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Archive for the ‘Medizin’ Category

Mythos: Jeder muss jeden Tag Stuhlgang haben

Drei Mal am Tag oder drei Mal in der Woche ist völlig normal. Wenn Sie sowieso unter Verstopfung leiden, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen, wenn der Stuhlgang zwei Wochen und länger ausbleibt. Eine plötzliche, unerwartete Verstopfung, besonders mit Bauchschmerzen, ist immer alarmierend.

© Evert Meijs, Wikimedia. commons

Mythos: Verstopfung vergiftet mich oder schafft andere gesundheitliche Probleme

Es gibt keinen Hinweis darauf, dass der Stuhl, der in Ihrem Dickdarm „geparkt“ wird, Vergiftungserscheinungen auslöst. Es gibt auch keinen Hinweis, dass dadurch andere gesundheitliche Probleme wie z.B. Dickdarmkrebs oder Ähnliches heraufbeschworen werden.

Mythos: Wenn ich verstopft bin, kann ich nicht abnehmen

Der Stuhl wird im Dickdarm aufbewahrt. Dort wird ihm lediglich Wasser entzogen, keine weiteren Nährstoffe. Die Nahrung wird also gleich gut ausgenutzt, wenn Sie drei mal am Tag oder drei Mal in der Woche zur Toilette gehen.

Mythos: Bananen stopfen

Bananen stopfen nicht. Bananen fördern die Verdauung genauso wie anderes Obst und Gemüse. Pflaumen, ob roh oder getrocknet fördern die Verdauung scheinbar besonders gut, auch Pflaumensaft. Dasselbe gilt für Tomaten und rote Beete. Stopfend wirken Kuchen und helles Brot sowie Flüssigkeitsmangel!

Mythos: Verschluckte Kaugummis führen zur Verstopfung

Da muss man schon eine ganze Menge Kaugummis schlucken, um eine Verstopfung auszulösen. Hin und wieder ein Kaugummi verschlucken schadet dem Menschen gar nicht. Das Kaugummi landet genau so in der Toilette wie alle anderen Nahrungsmittel auch.

Mythos: Den Stuhlgang aufhalten schadet nicht

Den Stuhlgang „verkneifen“ führt tatsächlich häufig zur Verstopfung. Man/Frau sollte dem verspürten Drang möglichst bald nachgeben, ein Ignorieren kann unangenehme Folgen haben. Auch eine Erziehung zur Regelmäßigkeit kann helfen: z.B. jeden Morgen nach dem Frühstück die Toilette aufsuchen, auch wenn es noch gar nicht drückt.

Verstopfung ist nur was für alte Leute

Das stimmt leider gar nicht, im Gegenteil: Besonders bei Kindern, die nicht ausreichend Vollkornbrot, Obst und Gemüse essen, nicht ausreichend trinken und sich ungern bewegen, ist Verstopfung ein häufiges Übel. Und ein häufiger Grund für unklare, manchmal heftige Bauchschmerzen!

Mythos: Blut im Stuhl hat man schon mal

Sichtbares Blut im Stuhl ist immer ein Warnzeichen. Auch wenn man Hämorrhoiden hat. Bei Blut im Stuhl sollte immer der Arzt aufgesucht werden. Blut im Stuhl kann ein Frühzeichen für Dickdarmkrebs sein. Das gilt gerade und besonders dann, wenn das Blut genau dann auftritt, wenn sich die Stuhlgangsgewohnheiten verändert haben.

Quellen und weiterführende Links

Medizininfo.de. Verstopfung

Uni Marburg: Warum ist die Banane gesund?

