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Archive for April 2009

Influenza-VirusforschungDie ersten Fälle von Schweinegrippe sind in Deutschland eingetroffen, stündlich treffen auch aus vielen anderen Ländern der Welt Meldungen über Neuerkrankungen und Verdachtsfälle ein. Grund zur Panik? Ich glaube: Eher nicht!

Milde Verläufe außerhalb Mexikos

Obwohl die genaue Beurteilung noch schwer fällt: Es stellt sich immer mehr heraus, dass die meisten Grippefälle außerhalb Mexikos außerordentlich mild verlaufen. Selbst die mexikanischen Behörden korrigierten heute die Anzahl der an Schweinegrippe gestorbenen Patienten nach unten: Nicht bei zwanzig, sondern nur bei sieben Todesfällen sei der neue Amerika-Virus sicher nachgewiesen worden. (In Mexiko herrscht noch Grippezeit, die ganz normale Grippe überlagert die Schweinegrippe, der exakte Virusnachweis ist sehr aufwendig.)

Wir dürfen nicht vergessen: Jede Grippewelle kostet allein in Deutschland jährlich 5000 bis 15000 Menschen das Leben…

CDC: Alte und Kranke besonders gefährdet

Aber war da nicht noch etwas anderes? Ja sicher – der neue Virus sollte doch besonders junge, gesunde Menschen befallen und mit dem Tode bedrohen. Stimmt nicht so ganz, wenn man den neuen Verlautbarungen der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC Glauben schenken darf. Auch wenn man noch nichts Genaues sagen könne, so geht das CDC doch davon aus, dass wie bei einer normalen saisonalen Influenza die bekannten Risikogruppen besonders gefährdet sind. Dazu gehören: ältere Menschen, Diabetiker, Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen, Säuglinge, Bewohner von Altenheimen, Krebskranke und HIV-Infizierte.

Auch die Symptome und selbst die Inkubationszeit – der Zeitraum zwischen Ansteckung und Erkrankung – seien identisch wie bei der üblichen Wintergrippe. Die Symptome sind bekannt: Fieber, Gliederschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Reizhusten und Kopfschmerzen. Die Inkubationszeit kann zwischen einem und sieben Tagen liegen, meist wird man in der Zeit zwischen dem ersten und vierten Tag nach Ansteckung krank.

Immerhin: Ein neuer Virustyp

Ob die herkömmliche Grippeimpfung irgend eine Schutzwirkung hat, darüber sind sich die Experten uneins. Sicher ist: Der Schweinegrippenvirus ist von gänzlicher unterschiedlichem Aufbau als alle bisher bekannten Influenzaviren. Dies ist eine Voraussetzung für eine mögliche Pandemie, also eine Grippeepidemie, die die ganze Welt überzieht und weitaus mehr Todesopfer fordert als die alljährlichen lokalen Epidemien.

Bisher sieht es aber so aus, als ob der neue Virus eher harmloser daherkommt als seine „ganz normalen“ Vorgänger. Virologen, Epidemiologen und Beamte der Gesundheitsämter werden die Augen offen halten müssen. Der „Normalbürger“ kann aber ganz beruhigt schlafen gehen. Außerdem: Wer den nächsten Urlaub in der Lüneburger Heide verbringt statt um die ganze Welt zu düsen, schützt jetzt nicht nur die Umwelt, sondern auch seine Gesundheit.

Quellen

Deutsches Ärzteblatt; News vom 29.4.09

CDC: nterim Guidance for Clinicians on Identifying and Caring for Patients with Swine-origin Influenza A (H1N1) Virus Infection

Interim Guidance on Antiviral Recommendations for Patients with Confirmed or Suspected Swine Influenza A (H1N1) Virus Infection and Close Contacts

Einschätzung des Robert Koch-Instituts zur Schweineinfluenza

Bild: Wikimedia Commons, ohne Copyright, Foto zeigt Virus-Forscher der amerikanischen CDC.

