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Archive for Juni 2009

259062_R_K_B_by_Gerd-Altmann-geralt-_pixelio.deFoto: © Gerd Altmann auf Pixelio.de

Ist das Insulin Glargin, unter dem Handelsnamen Lantus im Handel, krebsfördernd? Dieser Verdacht wurde am Wochenende durch mehrere Presseveröffentlichungen gefördert und prompt erhielt ich am Montagmorgen Anfragen von Patienten in meiner Praxis.

Meine klare Antwort: Man weiß es (noch) nicht. Es wurden am Wochenende insgesamt fünf verschiedene Studien bekannt, deren Ergebnisse auf jeden Fall sehr verwirrend sind.

Widersprüchliche Studienergebnisse

Studie eins kam vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Institut der AOK. Es wurden Daten von 130.000 Patienten der AOK, die Lantus oder ein herkömmliches Humaninsulin erhalten haben, ausgewertet. Verglich man die beiden Gruppen, stellte man weniger Krebsdiagnosen bei den mit Lantus behandelten Patienten fest. Allerdings hatten Patienten, die mit Lantus behandelt wurden, durchschnittlich weniger Insulin erhalten als die mit herkömmlichem menschlichem Insulin therapierten.

Das IQWiG rechnete nun die Krebsfälle pro injizierter Lantusdosis aus und kam damit auf eine (gering) erhöhte Krebshäufigkeit.

Die vier anderen Studien kamen zu deutlich abweichenden Ergebnissen. Eine schwedische, eine schottische und eine englische Studie konnten keinen Zusammenhang zwischen Lantus und Krebs nachweisen. Eine Studie des Herstellers, die eigentlich die Wirkung auf Netzhauterkrankungen des Diabetikers untersuchen sollte, lieferte sogar eine geringere Krebsrate unter Lantus, verglichen mit den anderen Insulinpräparaten.

Die Lage ist unklar, sollte aber alle Patienten, deren Diabetes mit Lantus gut eingestellt ist, nicht beunruhigen. Insulin ist ein wachstumsförderndes Hormon. Jedes Insulin, auch das körpereigene aus der Bauchspeicheldrüse, kann vorhandene Tumore in ihrem Wachstum fördern. Insulin erregt aber keinen Krebs, das heißt, es verwandelt keine gesunde Zelle in eine Krebszelle.

Weitere Studien sind erforderlich, um die Lage zu klären. Wenn Sie beunruhigt sind, sprechen Sie bitte mit Ihrem Hausarzt. Setzen Sie aber auf keinen Fall Ihre Lantus-Spritzen ab.

Alle Studien sind leider nur auf Englisch und nur im Format PDF nachzulesen, Sie finden sie als Link im Bericht des Deutschen Ärzteblatts.

Was sind Insulinanaloga?

Insulin Glargin wurde 2000 als Medikament in Deutschland zugelassen. Menschliches Insulin ist aus 51 Aminosäuren aufgebaut. Beim Insulin Glargin wurden vier Aminosäuren ausgetauscht, um die Wirkungsdauer zu verlängern. Insulin Glargin wird zu den sogenannten Insulin-Analoga gerechnet, sie unterscheiden sich von dem herkömmlichen zur Therapie verwendeten Humaninsulin in einer oder mehrerer Aminosäuren, sie wirken teils kürzer (Lispro, Insulinaspartat, Insulin Glulisin), teils länger (Insulin Glargin, Insulin Detemir) als die bisher verfügbaren Präparate.

Bei den kürzer wirkenden Analog-Insulinen, die zu den Mahlzeiten gespritzt werden, wird der fehlende Spritz-Eß-Abstand und die geringere Rate an Unterzuckerungen einige Stunden nach der Mahlzeit als Vorteil gesehen. Der Patient werde dadurch unabhängiger, er könne sofort nach dem Spritzen mit der Mahlzeit beginnen und könne auf eine Zwischenmahlzeit verzichten.

