Nachrichten vom anderen Ende der Medizin

Zink – Wundermittel, Placebo oder Gift?

Zink ist ein wichtiger Bestandteil der Nahrung, ohne Zink kann kein Mensch, kein Tier und keine Pflanze existieren. Zink ist ein chemisches Element, der Mensch braucht es nur in kleinen Mengen, es wird daher als Spurenelement bezeichnet. (Andere lebenswichtige („essentielle“) Spurenelemente sind z.B. Kupfer und Eisen.) Zink ist ein Bestandteil vieler Enzyme im Körper des Menschen, eine Vielzahl von Krankheiten kann auftreten, wenn Zink fehlt. Andererseits ist eine Überdosis von Zink giftig, paradoxerweise löst eine Überdosis oft die gleichen Symptome aus wie ein Zinkmangel. Weltweit fehlt Millionen von Menschen ausreichend Zink in der Nahrung, in Deutschland und den westlichen Industriestaaten ist die Zinkversorgung mit der Nahrung jedoch meist ausreichend. Alkoholiker, Menschen mit chronischen Darmerkrankungen und angeborener Störung der Zinkaufnahme sind in Gefahr, durch einen Mangel an Zink zu erkranken.

Wieviel Zink brauche ich?

Nach europäischen Empfehlungen sollten Frauen rund 7 mg und Männer etwa 9 mg Zink mit der Nahrung aufnehmen. Zink steckt in sehr vielen Nahrungsmitteln, ein Zinkmangel bei einer ausgewogenen Mischkost ist daher sehr unwahrscheinlich. Obwohl rotes Fleisch sehr viel Zink enthält, brauchen auch Vegetarier keinen Mangel befürchten: Nüsse, Linsen und Vollkorngetreide enthalten jede Menge dieses wichtigen Spurenelements. Vor allem Vegetarier, die sich „ovo-lacto-vegetabil“ ernähren, erhalten zusätzliche Zinkzufuhr aus Eiern und Milchprodukten.

Wie kann Zinkmangel festgestellt werden?

Leider gibt es bis heute keine zuverlässige Labormethode, mit der man Zinkmangel zuverlässig diagnostizieren könnte. Bestimmungen der Zinkkonzentration im Blut sind sehr ungenau und nur bei sehr starkem Mangel oder heftiger Zinkvergiftung aussagekräftig. Der größte Teil des Zinks im Körper befindet sich, gebunden an Eiweiß, im Inneren der Zelle und nur sehr wenig (0,1 % des gesamten Bestandes) kreist ungebunden im Blut.

Die Diagnose wird also wesentlich durch die Symptome bestimmt.

Die extremste Form eines Zinkmangels ist angeboren: Aufgrund eines angeborenen Defekts wird bei der Acrodermatitis enteropathica zu wenig Zink aus dem Darm des Säuglings aufgenommen. So kommt es schon im ersten Lebensjahr zu schuppenden und bläschenförmigen Hautausschlägen, eingerissenen Mundwinkeln, zu starken Durchfällen, Infektanfälligkeit, Appetitlosigkeit, später zu geistiger und körperlicher Entwicklungsverzögerung, Störungen des Geschmacks, Impotenz und Wundheilungsstörungen.

Alle diese Symptome treten auch in wechselnder Ausprägung bei leichterem Zinkmangel auf. Leider sind sie nicht charakteristisch für Zinkmangel, deswegen wird eine gründliche Untersuchung in jedem Fall nötig sein, der Arzt wird dabei die Risikofaktoren für Zinkmangel berücksichtigen. Alkohol stört die Zinkaufnahme und fördert die Ausscheidung von Zink über die Nieren. Alle Patienten mit chronischen Darmerkrankungen sind anfällig für Zinkmangel, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn aber auch der Magenbypass bei übergewichtigen Patienten kann zu Mangelerscheinungen führen.

Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Bedarf; Kinder, die nach dem 6.Lebensmonat ausschließlich gestillt werden, bekommen häufig zu wenig Zink mit der Nahrung angeboten. Vegetarier haben ebenfalls einen erhöhten Zinkbedarf, wenn sie sehr große Mengen Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte zu sich nehmen. Diese enthalten Phytate, die in der Lage sind, Spurenelemente wie Zink und Eisen zu binden und dadurch die Aufnahme durch den Darm zu verhindern. Käse und andere Milchprodukte können hier Abhilfe schaffen, auch das Backen mit Sauerteig oder das Einweichen der Hülsenfrüchte und der Genuss von Getreide- und Bohnenkeimlingen.

Auch ältere Patienten mit mehreren Erkrankungen, schlechter (einseitiger) Ernährung und vielen Medikamenten (vor allem wassertreibende Mittel) neigen zu Zinkmangel.

Hilft Zink gegen Erkältungen?

Zu dieser Frage gibt es Studien mit sehr widersprüchlichen Ergebnissen: Die einen sehen eine (meist sehr diskrete) Verbesserung, die anderen keinen Effekt. Vor allem in den USA wurde bekannt, dass Patienten ihren Geruchssinn zeitweise oder sogar ständig verloren, nachdem sie zinkhaltige Nasensprays verwendet hatten.

Stärkt Zink das Immunsystem?