Interaktive Karte der New York Times zur Zahl der Erkrankungen (Verdachtsfälle und gesicherte Fälle) weltweit

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mexikoSoeben wird der erste (gesicherte) Fall aus Spanien gemeldet. In Mexiko sollen bereits über 100 Menschen an der neuen Seuche gestorben sein, gesichert sind aber nur 18 Fälle bei immerhin über tausend Patienten mit Schweinegrippeverdacht. Weiterhin nur leichte Verläufe der Erkrankung werden aus den USA gemeldet, von den 20 gesicherten Fällen musste nur ein Patient im Krankenhaus behandelt werden.

Epidemie in Mexiko seit März 2009?

Schon seit März dieses Jahres wurde eine Häufung von Todesfällen im Zusammenhang mit grippeähnlichen Erkrankungen aus dem Zentrum Mexikos gemeldet.

Anfang April isolierte man in San Diego , an der Grenze von Kalifornien zu Mexiko gelegen, einen Influenza – A – Virus, der sich mit den herkömmlichen Verfahren nicht weiter klassifizieren ließ. (Die beiden Kinder, aus dessen Nase man den Abstrich gewonnen hatte, waren gar nicht so schwer krank und sind mittlerweile wieder ganz gesund. Der Grund für den Abstrich war wohl der Bericht über die mexikanischen Todesfälle. )

Der Abstrich wurde weitergereicht zur Centers for Disease Control (CDC), der zuständigen amerikanischen Gesundheitsbehörde. Diese klassifizierte den Virus als neue Variante des Influenza – A – Virus und verpasste ihm die Bezeichnung A/California/04/2009 A(H1N1).

Den gleichen Erreger wiesen amerikanische Untersucher nun auch in Mexiko nach. Jetzt erst waren die Zutaten für das große (Medien-)Spektakel gemischt: Todesfälle plus unbekanntem Erreger! (Das schon sechs Wochen zuvor etliche gesunde junge Mexikaner an einer Grippe verstarben, war keine Schlagzeile wert.)

Das CDC klärte das Erbgut des neuen Virus auf und entwickelte einen Test, mit dem der neue Schweinegrippevirus weltweit nachweisbar sein wird. Wenn jetzt also an allen Ecken der Welt neue Infektionen nachgewiesen werden, muss dies nicht unbedingt auch eine rasende Verbreitung anzeigen: Es ist durchaus möglich, dass der Virus schon vorher da war, aber nicht bestimmt wurde – wie zuvor in Mexiko.

Nur leichte Fälle in den USA – hohe Sterblichkeit in Mexiko?

Immer noch erstaunlich: Todesfälle werden nur aus Mexiko berichtet, in den USA scheinen alle Erkrankungen sehr leicht zu verlaufen. Ob dies wirklich, wie Andreaas Bohn in einem Kommentar meint, an der unterschiedlichen Gesundheitsversorgung in Mexiko und den USA liegt, wage ich zu bezweifeln. So stark ist meiner Meinung nach der Einfluss der Medizin auf den Verlauf der Grippeerkrankung nicht: Ob die neuen antiviralen Medikamente tatsächlich Todesfälle verhindern können, ist bisher noch umstritten.

Hier besteht noch weiter dringender Aufklärungsbedarf!

Wie ist der neue Virus entstanden?

Der neue Virus setzt sich zusammen aus Bestandteilen des amerikanischen Vogelgrippevirus, des nordamerikanischen Schweinegrippevirus, der Variante desselben Virus aus Europa und Asien sowie dem menschlichen Influenza-A-Virus.

Höchstwahrscheinlich entstand er in einem grippekranken Schwein, welches sowohl von einem Menschen als auch von einem Vogel angesteckt wurde. Heraus kam eine neue Variante, die auch von Mensch zu Mensch übertragbar ist.

