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Archive for Oktober 2011

Bin ich, mein Partner, mein Vater, meine Mutter oder wer auch immer alkoholabhängig? Diese Frage wird mir in der Praxis oft gestellt. Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit, kein moralisches Versagen. Nicht jeder, der zuviel trinkt, ist abhängig. Diese Menschen gefährden ihre Gesundheit durch zuviel Alkohol, wir sprechen in diesem Zusammenhang vom „schädlichen Gebrauch“.

„Abhängigkeit“ und „schädlicher Gebrauch von Alkohol“ sind zwei verschiedene Dinge, obwohl die Grenzen fließend sind. Alkoholabhängige können ihren Konsum nicht mehr kontrollieren, Abhängige brauchen Hilfe. Es gibt andererseits Menschen, die zuviel trinken und damit ihre Gesundheit gefährden oder schädigen. Solange sie nicht abhängig sind, brauchen sie Rat und Information.

Cage und Audit sind zwei Untersuchungsmethoden, die helfen sollen, die Wahrscheinlichkeit einer Alkoholabhängigkeit abzuklären.

CAGE – der Käfig – zuverlässig und kurz

Der CAGE – Test wurde schon in den 1970er Jahren entwickelt und hat in der täglichen Praxis und in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen seinen Nutzen unter Beweis gestellt.

Der CAGE Test besteht aus vier einfachen Fragen:

1.) Cut down: „Haben Sie schon mal das Gefühl gehabt, Sie müssten Ihren Alkoholkonsum vermindern?“

2.) Annoyed: „Haben Sie sich schon mal geärgert, weil andere Ihr Trinkverhalten kritisiert haben?“

3.) Guilty: „Hatten Sie schon mal Gewissensbisse wegen Ihres Alkoholkonsums?“

4.) Eye opener: „Haben Sie schon mal morgens getrunken, um Ihre Nerven zu beruhigen oder einen Kater zu vertreiben?“

Geben Sie sich je einen Punkt für jedes „Ja“. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie alkoholkrank sind, beträgt:

bei einem Punkt 62 %,
bei zwei Punkten 82 %,
bei drei Punkten 99 %,
und bei 4 Punkten fast 100 %.

AUDIT – von der WHO empfohlen

Der AUDIT (Alcohol use disorders identification test) ist etwas umfangreicher, er wurde 1982 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt, beim AUDIT müssen 10 Fragen beantwortet werden, die Punktzahl geht von 0 bis 40, ab 8 Punkten wird eine Alkoholabhängigkeit wahrscheinlich. Den AUDIT-Test können Sie z.B. hier auf den Seiten der Drogenberatung Hamburg durchführen.

Ich bin abhängig – was jetzt?

Wenn Sie glauben, dass Sie ein ernsthaftes Alkoholproblem haben, wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt. Reden Sie am besten nicht um den heißen Brei herum, sprechen Sie das Problem direkt an. Es gibt eine Vielzahl von Hilfen.

Auch die Selbsthilfegruppen für Alkoholabhängige helfen Ihnen gerne weiter.

Die Abhängigkeit ist nicht Ihre Schuld, keiner wird Ihnen einen Vorwurf machen. Unternehmen Sie den ersten Schritt noch heute!

Quellen und weiterführende Links

Selbsthilfe in Ihrer Nähe

Suchmaschine der Freundeskreise

Anonyme Alkoholiker

Blaues Kreuz

Guttempler

Kreuzbund

Quellen

JAMA: Detecting Alcoholism, The CAGE Questionnaire

Addictions and Recovery

AUDIT auf Deutsch

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Vegetarier leben eindeutig gesünder, aber: Ein bisschen Fleisch schadet nicht. So kann man die aktuelle Studienlage zusammenfassen. Vegetarier legen länger, sie erkranken seltener an Diabetes mellitus und leiden weniger an Übergewicht. Außerdem gibt es viele Hinweise darauf, dass Vegetarier seltener an Krebs erkranken.

