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Archive for März 2009

335693_r_k_b_by_rainersturm_pixeliodeDer Bluttest auf PSA, das Prostata spezifische Antigen, soll einen Krebs der Prostata frühzeitig erkennen, früher als dies z.B. mit dem tastenden Finger vom Enddarm her möglich ist. Frühzeitig erkannt, sollen diese Tumore auch besser zu behandeln und zu heilen sein, lautet die Theorie. Getestete Männer, denen die Blutuntersuchung auch hierzulande vom Urologen etwa ab dem 50. Lebensjahr empfohlen wird, sollten demnach auch länger leben.

Soweit die Theorie. Wie sieht es aber in der Praxis aus? Zwei neue Studien, eine aus mehreren europäischen Ländern (ohne Deutschland), die andere aus den USA, werfen berechtigte Zweifel am Sinn der PSA – Testung auf.

Die amerikanische Studie: PSA-Test kann kein Leben retten

Der PSA – Test ist in den USA sehr populär, obwohl er von führenden amerikanischen Fachgesellschaften in Sachen Krebs (American Cancer Society, US-National Cancer Institute) nicht empfohlen ist. So lassen sich beispielsweise 95 % der männlichen Urologen und 78 % der Allgemeinärzte jährlich untersuchen.

Um so befremdlicher wird den amerikanischen Kollegen das Ergebnis einer Studie an 76.993 Männern vorkommen, das am 18. März 2009 in der amerikanischen Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde.

Die 76.993 Männer wurden in zwei Gruppen unterteilt, von denen die eine eine regelmäßige PSA-Testung erhielt. Die andere diente als Kontrollgruppe, denen kein regelmäßiger PSA-Test angeboten wurde. (Trotzdem gingen auch viele Männer der Kontrollgruppe zum PSA-Test: Fast die Hälfte der Männer der Kontrollgruppe ließen sich außerhalb der Studie untersuchen.)

Nach sieben Jahren ergaben sich folgende Ergebnisse: Pro 10.000 Männern und Jahr wurden in der getesteten Gruppe 116 Prostatakrebse gefunden, in der Kontrollgruppe nur 95, die Rate entdeckter Karzinome konnte durch die Testung also um 20 % erhöht werden. Sinn der Früherkennung ist aber nicht eine hohe Rate an Krebsdiagnosen, sondern die Verlängerung des Lebens. Genau dies konnte, so das Ergebnis der amerikanischen Untersuchung, mit der Bestimmung des PSA-Wertes im Blut nicht erreicht werden.

In der Kontrollgruppe kam es zu 1,7 Todesfällen pro 10.000 Männern und Jahr, in der PSA-Gruppe starben von 10.000 hingegen jährlich 2 Männer. Die Sterblichkeit (an allen Ursachen) war also in der PSA-Gruppe eher höher als in der Vergleichsgruppe. Dieser Unterschied war aber „nicht signifikant“, wie dies in der Forschersprache heißt, er könnte also auch zufällig aufgetreten sein.

Trotzdem lässt sich schlussfolgern: In der amerikanischen Untersuchung konnte durch PSA-Testung keine Lebensverlängerung erzielt werden.

Studie in Europa ergab weniger Tote durch Prostatakrebs

Eine Untersuchung mit dem gleichen Ziel wurde auch in acht europäischen Ländern durchgeführt und in der gleichen Ausgabe wie die amerikanische Untersuchung im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

In Europa nahmen 162.000 Männer teil, sie wurden neun Jahre beobachtet. Bei den Männern mit PSA-Test wurde in 8,2 % der Fälle ein Krebs der Vorsteherdrüse festgestellt, in der Kontrollgruppe nur bei 4,8 %. Der Unterschied fällt also wesentlich größer aus als in den Vereinigten Staaten. Vermutliche Ursache: In Europa ist der PSA – Test (noch) nicht so populär wie in den USA, deswegen gingen weniger Männer der Kontrollgruppe zur vorsorglichen Blutuntersuchung. Die europäische Studie gibt leider keine Informationen darüber, wie viele Kontroll – Probanden das Ergebnis durch PSA-Tests außerhalb der Studie verzerrt haben.

Das Ergebnis der europäischen Studie liest sich auf den ersten Blick hoffnungsvoll: Durch das PSA-Screening sei es gelungen, die Sterblichkeit an Prostatakarzinom um 20 % zu senken.

Jedoch: Das ist nicht alles. Was die Studie leider nicht beantwortet: Lebten die Männer mit dem PSA – Test länger als die ohne? Angaben zur Lebensdauer fehlen bedauerlicherweise in der europäischen Studie im Gegensatz zur amerikanischen.