Da der Mensch keine Möglichkeit hatte, Abwehrstoffe gegen den völlig neuen Virus zu entwickeln, ist eine weite und schnelle Verbreitung zu befürchten. (Die Schwere der Erkrankung hängt dagegen noch von weiteren Faktoren ab und ist zur Zeit noch nicht sicher abzuschätzen.)

Grippeviren vom Schwein gibt es schon lange: Der Schweinegrippevirus wurde bereits 1930 nachgewiesen. Es gibt auch schon seit längerem Übertragungen vom Schwein auf den Mensch und auch die Übertragung der Schweineviren von einem Mensch auf den anderen wird schon länger beobachtet.

Auch kleinere Epidemien wie die in Fort Dix 1976 sind bekannt. 13 Soldaten erkrankten, 230 waren infiziert. Es wurde nie geklärt, woher die Epidemie stammte und auch nicht, warum sie so plötzlich wieder endete. (Damals wurden 40 Millionen Amerikaner geimpft. Die Aktion wurde abgebrochen, weil 500 Impflinge an einem Guillain-Barré-Syndrom, einem schweren Nervenleiden, erkrankten und 30 starben. An der Grippe starb nur ein Patient.)

Schweinefleisch kann übrigens unbedenklich gegessen werden – die Grippeviren werden bei 75 Grad Celsius abgetötet. Und es ist noch nie eine Fall von Schweinegrippe nach dem Verzehr von Schweinefleisch beobachtet worden.

Quellen

Deutsches Ärzteblatt: Globale Öffentlichkeit im Bann der Schweinegrippe

Robert Koch-Institut zur Influenza und Schweineinfluenza

Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit zur Schweinegrippe

Scienceinsider, der Blog des Science Magazine: Swine Flu Spreads, But Severity and Genetics Remain Murky

WHO:
Global Outbreak Alert & Response Network

CDC: Human Swine Influenza Investigation

WHO: Swine influenza

CDC: Swineflu – Die aktuellen Erkrankungszahlen aus den USA

ECDC – European Centers for Disease Control: Swine influenza outbreaks in the US and Mexico

Foto: Bahnfahrende mit Mundschutz in Mexiko-City, Wikimedia Commons, CC- 2.0-Lizenz

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schweinIn Mexiko und im Südwesten der USA sind im März und April 2009 über 1000 Menschen an einer Infektion durch einen neuartigen Schweinegrippevirus erkrankt, der zuvor noch nie gesehen wurde. In Mexiko starben 60 Menschen bis zum heutigen Tag, dem 25. April 2009, in den USA wurden nur leichtere Erkrankungen berichtet.

Viele junge gesunde Menschen erkrankt

Erstaunlicherweise erkrankten sehr viele gesunde junge Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren an der neuen Form der Grippe, außerdem brachen die Infektionen an mehreren Orten gleichzeitig aus, ohne dass ein Kontakt zwischen den Erkrankten bisher nachgewiesen werden konnte.

Die amerikanische Behörde CDC (Centers for Disease Control) berichtete, dass der bei den Patienten nachgewiesene Virus eine neue Form des Influenza A – Erregers vom Typ H1N1 darstellt. Er enthalte Bestandteile vier verschiedener bisher bekannter Grippeviren: Der amerikanischen und der europäisch-asiatischen Schweinegrippe – Viren, der Vogelgrippe sowie der menschlichen Influenza-A-Viren.

Das Schwein als Schmelztiegel der Grippeviren

Obwohl der Virus zu den Erregern der Schweinegrippe gezählt wird, haben die erkrankten Personen mehrheitlich keinen Kontakt zu Schweinen gehabt. Der Virus wurde vermutlich von Mensch zu Mensch übertragen. Allerdings ist es zu vermuten, dass er zuerst im Schwein entstanden ist – das Schwein ist schon seit langem als der „große Schmelztiegel“ der Grippeviren bekannt.

Bisherige Grippeschutzimpfungen schützen vermutlich nicht gegen diese neuartige Form der Virusgrippe. Es ist bisher unklar, warum es in Mexiko im Gegensatz zu den USA zu so vielen Todesfällen kam, während doch ziemlich eindeutig festgestellt werden konnte, dass es sich um ein und dasselbe Virus in beiden Ländern handelt.