Ein vegetarisches Mahl, © Corinn auf pixelio.de


Vegetarier und Vegetarier – das ist noch lange nicht dasselbe

Manche Vegetarier lehnen jede Form tierischer Nahrung ab, sie essen also auch keine Eier, trinken keine Milch und verwenden keinen Honig. (Viele dieser sogenannten „Veganer“ lehnen sogar Schuhe und Möbel aus Leder ab.) Andere Vegetarier essen zwar kein Fleisch, trinken aber Milch und essen Käse („Lakto-Vegetarier“), wieder andere akzeptieren Milch und Eier („Ovo-Lakto-Vegetarier“). Wieder andere lehnen zwar das Fleisch ab, nehmen aber sehr wohl Fisch zu sich. Eine letzte Gruppe ißt Fleisch nur in sehr seltenen Fällen („gemäßigte Vegetarier“).

Vegetarier achten nicht nur beim Essen auf ihre Gesundheit

Vegetarier rauchen weniger, trinken weniger Alkohol, sehen weniger fern und bewegen sich mehr als der Durchschnitt der Bevölkerung. Wissenschaftler versuchen, diese Effekte heraus zu rechnen, wenn sie den Gesundheitszustand der Vegetarier mit dem der Gesamtbevölkerung vergleichen. So ganz gelingt dies aber nie.

Die Heidelberger Vegetarierstudie

21 Jahre lang, von 1978 bis 1999 beobachtete ein Team unter der Leitung von Prof. Jenny Chang-Claude am Heidelberger Krebsforschungszentrum drei Gruppen von Vegetariern: Gemäßigte, die etwas Fleisch zu sich nahmen und reine Veganer, die weder Fleisch noch Milch noch Eier aßen sowie die Gruppe der Ovo-Lacto-Vegetarier, die Milch und Eier neben einer rein pflanzlichen Diät genießen.

In allen drei Gruppen war die Sterblichkeit gegenüber der Normalbevölkerung deutlich reduziert: Bei den Männern um die Hälfte, bei den Frauen um ein Drittel. Vor allem der Tod durch Herzinfarkt konnte reduziert werden, aber auch Krebs, Magendarm- und Atemwegserkrankungen waren seltener.

Besonders günstig schnitten die Teilnehmer ab, die nicht rauchten, Alkohol nur mäßig konsumierten, Übergewicht vermieden und sich regelmäßig körperlich bewegten. Auch hier, wie in vielen anderen Studien auch, erwies sich das Rauchen als der größte aller Einflussfaktoren auf die Sterblichkeit.

Die Adventisten-Studien

Die Siebenten-Tag-Adventisten sind eine protestantische Freikirche mit weltweit mehr als 16 Millionen Mitgliedern, die meisten davon leben in den USA. Die Anhänger dieser Glaubensrichtung halten sich sehr streng an bestimmte, vermutlich gesundheitsfördernde Regeln: Sie rauchen nicht und sie trinken wenig oder keinen Alkohol. Unter den Adventisten gibt es viele Vegetarier, aber auch viele Spielarten der Diät bis hin zu normaler (amerikanischer) Kost.

Das macht die Adventisten zu einer idealen Gruppe, um Einflüsse der vegetarischen Kost auf die Gesundheit zu untersuchen, ohne dass Störfaktoren wie Alkohol und Rauchen die Ergebnisse verfälschen.

Die Adventist Health Study-2 startete im Jahre 2002 und dauert bis heute an. Mit 96.000 Adventisten aus den USA und Kanada ist die Untersuchung eine der größten und umfangreichsten Studien zur Frage Gesundheit und vegetarische Ernährung weltweit.

Obwohl diese Studie och nicht abgeschlossen ist, lässt sich heute schon sagen: Vegetarier erkranken seltener an einer Koronaren Herzkrankheit (Herzkranzgefäßverengung), seltener an Diabetes und Übergewicht sowie seltener an Dickdarmkrebs.

Gibt es Nachteile bei vegetarischer Kost?

Bei Kleinkindern und Säuglingen, bei Schwangeren und Stillenden kann es bei der extremen Form der vegetarischen Ernährung, dem „Veganismus“ zu Mangelerscheinungen führen. Kleinkinder können dadurch in ihrem Wachstum und ihrer Entwicklung deutlich zurückbleiben. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, wenn sie diese Ernährungsform v.a. bei Kleinkindern praktizieren möchten. Eine ovo-lakto-vegetabile Ernährung sorgt hingegen in allen Lebensaltern für eine ausreichende Zufuhr sämtlicher Nährstoffe.

