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Archive for the ‘Arzneimittel’ Category

120 Experten aus der ganzen Welt, die sich mit der Behandlung von Leukämien beschäftigen, haben kürzlich in der Zeitschrift Blood gegen die exorbitant hohen Preise für Medikamente zur Behandlung der Chronisch Myeloischen Leukämie protestiert.

Blutbild bei CML

Blutbild bei CML

Die hohen Preise seien astronomisch, unhaltbar und vielleicht sogar unmoralisch, schreiben die Krebsexperten in der Zeitschrift der Amerikanischen Hämatologischen Gesellschaft. Es stimmt, die neueren Medikamente, allen voran das Glivec ® (Wirkstoff: Imatinib), haben die 10-Jahres-Überlebensrate der Patienten mit Chronisch Myeloischer Leukämie (CML) von 20 auf über 80% steigen lassen.

In den USA leben aber nur noch 60 % der CML-Patienten nach 10 Jahren, sagt Prof. Dr. Hagop Katarjian, Leiter der Abteilung Leukämie im Anderson Cancer Center an der University of Texas in Houston, der als Initiator des Offenen Briefs an den Herausgeber gilt. 10 % der Patienten, die in den USA mit Glivec ® und Co. behandelt werden, müssen aus der Behandlung aussteigen, weil sie die Kosten der Behandlung nicht mehr tragen können. Dies ist die Ursache für die bescheidenen Behandlungsergebnisse in den USA im Vergleich mit den anderen Ländern der Welt, in denen Glivec ® erheblich preiswerter zu haben ist, sagt Professor Hagop Katarjian.

In Deutschland zahlen die Gesetzlichen Krankenkassen 41.000 Euro im Jahr für die Behandlung mit dem kostspieligen Krebsmedikament, das entspricht Platz 2 weltweit nach den USA. In Indien entschied sich hingegen der oberste Gerichtshof gegen einen Patentschutz, hier kostet das Medikament nur 2000 Euro jährlich.

Die Firma Novartis, Hersteller von Glivec ® reagierte prompt und stellte klar, dass nicht nur die bisherige sondern auch zukünftige Forschung viel Geld verschlinge. Außerdem bezahlten bei weitem nicht alle Patienten den vollen Preis, 5000 Patienten in den USA und 50.000 weltweit erhielten das Medikament sogar kostenlos.

Quellen und weiterführende Links:

* Medscape Deutschland: Krebsmedikamente: 120 Leukämie-Experten protestieren gegen astronomische Preise

* The New York Times: Doctors Denounce Cancer Drug Prices of $100,000 a Year

* Blood online am 25.4.2013: Experts in chronic myeloid leukemia: „Price of drugs for chronic myeloid leukemia (CML), reflection of the unsustainable cancer drug prices: perspective of CML Experts“

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Das Kondom abgerutscht, die Pille vergessen, die Pille erbrochen oder gar keine Verhütung, vielleicht sogar Geschlechtsverkehr wider Willen, Vergewaltigung – was tun? Es gibt ja die Pille danach, aber wo gibt es die? Was muss ich beachten?

Wo bekomme ich die Pille danach?

Bei Ihrem Hausarzt, beim Frauenarzt und beim ärztlichen Notdienst. Rufen Sie besser vorher an.

Welche Substanz ist in der Pille danach enthalten?

In Deutschland sind zur Zeit Pillen mit Levonorgestrel und Ulipristal auf dem Markt. Levonorgestrel gibt es als PiDaNa® und als Levogynon®, Ulipristal als ellaone®. Levonorgestrel ist die am besten untersuchte Substanz, Ulipristal ist neu und noch nicht so gut untersucht.

Wann soll die Pille eingenommen werden?

So schnell wie möglich nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr, dann ist die Wirkung am besten. Levonorgestrel kann bis zu drei Tagen (72 Stunden) nach dem Geschlechtsverkehr noch wirken, Ulipristal hilft bis zu fünf Tagen danach.

Und die Nebenwirkungen?

Sind nicht so gravierend und vorübergehend. Übelkeit und Erbrechen, Spannungsgefühle in der Brust, Verschiebung der Tage nach vorne oder hinten – das sind die häufigsten Nebenwirkungen.

Was tun, wenn ich die Pille danach erbrochen habe?

Bei Erbrechen innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme: Sofort noch mal eine (PiDaNa®, Ellaone® ) oder zwei (Levogynon®) Tabletten einnehmen.

Wie wirkt die Pille danach?

Die Pille danach verhindert oder verzögert den Eisprung. Die Spermien können eine Reihe von Tagen überleben und auf das Ei „warten“. Findet innerhalb einiger Tage nach dem Geschlechtsverkehr kein Eisprung statt, dann sterben die Spermien ab und können kein Ei mehr befruchten.

Ob die Pille danach die Einnistung eines befruchteten Eis verhindert, ist unbekannt. Wahrscheinlich tut sie dies nicht. Und ganz bestimmt zerstört die Pille danach keine Schwangerschaft, sie ist also keine Abtreibungspille.

Schadet die Pille danach, wenn ich schon schwanger bin?

Pillen auf der Basis Levonorgestrel (PiDaNa®, Levogynon®) schaden der Schwangerschaft nicht, es besteht auch kein Fehlbildungsrisiko für das Kind. Bei Ellaone® mit dem Wirkstoff Ulipristal ist das nicht so sicher, hier muss eine Schwangerschaft vorher ausgeschlossen werden, bei Levonorgestrel ist das nicht unbedingt erforderlich.

Kann ich nicht immer die Pille danach nehmen?