Ja, aber nur wenn ein ausgeprägter Zinkmangel besteht. Zink ist erforderlich, damit der Körper eine wichtige Sorte weißer Blutkörperchen, die T-Lymphozyten bilden und aktivieren kann. Auch die Bildung von Komplement wird durch Zinkmangel gestört. (Das Komplementsystem besteht aus löslichen Eiweißen, die im Blut zirkulieren und der Abwehr von Infektionserregern dienen.) Vielleicht ist dieser Umstand die Erklärung für die hohe Anfälligkeit von Kindern in Entwicklungsländern und von alten Leuten für Lungenentzündungen und Durchfallerkrankungen. Kindern mit Durchfall in Afrika, die Zink zusätzlich zur sonstigen Behandlung erhielten, wurden schneller wieder gesund als die Vergleichsgruppe nur mit Standardbehandlung. Aus diesem Grund empfiehlt die WHO die zusätzliche Zinkgabe bei Durchfall zumindest in den unterentwickelten Ländern.

Hilft Zink bei Wunden?

Bei älteren Menschen, die unter offenen Unterschenkelgeschwüre und ausgeprägtem Zinkmangel litten, half die Zinkgabe bei der Heilung der Wunden. Bei den anderen ohne Zinkmangel zeigte sich kein Effekt. In vielen Salben zur Wundbehandlung und zur Vorbeugung gegen Wundsein ist Zink enthalten und sie werden seit langem mit gutem Erfolg eingesetzt.

Hilft Zink bei Makuladegeneration?

Die Altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist eine Augenerkrankung, die zur Erblindung führen kann und aufgrund der Zunahme älterer Menschen in unserer Gesellschaft immer häufiger auftritt. In einer amerikanischen Studie (AREDS) wurde der Effekt einer kombinierten Zink und Vitamingabe auf das Fortschreiten der Erkrankung geprüft. Die Effekte waren mäßig, sie konnten bei den Patienten, die bereits an einer AMD im fortgeschrittenen Stadium litten, das weitere Fortschreiten um 19% verhindern. Dabei waren hohe Dosen von 500 mg Vitamin C, 400 mg Vitamin E und 15 mg Beta-Karotin erforderlich. Zusätzlich wurden 80 mg Zink und 2 mg Kupfer verabreicht. Die Zinkdosierung ist sehr hoch; das Kupfer kam hinzu, weil eine solch hohe Dosis Zink die Aufnahme von Kupfer aus dem Darm verhindert, was zur Anämie führen kann.

Eine Vorbeugung der AMD war mit diesem Präparat jedoch nicht möglich. Da diese Dosierungen auch schädliche Folgen haben können, sollten sie die Anwendung mit Ihrem Arzt besprechen: Es gibt z.B. Hinweise dafür, dass Vitamin E und Beta-Karotin das Lungenkrebsrisiko bei Rauchern erhöhen können.

Eisen, Zink und Kupfer

Eisen, Zink und Kupfer werden durch dasselbe Transportsystem aus dem Darm aufgenommen. Sie behindern sich dabei z.T. gegenseitig. Zink verhindert die Aufnahme von Kupfer, Eisen die Aufnahme von Zink. Aus diesem Grund werden hohe Dosen von Zink häufig mit Kupfer kombiniert, Eisen sollte zwischen den Mahlzeiten eingenommen werden, dann behindert es nicht die Zinkaufnahme aus der Nahrung.

Zinkvergiftung

Symptome der akuten Zinkvergiftung sind Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Durchfall und Kopfschmerzen. Schon ab 150 mg Zink pro Tag zeigen sich Symptome der chronischen Zinkvergiftung, eine Immunschwäche ist das typische Symptom.

Eine weitere Folge der chronischen Zinkvergiftung ist ein Mangel an Kupfer, möglicherweise resultiert daraus eine Blutarmut. Zu viel Zink kann auch den Spiegel des HDL-Cholesterins senken. Das HDL gebundene Cholesterin ist das gute („Hab Dich Lieb“-Chlolesterin), der Schutz vor Gefäßverkalkung mit all seinen Folgen kann also durch zu viel Zink gebremst werden.

Fazit

Nehmen Sie niemals irgend ein Präparat ein, das Zink enthält, ohne mit ihrem Arzt darüber gesprochen zu haben. Es kann sein, das Sie Ihr Geld zum Fenster raus schmeißen. Es kann aber auch sein, dass Sie Ihrer Gesundheit damit schaden. Bemühen Sie sich um eine ausgewogene Ernährung mit reichlich frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Käse, Eiern und Fisch. Damit decken Sie Ihren Zinkbedarf in den meisten Fällen ausreichend.

Quellen

Office of Dietary Supplements (NIH) : Zinc (engl.)

American Macular Degeneration Foundation: AGE-RELATED EYE DISEASE STUDY (AREDS)

A. Hahn: Zink, in: Ernährungsmedizin, Prävention und Therapie, Urban und Schwarzenberg, 2003

EUFIC: Zink – Ein Super – Nährstoff?

Arzneitelegramm, 11/2001: Hilft Zink bei Erkältungen?

Arzneitelegramm 41/2010: Zur Marktrücknahme zinkhaltiger Prothesenhaftcremes

Arzneitelegramm 11/2003: VITAMINE A, C, E UND BETAKAROTIN: WIE NÜTZLICH SIND ANTIOXIDANZIEN? (II)

Medline Plus: Minerals