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Archive for the ‘Krankheiten’ Category

Mythos: Jeder muss jeden Tag Stuhlgang haben

Drei Mal am Tag oder drei Mal in der Woche ist völlig normal. Wenn Sie sowieso unter Verstopfung leiden, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen, wenn der Stuhlgang zwei Wochen und länger ausbleibt. Eine plötzliche, unerwartete Verstopfung, besonders mit Bauchschmerzen, ist immer alarmierend.

© Evert Meijs, Wikimedia. commons

Mythos: Verstopfung vergiftet mich oder schafft andere gesundheitliche Probleme

Es gibt keinen Hinweis darauf, dass der Stuhl, der in Ihrem Dickdarm „geparkt“ wird, Vergiftungserscheinungen auslöst. Es gibt auch keinen Hinweis, dass dadurch andere gesundheitliche Probleme wie z.B. Dickdarmkrebs oder Ähnliches heraufbeschworen werden.

Mythos: Wenn ich verstopft bin, kann ich nicht abnehmen

Der Stuhl wird im Dickdarm aufbewahrt. Dort wird ihm lediglich Wasser entzogen, keine weiteren Nährstoffe. Die Nahrung wird also gleich gut ausgenutzt, wenn Sie drei mal am Tag oder drei Mal in der Woche zur Toilette gehen.

Mythos: Bananen stopfen

Bananen stopfen nicht. Bananen fördern die Verdauung genauso wie anderes Obst und Gemüse. Pflaumen, ob roh oder getrocknet fördern die Verdauung scheinbar besonders gut, auch Pflaumensaft. Dasselbe gilt für Tomaten und rote Beete. Stopfend wirken Kuchen und helles Brot sowie Flüssigkeitsmangel!

Mythos: Verschluckte Kaugummis führen zur Verstopfung

Da muss man schon eine ganze Menge Kaugummis schlucken, um eine Verstopfung auszulösen. Hin und wieder ein Kaugummi verschlucken schadet dem Menschen gar nicht. Das Kaugummi landet genau so in der Toilette wie alle anderen Nahrungsmittel auch.

Mythos: Den Stuhlgang aufhalten schadet nicht

Den Stuhlgang „verkneifen“ führt tatsächlich häufig zur Verstopfung. Man/Frau sollte dem verspürten Drang möglichst bald nachgeben, ein Ignorieren kann unangenehme Folgen haben. Auch eine Erziehung zur Regelmäßigkeit kann helfen: z.B. jeden Morgen nach dem Frühstück die Toilette aufsuchen, auch wenn es noch gar nicht drückt.

Verstopfung ist nur was für alte Leute

Das stimmt leider gar nicht, im Gegenteil: Besonders bei Kindern, die nicht ausreichend Vollkornbrot, Obst und Gemüse essen, nicht ausreichend trinken und sich ungern bewegen, ist Verstopfung ein häufiges Übel. Und ein häufiger Grund für unklare, manchmal heftige Bauchschmerzen!

Mythos: Blut im Stuhl hat man schon mal

Sichtbares Blut im Stuhl ist immer ein Warnzeichen. Auch wenn man Hämorrhoiden hat. Bei Blut im Stuhl sollte immer der Arzt aufgesucht werden. Blut im Stuhl kann ein Frühzeichen für Dickdarmkrebs sein. Das gilt gerade und besonders dann, wenn das Blut genau dann auftritt, wenn sich die Stuhlgangsgewohnheiten verändert haben.

Quellen und weiterführende Links

Medizininfo.de. Verstopfung

Uni Marburg: Warum ist die Banane gesund?

