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Archive for the ‘Biografien berühmter Ärzte’ Category

peyton_rous.jpgFrancis Peyton Rous (* 5. Okt. 1879 in Baltimore, USA; † 16. Feb. 1970 in New York, USA), amerikanischer Arzt (Pathologe) der 1910 den Nachweis erbrachte, dass Viren bösartige Tumore erzeugen können. Er erhielt den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für diese Entdeckung 56 Jahre später, 1966 zusammen mit Charles Brenton Huggins.

Rous‘ Vater starb sehr früh, der Getreidehändler hinterließ eine junge Witwe mit drei kleinen Kindern ohne große finanzielle Mittel. Die Mutter stammte aus Texas, sie entschied sich aber, auch nach dem Tod ihres Gatten in Baltimore wohnen zu bleiben um ihren Kindern die best mögliche Ausbildung zu ermöglichen.

R. absolvierte sein Medizinstudium an der Hopkins Medical School in Baltimore. Die Ausbildung des jungen Arztes wurde um ein Jahr unterbrochen weil er sich bei der Arbeit eine Tuberkulose des Fingers, die sich bis in die Achselhöhle ausbreitete, zugezogen hatte. Einige Zeit nach der Abschlussprüfung und nach einigen Monaten Assistenzarztleben zog R. es vor, in die Forschung zu gehen. Zwischenstationen waren das Pathologische Institut der Michigan Universität und ein Jahr Auslandstätigkeit in Dresden, bevor er 1909 eine Stelle am Rockefeller Institut für Medizinische Forschung erhielt. Dort blieb er als Professor bis er im Jahr 1956 an das Sloan-Kettering-Institute für Krebsforschung in New York wechselte.

Er war 87 Jahre alt, zwar seit 1945 emeritiert, aber immer noch in der Forschung tätig, als er 1966 die Nachricht über seinen Nobelpreis erhielt.

Seine bahnbrechende Entdeckung machte R. bereits 1910. Er wollte nachweisen, dass Viren Sarkome – bösartige Tumore des Bindegewebes – bei Hühnern auslösen. Er zerkleinerte dazu Tumormaterial und filterte es anschließend mit den besten zur Verfügung stehenden Filtern, so dass das entstehende Filtrat frei von Zellen war. Verabreichte er diese Lösung anderen Hühnern so entwickelten diese wiederum einen bösartigen Tumor.

Nach Veröffentlichung seiner Forschungsergebnisse versuchte eine ganze Reihe von Wissenschaftlern, sie an Säugetieren wie z. B. Ratten oder Mäusen zu wiederholen, ohne jeden Erfolg. So entstand die Meinung, dass die Erzeugung von Krebs durch Viren eine Besonderheit des Sarkoms bei Hühnern ist, bei Säugetieren dieser Mechanismus aber nicht in Frage komme.

1932 erschienen Forschungsberichte über die Erzeugung gutartiger Hauttumore bei Kaninchen durch Viren. R. nahm diese Berichte begierig auf und startete eine eigene Versuchsreihe. Er konnte zeigen, dass das Virus Krebs auslöste, wenn es zusammen mit krebserregenden Stoffen in einer Dosis appliziert wurde, die ohne das Virus keinen Krebs erzeugten. Diese Ergebnisse konnten die Fachwelt jedoch immer noch nicht von der Virushypothese bösartiger Erkrankungen überzeugen.

Erst als in den 1950er Jahren Forschungen über Retroviren zeigten, dass Viren in der Lage sind, ihr Erbgut in das Erbgut der Wirtszelle zu integrieren ohne die Zelle dabei abzutöten, flammte das Interesse an den Ergebnissen R.’s wieder auf. Man entdeckte, dass das Rous Sarkom Virus (RSV), wie es jetzt genannt wurde, in der Lage war das Genom der Wirtszelle so zu verändern, dass diese bösartig entartet. In der Folge entdeckte man eine Reihe anderer Viren die auch bei Säugetieren und beim Menschen, Krebs hervorrufen, wie zum Beispiel das Humane Papillomvirus (HPV) oder das Hepatitis – Virus.

