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Archive for Januar 2010


Suizide, etwas diskrimierend auch „Selbstmorde“ oder „Selbsttötungen“ genannt, wurden in den letzten dreißig Jahren in Deutschland immer seltener. So sank die Rate von 33,2 auf 100.000 Einwohner im Jahre 1980 auf 14,5 im Jahre 2007. Dennoch starben 2007 immer noch 9400 Menschen durch eigene Hand, weitaus mehr als durch Verkehrsunfälle umkamen (rund 5200).

Copyright Leibniz-Institut für Länderkunde e. V. (IfL), Leipzig 2007. ALLE RECHTE VORBEHALTEN.


Auffällig sind große Unterschiede in den Suizidraten zwischen den einzelnen Bundesländern und sogar zwischen einzelnen Landkreisen. Am dramatischsten ist die Entwicklung in Sachsen-Anhalt: Stand dieses Bundesland 1997 mit 16,5 Suiziden pro 100.000 Einwohnern noch an der Spitze der drei Bundeslnder mit der höchsten Selbsttötungsrate, so ist es 2007 mit 5,1 Suizden ganz unten auf der Rangliste zu finden. Im benachbarten Sachsen sterben mit 12,4 pro 100.000 mehr als doppelt so viel Menschen durch einen Suizid. Die Gründe für diesen Verlauf sind völlig unbekannt.

Die Erforschung der Ursachen könnte sicherlich einen wesentlichen Beitrag zur Verhinderung des Freitodes liefern.

Das ganze Zahlenmaterial gibt es übersichtlich aufbereitet auf den Seiten des Leibniz Instituts für Völkerkunde, und zwar unter Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland aktuell

Bild: © schemmi auf Pixelio.de

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Rheuma-online.de ist eine recht informative Seite über alle rheumatischen Erkrankungen, die Seite richtet sich in erster Linie an Rheumapatienten. Ich schätze besonders das Rheumalexikon.

Gerade heute, nachdem ich beschlossen hatte, Rheuma-online zum Webtipp der Woche zu machen, sehe ich auf der ersten Seite eine Mitteilung, die mich etwas stutzig macht. Da ist die Rede von „einer sehr raschen und anhaltenden Verbesserung von patientennahen outcomes“ durch ein neues Rheumamedikament. Dies ist eigentlich eine Sprache, die kein Arzt und kein Patient wählt, in der Pharmawerbung aber sehr geläufig ist. In dem Artikel ist auch nur von der guten Wirkung die Rede, Nebenwirkungen werden nicht erwähnt. Es wäre wirklich schade, wenn diese von mir seit Jahren geschätzte Seite der Pharmawerbung vollständig verfallen wäre.

Trotzdem: Es finden sich hier immer noch jede Menge gute und vor allem auch gut lesbare Inhalte für alle Patienten mit rheumatischen Erkrankungen.

Quelle

Rheuma-online.de

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Die Haut des Menschen ist sein größtes und schwerstes Organ – immerhin ist sie 1,5 bis 2 qm groß und wiegt rund 12 bis 15 % des gesamten Körpergewichts! Die Haut schützt uns vor Krankheitserregern, vor Wärme, Kälte und Flüssigkeitsverlust. Sie ist unser größtes und vielseitigstes Sinnesorgan. Sie dient der bewussten und unbewussten Kommunikation mit unseren Mitmenschen und der Sexualität. Über die Haut kann der Blutdruck reguliert und das Immunsystem gesteuert werden.

Die Haut (lat.: cutis) besteht aus drei Schichten: Die Epidermis (Oberhaut) schützt uns mit ihrer Hornschicht vor Umwelteinflüssen und ist verantwortlich für die Hautfarbe. Die Dermis, auch Lederhaut oder Corium genannt, gibt der Epidermis Halt und Form durch feste kollagene und dehnbare elastische Fasern. In der dritten Schicht, der Subcutis (Unterhaut) liegen die größeren Nerven und Blutgefäße. Das Fett in der Unterhaut isoliert und polstert den menschlichen Körper ab. Haare und Nägel werden in der Haut gebildet und unterstützen ihre Funktion.

Die Haut des Menschen unterscheidet sich von der anderer Säugetiere durch die spärliche Behaarung. Das wenige Haar, das beim Menschen noch wächst, dient der sozialen und sexuelen Kommunikation – als Bart oder Schambehaarung. Die Kopfbehaarung schützt die Haut darunter wohl noch etwas vor der schädlichen UV-Strahlung, als Kälteschutz ist sie kaum brauchbar. Duftdrüsen z.B. in den Achselhöhlen und in der Schambehaarung, entleeren ihr Sekret in den Haarfollikel. Möglicherweise dient die Behaarung in diesen Bereichen beim Menschen dazu, Duftbotschaften zu verbreiten, deren sich weder Sender noch Empfänger ganz bewusst werden.

Vom Neugeborenen bis zum Greis ändert sich das Aussehen der Haut ungemein. Säuglinge und Kinder haben eine samtige, trockene und glatte Haut. Unter dem Einfluss der mütterlichen Hormone produziert die Haut des Neugeborenen noch reichlich Fett, das lässt aber schon nach einigen Wochen wieder nach. Erst in der Pubertät führt die vermehrte Produktion der Talgdrüsen zu Akneproblemen. Auch im späteren Leben verbleibt die Talgproduktion unter der Herrschaft der (männlichen) Geschlechtshormone, im Alter wird die Haut wieder zunehmend trocken.