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Von Fieber spricht man, wenn die im After (rektal) gemessene Körpertemperatur über 38 Grad Celsius liegt. Normal liegt die Körpertemperatur beim Menschen zwischen 36 und 37 Grad, ab 37° bis etwa 38° spricht man von erhöhter Körpertemperatur.

digitales Fieberthermometer © Berthold Werner, Wikipedia

Am zuverlässigsten: Rektale Messung mit einem digitalen Fieberthermometer

Am zuverlässigsten misst man beim Kind mit einem digitalen Fieberthermometer im After. Thermometer aus Glas zerbrechen leicht und die Messung dauert lange. Ohrthermometer zeigen falsche Werte an, wenn der Gehörgang zugeschwollen oder mit Ohrenschmalz verstopft ist, beides kommt nicht so selten vor. Auch bei einer Mittelohrentzündung ist die Messung mit dem Ohrthermometer nicht zuverlässig, die Temperatur wird in diesem Fall zu hoch gemessen, während bei Ohrenschmalz die Temperatur zu niedrig bestimmt wird. Thermometer, die die Temperatur an der Stirn des Kindes messen und einfache Teststreifen, die z.B. auf die Stirn aufgeklebt werden, sind in jedem Fall unzuverlässig.

Bei älteren Kindern kommt auch die Messung im Mund (unter der Zunge) in Frage. Die Temperatur dort liegt um 0,5° niedriger als im After. Unter der Achsel sind die Messwerte viel zu unzuverlässig.

Digitale Thermometer am preisgünstigsten

Digitale Fieberthermometer sind sehr preisgünstig: Um 5 Euro, oft noch darunter, sind sie in der Drogerie erhältlich. Ohrthermometer kosten ein vielfaches: Das einzige Ohrthermometer, das von der Stiftung Warentest ein „sehr gut“ erhielt, das „Braun Thermoscan“, gibt es von 30 Euro an aufwärts.

Nachteilig bei beiden Geräten im Vergleich zu den Glasthermometern ist die Batterie, die nach einiger Zeit gewechselt werden muss. Manchmal ist der Batteriewechsel auch gar nicht möglich oder so teuer oder so umständlich, dass man lieber ein neues anschafft. (Drei bis fünf Jahre Liegezeit oder 3000 bis 5000 Messungen werden als Haltbarkeit angegeben.)

Fieber hat vermutlich einen Sinn

Fieber ist nicht sinnlos und Fieber ist nicht die Krankheit. Der Körper des Menschen benutzt Fieber, um gegen Viren oder Bakterien zu kämpfen. Viele dieser Krankheitserreger können sich bei höheren Temperaturen nicht mehr so rasch vermehren, Fresszellen steigern ihre Aktivität und Antikörper werden schneller produziert. Bei vielen Infektionskrankheiten verkürzt Fieber die Krankheitsdauer.

Wann Fieber senken?

Manchmal, bei weitem nicht immer, leiden Kinder unter ihrem Fieber. Sie sind quengelig, können nicht schlafen und vor allem: sie wollen nicht trinken. Wenn die Trinkunlust zusammen mit Fieber, Durchfall und Erbrechen auftritt, kann eine Austrocknung des Kindes die Folge sein. In allen diesen Fällen sollte eine Fiebersenkung erwogen werden.

Keinesfalls ist die Höhe des Fiebers ausschlaggebend für die Entscheidung, das Fieber zu senken. Bis 42 ° passiert meist nichts. Und 42° werden sehr, sehr selten erreicht.

Wie Fieber senken?

Als Medikamente kommen im Kindesalter Paracetamol und Ibuprofen in Betracht. Beide Medikamente sind sehr sicher, wenn man die exakte Dosierung beachtet. Beide gibt es als Saft oder als Zäpfchen. Acetylsalicalsäure sollte im Kindesalter vermieden werden wegen der seltenen, aber oft lebensbedrohlichen Entwicklung eines Rye-Syndroms.

Wadenwickel machen nur einen Sinn, wenn das Fieber nicht mehr steigt. Den Fieberanstieg erkennt man am Schüttelfrost und an den kalten Armen und Beinen – hier sollte das Kind besser zugedeckt werden. Das Fieber ist und bleibt hoch, wenn die Haut sich warm bis heiß anfühlt. Wenn das Fieber fällt, schwitzt das Kind.

Für den Wadenwickel benutzt man übrigens lauwarmes, nie kaltes Wasser. Um den Wadenwickel kommt ein trockenes Tuch. Drei Wadenwickel in der Stunde, dazwischen drei gleichlange Pausen sind ein erprobtes Schema.