Nein, wenn frau die Pille danach mehrmals in einem Zyklus einnimmt, lässt ihre Wirkung nach. Die Pille danach hat mehr Nebenwirkungen als die normale Pille. Und sie ist viel teurer.

Was ist die Spirale danach?

Die Spirale danach kann bis zu fünf Tage nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden. Es handelt sich um eine normale Kupferspirale, Hormonspiralen sind nicht geeignet. Sie behindert die Beweglichkeit der Spermien und verhindert die Einnistung eines befruchteten Eis. In einigen Fällen (z.B. Entzündungen) und bei bestehender Schwangerschaft darf sie nicht eingesetzt werden. Bei jungen Frauen kann eine Spirale die Fruchtbarkeit in nachfolgenden Jahren stören.

Die Spirale kann in den folgenden drei bis fünf Jahren liegen bleiben und für weiteren sicheren Schutz sorgen.

Was kostet die Notfallverhütung?

Bis zum 18. Lebensjahr kostet es nichts, bis zum 20. Lebensjahr muss die Praxisgebühr (10 Euro) und 5 Euro Rezeptgebühr bezahlt werden. Danach muss der volle Preis für die Medikamente/Spirale und ggf. das Einsetzen bezahlt werden.

Präparate mit dem Wirkstoff Levonorgestrel kosten um die 17 Euro, Ulipristal kostet 35 Euro, die Kupferspirale zwischen 130 und 180 Euro.

Pille danach in fast ganz Europa rezeptfrei

Die Pille danach ist in 17 europäischen Ländern und auch den USA rezeptfrei erhältlich. Dazu gehören auch die an Deutschland grenzenden Länder Österreich, Schweiz, Frankreich, Belgien und die Niederlande. In Frankreich und in Großbritannien wird die Pille danach in Schulen ausgegeben.

Wenn Sie grenznah wohnen: Vielleicht erwägen Sie einen kleinen Abstecher ins benachbarte Ausland?

Quellen

Cochrane Review: Interventions for emergency contraception.

Pro Famila: „Pille danach“ – ich brauche Hilfe

Neue Pille danach auf Basis von Ulipristal

Pro Famila: Spirale danach

Schwanger in Bayern.de : Notfallverhütung (Pille danach / Spirale danach!)

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Zink ist ein wichtiger Bestandteil der Nahrung, ohne Zink kann kein Mensch, kein Tier und keine Pflanze existieren. Zink ist ein chemisches Element, der Mensch braucht es nur in kleinen Mengen, es wird daher als Spurenelement bezeichnet. (Andere lebenswichtige („essentielle“) Spurenelemente sind z.B. Kupfer und Eisen.) Zink ist ein Bestandteil vieler Enzyme im Körper des Menschen, eine Vielzahl von Krankheiten kann auftreten, wenn Zink fehlt. Andererseits ist eine Überdosis von Zink giftig, paradoxerweise löst eine Überdosis oft die gleichen Symptome aus wie ein Zinkmangel. Weltweit fehlt Millionen von Menschen ausreichend Zink in der Nahrung, in Deutschland und den westlichen Industriestaaten ist die Zinkversorgung mit der Nahrung jedoch meist ausreichend. Alkoholiker, Menschen mit chronischen Darmerkrankungen und angeborener Störung der Zinkaufnahme sind in Gefahr, durch einen Mangel an Zink zu erkranken.

Wieviel Zink brauche ich?

Nach europäischen Empfehlungen sollten Frauen rund 7 mg und Männer etwa 9 mg Zink mit der Nahrung aufnehmen. Zink steckt in sehr vielen Nahrungsmitteln, ein Zinkmangel bei einer ausgewogenen Mischkost ist daher sehr unwahrscheinlich. Obwohl rotes Fleisch sehr viel Zink enthält, brauchen auch Vegetarier keinen Mangel befürchten: Nüsse, Linsen und Vollkorngetreide enthalten jede Menge dieses wichtigen Spurenelements. Vor allem Vegetarier, die sich „ovo-lacto-vegetabil“ ernähren, erhalten zusätzliche Zinkzufuhr aus Eiern und Milchprodukten.

Wie kann Zinkmangel festgestellt werden?

Leider gibt es bis heute keine zuverlässige Labormethode, mit der man Zinkmangel zuverlässig diagnostizieren könnte. Bestimmungen der Zinkkonzentration im Blut sind sehr ungenau und nur bei sehr starkem Mangel oder heftiger Zinkvergiftung aussagekräftig. Der größte Teil des Zinks im Körper befindet sich, gebunden an Eiweiß, im Inneren der Zelle und nur sehr wenig (0,1 % des gesamten Bestandes) kreist ungebunden im Blut.

Die Diagnose wird also wesentlich durch die Symptome bestimmt.

Die extremste Form eines Zinkmangels ist angeboren: Aufgrund eines angeborenen Defekts wird bei der Acrodermatitis enteropathica zu wenig Zink aus dem Darm des Säuglings aufgenommen. So kommt es schon im ersten Lebensjahr zu schuppenden und bläschenförmigen Hautausschlägen, eingerissenen Mundwinkeln, zu starken Durchfällen, Infektanfälligkeit, Appetitlosigkeit, später zu geistiger und körperlicher Entwicklungsverzögerung, Störungen des Geschmacks, Impotenz und Wundheilungsstörungen.

Alle diese Symptome treten auch in wechselnder Ausprägung bei leichterem Zinkmangel auf. Leider sind sie nicht charakteristisch für Zinkmangel, deswegen wird eine gründliche Untersuchung in jedem Fall nötig sein, der Arzt wird dabei die Risikofaktoren für Zinkmangel berücksichtigen. Alkohol stört die Zinkaufnahme und fördert die Ausscheidung von Zink über die Nieren. Alle Patienten mit chronischen Darmerkrankungen sind anfällig für Zinkmangel, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn aber auch der Magenbypass bei übergewichtigen Patienten kann zu Mangelerscheinungen führen.

Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Bedarf; Kinder, die nach dem 6.Lebensmonat ausschließlich gestillt werden, bekommen häufig zu wenig Zink mit der Nahrung angeboten. Vegetarier haben ebenfalls einen erhöhten Zinkbedarf, wenn sie sehr große Mengen Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte zu sich nehmen. Diese enthalten Phytate, die in der Lage sind, Spurenelemente wie Zink und Eisen zu binden und dadurch die Aufnahme durch den Darm zu verhindern. Käse und andere Milchprodukte können hier Abhilfe schaffen, auch das Backen mit Sauerteig oder das Einweichen der Hülsenfrüchte und der Genuss von Getreide- und Bohnenkeimlingen.

Auch ältere Patienten mit mehreren Erkrankungen, schlechter (einseitiger) Ernährung und vielen Medikamenten (vor allem wassertreibende Mittel) neigen zu Zinkmangel.

Hilft Zink gegen Erkältungen?

Zu dieser Frage gibt es Studien mit sehr widersprüchlichen Ergebnissen: Die einen sehen eine (meist sehr diskrete) Verbesserung, die anderen keinen Effekt. Vor allem in den USA wurde bekannt, dass Patienten ihren Geruchssinn zeitweise oder sogar ständig verloren, nachdem sie zinkhaltige Nasensprays verwendet hatten.

Stärkt Zink das Immunsystem?

Ja, aber nur wenn ein ausgeprägter Zinkmangel besteht. Zink ist erforderlich, damit der Körper eine wichtige Sorte weißer Blutkörperchen, die T-Lymphozyten bilden und aktivieren kann. Auch die Bildung von Komplement wird durch Zinkmangel gestört. (Das Komplementsystem besteht aus löslichen Eiweißen, die im Blut zirkulieren und der Abwehr von Infektionserregern dienen.) Vielleicht ist dieser Umstand die Erklärung für die hohe Anfälligkeit von Kindern in Entwicklungsländern und von alten Leuten für Lungenentzündungen und Durchfallerkrankungen. Kindern mit Durchfall in Afrika, die Zink zusätzlich zur sonstigen Behandlung erhielten, wurden schneller wieder gesund als die Vergleichsgruppe nur mit Standardbehandlung. Aus diesem Grund empfiehlt die WHO die zusätzliche Zinkgabe bei Durchfall zumindest in den unterentwickelten Ländern.

Hilft Zink bei Wunden?

Bei älteren Menschen, die unter offenen Unterschenkelgeschwüre und ausgeprägtem Zinkmangel litten, half die Zinkgabe bei der Heilung der Wunden. Bei den anderen ohne Zinkmangel zeigte sich kein Effekt. In vielen Salben zur Wundbehandlung und zur Vorbeugung gegen Wundsein ist Zink enthalten und sie werden seit langem mit gutem Erfolg eingesetzt.

Hilft Zink bei Makuladegeneration?

Die Altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist eine Augenerkrankung, die zur Erblindung führen kann und aufgrund der Zunahme älterer Menschen in unserer Gesellschaft immer häufiger auftritt. In einer amerikanischen Studie (AREDS) wurde der Effekt einer kombinierten Zink und Vitamingabe auf das Fortschreiten der Erkrankung geprüft. Die Effekte waren mäßig, sie konnten bei den Patienten, die bereits an einer AMD im fortgeschrittenen Stadium litten, das weitere Fortschreiten um 19% verhindern. Dabei waren hohe Dosen von 500 mg Vitamin C, 400 mg Vitamin E und 15 mg Beta-Karotin erforderlich. Zusätzlich wurden 80 mg Zink und 2 mg Kupfer verabreicht. Die Zinkdosierung ist sehr hoch; das Kupfer kam hinzu, weil eine solch hohe Dosis Zink die Aufnahme von Kupfer aus dem Darm verhindert, was zur Anämie führen kann.

Eine Vorbeugung der AMD war mit diesem Präparat jedoch nicht möglich. Da diese Dosierungen auch schädliche Folgen haben können, sollten sie die Anwendung mit Ihrem Arzt besprechen: Es gibt z.B. Hinweise dafür, dass Vitamin E und Beta-Karotin das Lungenkrebsrisiko bei Rauchern erhöhen können.

Eisen, Zink und Kupfer

Eisen, Zink und Kupfer werden durch dasselbe Transportsystem aus dem Darm aufgenommen. Sie behindern sich dabei z.T. gegenseitig. Zink verhindert die Aufnahme von Kupfer, Eisen die Aufnahme von Zink. Aus diesem Grund werden hohe Dosen von Zink häufig mit Kupfer kombiniert, Eisen sollte zwischen den Mahlzeiten eingenommen werden, dann behindert es nicht die Zinkaufnahme aus der Nahrung.

Zinkvergiftung

Symptome der akuten Zinkvergiftung sind Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Durchfall und Kopfschmerzen. Schon ab 150 mg Zink pro Tag zeigen sich Symptome der chronischen Zinkvergiftung, eine Immunschwäche ist das typische Symptom.

Eine weitere Folge der chronischen Zinkvergiftung ist ein Mangel an Kupfer, möglicherweise resultiert daraus eine Blutarmut. Zu viel Zink kann auch den Spiegel des HDL-Cholesterins senken. Das HDL gebundene Cholesterin ist das gute („Hab Dich Lieb“-Chlolesterin), der Schutz vor Gefäßverkalkung mit all seinen Folgen kann also durch zu viel Zink gebremst werden.