Peyton Rous war verheiratet mit Marion Eckford de Kay; sie hatten drei Töchter: Marion, Ellen and Phoebe. Marions Ehemann, Alan Hodgkin war Professor für Biophysik an der Cambridge University und erhielt den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin drei Jahre vor seinem Schwiegervater, 1963.

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ronald_ross.jpgSir Ronald Ross (* 13. Mai 1857 in Almora, Indien; † 16. Sept. 1932 in Putney Heath, jetzt: London, Engl.), britischer Arzt und Entdecker der Beziehung zwischen der Anophelesmücke und der Erkrankung an Malaria, Medizinnobelpreisträger des Jahres 1902.

Jugend

R. kam als Sohn eines englischen Soldaten in Indien zur Welt, ab dem 8. Lebensjahr wurde er ins Internat nach Southampton in England geschickt. Als Schüler soll er sehr verträumt gewesen sein, er soll sich vor allen Dingen für das Dichten von Lyrik, das Komponieren und das Malen interessiert haben.

Medizinstudium und Schiffsarzt

Von 1874 bis 1879 studierte R. Medizin am St. Bartholomew Krankenhaus in London, auf Vorschlag seines Vaters und nach eigenem Bekunden recht lustlos. Er bestand das Medizinexamen nach nur drei Tagen intensiver Vorbereitung. Zu einer Tätigkeit als Militärarzt war aber auch noch das Apothekerexamen notwendig, das er erst im zweiten Anlauf und nach zwei Jahren Arbeit als Schiffsarzt 1881 bestand.

Als britischer Militärarzt in Indien

Im selben Jahr nahm er eine Stelle als britischer Militärarzt an und wurde nach Madras entsandt, einer Region Indiens, in der Malaria zu der damaligen Zeit weit verbreitet war. Die Malariakranken Soldaten wurden mit Chinin behandelt, der damaligen schon recht wirksamen Standardtherapie. Das Wort Malaria kommt aus dem Italienischen für male = schlecht und aria = Luft, bedeutet also schlechte Luft und kennzeichnete die Vorstellung der damaligen Zeit, dass die Krankheit durch das Einatmen schlechter Luft in sumpfigen Gebieten entsteht. In der Zeit zwischen 1881 und 1894 wurde der junge Militärarzt an viele Orte in Indien versetzt, seine Vorschläge zur Reduzierung der Moskitoplage in den Unterkünften durch Bekämpfung der Brutstätten der Mücken wurden mit Hohn quittiert.

Neben seiner ärztlichen Tätigkeit erforschte er die Malaria und schrieb auch noch eine Reihe recht populärer Abenteuergeschichten. 1889 erhielt R. eine Weiterbildung in England in der noch jungen Wissenschaft der Bakteriologie. Er lernte bei diesem Aufenthalt, ein Mikroskop zu benutzen und seine Frau Rosa kennen. Zusammen hatten sie 4 Kinder: Zwei Söhne und zwei Töchter.

Laveran Erreger

Bei einem längeren England Aufenthalt 1894/95 lernte R. den Kollegen Dr. Patrick Manson kennen und freundete sich mit ihm an. Manson war ein Spezialist für Tropenkrankheiten und führte R. in die neueren Erkenntnisse der Malaria Forschung ein. Ein französischer Arzt, Charles Laveran, hatte gerade den Erreger der Malaria, das Plasmodium oder Laveran Keim, wie er damals genannt wurde, in den roten Blutzellen der Kranken entdeckt. Der Übertragungsweg war allerdings völlig unbekannt. Manson war davon überzeugt, dass ein Moskito nur einmal sticht, eine Übertragung durch den Stich einer Mücke kam also nicht in Frage.

Moskito – Day: Die Aufklärung der Malariainfektion

Im März 1897 erkrankte R. selbst an Malaria, kurze Zeit später an Cholera. Im selben Jahr, am 20. Aug. 1897, fand er den Malariaerreger unter dem Mikroskop im Magen einer Anophelesmücke, die er selbst zuvor einen Malariakranken hatte stechen lassen. Er feierte diesen Tag fortan als Moskitotag.

Am 18. Dez. 1897 erschien seine neue Erkenntnis in einem Aufsatz im British Medical Journal, auch damals schon eine angesehene wissenschaftliche Publikation.