Erinnerungen an die Spanische Grippe 1918

Vieles an diesem neuen Grippeausbruch erinnert an die große weltweite Grippeseuche von 1918, die „Spanische Grippe“: die hohe Anzahl von Erkrankungen bei jungen Erwachsenen, der völlig neue Virustyp und der gleichzeitige Ausbruch an verschiedenen Orten.

Man wird abwarten müssen, ob dieser neue Ausbruch der Beginn des von Forschern weltweit schon länger erwarteten großen, weltweiten Grippeseuchenzugs wird oder nicht. Die Weltgesundheitsorganisation hat ihren Krisenstab zusammengerufen, aber noch keinen „Pandemiealarm“ ausgelöst.

Quellen

WHO: Influenza-like illness in the United States and Mexico

Centers for Disease Control: Briefing on Public Health Investigation of Human Cases of Swine Influenza

CDC: Update: Swine Influenza A (H1N1) Infections — California and Texas, April 2009

CDC: Swine Influenza (Flu)

Einschätzung des Robert Koch-Instituts zur Situation der Schweinegrippe

Antworten des Robert Koch-Instituts zur Schweine-Influenza bei Menschen

Bild (Schweine): ©Ute Bibow auf Pixelio.de

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Ich komme mal wieder zu spät. Ein Hinweis von Freitexter hat mich aufgeweckt, am 21. April sollten wir Blogger der staunenden Öffentlichkeit demonstrieren, welche Perlen in unserer Mitte versteckt sind. Stylespion trat die Aktion am 17. April los.

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Also fangen wir gleich bei Freitexter an: Freitexter ist freier Journalist in Berlin und schreibt über Wirtschaft und Arbeitswelt. Lesenswert, informativ, lustig, knappe Beiträge, kein Geschwafel, aufgeräumtes Design.

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In der „Stationären Aufnahme“ empfängt sie Dr. Strapatto und sein Gastkommentator hockeystick. Kritisch geht es hier zu, pharmakritisch vor allem. Unterhaltsame professionelle Schreibe, gut recherchiert, lesenswert. (Dr. Strapatto verrät uns nicht seinen Beruf, ich rate mal, er ist Medizinjournalist.)

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Der Assistenzarzt ist gar keiner, sondern hier blogt eine Assistenzärztin. Lese gerne hier, fühle mich an früher erinnert, da hat mich auch immer alles so aufgeregt. Assistenzärztin blogt anonym, es besteht aber kein Zweifel an der Tatsache, dass sie auch wirklich eine solche ist. Sowas merkt man …

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Wolf-Dietrich Trenner aus Berlin blogt in der Bedarfshaltestelle. Wenn ich richtig recherchiert habe, hat Herr Trenner eine Ausbildung zum Krankenpfleger und ein Studium der Heilpädagogik hinter sich. Jetzt engagiert er sich in der Behindertenhilfe und arbeitet für verschiedene Webauftritte der Krankenkassen, auf denen man sich ein Krankenhaus aussuchen kann, passend zur Krankheit.

Die Bedarfshaltestelle suche ich immer wieder gerne auf, hier geht es sehr kritisch zur Sache, auch wir Ärzte bekommen regelmäßig was auf die Finger. Vor allem unser unermesslicher Reichtum wird uns dort nicht nur nicht vergönnt, sondern eher regelrecht abgesprochen, beneidet, ja verleidet.

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Eine lobenswerte Idee: Medicalblogs.de – Die Welt der medizinischen Blogs – greift alles auf, was in der Medizinszene so geblogt wird. Die Idee ist so gut, dass ich mich immer wieder frage, warum ich da nicht selbst drauf gekommen bin.

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Medizynicus ist Arzt, vermutlich tätig im Krankenhaus, vermutlich Assistenzarzt.