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Von Fieber spricht man, wenn die im After (rektal) gemessene Körpertemperatur über 38 Grad Celsius liegt. Normal liegt die Körpertemperatur beim Menschen zwischen 36 und 37 Grad, ab 37° bis etwa 38° spricht man von erhöhter Körpertemperatur.

digitales Fieberthermometer © Berthold Werner, Wikipedia

Am zuverlässigsten: Rektale Messung mit einem digitalen Fieberthermometer

Am zuverlässigsten misst man beim Kind mit einem digitalen Fieberthermometer im After. Thermometer aus Glas zerbrechen leicht und die Messung dauert lange. Ohrthermometer zeigen falsche Werte an, wenn der Gehörgang zugeschwollen oder mit Ohrenschmalz verstopft ist, beides kommt nicht so selten vor. Auch bei einer Mittelohrentzündung ist die Messung mit dem Ohrthermometer nicht zuverlässig, die Temperatur wird in diesem Fall zu hoch gemessen, während bei Ohrenschmalz die Temperatur zu niedrig bestimmt wird. Thermometer, die die Temperatur an der Stirn des Kindes messen und einfache Teststreifen, die z.B. auf die Stirn aufgeklebt werden, sind in jedem Fall unzuverlässig.

Bei älteren Kindern kommt auch die Messung im Mund (unter der Zunge) in Frage. Die Temperatur dort liegt um 0,5° niedriger als im After. Unter der Achsel sind die Messwerte viel zu unzuverlässig.

Digitale Thermometer am preisgünstigsten

Digitale Fieberthermometer sind sehr preisgünstig: Um 5 Euro, oft noch darunter, sind sie in der Drogerie erhältlich. Ohrthermometer kosten ein vielfaches: Das einzige Ohrthermometer, das von der Stiftung Warentest ein „sehr gut“ erhielt, das „Braun Thermoscan“, gibt es von 30 Euro an aufwärts.

Nachteilig bei beiden Geräten im Vergleich zu den Glasthermometern ist die Batterie, die nach einiger Zeit gewechselt werden muss. Manchmal ist der Batteriewechsel auch gar nicht möglich oder so teuer oder so umständlich, dass man lieber ein neues anschafft. (Drei bis fünf Jahre Liegezeit oder 3000 bis 5000 Messungen werden als Haltbarkeit angegeben.)

Fieber hat vermutlich einen Sinn

Fieber ist nicht sinnlos und Fieber ist nicht die Krankheit. Der Körper des Menschen benutzt Fieber, um gegen Viren oder Bakterien zu kämpfen. Viele dieser Krankheitserreger können sich bei höheren Temperaturen nicht mehr so rasch vermehren, Fresszellen steigern ihre Aktivität und Antikörper werden schneller produziert. Bei vielen Infektionskrankheiten verkürzt Fieber die Krankheitsdauer.

Wann Fieber senken?

Manchmal, bei weitem nicht immer, leiden Kinder unter ihrem Fieber. Sie sind quengelig, können nicht schlafen und vor allem: sie wollen nicht trinken. Wenn die Trinkunlust zusammen mit Fieber, Durchfall und Erbrechen auftritt, kann eine Austrocknung des Kindes die Folge sein. In allen diesen Fällen sollte eine Fiebersenkung erwogen werden.

Keinesfalls ist die Höhe des Fiebers ausschlaggebend für die Entscheidung, das Fieber zu senken. Bis 42 ° passiert meist nichts. Und 42° werden sehr, sehr selten erreicht.

Wie Fieber senken?

Als Medikamente kommen im Kindesalter Paracetamol und Ibuprofen in Betracht. Beide Medikamente sind sehr sicher, wenn man die exakte Dosierung beachtet. Beide gibt es als Saft oder als Zäpfchen. Acetylsalicalsäure sollte im Kindesalter vermieden werden wegen der seltenen, aber oft lebensbedrohlichen Entwicklung eines Rye-Syndroms.

Wadenwickel machen nur einen Sinn, wenn das Fieber nicht mehr steigt. Den Fieberanstieg erkennt man am Schüttelfrost und an den kalten Armen und Beinen – hier sollte das Kind besser zugedeckt werden. Das Fieber ist und bleibt hoch, wenn die Haut sich warm bis heiß anfühlt. Wenn das Fieber fällt, schwitzt das Kind.