1898 erhielt R. ein Labor in Kalkutta. Dort las er den Aufsatz eines amerikanischen Forschers, der Malaria bei Vögeln festgestellt hatte. R. unternahm Übertragungsversuche bei Vögeln und übertrag Malaria von einem Vogel auf den anderen durch Mücken, die zunächst den kranken Vogel und dann den gesunden gestochen hatten. Als er dann noch Malariaerreger im Blut und in den Speicheldrüsen der Mücken nachgewiesen hatte, war der komplizierte Vermehrungszyklus der Plasmodien aufgeklärt: Die Mücke nimmt den Erreger mit dem Stich beim Malariakranken auf, er vermehrt sich im Magen, wird über das Blut der Mücke zu den Speicheldrüsen transportiert, um beim nächsten Stich einen weiteren Patienten mit Malaria zu infizieren. Im Juli 1898 trug sein Freund Manson die neuen Erkenntnisse auf der Versammlung der British Medical Association (BMA) vor.
anophelesmuecke.jpgAnophelesmücke
Zurück in England

ross.jpg1899 kehrte R. zurück nach England, Manson hatte ihm eine Stelle am Tropeninstitut in Liverpool besorgt. Enttäuscht von der Bezahlung eines Forschers, zog er 1912 nach London um, um seine Einkünfte zu verbessern. Dort war er zunächst am King’s College Hospital tätig, später wurde er Leiter des Ross Instituts und Krankenhauses für tropische Krankheiten in Putney Heath und starb dort 1932, ein Jahr nach seiner Frau, im Alter von 75 Jahren.

Nobelprize.org (engl.)

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robert_koch.jpgRobert Koch (* 11. Dez. 1843 in Clausthal, Harz; † 27. Mai 1910 in Baden-Baden), deutscher Arzt, Mitbegründer der modernen Bakteriologie, entdeckte den Lebenszyklus des Milzbranderregers (1876), das Tuberkulosebakterium (1882) und den Erreger der Cholera (1883). Für die Erforschung der Tuberkulose erhielt er 1905 den Medizinnobelpreis.

K. studierte von 1862 bis 1866 Medizin in Göttingen. Nach dem Staatsexamen arbeitete K. als Landarzt in verschiedenen Provinzstädten, 1870/71 als Feldarzt im Deutsch-Französischen Krieg. In Wollstein, wo K. eine Stellung als Distriktarzt erhielt, baute er sich ein kleines Labor auf. Mit einem selbst gebastelten Inkubator, einem Mikroskop und einem Mikrotom (Gerät zur Herstellung dünner Gewebeschnitte) erforschte er zunächst Algen, dann wandte er sich den Bakterien zu.

1876 bewies K. zum ersten Mal die Beziehung eines spezifischen Erregers zu einer definierten Krankeit (Milzbrand). Er kultivierte die Milzbranderreger auf Objektträgern in Reinkultur, zeigte ihr Wachstum und die Bildung von Sporen. Er zeigte, dass ruhende Milzbrandsporen selbst unter ungünstigen Bedingungen jahrelang auf den Schafweiden überleben konnten, um sich dann im Schaf wieder in vermehrungsfähige Erreger zu verwandeln.
bacillus_anthracis_gram.jpgMilzbranderreger

1877 veröffentlichte K. seine Forschungsergebnisse über die Konservierung und Photografie von Bakterien, die vor allem durch die herausragenden Abbildungen Aufsehen erregten.

1878 fasste er seine bisherigen Ergebnisse zusammen und wies nunmehr anhand sechs verschiedener Krankheitserreger die Übertragung von bekannten Krankheiten durch definierte Mikroorganismen beim Tier nach, führte dabei auch den Tierversuch in die Bakteriologie ein.

K. wird als nunmehr anerkannter Forscher Beamter am Kaiserlichen Gesundheitsamt in Berlin. Zusammen mit seinen Mitarbeitern entwickelt er Kriterien, um eine Krankheit als Infektionskrankheit zu identifizieren. Diese vier Kochschen Postulate sind bis heute mit einigen Modifikationen gültig: Ein spezifischer Mikroorganismus ist immer mit einer bestimmten Krankheit verbunden. Der Erreger kann vom Tier isoliert werden und in Reinkultur gezüchtet werden. Mit diesen Erregern kann die Krankheit beim gesunden Tier erzeugt werden. Auch bei diesem neu infizierten Tier kann derselbe Erreger isoliert werden.