Fazit

Nehmen Sie niemals irgend ein Präparat ein, das Zink enthält, ohne mit ihrem Arzt darüber gesprochen zu haben. Es kann sein, das Sie Ihr Geld zum Fenster raus schmeißen. Es kann aber auch sein, dass Sie Ihrer Gesundheit damit schaden. Bemühen Sie sich um eine ausgewogene Ernährung mit reichlich frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Käse, Eiern und Fisch. Damit decken Sie Ihren Zinkbedarf in den meisten Fällen ausreichend.

Quellen

Office of Dietary Supplements (NIH) : Zinc (engl.)

American Macular Degeneration Foundation: AGE-RELATED EYE DISEASE STUDY (AREDS)

A. Hahn: Zink, in: Ernährungsmedizin, Prävention und Therapie, Urban und Schwarzenberg, 2003

EUFIC: Zink – Ein Super – Nährstoff?

Arzneitelegramm, 11/2001: Hilft Zink bei Erkältungen?

Arzneitelegramm 41/2010: Zur Marktrücknahme zinkhaltiger Prothesenhaftcremes

Arzneitelegramm 11/2003: VITAMINE A, C, E UND BETAKAROTIN: WIE NÜTZLICH SIND ANTIOXIDANZIEN? (II)

Medline Plus: Minerals

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Die Wechseljahre oder das Klimakterium ist keine Krankheit sondern ein normaler Abschnitt im Leben jeder Frau. Um das 50.te Lebensjahr herum stellen die Eierstöcke ihre periodische Funktion ein, es erfolgt kein Eisprung mehr und die Periode bleibt aus. Die Produktion vor allem der Östrogene sinkt stark ab.

Hitzewellen und trockene Scheide

Viele Frauen leiden unter mehr oder weniger starken Beschwerden in dieser hormonellen Umstellungsphase. 1/3 aller Frauen hat gar keine Beschwerden. Hitzewallungen und Trockenheit der Scheide sind ganz sicher auf die Wechseljahre zuruck zu führen. Depressionen, Harnwegsinfekte und sexuelle Störungen werden oft im Zusammenhang mit den Wechseljahren gesehen. Bei vielen Frauen beginnt der Abbau der Knochensubstanz in diesem Lebensabschnitt, ein Prozess, der später zur Osteoporose und zu gehäuften Knochenbrüchen und Knochenschmerzen führen kann.

Vielzahl von Hormonpräparaten

Es gibt eine Vielzahl von Hormonpräparaten, die Wechseljahrsbeschwerden lindern können. Bei Frauen, die keine Gebärmutter mehr besitzen, kommen Präparate in Frage, die nur Östrogene enthalten. Bei Frauen, denen die Gebärmutter nicht entfernt wurde, sollten nur Medikamente verwendet werden, die das Hormon Östrogen mit einem Abkömmling des Gelbkörperhormons, einem Gestagen kombinieren. Östrogene regen die Zellteilung in der Schleimhaut der Gebärmutter an, Gestagene bremsen diesen Prozess. Eine reine Behandlung mit Östrogenen ohne Zusatz von Gestagenen erhöht das Risko, an Gebärmutterkrebs zu erkranken.

Die Hormone können in Tablettenform geschluckt, als Pflaster oder Cremes auf die Haut aufgebracht oder gespritzt werden. Wenn nur die trockene Scheide stört, reichen auch Scheidenzäpfchen und / oder östrogenhaltige Cremes.

Hitzewallungen und Trockenheit der Scheide werden zuverlässig durch Hormone beseitigt. Zur Vorbeugung und Behandlung der Osteoporose gibt es bessere Alternativen, hier kommen Hormone nur in Frage, wenn diese Alternativen nicht wirken oder nicht vertragen werden.

Nebenwirkungen der Hormone

Natürlich hat die Hormontherapie der Wechseljahrsbeschwerden auch Nebenwirkungen. 1991 wurde in den USA eine grosse, nein: riesige Studie, die WHI (Women Health Initiative – Frauengesundheitsinitiative) gestartet. Zu diesem Zeitpunkt glaubte man, dass Hormone die Lebensqualität und die Gesundheit aller Frauen in den Wechseljahren verbessern würden, unabhängig davon, ob sie unter Beschwerden leiden oder nicht. Insbesondere das Risko für Herzinfarkt und Schlaganfall sollte sinken.

Kurz zusammengefasst: Das Ergebniss dieser Studie enttäuschte die Erwartungen zutiefst.

In der Studie wurden Frauen nach Gebärmutterentfernung mit reinem Östrogen behandelt, ohne Operation wurden Kombinationen aus Östrogen und Gestagen eingesetzt. Beide Gruppen wurden jeweils mit einer etwa gleich großen Gruppe verglichen, die nur Placebo, also ein Scheinmedikament erhielten.

Studie vorzeitig beendet wegen Nebenwirkungen

Der Teil der Studie mit der kombinierten Hormonbehandlung, also bei den Frauen mit Gebärmutter, wurde überraschend schon nach rund fünf Jahren beendet, obwohl die Studie auf 15 Jahre ausgelegt war. Der Grund: Die Zahl der Brustkrebserkrankungen stieg an, ohne dass das Risko für Herzinfarkt und Schlaganfall sank. Der andere Arm der Studie (nur Östrogen bei Frauen ohne Gebärmutter) wude ungefähr ein Jahr später eingestellt – hier kam es zu einer erhöhten Rate von Schlaganfällen – das Brustkrebsrisiko blieb unverändert.