Medizynicus blogt und hat auch ein Buch geschrieben. Ich habe es (noch) nicht gelesen.

Anfangs war ich skeptisch – Zynismus ist eine Haltung, die ich nicht so besonders schätze.

Wikipedia schreibt:

Heute bezeichnet man als Zynismus zum einen eine Haltung, die in (manchmal absichtlich) verletzender Weise die Wertvorstellungen anderer herabsetzt oder missachtet, und zum anderen auch eine Haltung, die moralische Werte grundsätzlich in Frage stellt (und sich darüber hinaus manchmal auch über sie lustig macht). Zynismus kann Folge und Anzeichen von Resignation sein. (Ein Zyniker ist jemand, der Ideale hat, aber zu wissen glaubt, dass sie nicht realisierbar sind.)

Aber so zynisch, wie der Titel verspricht, ist der Blog gar nicht!

Medizynikus hat sogar Gewissensbisse

Meine Empfehlung: Lesen, wer sich für den Alltag im Krankenhaus interessiert.

Gar nicht zynisch.

Übrigens: Das ist noch längst nicht alles, es gibt noch viel mehr zu berichten. Die Reihenfolge ist rein zufällig und stellt keine Hitparade dar. Ich melde mich wieder und berichte weiter.

Quellen

Quellen sind die verlinkten Blogs selber. Die Bilder habe ich mir auch dort ausgeliehen. Sollte das nicht korrekt sein, bitte kurz Bescheid sagen – schon sind sie wieder weg.

Der Krankenhausflur bei Assistenzarzt stammt von blubablub auf pixelio.de, Copyright beim Autor.

Die Bedarfshaltestelle wird durch ein Bushaltestellenschild aus Österreich illustriert, die Abbildung habe ich der Wikipedia entnommen, sie ist frei von Urheberrechten.

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fleisch

Wer viel rotes Fleisch (Fleisch vom Schwein oder Rind) oder verarbeitetes Fleisch (z.B. Wurst) verzehrt, geht ein erhöhtes Risiko ein, vorzeitig zu sterben. Dies gilt nicht für weißes Fleisch (vom Geflügel). Rotes Fleisch erhöht das Risiko für Herz- und Kreislaufkrankheiten, für Krebs und andere Erkrankungen.

Dies ist das Resultat einer groß angelegte Studie aus den USA. 542.000 Amerikaner wurden 1995 nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt, anschließend wurden ihre Todesursachen zehn Jahre lang erfasst und statistisch ausgewertet.

Nahm man nun die 20 % der Probanden, die das meiste rote Fleisch zu sich nahmen und verglich sie mit dem Fünftel mit dem geringsten Konsum, dann zeigten sich sehr deutliche Unterschiede hinsichtlich der Sterblichkeit. In der Gruppe der Fleischfreunde fanden sich fast doppelt so viel Todesfälle wie in der Gruppe der sparsam Konsumierenden.

Nachdem die Ergebnisse rechnerisch vom Einfluss anderer Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen und sportliche Inaktivität befreit wurden, war der Einfluss des Fleischverzehrs weniger stark, aber immer noch deutlich vorhanden.

Fazit der Forscher: 11 % der jährlichen Sterbefälle bei Männern und sogar 16 % der Sterbefälle pro Jahr bei den Frauen ließen sich vermeiden, wenn weniger rotes Fleisch und weniger verarbeitetes Fleisch wie z.B., Wurst konsumiert würden.

Quellen

Zusammenfassung der Studie. „Meat Intake and Mortality“, Archives of Internal Medicine, 23.3.2009

Veröffentlichung der gesamten Studie, herunterzuladen als pdf

Bericht im Deutschen Ärzteblatt: „Studie: Fleischesser sterben früher „

Bild: ©Thomas Weiss auf pixelio.de

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"Die Anatomie des Dr. Tulp" (Gemälde von Rembrandt)Wir schreiben das Jahr 1827. Die Anatomie ist unverzichtbarer Bestandteil der medizinischen Ausbildung in ganz Europa geworden.