Für den Wadenwickel benutzt man übrigens lauwarmes, nie kaltes Wasser. Um den Wadenwickel kommt ein trockenes Tuch. Drei Wadenwickel in der Stunde, dazwischen drei gleichlange Pausen sind ein erprobtes Schema.

Fieberkrämpfe

Fieberkrämpfe sind für die Eltern ein sehr dramatisches Ereignis. Fieberkrämpfe sind nicht so selten: 2 bis 5 % aller Kinder machen – meist im Alter von 6 Monaten bis zu 4 Jahren – einen Fieberkrampf durch. Nur bei 2 bis 5 % aller Fieberkrämpfe folgt eine Epilepsie im späteren Lebensalter. Allgemein wird eine Fiebersenkung bei vorangegangenem Fieberkrampf empfohlen, obwohl sich in mehreren Untersuchungen gezeigt hat, dass die Häufigkeit der Krämpfe dadurch nicht vermindert werden kann.

Fieberkrämpfe dauern in der Regel nur wenige Minuten. Bringen sie ihr Kind in die stabile Seitenlage, vor allem, wenn es erbricht. Wenn der Krampf sehr lange andauert, z.B. länger als 10 bis 15 Minuten, rufen sie den Notarzt. Stellen sie auf jeden Fall jedes Kind nach einem Fieberkrampf dem Arzt vor.

Antibiotika sind keine Fiebersenker

Antibiotika helfen bei Infektionen durch Bakterien. Bei Viren sind sie völlig nutzlos. Die häufigste Ursache fieberhafter Erkrankungen im Säuglings- und Kleinkindesalter sind Viren. Besonders verdächtig auf Viruserkrankungen sind begleitende Gliederschmerzen. Ein Virusinfekt ist auch anzunehmen, wenn die gründliche körperliche Untersuchung keinen Hinweis auf einen bakteriellen Infekt ergibt. Manchmal ist es notwendig, Blut oder Urin zu untersuchen, um einen bakteriellen Infekt auszuschließen.

Quellen

Patientenleitlinien.de: Fieber im Kindesalter

Medline plus: Fever

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Das Übergewicht bei Kindern in Deutschland und Europa nimmt ständig zu. In den letzten Tagen wurden einige interessante Daten der IDEFICS-Studie veröffentlicht. Die IDEFICS-Studie untersuchte die Ursachen von Übergewicht an 16224 Kindern im Alter zwischen 2 und 10 Jahren in Belgien, Schweden, Estland, Deutschland, Ungarn, Spanien, Zypern und Italien.

Lecker Tomate! © Steffi Pelz/ http://www.pixelio.de

Die dicksten Kinder leben in Italien, Spanien und Zypern, die dünnsten in Belgien, Schweden und Estland. Deutschland nimmt eine Mittelstellung ein: Rund 16 % der Kleinen bei uns waren übergewichtig oder sogar adipös (BMI über 30), in Italien waren dies 42 %. Eindeutig war der Süden Europas stärker als der Norden betroffen, das Problem existiert aber in allen Ländern Europas.

Die Forscher aus ganz Europa fanden folgende Besonderheiten heraus, wenn ie dicke mit normalgewichtigen Kindern verglichen:

1.) Kinder, die zu wenig schlafen, werden dick! Vorschulkinder, die weniger als 9 Stunden schliefen, hatten ein um 300 % erhöhtes Risiko an Übergewicht zu erkranken, schliefen sie weniger als 11 Stunden, war das Risiko immer noch um 30 % höher. Die Zeit, in der sie hätten schlafen sollen, verbrachten viele Kinder vor dem Fernseher, vor dem Computer oder vor dem Videospiel.