Fieberkrämpfe

Fieberkrämpfe sind für die Eltern ein sehr dramatisches Ereignis. Fieberkrämpfe sind nicht so selten: 2 bis 5 % aller Kinder machen – meist im Alter von 6 Monaten bis zu 4 Jahren – einen Fieberkrampf durch. Nur bei 2 bis 5 % aller Fieberkrämpfe folgt eine Epilepsie im späteren Lebensalter. Allgemein wird eine Fiebersenkung bei vorangegangenem Fieberkrampf empfohlen, obwohl sich in mehreren Untersuchungen gezeigt hat, dass die Häufigkeit der Krämpfe dadurch nicht vermindert werden kann.

Fieberkrämpfe dauern in der Regel nur wenige Minuten. Bringen sie ihr Kind in die stabile Seitenlage, vor allem, wenn es erbricht. Wenn der Krampf sehr lange andauert, z.B. länger als 10 bis 15 Minuten, rufen sie den Notarzt. Stellen sie auf jeden Fall jedes Kind nach einem Fieberkrampf dem Arzt vor.

Antibiotika sind keine Fiebersenker

Antibiotika helfen bei Infektionen durch Bakterien. Bei Viren sind sie völlig nutzlos. Die häufigste Ursache fieberhafter Erkrankungen im Säuglings- und Kleinkindesalter sind Viren. Besonders verdächtig auf Viruserkrankungen sind begleitende Gliederschmerzen. Ein Virusinfekt ist auch anzunehmen, wenn die gründliche körperliche Untersuchung keinen Hinweis auf einen bakteriellen Infekt ergibt. Manchmal ist es notwendig, Blut oder Urin zu untersuchen, um einen bakteriellen Infekt auszuschließen.

Quellen

Patientenleitlinien.de: Fieber im Kindesalter

Medline plus: Fever

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„Ich habe Schmerzen im Brustkorb, kann es das Herz sein?“, das ist eine nicht ganz so seltene Frage in der Hausarztpraxis. Meistens ist es (zum Glück) nicht das Herz, sondern in 46 % der Fälle ist die Ursache der Schmerzen in Muskeln, Gelenken und Knochen des Brustkorbs zu finden. Nur bei 15 % aller Patienten über 35 Jahre stecken Herzbeschwerden hinter dem Stechen, Drücken oder Ziehen im Brustkasten. Infektionen der Atemwege, Rückfluss von Säure in die Speiseröhre, hoher Blutdruck, seelische Probleme und natürlich auch ein Sturz von der Treppe oder ein Autounfall können Schmerzen im Brustkorb auslösen.

Hier kann es beim Herzinfarkt schmerzen © Wikimedia Commons, J. Heuer

Für den Hausarzt ist es sehr wichtig, innerhalb kürzester Zeit zu entscheiden, ob eine Herzerkrankung hinter dem Schmerz wahrscheinlich ist oder nicht.

Der Marburger Herzscore

Allgemeinmediziner unter der Leitung von Professor Dr. Norbert Donner-Banzhoff haben ein einfaches, aber wirksames Schema, den „Marburger Herzscore“ entwickelt, mit dem eine gute Abschätzung der Frage: „Ist es das Herz?“ möglich wird.

Der Marburger Herzscore umfasst fünf Fragen:

1.) Alter? (Nei Männern über 55, bei Frauen über 65 Jahren) – 1 Punkt
2.) Bekannte Gefäßerkrankung? (Schlaganfall, Durchblutungsstörung der Beine, früherer Herzinfarkt etc.) – 1 Punkt
3.) Die Beschwerden werden unter Belastung schlimmer – 1 Punkt
4.) Die Beschwerden werden nicht schlimmer, wenn man auf den Schmerzpunkt drückt – 1 Punkt
5.) Der Patient vermutet, dass seine Beschwerden vom Herzen kommen – 1 Punkt.