In der Folgezeit konzentrierten sich die Forschungen K. auf den Nachweis des Tuberkuloseerregers. Durch Modifizierung der Färbemethoden konnte er den Erreger zum ersten Mal in Geweben von TBC-kranken Menschen und Tieren sichtbar machen. Schließlich gelang es ihm durch Änderung der Nährmedien, den Tuberkelbazillus in Reinkultur zu züchten. Mit den kultivierten Bazillen wurden Tiere erfolgreich infiziert. Am 24. März 1882 verkündete K. seine sensationellen Erkenntnisse vor der Physiologischen Gesellschaft in Berlin.
tb_kultur.jpgKultur von TB-Bakterien
Kochs Forschungen zur Tuberkulose werden unterbrochen, weil er als Mitglied einer deutschen Regierungskommission nach Ägypten zur Erforschung einer Choleraepidemie geschickt wird. K. verdächtigt ein bestimmtes, kommaförmiges Bakterium. Erst später kann er in Indien nachweisen, dass das Bakterium Vibrio cholerae der Erreger der Cholera ist und mit dem Trinkwasser und der Nahrung übertragen wird.
vibrio.jpgCholeraerreger unter dem Elektronenmikroskop
Zurück in Deutschland forscht K. weiter über die Tuberkulose. Als Direktor des Universitätsinstituts für Hygiene in Berlin kann er sich von 1885 an ausschließl. auf seine Forschung konzentrieren.

Er vermutete 1890 öffentlich, dass eine Injektion von abgetöteten TBC-Bakterien ein Heilmittel für Tuberkulose sein könnte. Er nennt die Substanz Tuberkulin und Berlin erlebt eine Tuberkulin-Euphorie. Tausende von Tuberkulosekranken strömen in die Hauptstadt. Leider erweist sich das Tuberkulin als völlig unwirksam, manchmal sogar als gefährlich. Die Bedeutung des Tuberkulins als Diagnostikum (Tuberkulin-Test) wird erst später erkannt.

Nach dem Tuberkulin-Debakel widmet sich K. der Erforschung der Lepra, der Beulenpest, der Malaria und verschiedener Viehkrankheiten. 1891 wird er Direktor des neu gegründeten Instituts für Infektionskrankheiten, dem heutigen Robert Koch-Institut.

1901 erklärt K., dass die Infektion des Menschen durch die Rindervariante des Tuberkuloserregers (Mycobakterium bovis) so selten vorkommt, dass spezielle Maßnahmen in dieser Richtung nicht erforderlich seien. Diese Meinung wurde zum Glück von der internationalen Fachwelt nicht geteilt.

K. war schon zu Lebzeiten ein anerkannter Bakteriologe. Seine Schüler (z. B. Paul Ehrlich und Emil Behring) kamen aus Asien und der gesamten westlichen Welt, sie legten die Grundlage für die moderne Hygiene und Bakteriologie.

Das Robert Koch-Institut über seinen Gründer

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ramon_y_cajal.jpgSantiago Ramón y Cajal, (* 1. Mai 1852 in Petilla de Aragón, Spanien; † 18. Okt. 1934 in Madrid), spanischer Arzt und Histologe, erhielt 1906 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin gemeinsam mit dem Italiener Camillo Golgi für seine Arbeiten zur Struktur des Nervensystems.

Der Sohn von Justo Ramón, einem Anatomieprofessor, und Antonia Cajal war in seiner Jugend recht rauflustig und aufsässig. Er musste aus diesem Grunde mehrfach die Schule wechseln und wurde schon im Alter von 11 Jahren wegen Beschädigung des Stadttores mit einer selbstgebauten Kanone eingesperrt. Er begann eine Friseur- und eine Schuhmacherlehre, wäre aber am liebsten Maler geworden. Schließlich ließ er sich von seinem Vater zum Medizinstudium überreden, das er 1873 abschloss.