Mehr als bei anderen Säugetieren unterscheidet sich die Haut des Menschen gewaltig an den verschiedenen Stellen des Körpers. Sie unterscheidet sich so stark, dass man denken könnte, die Proben stammten von verschiedenen Lebewesen. So ist die Haut an der Handinnen- und der Handaußenfläche grundverschieden. Sogar zwischen Augenbraue und Augenlid bestehen die größten Unterscheide: Die Haut an der Braue ist haarig, dick und grob, am Lid dagegen weich und dünn, mit Haaren so zart, dass man sie mit bloßem Auge kaum erkennen kann. An der Stirn und über den Wangenknochen findet man kaum je Haare, im Lippenrot fehlen sie immer. Nur wenige Zentimeter oder sogar Millimeter weiter am Unter- und Oberkiefer und am Kinn sprießt das Har dick und reichlich vor allem beim Mann, oft auch sichtbar bei der Frau. Nase, Stirn und Wangen zeigen sich meist fettig, damit kontrastiert die trockene Haut am Unterkiefer und unter dem Kinn.

Die Haut ist kräftig und dennoch geschmeidig, weil sie aus vielen verschiedenen Schichten aufgebaut ist, wobei die eine Schicht die andere unterstützt, in ihrer Form, in ihrer Funktion und in ihrer Versorgung mit Nährstoffen.

Dermis (Lederhaut)

Die Lederhaut als mittlere Schicht, macht den grössten Teil der Haut aus, sie besteht aus festen kollagenen und dehnbaren elastischen Fasern, dazwischen eingelagert sind Zuckerverbindungen, die sogenannten Mucopolysaccharide. Mucopolysaccharide sind elastisch, sie können eine Menge Wasser einlagern – somit liegt der Mensch ständig auf einem elastischen Wasserbett, auch wenn er auf einem festen harten Boden ruht.

Haarfollikel und Hautdrüsen stammen aus der Epidermis (Oberhaut), aber sie liegen tief eingebettet in der Lederhaut. Die Dermis ist von vielen Blutgefäßen durchzogen, sie respektieren die Grenze zur Epidermis, wachsen nie in die oberste Hautschicht ein. Nährstoffe wandern aus den Kapillaren der Dermis aus und suchen sich ihren Weg zwischen den Zellen zur obersten Hautschicht – die Epidermis ernährt sich durch Diffusion.

Die Haut ist durchzogen von einer Vielfalt von Blutgefäßen – Venen, Arterien und Kapillaren. Durch die Haut ziehen viel mehr Blutgefäße, als für die eigene Versorgung nötig sind. Ganz offensichtlich dient die Haut als Klimaanlage. Die Schweißdrüsen machen die Oberfläche feucht, das Wasser verdunstet und kühlt dabei die Hautoberfläche ab, die Blutgefäße öffnen sich, um das Blut an der kühlen Oberfläche zu kühlen. Das Gegenteil geschieht, wenn die Außentemperatur sinkt – dann ziehen sich die Adern der Haut zusammen, um eine übermäßige Auskühlung des Körpers zu vermeiden. Auch bei körperlicher Anstrengung wird die in den Muskeln entstehende Wärme über die Haut nach außen abgeleitet – Blutgefäße werden weitgestellt und das Blut durch die Verdunstungskälte der schweißnassen Haut gekühlt.

Auch der Blutdruck kann über die Haut reguliert werden. Der Blutdruck sinkt, wenn die Haut stärker durchblutet wird, er steigt, wenn die direkten Verbindungen zwischen Venen und Arterien der Haut geöffnet und die Durchblutung der Haut vermindert wird.

Die Haut des Menschen ist von einem verzwickten System von Lymphgefäßen durchzogen. An der Oberfläche der Haut dienen winzige Lymphgefäße, die wie Sackgassen erscheinen, als Zuflüsse eines oberflächlichen Netzes, das sich wiederum in größere Lymphgefäße der Dermis ergießt. Die größten und am tiefsten liegenden Lymphgefäße der Haut liegen in unmittelbarer Nachbarschaft der Venen, eingebettet in lockeres Bindegewebe.

Die Wände der Lymphgefäße sind so zart, daß sie unter dem Mikroskop oft gar nicht sichtbar sind. Man kann sie aber sichtbar machen, indem man Farbstoffe in die Haut eines lebenden Menschen injiziert, die vom Lymphsystem abtransportiert werden.

Lymphgefäße transportieren Flüssigkeit und Abfallprodukte aus der Haut ab. Sie haben kaum Muskulatur in ihrer Wand, der Strom der Lymphe ist deswegen langsam und stark von äußeren Faktoren abhängig. Hitze, Muskelaktionen, Massage und äußerer Druck können den Strom der Gewebeflüssigkeit in den Lymphbahnen recht stark beeinflussen. Auch ein strammer Verband von außen steigert den Abfluss der Lymphe. Die Haut spielt eine große Rolle im Immunsystem des Menschen. Das Lymphsystem entscheidet mit darüber, wie gut diese Abwehr funktioniert, wie z.B. Abwehrzellen in die Haut gelangen und Fremdkörper abtransportiert werden.

Jeder Fingerabdruck ist einzigartig

Die intakte Oberfläche der Haut wird durchbrochen von den Grübchen, die von den Öffnungen der Schweißdrüsen und den Haarfollikeln gebildet werden. Die gesamte Haut ist von einem Linienmuster überzogen. Feine Erhebungen wechseln sich mit Vertiefungen ab, das Linienmuster orientiert sich am Verlauf der elastischen Spannung. Bei allen Menschen sind diese Linienmuster ähnlich und typisch für die verschiedenen Körperregionen. Die Einzelheiten des Linienmusters sind jedoch bei jedem Menschen einzigartig. So einzigartig, dass die Abdrücke, die das Linienmuster auf den Fingerbeeren produziert, als Fingerabdrücke zur Identifizierung eines Menschen dienen können. Die Hautlinienmuster bilden sich lange vor der Geburt, außer von genetischen Faktoren sind sie auch vom Zufalll abhängig. So haben selbst eineiige Zwillinge, die sich sonst in beinah jeder Hinsicht „wie ein Ei dem anderen“ gleichen, unterschiedliche Fingerabdrücke. Man geht davon aus, dass auf der ganzen Welt keine zwei Menschen mit völlig identischen Fingerabdrücken existieren.

