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Archive for September 2011

In den nächsten Tagen geht es los: Dann kommen die ersten neuen Versichertenkarten. Die 153 gesetzlichen Krankenkassen sind vom Gesetzgeber verpflichtet worden, bis zum Jahresende an 10 % ihrer Kunden die neue Karte auszustellen. Die gesetzlichen Krankenkassen haben rund 69 Millionen Mitglieder, also müssen bis zum Jahresende 2011 6,9 Millionen neue Karten fertig sein. Schafft eine Krankenkasse es nicht, die vorgeschriebene Zahl an Karten auszugeben, muss sie Strafe zahlen.

Von den 153 Krankenkassen haben bis jetzt 130 einen Antrag auf Zulassung ihrer Karte gestellt, erst 14 Kassen haben die Freigabe zur Produktion erhalten. Ob sich wohl die Reihe von Verzögerungen fortsetzt, die die Gesundheitskarte schon bisher begleitet hat? Die Einführung war immerhin schon für das Jahr 2006 eingeplant, eine ganze Reihe von Streitereien, technischen und organisatorischen Pannen hat die Einführung bis heute verzögert.

Elektronische Gesundheitskarte © siehe Link unten


Was kann die neue Karte, was die alte nicht kann?

Zum jetzigen Zeitpunkt leistet die neue Gesundheitskarte nicht mehr als die alte Versichertenkarte. Auf ihrer Vorderseite klebt ein Foto des Versicherten, sonst ändert sich nichts. Ihre Krankenkasse fordert sie auf, das Foto einzusenden, prüft aber nicht, ob sie das auch wirklich sind auf dem Bild.

Bis jetzt hat die Einführung der neuen Karte 600 Millionen Euro gekostet. Das ist eine Schätzung, es können auch mehr sein. Alle Arztpraxen mussten sich neue Lesegeräte anschaffen. Diese Lesegeräte sollten die neue Karte lesen können – ob sie es wirklich können, wissen wir nicht. Wir konnten das bisher noch nicht testen, weil wir noch keine neue Karte zum Testen in der Praxis hatten.

Unsere Praxis geht nicht online

Hätten wir ein Gerät angeschafft, das die neue Gesundheitskarte und damit unsere Praxis-EDV mit dem Internet verbindet, dann hätten wir eine Förderung einstreichen können, die uns sogar einen kleinen Gewinn gebracht hätte. Bei klugem Einkauf des Geräts war die Förderung höher als der Einkaufspreis des Geräts.

Wir haben uns nach langem Abwägen dazu entschieden, ein Gerät zu kaufen, das nicht online gehen kann. Die Kosten für dieses Gerät mussten wir selber tragen (er war nicht sehr hoch), aber wir können unseren Patienten guten Gewissens versichern: Ihre Daten bleiben bei uns in der Praxis! Keiner außer uns, den Sprechstundenhilfen und dem Arzt, und Ihnen, den Patienten, kann sie einsehen.

Und wenn Sie möchten, dass gewisse Einträge gelöscht werden aus unserer elektronischen Akte, dann werden sie auch gelöscht und es schwirrt nicht irgendwo im Internet eine Kopie herum, die wir nicht mehr beeinflussen können.

Ja, so was ist geplant mit der neuen Gesundheitskarte: Eine Kopie der Patientenakte im Internet. Dort ist sie sicher gelagert, sagen alle Datenschützer, wie zum Beispiel der Datenschutzbeauftragte des Bundes, Peter Schaar. Andere, wie der Chaos Computer Club behaupten: Stimmt nicht!

Sollen alle Ärzte alles wissen über Sie?

Geplant ist: Ihre Krankenakte lagert auf einem zentralen Computer außerhalb der Arztpraxis. Ein Zugang zu dieser Krankenakte ist nur möglich, wenn sie ihre Gesundheitskarte vorlegen, ihre PIN eingeben und der Arzt seinen elektronischen Ausweis ebenfalls einsteckt. Das hört sich sicher an. Aber: Sind nicht bisher auch schon vermeintlich sichere Daten durch Hacker ans Licht der Öffentlichkeit gekommen?