Als Militärarzt der spanischen Marine erkrankte er in Kuba an Malaria und Tuberkulose. Nach seiner Rückkehr im Jahre 1875 arbeitete er als Assistent in der Anatomie der Medizinischen Fakultät der Universität Saragossa, 1877 promovierte er im Fach Medizin. 1879 wurde er Direktor des Saragossa Museums, im gleichen Jahr heiratete er Doña Silvería Fañanás García, mit der er vier Töchter und drei Söhne hatte.

1883 erhielt er eine Professur für Beschreibende und Allgemeine Anatomie in Valencia, 1892 einen Lehrstuhl im gleichen Fach in Madrid. 1900 und 1901 wurde er Direktor des Nationalen Hygiene Instituts und des Laboratorio de Investigaciones Biológicas, das 1920 Cajal Institut genannt wurde und an dem C. bis zu seinem Tode wirkte.

C. veröffentlichte über 100 wissenschaftliche Arbeiten in Spanisch, Französisch und Deutsch. C. benutzte die von Camillo Golgi beschriebene Methode der Färbung von Nervengewebe und entwickelte sie weiter.
purkinjezellen.jpgPurkinjezellen im Gehirn einer Taube: Zeichnung von Ramón y Cajal

Im Gegensatz zu Golgis Vorstellung eines kontinuierlichen Zellverbundes war er ein Anhänger der von Wilhelm Waldeyer postulierten Neuronentheorie des Nervensystems. Demzufolge ist das Nervensystem aus Milliarden unabhängiger Nervenzellen aufgebaut, die über sog. Synapsen miteinander kommunizieren – eine Theorie, die schließlich durch die Elektronenmikroskopie endgültig bestätigt wurde.

Nobelprize.org

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pawlow.jpgIwan Petrowitsch Pawlow (russ. Иван Петрович Павлов, * 14. Sept. 1849 in Rjasan; † 27. Feb. 1936 in Leningrad, heute Petersburg), russischer Arzt und Physiologe, erhielt 1904 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für seine Arbeiten über die Physiologie der Verdauung. Weltweit am meisten bekannt ist er aber für sein Konzept des bedingten Reflexes.

Jugend, Ausbildung, Heirat

P. verbrachte seine Jugend in Rjasan, als Sohn eines Priesters wollte er auch diesen Beruf ergreifen und besuchte zunächst das theologische Seminar am Ort. 1870 überlegte er es sich anders, zog nach St. Petersburg um, um dort Chemie und Physik zu studieren. Ein anschließendes Medizinstudium schloss er 1879 ab.

1881 heiratete er Serafima Wasiliewna Karchewskaja, eine spätere Lehrerin und Tochter eines Arztes der Schwarzmeerflotte. Aufgrund ihrer Armut mussten sie nach der Hochzeit zunächst getrennt leben. Er schrieb seiner Frau einen großen Teil seines Erfolgs zu, sie war von ausgleichendem Temperament, sehr religiös und bescheiden. Das Ehepaar hatte vier Söhne und eine Tochter.

Nach seiner Promotion studierte er von 1884 bis 1886 in Deutschland bei den Physiologen Carl Ludwig in Leipzig und Rudolf Heidenhain in Breslau.

Als Schüler von Ludwig wandte er sich zunächst der Erforschung der Steuerung des Herzens durch das Nervensystem zu. Seit seiner Habilitation 1890 und auch schon in seiner Breslauer Zeit bei Heidenhain war sein Hauptforschungsgebiet der Verdauungstrakt. Er erhielt in dieser Zeit den Auftrag, die Physiologische Abteilung des Instituts für Experimentelle Medizin in St. Petersburg aufzubauen, gleichzeitig wurde er Professor für Pharmakologie, später Physiologie an der Militärmedizinischen Akademie. Diesen Lehrstuhl behielt er bis zu seinem Ruhestand 1924.

Physiologie der Verdauung am lebenden Tier

Die neue Arbeitsweise Pawlows bestand in der Untersuchung von Verdauungsdrüsen beim lebenden, gesunden Tier. Schon mit Heidenhain hatte er eine Operationstechnik entwickelt, um einen kleinen Separatmagen vom Hauptmagen operativ abzutrennen, in dieser Seitentasche konnte er die Verdauungssekrete beim lebenden Tier während seines ganzen Lebens studieren. Andere Verdauungssekrete wie die der Mund- und Bauchspeicheldrüse wurden durch Fisteln, die teilweise von Metallrohren gebildet wurden, nach außen geleitet und analysiert.

