Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for 4. Juli 2009

Protonenpumpenhemmer sind Medikamente, die die Säureproduktion des Magens hemmen. Sie werden recht häufig eingesetzt und seit ihrer Einführung in den späten 1980er Jahren nimmt ihr Anteil am Medikamentenumsatz ständig zu.

Magengeschwür Bild: Magengeschwür
Das hat auch einen Grund: Sie helfen wesentlich effektiver als all ihre Vorläufer gegen säurebedingte Beschwerden des Magens und der Speiseröhre. Operationen wegen eines Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwürs sind selten geworden seit dem es diese neuen effektiven Medikamente gibt. Weil sie relativ wenig Nebenwirkungen zeigen, werden sie oft sogar vorbeugend verordnet, z.B. zusammen mit Mitteln gegen Rheuma, damit diese dem Magen nicht schaden.

Ein möglicher weiterer Grund dafür, warum Protonenpumpenhemmer so oft verschrieben werden, wurde jetzt in Dänemark entdeckt.

Eine Forschergruppe an der Universitätsklinik Kopenhagen führte einen Doppelblindversuch mit 120 gesunden Probanden durch. Eine Hälfte der Versuchspersonen erhielt ein Placebo für 12 Wochen, die andere über acht Wochen den Protonenpumpenhemmer Esomeprazol. Im Anschluss daran erhielten beide Gruppen wiederum ein Placebo. Die Versuchsteilnehmer wurden anhand eines standardisierten Fragebogens nach Beschwerden von Seiten des Magen-Darmtrakts gefragt.

Das Erstaunliche: Über 40 % der Protonenpumpenhemmer-Gruppe klagte nach Absetzen des Medikaments über Oberbauchbeschwerden, Sodbrennen oder saures Aufstoßen, in der Kontrollgruppe nur 15 %.

Offensichtlich hatte die Gabe des säurehemmenden Mittels bei einer Gruppe beschwerdefreier Probanden Oberbauchbeschwerden verursacht, und zwar traten diese Beschwerden erst nach dem Absetzen des Säureblockers auf.

Diese interessante Studie gibt zu denken: Steigt die Verordnung von Präparaten aus dieser Gruppe vielleicht nur deswegen an, weil das Absetzen so schwierig und mit einer gewissen Rate an Entzugssymptomen verbunden ist?

Die Studie, die in der Juli-Ausgabe der US-amerikanischen Zeitschrift Gastroenterology veröffentlicht wurde, trägt den Titel: Evidence That Proton-Pump Inhibitor Therapy Induces the Symptoms it Is Used to Treat, übersetzt: „Anhaltspunkt dafür, dass Protonenpumpenhemmer die Symptome hervorruft, gegen die er eingesetzt wird.“ Die Studie ist über den Link unten im Volltext auf Englisch kostenlos abrufbar, eine kurze Zusammenfassung findet sich auch im Deutschen Ärzteblatt.

Quellen

Gastroenterology: „Evidence That Proton-Pump Inhibitor Therapy Induces the Symptoms it Is Used to Treat“

Deutsches Ärzteblatt: Protonenpumpenhemmer könnten süchtig machen

Read Full Post »

dickÜbergewichtige Menschen, also solche mit einem BMI zwischen 25 und 29,9 kg/m², leben länger als normalgewichtige Menschen (BMI zwischen 18,5 und 24,9). Dies ergab eine große kanadische Studie in diesen Tagen.

Untersucher der Studie befragten 11.000 Kanadier im Rahmen einer großen nationalen Gesundheitsstudie. Den erwachsenen Probanden, alle älter als 25 Jahre, wurden neben anderen auch Fragen zu Körpergröße und Gewicht gestellt. Die Sterbedaten wurden dem offiziellen kanadischen Sterberegister bis zum Jahr 2006 entnommen.

Untergewicht und extreme Adipositas verkürzen das Leben

Die Forscher fanden das größte Sterberisiko bei den Untergewichtigen (BMI unter 18,5) und bei den extrem Adipösen mit einem BMI über 35 kg/m² (= Adipositas Grad II). Die Adipösen mit einem BMI zwischen 30 und 35 (= Adipositas Grad I) lebten dagegen genau so lange wie die Normalgewichtigen.

In Zahlen fiel der Vergleich zu der Gruppe der Normalgewichtigen folgendermaßen aus: Die Untergewichtigen hatten ein um 70 % erhöhtes Sterberisiko, bei den extrem Adipösen war dieses Risiko um 36 % erhöht, die Übergewichtigen (BMI zwischen 25 und 29,9) konnten sich über ein um 17 % verringertes Risiko freuen.

Ein ähnliches Ergebnis hatte eine Studie aus den USA ergeben, die bereits 2005 in der amerikanischen Fachzeitschrift JAMA veröffentlicht wurde. (Hier gibt es diese Studie als PDF-Datei in Englisch.)

Kein Freibrief für Völlerei

Diese neuen Erkenntnisse sind aber für Normalgewichtige kein Anlass, ein paar Pfund zuzulegen, um länger leben zu können. Die Statistik hat ihre Tücken: In beiden Untersuchungen wurde nur nach Größe, Gewicht und Sterbedatum gefragt. Das besagt nichts über die Krankheiten, die die Übergewichtigen im Vergleich zu Normalgewichtigen plagen. Diabetes, Bluthochdruck, Krebs und Arthrose – alles dies sind Krankheiten, die durch Übergewicht gefördert werden. Ein ehemals Adipöser oder Übergewichtiger nimmt ab, wenn er an Krebs oder Diabetes erkrankt; bevor er (vorzeitig) stirbt, ist er zunächst in der Gruppe der Normalgewichtigen, kurz vor seinem Tod häufig sogar in der Gruppe der Untergewichtigen zu finden.

Möglicherweise spielt auch die bessere medizinische Versorgung eine Rolle: Diabetes und Bluthochdruck können heute effektiv behandelt werden, sicher verlängert dies das Leben der Patienten mit ein paar Pfunden zuviel.

Oder stimmt doch die Vermutung, dass Übergewichtige im Falle einer ernsthaften Erkrankung ein paar Pfunde „zusetzten“ können, leben Moppelchen dadurch länger?

Fragen über Fragen, die neue Studien geradezu herausfordern. Insbesondere sollte der Zusammenhang zwischen Übergewicht und den Zivilisationskrankheiten wie Diabetes und Co. besser herausgearbeitet werden.

Quellen

obesity – a research journal: „BMI and Mortality: Results From a National Longitudinal Study of Canadian Adults“, Obesity (2009) doi:10.1038/oby.2009.191

Kaiser Permanente: „June 23, 2009: Underweight and Extremely Obese Die Earlier than People of Normal Weight, Study Finds“

National Population Health Survey (NPHS)

Deutsches Ärzteblatt, Studie: Übergewicht verlängert das Leben

Read Full Post »