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Archive for Februar 2009

rauchenÜbergewicht verkürzt das Leben in gleichem Maß wie Rauchen. Zu diesem Ergebnis kommt eine interessante Studie schwedischer Forscher am Karolinska Institut, der Universitätsklinik von Stockholm in Schweden.

Sie verfolgten die Daten von 45.920 jungen schwedischen Männern, die vor rund 38 Jahren im Alter von 18 Jahren gemustert wurden. Sie verglichen die Angaben zum Rauchverhalten und den Body Mass Index mit den Sterbedaten in den folgenden Jahren.

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Die Grafik (Quelle: Karolinska Institut) zeigt die Ergebnisse ihrer Studie. Auf den ersten Blick sieht das Ergebnis kompliziert aus. Aber so schwer ist es nicht: Sie sehen drei Reihen von jeweils fünf Säulen hintereinander. Die erste Reihe zeigt die Nichtraucher, die zweite die schwachen Raucher und die dritte repräsentiert die starken Raucher. In jeder Reihe stehen ganz links die stark Übergewichtigen, medizinisch die „Adipösen“ (BMI größer als 30). Rechts finden sie die Männer mit starkem Untergewicht (BMI kleiner als 17).

Am besten dran sind die normalgewichtigen und leicht untergewichtigen Nichtraucher: In einem Jahr sind von 10.000 Personen 11 Todesfälle zu beklagen. Die Gruppe der übergewichtigen Nichtraucher – in der ersten Reihe ganz links – weist 25 Todesfälle auf, genauso viel wie die normalgewichtigen Raucher – dritte Reihe Mitte hinten.

Das höchste Risiko für einen vorzeitigen Tod haben die stark übergewichtigen Raucher – ganz links hinten – in dieser Gruppe sterben 54 pro 10.000 und Jahr – das sind fast fünf mal so viel wie bei den normalgewichtigen Nichtrauchern!

Fazit: Nicht nur das Rauchen, sondern auch das Übergewicht muss schon bei jungen Leuten als Risikofaktor energisch angesprochen werden. Kommt beides zusammen, steigt das Risiko auf einen vorzeitigen Tod um das Fünffache!

Quellen

Deutsches Ärzteblatt: Studie: Übergewicht so ungesund wie Rauchen

Pressemitteilung des British Medical Journals: Being overweight just as risky to health as being a smoker

Zusammenfassung der Studie im British Medical Journal: Combined effects of overweight and smoking in late adolescence on subsequent mortality: nationwide cohort study

Zusammenfassung der Studie auf Englisch vom Karolinska Institu in Stockholm: Teenage obesity just as risky as being a smoker

Bild: ©Gerd Altmann auf pixelio.de

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teeTee schützt vor Schlaganfall, das ist das Ergebnis einer Studie, die Forscher der University of California, Los Angeles, am 19. Februar 2009 vorstellten.

Die führende Autorin der Studie, Lenore Arab, Professorin der inneren Medizin an der David Geffen School of Medicine der Universität, betonte, dass grüner und schwarzer Tee gleich gut wirken.

teeblaetterAber es muss Tee sein, der aus den Blättern des Teestrauchs stammt, also nicht etwa Kamillen- oder Kräutertee.

Minimum: Drei Tassen am Tag

Und: Es sollten wenigstens drei Tassen getrunken werden. Dann sinkt das Risiko um 21 %. Die Wirkung scheint sogar weiter anzusteigen, wenn noch mehr Tee getrunken wird: Also etwa 40 % Reduktion des Risikos bei 6 Tassen. (Leider lassen die Autoren die Frage offen, wie groß die Tassen sein sollen.)

Die Forscher hatten zunächst im Tierversuch Hinweise darauf gefunden, dass Tee vor Schlaganfällen schützt. Dies inspirierte sie dazu, alle Studien zu suchen, die weltweit je zu der Frage Tee und Schlaganfälle veröffentlicht wurden. Sie fanden neun Untersuchungen mit 4378 Schlaganfällen bei 195000 untersuchten Menschen.

Kein Mensch weiß bisher, welche Stoffe im Tee verantwortlich für die schützende Wirkung sind.

Weiter Studien sind erforderlich, um die Schutzwirkung des Tees genauer aufzuklären. Da aber Ostfriesen und Engländer ihren Tee schon seit Jahrhunderten ohne wesentliche Nebenwirkungen konsumieren, kann auch heute schon Tee zur Vorbeugung von Schlaganfällen bedenkenlos empfohlen werden.

Quellen

University of California, Los Angeles (UCLA), Health System: „Green, black tea can reduce stroke risk“

Bild Teetasse: ©Stephanie Hofschläger auf Pixelio.de

Bild Teeblätter von Wikimedia Commons, GNFUFDL-Lizenz, auf der verlinkten Seite nachzulesen

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schreibtisch_09022007_002_116636_by_claudia-hautumm_pixeliodeDie internationale Wirtschaftsberatungsagentur Ernst & Young veröffentlichte in diesen Tagen eine Studie zur Patientenzufriedenheit in Deutschland.

Die ganze Studie kann auf der Internetseite von Ernst und Young heruntergeladen werden.

Interessant an den Ergebnissen der Studie: Die befragten Deutschen vertrauen in medizinischen Dingen am ehesten ihrem Hausarzt, mehr als dem niedergelassenen Facharzt und mehr als der Uniklinik. Auch in der Behandlung bekommen die Hausärzte durchweg gute Noten: Mehr als 90 % bewerteten die Behandlung beim Hausarzt als positiv, mehr als bei jeder anderen Einrichtung im Gesundheitssystem.

