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Archive for the ‘Umweltmedizin’ Category

Das Übergewicht bei Kindern in Deutschland und Europa nimmt ständig zu. In den letzten Tagen wurden einige interessante Daten der IDEFICS-Studie veröffentlicht. Die IDEFICS-Studie untersuchte die Ursachen von Übergewicht an 16224 Kindern im Alter zwischen 2 und 10 Jahren in Belgien, Schweden, Estland, Deutschland, Ungarn, Spanien, Zypern und Italien.

Lecker Tomate! © Steffi Pelz/ http://www.pixelio.de

Die dicksten Kinder leben in Italien, Spanien und Zypern, die dünnsten in Belgien, Schweden und Estland. Deutschland nimmt eine Mittelstellung ein: Rund 16 % der Kleinen bei uns waren übergewichtig oder sogar adipös (BMI über 30), in Italien waren dies 42 %. Eindeutig war der Süden Europas stärker als der Norden betroffen, das Problem existiert aber in allen Ländern Europas.

Die Forscher aus ganz Europa fanden folgende Besonderheiten heraus, wenn ie dicke mit normalgewichtigen Kindern verglichen:

1.) Kinder, die zu wenig schlafen, werden dick! Vorschulkinder, die weniger als 9 Stunden schliefen, hatten ein um 300 % erhöhtes Risiko an Übergewicht zu erkranken, schliefen sie weniger als 11 Stunden, war das Risiko immer noch um 30 % höher. Die Zeit, in der sie hätten schlafen sollen, verbrachten viele Kinder vor dem Fernseher, vor dem Computer oder vor dem Videospiel.

2.) Kinder, die sich nicht bewegen, werden dick. War allgemein bekannt, oder? Kinder werden zu mehr Bewegung angeregt, wenn das Umfeld bewegungsfreundlich ist, wenn z.B. Spiel- und Sportplätze mit dem Rad oder zu Fuß leicht erreichbar sind.

3.) Armut als Risiko für Übergewicht? Kinder aus armen Familien hatten ein um 50 % höheres Risiko als die Kinder aus besser gestellten.

4.) Viel Obst und Gemüse, wenig Süßigkeiten und wenig süße Getränke hält auch Kinder schlank! Bei Erwachsenen wissen wir es schon lange, die IDEFICS-Studie zeigt, dass dies auch für Kinder gilt. So aßen die dünnen schwedischen Kinder viel öfter rohes und gekochtes Gemüse sowie Obst als die im Durchschnitt dickeren italienischen. Die Mittelmeerdiät mit viel Obst und Gemüse ist scheinbar bei den Kindern in den Norden Europas abgewandert!

Auch das Essen vor dem Fernsehen und das Trinken süßer Limonaden und Fruchtsäfte ist ein Risiko für Übergewicht.

Übergewicht bei Kindern hat viele schwerwiegende gesundheitliche Folgen: Diabetes bei Kindern nimmt zu, ebenso Gelenkbeschwerden und Bluthochdruck. Wenn es nicht gelingt, die Adipositas-Epidemie zu stoppen, dann ist zu befürchten, dass die jetzt heranwachsende Generation die erste seit Jahrhunderten ist, die kürzer lebt als ihre Eltern.

Quellen

EUFIC: Wie man Fettleibigkeit bei Kindern vermeiden kann – Neues von der IDEFICS-Studie

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Vegetarier leben eindeutig gesünder, aber: Ein bisschen Fleisch schadet nicht. So kann man die aktuelle Studienlage zusammenfassen. Vegetarier legen länger, sie erkranken seltener an Diabetes mellitus und leiden weniger an Übergewicht. Außerdem gibt es viele Hinweise darauf, dass Vegetarier seltener an Krebs erkranken.

Ein vegetarisches Mahl, © Corinn auf pixelio.de


Vegetarier und Vegetarier – das ist noch lange nicht dasselbe

Manche Vegetarier lehnen jede Form tierischer Nahrung ab, sie essen also auch keine Eier, trinken keine Milch und verwenden keinen Honig. (Viele dieser sogenannten „Veganer“ lehnen sogar Schuhe und Möbel aus Leder ab.) Andere Vegetarier essen zwar kein Fleisch, trinken aber Milch und essen Käse („Lakto-Vegetarier“), wieder andere akzeptieren Milch und Eier („Ovo-Lakto-Vegetarier“). Wieder andere lehnen zwar das Fleisch ab, nehmen aber sehr wohl Fisch zu sich. Eine letzte Gruppe ißt Fleisch nur in sehr seltenen Fällen („gemäßigte Vegetarier“).

Vegetarier achten nicht nur beim Essen auf ihre Gesundheit

Vegetarier rauchen weniger, trinken weniger Alkohol, sehen weniger fern und bewegen sich mehr als der Durchschnitt der Bevölkerung. Wissenschaftler versuchen, diese Effekte heraus zu rechnen, wenn sie den Gesundheitszustand der Vegetarier mit dem der Gesamtbevölkerung vergleichen. So ganz gelingt dies aber nie.