Quellen und weiterführende Links

Deutsches Ärzteblatt: Vegetarier weniger diabetesgefährdet

Deutsches Ärzteblatt: Studie: Fleischesser sterben früher

Spiegel der Forschung: Ernährung und Gesundheit von Vegetariern – Die Gießener Vegetarierstudie (pdf.)

Robert Koch-Institut: Was essen wir heute?

Deutsches Krebsforschungszentrum: Vegetarierstudie: Ein bisschen Fleisch schadet nicht, wenn man sonst gesund lebt

American Journal of Clinical Nutrition (auf PubMed): Vegetarian diets: what do we know of their effects on common chronic diseases?

Loma Linda University: Adventist Health Studies

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Vegane Ernährung: Nährstoffversorgung und Gesundheitsrisiken im Säuglings- und Kindesalter

Link zur Bildquelle: Pixelio.de

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Hunger und Übergewicht sind weltweit auf dem Vormarsch. Beides ist eine Folge von Armut und fehlender Bildung. Hunger und Übergewicht sind Ursachen vieler Krankheiten, Ärzten kann das nicht egal sein.

Die schlimmste Katastrophe, der Hunger in Ostafrika, bedroht 10 Million Menschen mit dem Tod. Gegen Dürren können wir wenig ausrichten, aber der Hunger dort ist vermeidbar; es läge in unserer Macht, in der Macht unserer Regierungen, den Hungerstod dort zu vermeiden.

Jeder siebte Mensch hungert
Weltweit hungern mehr als 900 Millionen Menschen, das ist ungefähr jeder siebte. Und es werden nicht weniger, sondern mehr. Die globale Finanzkrise hat die Lage verschärft. Nahrungsmittel sind zum Spekulationsobjekt geworden, zeitweise geraten die Preise für Nahrung in schwindelerregende Höhen. Ackerland ist zum Spekulationsobjekt geworden, häufig gerade dort, wo die Not am größten ist: in Afrika. Weltweit wird Ackerland benutzt, um Biosprit anstatt Nahrungsmittel zu erzeugen. Damit unsere Energieverschwendung weiter gehen kann, müssen anderswo Menschen verhungern.

Nicht nur in Asien und Afrika hungern Menschen. Über zwei Millionen Kinder in Deutschland leben in Armut, meldete gestern der Bundesverband der Kinder und Jugendärzte .

„Hunger macht dick?“

Der Bundesvorsitzende des Kinderärzteverbands, Dr. Wolfram Hartmann sagte zum Thema arme Kinder in Deutschland: „Viele von ihnen werden fehl- oder mangelernährt. Das sehen wir täglich in unseren Praxen. Oft reicht das Geld in den Familien nur bis zum 20. des Monats und dann gibt es eben zehn Tage nur noch Nudeln ohne Soße, Fleisch und Gemüse. Die Folge davon ist Übergewicht. Wir haben also in Deutschland die paradoxe Situation, dass Hunger dick macht.“

Armut macht dick

Übergewicht beginnt im Kindesalter. Übergewicht tritt auf, wenn Kinder sich zu wenig bewegen und sich falsch ernähren. Falsche Ernährung hängt oft damit zusammen, dass Kinder aus sozial schwachen Familien Fast Food Restaurants aufsuchen. Aufsuchen müssen, weil das Essen dort billig ist, weil die Eltern nicht kochen können, weil sie z.B. beide arbeiten müssen. Die Lage ist in den USA so dramatisch geworden, dass in Los Angeles neue Fast Food Filialen in den armen Stadtvierteln im Süden der Stadt verboten wurden.

I am proud to be taking part in Blog Action Day OCT 16 2011 www.blogactionday.org

Quellen und weitere Links

Aktion Deutschland hilft

Kinderärzte im Netz: Welternährungstag: Mangelernährung auch in Deutschland

World Food Programme: Hunger

Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE

KiGGS. Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey: Ergebnisse zu Übergewicht, Allergie, Jodversorgung, sportlicher Aktivität und Motorik

Spiegel: Kampf dem Übergewicht Los Angeles verbietet Fastfood-Filialen

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Ein Arzt ohne Doktortitel – ist der eigentlich kompetent? Die Antwort ist ganz einfach: Genauso kompetent oder inkompetent wie der mit dem Doktorhut. Der Erwerb des Doktortitels, die sog. Promotion, setzt eine sogenannte Doktorarbeit voraus. Mit dieser Arbeit soll der Student nachweisen, dass er wissenschaftlich selbständig forschen kann.