2.) Kinder, die sich nicht bewegen, werden dick. War allgemein bekannt, oder? Kinder werden zu mehr Bewegung angeregt, wenn das Umfeld bewegungsfreundlich ist, wenn z.B. Spiel- und Sportplätze mit dem Rad oder zu Fuß leicht erreichbar sind.

3.) Armut als Risiko für Übergewicht? Kinder aus armen Familien hatten ein um 50 % höheres Risiko als die Kinder aus besser gestellten.

4.) Viel Obst und Gemüse, wenig Süßigkeiten und wenig süße Getränke hält auch Kinder schlank! Bei Erwachsenen wissen wir es schon lange, die IDEFICS-Studie zeigt, dass dies auch für Kinder gilt. So aßen die dünnen schwedischen Kinder viel öfter rohes und gekochtes Gemüse sowie Obst als die im Durchschnitt dickeren italienischen. Die Mittelmeerdiät mit viel Obst und Gemüse ist scheinbar bei den Kindern in den Norden Europas abgewandert!

Auch das Essen vor dem Fernsehen und das Trinken süßer Limonaden und Fruchtsäfte ist ein Risiko für Übergewicht.

Übergewicht bei Kindern hat viele schwerwiegende gesundheitliche Folgen: Diabetes bei Kindern nimmt zu, ebenso Gelenkbeschwerden und Bluthochdruck. Wenn es nicht gelingt, die Adipositas-Epidemie zu stoppen, dann ist zu befürchten, dass die jetzt heranwachsende Generation die erste seit Jahrhunderten ist, die kürzer lebt als ihre Eltern.

Quellen

EUFIC: Wie man Fettleibigkeit bei Kindern vermeiden kann – Neues von der IDEFICS-Studie

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Die ärztliche Schweigepflicht ist eine der ältesten Pflichten des Arztes. Sie wird schon im Eid des Hippokrates (460 bis 370 v.Chr.) beschworen:

Hippokrates


„…Was immer ich sehe und höre, bei der Behandlung oder außerhalb der Behandlung, im Leben der Menschen, so werde ich von dem, was niemals nach draußen ausgeplaudert werden
soll, schweigen, indem ich alles Derartige als solches betrachte, das nicht ausgesprochen werden darf…“


In Deutschland regelt zunächst einmal das Strafgesetzbuch die Schweigepflicht. Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe kann der bestraft werden, heißt es im Paragrafen 203, wer…

„…unbefugt ein fremdes Geheimnis, namentlich ein zum persönlichen Lebensbereich gehörendes Geheimnis oder ein Betriebs- oder Geschäftsgeheimnis, offenbart, das ihm als
…Arzt …anvertraut worden oder sonst bekanntgeworden ist…“

Darüber hinaus regeln die Berufsordnungen der Ärztekammern die Schweigepflicht. In der Musterberufsordnung der Bundesärtzekammer heißt es:

„Für jede Ärztin und jeden Arzt gilt folgendes Gelöbnis:….
Ich werde alle mir anvertrauten Geheimnisse auch über den Tod der
Patientin oder des Patienten hinaus wahren..“

Die Berufsordnungen der Ärztekammern in den einzelnen Bundesländern richten sich nach dieser Musterberufsordnung. Sie sehen Verwarnungen, Geldstrafen oder den Entzug der Mitgliedschaft für den Verstoß gegen die Schweigepflicht vor.

Die Schweigepflicht ist verbunden mit einem Zeugnisverweigerungsrecht, wie es in Paragraf 53 der Strafprozessordnung festgelegt ist. Das Zeugnisverweigerungsrecht bedeutet, dass der Arzt (in der Regel) nicht gezwungen werden kann, seinen Patienten vor Gericht zu belasten.