Die WHI-Studie hat zu einem grundlegenden Umdenken in der Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden geführt. Während es früher hieß – „Immer her mit den Hormonen“ – „Es kann nur nützen“, geht es heute um eine Entscheidung, die Arzt und Patientin gemeinsam treffen müssen.

Leider muss ich Sie jetzt, liebe Leserin, mit einigen Zahlen quälen.

Folgende (schwerwiegende) Erkrankungen wurden in der WHI-Studie bei Hormonbehandlungen positiv oder negativ beeinflusst:

* Herzinfarkt

* Schlaganfall

* Thrombose und Embolie

* Demenz

* Knochenbrüche

* Erkrankungen der Gallenblase

* Brustkrebs

* Darmkrebs

Und wie stark war der Effekt (in die eine oder andere Richtung) ? Nicht umwerfend, wie ich finde.

Ich führe jetzt die Zahlen im einzelnen auf, lassen Sie sich bitte nicht erschrecken. Sie müssen die Zahlen kennen, um eine vernünftige Entscheidung für oder gegen Hormone trefffen zu können.

Ich nenne zunächst die Gruppe der Frauen, die nur mit Östrogen (Ö) behandelt wurde, dann die Gruppe, die Östrogen und Gestagen (ÖG) erhielt. Dahinter steht im Vergleich immer die Zahl der Erkrankungen, die bei Frauen in der Placebogruppe aufgetreten ist. Alle Zahlen beziehen sich auf 10.000 Frauen, die ein Jahr lang die entsprechende Therapie erhielten.

Wenn unter Herzinfarkt steht: „Ö: 49, Pl.: 54″ – dann heißt das: Unter Östrogentherapie erlitten von 10.000 Frauen in einem Jahr 49 einen Herzinfarkt, unter Placebo 54, also 5 mehr. Alles klar? Also los:

* Herzinfarkt : Ö: 49, Pl.: 54; ÖG: 39, PL.: 33

* Schlaganfall: Ö: 44, Pl.: 32, ÖG: 26, Pl.: 18

* Thrombose und Embolie: Ö: 21, Pl.: 15, ÖG: 35, Pl.: 17

* Demenz: ÖG: 45, Pl.: 22

* Knochenbrüche: ÖG 95, Pl.: 139

* Erkrankungen der Gallenblase: Ö: 78, Pl: 47, ÖG 55, Pl.: 35

* Brustkrebs: ÖG: 26, Pl.: 18, kein bedeutsamer Unterschied in der reinen Östrogengruppe

* Darmkrebs: ÖG: 10, Pl.: 16, kein bedeutsamer Unterschied in der reinen Östrogengruppe

Gibt’s da nicht auch was Pfanzliches?

Es gibt eine ganze Reihe pflanzlicher Arzneimittel gegen Wechseljahrsbeschwerden. Am häufigsten angewendet werden Aufbereitungen der Traubensilberkerze und des Mönchspfeffers. Diese Pflanzenextrakte wirken tatsächlich wie die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron. Sind sie unschädlicher als ihre „chemischen“ Verwandten? Nein, ganz gewiss nicht. Sie sind nur schlechter untersucht als ihre synthetisch hergestellten Verwandten. Es ist nicht auszuschließen, das die Pflanzenextrakte ähnliche oder sogar stärkere Nebenwirkungen entfalten. Von der Traubensilberkerze (=Cimicifuga racemosa) ist bekannt, dass sie schwere Leberschäden hervorrufen kann.

Hilft Bewegung?

Oft wird regelmäßige körperliche Bewegung gegen die Beschwerden der Wechseljahre empfohlen. Körperliche Bewegung ist nachweislich gesund und hat kaum Nebenwirkungen, aber ob es gegen Hitzewellen hilft, ist leider wissenschaftlich so gut wie gar nicht untersucht. Schade eigentlich. Auf jeden Fall kann ein Versuch nicht schaden.

Quellen

* Erika Baum, Martina Dören: Erkenntnisse und Empfehlungen zur postmenopausalen Hormontherapie, in: Zeitschrift für Allgemeinmedizin, 6/2010, Deutscher Ärzteverlag, S. 230 ff

* National Institutes of Health: The Women Health Initiative (WHI), Darstellung der Studie auf englisch

*Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Cimicifuga-haltige Arzneimittel: Leberschäden, Stufenplan, Stufe II

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Extrakte aus dem Johanniskraut sind in den letzten Jahren zu einem großen Renner auf dem Arzneimittelmarkt geworden. Zeitweilig standen sie auf Platz 1 der Verkaufshits bei den Mitteln gegen Depressionen (der „Antidepressiva“). Das wichtigste zuerst: Johanniskrautpräparate wirken nachweislich gegen Depressionen. Aber: Extrakte aus Johanniskraut müssen richtig angewendet werden, die Dosis muss stimmen und die Diagnose muss passen. Viele Präparate, die in der Apotheke und der Drogerie verkauft werden, enthalten zu wenig Extrakt aus der Pflanze. Depressionen sollte man nicht selbst behandeln, eine sachkundige Therapie setzt eine möglichst genaue Diagnose voraus. Auch körperliche Krankheiten müssen ausgeschlossen werden. Die Abschätzung der Selbstmordgefahr ist selbst für den Profi schwierig. Also gehen Sie bitte zum Arzt, wenn Sie vermuten, an einer Depression zu leiden.

Welche Inhaltsstoffe sind wirksam?

Mit dieser Frage sprechen wir ein Hauptproblem bei der Behandlung mit Johanniskraut an. Es konnte bisher nicht festgestellt werden, welche der vielen Inhaltsstoffe des Johanniskrauts diejenigen sind, die für die Wirkung gegen Depressionen entscheidend sind. Immer wieder zeigte sich, dass ein Extrakt aus der ganzen Pflanze effektiver wirkte als eine einzige isolierte Substanz.

