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Archive for 29. November 2010

Foto © Wikipedia, Lizenz: hier

Der alte Landarzt ist in Rente. Jetzt sucht das Dorf Lette einen neuen. Lette liegt im südlichen Münsterland, in der Nähe von Warendorf. Nach unseren (ostfriesischen) Maßstäben ist Lette gar nicht so klein: 2250 Einwohner hat der westfälische Flecken.

Die Letter wollen sich nicht damit abfinden, dass sich kein neuer Arzt in ihrem schönen Ort niederlassen will. Radio WAF (Radio Warendorf) startete eine Kampagne, um doch noch ärztlichen Nachwuchs zu finden.

Der Metzger will Würstchen spenden, der Hotelier die Übernachtung, die Friseuse die Frisur, die Floristin die Blumen und der Bürgermeister die Schirmherrschaft. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen Lippe winkt ab: Der Ort sei viel zu klein, den Nachwuchs ziehe es in die großen Städte. Die Arbeit eines Landarztes sei extrem arbeitsintensiv, vermeldet die Kassenärztliche Vereinigung.

Schönes Medienecho hat Radio WAF ausgelöst, man konnte das Würstchen/Frisur/Blumen/Hotel – Angebot von der Nordsee über Nürnberg bis in die Alpen lesen.

Herr Minister Rösler, unser Gesundheitsminister, hat angekündigt, das Problem des Mangels an Landärzten lösen zu wollen, mit einer Kommission, darin sitzen die Vertreter der Krankenkassen, der Länder, der Ärztekammern usw. usw.. Die Kommission soll beraten und dann soll daraus ein Gesetzentwurf werden.

Hausbesuche sollen besser bezahlt werden, sagt Herr Minister Rösler

Herr Minister Rösler will unter anderem „Hausbesuche besser bezahlen“. Ich kann mir nun einfach nicht vorstellen, dass Herrn Minister Rösler nicht bekannt ist, dass Hausbesuche in der Regel überhaupt nicht bezahlt werden.

Das hausärztliche Honorar ist budgetiert, wenn ein Patient mit einer chronischen Krankheit zweimal im Quartal einen persönlichen Arztkontakt hatte, dann ist das Budget voll. Auch wenn der Landarzt diesen Patienten noch zwanzig Mal im Quartal besucht (keine Seltenheit), bekommt er dafür keinen müden Euro.

Bezahlt werden Wegepauschalen, die sind nicht budgetiert. Wegepauschalen sind kein Honorar, Wegepauschalen sollen Erstattungen für Kosten sein. Ich will Sie nicht langweilen, indem ich die Pauschalen einzeln aufzähle. Sie können Sie hier oder auch hier nachsehen.

Kurz zusammengefasst: Der Landarzt reist mit eigenem Auto an in der Nacht für maximal 13,20 €, am Tag für etwas über 9,00 €. Egal wie weit. Hausbesuche bedeuten für mich schon mal Wegestrecken von 10 bis 20 km oder mehr – einfache Strecke. Ein Taxi fährt nicht für diesen Preis, er gilt übrigens für Hin- und Rückfahrt. PKW-Kosten lassen sich damit nicht decken. Vom Arbeitslohn, wie sie auch jedem Taxifahrer zustehen würde, ganz zu schweigen.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich liebe meinen Beruf, ich mache für mein Leben gern Hausbesuche und ich lebe gerne auf dem Land. Aber ich kann den Nachwuchs gut verstehen, der diese Arbeit für diesen Lohn nicht mehr verrichten möchte. Und, liebe Letter, ich sehe schwarz – das könnt ihr auch mit ein paar Würstchen nicht mehr raus reißen.

Quelle

Raido waf: Retter für die Letter

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