Die ärztliche Schweigepflicht gilt grundsätzlich gegenüber jedem und betrifft grundsätzlich alle Tatsachen, die der Arzt im Sprechzimmer oder beim Hausbesuch gehört oder gesehen oder sonst wahrgenommen hat. Das heißt, die Schweigepflicht gilt auch gegenüber dem Ehemann / der Ehefrau, den Kindern und anderen Verwandten. Der Arzt ist auch gegenüber den Eltern an die Schweigepflicht gebunden, wenn die Kinder über 15 Jahre alt sind (abhängig im Einzelfall von der Entwicklung des Kindes).

Die Schweigepflicht des Arztes endet nicht mit dem Tod des Patienten.

Die Schweigepflicht betrifft nicht nur medizinische, sondern alle persönlichen Belange des Patienten, z.B. auch finanzielle Angelegenheiten oder sexuelle Vorlieben.

Die Schweigepflicht ist so umfassend, dass der Arzt z.B. nicht mal der Polizei oder der Ehefrau die Frage beantworten muss, ob Sie heute bei in Behandlung waren oder gerade im Wartezimmer der Praxis sitzen.

Auch die Angestellten des Arztes sind zum Schweigen verpflichtet. Der Arzt muss seine Angestellten regelmäßig an diese Pflicht und an die Konsequenzen eines Verstoßes dagegen erinnern.

Die Schweigepflicht gilt auch gegenüber anderen Ärzten. Suchen Sie einen Spezialisten mit der Überweisung Ihres Hausarztes auf, so kann dieser in der Regel davon ausgehen, dass er Ihren Hausarzt informieren darf. Sie können aber beim Spezialisten definitiv den Wunsch anmelden, dass Ihr Hausarzt nicht informiert werden soll. Das gleiche gilt natürlich auch für das Krankenhaus.

Sie können Ihren Arzt von der Schweigepflicht entbinden. Häufig wird das von Ihnen zum Beispiel beim Abschluss einer Lebensversicherung von Ihnen verlangt.

In einigen Punkten ist der Arzt von der Schweigepflicht per Gesetz entbunden. Er muss z.B. die Diagnosen der Kassenärztlichen Vereinigung und den Krankenkassen mitteilen, um die Abrechnung zu ermöglichen oder die Arbeitsunfähigkeit zu begründen.

Sie können mit Ihrem Arzt über alles reden

Insgesamt ist die Schweigepflicht des Arztes ein hohes Gut, ohne die eine vertrauensvolle ärztliche Behandlung gar nicht möglich wird.

Besprechen Sie mit Ihrem Arzt nicht nur die medizinischen Details Ihrer Beschwerden. Reden Sie über alles, was Sie bedrückt. Für einen guten Hausarzt ist es wichtig zu wissen, ob Sie z.B. gerade arbeitslos geworden sind, Ihr Mann oder Ihr Freund fremd geht oder Ihre Frau / Ihre Freundin sich von Ihnen trennen will. Möglicherweise können Sie sich dadurch unnötige Untersuchungen ersparen. Und Sie können sicher sein: Kein Wort wird das Sprechzimmer verlassen.

Quellen

Bundesärztekammer: (Muster-)Berufsordnung

Dtsch Arztebl 2005; 102(5): A-289 / B-237 / C-224: Die ärztliche Schweigepflicht

Gesetze im Internet: Strafgesetzbuch

dejure.org: Strafprozeßordnung

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Das Kondom abgerutscht, die Pille vergessen, die Pille erbrochen oder gar keine Verhütung, vielleicht sogar Geschlechtsverkehr wider Willen, Vergewaltigung – was tun? Es gibt ja die Pille danach, aber wo gibt es die? Was muss ich beachten?

Wo bekomme ich die Pille danach?

Bei Ihrem Hausarzt, beim Frauenarzt und beim ärztlichen Notdienst. Rufen Sie besser vorher an.

Welche Substanz ist in der Pille danach enthalten?

In Deutschland sind zur Zeit Pillen mit Levonorgestrel und Ulipristal auf dem Markt. Levonorgestrel gibt es als PiDaNa® und als Levogynon®, Ulipristal als ellaone®. Levonorgestrel ist die am besten untersuchte Substanz, Ulipristal ist neu und noch nicht so gut untersucht.