Die Epidermis (Oberhaut)

Die Epidermis oder Oberhaut besteht selbst wieder aus mehreren Schichten. Ganz generell lässt sich über diese Schichten sagen: Obenauf liegen abgestorbene Zellen, die als Hornschicht die entscheidende Barriere gegen die Umwelteinflüsse bilden, darunter kommen mehrere Schichten lebender Zellen. In der untersten Schicht der Epidermis, der Basalschicht, finden die meisten Zellteilungen statt. Von hier aus wandern die Zellen nach oben und produzieren dabei Hornsubstanz, das Keratin. Wenn sie ganz oben angekommen sind, sterben sie ab und bilden die Hornschicht. Die Hornschicht ist am dicksten dort, wo die Reibung am größten ist, also z.B. an den Fußsohlen und den Handinnenflächen, sie ist am dünnsten auf dem Augenlid, rund um die Geschlechtsorgane und am unteren Teil der Bauchhaut.

Die Epidermis liegt nicht flach auf der Dermis auf, Oberhaut und Lederhaut sind stattdessen durch eine recht kurvenreiche und unregelmäßige Grenze getrennt. Die Epidermis ist dadurch fest mit der Unterlage, der Lederhaut verbunden. Außerdem gibt es so viel mehr Zellen in der Basalschicht, die abgeschilferte Zellen der äußersten Hornschicht durch Zellteilung ersetzen können.

Alle Zellen der Oberhaut sind durch feste Brücken der Zellmembranen, den sogenannten Desmosomen miteinander verbunden. Dieser Verbund lässt aber noch Raum frei für Flüssigkeiten und andere Zwischenzellsubstanzen, denn schließlich wird die Oberhaut nicht durch Blutgefäße versorgt, stattdessen strömen alle lebenswichtigen Nährstoffe von der Lederhaut zwischen den Zellen zu ihren Empfängern in der Oberhaut. („Ernährung durch Diffusion“)

Zwischen der Grundschicht der Epidermis, dem Stratum basale und der obersten Schicht, der Hornschicht (stratum corneum) lassen sich noch zwei andere Zellschichten unterscheiden, in denen die Zellen auf ihrem Weg zur Oberfläche ihr Aussehen charakteristisch verändern. Die Basalzellschicht selbst wird von der Dermis durch eine Basalmembran getrennt. Nachdem die Zellen die Basalschicht verlassen haben, nehmen sie auf dem Weg zur Oberfläche der Haut ein leicht stacheliges Aussehen an, deswegen wird die Schicht, in der sie jetzt liegen, Stachelzellschicht oder Stratum spinosum genannt. In der Schicht darüber zeigen die Zellen Einschlüsse von Hornsubstanz in den Zellen, die wie kleine Körnchen (Granula) aussehen, diese Schicht heißt nach dem Aussehen der Zellen Stratum granulosum oder Körnerzellschicht. An den Innenflächen der Hände und der Füße trennt noch einmal eine durchsichtige Membran („stratum lucidum„) die Körnerzellschicht von der Hornschicht.

Die Hautzellen sind nicht nur in horizontaler Richtung geordnet. Auch in vertikaler Ausichtung formen sie festgelgte Säulen oder Stapel. Auf diese Weise steht jede Zelle der Hornschicht in verwandschaftlicher Beziehung zu einer Zelle der Basalschicht, die Zellen wechseln bei ihrer Wanderung nicht die Säulen. Oben liegt sozusagen der Ururgroßvater, ganz unten teilt sich der Ururenkel.

Hautzellen werden ständig abgestoßen, oben in der Hornschicht. In der Basalschicht müssen ständig soviel Zellen nachgebildet werden, wie oben in der Hornschicht verloren gehen. Wäre das Gleichgewicht gestört, würde die Haut entweder immer dünner oder immer dicker. Bei einigen Hautkrankheiten kommt es zu einer Störung dieses Gleichgewichts: Bei der Schuppenflechte zum Beispiel werden mehr Zellen gebildet als abgestoßen werden, die Haut verdickt sich, trotz der vermehrten Abschilferung von Hautschuppen. Offensichtlich gibt es ruhende Zellen in der Basalschicht, die sich nicht teilen. Die Schuppenflechte „weckt“ diese Zellen auf – jetzt teilen sich also mehr Zellen als in der „normalen“ Haut.

Auch nach einer Verletzung der Haut steigt die Zahl der Zellen, die sich in der Basalschicht teilen, an – deutlich messbar rund 40 Stunden nach dem Unfall.

Die Hornschicht ist die oberste Schicht der Epidermis, sie besteht aus abgestorbenen Hautzellen, gepackt in einem dichten Verbund mit Keratin. Keratin, das ist der Oberbegriff für eine Reihe von Substanzen aus Faserproteinen, die durch spezielle Verbindungen zwischen zwei Schwefelatomen stabilisiert werden. Als Keratin bezeichnet man sowohl das harte Keratin der Haare und Nägel als auch das weichere Keratin der Epidermis. Ganz unten in der Hornschicht wird das Keratin durch Fettanteile verstärkt, dies ist wichtig, um die Haut wasserdicht zu halten.

Unterhaut (Subcutis)

Die Unterhaut besteht im wesentlichen aus Binde- und Fettgewebe. In der Subcutis liegen die größeren Blutgefäße und Nerven, deren Verästelungen die darüber liegenden Hautschichten versorgen. Die Subcutis speichert Fett, isoliert den Körper gegen Wärmeverluste und polstert.