Bei allen Patienten, die 0 bis 2 Punkte erlangen, ist die Wahrscheinlichkeit einer Herzerkrankung als Ursache für den Brustschmerz sehr gering, in der Studie der Marburger Allgemeinärzte lag sie unter 2,5%.

Bei drei Punkten hat nur jeder vierte eine ernsthafte Durchblutungsstörung der Herzkranzgefässe, bei vier und fünf Punkten stieg die Wahrscheinlichkeit auf 65 %.

Der Marburger Herzscore ist nur eines von vielen diagnostischen Mitteln, die Ihr Hausarzt anwendet. Er soll Sie jetzt nicht davon abhalten, bei ernsthaften Beschwerden Ihren Arzt aufzusuchen.

Und überhaupt: Bei plötzlichem heftigem Schmerz im Brustkorb, möglicherweise verbunden mit Luftnot, (kaltem) Schweißausbruch und/oder Kollaps ist immer die Notrufnummer 112 die beste Wahl.

Besonders interessant (und neu) am Marburger Herzscore: Die Selbsteinschätzung des Patienten stellt einen wichtigen Baustein der Diagnose dar. Dieser Gesichtspunkt wurde wahrscheinlich bisher vernachlässigt. Der Leiter der Studie: „Bei der Auswertung zeigte sich, dass manches Lehrbuch überholt ist“.

Quellen

DEGAM Leitlinie Nr 15: Brustschmerz

CMAJ, September 7, 2010 vol. 182 no. 12 First published July 5, 2010, doi: 10.1503/cmaj.100212: Ruling out coronary artery disease in primary care: development and validation of a simple prediction rule – Veröffentlichung der Marburger Studie

Pressemitteilung der Universität in Marburg zur Studie

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Bin ich, mein Partner, mein Vater, meine Mutter oder wer auch immer alkoholabhängig? Diese Frage wird mir in der Praxis oft gestellt. Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit, kein moralisches Versagen. Nicht jeder, der zuviel trinkt, ist abhängig. Diese Menschen gefährden ihre Gesundheit durch zuviel Alkohol, wir sprechen in diesem Zusammenhang vom „schädlichen Gebrauch“.

„Abhängigkeit“ und „schädlicher Gebrauch von Alkohol“ sind zwei verschiedene Dinge, obwohl die Grenzen fließend sind. Alkoholabhängige können ihren Konsum nicht mehr kontrollieren, Abhängige brauchen Hilfe. Es gibt andererseits Menschen, die zuviel trinken und damit ihre Gesundheit gefährden oder schädigen. Solange sie nicht abhängig sind, brauchen sie Rat und Information.

Cage und Audit sind zwei Untersuchungsmethoden, die helfen sollen, die Wahrscheinlichkeit einer Alkoholabhängigkeit abzuklären.

CAGE – der Käfig – zuverlässig und kurz

Der CAGE – Test wurde schon in den 1970er Jahren entwickelt und hat in der täglichen Praxis und in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen seinen Nutzen unter Beweis gestellt.

Der CAGE Test besteht aus vier einfachen Fragen:

1.) Cut down: „Haben Sie schon mal das Gefühl gehabt, Sie müssten Ihren Alkoholkonsum vermindern?“

2.) Annoyed: „Haben Sie sich schon mal geärgert, weil andere Ihr Trinkverhalten kritisiert haben?“

3.) Guilty: „Hatten Sie schon mal Gewissensbisse wegen Ihres Alkoholkonsums?“

4.) Eye opener: „Haben Sie schon mal morgens getrunken, um Ihre Nerven zu beruhigen oder einen Kater zu vertreiben?“

Geben Sie sich je einen Punkt für jedes „Ja“. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie alkoholkrank sind, beträgt:

bei einem Punkt 62 %,
bei zwei Punkten 82 %,
bei drei Punkten 99 %,
und bei 4 Punkten fast 100 %.

AUDIT – von der WHO empfohlen

Der AUDIT (Alcohol use disorders identification test) ist etwas umfangreicher, er wurde 1982 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt, beim AUDIT müssen 10 Fragen beantwortet werden, die Punktzahl geht von 0 bis 40, ab 8 Punkten wird eine Alkoholabhängigkeit wahrscheinlich. Den AUDIT-Test können Sie z.B. hier auf den Seiten der Drogenberatung Hamburg durchführen.