Wann soll die Pille eingenommen werden?

So schnell wie möglich nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr, dann ist die Wirkung am besten. Levonorgestrel kann bis zu drei Tagen (72 Stunden) nach dem Geschlechtsverkehr noch wirken, Ulipristal hilft bis zu fünf Tagen danach.

Und die Nebenwirkungen?

Sind nicht so gravierend und vorübergehend. Übelkeit und Erbrechen, Spannungsgefühle in der Brust, Verschiebung der Tage nach vorne oder hinten – das sind die häufigsten Nebenwirkungen.

Was tun, wenn ich die Pille danach erbrochen habe?

Bei Erbrechen innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme: Sofort noch mal eine (PiDaNa®, Ellaone® ) oder zwei (Levogynon®) Tabletten einnehmen.

Wie wirkt die Pille danach?

Die Pille danach verhindert oder verzögert den Eisprung. Die Spermien können eine Reihe von Tagen überleben und auf das Ei „warten“. Findet innerhalb einiger Tage nach dem Geschlechtsverkehr kein Eisprung statt, dann sterben die Spermien ab und können kein Ei mehr befruchten.

Ob die Pille danach die Einnistung eines befruchteten Eis verhindert, ist unbekannt. Wahrscheinlich tut sie dies nicht. Und ganz bestimmt zerstört die Pille danach keine Schwangerschaft, sie ist also keine Abtreibungspille.

Schadet die Pille danach, wenn ich schon schwanger bin?

Pillen auf der Basis Levonorgestrel (PiDaNa®, Levogynon®) schaden der Schwangerschaft nicht, es besteht auch kein Fehlbildungsrisiko für das Kind. Bei Ellaone® mit dem Wirkstoff Ulipristal ist das nicht so sicher, hier muss eine Schwangerschaft vorher ausgeschlossen werden, bei Levonorgestrel ist das nicht unbedingt erforderlich.

Kann ich nicht immer die Pille danach nehmen?

Nein, wenn frau die Pille danach mehrmals in einem Zyklus einnimmt, lässt ihre Wirkung nach. Die Pille danach hat mehr Nebenwirkungen als die normale Pille. Und sie ist viel teurer.

Was ist die Spirale danach?

Die Spirale danach kann bis zu fünf Tage nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden. Es handelt sich um eine normale Kupferspirale, Hormonspiralen sind nicht geeignet. Sie behindert die Beweglichkeit der Spermien und verhindert die Einnistung eines befruchteten Eis. In einigen Fällen (z.B. Entzündungen) und bei bestehender Schwangerschaft darf sie nicht eingesetzt werden. Bei jungen Frauen kann eine Spirale die Fruchtbarkeit in nachfolgenden Jahren stören.

Die Spirale kann in den folgenden drei bis fünf Jahren liegen bleiben und für weiteren sicheren Schutz sorgen.

Was kostet die Notfallverhütung?

Bis zum 18. Lebensjahr kostet es nichts, bis zum 20. Lebensjahr muss die Praxisgebühr (10 Euro) und 5 Euro Rezeptgebühr bezahlt werden. Danach muss der volle Preis für die Medikamente/Spirale und ggf. das Einsetzen bezahlt werden.

Präparate mit dem Wirkstoff Levonorgestrel kosten um die 17 Euro, Ulipristal kostet 35 Euro, die Kupferspirale zwischen 130 und 180 Euro.

Pille danach in fast ganz Europa rezeptfrei

Die Pille danach ist in 17 europäischen Ländern und auch den USA rezeptfrei erhältlich. Dazu gehören auch die an Deutschland grenzenden Länder Österreich, Schweiz, Frankreich, Belgien und die Niederlande. In Frankreich und in Großbritannien wird die Pille danach in Schulen ausgegeben.