Die Haut- und Haarfarben

Die Farbe der menschlichen Haut resultiert zum einen aus der Farbe des Blutes in den Blutgefäßen der Leder- und Unterhaut. Darüber hinaus ist es der Farbstoff Melanin, der unsere Haut färbt. Melanin wird in den Melanozyten produziert, diese pigmentproduzierenden Zellen liegen in der Basalschicht der Epidermis. Durch Zellfortsätze stehen sie in engem Kontakt mit den umliegenden Hautzellen, das von ihnen produzierte Melanin wandert in die Hautzellen ein und legt sich dort als Schutzschild über den Zellkern. Dies ist vermutlich auch der Sinn der Melaninproduktion: Den Zellkern vor dem eindringenden UV-Licht der Sonne zu schützen. Sofort nach Einfall von UV-Licht, also nach dem Sonnenbad beginnen die Melanozyten mit einer vermehrten Freisetzung des Farbstoffs. Menschen mit schwarzer oder heller Hautfarbe unterscheiden sich übrigens nicht in der Anzahl der Melanozyten pro Quadratmillimeter Haut – bei beiden sind es rund ein bis zweitausend. Bei Menschen mit schwarzer Hautfarbe produzieren die Malanozyten nur einfach mehr Melanin.

Melanozyten sitzen nicht nur in der Basalschicht der Epidermis, sondern auch im Haarfollikel, dort geben sie den Farbstoff an das nachwachsende Haar ab. Melanin gibt es in zwei Farbschattierungen: Einmal das dunkelbraun – schwarze Eumelanin und zum anderen das rote Phäomelanin. Jede Haut- und Haarfarbe entsteht durch eine Mischung dieser beiden Pigmente. In rotem Haar steckt mehr Phäomelanin , schwarzes Haar enthält mehr Eumelanin. Graue und weiße Haare hingegen enthalten wenig oder gar kein Melanin.

Dunkle Pigmentierung dient wahrscheinlich nicht nur dem UV-Schutz, die dunkle Pigmentierung der Brustwarzen, der kleinen Schamlippen und des Hodensacks weisen auf eine Rolle bei der sexuellen Orientierung hin.

Warum haben die weissen Nordeuropäer die ursprüngliche dunkle Pigmentierung des Menschen verloren? Vermutlich spielte der Vitamin-D-Mangel in den sonnenarmen Gegenden eine Rolle: Vitamin D wird in der Haut unter der Einwirkung des Sonnenlichts gebildet. Je heller die Haut, um so mehr UV-Strahlung kann durchdringen und bei der Synthese des Vitamin D helfen.

Die Haut als Immunorgan

Die Melanozyten sind nicht die einzigen Zellen der Haut, die sich durch lange Ausläufer, sogenannte Dendriten, auszeichnen. Der deutsche Arzt Paul Langerhans entdeckte bereits 1868 eine weitere Zellart, die heute nach ihm Langerhans-Zellen genannt werden. Paul Langerhans hielt sie für Nervenzellen, heute wissen wir, dass diese Zellen körpereigene Substanzen von körperfremden unterscheiden können. Langerhans-Zellen schlagen Alarm – sie aktivieren das Imunsystem, wenn körperfremde Substanzen eindringen. Selbst die „gemeinen Hautzellen“, die Keratinozyten, produzieren nicht nur Hornsubstanz, sie sondern auch Zytokinine ab, wenn Krankheitserreger die Hautschranke zu durchbrechen drohen. Zytokinine sind spezielle Stoffe, die das Immunsystem anregen, aktiv zu werden. Wenn man bedenkt, dass das gesamte Blutvolumen die Haut alle paar Sekunden durchströmt, dann wird einem klar, welch große Rolle die Haut bei der Abwehr von Krankheitserregern (und Krebserkrankungen) spielt.

Haare

Die Haare im äußeren Gehörgang und in der Nase, die Augenbrauen und die Augenlider haben noch eine Schutzfunktion. Haare in der Achselhöhle und in der Genitalregion sind vermutlich dazu da, Geruchsbotschaften auszusenden, die im Bewusstsein gar nicht als Geruch auftauchen. Der Bart zur Betonung der Männlichkeit scheint nicht mehr so ganz wichtig zu sein, da viele Männer unter großem täglichen Aufwand diese Zierde zu entfernen suchen. Das Kopfhaar schützt vor UV Strahlung und ein wenig vor Hitze. Aber selbst die unsichtbarsten kleinen Härchen auf der Haut dienen dem Tastsinn. Jedes Haarfollikel wird von einem feinen Geflecht freier Nervenendigungen umgeben, drückt oder streicht man über die Haut, so registrieren die Nervenendigungen an den Follikeln diese Berührung und leiten sie weiter zum Gehirn.

Haare werden in den Follikeln produziert. Follikel sind Einstülpungen der Epidermis durch die ganze Haut, am Fuß des Haarfollikels ist noch ein kleines Stück Lederhaut (Dermis) vorhanden. Haare liegen schräg zur Hautoberfläche. An jedem Haar liegt in der Tiefe ein kleiner Muskel, der das Haar senkrecht zur Hautoberfläche aufstellen kann. Weil man an vielen Stellen der menschlichen Haut die Haare gar nicht mehr sehen kann, sieht man nur noch die Follikel, aus dem das Haar an die Oberfläche tritt. Stellt sich das Haar bei Kälte auf, sieht man die Follikel überdeutlich und das nennt man „Gänsehaut“.

Das menschliche Haar wird am Grund des Haarfollikels gebildet, in der „Haarzwiebel“. Dort liegen auch die Melanozyten, die dem Haar die Farbe geben.

