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Archive for März 2013

Autoimmunkrankheiten sind Erkrankungen, die durch Angriffe des eigenen Immunsystems auf einzelne oder mehrere Organe entstehen. Ganz sicher gehören 15 verschiedene Erkrankungen dazu: Von der Hashimoto-Thyreoiditis (einer Entzündung der Schilddrüse) über das Gelenkrheuma im eigentlichen Sinne (die Primär Chronische Polyarthritis) bis hin zum Lupus erythematodes, der Haut, Gelenke und viele inneren Organe befällt. Bei rund 80 Krankheitsbildern wird diskutiert, ob Autoimmunphänomene diese Krankheiten ganz wesentlich prägen oder verursachen.

PCP

Durch Rheuma (PCP) deformierte Hand

Autoimmunkrankheiten sind keineswegs seltene Krankheiten: 5 bis 10 % der Bevölkerung sollen davon betroffen sein. Frauen erkranken weitaus häufiger als Männer: Bei der Schilddrüsenentzündung vom Hashimoto Typ beträgt das Verhältnis Frauen zu Männer 10:1, beim Systemischen Lupus erythematodes immer noch 9:1, auch beim klassischen Gelenkrheuma (der PCP) erkranken Frauen mehr als doppelt so oft wie Männer. Die Ursache für diese Häufung beim weiblichen Geschlecht ist unbekannt, neuere Forschungen weisen darauf hin, dass Sexualhormone die Reaktionen des Immunsystems beeinflussen.

Überhaupt ist wenig Genaues über die Ursachen der Autoimmunkrankheiten bekannt. Paul Ehrlich , deutscher Mediziner und Nobelpreisträger, sprach um 1900 vom „Horror autotoxicus“ – vom „Schrecken der Selbstvergiftung“. Er wollte damit zum Ausdruck bringen, dass der menschliche Körper niemals Antikörper gegen eigene Gewebe herstellen könnte. Später revidierte er diese Aussage teilweise, blieb aber bei der Hypothese, dass Autoantikörper niemals schädigende Wirkungen haben könnten. Heute wissen wir mehr: Fast bei jedem Menschen lassen sich Autoantikörper nachweisen und bei vielen Menschen zerstören diese Antikörper körpereigenes Gewebe und Organe, führen zu langer, chronischer Krankheit und auch zum Tod.

Die Kontrolle der Abwehr versagt

Es gibt eine Reihe von Mechanismen, die verhindern, dass Autoantikörper und eben so auto-aggressive weiße Blutkörperchen Schaden anrichten und Krankheiten hervorrufen. Im Falle der Autoimmunkrankheiten versagen diese Regulative. So weit, so gut. Aber warum diese Mechanismen versagen, das ist noch nicht geklärt.

Wir kennen jedoch einige Risikofaktoren: Über das weibliche Geschlecht sprachen wir bereits. Ein anderer Faktor ist die Vererbung. Eineiige Geschwister folgen ihrem Zwillingsbruder / ihrer Zwillingsschwester in 30 % der Fälle, wenn diese autoimmun erkrankt, zweeiige tun dies nur in 5 – 7%. Ein gewaltiger Hinweis auf die Vererblichkeit der Autoimmunkrankheiten, aber auch ein sehr deutlicher Hinweis darauf, dass auch andere Faktoren eine Rolle spielen müssen.

Risikofaktoren: Geschlecht, Medikamente, Vererbung, Viren und Bakterien

In vielen Fällen spielen Infektionen durch Viren und Bakterien eine Rolle. Vermutlich haben viele Erreger äußerliche Ähnlichkeiten mit körpereigenen Gewebestrukturen. Nach der Infektion werden anstatt der mittlerweile schon vernichteten Viren und Bakterien Körperzellen angegriffen, deren Oberfläche der Oberfläche der abgewehrten Krankheitserreger ähnelt. „Kreuzreaktivität“ wird dieses Phänomen genannt.

Viren und Bakterien verändern möglicherweise auch die Oberfläche von körpereigenen Strukturen, so dass diese dem Immunsystem plötzlich fremd erscheinen. Auf ähnliche Weise sollen bestimmte Medikamente und Umwelteinflüsse Eiweißstrukturen der Zell-Oberflächen „verfremden“.

Auch Verletzungen z.B. der Augen, der Hoden oder des Gehirns und des zentralen Nervensystems können Autoimmunerkrankungen auslösen.

Alles dieses sind lediglich vage Hinweise auf die Ursachen, das Rätsel der Entstehung von Autoimmunkrankheiten ist damit aber noch keineswegs gelöst.