Wenn Sie grenznah wohnen: Vielleicht erwägen Sie einen kleinen Abstecher ins benachbarte Ausland?

Quellen

Cochrane Review: Interventions for emergency contraception.

Pro Famila: „Pille danach“ – ich brauche Hilfe

Neue Pille danach auf Basis von Ulipristal

Pro Famila: Spirale danach

Schwanger in Bayern.de : Notfallverhütung (Pille danach / Spirale danach!)

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„Ich habe Schmerzen im Brustkorb, kann es das Herz sein?“, das ist eine nicht ganz so seltene Frage in der Hausarztpraxis. Meistens ist es (zum Glück) nicht das Herz, sondern in 46 % der Fälle ist die Ursache der Schmerzen in Muskeln, Gelenken und Knochen des Brustkorbs zu finden. Nur bei 15 % aller Patienten über 35 Jahre stecken Herzbeschwerden hinter dem Stechen, Drücken oder Ziehen im Brustkasten. Infektionen der Atemwege, Rückfluss von Säure in die Speiseröhre, hoher Blutdruck, seelische Probleme und natürlich auch ein Sturz von der Treppe oder ein Autounfall können Schmerzen im Brustkorb auslösen.

Hier kann es beim Herzinfarkt schmerzen © Wikimedia Commons, J. Heuer

Für den Hausarzt ist es sehr wichtig, innerhalb kürzester Zeit zu entscheiden, ob eine Herzerkrankung hinter dem Schmerz wahrscheinlich ist oder nicht.

Der Marburger Herzscore

Allgemeinmediziner unter der Leitung von Professor Dr. Norbert Donner-Banzhoff haben ein einfaches, aber wirksames Schema, den „Marburger Herzscore“ entwickelt, mit dem eine gute Abschätzung der Frage: „Ist es das Herz?“ möglich wird.

Der Marburger Herzscore umfasst fünf Fragen:

1.) Alter? (Nei Männern über 55, bei Frauen über 65 Jahren) – 1 Punkt
2.) Bekannte Gefäßerkrankung? (Schlaganfall, Durchblutungsstörung der Beine, früherer Herzinfarkt etc.) – 1 Punkt
3.) Die Beschwerden werden unter Belastung schlimmer – 1 Punkt
4.) Die Beschwerden werden nicht schlimmer, wenn man auf den Schmerzpunkt drückt – 1 Punkt
5.) Der Patient vermutet, dass seine Beschwerden vom Herzen kommen – 1 Punkt.

Bei allen Patienten, die 0 bis 2 Punkte erlangen, ist die Wahrscheinlichkeit einer Herzerkrankung als Ursache für den Brustschmerz sehr gering, in der Studie der Marburger Allgemeinärzte lag sie unter 2,5%.

Bei drei Punkten hat nur jeder vierte eine ernsthafte Durchblutungsstörung der Herzkranzgefässe, bei vier und fünf Punkten stieg die Wahrscheinlichkeit auf 65 %.

Der Marburger Herzscore ist nur eines von vielen diagnostischen Mitteln, die Ihr Hausarzt anwendet. Er soll Sie jetzt nicht davon abhalten, bei ernsthaften Beschwerden Ihren Arzt aufzusuchen.

Und überhaupt: Bei plötzlichem heftigem Schmerz im Brustkorb, möglicherweise verbunden mit Luftnot, (kaltem) Schweißausbruch und/oder Kollaps ist immer die Notrufnummer 112 die beste Wahl.

Besonders interessant (und neu) am Marburger Herzscore: Die Selbsteinschätzung des Patienten stellt einen wichtigen Baustein der Diagnose dar. Dieser Gesichtspunkt wurde wahrscheinlich bisher vernachlässigt. Der Leiter der Studie: „Bei der Auswertung zeigte sich, dass manches Lehrbuch überholt ist“.