Jedes einzelne Haarfollikel hat seinen eigenen Rhythmus. Haare wachsen, sterben ab und fallen aus. Jeder Mensch besitzt rund 150.000 Haarfollikel, an jedem Tag verliert der Mensch 50 bis 100 Haare, im Spätsommer und im Herbst erreicht dieser normale Haarwechsel seinen Höhepunkt.

Paradox: Obwohl die männlichen Geschlechtshormone auf der ganzen Haut das Haarwachstum fördern, entsteht die männliche Glatze nur, wenn auch männliche Geschlechtshormone vorhanden sind. Die Glatze des Manns ist genetisch festgelegt, sie tritt aber nur dann auf, wenn auch ausreichend männliche Geschlechtshormone vorhanden sind. Die männliche Glatze ist keine Krankheit, sondern eine normale Entwicklung – Haarfollikel in bestimmten Regionen treten in einen Ruhezustand, genetisch programmiert, ausgelöst durch entsprechende Spiegel des männlichen Geschlechtshormons.

Das Haarwachstum geschieht in einem immergleichen Zyklus. Zunächst wächst das Haar rund zwei bis fünf Jahre lang, diese Phase nennt man Anagenphase. Nach einer kurzen Übergangsphase (Katagenp.) von rund zwei Wochen tritt der Haarfollikel in die Ruhephase (Telogenphase) ein. In dieser Ruhephase geht das Haar verloren, aus dem gleichen Haarfollikel bildet sich später wieder ein neues Haar. Dieser ständige Kreislauf erklärt, warum ständig etwa 60 bis 120 Haare am Tag verloren gehen, ohne dass von einem Haarausfall gesprochen werden kann.

Das Haar wächst etwa 1 cm im Monat. Wie lang das Haar endgültig wird, hängt von der Länge der Anagenphase ab. Haare finden sich (fast) überall am menschlichen Körper. Ausnahmen stellen lediglich das Lippenrot, die Brustwarze sowie die Hand- und Fußsohlen dar.

In jedes Haarfollikel münden eine oder mehrere Talgdrüsen. Talgdrüsen produzieren ein Gemisch verschiedener Fette, die die Hornschicht der Haut geschmeidig halten und vor Nässe schützen. Talgdrüsen sind der Ausgangspunkt der Akne. Die meisten Talgdrüsen liegen im Gesicht und auf dem behaarten Kopf, sie fehlen ganz in den Handinnenflächen, an den Fußsohlen und auf dem Fußrücken.

Schweißdrüsen

Schweißdrüsen sind fast überall auf der menschlichen Haut zu finden, am häufigsten in der Achselhöhle, den Handinnenflächen und den Fußsohlen. Schweißdrüsen dienen der Temperaturregulation des Körpers. Sie werden gesteuert durch Fasern des autonomen, d.h. unbewußten Nervensystems. Das Temperaturzentrum wiederum liegt im Gehirn, in der Region des Hypothalamus. Hier wird der Sollwert der Temperatur vorgegeben, ähnlich wie die Einstellung eines Thermostaten in der Wohnung die Leistung der Zentralheizung oder die der Klimaanlage steuert. Wird die Solltemperatur überschritten, wird Schweiß produziert, der die dann gut durchblutete Haut und das darin fließende Blut abkühlt. Registriert der Hypothalamus, dass der Sollwert unterschritten wird, dann tritt Kältezittern und eine sogenannte Gänsehaut auf, die Durchblutung der Haut wird gedrosselt. Sehr deutlich kann diese Regulation beim Fieber beobachtet werden. Steigt das Fieber, dann ist der Sollwert des Hypothalamus nach oben verstellt. Durch Schüttelfrost und Gänsehaut wird die Körpertemperatur bis auf den gewünschten Wert gesteigert. Fällt das Fieber wieder ab, wird der Sollwert „herunter gedreht“, dann tritt ausgeprägtes Schwitzen auf, besonders natürlich, wenn der Patient in seinem warmen Bett liegt.

Spezialisierte Schweißdrüsen

In der Achselhöhle, in der Anal- und der Genitalregion und dem Augenlid gibt es spezielle Schweißdrüsen, die nichts mit der Kühlung des Körpers zu tun haben. Sie produzieren ein zähflüssiges, milchiges Sekret, welches auch häufig riecht. Ebenfalls dort werden vermutlich die Spheromone produziert, Botenstoffe, die über die Nase wahrgenommen werden, denen aber kein bewusster Riecheindruck entspricht. Inwieweit diese Botenstoffe das Verhalten oder den Organismus des Menschen beeinflussen, ist noch weitgehend unerforscht und wird sehr kontrovers diskutiert. Duftdrüsen funktionieren erst nach der Pubertät. Ihre Sekrete werden auf der Hautoberfläche durch Bakterien zersetzt, der Geruch kann dadurch sehr intensiv und unangenehm werden.

Auch die Brustdrüse und die Drüsen, die in den Ohren den Schmalz produzieren, werden als spezialisierte Schweißdrüsen angesehen.

Die Druchblutung der Haut dient nicht nur der Ernährung und Versorgung mit Sauerstoff, sie dient gleichermaßen der Temperaturregulation. Die Haut wird 10 bis 20 mal mehr durchblutet, als es für die Ernährung nötig wäre. Auch hier spielt der Hypothalamus und das sympathische Nervensystem als Teiel des unbewussten Nervensystems die Hauptrolle.

Nerven

In der menschlichen Haut findet man eine Vielzahl von spezialisierten Organen, die Kälte, Wärme, Schmerz, Druck und Berührung registrieren. Den Bereich der Haut, der von einem Segment des Rückenmarks versorgt wird, nennt man Dermatom. Wichtig ist die Kenntniss der Dermatome z.B. bei der Lokalisation eines Bandscheibenvorfalls.