Ich bin abhängig – was jetzt?

Wenn Sie glauben, dass Sie ein ernsthaftes Alkoholproblem haben, wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt. Reden Sie am besten nicht um den heißen Brei herum, sprechen Sie das Problem direkt an. Es gibt eine Vielzahl von Hilfen.

Auch die Selbsthilfegruppen für Alkoholabhängige helfen Ihnen gerne weiter.

Die Abhängigkeit ist nicht Ihre Schuld, keiner wird Ihnen einen Vorwurf machen. Unternehmen Sie den ersten Schritt noch heute!

Quellen und weiterführende Links

Selbsthilfe in Ihrer Nähe

Suchmaschine der Freundeskreise

Anonyme Alkoholiker

Blaues Kreuz

Guttempler

Kreuzbund

Quellen

JAMA: Detecting Alcoholism, The CAGE Questionnaire

Addictions and Recovery

AUDIT auf Deutsch

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„Hilfe! Mein Mann kommt gerade aus dem Krankenhaus, dort haben sie ORSA festgestellt! Müssen wir jetzt alle mit Kittel und Mundschutz herumlaufen?“ Solche oder ähnliche Alarmmeldungen höre ich in letzter Zeit immer häufiger. „Ruhig Blut!“ ist meine Antwort. „Ein gesunder Mensch wird von ORSA nicht krank. ORSA – das ist ein (allerdings großes) Problem in der Krankenhaushygiene. Hier zu Hause müssen wir auch gewisse Regeln beachten, aber das ist bei weitem nicht so schlimm wie während des stationären Aufenthaltes.“

ORSA sind Staphylokokken


ORSA – Was ist das?

ORSA ist die Abkürzung für Oxacillin resistenter Staphylococcus aureus. Manchmal wird er auch MRSA, Methicillin resistenter Staphylococcus aureus, genannt. Staphylokokken sind potentielle Eitererreger, die bei allen Menschen auf der Haut und auf den Schleimhäuten vorkommen können. Bei allen Menschen, also auch völlig gesunden, die keinerlei Eiterung oder sonstige Anzeichen einer Infektion zeigen. Wir sprechen in solchen Fällen nicht von einer Infektion, sondern von einer Besiedelung mit S. aureus. Im Krankenhaus zeigen sich in den letzten Jahren Stämme dieser Eitererreger, die resistent gegen eine Vielzahl von Antibiotika sind und als ORSA oder MRSA bezeichnet werden. Ein ORSA-Keim ist also ein multiresistenter Staphylokokkus aureus.

Gefährlicher Krankenhauskeim

Und im Krankenhaus macht dieser Keim Probleme. Geschwächte Patienten, also z.B. solche mit Krebserkrankungen, auf der Intensivstationen oder mit Blasen- oder Venenkathetern sind gefährdet durch die Infektion mit ORSA. Deswegen muss die Ausbreitung mit ORSA in den Krankenhäusern mit aller Macht verhindert werden. Dies geschieht dadurch, dass die Patienten alleine oder mit anderen ORSA-Patienten in einem Zimmer liegen. Die Besucher müssen vor Betreten des Zimmers einen Kittel und einen Mundschutz überziehen, diese Verkleidung müssen sie vor Verlassen des Raums wieder in einem speziellen Behälter entsorgen. Vor Verlassen des Raums müssen die Besucher sich die Hände mit einem Desinfektionsmittel desinfizieren. Das gleiche gilt natürlich auch für Ärzte, Krankenschwester und Pfleger. Der Patient muss Kittel und Mundschutz tragen, wenn er den Raum für Untersuchungen und dergleichen verlässt. Durch diese – für den Patienten und Besucher psychisch sehr belastenden Maßnahmen – soll die Ausbreitung von ORSA im Krankenhaus verhindert werden.

Wird man ORSA auch wieder los?