Bei den langwirkenden Analog-Insulinen wird die echte 24 Stunden Wirksamkeit als Vorteil gesehen. Langzeitinsuline werden meist abends gespritzt, durch den sehr langsamen Anstieg der Wirksamkeit sollen nächtliche Unterzuckerungen vermieden werden.

Kritiker sehen allenfalls minimiale Vorteile der neuen, veränderten, gegenüber den alt eingeführten, unveränderten Humaninsulinen. Sie fürchten unbekannte Nebenwirkungen, die Diskussion um den Krebsverdacht ist so alt wie die Inuslinanaloga selbst. Die kritischen Stimmen sind außerdem der Meinung, dass der Mehrpreis für die Neuentwicklungen sich nicht auszahlt.

Die gültigen Arzneimittelrichtlinien, die für jeden Vertragsarzt in der Behandlung von gesetzlich Versicherten bindend sind, schließen eine Verordnung von Insulinanaloga weitgehend aus, wenn sie Mehrkosten im Verhältnis zu den herkömmlichen Insulinen verursachen. (Für bestimmte Fälle wurden allerdings Ausnahmeregelungen geschaffen.)

Quellen

Deutsches Ärzteblatt: „Insulinanalogon Glargin unter Krebsverdacht“, dort auch alle weiterführenden Links

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8331_R_K_B_by_Dietmar-Meinert_pixelio.de Foto: © Dietmar Meinert auf pixelio.de

Wadenkrämpfe sind schmerzhaft, rauben vielen Menschen den Schlaf, sind gar nicht nicht so selten (jeder dritte über 60 hatte schon welche) und ihre Ursache bleibt meistens im Dunkeln.

Wadenkrämpfe entstehen, weil sich die der große Wadenmuskel urplötzlich und kräftig schmerzhaft zusammenzieht, ohne dass man irgend etwas dagegen tun kann. Das dauert einige Sekunden oder Minuten, bis von selbst oder nach Dehnung der Muskeln der Krampf wieder vorbeigeht. (Der große Wadenmuskel, der Musculus gastrocnemius wird gedehnt, indem man die Zehen in Richtung Nasenspitze zieht.) Bisweilen ist es nicht die Wade, die krampft, sondern die Muskeln im Oberschenkel oder im Fuß.

Die Wade der Nation

Dummerweise zieht sich der Wadenmuskulatur gerade dann zusammen, wenn man noch im Bett liegt. Entweder passiert das nachts beim Umdrehen oder morgens, wenn man sich gerade so richtig schön strecken und recken will. Aber auch bei und nach körperlichen Anstrengungen, vor allem in großer Hitze, kommt es häufig zu Wadenkrämpfen. (Erst letztes Jahr war Ballacks Wade Thema der ganzen Nation.)

Schwangerschaft, Mangel an Wasser und Mineralien als Ursache

Fast jede dritte Frau leidet im letzten Drittel der Schwangerschaft unter Wadenkrämpfen, nach der Geburt ist in der Regel Schluss damit. Wadenkrämpfe werden begünstigt durch eine Schildrüsenunter- oder Überfunktion, eine Leberzirrhose sowie chronische Nierenerkrankungen. Der Verlust von Wasser oder verschiedenen für den Körper wichtigen Mineralstoffen (Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium etc.) z.B. durch Erbrechen und Durchfall sind ebenfalls häufige Ursachen.

Mehrere Medikamente können die Entstehung dieser schmerzhaften Plage begünstigen, dazu zählen die das Cholesterin senkenden Statine, Wasser treibende Mittel, einige Betablocker und bestimmte Mittel gegen Asthma bronchiale: Die sogenannten Betasympathomimetika wie Salbutamol und ähnliche. Zuviel Alkohol am Vorabend macht oft am nächsten Tag die Wade schmerzhaft hart.

Wann zum Arzt ?