Der bedingte Reflex

Während der Untersuchung der Speicheldrüsen entdeckte P., dass die von ihm untersuchten Hunde bereits Speichel absonderten, wenn sie das Essen nur sahen, lange bevor sie es im Maul hatten. Er betrachtete dieses Verhalten zunächst als Störung seiner Forschung und stopfte den Tieren das Futter ohne Umweg ins Maul. Später machte er die Störung zu seinem neuen Forschungsgebiet. Er stellte fest, dass die Hunde schon auf das Läuten einer Glocke mit Speichelfluss reagierten, wenn zuvor der Klang der Glocke mit der Fütterung kombiniert worden war. Der von Pawlow erforschte Lernprozess wird heute klassisches Konditionieren genannt: Der Hund reagiert auf den natürlichen Reiz Futter mit der natürlichen (angeborenen) Reaktion Speichelfluss. Nach einer mehrmaligen Kombination des Reizes Futter mit dem Reiz Glocke, kann schon der unnatürliche Reiz Glocke alleine den Speichelfluss auslösen. Natürlich kann auch jedes andere Signal wie das Erscheinen des Versuchsleiters, ein Metronom oder die Tageszeit zu der Reaktion Speichelfluss führen, wenn es nur einige Mal zuvor mit der Futtergabe zeitlich zusammen aufgetreten war. Genau so kann ein Hund die Konditionierung wieder verlernen, wenn der Reiz (z. B. Glockenklang) einige Male ohne nachfolgendes Futter auftrat. P. versuchte dieses Konzept zur Erklärung sehr komplexer Gehirntätigkeiten wie der Sprache, der Geisteskrankheiten und Neurosen heranzuziehen.

Verhältnis zu den Kommunisten

P. nahm nie ein Blatt vor den Mund, wenn es um die Auseinandersetzung mit den politischen Autoritäten nach der Oktoberrevolution ging. Berühmt ist sein Ausspruch aus dem Jahre 1923, gerichtet an die Kommunisten: Für die Art des sozialen Experiments, das ihr durchführt, würde ich nicht das Hinterbein eines Frosches opfern!. Lenin lehnte 1922 sein Gesuch ab, sein Labor ins Ausland verlegen zu dürfen. Lenin und auch Stalin schätzten seine Forschung über alle Maßen, sein Labor wurde ständig mit außergewöhnlichen Mitteln ausgestattet und es wurden nie größere Pressionen auf den unbotmäßigen Wissenschaftler ausgeübt. P. war von einer ausgeprägten Pedanterie, verpasste nie einen Termin und legte auch bei seinen Mitarbeitern großen Wert auf Pünktlichkeit. Obwohl er selber ungläubig war, beneidete er seine Frau nach eigenem Bekunden um ihre große Frömmigkeit.

Die offizielle Website der Nobelstiftung berichtet allgemeinverständlich, aber leider nur auf Englisch, über Pawlov und seine Entdeckungen

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mesch.jpgIlja Iljitsch Metschnikow (russ.: Мечников, Илья Ильич; * 16. Mai 1845 in Iwaniwka bei Charkow, Russland, heute Charkiw, Ukraine; † 16. Juli 1916 in Paris), russischer Zoologe, erhielt 1908 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin zusammen mit Paul Ehrlich. Er entdeckte weiße Blutkörperchen im tierischen Organismus, die sich bewegen wie Amöben und Fremdkörper wie Bakterien auffressen. Sie werden Fresszellen oder Phagoyzten genannt und sind ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems.

Jugend in Charkow

M. wuchs als Sohn eines pensionierten Gardeoffiziers und Großgrundbesitzers zunächst auf einem Landgut in den Steppen der Ukraine, ab dem 7. Lebensjahr in Charkow auf. Seine Mutter hatte jüdische Wurzeln und war die Tochter eines russischen Schriftstellers. M. selbst war schon seit seiner frühesten Jugend überzeugter Atheist, so überzeugt, dass er den Spitznamen Gott-existiert-nicht trug. Ebenso überzeugt war er davon, dass er ein Talent für Naturwissenschaft habe und er später einmal sehr berühmt sein werde. In der Tat schien er ein außerordentlich gutes Gedächtnis zu besitzen. Für das Studium der Naturwissenschaften an der Universität in Charkow, das normalerweise vier Jahre dauerte, brauchte er nur zwei.