Ein großes Problem in der Ausbildung der angehenden Ärzte war der Mangel an Leichen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zeigte sich dieses Problem besonders drückend im englischen Königreich. Leichen für den anatomischen Unterricht entstammten in erster Linie den Hinrichtungen.

Wurde man auf den Britischen Inseln im 18. Jahrhundert selbst wegen relativ harmloser Verbrechen wie Diebstahl oder Einbruch gehängt, so wurde diese Praxis zur Jahrhundertwende drastisch eingeschränkt, jetzt kam der Galgen nur noch für Kapitalverbrechen wie Mord und Totschlag in Frage. Immer weniger Verbrecher wurden hingerichtet, aber immer mehr Studenten wollten Medizin studieren – ein eklatanter Mangel an geeigneten Studienobjekten war die Folge.

Die Bodysnatcher

Der Leichenmangel führte zu einer neuen Berufsbezeichnung, oder besser: Ganovendisziplin. Die Bodysnatcher (Körpergreifer) oder resurrectionists (Aufersteher) stahlen Leichen vom Friedhof – meist kurz nach der Beerdigung, weil die Preise für frische Leichen am höchsten lagen und Kühlung oder Konservierung mit Formalin noch unbekannt waren.

Diese Unsitte führt dazu, dass viele wohlhabende Engländer sich in verschlossenen Eisensärgen bestatten ließen, möglicherweise noch mit einem unterirdischen Gitter ringsherum, denn die Bodysnatcher gruben Tunnel von der Grabstelle nebenan.

Das mörderische Quartett

William Burke und William Hare fanden eine neue Methode, um den Leichenhunger der anatomischen Fakultät zu stillen.

Beide kamen aus Irland nach Schottland, sie fanden Arbeit beim Bau des Union Canal, einer künstlichen Wasserstraße, die die Verbindung zwischen Glasgow und Edinburgh, den beiden wichtigsten schottischen Städten, herstellte.

Nach Abschluss der Bauarbeiten quartierte sich Burke bei einem ebenfalls aus Irland stammenden Ehepaar in Edinburgh ein. Das Ehepaar betrieb eine Pension, die Burke nach dem Tod des Inhabers übernahm, zusammen mit der Witwe, mit der er in „wilder Ehe“ zusammenlebte.

Zu diesem Paar stieß William Hare mit seiner Freundin, zunächst als Pensionsgäste, später wurden sie enge Freunde. Na ja, so eng war die Freundschaft auch wieder nicht: Es wurde wohl viel gezankt. Einig war man sich in den Lebenszielen: Möglichst viel Whiskey für möglichst wenig Arbeit.

Der Anfang: Der tote Gast kann die Rechnung nicht bezahlen

william-burkeIm November 1827 verstarb in Burkes Pension ein alter Mann, der Donald genannt wurde. Zum Zeitpunkt seines Ablebens stand er mit 4 £ bei den Burkes in der Kreide. Burke beschloss, den Sarg zu leeren, kurz bevor der Bestatter ihn abholen kam. Das fehlende Gewicht glich er durch Baumrinde (Färberrinde) aus.

knoxDen Leichnam verkaufte er an den Anatomieprofessor Knox in Edinburgh und erhielt dafür die stolze Summe von 7 £. Professor Knox stellte offenbar keine lästigen Fragen. Er war froh, Anschauungsmaterial für seine (zahlenden) Studenten ergattert zu haben.

Das Quartett wird immer dreister

Der erste Verkaufserfolg brachte das mörderische Quartett – Burke, Hare und ihre Lebensgefährtinnen – auf die Idee, dem Schicksal ein wenig nachzuhelfen. Sie betäubten die Pensionsgäste zunächst mit Alkohol. Dann hielt sie einer fest, während der andere das Opfer mit dem Kissen erstickte. (Das Wort „to burke“ geht später in den englischen Wortschatz ein – es bedeutet jemanden zu ersticken, ohne Spuren zu hinterlassen.)