Das macht es auch schwierig, verschiedene Johanniskraut-Präparate miteinander zu vergleichen. Je nachdem, wo die Pflanze gewachsen ist, wie sie geerntet und wie aus ihr die Tablette hergestellt wurde, wird man mit einem unterschiedlichen Gehalt an wirksamen Bestandteilen rechnen müssen.

Man hat sich heute darauf geeinigt, dass Johanniskrautpräparate etwa 900 mg Gesamtextrakt enthalten sollten. Am sichersten ist es, diese Dosis auf drei mal täglich zu verteilen, also 3 x 300 mg einzunehmen. (Einige der – vermutlich wichtigen – Substanzen im Johanniskraut haben eine Halbwertszeit von nur zwei bis sechs Stunden, das heißt die Hälfte der verabreichten Menge ist nach dieser Zeit aus dem Körper verschwunden.)

Wie wirkt das Johanniskraut?

Neuere Forschungen zeigen, dass Johanniskraut genau so wirkt wie die chemischen Antidepressiva auch. Es erhöht die Konzentration verschiedener Botenstoffe („Neurotransmitter“) im Gehirn. Erstaunlicherweise wirkt Johanniskrautextrakt auf drei verschiedene Neurotransmitter: Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. Johnniskraut wirkt nicht sofort: Genau wie bei den künstlich hergestellten Medikamenten, braucht es eine bis drei Wochen, bis man die Wirkung spüren kann.

Genau so gut wirksam wie ein chemisches Antidepressivum

Die Cochrane Collaboration ist eine internationale Vereinigung von Ärzten und Wissenschaftlern, die sich zum Ziel gesetzt haben, Therapien auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen. Sie fanden 29 wissenschaftliche Untersuchungen mit rund 5500 Patienten weltweit, die den hohen Ansprüchen dieser Organisation genügten. Das Ergebnis der Untersuchung: Johanniskraut wirkt ähnlich gut wie chemische Antidepressiva, bei weniger Nebenwirkungen.

Erstaunlich: Studien aus deutschsprechenden Ländern zeigten bessere Ergebnisse als die aus den anderen Ländern, besonders von dort, wo man Englisch spricht. Dies kann viele Ursachen haben: Möglicherweise war die Auswahl der Patienten unterschiedlich oder aber in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden die Ergebnisse zu optimistisch beurteilt. Es kann aber auch an der unterschiedlichen Qualität der verwendeten Präparate liegen.

Dies ist ein Problem der Untersuchungen zum Johanniskraut: Jede Studie gilt genau genommen nicht für Johanniskraut generell, sondern nur für das untersuchte Präparat – es ist eben noch nicht möglich, einen Prüfstandard für das einzelne Präparat zu entwickeln, weil noch nicht bekannt ist, auf welche Substanzen es ankommt.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen sind insgesamt geringer als bei den chemischen Antidepressiva. Während in Studien mit chemischen Antidepressiva 20 bis 50 % der Patienten die Behandlung abbrechen, sind dies bei Untersuchungen mit Johanniskrautpräparaten nur ein bis zwei Prozent.

Die Empfindlichkeit gegen Sonnenlicht kann gesteigert werden, Solariumsbesuch, Skiurlaub oder Sonnenbaden am Strand sollten also unter der Therapie vermieden werden, juckende Hautausschläge könnten die Folge sein. Und natürlich kann auch Johanniskraut zu Allergien führen. Magen-Darmbeschwerden wie Aufstoßen, Übelkeit, Verstopfung oder Durchfall werden ebenfalls berichtet. Unruhe und das Gegenteil – Müdigkeit – traten bei einigen Versuchspersonen auf.

Wechselwirkungen

Johanniskraut zeigt Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, die zum Teil ernsthafte Konsequenzen haben können.

Das gilt besonders für ein Medikament, dass Patienten nach einer Herz- oder Nierentransplantation einnehmen müssen, um zu verhindern, dass das neue Organ abgestoßen wird: Die Wirksamkeit von Ciclosporin A wird abgeschwächt. Das gleiche kann bei bestimmten Arzneien zur Behandlung der Herzschwäche (Digoxin) passieren, auch die Wirkung von Marcumar® zur Blutverdünnung kann herabgesetzt werden. Neuerdings wird auch befürchtet, dass Johanniskraut die empfängnisverhütende Wirkung der Pille abschwächen könnte. Die Wirkung anderer, chemischer Antidepressiva kann sowohl verstärkt als auch abgeschwächt werden.

Sie sollten auf jeden Fall Ihren Arzt fragen, wenn Sie planen, Johanniskraut einzunehmen und schon irgendwelche Medikamente einnehmen.

Quellen

Prof. Dr. med. Volker Faust: Johanniskraut

Cochrane Library: St John’s wort for major depression

Onmeda.de: Depression

Psychopharmaka kompakt: Für Klinik und Praxis, Von Wolfgang P. Kaschka,Rolf Kretzschmar,Martin Jandl, Schattauer Verlag 2008, S. 77ff

Bild: Saint johns wart flowers.jpg, aus der englischen Wikipedia, hier stehen Einzelheiten zur Lizenz.

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Jeden Tag fragen mich Patienten, ob ich die Impfung gegen Schweinegrippe empfehle.

Schweinegrippe verläuft leicht

Seit Anfang dieses Jahres geht die Schweinegrippe um die Welt, sie hat schon viele Namen: Grippe durch H1N1, Mexikanische oder Amerikanische oder schlicht Neue Grippe wird sie genannt. Weltweit sind bisher vermutlich mehrere Tausend Menschen an dieser neuen Grippe gestorben, in Deutschland waren es drei, erkrankt waren mehr als 25.000. Die Schweinegrippe ist eine besonders leichte Form der Virusgrippe – an der „normalen“ Grippe starben alleine in Deutschland jedes Jahr bisher 5000 bis 10.000 Menschen!