Möchten Sie wirklich jedem Arzt, jeder Ärztin ihre komplette Vorgeschichte offenbaren? Soll Ihr Augenarzt wirklich erfahren, dass sie vor 20 Jahren einen Selbstmordversuch unternahmen oder vor 30 Jahren an einem Tripper erkrankten? Gut, dann gebe ich meine PIN einfach nicht ab, sagen sie. Und was denkt jetzt ihr Augenarzt über Sie?

Ich bin kein Experte für Datensicherheit, aber mir leuchtet unmittelbar ein, dass jede Speicherung von sensiblen Daten aus dem ganz persönlichen Arzt-Patienten-Gespräch auf Rechnern außerhalb der Praxis Misstrauen bei den Patienten hervorruft. Trauen Sie sich noch, alles ehrlich Ihrem Arzt anzuvertrauen, wenn Sie wissen, dass es außerhalb der Praxis gespeichert wird? (Auch wenn die Experten sagen, dass es dort sicher lagert?)

Bei der Einführung der Praxis-EDV vor 19 Jahren in unserer Praxis habe ich allen Patienten versprochen, dass die Daten in unserer Praxis bleiben und von außen nicht einzusehen sind. Dieses Versprechen möchte ich gerne aufrecht erhalten. Und ich kann das auch: Auch wenn Sie die neue Gesundheitskarte haben – bei uns geht nichts von Ihren Daten „online“.

Bis jetzt: Alles sicher

Noch mal, damit keiner verunsichert wird: Bis jetzt zeigt die neue Karte nur ein Bild von Ihnen, sonst ändert sich nichts. Keine der neuen Funktionen ist bisher möglich: Kein elektronisches Rezept, keine Notfalldaten wie Blutgruppe oder Allergien, kein elektronischer Arztbrief und auch keine Akte im Netz.

Wenn Sie sich weiter über das Für und Wieder informieren, möchten, klicken Sie hier:

Gematik – Das ist die Gesellschaft, die die neue Karte entwickelt

Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen, begrüßt die neue Karte

Der Chaos Computer Club zur Gesundheitskarte

Deutsches Ärzteblatt aktuell zur Einführung der Gesundheitskarte

„Stoppt die e-card“ – Hier sprechen die Kritiker

Lizenz vom Foto oben auf wikimedia commons

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Kaffee kann den Schlaf stören und Fehlgeburten begünstigen. Aber ansonsten scheint dieses Getränk gar nicht so ungesund zu sein, wie früher oft behauptet wurde. Kaffetrinker leben länger, das ist schon seit einiger Zeit bekannt. Und nun stellt sich heraus, dass starke Kaffeetrinkerinnen seltener an einer Depression erkranken als schwache oder Kaffee – Abstinenzlerinnen.

Espresso © Gordito1869 (Lizenz siehe unten)

Der Unterschied ist nicht riesig, aber er ist deutlich: Die Frauen, die vier oder mehr Tassen (nach eigener Auskunft) tranken, hatten ein um 20 % geringeres Risiko in 10 Jahren an einer Depression zu erkranken als diejenigen, die eine Tasse oder weniger tranken. Die Studie erschien gestern in der renommierten amerikanischen Fachzeitschrift Archives of Internal Medicine, 50739 Krankenschwestern wurden zwischen 1996 und 2006 untersucht, in dieser Zeit traten 2607 ärztlich diagnostizierte Depressionen auf.

Als Resultat dieser Studie kann man zur Zeit noch nicht jeder oder jedem empfehlen, Kaffee zu trinken, auch wenn es ihr oder ihm nicht schmeckt. Aber: Diejenigen, die heute schon diesem köstlichen Getränk verfallen sind – wie der Autor dieser Zeilen -, die dürfen dies auch weiterhin tun und jetzt sogar behaupten, es tue ihrer Gesundheit gut.