Quellen

DEGAM Leitlinie Nr 15: Brustschmerz

CMAJ, September 7, 2010 vol. 182 no. 12 First published July 5, 2010, doi: 10.1503/cmaj.100212: Ruling out coronary artery disease in primary care: development and validation of a simple prediction rule – Veröffentlichung der Marburger Studie

Pressemitteilung der Universität in Marburg zur Studie

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Bin ich, mein Partner, mein Vater, meine Mutter oder wer auch immer alkoholabhängig? Diese Frage wird mir in der Praxis oft gestellt. Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit, kein moralisches Versagen. Nicht jeder, der zuviel trinkt, ist abhängig. Diese Menschen gefährden ihre Gesundheit durch zuviel Alkohol, wir sprechen in diesem Zusammenhang vom „schädlichen Gebrauch“.

„Abhängigkeit“ und „schädlicher Gebrauch von Alkohol“ sind zwei verschiedene Dinge, obwohl die Grenzen fließend sind. Alkoholabhängige können ihren Konsum nicht mehr kontrollieren, Abhängige brauchen Hilfe. Es gibt andererseits Menschen, die zuviel trinken und damit ihre Gesundheit gefährden oder schädigen. Solange sie nicht abhängig sind, brauchen sie Rat und Information.

Cage und Audit sind zwei Untersuchungsmethoden, die helfen sollen, die Wahrscheinlichkeit einer Alkoholabhängigkeit abzuklären.

CAGE – der Käfig – zuverlässig und kurz

Der CAGE – Test wurde schon in den 1970er Jahren entwickelt und hat in der täglichen Praxis und in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen seinen Nutzen unter Beweis gestellt.

Der CAGE Test besteht aus vier einfachen Fragen:

1.) Cut down: „Haben Sie schon mal das Gefühl gehabt, Sie müssten Ihren Alkoholkonsum vermindern?“

2.) Annoyed: „Haben Sie sich schon mal geärgert, weil andere Ihr Trinkverhalten kritisiert haben?“

3.) Guilty: „Hatten Sie schon mal Gewissensbisse wegen Ihres Alkoholkonsums?“

4.) Eye opener: „Haben Sie schon mal morgens getrunken, um Ihre Nerven zu beruhigen oder einen Kater zu vertreiben?“

Geben Sie sich je einen Punkt für jedes „Ja“. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie alkoholkrank sind, beträgt:

bei einem Punkt 62 %,
bei zwei Punkten 82 %,
bei drei Punkten 99 %,
und bei 4 Punkten fast 100 %.

AUDIT – von der WHO empfohlen

Der AUDIT (Alcohol use disorders identification test) ist etwas umfangreicher, er wurde 1982 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt, beim AUDIT müssen 10 Fragen beantwortet werden, die Punktzahl geht von 0 bis 40, ab 8 Punkten wird eine Alkoholabhängigkeit wahrscheinlich. Den AUDIT-Test können Sie z.B. hier auf den Seiten der Drogenberatung Hamburg durchführen.

Ich bin abhängig – was jetzt?

Wenn Sie glauben, dass Sie ein ernsthaftes Alkoholproblem haben, wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt. Reden Sie am besten nicht um den heißen Brei herum, sprechen Sie das Problem direkt an. Es gibt eine Vielzahl von Hilfen.

Auch die Selbsthilfegruppen für Alkoholabhängige helfen Ihnen gerne weiter.

Die Abhängigkeit ist nicht Ihre Schuld, keiner wird Ihnen einen Vorwurf machen. Unternehmen Sie den ersten Schritt noch heute!

Quellen und weiterführende Links

Selbsthilfe in Ihrer Nähe

Suchmaschine der Freundeskreise

Anonyme Alkoholiker

Blaues Kreuz

Guttempler

Kreuzbund

Quellen

JAMA: Detecting Alcoholism, The CAGE Questionnaire

Addictions and Recovery

AUDIT auf Deutsch

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