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Archive for 20. Mai 2009

Epilepsie

epilepsieFoto: © Gerd Altmann auf pixelio.de

Die Epilepsie (griechisch: ἐπιληψία [epilepsia] – Fallsucht) ist eine anfallsartige Funktionsstörung des Gehirns, bei der sich viele Nervenzellen gleichzeitig elektrisch entladen. Das entstehende „Gewitter im Gehirn“ führt zu einer unendlichen Vielfalt von Symptomen. Der große Anfall mit Muskelzuckungen am ganzen Körper unter Verlust des Bewusstseins ist nur einer von vielen Anfallstypen.

Die Epilepsie ist keine seltene Krankheit: Rund 5 % aller Menschen erleiden im Laufe ihres Lebens einen epileptischen Anfall. Von einer Epilepsie spricht man aber erst, wenn ein Patient mehr als einen Anfall erlitten hat, unter dieser Krankheit leiden 0,5 bis 1 % der deutschen Bevölkerung, somit 400.000 bis 800.000 Menschen.

Epileptische Anfälle haben viele Gesichter

Epileptische Anfälle können sehr unterschiedlich aussehen – manchmal zucken und versteifen sich die Muskeln, manchmal wirkt der Patient nur kurz abwesend, ein anderes Mal verliert er völlig das Bewusstsein. Das ist aber noch längst nicht alles: jeder Bezirk des Gehirns kann von einem epileptischen Anfall betroffen sein. Und so vielfältig die Gehirnfunktionen des Menschen sind, so vielfältig zeigen sich auch die Symptome der Epilepsie. Angst oder ein Kribbeln um den Mund, die Wahrnehmung nicht vorhandener Geräusche oder Bilder oder ein plötzliches Einnässen – alles dies kann einen epileptischen Anfall anzeigen.

So werden die Epilepsien eingeteilt

Herdförmige („fokale“) Epilepsien gehen von einem begrenzten Bezirk des Gehirns, einem „Herd“ oder „Fokus“ aus: die Muskeln verkrampfen sich zum Beispiel nur in der linken Körperhälfte, nur das Gehör, die Gefühle, das Sehen oder Hören oder die Aufmerksamkeit sind betroffen.

Generalisierte Anfälle betreffen das ganze Gehirn, Epilepsien mit generalisierten Anfällen zeigen Zuckungen der Muskulatur an beiden Körperhälften. Anfälle, die zunächst herdförmig beginnen, breiten sich manchmal nach und nach auf das ganze Gehirn aus – ein herdförmiger Anfall kann sich zu einem generalisierten entwickeln.

„Symptomatische“ Epilepsien sind Krampfleiden, die als Symptom einer zugrunde liegenden Krankheit, z.B. eines Hirntumors auftreten. Bei „idiopathischen“ Epilepsien ist eine solche Grundkrankheit nicht bekannt. „Kryptogen“ nennt man die Formen von Epilespsie, bei denen man keine Krankheit als Ursache finden konnte, eine solche „verborgene“ („kryptogene“) Ursache aber sehr wahrscheinlich ist.

Fieberkrämpfe bei Kindern zählen übrigens nicht zu den Epilepsien, das gleiche gilt für die Krampfanfälle, die beim Alkoholentzug auftreten können.

Epilepsien sind keine Erbkrankheiten, aber eine gewisse Veranlagung zum Krampfanfall scheint vererbbar zu sein, deswegen beobachtet man Anfallsleiden oft familiär gehäuft.

Epilepsie tritt am häufigsten im Kindesalter und jenseits des 60. Lebensjahres zum ersten Mal in Erscheinung, prinzipiell kann aber jeder in jedem Lebensalter erkranken.

Epilepsiekranke leiden unter Vorurteilen

Die meisten Patienten, bei denen die Diagnose Epilepsie zum ersten Mal gestellt wird, sind geschockt, das gleiche gilt für die Eltern der Kinder, die zum ersten Mal erfahren, dass ihr Kind unter dieser Erkrankung leidet.

Dabei sind die Aussichten gar nicht so schlecht: Rund 60 % aller Epilepsiekranken werden durch Medikamente anfallsfrei, bei weiteren 20 % werden die Anfälle durch die Wirkung der Antiepileptika deutlich seltener. In einem geringen Prozentsatz der Fälle, in erster Linie bei fokalen Anfällen, kann auch die Chirurgie helfen, wenn die Medikamente nicht anschlagen. So kann z.B. die Entfernung einer Narbe im Gehirn nach einem Unfall oder Schlaganfall die Anfälle zum Verschwinden bringen.

Natürlich haben die Medikamente Nebenwirkungen, aber sie sind erträglich und ein normales Leben, auch ein normaler Schulbesuch sind in aller Regel möglich. Entgegen landläufiger Meinung hat Epilepsie nichts mit geistiger Behinderung zu tun, 70 % aller Kinder mit Epilepsie sind normal intelligent. (Es gibt allerdings auch Schädigungen des Gehirns, z.B. durch Masern, Röteln oder Sauerstoffmangel vor oder während der Geburt, die sowohl zur geistigen Behinderung als auch zur Epilepsie führen.)

Einzelne epileptische Anfälle führen nicht zu einer Schädigung des Gehirns, dies ist erst dann zu befürchten, wenn ein Anfall oder eine Serie von Anfällen länger als eine halbe Stunde dauern. Diesen Zustand nennt man „Status epilepticus“, er tritt selten auf und ist unmittelbar lebensbedrohlich.

Erste Hilfe beim „Großen Krampfanfall“

Ein großer Krampfanfall sieht für den Laien auf den ersten Blick sehr gefährlich aus. Nach einem kurzen Schrei versteifen sich die Muskeln, anschließend zucken Arme und Beine rhythmisch. Die Haut des Patienten verfärbt sich blau, er ist bewusstlos und reagiert nicht auf Ansprache. In aller Regel hört der Anfall nach einigen Sekunden bis Minuten von alleine wieder auf.

Bewahren Sie Ruhe! Die blaue Verfärbung der Haut ist kein Grund, eine künstliche Beatmung einzuleiten. Wegen der starken Anspannung der Muskeln ist dies auch gar nicht möglich.

Versuchen Sie bitte auf gar keinen Fall, irgend etwas in den Mund einzuführen, es funktioniert nicht und schafft nur zusätzliche Verletzungen.

Während des Anfalls versuchen Sie bitte, alle Gegenstände aus dem Weg zu räumen, an denen sich der Patient verletzen könnte. Nach dem Anfall ist der Patient oft sehr müde, manchmal bewusstlos. Sie sollten den Patienten in die stabile Seitenlage bringen !

Rufen Sie den Notarzt (Tel. 112), wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert oder Sie nicht genau wissen, was Sie tun sollen.

Quellen

Epilepsie-informationen.de

Epilepsie-netz.de

Deutsche Epilepsievereinigung e.V.

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