Die Senkung der Sterblichkeit um 20 % wird teuer erkauft: Um einen Patienten zu retten, müssen 48 Patienten behandelt werden. 48 Männer, die an der Prostata operiert oder die bestrahlt wurden, möglicherweise um den Preis der Inkontinenz oder Impotenz.

Dies räumen auch die Autoren der europäsichen Studie ein. Am Ende ihres Artikels im New England Journal of Medicine betonen die Forscher, dass ein Screening der gesamten männlichen Bevölkerung mit dem Risiko der Überdiagnose und der Überbehandlung verbunden ist.

Quellen

NEJM vom 18.3.2009: Mortality Results from a Randomized Prostate-Cancer Screening Trial“ – Bericht über die Studie aus den USA

NEJM vom 18.3.2009: Bericht über die europäische Studie

Deutsches Ärzteblatt am 19.03.2009: Prostatakarzinom: Studien bestätigen Zweifel am PSA-Test

Bild: Blutentnahme, © Rainer Sturm auf pixelio.de

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madenIn den letzten Monaten und Jahren war häufiger von den Vorteilen der Therapie chronischer Wunden mit Maden zu lesen und zu hören.

Eingesetzt werden Maden einer speziellen Fliegenart, die unter speziellen keimfreien Bedingungen aufwachsen. Die Maden werden „freilaufend“ auf die Wunde gesetzt oder aber sie verrichten ihre Arbeit in kleinen Beuteln aus Schaumstoff oder Gaze, die als Verband aufgelegt werden.

Die Maden säubern die Wunde von Krusten und abgestorbenem Gewebe, lebendes Gewebe greifen sie nicht an.

Die VenUS II – Studie der Universität von York in England verglich die Madentherapie (freilaufend und im Beutel) mit der herkömmlichen Therapie mit einem Hydrogelverband.

Das Resultat bei 267 Patienten mit chronischen Unterschenkelgeschwüren: Die Maden machen die Wunde zwar schneller sauber, aber schneller heilen tut sie trotzdem nicht. Mit Maden dauert es durchschnittlich 236, mit Hydrogel 245 Tage, dieser Unterschied ist statistisch zu vernachlässigen.

Auch kostenmäßig tun die beiden Verfahren sich nichts. Ob ein chronisches Geschwür am Unterschenkel mit Maden oder auf herkömmliche Art und Weise behandelt wird, kann man getrost dem Geschmack von Arzt und Patient überlassen, folgern die Autoren der Studie.

Quellen

Homepage der Studie

Bericht des Deutschen Ärzteblatts vom 20.3.2009 über die Studie: „Ulcus cruris: Entzauberung der Madentherapie“

Foto: Maden in einer (schon gereinigten) Wunde, Bild auf Wikimedia Commons, dort als gemeinfrei bezeichnet.

Zusammenfassung der Studie im British Medical Journal vom 19.3.2009

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357088_r_k_by_marctwo_pixeliodeFolsäure ist ein lebenswichtiges Vitamin. Folsäure ist enthalten in grünem Blattgemüse, in Bohnen und in Vollkornprodukten. Der Mangel an Folsäure bei Schwangeren führt zu Missbildungen beim Neugeborenen, die Einnahme von Folsäure in Tablettenform – am besten schon vor der Empfängnis – reduziert das Risiko. Folsäuremangel durch schlechte Ernährung begünstigt Blutarmut und Nervenkrankheiten, außerdem steigt das Risiko für verschiedene Krebserkrankungen. In den USA wird Folsäure vielen Nahrungsmitteln zugesetzt, um einem Mangel vorzubeugen.

Auch bei Männern mit Prostatakarzinom fanden sich niedrige Folsäurekonzentrationen im Blut, geringere als bei Männern ohne Krebs der Vorsteherdrüse.

Diese Befunde veranlassten Forscher der Universität von Südkalifornien zu untersuchen, ob man Prostatakrebs verhindern kann, indem Männer Folsäuretabletten einnehmen.

Das verblüffende Resultat der fast 12-jährigen Studie an 643 Männern wurde jetzt im Mitteilungsblatt des Nationalen Krebsinstituts der Vereinigten Staaten veröffentlicht: Das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, wird durch Einnahme von Folsäure in einer Dosis von 1mg am Tag um mehr als das Doppelte erhöht!

Die Autoren betonen, dass ihr Resultat durch weitere, grössere Studien bestätigt oder widerlegt werden sollte. Aber es kann auch heute schon festgehalten werden: Die Einnahme von Vitaminen in Tablettenform ist wahrscheinlich nicht in jedem Fall gesund, während der reichliche Genuss von Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukten in jedem Fall empfehlenswert ist, um sich gesund zu erhalten und vor Krebserkrankungen zu schützen.