Quellen

Archives of Internal Medicine: Cofee, Caffeine and Depression among Women,Arch Intern Med. 2011;171(17):1571-1578. doi:10.1001/archinternmed.2011.393

Lizenz des Fotos auf der Seite der deutschen Wikipedia

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Seit dem Jahre 2002 wird zunächst aus den USA, später auch aus anderen Ländern eine neue mysteriöse Hautkrankheit berichtet. Sie geht, nach einem Bericht der Mayo Klinik, mit folgenden Symptomen einher:

* Hautausschläge oder Geschwüre mit starkem Juckreiz

* Gefühl, dass etwas unter und auf der Haut krabbele, oft wird dieses Gefühl verglichen mit sich bewegenden Insekten, stechenden oder beißenden Empfindungen

* Fasern, Fäden oder schwarzes fadenförmiges Material in und auf der Haut

* Schwere Erschöpfung

* Konzentrationsschwäche und Verlust des Kurzzeitgedächtnis

* Veränderungen des Verhaltens

* Gelenkschmerzen

* Änderungen des Sehvermögens.

Auch das US-amerikanische CDC, das „Center for Disease Control“, die amerikanische nationale Gesundheitsbehörde, hat zusammen mit einer großen amerikanischen Krankenversicherungsgesellschaft (Kaiser Permanente) eine Studie zur Erforschung des rätselhaften Krankheitsbildes gestartet. Die CDC nennt die Krankheit „Unexeplained Dermatopathy“ – „Unklare Hautkrankheit“.

Der Name Morgellons geht übrigens zurück auf den englischen Arzt Thomas Browne, der im 17. Jahrhundert möglicherweise die gleiche Krankheit beschreiben hat.

20110924-203556.jpgSir Thomas Browne, Erstbeschreiber der Morgellons?

Die Morgellons, auch Morgellon-Krankheit genannt, ähneln verschiedenen, bereits bekannten Krankheiten. Zunächst erinnerten die Symptome der Krankheit an den Dermatozoenwahn. Eine Krankheit, die außerordentlich quälend für die Betroffenen verläuft.

Borreliose, Schizophrenie, Leber- und Nierenkrankheiten, Drogen- und Alkoholmissbrauch sind Ursachen, die diskutiert werden.

Was tun, wenn Sie glauben, an Morgellons zu leiden?

Suchen Sie bitte Ihren Hausarzt auf und äußern Sie Ihre Befürchtung. Lassen Sie sich gründlich untersuchen und diskutieren Sie alle Möglichkeiten der Diagnose und Behandlung. Im Internet werden eine Reihe von Therapien angeboten, die zum Teil gefährlich, zum Teil ohne jede gesicherte Wirkung sind.

Quellen und Links

Fisch-blog zum Thema

CDC : „Unexplained Dermatopathy“

Mayo Clinic zum Thema

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Wenn sie hartnäckig unter Ängsten, Depressionen, Alkoholproblemen, unter Störungen des Sexuallebens oder irgendeinem andern dauerhaften seelischen Problem leiden, sollten sie zunächst ihren Hausarzt aufsuchen. Teilen sie ihm mit, wenn sie an eine Psychotherapie gedacht haben. Nach einigen Voruntersuchungen wird er ihnen den Weg zur Psychotherapie ebnen, wenn die Psychotherapie für ihr Problem in Frage kommt.

Freuds Sofa © Konstantin Binder, Lizenz siehe unten

Hausärztliche Abklärung

Ihr Hausarzt wird in erster Linie durch Fragen nach ihrer Vorgeschichte und ihrem aktuellen Problem, durch eine körperliche Untersuchung und vielleicht einige Blutuntersuchungen versuchen, festzustellen, ob eine körperliche Erkrankung Ursache für ihr seelisches Problem sein kann. So was gibt es zum Beispiel bei Störungen der Schilddrüsenfunktion, bei Erkrankungen des Gehirns oder auch bei Infektionskrankheiten. Vielleicht kommt der Hausarzt zu dem Ergebnis, dass nicht eine Psychotherapie sondern die Überweisung zur Schilddrüsenuntersuchung der beste Weg ist.

Manche seelische Erkrankung kann nicht so gut durch Psychotherapie behandelt werden, bei einer schweren Depression oder einer schizophrenen Erkrankung ist vielleicht eine Überweisung zum Psychiater oder sogar eine stationäre Behandlung die bessere Wahl. Psychiater sind Spezialisten für schwere seelische Erkrankungen; viele, aber nicht alle Psychiater behandeln auch psychotherapeutisch.

Neurologen sind Spezialisten für Erkrankungen des Nervensystems und des Gehirns. Solche Erkrankungen können z.B. durch Infektionen, Vergiftungen, Durchblutungsstörungen oder Störungen des Immunsystems hervorgerufen werden.