Therapie

Die Standardbehandlung der Autoimmunkrankheiten besteht in der Unterdrückung der körpereigenen Abwehr durch immunsupressive Medikamente. Wir sind heute aber noch nicht in der Lage, durch Immunsupressiva gezielt die Abwehr-Zellen zu unterdrücken, die für das Autoimmungeschehen verantwortlich sind. Durch die Therapie wird also auch die körpereigene Abwehr mehr oder minder stark geschwächt.

Das Standardmedikament zur Behandlung von Autoimmunkrankheiten ist immer noch das Cortison. Cortison wirkt schnell und zuverlässig. Leider kann es aufgrund seiner Nebenwirkungen nur zeitlich begrenzt eingesetzt werden. Methotrexat hat sich in den letzten Jahren immer mehr zum Star unter den Immunsupressiva entwickelt. Der Wirkungseintritt ist nicht so schnell wie beim Cortison, es kann dafür aber über einen längeren Zeitraum gegeben werden.

Es gibt eine Vielzahl neuerer Medikamente, die aber zu einem großen Teil nur bei speziellen Autoimmunkrankheiten eingesetzt werden

Ziel der Behandlung ist die Remission, d.h. es bestehen keine Anzeichen der Krankheit mehr. Eine Remission ist nicht gleichbedeutend mit einer Heilung, es muss leider immer wieder mit einem erneuten Krankheitsschub gerechnet werden. Aber die Medikamente können in der Remission in ihrer Dosis vermindert und schließlich ganz abgesetzt werden.

Quellen und weiterführende Links

1.) Longo, Fausi, Kasper, Hauser, Jameson, Loscalzo, Deutsche Ausgabe hrsg von. M. Dietel, N. Suttorp, M. Zeitz: „Harrisons Innere Medizin„, 2012, 18. Auflage, ABC Wissenschaftsverlag, Berlin; darin im dritten Band S. 2937 – 2942: Betty Diamond und Peter E. Lipsky: „Autoimmunität und Autoimmunkrankheiten„.

2.) Deutsche Autoimmun-Stiftung

3.) Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie: „Methotrexat“

4.) Rheuma online: Autoimmunerkrankungen

5.) Wissenschaft online: Autoimmunkrankheiten

6.) Bildquelle auf Wikimedia commons: Rheumatoide Arthritis

7.) American Autoimmune Related Diseases Association: Autoimmunity: A Major Women’s Health Issue

8.) Medline Plus: Autoimmune Diseases

9.)Emerging Infectious Diseases; Volume 10, Number 11—November 2004 International Conference on Women and Infectious Diseases (ICWID) Women and Autoimmune Diseases

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Ich hatte bereits über den Bluttest bei Schwangeren auf Trisomie 21 (Down Syndrom) des Ungeborenen berichtet.

Viele Leserinnen und Leser fragten bei mir nach, wo und wann dieser Test ind Deutschland verfügbar sei und was er koste.

Jetzt kann ich diese Fragen beantworten: Die Firma Life Codexx in Konstanz bietet diesen Test für 1245,50 € an. (Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht, es ist eine Blutentnahme von 20ml erforderlich, es kommen Kosten für die Beratung und Blutentnahme hinzu.)

Außer der Trisomie 21 werden auch die Trisomie 18 und die Trisomie 13 erfaßt.

Natürlich ersetzt dieser Test nicht in jedem Fall eine Fruchtwasseruntersuchung oder eine Chorionzottenbiopsie. Neben den Trisomien 21, 18 oder 23 können diese Untersuchungen noch eine Reihe weiterer genetischer Störungen beim Ungeborenen aufdecken, etwa die angeborene Muskeldystrophie. Allerdings sind diese Untersuchungen mit einem Risiko der Fehlgeburt von 0,2 bis 1 % der Fälle verbunden.

Genetische Diagnostik bei Ungeborenen wirft natürlich eine Reihe von ethischen Fragen auf. Die Antwort darauf muß sich jedes werdende Elternpaar nach eingehender medizinischer Beratung selber geben. Die Möglichkeiten der genetischen Diagnostik vor der Geburt werden in den nächsten Jahren dramatisch zunehmen und die Fragen der Ethik dadurch immer größer werden.

Quellen

1.) LifeCodexx, deutscher Anbieter des praena® Tests

2.)Frauenklinik der Universität Tübingen zur Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese)

3.)Frauenärzte im Netz zum gleichen Thema

4.)Die Wochenzeitung „Der Freitag“ zur ethischen Problematik des neuen Tests

5.)Die Wochenzeitung „Die Zeit“ zum gleichen Thema: „Mutters Blut, Babys Gene“

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