Zwischen 13 und 30 Leichen lieferten die vier dem Anatomieprofessor Knox ab und erhielten gute Preise: je nach Zustand und Bedarf waren zwischen acht und zehn Pfund Sterling immer drin. Die Leichen waren anfangs meist alt und krank, später wurden sie immer jünger. Immer waren sie alkoholisiert, nie wiesen sie sichtbare Spuren eines Gewaltverbrechens auf.

Das Quartett wurde immer unvorsichtiger: Zunehmend wurden nicht nur Pensionsgäste umgebracht, auch junge und gesunde Menschen wurden auf der Straße zu einem Drink eingeladen und später in der Pension ermordet.

Mary und Peggy, zwei stadtbekannte Prostituierte, wurden unter einem Vorwand in die mörderische Pension gelockt und umgebracht. Sicher werden auch einige Studenten diese Leichen (wieder)erkannt haben.

James Wilson war ein bekannter Entertainer, er litt unter einer sichtbaren Deformierung eines Beins. War es Zufall, dass Professor Knox die Sektion im Gesicht begann oder hatten auch hier die Studenten Verdacht geschöpft?

Der Kronzeuge Hare geht straffrei aus

william_hareMary Docherty, eine ältere Frau aus Irland, war das letzte Opfer. Pensionsgäste schöpften Verdacht und fanden die Leiche. Auch das Angebot einer „Leibrente“ von 10 Pfund pro Woche konnte die Zeugen nicht davon abhalten, zur Polizei zu gehen.

Trotzdem: Die Beweislage blieb schwierig. Der Staatsanwalt des Königs bot William Hare Straffreiheit an, wenn er bereit sei, ein Geständnis abzulegen und Burke zu belasten.

Hare war sofort einverstanden, Burke wurde Ende 1828 zum Tode durch Erhängen und anschließendem Sezieren im Anatomieunterricht verurteilt. Sein Skelett wird auch heute noch in Edinburgh ausgestellt, auch Teile seiner Haut können als Buchdeckeleinband besichtigt werden.

Hare kam Anfang 1829 frei, seine Spuren verwischten sich; manche sagen eine wütende Menge habe in in eine Kalkgrube geworfen und er sei als blinder Bettler in London gestorben. Über den weiteren Lebenslauf der beiden Frauen gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Verurteilt wurden sie jedenfalls nicht, dafür war die Beweislage zu dünn. Sie sollen mehrfach knapp der Lynchjustiz des aufgebrachten Volkes entgangen sein.

Professor Knox, der sicherlich vieles gewusst oder sich doch einiges gedacht haben muss, ging straffrei aus. Sein Ruf war allerdings ruiniert, er konnte sich in Edinburgh nicht mehr halten und musste sich eine neue Stellung in London suchen.

Das Vermächtnis der Serienmörder

1831 kam es zu Nachfolgetätern in London: Die „London Burkers“ ermordeten ihre Opfer nach dem Vorbild in Edinburgh und verkauften die Leichen an die Anatomie.

Unter dem Eindruck dieser Ereignisse erließ das britische Parlament 1832 ein Gesetz, das die Arbeit der Anatomieschulen regelte. Jede (private) Anatomieschule musste staatlich zugelassen werden, Leichen ohne Angehörige gehörten der Anatomie. Ebenso war es möglich, dass die nächsten Angehörigen ihre Verwandten nach dem Ableben zur Sektion freigeben, wenn die Anatomieschule die Beerdigung bezahlte. Anderseits konnten sie auch dem Wunsch des Verblichenen, dem Unterricht in Anatomie zu dienen, widersprechen.

Und auch durch einen englischen Kindervers sind die Serienmörder unsterblich geworden:

Burke’s the butcher, Hare’s the thief,
Knox the man who buys the beef

Sinngemäß übersetzt etwa:

Burke ist der Metzger, Hare ist der Dieb,
Knox ist der Mann, dem das Fleisch zu kaufen blieb

Wie sieht es heute aus?