Unbekannter Verstärkerstoff

Die deutschen Bundesländer haben 50 Millionen Dosen des Impfstoffs Pandemrix® gekauft, der in Niedersachsen ab dem 30. Oktober Zug um Zug verfügbar sein soll. Pandemrix ist ein Spaltimpfstoff, der nur Teile des Virus enthält. Um mit einer kleinen Wirkstoffmenge an Virusbruchstücken auszukommen, wurde dem Impfstoff ein Immunverstärker zugesetzt. Der Immunverstärker, auch Adjuvans genannt, soll das Immunsystem des geimpften Menschen reizen, es aufmerksam machen auf die Eiweißbestandteile des verabreichten H1N1-Virus. Das Adjuvans in Pandemrix heißt AS03 und war bisher noch in keinem Impfstoff. Studien mit der neuen Impfung wurden bisher nur an einigen Tausend Versuchspersonen durchgeführt. Unter diesen Versuchspersonen waren keine Schwangeren und nur wenige Kinder. Dies reicht in meinen Augen nicht aus, um diesen Impfstoff allgemein zu empfehlen.

Adjuvantien in Impfstoffen waren schon oft die Ursache seltener, aber schwerwiegender Nebenwirkungen.

Besserer Impfstoff für Minister und Soldaten?

Cellvapan®, der Impfstoff für die Bundesregierung und die Soldaten, ist übrigens auch nicht der beste. Cellvapan ist aus dem ganzen Virus hergestellt, im Vergleich zum Spaltimpfstoff hat er mehr Nebenwirkungen, dies ist schon seit langem bekannt.

Der ideale Impfstoff wäre der Spaltimpfstoff ohne Wirkverstärker, wie er jedes Jahr und schon seit langer Zeit und mit guter Verträglichkeit für die übliche jährliche Grippeimpfung eingesetzt wird. Dieser Spaltimpfstoff ohne Adjuvans wird und wurde in den USA, China und Australien eingesetzt. Warum die deutschen und europäischen Behörden einen anderen Weg beschrittenen haben, bleibt im Verborgenen.

Spaltimpfstoff ohne Wirkverstärker gibt es nicht in Deutschland und auch nicht in Europa. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin empfiehlt aber genau diesen Impfstoff für Schwangere. Ob und wann dieser Impfstoff in Deutschland zur Verfügung stehen wird, weiß niemand so genau.

Bei der Entscheidung für oder gegen die Impfung müssen wir abwägen: Auf der einen Seite steht ein Impfstoff, der bisher noch nicht ausreichend erprobt wurde. Auf der anderen Seite steht eine Virusinfektion, die sich bisher als relativ harmlos erweist.

Nur in besonderen Fällen zu empfehlen

In besonderen Fällen, in denen jede Infektion – auch die leichteste – lebensbedrohlich werden kann, kann eine Impfung vielleicht erwogen werden. Als Massenimpfung für jedermann gewiss nicht.

Menschen über 60 infizieren sich übrigens seltener als die im Alter unter 30.

Quellen und weitere Informationen

Das Bundesministerium für Gesundheit informiert über den Ablauf der Impfkampagne

Das Robert Koch-Institut und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informieren: „Wir gegen Viren“

Das Paul Ehrlich Institut informiert über die Grippeimpfstoffe

Das Robert Koch-Institut in Berlin zur Neuen Influenza

Arzneitelegramm: „H1N1: FEHLEINSCHÄTZUNGEN, HAFTUNGSFREISTELLUNG UND VIEL GELD“

Deutsches Ärzteblatt:“ Neue Grippe: Impfung offiziell empfohlen“

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Grippeimpfung

Europaweit sind heute morgen, am 30. August 2009 um 10:30 rund 45.000 Menschen an Schweinegrippe erkrankt, davon in Deutschland rund 15.000. Todesfälle wurden in Deutschland bisher nicht gemeldet, in ganz Europa sollen rund 100 Menschen an der neuen Grippe gestorben sein.

Das ist nicht viel, vergleicht man dies mit der Sterblichkeit der „normalen“ Grippe. Allein in Deutschland sterben jedes Jahr vermutlich mehrere tausend Menschen an der jährlich wiederkehrenden winterlichen Influenza.

Schweinegrippe hat andere Risikogruppen

Die Schweinegrippe zeigt sich (bisher) nicht nur harmloser als die bekannte Grippe, sie betrifft auch einen völlig anderen Personenkreis. Größtenteils erkranken Menschen unter 50, besonders viele Patienten sind jünger als 25 Jahre. Die meisten Todesfälle weltweit an Schweinegrippe stammt aus der Altersgruppe der 30 bis 50 Jährigen, während sonst die Alten und ganz Alten am schlimmsten betroffen sind.

Besonders gefährdet sind Schwangere, Menschen mit Übergewicht und chronischen Erkrankungen wie z.B. Asthma, chronischer Bronchitis, Diabetes oder Krankheiten, die mit einer Immunschwäche einhergehen.

Keine wirksame Behandlung

Eine wirklich wirksame Behandlung gibt es (noch) nicht: Tamiflu® und Relenza® helfen zwar, aber sie versprechen eher mäßige Linderung als rasche Heilung. Mit Tamiflu® ist die Grippe einen Tag schneller vorbei, aber wie alle anderen Grippeviren entwickelt auch der neue H1N1 – Erreger schnell Widerstandskraft (Resistenz) gegen das Medikament.

