzt zu arbeiten. Schlechte Arbeitszeiten, beschränkte Budgets und mageres Honorar werden als Hauptgründe genannt. Skandinavien, die Schweiz, England, Österreich, die USA und Australien werden als Auswanderungsziele genannt.

Nur 17 % aller befragten angehenden Mediziner wollen in Zukunft als Hausarzt arbeiten.

Dies sind die Ergebnisse einer Studie, die ein Forscherteam unter der Leitung von Dorothea Osenberg vom Institut für Allgemeinmedizin an der Ruhr Universität Bochum durchgeführt hat.

Die Studie ist noch nicht komplett veröffentlicht, es handelt sich um Vorabmeldungen der Pressestelle der Universität in Bochum.

Befragt wurden 4000 Studenten der Medizin, 1300 davon aus Bochum.

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hatte in der letzten Woche in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung die Ministerpräsidenten der Länder aufgefordert, Stipendien an Medizinstudenten zu vergeben, um dem Ärztemangel auf dem Land entgegen zu wirken.

Das Land solle das Studium finanzieren und der Stipendiat sich im Gegenzug bereiterklären, auch als angestellter Arzt für fünf oder sechs Jahre an einem unterversorgten Ort zu arbeiten. „Ich bin überzeugt, 80 Prozent dieser Mediziner bleiben“, sagte die Ministerin wörtlich.

Ich habe meine Zweifel, ob dies tatsächlich etwas am Problem ändern wird. (Ganz abgesehen davon, dass es sich nur um einen Appell handelt und keine wirkliche Maßnahme.)

Ein Medizinstudium ist sehr teuer, es kostet den Steuerzahler mehrere hunderttausend Euro. Können wir es uns wirklich leisten, Ärzte in erster Linie für den Bedarf im Ausland auszubilden?

Der schrittweise Abbau der hausärztlichen Versorgung, insbesondere im ländlichen Bereich, ist überall sichtbar – niedergelassene Hausärzte finden keine Nachfolger mehr. Sind die Praxen erstmal dicht, dauert es Jahrzehnte, bis die ärztliche Versorgung wieder aufgebaut werden kann: Die Ausbildung eines Allgemeinarztes dauert (mindestens) 11 Jahre.

Ein Arzt, der seinen Leben in England oder Australien, in den USA oder Dänemark aufgebaut hat, kehrt nicht so einfach zurück.

Die Zeit zum Handeln ist jetzt gekommen und ich denke, meine Meinung wird von der oben genannten Studie unterstützt.

Quellen

Zeit online: Medizinstudenten – Nach dem Abschluss ab ins Ausland

WAZ: Ärzte als Auswanderer

IDW online: 70 Prozent der angehenden Ärzte können sich vorstellen auszuwandern

Bild: ©captureware auf pixelio.de


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