Die Besiedelung mit ORSA Keimen kann man auch wieder loswerden. Während gegen eine gefährliche Infektion bestimmte Reserve-Antibiotika eingesetzt werden, ist dies bei der Besiedelung nicht angebracht. Hier werden antibiotische Nasensalben, desinfizierende Mund- und Rachenspülungen und desinfizierende Mittel für die Haut und die Haare eingesetzt. Das muss ein paar Tage hintereinander durchgeführt werden, dann werden die Abstriche kontrolliert und wenn es geklappt hat, der Patient für ORSA-frei erklärt. Eine Erleichterung für viele Patienten!

Was muss ich als ORSA-Patient zu Hause beachten?

Im Gegensatz zu den Maßnahmen im Krankenhaus darf Sie zu Hause jeder besuchen, ohne Mundschutz und ohne Kittel. Einschränkungen gelten lediglich für Säuglinge sowie für immungeschwächte Patienten, z.B. solche mit Chemotherapie wegen einer Krebserkrankung. Auch Patienten mit offenen Wunden wie z.B. Unterschenkelgeschwüren sollten sich ein wenig vorsehen.

Der Pflegedienst, der zu Ihnen kommt, muss informiert werden. Die Schwestern und Pfleger müssen besondere Maßnahmen ergreifen, sonst tragen sie den Keim von Haus zu Haus. Natürlich muss auch Ihr Hausarzt Bescheid wissen, im Normalfall sollte er der Erste sein, der von der Klinik noch vor der Entlassung informiert wird.

Der Hausarzt sollte dann die Informationen an den Pflegedienst weiter geben, außerdem kann er mit Ihnen besprechen, ob und wann eine Sanierung der ORSA-Besiedlung in Angriff genommen werden kann.

Quellen

Robert Koch-Institut: Staphylokokken-Erkrankungen, insbesondere Infektionen durch MRSA

Universitätsklinikum Heidelberg: MRSA/ORSA-Informationsbroschüre (pdf)

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Die US Preventive Services Task Force, eine Expertenkommission, die die amerikanische Regierung berät, kommt zu dem Schluss, das der PSA Test zur Früherkennung des Prostatakrebses wenig sinnvoll ist. Nirgend wo sonst auf der Welt wird dieser Test so oft durchgeführt. In den USA leben 44 Millionen Männer über 50 Jahre, 33 Millionen davon haben laut Spiegel online schon einen PSA-Test machen lassen.

Männliche Anatomie © Wikicommons, Lizenz unten


Dr Otis Brawley, Vorsitzender der amerikanischen Krebsgesellschaft, stellte erst kürzlich fest: In den USA wird während des ganzen Lebens bei einem von sechs Männern ein Prostatakrebs festgestellt (und meist behandelt), in Westeuropa nur bei einem von 10 Männern. Und trotzdem: In beiden Regionen sterben gleich viel Männer an einem Krebs der Prostata, nämlich einer von 36.

Daraus kann man schlussfolgern, dass die Früherkennung des Prostatakrebses nicht sehr effektiv ist und insbesondere das häufige Bestimmen des PSA-Wertes in den USA ohne Wert für das Überleben der betroffenen Männer bleibt.

Früherkennung des Prostatakrebses kann zu unnötigen Behandlungen führen. Behandlungen, die Nebenwirkungen wie Impotenz und Inkontinenz nach sich ziehen können. Das grundlegende Problem: Viele Männer sterben mit dem Prostatakrebs, aber nicht wegen des Prostatakrebses. Es gibt aber bis heute noch keine zuverlässige Methode, „Haustierkrebse“ von „Raubtierkrebsen“ zu unterscheiden.

Hoffentlich kommt die medizinische Forschung bald zu einer Lösung diesen Dilemmas.