41 % sehen Verschlechterung im letzten Jahr

Obwohl 85 % der Befragten sich insgesamt zufrieden mit der gesundheitlichen Versorgung zeigten, bemerkten doch 41 % eine Verschlechterung im letzten Jahr, nur 14 % gaben eine Verbesserung an, der Rest sah keine Veränderung.

Übrigens unterscheidet sich die Zufriedenheit auf dem Land und in der Stadt kaum, auch bei den Bundesländern sind die Unterschiede minimal: Am zufriedensten sind die Patienten im Norden und Westen der Republik.

Quellen

Pressebericht und Link zum Download der Studie „Gesundheitsbarometer 2009“

Bild: ©Claudia35 auf pixelio.de

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updHeute morgen konnte man es in allen Zeitungen lesen: Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) hat eine kostenlose Telefonnummer geschaltet: Unter 0800 0 117722 können Patienten hier anrufen und sich beraten lassen.

Hier kann man nach allem fragen, was mit Krankheit zu tun hat

Fragen kann man hier offensichtlich (fast) alles, was irgendwie mit Krankheit zusammenhängt. Informationen über regionale Therapieangebote erhält man hier beispielsweise oder auch Hilfe, wenn man glaubt, der behandelnde Arzt habe sich einen Kunstfehler zu Schulden kommen lassen.

Die UPD selbst gibt es schon seit zwei Jahren, sie wurde als Modellprojekt der Gesundheitsreform Anfang 2006 gestartet und wird von den Krankenkassen, also den Mitgliedsbeiträgen der Versicherten, finanziert.

Wer ist der Berater?

Leider kann man im Internetangebot nicht herausbekommen, wer eigentlich berät. „Unabhängigkeit“ und „Kompetenz“ wird versprochen. Unabhängig ist die Beratung ganz sicher von ärztlicher Kompetenz: Ärzte sind im Beratungsteam offensichtlich nicht vertreten.

Welche Qualifikation die Berater nun aber im einzelnen aufweisen, darüber schweigt sich die Website aus.

Eine Anfrage für 100 Euro ?

Billig ist die Angelegenheit auch nicht: 100. 000 Anfragen habe man in zwei Jahren bearbeitet, wurde heute stolz verkündet. 5,1 Millionen Euro kostet die UPD pro Jahr, meldet der Marburger Bund in einer Pressemitteilung schon Anfang 2006. 100.000 Anfragen für 10 Millionen Euro, das macht 100 Euro pro Anfrage – für dieses Geld betreut Ihr Hausarzt sie sechs Monate lang rund um die Uhr. Wahrscheinlich ist die UPD jetzt schon teurer geworden, auch die kostenlose Telefonnummer wird nicht umsonst zu haben sein.

Viel Kompetenz, gut verständlich, nicht fehlerfrei

Die Qualität der Telefonberatung konnte ich noch nicht testen, habe aber einige „Beratungsfälle des Monats“ und das Archiv der Pressemitteilungen durchstöbert. Dort sind viele gut verständliche und kompetente Informationen vertreten. Fehler gibt es auch: Die neu eingeführte Kindervorsorge U7a kann z.B. sowohl beim Kinderarzt als auch beim Allgemeinarzt durchgeführt werden und nicht ausschließlich beim Pädiater, wie die UPD meint.

Rufen Sie an!

Trotzdem, ich werde die UPD meinen Patienten empfehlen. Rufen Sie an, liebe Leser! Fünf Millionen Euro müssen genutzt werden (wahrscheinlich sind es noch mehr). Berichten Sie mir über Ihre Erfahrungen!

Sie vermuten einen Kunstfehler – was tun?

Übrigens: Wenn Sie vermuten, dass Ihr Arzt Sie falsch behandelt hat, suchen Sie zunächst das Gespräch mit Ihm selbst. Reden Sie ganz offen über Ihren Verdacht. Auch uns Ärzten ist es (mittlerweile) bewusst, dass wir Fehler machen. Wir wollen sogar aus unseren Fehlern lernen, oder noch besser: Aus den Fehlern anderer, bevor wir sie selbst machen.

Wenn das Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt nichts bringt, fragen Sie einen anderen. Auch Angehörige gesetzlicher Krankenkassen haben das Recht auf eine „zweite Meinung“, die Sie übrigens am besten vor einer Operation oder einer anderen riskanten Behandlung einholen sollten.

Und dann gibt es da noch die Schlichtungsstellen der Ärztekammern. Die Ärztekammer ist so etwas wie die Innung bei den KFZ-Werkstätten. Jeder Arzt ist Mitglied einer Ärztekammer. Die Ärztekammer bietet bei einem Kunstfehlerverdacht eine kostenlose und unverbindliche Begutachtung und Schlichtung an.

Beide Seiten: Arzt und Patient, müssen mit dem Schlichtungsverfahren einverstanden sein. Der Ausgang der Schlichtung lässt Ihnen den Prozessweg offen, aber die Schlichtung erspart Ihnen möglicherweise viel Geld für Rechtsanwälte, Gutachten und Gerichte.

Quellen

Unabhängige Patientenberatung Deutschland – Homepage

Marburger Bund kritisiert „Unabhängige Patientenberatung Deutschland“

Deutsches Ärzteblatt 6/2007: Patienteninformation: Guter Rat ist teuer

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