Doktorhut


In den meisten Fächern beginnt das „Doktorstudium“ im Anschluss an den Abschluss in Physik, Jura oder Germanistik. Ärzte erwerben ihren Dr. med. meist schon während des Studiums.

Soviel geforscht wird nicht während der medizinischen Doktorarbeit. Ganz viele medizinische Doktorarbeiten sind z.B. statistische Auswertungen von Krankenakten: Da wird dann abgezählt, ob die Operation eines bestimmten Herzklappenfehlers die besten Ergebnisse im dritten Lebensjahr, nach der Einschulung oder in der Pubertät bringt. Das ist nicht unwichtig. Aber es macht aus dem Medizinstudenten keinen besseren Arzt.

Im Studium hält eine Promotion den Medizinstudenten eher vom Lernen ab. Wenn man, wie ich es musste, nebenher noch seinen Lebensunterhalt selbst verdienen muss, dann überlegt man sich ganz genau, ob die Zeit noch reicht, einen Doktortitel zu erwerben, der einen irgendwie nicht weiter bringt. Der nur dazu da ist, um einen Titel tragen zu dürfen.

1987 sah der damalige Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Karsten Vilmar, noch ideologische Gründe für die unter Medizinstudenten damals zunehmende Verweigerung des Doktortitels. Er sagte laut Spiegel 8/1987:

„Die Promotionsverweigerung hat … in erster Linie ideologische Gründe: Das sind vielfach Leute aus dem linken Spektrum, Grüne, Alternative und Sozialdemokraten.“ Alle anderen, so Vilmar, hätten nach wie vor den „Griff am Titel“.

Nun gut, so kann man es auch sehen. In konservativen Kreisen schmückt man sich halt gerne mit Titeln und wie man gesehen hat, geht es beim Erwerb desselben nicht immer mit rechten Dingen zu.

Arzt wird, wer ein Medizinstudium von mindestens sechs Jahren erfolgreich absolviert hat und vom Staat die Berufserlaubnis als Arzt, die sogenannte Approbation als Arzt erhalten hat. Das Studium schließt mit einem Staatsexamen ab und nicht mit einer Doktorprüfung.

Niederlassen darf man sich in Deutschland nur, wenn man die Qualifikation als Facharzt besitzt, einerlei ob als Hausarzt oder als Spezialist („Gebietsarzt“). Facharzt kann werden, wer eine gewisse Zeit als Assistenzarzt gearbeitet und eine Facharztprüfung abgelegt hat.

Diese Zeit als Assistenzarzt nennt man „Weiterbildung“, die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin dauert fünf Jahre. An die Weiterbildung schließt sich die „Fortbildung“ an. Alle Fachärzte sind verpflichtet, sich regelmäßig fortzubilden und dies auch gegenüber der Ärztekammer nachzuweisen.

Die Zahl der Ärzte ohne Doktortitel nimmt ständig zu. Und ich finde das gut so. Die Tätigkeit als Arzt hat nichts mit Forschung zu tun. Wir brauchen Forschung, klar. Ärzte müssen auch Forschungsergebnisse selbständig beurteilen können, sie müssen sich fortbilden, um kompetent zu sein. Aber ein praktisch tätiger Arzt muss sich in seine Patienten einfühlen und zuhören können, er muss geschickt und entscheidungsfreudig sein, belastbar und vorurteilsfrei gegenüber seinen Patienten.

Übrigens: Wenn ich das gewusst hätte, damals, während des Studiums! Wenn ich gewusst hätte, wie viel Zeit in meinem Berufsleben ich damit aufbringen musste, meinen Patienten zu erklären, dass auch Ärzte ohne Doktor richtige Ärzte sind – ich hätte damals lieber „schnell mal eben promoviert“. Über das ganze Berufsleben gesehen, hätte ich eher Zeit gespart als Zeit verloren.

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„Hilfe! Mein Mann kommt gerade aus dem Krankenhaus, dort haben sie ORSA festgestellt! Müssen wir jetzt alle mit Kittel und Mundschutz herumlaufen?“ Solche oder ähnliche Alarmmeldungen höre ich in letzter Zeit immer häufiger. „Ruhig Blut!“ ist meine Antwort. „Ein gesunder Mensch wird von ORSA nicht krank. ORSA – das ist ein (allerdings großes) Problem in der Krankenhaushygiene. Hier zu Hause müssen wir auch gewisse Regeln beachten, aber das ist bei weitem nicht so schlimm wie während des stationären Aufenthaltes.“

ORSA sind Staphylokokken


ORSA – Was ist das?