Nägel

Die Nägel sind Abkömmlinge der obersten Hautschicht, der Epidermis, und werden aus Keratin gebildet. Sie kommen in dieser Form nur bei Menschen und Menschenaffen vor und ersetzen die Klauen und Hufe der anderen Säugetiere. Sie sind weniger gut zum Kampf geeignet, ermöglichen aber als Widerlager der Fingerbeeren feines Tasten und geschicktes Arbeiten.

Quellen

Bild: Aufbau der Haut – Wikimedia.commons, Lizenz siehe dort (CC 2.0)

Bild: Melanozyten – Wikimedia.commons, Copyrightfrei

Emedicine.medscape.com: „Skin Anatomy“

Infohair.ch

The Physics Factbook: Surface Area of the Human Skin

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Es ist ganz still und dennoch pfeifft, rauscht, klopft oder knackt es in Ihrem Ohr, das nennt der Fachmann Tinnitus. Niemand weiß so ganz genau, woher das kommt. Niemand weiß so ganz genau, was dagegen hilft. Eines scheint mir dagen sicher zu sein: Lassen Sie sich bitte nicht verrückt machen! Der schlimmste Schaden des Tinnitus sind die Sorgen, die er auslöst. Und durch diese Sorgen wird er immer schlimmer. Also das Wichtigste diesmal ganz am Anfang: Der Tinnitus ist kein Vorbote von Schlaganfall und Herzinfarkt und er weist auch nicht auf eine drohende Geisteskrankheit hin. Ein Tinnitus ist ein Tinnitus und am besten straft man ihn mit Verachtung.


© rebel auf Pixelio.de

Tinnitus ist ein Symptom

Erstmal ist Tinnitus ein Symptom, also ein Anzeichen für etwas anderes. Wenn Sie schon mal bei einer Blutentnahme bewußtlos wurden, dann können Sie sich vielleicht auch noch an das intensive Pfeiffgeräusch erinnern, bevor Ihnen schwarz vor Augen wurde. Tatsächlich erschien mal bei mir ein Patient, bei dem hat sich eine Fliege im Gehörgang verirrt und konnte da nicht wieder raus. Diese Art von Tinnitus ist sehr selten, ich löse diese Problem mit einer Ohrenspritze und Wasser. Die Fliege überlebt nicht dabei.

Manchmal klingelt es auch im Ohr, wenn das Hörvermögen nachlässt. Dann kann ein Hörgerät helfen. Die meisten Menschen (mehr als 90 %, habe ich mir sagen lassen) entwickeln einen Tinnitus, wenn sie einige Zeit in einem wirklich stillen Raum verbringen. Somit wäre der Tinnitus so etwas wie der Phantomschmerz des Hörnerven: Gibst Du mir nichts zu hören, dann mach ich mir meine eigenen Geräusche!

Probleme mit der Halswirbelsäule oder dem Kiefergelenk sollen ebenfalls einen Tinnitus auslösen können. Aber da bin ich skeptisch: Tinnitus und Schmerzen an der Halswirbelsäule, beides gibt es so oft, da muss es einfach eine Reihe von Patienten geben, bei denen beides gleichzeitig auftritt. So richtig aussagekräftige Untersuchungen zum Zusammenhabg zwischen Klingeln im Ohr und Schmerzen im Nacken oder beim Kauen kenne ich nicht.

Von gutartigen Tumoren am Hörnerven oder von der Menière-Krankheit will ich jetzt nicht reden. Nur soviel: Auch sie können Tinnitus hervorrufen, aber in der Regel gibt es noch andere Symptome, die den aufmerksamen Arzt auf die richtige Fährte leiten.

Tinnitus gibt‘ s auch, wenn die Musik in der Disco zu laut war (was eigentlich immer der Fall ist) oder der Discman zu weit aufgedreht wurde. Neben diesem Lärmtrauma gibt es auch noch das Knalltrauma als Tinnitus-Ursache, wenn man zu nahe beim Jäger stand (bevor die Flinte losging) oder der Kanonenschlag zu Silvester ganz nah am Ohr gezündet hat.

Depression, Stress und Angst: Verursachen sie Tinnitus? Keine Ahnung, vielleicht richtet der Mensch in diesen Situationen seine Aufmerksamkeit verstärkt auf das Geräusch. Manchmal wird es ihm dann unerträglich.

Zuviel Aspirin® (Acetylsalicylsäure) oder Chinin (auch in Limonaden und in Medikamenten gegen Wadenkrämpfe) kann Klingeln in den Ohren auslösen.

Tinnitus ist eine Krankeit …

… wenn keine Ursache gefunden wurde. Dann spricht man vom idiopathischen Tinnitus, auf Deutsch will der Arzt damit sagen: „Weiß auch nicht, woher das kommt.“

Volkskrankheit Tinnitus

Selten ist der Tinnitus beileibe nicht: Nach Angaben des Robert Koch-Instituts in Berlin erinnert sich ein Viertel aller Deutschen über 10 Jahre schon einmal an ein Ohrgeräusch in ihrem Leben. Bei 4 % der Befragten piepste, pfiff oder knackte es in den Ohren zum Zeitpunkt des Interviews. Je älter der Mensch, um so häufiger der Tinnitus, aber auch Kinder können schon darunter leiden. Apropos Leiden: Nur ein Drittel der Befragten litt wirklich unter dem Ohrgeräusch, also etwas mehr als ein Prozent. Immerhin: Fast eine Million Deutsche fühlen sich nicht wohl, weil der Tinnitus ihnen zu schaffen macht.