Viele seelische Erkrankungen werden häufig erfolgreich durch mehrere Therapien gleichzeitig am besten behandelt. Bei einer Depression z.B. ist eine medikamentöse Therapie in Verbindung mit einer Psychotherapie oft der beste Weg.

Ärztliche und psychologische Psychotherapeuten

Psychotherapie wird in Deutschland von Ärzten und von Psychologen durchgeführt. Beide Berufsgruppen müssen nach dem Abschluss ihrer Ausbildung zum Arzt oder Psychologen eine Weiterbildung zum Psychotherapeuten absolvieren. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten die Kosten für eine Psychotherapie, wenn die Voraussetzungen dafür erfüllt sind.

Ihr Hausarzt überweist sie zum Psychotherapeuten, wenn alle Voruntersuchungen abgeschlossen sind und Arzt und Patient zu der Meinung gekommen sind, dass eine Psychotherapie erfolgreich sein könnte.

Krankenkassen erstatten Verhaltenstherapie und Psychoanalyse

Die Psychotherapie kennt viele verschiedene Richtungen. Die Krankenkassen erstatten die Kosten nur für die Verhaltenstherapie und psychoanalytisch begründete Verfahren. Die Gesprächspsychotherapie wird zum Beispiel nicht erstattet, auch nicht die Behandlung bei nicht bei den Kassen zugelassenen Therapeuten.

Die Verhaltenstherapie orientiert sich in erster Linie an der Gegenwart und Zukunft. Ein Verhaltenstherapeut analysiert ihr Verhalten, um zu entscheiden, welchen Einfluss es auf ihre Probleme hat. Ein Trainingsprogramm führt zum Verlernen schädlichen Verhaltens.

Psychoanalytische Therapien sehen die Ursachen ihrer Probleme im Unbewussten, häufig sind die Gründe bereits in der frühen Kindheit gelegt. Durch Aufdecken der Ursachen wird der erste Schritt zur Heilung erreicht. Anschließend wird die Kindheitssituation in der therapeutischen Beziehung erneut erlebt und umgedeutet.

Psychologische Therapeuten bieten häufiger die Verhaltenstherapie an, ärztliche psychoanalytische Verfahren.

Steiniger Weg bis zum ersten Termin

In unserer Praxis bieten wir eine Liste an, in der alle Psychotherapeuten aufgelistet sind. In jedem Bundesland gibt es eine Arztsuchmaschine der Kassenärztlichen Vereinigung. Dort lassen sich alle Ärzte und Psychologen finden, die in der Nähe ihres Wohnorts Psychotherapie anbieten, die von den Krankenkassen erstattet wird.

Die Terminvereinbarung beim Psychotherapeuten ist nicht so ganz einfach und verlangt schon eine gute Portion psychische Gesundheit. Psychotherapeuten bieten meistens nur eine kurze Zeit am Tag an, in der sich Termine vereinbaren lassen. In der übrigen Zeit läuft der Anrufbeantworter. Und in der Stunde, in der man anrufen kann, ist meistens besetzt. Wenn der Patient dann durchgekommen ist, erfährt er, dass er drei oder sechs Monate warten muss, bis er dann endlich einen Termin erhält.

Immer wieder ermuntere ich meine Patienten, die ganze Liste anzurufen. Und sich überall auf die Warteliste setzen zu lassen. Die wenigsten befolgen meinen Ratschlag. Aber leider können wir den Patienten diese Arbeit nicht abnehmen, alle Psychotherapeuten bestehen darauf, dass diese schwierige Aufgabe vom Patienten selbst erledigt wird.

Drum prüfe, wer sich bindet: Probesitzungen zu empfehlen

Die Beziehung zwischen Patient und Psychotherapeut ist mit-entscheidend für den Erfolg der Therapie. Die „Chemie“ muss stimmen. Ob das der Fall ist, kann der Patient aber nur feststellen, wenn er seinen Therapeuten näher kennen gelernt hat. Die Kassen berücksichtigen das, (mindestens) fünf Sitzungen sind frei. Erst dann muss der Antrag bei der Krankenkasse gestellt werden, damit sie die Kosten für die Behandlung übernimmt.