Studien in Deutschland und Italien, Rückkehr nach Russland

Nach Abschluss des Studiums ging er zunächst nach Helgoland, um dort die maritime Fauna zu erforschen. Er wurde dort auf den berühmten deutschen Zoologen Rudolf Leuckhart aufmerksam und beschloss, bei ihm in Giessen zu studieren. Weitere Studienaufenthalte in Deutschland waren Göttingen und München. In Neapel forschte er für seine Promotion über die Embryologie bei Tintenfischen und Krebstieren. 1867 kehrte M. nach Russland zurück, er erhielt dort eine Anstellung als Dozent an der Universität von Odessa und St. Petersburg. Von 1870 bis 1882 war M. Professor für Zoologie und vergleichende Anatomie in Odessa.

Depressionen und Selbstmordversuche

1869 heiratete M. Ludmilla Fedorowitsch, die schon bei der Hochzeit wegen einer schweren Tuberkulose im Rollstuhl saß und 1873 verstarb. Der Witwer verfiel in eine tiefe Depression und versuchte sich mit Morphin das Leben nehmen, die Dosis war zum Glück zu klein gewählt. Schon bald lernte er seine zweite Frau Olga kennen, die er 1875 im Alter von 17 Jahren heiratete. Olga bewunderte ihn, die Ehe verlief trotz des großen Altersunterschieds glücklich. 1880 erkrankte auch Olga schwer an Typhus, M., der auch immer wieder über Herzbeschwerden und Sehstörungen klagte, verfiel wiederum in tiefe Depression. Er unternahm einen weiteren Selbstmordversuch, in dem er sich mit dem Blut eines an Rückfallfieber erkrankten Patienten selbst infizierte. So hoffte er, dass sein Tod wenigstens für die Wissenschaft einen gewissen Nutzen haben würde. M. erkrankte schwer, starb aber entgegen seinen Erwartungen nicht an der selbst zugefügten Krankheit.

M. gab seinen Lehrstuhl in Odessa 1882 auf, weil er an der Universität zunehmend in politische Schwierigkeiten geriet: Zar Alexander II. war ermordet worden und eine Welle der Repression rollte durch Russland.

Der Durchbruch in Messina

M. ging nach Messina in Sizilien, um dort in einem privaten Labor weiter an seinem Spezialgebiet, der vergleichenden Embryologie, zu forschen. Dort entdeckte er das Phänomen der Phagozytose an Seesternlarven: Fremdkörper wie die Nadeln eines Mandarinenbaums oder rote Tinte wurden von den Fresszellen der Larve eingekreist, aufgenommen und abgebaut. M. vermutete sofort, dass diese Reaktion ein wesentliches Element der Immunabwehr darstellt. Bereits 1883 veröffentlichte M. seine neuen Erkenntnisse, die mit großer Skepsis in der Fachwelt aufgenommen wurden. Zum Ausgang des 19. Jahrhunderts stellte man sich die Immunabwehr als löslichen, humoralen Faktor im Blut der Organismen vor; die Vorstellung, dass Zellen sich selbständig auf den Weg zur Vernichtung von Bakterien machten, schien vielen grotesk. Heute weiß man, das das Immunsystem beide Arten der Abwehr benutzt und sie auch koordiniert einsetzt: Lösliche Antikörper und die Aktivität der Fresszellen. Die neuen Erkenntnisse beflügelten M’s Geist und Psyche: In den folgenden Jahren arbeitete er unentwegt an Beweisen für seine neue Theorie, die depressiven Episoden wurden selten. Er zeigte u. a., dass Pilzsporen und Anthraxbazillen in Krustentieren von Fresszellen angegriffen wurden.