ORSA ist die Abkürzung für Oxacillin resistenter Staphylococcus aureus. Manchmal wird er auch MRSA, Methicillin resistenter Staphylococcus aureus, genannt. Staphylokokken sind potentielle Eitererreger, die bei allen Menschen auf der Haut und auf den Schleimhäuten vorkommen können. Bei allen Menschen, also auch völlig gesunden, die keinerlei Eiterung oder sonstige Anzeichen einer Infektion zeigen. Wir sprechen in solchen Fällen nicht von einer Infektion, sondern von einer Besiedelung mit S. aureus. Im Krankenhaus zeigen sich in den letzten Jahren Stämme dieser Eitererreger, die resistent gegen eine Vielzahl von Antibiotika sind und als ORSA oder MRSA bezeichnet werden. Ein ORSA-Keim ist also ein multiresistenter Staphylokokkus aureus.

Gefährlicher Krankenhauskeim

Und im Krankenhaus macht dieser Keim Probleme. Geschwächte Patienten, also z.B. solche mit Krebserkrankungen, auf der Intensivstationen oder mit Blasen- oder Venenkathetern sind gefährdet durch die Infektion mit ORSA. Deswegen muss die Ausbreitung mit ORSA in den Krankenhäusern mit aller Macht verhindert werden. Dies geschieht dadurch, dass die Patienten alleine oder mit anderen ORSA-Patienten in einem Zimmer liegen. Die Besucher müssen vor Betreten des Zimmers einen Kittel und einen Mundschutz überziehen, diese Verkleidung müssen sie vor Verlassen des Raums wieder in einem speziellen Behälter entsorgen. Vor Verlassen des Raums müssen die Besucher sich die Hände mit einem Desinfektionsmittel desinfizieren. Das gleiche gilt natürlich auch für Ärzte, Krankenschwester und Pfleger. Der Patient muss Kittel und Mundschutz tragen, wenn er den Raum für Untersuchungen und dergleichen verlässt. Durch diese – für den Patienten und Besucher psychisch sehr belastenden Maßnahmen – soll die Ausbreitung von ORSA im Krankenhaus verhindert werden.

Wird man ORSA auch wieder los?

Die Besiedelung mit ORSA Keimen kann man auch wieder loswerden. Während gegen eine gefährliche Infektion bestimmte Reserve-Antibiotika eingesetzt werden, ist dies bei der Besiedelung nicht angebracht. Hier werden antibiotische Nasensalben, desinfizierende Mund- und Rachenspülungen und desinfizierende Mittel für die Haut und die Haare eingesetzt. Das muss ein paar Tage hintereinander durchgeführt werden, dann werden die Abstriche kontrolliert und wenn es geklappt hat, der Patient für ORSA-frei erklärt. Eine Erleichterung für viele Patienten!

Was muss ich als ORSA-Patient zu Hause beachten?

Im Gegensatz zu den Maßnahmen im Krankenhaus darf Sie zu Hause jeder besuchen, ohne Mundschutz und ohne Kittel. Einschränkungen gelten lediglich für Säuglinge sowie für immungeschwächte Patienten, z.B. solche mit Chemotherapie wegen einer Krebserkrankung. Auch Patienten mit offenen Wunden wie z.B. Unterschenkelgeschwüren sollten sich ein wenig vorsehen.

Der Pflegedienst, der zu Ihnen kommt, muss informiert werden. Die Schwestern und Pfleger müssen besondere Maßnahmen ergreifen, sonst tragen sie den Keim von Haus zu Haus. Natürlich muss auch Ihr Hausarzt Bescheid wissen, im Normalfall sollte er der Erste sein, der von der Klinik noch vor der Entlassung informiert wird.

Der Hausarzt sollte dann die Informationen an den Pflegedienst weiter geben, außerdem kann er mit Ihnen besprechen, ob und wann eine Sanierung der ORSA-Besiedlung in Angriff genommen werden kann.