Schweinegrippe bisher harmlos

Bleibt nur noch die Schutzimpfung. Schutzimpfungen haben Nebenwirkungen, so wie jedes andere Medikament auch. Schutzimpfungen werden gesunden Menschen verabreicht. Deswegen müssen Nutzen und Risiko besonders sorgfältig abgewogen werden.

Die Schweinegrippe scheint nicht besonders gefährlich zu sein. „Das wird sich (möglicherweise) ändern“, sagen Epidemiologen, das sind Wissenschaftler, die sich mit Seuchen aller Art beschäftigen. „Das war schon 1918 so und auch 1957“, begründen sie ihre Prophezeiung. „Erst kam eine harmlos verlaufende Welle eines neuen Virus, später wurde er dann viel gefährlicher und kostete Tausenden das Leben!“

„Nun gut“, wenden Kritiker ein, „das war 1918 so und schon viel weniger 1957 – keinesfalls kann daraus mit Sicherheit der Schluss gezogen werden, dass der neue Virus sich tatsächlich zu einem viel schlimmeren Virus als andere Grippeviren entwickeln wird.“

Der neue Impfstoff gegen die Schweinegrippe wird voraussichtlich Mitte Oktober zur Verfügung stehen. Wenn alles so läuft wie geplant, dann soll es in diesem Jahr drei Grippeimpfungen für Risikopatienten geben: Eine gegen die saisonale Grippe so wie jedes Jahr und zwei gegen die neue Grippe.

Stell Dir vor: Es wird geimpft und keiner geht hin …

Anfangs gab es viele Diskussionen darüber, ob auch ja genug Impfstoff für alle zur Verfügung stehe. Jetzt fragen sich kritische Beobachter zunehmend, ob denn überhaupt genug Menschen da sind, die den Impfstoff auch haben wollen.

Sind die Hilfsstoffe ausreichend getestet?

Grippeimpfstoffe werden jedes Jahr in großer Anzahl und dies schon seit langer Zeit angewendet, die Nebenwirkungen sind außerordentlich gering. Der neue Impfstoff unterscheidet sich aber in mancher Hinsicht von dem herkömmlichen. In der kurzen Zeit können man nicht so viel Virussubstanz herstellen, wie für die massenhafte Impfung erforderlich ist, sagen die Hersteller. Aus diesem Grund muss der Impfstoff mit Hilfsstoffen, sogenannten „Adjuvantien“ angereichert werden. Die Adjuvantien helfen dem Immunsystem des Menschen, auch bei einer niedrig dosierten Impfstoffmenge ausreichend Antikörper zu bilden.

Allerdings: Gerade die Adjuvantien standen bisher immer wieder in Verdacht, für die Nebenwirkungen der Impfungen verantwortlich zu sein.

Die Vorbehalte werden immer größer: Vor ein paar Tagen fragte das besonders pharmakritische Arzneitelegramm seine Abonnenten, meist Ärzte und Apotheker, in einem „Blitz-Arznei-Telegramm“, warum denn wohl in den USA auf Adjuvantien verzichtet werden könne, während die Arzneimittelbehörden in Deutschland und Europa dies für unbedingt nötig halten.

Das verwendete Gemisch von Adjuvantien sei nicht ausreichend getestet, sagt das Arzneitelegramm. Vor allem bei Schwangeren, für die die Schweinegrippeimpfung besonders empfohlen wird, liegen wenig Erfahrungen vor.

Alles Quatsch, sagt das Paul Ehrlich Institut, das ist die Behörde, die in Deutschland die Zulassung für Impfstoffe erteilt. Jedes einzelne Adjuvans sei schon lange bekannt und seine Unschädlichkeit in klinischen Studien ausreichend nachgewiesen.

Konservierungsmittel mit Quecksilber

Der Grippeimpfstoff soll nicht in einzelnen Ampullen oder Fertigspritzen ausgeliefert werden. Der Arzt soll aus einem größeren Fläschchen den Impfstoff für viele Patienten nacheinander entnehmen.

Aus diesem und anderen Gründen (Haltbarkeit, leichterer Transport) ist dem Schweinegrippeimpfstoff das Konservierungsmittel Thiomersal zugesetzt. Thiomersal ist eine Quecksilberverbindung, bis zu 4 % aller Menschen in Deutschland reagieren allergisch.

So oder so: Die Bereitschaft der deutschen Bevölkerung, sich gegen Schweinegrippe zu impfen, geht zurück. Nur 13 Prozent der Bevölkerung will sich zur Zeit gegen Schweinegrippe impfen lassen, ergab eine Spiegel-Umfrage. Und auch beim medizinischen Personal ist die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, auch nicht gerade sensationell, und das weltweit, meldet das Deutsche Ärzteblatt.

Immerhin: Die gute Konservierung des Impfstoffs hat einen Vorteil – Der Impfstoff kann noch in der nächsten Saison 2010/2011 verwendet werden, wie der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts, Reinhard Burger, in diesen Tagen feststellte.

Aber damit es soweit nicht kommen muss, wird das Institut zusammen mit dem Gesundheitsministerium in den nächsten Tagen eine Werbekampagne starten, um vor allem die besonders gefährdeten jungen Menschen zur Impfung zu bewegen.

Quellen

Paul-Ehrlich-Institut zum Thema Schweinegrippeimpfung

Robert Koch-Institut zum selben Thema

Deutsches Ärzteblatt: „Scheu vor Schweinegrippe-Impfung

Arzneitelegramm: Blitz-a-t für Abonnenten vom 25.8.2009: „Schweinegrippe – Alles im Griff?“

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