Der Gang zum Arzt wird fällig, wenn Wadenkrämpfe nicht nur hin und wieder auftreten, sondern mit einer gewissen Regelmäßigkeit die Lebensqualität empfindlich stören. Neben einer Blutuntersuchung wird der Arzt eine körperliche Untersuchung durchführen, z.B. die Pulse am Fuß prüfen, um eine Durchblutungsstörung auszuschließen. Ist die „Sensibilität“ gestört, also empfindet der Patient Berührungen, Vibrationen oder Kälte schlecht, dann ist dies ein Hinweis auf Nervenerkrankungen als Ursache der Krämpfe im Bein. Das gleiche gilt, wenn die Reflexe, z.B. am Knie oder an der Ferse abgeschwächt oder gesteigert auslösbar sind. Auch Erkrankungen des Kniegelenks äußern sich mitunter in hartnäckigen Wadenkrämpfen.

Der Ausdruck Krampfadern hingegen hat nichts mit Krämpfen zu tun, das Wort kommt vom Althochdeutschen „krimpfan“ für „krümmen“, auf neudeutsch übersetzt müssten sie also eigentlich „Krummadern“ heißen.

Was hilft?

Magnesium soll vor allem in der Schwangerschaft helfen, es ist auch in allen anderen Fällen einen Versuch wert.

Dehnen beugt vor

Dehnungsübungen helfen nicht nur im akuten Anfall, sondern sind auch vorbeugend wirksam. (Ca. 1 Meter entfernt vor einer Wand aufstellen, die Arme nach vorne ausstrecken. Gegen die Wand fallen lassen, mit den Armen abstützen und die Ellenbogen so weit beugen, bis ein leichtes Ziehen die Waden erfasst, dabei die Fersen nicht vom Boden abheben! Diese Übung mehrfach täglich, nach einer Woche tritt Besserung ein.)

Aufpassen, dass die Zehen im Bett nicht nach unten zeigen können! Ein Kissen am Fußende kann da Wunder wirken.

Chinin: Wirksam, aber nicht immer unbedenklich

Chinin ist gut wirksam und in Deutschland frei verkäuflich. In den USA wurde es wieder der Rezeptpflicht unterstellt, weil seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkungen durch unkontrollierten Chiningebrauch zunahmen. Dazu gehören Herzrhythmusstörungen, Schwindel, Blutbildveränderungen, Erbechen, Kopfschmerzen und Schwindel. Chinin hilft nach einer aussagekräftigen Studie in 80 % der Fälle verglichen mit 50 % nach Placebo. Bei langfristigem Gebrauch empfehle ich EKG- und Laborkontrollen, um Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.

Quellen

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, AWMF online, Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Crampi/Muskelkrampf

Neuro24.de: „Wadenkrämpfe und andere Krampi“

Clinical Knowledge Summaries: Scenario: Leg cramps – unknown cause

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378809_R_K_B_by_Gerd-Altmann--geralt-_pixelio.de©Bild Gerd Altmann (geralt) auf pixelio.de

Am Donnerstag, dem 11. Juni 2009 erklärte die WHO die Warnstufe 6 für die neue Form der Virusgrippe, die allgemein als Schweinegrippe bekannt ist. Warnstufe 6 – das bedeutet, dass die neue Grippe nicht nur von Menschen aus den ursprünglich betroffenen Gebieten eingeschleppt wird, sondern sich beinahe überall auf der Welt durch Ansteckung von Mensch zu Mensch ausbreitet. (Die Warnstufe 6 wird von der WHO ausgerufen, wenn in zwei WHO-Regionen eine Übertragung von Mensch zu Mensch auftritt.)

Nach Mexiko und den USA ist zur Zeit besonders Australien betroffen. Dort herrscht jetzt Spätherbst und die allgemeine Grippesaison hat begonnen. Weltweit sind rund 28.000 Menschen bisher erkrankt, 141 gestorben. Die Zahlen werden sich aber jetzt stündlich ändern.

Impfstoff im Herbst diesen Jahres ?