In allen westlichen Industrieländern tritt der Tinnitus gleich häufig auf.

Was tun bei Tinnitus?

Es gibt so gut wie keine wirksame Behandlung bei Tinnitus, wenn keine Ursache gefunden wurde. Leider (oder glücklicherweise) ist dies bei der überwiegenden Mehrzahl der Tinnituspatienten der Fall, also bei den meisten kann keine Ursache gefunden werden.

Wenn Sie erstmalig ein Ohrgeräusch bei sich bemerken, sollten sie Ihren Hausarzt aufsuchen. Je nachdem, was er bei der Untersuchung feststellt, wird er ihnen eine Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung vorschlagen oder Sie weiter überweisen, z.B. zum HNO-Spezialisten. In den allermeisten Fällen wird er keine Grunderkrankung feststellen und in diesen Fällen heißt es: Ruhe bewahren und den Tinnitus ignorieren, soweit es geht.

Für die Patienten, die durch die Sensations-Presse, durch einen Modearzt, durch Angehörige und Nachbarn oder sonst wen übermässig verunsichert wurden, hilft nachweislich eine spezielle Form der Psychotherapie: die sog. Kognitive Verhaltenstherapie. Das Ohrgeräusch wird dadurch auch nicht leiser, aber man lernt, mit ihm zu leben. Besser ist es, sich von vornherein nicht verrückt machen zu lassen.

Quellen

Karl C. Meyer, Neurologe und Psychiater: „Tinnitus – Mythen und Fakten“

Gesundheitsinformation. de zum Thema

Die Cochrane Library zum Thema Therapie bei Tinnitus (englisch)

Robert Koch-Institut: „Hörstörungen und Tinnitus“ – pdf-Datei

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Der Krebsinformationsdienst ist ein Angebot des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Hier finden Patienten und Angehörige Informationen über alle Krebserkrankungen, verständlich erklärt und wissenschaftlich fundiert. Und wer noch Fragen hat, kann kostenlos anrufen: 0800 – 420 30 40, das Telefon ist jeden Tag von 8 bis 20 Uhr besetzt.

Quelle

Krebsinformationsdienst.de

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Extrakte aus dem Johanniskraut sind in den letzten Jahren zu einem großen Renner auf dem Arzneimittelmarkt geworden. Zeitweilig standen sie auf Platz 1 der Verkaufshits bei den Mitteln gegen Depressionen (der „Antidepressiva“). Das wichtigste zuerst: Johanniskrautpräparate wirken nachweislich gegen Depressionen. Aber: Extrakte aus Johanniskraut müssen richtig angewendet werden, die Dosis muss stimmen und die Diagnose muss passen. Viele Präparate, die in der Apotheke und der Drogerie verkauft werden, enthalten zu wenig Extrakt aus der Pflanze. Depressionen sollte man nicht selbst behandeln, eine sachkundige Therapie setzt eine möglichst genaue Diagnose voraus. Auch körperliche Krankheiten müssen ausgeschlossen werden. Die Abschätzung der Selbstmordgefahr ist selbst für den Profi schwierig. Also gehen Sie bitte zum Arzt, wenn Sie vermuten, an einer Depression zu leiden.

Welche Inhaltsstoffe sind wirksam?

Mit dieser Frage sprechen wir ein Hauptproblem bei der Behandlung mit Johanniskraut an. Es konnte bisher nicht festgestellt werden, welche der vielen Inhaltsstoffe des Johanniskrauts diejenigen sind, die für die Wirkung gegen Depressionen entscheidend sind. Immer wieder zeigte sich, dass ein Extrakt aus der ganzen Pflanze effektiver wirkte als eine einzige isolierte Substanz.

Das macht es auch schwierig, verschiedene Johanniskraut-Präparate miteinander zu vergleichen. Je nachdem, wo die Pflanze gewachsen ist, wie sie geerntet und wie aus ihr die Tablette hergestellt wurde, wird man mit einem unterschiedlichen Gehalt an wirksamen Bestandteilen rechnen müssen.

Man hat sich heute darauf geeinigt, dass Johanniskrautpräparate etwa 900 mg Gesamtextrakt enthalten sollten. Am sichersten ist es, diese Dosis auf drei mal täglich zu verteilen, also 3 x 300 mg einzunehmen. (Einige der – vermutlich wichtigen – Substanzen im Johanniskraut haben eine Halbwertszeit von nur zwei bis sechs Stunden, das heißt die Hälfte der verabreichten Menge ist nach dieser Zeit aus dem Körper verschwunden.)

Wie wirkt das Johanniskraut?

Neuere Forschungen zeigen, dass Johanniskraut genau so wirkt wie die chemischen Antidepressiva auch. Es erhöht die Konzentration verschiedener Botenstoffe („Neurotransmitter“) im Gehirn. Erstaunlicherweise wirkt Johanniskrautextrakt auf drei verschiedene Neurotransmitter: Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. Johnniskraut wirkt nicht sofort: Genau wie bei den künstlich hergestellten Medikamenten, braucht es eine bis drei Wochen, bis man die Wirkung spüren kann.

Genau so gut wirksam wie ein chemisches Antidepressivum

Die Cochrane Collaboration ist eine internationale Vereinigung von Ärzten und Wissenschaftlern, die sich zum Ziel gesetzt haben, Therapien auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen. Sie fanden 29 wissenschaftliche Untersuchungen mit rund 5500 Patienten weltweit, die den hohen Ansprüchen dieser Organisation genügten. Das Ergebnis der Untersuchung: Johanniskraut wirkt ähnlich gut wie chemische Antidepressiva, bei weniger Nebenwirkungen.