Quellen

Robert Koch-Institut: Staphylokokken-Erkrankungen, insbesondere Infektionen durch MRSA

Universitätsklinikum Heidelberg: MRSA/ORSA-Informationsbroschüre (pdf)

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Bei der Hyposensibilisierung werden dem menschlichen Körper genau die Substanzen zugeführt, gegen die er allergisch reagiert, meist in langsam steigender Dosierung. Die Allergie wird dadurch deutlich (um rund 70 %) schwächer, der Patient braucht keine oder weniger Medikamente gegen seine Allergie, weil er weniger oder keine Beschwerden mehr hat. Die Wirkung der Hyposensibilisierung hält viele Jahre nach Ende der Behandlung an.

Hyposensibilisierung - Der kleine Pieks


Am besten erprobt: Spritze unter die Haut

Am besten erprobt ist die Spritze unter die Haut: Die subcutane Immuntherapie (SCIT). Hier weiß man, dass sie zuverlässig und langfristig wirkt. Eine Alternative ist die SLIT (Sublinguale Immuntherapie) – sie ist viel schlechter erprobt. Eine SLIT sollte nur durchgeführt werden, wenn eine SCIT, etwa bei Kindern, überhaupt nicht durchführbar ist.

Heuschnupfen und Asthma – da hilft die Behandlung

Eine Hyposensibilisierung kommt nur in Frage bei einer sogenannten Allergie vom Soforttyp, insbesondere beim Heuschnupfen und allergischem Schnupfen anderer Ursache, beim allergischen Asthma bronchiale und bei der Bienen- und Wespenstichallergie. Wenn Sie oder Ihr Kind gegen Hausstaubmilben allergisch sind, sollte zunächst Ihre Wohnung, besonders das Schlafzimmer saniert – von Milben befreit – werden. Erst wenn das nicht hilft, kommt eine Hyposensibilisierung in Frage. Bei Tierhaarallergie (Katzen, Hunde, Pferde etc.) sollte der Kontakt vermieden werden.

Hyposensibilisierung – Das dauert!

Eine Hyposensibilisierung ist sehr zeitaufwändig. Rechnen Sie mit drei bis fünf Jahren. Rechnen Sie anfangs mit einer Behandlung pro Woche, später weniger oft. Rechnen Sie bei Ihrer Kalkulation auch die Wartezeit von wenigstens einer halben Stunde nach der Spritze ein. Die ist notwendig, weil manchmal unerwartet heftige Reaktionen auf die Spritze auftreten können, die sofort behandelt werden müssen (und auch behandelt werden können).

Je eher, desto besser

Je eher mit einer Hyposensibilisierung begonnen wird, umso besser sind die Erfolgsaussichten. Die Ausbreitung der Allergie wird vermieden (z.B. Allergie erst gegen Pollen, dann gegen Milben). Oft kann auch der „Etagenwechsel“ verhindert werden – erst die Nase (Heuschnupfen), dann die Bronchien (Asthma). Bei Kindern kann mit einer Hyposensibilisierung schon in einem Alter von 5 Jahren begonnen werden. Sagen Sie Ihrem Kind bitte nicht: „Das tut nicht weh!“. Besser: „Das ist nur ein kleiner Pieks!“. Das ist nämlich die Wahrheit und Kinder werden nicht gerne belogen, sie glauben uns nachher gar nichts mehr. Das mit dem kleinen Pieks ist original richtig, bei den heutigen Nadeln geht der Schmerz gegen Null, ist aber nie gleich ganz Null.

Das kindliche Immunsystem lässt sich noch leicht „umpolen“, bei Erwachsenen ist das viel schwerer, ab ca. 40 bis 50 Jahren ist eine Hyposensibilisierung nicht mehr sinnvoll.

Und die Nebenwirkungen?

Nebenwirkungen gibt es, schließlich ist die Hyposensibilisierung eine hoch wirksame Behandlung. Juckreiz, Schwellung und Rötung an der Einstichstelle (meist oberhalb des Ellenbogens) kommt häufig vor. Hin und wieder gibt es auch Reaktionen am ganzen Körper: Juckreiz, Husten, Atembeklemmungen, Schwindel. Ein ernsthafter allergischer Schock mit Blutdruckabfall ist sehr selten. Alle diese Reaktionen kann der Arzt erfolgreich behandeln. Wichtig: Unbedingt die 30 Minuten Wartezeit einhalten! Während der Wartezeit alle ungewöhnlichen Reaktionen mitteilen.
„Wenn’s juckt – sofort zur Anmeldung!“ heißt bei uns die Devise.