Voraussichtlich im Herbst diesen Jahres wird ein Impfstoff zur Verfügung stehen, teilte die Firma Novartis mit. Die Impfung wird getrennt von der allgemeinen Impfung stattfinden müssen: Die Herstellung des allgemeinen Grippeimpfstoffs für diesen Winter ist bereits abgeschlossen.

Schweinegrippe stark ansteckend, aber milde Symptome

Obwohl die Krankheitsverläufe bei der Schweinegrippe erheblich milder sind als die der üblichen Influenza, besteht dennoch Anlass zur Sorge. Der neue Virus scheint nämlich erheblich ansteckender zu sein als seine Verwandten. Wenn in diesem Herbst/Winter die Grippesaison auf der Nordhalbkugel startet, besteht durchaus die Gefahr, dass der neue Virus Eigenschaften der alten Viren aufnimmt: Er wäre dann ansteckender als die bisherigen Viren und würde durch den Austausch von Erbmaterial mit den herkömmlichen Viren an krankmachender Potenz („Virulenz“) hinzugewinnen.

Auch von früheren Grippeepidemien her ist bekannt, dass die Krankheitsverläufe in den ersten Wellen der Grippe relativ harmlos waren, zu einer großen Zahl von Toten ist es erst in den nachfolgenden Wellen gekommen.

Ebenso wie bei der spanischen Grippe zu Zeiten des Ersten Weltkriegs erkranken auch jetzt wieder bevorzugt jüngere Menschen, der Grund hierfür ist noch nicht ganz klar. Haben die Älteren bereits eine ähnliche Form der Grippe mitgemacht und dadurch Immunität gewonnen ?

Schweinegrippe: Der Steckbrief

Die Zeit zwischen Ansteckung und Erkrankung, die sogenannte Inkubationszeit, beträgt bei der Schweinegrippe ein bis sieben Tage, bereits einen Tag vor Ausbruch der Symptome stecken die Infizierten bereits weitere Menschen an.

Die Beschwerden unterscheiden sich kaum von der bisherigen Form der Grippe: Ganz urplötzlich treten Fieber (über 38,5 Grad), Kopf- und Gliederschmerzen sowie Husten auf. Schnupfen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall können hinzutreten.

Eine Reise ins Ausland (nach Mexiko, den USA etc.) wird für die Diagnose nicht mehr verlangt: Die Ansteckung kann mittlerweile auch in Deutschland erfolgt sein.

Diagnose: Letzte Sicherheit gibt erst der Abstrich

Die Diagnose wird von Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt anhand der Symptome gestellt und durch die Untersuchung von Abstrichen aus Nase und Rachen im Labor gesichert. Ein Grippeschnelltest in der Praxis kann zwar entscheiden, ob eine Grippe vorliegt oder nicht, die Unterscheidung von Schweinegrippe oder normaler Grippe ist damit aber (noch) nicht möglich.

Tamiflu®: Resistenzen werden sich schnell entwickeln

Die Behandlung der sicher an Schweinegrippe erkrankten Menschen erfolgt mit Tamiflu®, 2 x 75 mg für fünf Tage. Kontaktpersonen erhalten 1 x 1 Tablette über 10 Tage.

Ob Tamiflu® Todesfälle verhindern kann, ist bisher noch nicht geklärt. Offensichtlich ist es aber in der Lage, die Schwere und Dauer der Erkrankung zu vermindern und möglicherweise den Ausbruch bei Infizierten zu verhindern. Nach der bisherigen Erfahrung werden die Schweinegrippeviren – wie alle anderen Influenza-A-Viren auch – vermutlich recht schnell Resistenzen gegen das Grippemittel entwickeln.

Isolation zu Hause für sieben Tage

Nach Möglichkeit werden die Kranken und die Kontaktpersonen zu Hause isoliert, nur bei sehr schweren Erkrankungen wird eine Krankenhauseinweisung nötig sein. Die Dauer der Isolierung beträgt sieben Tage.