Erstaunlich: Studien aus deutschsprechenden Ländern zeigten bessere Ergebnisse als die aus den anderen Ländern, besonders von dort, wo man Englisch spricht. Dies kann viele Ursachen haben: Möglicherweise war die Auswahl der Patienten unterschiedlich oder aber in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden die Ergebnisse zu optimistisch beurteilt. Es kann aber auch an der unterschiedlichen Qualität der verwendeten Präparate liegen.

Dies ist ein Problem der Untersuchungen zum Johanniskraut: Jede Studie gilt genau genommen nicht für Johanniskraut generell, sondern nur für das untersuchte Präparat – es ist eben noch nicht möglich, einen Prüfstandard für das einzelne Präparat zu entwickeln, weil noch nicht bekannt ist, auf welche Substanzen es ankommt.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen sind insgesamt geringer als bei den chemischen Antidepressiva. Während in Studien mit chemischen Antidepressiva 20 bis 50 % der Patienten die Behandlung abbrechen, sind dies bei Untersuchungen mit Johanniskrautpräparaten nur ein bis zwei Prozent.

Die Empfindlichkeit gegen Sonnenlicht kann gesteigert werden, Solariumsbesuch, Skiurlaub oder Sonnenbaden am Strand sollten also unter der Therapie vermieden werden, juckende Hautausschläge könnten die Folge sein. Und natürlich kann auch Johanniskraut zu Allergien führen. Magen-Darmbeschwerden wie Aufstoßen, Übelkeit, Verstopfung oder Durchfall werden ebenfalls berichtet. Unruhe und das Gegenteil – Müdigkeit – traten bei einigen Versuchspersonen auf.

Wechselwirkungen

Johanniskraut zeigt Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, die zum Teil ernsthafte Konsequenzen haben können.

Das gilt besonders für ein Medikament, dass Patienten nach einer Herz- oder Nierentransplantation einnehmen müssen, um zu verhindern, dass das neue Organ abgestoßen wird: Die Wirksamkeit von Ciclosporin A wird abgeschwächt. Das gleiche kann bei bestimmten Arzneien zur Behandlung der Herzschwäche (Digoxin) passieren, auch die Wirkung von Marcumar® zur Blutverdünnung kann herabgesetzt werden. Neuerdings wird auch befürchtet, dass Johanniskraut die empfängnisverhütende Wirkung der Pille abschwächen könnte. Die Wirkung anderer, chemischer Antidepressiva kann sowohl verstärkt als auch abgeschwächt werden.

Sie sollten auf jeden Fall Ihren Arzt fragen, wenn Sie planen, Johanniskraut einzunehmen und schon irgendwelche Medikamente einnehmen.

Quellen

Prof. Dr. med. Volker Faust: Johanniskraut

Cochrane Library: St John’s wort for major depression

Onmeda.de: Depression

Psychopharmaka kompakt: Für Klinik und Praxis, Von Wolfgang P. Kaschka,Rolf Kretzschmar,Martin Jandl, Schattauer Verlag 2008, S. 77ff

Bild: Saint johns wart flowers.jpg, aus der englischen Wikipedia, hier stehen Einzelheiten zur Lizenz.

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(Foto: © Peter Kirchhoff auf pixelio.de)

Der Handy-Strahlung werden allerhand negative Wirkungen nachgesagt. Letztens stritt man sich darum, ob Handystrahlung das Risiko für Hirtumore erhöhen könne. Jetzt kommt eine überraschend positives Forschungsergebnis aus Amerika: Handystrahlung könnte vor einer Erkrankung an der Alzheimer Erkrankung schützen, ja sogar bei der Behandlung von Alzheimerpatienten nützlich sein.

Gary Arendash, Professor an der Universität von Kalifornien und renomierter Alzheimer Forscher, berichtete über seine Forschungsergebnisse an Mäusen. Nicht an gewöhnlichen Mäusen, sondern an einer speziellen Rasse, die besonders häufig an Alzheimer erkranken und speziell für die Erforschung dieser schrecklichen Krankheit gezüchtet wurden. Arendash und seine Mitarbeiter setzten die Mäuse in Käfige, die um eine Antenne gruppiert waren. Diese zentrale Antenne sendete Handystrahlung aus. Die Stärke der Strahlung war in etwa so stark, wie sie am Kopf eines Handy-Nutzers auftritt.

Das erstaunliche Ergebnis: Die Alzheimermäuse, die der Handystrahlung ausgesetzt waren, entwickelten weniger starke Veränderungen im Gehirn als die, die ohne Strahlung lebten. Und es zeigte sich sogar, dass Mäuse, die bereits an dieser Art von Demenz litten, sich besserten, wenn sie mit der Handystrahlung behandelt wurden.

Nun gut, das ist ein Tierversuch und er ist nicht so ohne weiteres auf den Menschen übertragbar. Bevor man erste Versuche an Menschen anstellt, muss diese verblüffende Erkenntnis auch erst mal in anderen Tierversuchen reproduziert werden. Keinesfalls kann zum jetzigen Zeitpunkt bereits die Empfehlung gegeben werden, Handys einzusetzen, um die Alzheimerkrankheit zu behandeln oder ihr vorzubeugen.

Dennoch, interessant sind diese Ergebnisse schon, zumal bei einer Erkrankung, bei der noch keine wirklich wirksame Behandlung gefunden wurde.

Quellen
JOURNAL OF ALZHEIMER’S DISEASE: Press Release: 6-January-2010 – Cell Phone Exposure May Protect Against and Reverse Alzheimer’s Disease

Ärzte Zeitung online vom 7.1.09: „Handystrahlen verhindern bei Mäusen Alzheimer“

Physorg.com: „Cell phone exposure may protect against and reverse Alzheimer’s disease“

Volltext der Studie, zum Download als pdf-Datei

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