Wer kann nicht hyposensibilisiert werden?

Autoimmunkrankheiten sind Erkrankungen, bei denen sich das körpereigene Immunsystem gegen körpereigene Zellen wendet, z.B. Rheuma. Eine Hyposensibilisierung bringt das Immunsystem auf Trab – also Vorsicht bei Autoimmunerkrankungen. Aber auch bei Immundefekten (z.B. AIDS), bösartigen Erkrankungen und in der Schwangerschaft sollte keine Hyposensibilisierung durchgeführt werden. Wenn sie wegen einer Herzerkrankung sogenannte Betablocker einnehmen müssen oder Medikamente, die das Immunsystem bremsen, wie z.B. Kortison, kommt eine Behandlung nicht in Frage. Und wenn der Patient zu jung (unter vier Jahre) oder zu alt (über 50 Jahre) ist. Starten Sie keine Behandlung, wenn Sie von vorn herein wissen, dass Sie nicht in der Lage sind, sich regelmässig über drei bis fünf Jahre behandeln zu lassen – weil Sie entweder Handlungsreisender sind oder Ihre Meinung ständig alle drei Wochen ändern.

Was muss ich während der Behandlung tun?

Immer schön den Arm hinhalten und nicht wegziehen! Nein, Spaß beiseite, Sie sollten bei jeder Behandlung über Vorkommnisse nach der letzten Behandlung berichten. Sie sollten mitteilen, wenn Sie Heuschnupfen- und Asthmabeschwerden haben oder unter einem Infekt leiden. Impfungen können durchgeführt werden, nach Möglichkeit aber in einem gewissen zeitlichen Abstand von der Hypospritze. Keinen Extemsport nach der Spritze bitte! Informieren Sie den behandelnden Arzt über alle anderen Erkrankungen, Behandlungen, Medikamente und Operationen.

Quellen

Leitlinie: Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) mit Allergenen

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Die US Preventive Services Task Force, eine Expertenkommission, die die amerikanische Regierung berät, kommt zu dem Schluss, das der PSA Test zur Früherkennung des Prostatakrebses wenig sinnvoll ist. Nirgend wo sonst auf der Welt wird dieser Test so oft durchgeführt. In den USA leben 44 Millionen Männer über 50 Jahre, 33 Millionen davon haben laut Spiegel online schon einen PSA-Test machen lassen.

Männliche Anatomie © Wikicommons, Lizenz unten


Dr Otis Brawley, Vorsitzender der amerikanischen Krebsgesellschaft, stellte erst kürzlich fest: In den USA wird während des ganzen Lebens bei einem von sechs Männern ein Prostatakrebs festgestellt (und meist behandelt), in Westeuropa nur bei einem von 10 Männern. Und trotzdem: In beiden Regionen sterben gleich viel Männer an einem Krebs der Prostata, nämlich einer von 36.

Daraus kann man schlussfolgern, dass die Früherkennung des Prostatakrebses nicht sehr effektiv ist und insbesondere das häufige Bestimmen des PSA-Wertes in den USA ohne Wert für das Überleben der betroffenen Männer bleibt.

Früherkennung des Prostatakrebses kann zu unnötigen Behandlungen führen. Behandlungen, die Nebenwirkungen wie Impotenz und Inkontinenz nach sich ziehen können. Das grundlegende Problem: Viele Männer sterben mit dem Prostatakrebs, aber nicht wegen des Prostatakrebses. Es gibt aber bis heute noch keine zuverlässige Methode, „Haustierkrebse“ von „Raubtierkrebsen“ zu unterscheiden.

Hoffentlich kommt die medizinische Forschung bald zu einer Lösung diesen Dilemmas.

Quellen

Medical News Today: „Drop Routine PSA Test For Prostate Cancer Says US Panel“

Deutsches Krebsforschungszentrum, AOK und Uni Bremen: Entscheidungshilfe PSA-Test

Krebsinformationsdienst: Prostatakrebs, Teilkapitel Früherkennung: PSA-Test noch immer umstritten

American Cancer Society zum Thema

Medscape Family Medicine: Recommendation Against Routine PSA Screening in US

Lizenz der Abbildung oben auf Wikimedia Commons

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