Das schützt vor Ansteckung

Angehörige schützen sich während der Isolation am besten durch Atemmasken und häufiges Händewaschen vor der Ansteckung. Statt in die Hände sollte man in den Ärmel husten, Niesen natürlich nur in das Taschentuch. Auch häufiges Lüften soll vor Ansteckung schützen.

Kostenlose Hotline

Das Bundesministerium für Gesundheit hat eine kostenlose Hotline zur Schweinegrippe eingerichtet. Von Montag bis Donnerstag zwischen 8 und 18, freitags von 8 bis 12 sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 16 Uhr können Sie unter der Rufnummer 0800 44 00 55 0 Fragen zur Schweinegrippe stellen.

Quellen

Deutsches Ärzteblatt: WHO erklärt Schweinegrippe offiziell zur Pandemie

Robert Koch-Institut zur aktuellen Lage bei der Schweinegrippe

WHO zur aktuellen Situation bei der Influenza A/H1N1

Das Bundesgesundheitsministerium zur Schweinegripe

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In einer amerikanischen Studie wurden rund 2500 ältere Menschen im Alter zwischen 70 und 79 Jahren acht Jahre lang untersucht. 53 % zeigten in diesem Zeitraum einen mäßigen und 13 % einen ausgeprägten geistigen Abbau. 30 % der Untersuchten konnten ihre geistigen Fähigkeiten unverändert bewahren.

Nicht rauchen und wenigstens einmal in der Woche Sport treiben, dieses beides waren die effektivsten Maßnahmen, um den geistigen Abbau aufzuhalten. Manchmal ist die Wahrheit in der Medizin ganz einfach.

Quellen

„Predictors of maintaining cognitive function in older adults“ (NEUROLOGY 2009;72:2029-2035)

Bild: © Fragenus auf pixelio.de

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AscendensKarzinomBiopsieBild: Dickdarmkrebs bei der Darmspiegelung, Quelle: Wikimedia Commons , CC-Lizenz

Während die Zahl der an Dickdarmkrebs erkrankten Menschen insgesamt in den USA seit Jahrzehnten zurückgeht, steigt sie bei den jungen Menschen an. Den größten Anstieg (mit rund fünf Prozent jedes Jahr) fanden amerikanische Forscher in der Gruppe der 20 bis 29jährigen europäischer Herkunft.

Die Gründe für diesen Anstieg sind unklar. Die Forscher vermuten in erster Linie die veränderten Ernährungsgewohnheiten als Hauptursache: Je mehr Fast-Food-Produkte konsumiert werden, um so mehr wird auch rotes und verarbeitetes Fleisch verzehrt, das Übergewicht nimmt zu und der Konsum von Milch- und Milchprodukten mit erwiesener Schutzwirkung nimmt ab. Auch vermehrter Alkoholkonsum könnte eine Rolle spielen.

Die Abnahme bei den älteren Menschen, die die Hauptlast der Erkrankung an Dickdarmkrebs tragen, wird hingegen auf die vorbeugende Dickdarmspiegelung (Koloskopie) zurückgeführt, die in den USA ab dem 50. Lebensjahr durchgeführt wird. (In Deutschland wird sie ab dem 55. Lebensjahr von den Krankenkassen als Vorsorgeleistung angeboten.)

Quellen

Cancer Epidemiology Biomarkers & Prevention 18, 1695, June 1, 2009. doi: 10.1158/1055-9965.EPI-09-0186: Increase in Incidence of Colorectal Cancer Among Young Men and Women in the United States

Eurekalert, Pressemitteilung zum selben Thema (engl.)

Deutsches Ärzteblatt: Immer mehr jüngere Menschen mit Darmkrebs, Nachrichten vom 8.6.2009

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170941_R_K_by_Paul-Georg-Meister_pixelio.deBild: © pqm auf pixelio.de

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hatte einen Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen (G-BA) bekommen: Es sollte beurteilen, ob drei neuere Medikamente gegen Depression gut wirken und dabei vertretbare Nebenwirkungen aufweisen. Die drei Medikamente enthalten jeweils den Wirkstoff Reboxetin, Mirtazapin und Bupropion XL. Die Handelsnamen lauten: Edronax® für das Reboxetin von Pfizer, Remergil ® für das Mirtazapin von Essex Pharma (auch als „Generikum“ verfügbar) und das Elontril® (Bupropion XL) von GlaxoSmithKline.