Quelle

Oxford Univerity Press online – Zusammenfassung der Studie, die ursprünglich am 9.3.2009 im Journal of the National Cancer Institute veröffentlicht wurde (engl.) – Folic Acid and Risk of Prostate Cancer: Results From a Randomized Clinical Trial

Mitteilung der University of Southern Caliornia zur Studie vom 10.3.09 auf eurekalert.org (engl.)

Bericht im Deutschen Ärzteblatt vom 12.3.2009: Folsäure erhöht Prostatakarzinomrisiko

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GichtDas Ergebnis einer sehr gründlichen Untersuchung über den Zusammenhang von Vitamin-C-Konsum und Gicht veröffentlichte jetzt eine kanadisch-amerikanische Forschergruppe in einer angesehenen amerikanischen Fachzeitschrift.

Die Autoren untersuchten mehr als 46.000 Männer, die meist in Gesundheitsberufen arbeiteten, über den langen Zeitraum von 20 Jahren. Sie fanden dabei heraus, dass die Einnahme von Vitamin C – egal ob aus natürlichen Quellen oder als Tablette oder Pulver – wirkungsvoll vor dem schmerzhaften Gichtanfall schützen kann.

Dabei bestand ein klarer Zusammenhang zwischen der Vitamin-C-Dosis und der Schutzwirkung: Alles unter 500 mg war wirkungslos, wer aber mehr als 1500 mg Vitamin C täglich schluckte, der reduzierte sein Risiko um beachtliche 45 %. (Bis zu 2000 mg, also 2 g Vitamin C scheinen nach heutigen Erkenntnissen auch langfristig unschädlich zu sein.)

Üblicherweise verschreibt der Arzt Patienten mit erhöhten Harnsäurewerten, die ein starkes Risiko für einen Gichtanfall haben, Allopurinol.

Allopurinol ist im allgemeinen gut verträglich, es kann aber in seltenen Fällen zu Magen-Darm-Beschwerden und zu Blutbildveränderungen führen. Gefürchtet ist das sehr seltene, aber lebensbedrohliche Lyell-Syndrom, bei dem sich die Haut am ganzen Körper ablöst, als sei sie verbrüht.

Vielleicht stellt Vitamin C in Zukunft die besser verträgliche Alternative zum Allopurinol dar? Dies müssten direkte Vergleichsstudien in Zukunft erweisen, aber reichlich Vitamin C kann Gicht – gefährdeten Patienten schon heute empfohlen werden.

Quelle

Arcives of Internal Medicine: Vol. 169 No. 5, March 9, 2009, Vitamin C Intake and the Risk of Gout in Men

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215396_r_b_by_tobias-zeller_pixeliode138 Liter trinkt jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr davon: Die Rede ist von Mineralwasser. Verpackt wird es in Glas- und zunehmend auch in Plastikflaschen. Besonders in dem Mineralwasser aus der Plastikflasche fanden Frankfurter Forscher teilweise stark erhöhte Konzentrationen von Substanzen, die wie weibliche Geschlechtshormone (Östrogene) wirken.

Aber auch das Mineralwasser in Glasflaschen war nicht frei von diesen Substanzen, dort war die Belastung aber nur halb so hoch. Insgesamt waren 12 der 20 Mineralwasserproben mit Östrogen – wirksamen Stoffen verunreinigt.

Mineralwasser habe damit in hormoneller Hinsicht oft die Qualität von Abwasser aus Kläranlagen, erklärten die Forscher.

Ob das mit Hormonen belastete Mineralwasser die Gesundheit gefährdet, ist allerdings damit noch nicht gesagt. Dazu müssen erst noch die einzelnen Substanzen, die die Hormonwirkung verursachen, identifiziert werden. Erst dann kann eine Aussage darüber getroffen werden, wie diese sich im menschlichen Körper verhalten und ob sie dort auch eine hormonelle Wirkung entfalten.

Sollte sich der Verdacht der Forscher bestätigen, dass die Plastikverpackung eine wesentliche Ursache der Verschmutzung darstellt, dann dürfte der Hormoneffekt auch bei anderen, ähnlich verpackten Lebensmitteln nachweisbar sein.

Quellen

Maritn Wagner und Jörg Oehlmann: Endocrine disruptors in bottled mineral water: total estrogenic burden and migration from plastic bottles, Environmental Science and Pollution Research, 10.3.2009 online, (engl.) Zusammenfassung und kompletter Artikel zum Download

Deutsche Zusammenfassung des Artikels u.a. hier:

Uniprotokolle.de: Umwelthormone im Mineralwasser

Wissenschaft-online.de: Hormone im Mineralwasser

Süddeutsche Zeitung: Unser tägliches Östrogen

Bild: Glas Mineralwasser © Tobias Zeller auf pixelio.de

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