Wenn ihr Therapeut Psychologe von Beruf ist, braucht er noch einen Bericht über ihren Gesundheitszustand von ihrem Hausarzt. Diesen Bericht fordert der Psychotherapeut mit einem speziellen Überweisungsformular an. Der Bericht wiederum ist auf einem weiteren speziellen Formular zu erstellen, soviel zum Thema Bürokratie in der Hausarztpraxis.

Wenn die Krankenkasse die Übernahme der Kosten bewilligt hat, dann kann die Therapie beginnen.

Privatpatienten sollten sich zuvor bei ihrer Versicherung erkundigen, die Regeln sind hier sehr unterschiedlich.

Links

Arztsuche in Deutschland auf der Website der Kassenärztlichen Bundesvereinigung – auch zur Suche nach Psychotheraputen

Arztsuche Niedersachsen – Ort eingeben und Psychotherapeut suchen

Information der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zur Psychotherapie bei Depression

Psychotherapierichtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen

Lizenz zum Bild „Freuds Sofa“

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IGEL, das ist die Abkürzung für Individuelle Gesundheitsleistungen. IGEL-Leistungen werden Kassenpatienten angeboten, weil sie der Arzt für notwendig hält, die gesetzliche Krankenversicherung aber nicht bezahlt
Igel (Lizenz unten)

Das DIMDI, das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information ist eine Behörde, die dem Gesundheitsministerium untersteht. Neben anderen Aufgaben soll das DIMDI medizinische Behandlungen und Untersuchungen bewerten. Bewertet werden soll der Nutzen für den Patienten. Dazu sammelt das DIMDI alle verfügbaren Daten aus wissenschaftlichen Untersuchungen.

Jetzt haben sich die Wissenschaftler dieses Instituts zwei der am häufigsten verkauften IGEL-Leistungen vorgenommen: Die Messung des Augeninnendrucks beim Augenarzt und die vaginale Ultraschalluntersuchung beim Gynäkologen. In den meisten Fällen muss der (Kassen-)Patient für diese Untersuchungen zur Früherkennung selbst bezahlen. Die Augenärzte halten die Druckmessung für so wichtig, dass sie oft Patienten, die diese Früherkennung ablehnen, bitten, ein Formular zu unterschreiben. Der Patient bestätigt in diesem Formular, dass er die vom Augenarzt empfohlene Früherkennung des Glaukoms (des sogenannten Grünen Stars) durch Augendruckmessung auf eigene Kosten ablehnt.

Und was meint das DIMDI dazu? Nach eingehender Durchforstung und Bewertung der international vorliegenden Studien sei weder eine vorsorgliche Druckmessung am Auge noch eine Ultraschalluntersuchung der Unterleibsorgane von der Scheide aus medizinisch sinnvoll.

Dieses Ergebnis wird in den kommenden Wochen sicher noch für lebhafte Diskussionen sorgen. Ich werde Sie auf dem Laufenden halten. Hier die

Quellen:

* Unten auf der Seite: PDF mit der Studie des DIMDI

* Hier informiert das DIMDI über seine Arbeit

* Die Cochrane Collaboration erklärt, was die Arbeit des DIMDI zu diesem Thema ist: ein HTA = Health Technology Assessment (Bewertung einer Gesundheitstechnologie)

* Lizenz für das Foto auf Wikipedia

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Xanthelasmen (Einzahl: Xanthelasma) sind Ablagerungen von Cholesterin in der Haut rund um das Auge. Manchmal ist der Cholesterinwert der betroffenen Patienten erhöht, manchmal ist er ganz normal.

Xanthelasmen an beiden Augen © Klaus D. Peter, Gummersbach, Wikipedia Commons

Bisher dachte man, Xanthelasmen seien ein rein kosmetisches Problem. Aber eine jetzt in dem renomierten englischen Fachblatt British Medical Journal veröffentlichte Studie zeigt, dass Xanthelasmen das Herzinfarktrisiko um 48% erhöhen, ganz unabhängig davon, ob der Träger der Xanthelasmen ein erhöhtes oder ein normales Cholesterin hat. Die Konsequenz: Patienten mit diesem bisher als „kosmetisch“ klassifizierten Problem sollten sich mit ihrem Hausarzt beraten, wie ihre ganz persönliche Risikosituation zu verbessern ist.