Glückliche Forscherjahre am Institut Pasteur

Von 1886 bis 1888 war er mit der Leitung eines Instituts in Odessa betraut, dass die von Pasteur entwickelte Impfung gegen Tollwut in Russland einführen sollte. Er war nicht sehr glücklich mit dieser Aufgabe. Als Louis Pasteur ihm 1888 ein eigenes Labor in seinem Institut anbot, nahm er sofort an und blieb dort bis zu seinem Lebensende. Hier forschte er wieder ausgiebig über die zelluläre Immunität, veröffentlichte 1892 die zweibändige Sammlung Leçons sur la pathologie comparée de l’inflammation (Vorlesungen über die vergleichende Pathologie der Entzündung) und 1901 die Schrift L’Immunité dans les Maladies Infectieuses (Die Immunität bei Infektionskrankheiten).

Die Entscheidung des Nobelkomitees ihm 1908 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin an M. zusammen mit Paul Ehrlich zu verleihen war sehr vorausschauend, behielt doch die humorale Theorie der Entzündung noch weitere 40 Jahre die Überhand, bis man sich wieder auf die Ergebnisse Metchnikows besann und heute ein integriertes Konzept der Immunabwehr besitzt.

In Paris zeigte M. zusammen mit seinem Freund Emile Roux, dass Syphilis auf Affen übertragen werden konnte – eine wichtige Voraussetzung für die weitere Erforschung dieser Erkrankung.

Spekulation und Philosophie

Vor allem in seinen späteren Jahren beschäftigte sich M. viel mit philosophischen Themen. Er vertrat unter anderem die Theorie eines natürlichen Todestriebes aller Organismen. Wenn der Mensch nicht an Krankheiten vorzeitig sterbe, sondern ein hohes Alter erreiche, dann setze dieser Trieb den Wunsch zum Tod ebenso frei wie jeden Abend die Müdigkeit den Wunsch zum Schlafen.Die Langlebigkeit mancher bulgarischer Bauern führt er auf ihren Verzehr von Sauermilchprodukten zurück. Vorzeitige Alterung, so M. Hypothese, rühre von Vergiftungsprozessen aus dem bakteriell besiedelten Dickdarm her. Obwohl diese These damals und auch heute noch sehr viele Anhänger besitzt, ist sie vom wissenschaftlichen Standpunkt noch nie bewiesen worden. M. starb – obwohl er zeitlebens große Mengen von Joghurt zu sich genommen hatte – 71jährig an einem Herzleiden.

Biografie auf nobelprize.org (engl.)

Uni Kiel: Biografie (pdf)

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Barry James Marshall (* 30. Sept. 1951 in Kalgoorlie, Australien), australischer Arzt, Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin 2005 zusammen mit J. Robin Warren für die Entdeckung des Bakteriums Helicobacter pylori (Hp) und seiner Rolle bei der Gastritis und der Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre.

M. schloss sein Medizinstudium an der University of West Australia in Perth 1974 ab. Anschließend arbeitete er bis 1983 als Assistenzarzt am Royal Perth Hospital. Seit 1981 forschte er zusammen mit dem Pathologen Robin Warren, 1982 gelang den beiden Forschern die Kultur des Bakteriums, das Warren zuvor in Silberfärbungen an Magenschleimhautproben nachgewiesen hatte. 1983 deckten sie den Zusammenhang einer Hp – Infektion mit Erkrankungen wie Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür und Magenkrebs auf. 1983 und 1984 konnte M. seine Forschungen am Fremantle Hospital fortsetzen, 1985 als Stipendiat des Medical Research Council (NHMRC).

Frustriert durch die mangelnde Anerkennung der Fachwelt, trank M. 1984 eine Probe mit Hp-Bakterien und entwickelte prompt eine Magenschleimhautentzündung, die er auch durch Magenspiegelung nachweisen ließ.

Von 1986 bis 1996 arbeitete M. als Medizinprofessor an der Universität von Virginia in den Vereinigten Staaten. 1997 kehrte er wieder nach Australien für ein Sabbat – Jahr zurück. 1998 setzte er seine Forschungen, ausgestattet wiederum mit einem Stipendium des NHMRC, fort.

Zurzeit arbeitet er als Spezialist für Magen- und Darmkrankheiten (Gastroenterologe) am Sir Charles Gairdner Hospital, außerdem betreibt er ein Hp-Forschungs-Labor am Queen Elizabeth II Centre. Er wohnt mit seiner Frau Adrienne und 4 Kindern in Subiaco in der Nähe von Perth.

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