Pfizer: Nur die positiven Ergebnisse weitergegeben?

Sichtlich verärgert sind die Wissenschaftler des IQWiG über die Haltung der Firma Pfizer: Die Firma gab nur 9 der durchgeführten 16 Studien weiter. Natürlich ist anzunehmen, dass in den zurückgehaltenen restlichen 7 Edronax® nicht so gut abgeschnitten hat, sich vielleicht sogar als wirkungslos oder schädlich herausgestellt hat. Der Leiter des Instituts, Professor Peter T. Sawicki meint dazu:

„Irreführung durch Verschweigen ist kein Kavaliersdelikt. Ohne vollständige Information können Patienten im Extremfall sogar nutzlose Behandlungen erhalten.“

Auch beim Wirkstoff Mirtazapin, entwickelt von der Firma Essex Pharma, ist sich das IQWiG nicht so ganz sicher, ob alle Daten weitergeleitet wurden. Korrekt verhielt sich lediglich GlaxoSmithKline: Die Pharmafirma gab alle Daten weiter, das Antidepressivum Elontril® mit dem Wirkstoff Bupropion XL wurde positiv beurteilt.

Gesetzliche Regelung in Deutschland überfällig

Übrigens: Die USA seien hier schon viel weiter, sagt der Leiter des Instituts, Peter Sawicki. Dort müssten seit dem Jahre 2008 alle Studien, auch die negativen, über ein Arzneimittel von den forschenden Firmen offen gelegt werden. Eine solche Regelung sei für Deutschland und Europa längst überfällig.

Quellen

IQWiG – Pressemitteilung: 10.06.2009
Pfizer hält Studien unter Verschluss
Arzneimittelhersteller behindert die bestmögliche Behandlung von Patienten mit Depression

Stationäre Aufnahme: Pfizer hält Studiendaten unter Verschluss

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ArzneimittelHeute erschien der neue Arzneimittelreport der Gmünder Ersatzkasse (GEK) 2009, der die Arzneimittelausgaben der Ersatzkasse im Jahr 2008 analysiert. Das Resultat: Die Ausgaben für Arzneimittel stiegen auch im letzten Jahr wieder kräftig, diesmal um 9 %.

Hauptursache sind die Kostensteigerungen durch die sogenannten „Biologicals“. Biologicals sind biotechnologisch hergestellte Arzneimittel gegen Rheuma, Krebs oder Multiple Sklerose. In vielen Fällen, in denen herkömmliche Präparate nicht ausreichend wirken, entfalten sie eine segensreiche Wirkung.

Professor Gerd Glaeske von der Uni Bremen, Hauptautor der Studie, meint dazu:

„Dass die Pharma-Unternehmen ihre Preise noch immer selbst festlegen dürfen, wirkt auf die Versorgung der Gesetzlichen Krankenversicherung systemsprengend.“

Der Versorgungsforscher Glaeske fordert, dass kein Arzneimittel mehr ohne Preisverhandlung auf dem GKV-Markt zugelassen wird.

Mir kommt der Gedanke: Geht vielleicht die jetzige Kostendämpfungspolitik, die jeden einzelnen Patienten und jeden Arzt unter unerträglichen Druck setzt, nicht in die völlig falsche Richtung? Soll hier nur die Feigheit der Politik verdeckt werden, den wirklichen Ursachen der immensen Kostensteigerungen bei den Arzneimitteln durch entsprechende Gesetzgebung entgegen zu wirken?

Quelle

Pressemitteilung der GEK zum Arzneiverordnungsreport 2009

Bild: ©Gloekchen auf pixelio.de

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