Quellen

* Bericht im Deutschen Ärzteblatt

* Bericht über die Studie bei eurekalert.org

* Die Studie im British Medical Journal (BMJ)

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Chlostridium botulinum heißt das Bakterium, es wächst am besten ohne Zufuhr frischer Luft („anaerob“) und produziert ein hochwirksames Gift, das „Bolutinumtoxin“. Mit einem Gramm diesen Gifts soll man eine Million Menschen töten können. Botulinumtxoin wird als Botox® in der Medizin eingesetzt, um damit Menschen zu helfen, die unter Krankheiten leiden, bei der es zu störenden Muskelkontraktionen kommt. Das man damit auch Falten und Fältchen wegspritzt, kann man in jedem Boulevardblatt lesen.

Chlostridien unter dem Mikroskop

Seit langem bekannt: Akute Vergiftung

Botulismus kannte man bisher nur als akute Vergiftung. Früher gab es Vergiftungen durch den Genuss schlechter Wurst, botulus ist der lateinische Name für Wurst. Heute sind meist verdorbene Konserven Schuld, am häufigsten hausgemachte („eingekochte“) Konserven von Fleisch oder Gemüse.

18 bis 36 Stunden nach dem Genuss der verdorbenen Speisen kommt es zu Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, auch zu Verstopfung. Später treten Lähmungen der Muskulatur auf, manchmal muss der Patient sogar beatmet werden, weil die Atemmuskulatur zu schwach wird. Die Diagnose ist sehr schwer, erfolgt heute noch im Tierversuch an der Maus. Ein Gegengift, gewonnen vom Pferd, kann lebensrettend sein und wird oft schon bei reinem Verdacht appliziert.

Außer dieser akuten Vergiftung gibt des einen Botulismus durch Wundinfektion. In schmutzigen Wunden vermehrt sich der Erreger und gibt das Gift an den Körper ab.
Säuglingsbotulismus: Die Bakterien produzieren das Gift im Darm

Der Säuglingsbotulismus ist ebenfalls schon länger bekannt. Weltweit ist es die häufigste Form des Botulismus. Meist um den zweiten Lebensmonat herum besiedelt Clostridium botulinum den Darm des Säuglings und produziert hier sein Gift. Der Verlauf ist bei weitem nicht so dramatisch wie bei der Vergiftung: Der Säugling ist insgesamt sehr schwach und trinkt schlecht.

Vor allem Milchvieh ist betroffen


Chronischer Botulismus beim Erwachsenen

Vermutlich gibt es diese Form des chronischen Botulismus auch beim Erwachsenen und es spricht vieles dafür, dass diese Form in der letzten Zeit häufiger wird. Die meisten Betroffen sind Landwirte mit Milchviehhaltung. Sie stecken sich scheinbar bei ihren Rindern an, die sich zuvor durch Futter, das mit Clostridien belastet war, infiziert haben.

Die Betroffenen fühlen sich von den offiziellen Stellen im Stich gelassen. Chronischer Botulismus bei den befallen Tieren ist nicht als Tierseuche anerkannt, deswegen gibt es auch keine Entschädigung aus der Tierseuchenkasse. Manche Betroffene haben zunächst hilflos den Untergang ihres Betriebs verkraften müssen, um nach dem finanziellen Ruin mit ihrer Krankheit kämpfen zu dürfen.

Übrigens: Der chronische Botulismus wird weder durch Milch noch Fleisch übertragen. Die Krankheit beim Menschen entsteht offensichtlich nur durch langfristigen Kontakt von Mensch und Tier. Die Symptome ähneln der Säuglingserkrankung: Schwäche der Muskulatur, Abgeschlagenheit und Antriebsschwäche.

Links und Quellen

* Leitlinie Botulismus der Deutschen Gesellschaft für Neurologie

* Interessengemeinschaft Botulismus und Clostridiose betroffener Tier-und Landbesitzer Verein e.V.

* Friedrich Löffler Institut: Informationen zu klassischem und chronischem Botulismus (pdf)

* Zeit online:Botulismus – Die ignorierte Seuche

* Agrar- und Veterinärakademie: Umfangreiche Linksammlung

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