Quellen

Medical News Today: „Drop Routine PSA Test For Prostate Cancer Says US Panel“

Deutsches Krebsforschungszentrum, AOK und Uni Bremen: Entscheidungshilfe PSA-Test

Krebsinformationsdienst: Prostatakrebs, Teilkapitel Früherkennung: PSA-Test noch immer umstritten

American Cancer Society zum Thema

Medscape Family Medicine: Recommendation Against Routine PSA Screening in US

Lizenz der Abbildung oben auf Wikimedia Commons

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Die Grippezeit naht, Impfungen gegen die Virusgrippe haben bei uns in der Praxis jetzt Hochkonjunktur. Fast bei keiner anderen medizinischen Maßnahme gibt es so viele Missverständnisse wie bei der Grippeimpfung.

Grippeimpfung bei der Navy


„Nach der Impfung habe ich gerade erst richtig die Grippe bekommen!“

Diesen Satz höre ich oft von Patienten, die sich früher regelmäßig gegen Grippe impfen ließen, jetzt aber die Impfung kategorisch ablehnen. Dabei haben meine Patienten völlig recht. Sie waren sterbenskrank nach der Impfung, doch hatte dies oft gar nichts mit der Grippeimpfung zu tun. Viele lassen sich erst dann impfen, wenn die Grippewelle schon so richtig im Gange ist; wenn die Zeitungen und das Fernsehen täglich darüber berichten, wie die Grippe das Arbeitsleben lahm legt, die Krankenhäuser überfüllt und die Sterbefälle ansteigen. Das passiert jedes Jahr zu einem etwas unterschiedlichen Zeitpunkt und die Grippewelle ist auch mal stärker und mal schwächer. Im letzten Winter verlief sie sehr bescheiden etwa von Ende Dezember bis Anfang März. Die Grippeimpfung braucht aber zwei Wochen, bis sie wirkt. Wer sich impfen lässt, wenn alles um ihn herum schon schnauft und schnieft, der hat den (Influenza-)Virus möglicherweise schon in sich, wenn er die Grippespritze bekommt. Erkrankt wäre er an Grippe so oder so, die Impfung hat nichts damit zu tun.

200 verschiedene Viren verursachen „grippale Infekte“

Es kann natürlich auch sein, dass unser Impfskeptiker sich einen ganz anderen Virus eingefangen hat als den Influenzavirus. Die Grippeimpfung schützt aber nur vor der „echten“ Grippe, ausgelöst durch Influenzaviren. Auch die anderen Erkältungen können ganz schön heftig verlaufen. Die Grippeimpfung schützt nicht davor.

Schutz bei weitem nicht zu 100%

Aber auch vor der echten Grippe schützt die Impfung nicht zu hundert Prozent. Das hat mehrere Gründe. Zum einen kann der Virusmix falsch sein und gegen andere Grippeviren gerichtet sein, als tatsächlich zu uns kommen. Grippeimpfstoffe werden aufgrund der Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO hergestellt. Die WHO nimmt an, dass die Grippeviren, die im letzten Sommer auf der Südhalbkugel die Menschen heimgesucht haben, uns im kommenden Winter im Norden quälen werden.

Das hat was für sich, muss aber nicht sein. Grippeviren sind erfinderisch und ändern sich dauernd. Wann genau sie sich mal wieder verwandeln, weiß niemand. Im Moment lautet die Empfehlung der WHO, denselben Impfstoff zu verwenden, wie er im letzten Jahr zur Anwendung kam. Trifft die WHO-Empfehlung ins Schwarze, schützt die Impfung diesmal gut, kommt ein anderer Virus, ist die Wirkung schwach.

Aber auch bei einem total gut passenden Virusmix ist der Schutz gegen eine Grippeerkrankung alles andere als vollständig. Die Daten aus den vorhandenen Studien sind aber sehr unterschiedlich: Es gibt Studien, die zeigen nur 25 % Schutz, andere bis zu 90 %. Große Studien zur Grippeimpfung sind schwer durchzuführen. Würden Sie gerne als Proband an einer Studie teilnehmen, bei der Sie nicht wissen, ob Sie eine Grippeimpfung oder nur ein Placebo gespritzt bekommen?