Heutzutage muss niemand mehr fürchten, umgebracht zu werden, weil Leichen in der Anatomie fehlen. Ganz im Gegenteil: In Europa stehen mehr Leichen als benötigt für den Unterricht der angehenden Mediziner zur Verfügung.

Wer seinen Körper als Spende dem Unterricht angehender Mediziner zur Verfügung stellen möchte, der muss zu seinen Lebzeiten eine entsprechende Erklärung gegenüber dem nächstgelegenen anatomischen Institut abgeben. In der Regel erfolgt die anschließende Bestattung auf Institutskosten, manche Universitäten verlangen eine Kostenbeteiligung.

Organspender fehlen hingegen. Und mit einer Organspende kann man Leben retten. Körperspende an die Anatomie schließt Organspende aus – vor allem jüngere Menschen sollten daher dem Organspendeausweis den Vorrang geben!

Quellen

Edinburgh Royalmile.com: Burke and Hare

Körperspendewesen an der Uniklinik Münster

Bestattungsplanung.de

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ct

Ein Artikel in der amerikanischen Fachzeitschrift Radiology vom April 2009 erinnert uns an das Krebsrisiko durch wiederholte Untersuchungen mit Computertomografie.

Die Strahlenbelastung durch die Computertomografie, kurz auch CT genannt, wird von Ärzten und Patienten oft unterschätzt. Die biologisch wirksame Strahlendosis wird in der Einheit Sievert gemessen. Bei einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs nimmt der untersuchte Mensch eine Dosis von 0,02 bis 0,08 Millisievert auf. Wird die gleiche Region mit einem CT untersucht, kommen 6 – 10 Millisievert zusammen. Einmal CT entspricht somit ein paar hundert „normalen“ Röntgenaufnahmen. (Das Bundesamt für Strahlenschutz hat eine Broschüre mit allen Angaben zur Strahlenbelastung zusammengestellt, die man sich hier als pdf-Datei herunter laden kann.)

Die amerikanischen Forscher untersuchten rund 32.000 Patienten, die im Jahre 2007 eine CT – Untersuchung in einer amerikanischen Schwerpunktklinik in Boston erhielten. Sie ermittelten die Zahl und die Art der CT-Untersuchungen ihrer Patienten und versuchten abzuschätzen, in wie weit sich das Krebsrisiko dieser Patienten im Laufe ihres ganzen Lebens durch diese CT-Untersuchungen erhöht.

Die Zahl der bösartigen Tumore wird sich nach Ansicht der Forscher durch die CT Untersuchungen, je nach Art und Häufigkeit der Untersuchungen, um 0,3 bis 12 % erhöhen. (Das durchschnittliche Risiko der amerikanischen Bevölkerung, im Laufe des Lebens an Krebs zu erkranken, liegt bei 42 %.) Die Wahrscheinlichkeit, dass die untersuchten Patienten an Krebs sterben, erhöht sich um 0,2 bis 6,8 %.

Natürlich liefert das CT oft wichtige Informationen und kann helfen, Diagnosen zu erstellen, die Leben retten. Trotzdem: Ohne Nebenwirkungen ist die Untersuchungsmethode nicht, das ist das wichtigste Resultat dieser aktuellen Studie.

Quellen

Zusammenfassung der Studie auf Englisch in der Zeitschrift Radiology (DOI: 10.1148/radiol.2511081296)

Pressemitteilung der amerikanischen Radiologengesellschaft: CT scans: Too much of a good thing can be risky

Krebsinformationsdienst.de : Computertomographie: Der Blick ins Körperinnere

Deutsches Ärzteblatt online am 31.3.09: Erhebliches Krebsrisiko durch wiederholte Computertomografie

Bild: Computertomograf, hier: eine Behandlung des Bandscheibenvorfalls, von wikimedia.org, Lizenz: Creative Commons 2.5

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