Schutz abhängig vom Alter

Je älter der Mensch, desto schwächer reagiert er auf Impfungen. So nimmt die Reaktion genau in den Altersgruppen ab, in der der Schutz am wichtigsten wäre: bei den über 60 jährigen. Gerade alte Menschen sind besonders von Grippekomplikationen betroffen, reagieren aber mit zunehmendem Alter zunehmend schwächer auf die Impfung. Einen Vorteil können aber die älteren Menschen trotzdem verbuchen: Gegen Viren, die schon vor vielen Jahren zirkulierten, sind sie immer noch immun. Das zeigte sich bei der Schweinegrippe – hier wurden die Alten selten krank. Übrigens: Die Impfung der Kontaktpersonen alter Mensch ist oft sehr viel ergiebiger ist als die der Alten selbst. Würde man die Enkel, die Altenpfleger und die behandelnden Ärzte impfen, könnte man eine deutliche Verbesserung des Impfschutzes erreichen.

Wer sollte sich impfen lassen?

Geimpft werden sollten:

* Alle Menschen, die älter sind als 60 Jahre

* Alle Menschen, die eine chronische Erkrankung wie z.B. Diabetes, eine Herz- oder Lungenerkrankung haben

* Alle Menschen, die in Berufen mit reichlich Publikumsverkehr arbeiten

* Alle Menschen, die andere Hochrisikogruppen anstecken könnten, z.B. Altenpfleger, Krankenschwester und Pfleger, Ärzte

* Alle Menschen, die in Heimen leben

* Ale Menschen mit Abwehrschwäche, z.B. durch AIDS, Organtransplantation etc.

* Alle Schwangere im zweiten und dritten Drittel der Schwangerschaft

* Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, die sich durch Grippe verschlechtern

Und die Nebenwirkungen?

Ja, die gibt es, wie bei allen medizinischen Maßnahmen, die wirklich etwas wirken. Die Grippeimpfung ist allerdings gut verträglich.

Im wesentlichen gibt es vier Gruppen von Nebenwirkungen.

* Zur ersten Gruppe von Nebenwirkungen, die bei zwischen eins und vier Prozent der Geimpften auftritt, zählen Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen – eine abgeschwächte Grippe also.

* Über Schmerzen an der Injektionsstelle klagen 0,8 % der Geimpften.

* Allergische Reaktionen sind sehr selten und betreffen vor allem Menschen, die an einer Allergie gegen Hühnereiweiß leiden.

* Das Guillain-Barré-Syndrom ist eine schwerwiegende Erkrankung des Nervensystems. Es tritt ohne Grippeimpfung ca. in 20 Fällen auf 1 Million Einwohnern auf. Die Ursachen sind weitgehend unbekannt, auch Viruskrankheiten werden als Auslöser diskutiert. Die Grippeimpfung erhöht das Risiko um 1,6 Fälle/ Million Geimpfter.

Nebenwirkungen sind demnach kein Grund, die Grippeimpfung zu versäumen.

Impfung gesunder Erwachsener bringt keinen Vorteil

Leider zeigt sich in einer Vielzahl von Studien, dass die Impfung gesunder Erwachsener keinen gesundheitlichen Vorteil bringt. Noch nicht einmal die Zahl der „gelben Scheine“ wegen grippaler Infekte wird dadurch verringert.

Schlussfolgerung

Der Effekt der Grippeimpfung ist schwer abzuschätzen.Der Nutzen ist am größten bei alten, kranken und abwehrgeschwächten Menschen, bei Gesunden geht er gegen Null. Schwestern, Pfleger und Ärzte schützen weniger sich selbst als ihre Klienten. Die geringe Zahl von Nebenwirkungen bedeutet für mich: Im Zweifelsfall impfen!

Quellen

Impfempfehlungen des Robert Koch.Instituts

Epidemiologisches Bulletin vom 1.8.11

RKI: Informationen über aktuelle Grippeimpfstoffe

Empfehlungen der Ständigen Impfkommission zur Grippeimpfung

Verlauf der Grippe in der Saison 2010/2011 auf den Seiten des RKI

Vaccines for preventing influenza in the elderly – Eine Übersichtsarbeit in der Cochrane Library

Influenza vaccination for healthcare workers who work with the elderly – Cochrane Review

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