Die Heidelberger Vegetarierstudie

21 Jahre lang, von 1978 bis 1999 beobachtete ein Team unter der Leitung von Prof. Jenny Chang-Claude am Heidelberger Krebsforschungszentrum drei Gruppen von Vegetariern: Gemäßigte, die etwas Fleisch zu sich nahmen und reine Veganer, die weder Fleisch noch Milch noch Eier aßen sowie die Gruppe der Ovo-Lacto-Vegetarier, die Milch und Eier neben einer rein pflanzlichen Diät genießen.

In allen drei Gruppen war die Sterblichkeit gegenüber der Normalbevölkerung deutlich reduziert: Bei den Männern um die Hälfte, bei den Frauen um ein Drittel. Vor allem der Tod durch Herzinfarkt konnte reduziert werden, aber auch Krebs, Magendarm- und Atemwegserkrankungen waren seltener.

Besonders günstig schnitten die Teilnehmer ab, die nicht rauchten, Alkohol nur mäßig konsumierten, Übergewicht vermieden und sich regelmäßig körperlich bewegten. Auch hier, wie in vielen anderen Studien auch, erwies sich das Rauchen als der größte aller Einflussfaktoren auf die Sterblichkeit.

Die Adventisten-Studien

Die Siebenten-Tag-Adventisten sind eine protestantische Freikirche mit weltweit mehr als 16 Millionen Mitgliedern, die meisten davon leben in den USA. Die Anhänger dieser Glaubensrichtung halten sich sehr streng an bestimmte, vermutlich gesundheitsfördernde Regeln: Sie rauchen nicht und sie trinken wenig oder keinen Alkohol. Unter den Adventisten gibt es viele Vegetarier, aber auch viele Spielarten der Diät bis hin zu normaler (amerikanischer) Kost.

Das macht die Adventisten zu einer idealen Gruppe, um Einflüsse der vegetarischen Kost auf die Gesundheit zu untersuchen, ohne dass Störfaktoren wie Alkohol und Rauchen die Ergebnisse verfälschen.

Die Adventist Health Study-2 startete im Jahre 2002 und dauert bis heute an. Mit 96.000 Adventisten aus den USA und Kanada ist die Untersuchung eine der größten und umfangreichsten Studien zur Frage Gesundheit und vegetarische Ernährung weltweit.

Obwohl diese Studie och nicht abgeschlossen ist, lässt sich heute schon sagen: Vegetarier erkranken seltener an einer Koronaren Herzkrankheit (Herzkranzgefäßverengung), seltener an Diabetes und Übergewicht sowie seltener an Dickdarmkrebs.

Gibt es Nachteile bei vegetarischer Kost?

Bei Kleinkindern und Säuglingen, bei Schwangeren und Stillenden kann es bei der extremen Form der vegetarischen Ernährung, dem „Veganismus“ zu Mangelerscheinungen führen. Kleinkinder können dadurch in ihrem Wachstum und ihrer Entwicklung deutlich zurückbleiben. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, wenn sie diese Ernährungsform v.a. bei Kleinkindern praktizieren möchten. Eine ovo-lakto-vegetabile Ernährung sorgt hingegen in allen Lebensaltern für eine ausreichende Zufuhr sämtlicher Nährstoffe.

Quellen und weiterführende Links

Deutsches Ärzteblatt: Vegetarier weniger diabetesgefährdet

Deutsches Ärzteblatt: Studie: Fleischesser sterben früher

Spiegel der Forschung: Ernährung und Gesundheit von Vegetariern – Die Gießener Vegetarierstudie (pdf.)

Robert Koch-Institut: Was essen wir heute?

Deutsches Krebsforschungszentrum: Vegetarierstudie: Ein bisschen Fleisch schadet nicht, wenn man sonst gesund lebt

American Journal of Clinical Nutrition (auf PubMed): Vegetarian diets: what do we know of their effects on common chronic diseases?

Loma Linda University: Adventist Health Studies

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Vegane Ernährung: Nährstoffversorgung und Gesundheitsrisiken im Säuglings- und Kindesalter

Link zur Bildquelle: Pixelio.de

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Übermorgen, am 15. Oktober, ist es soweit: Auf der ganzen Welt werden sich Weblogs um das Thema Klimawandel drehen.
Der Klimawandel führt nicht nur zu schmelzenden Gletschern, überfluteten Küsten, Hunger und Krieg – er bedroht auch die Gesundheit der Menschen nicht nur in Asien oder Afrika, sondern auch bei uns in Deutschland.

Warum das so ist, darüber mehr hier am Donnerstag, dem 15. Oktober!

Ein Blog kann wenig ausrichten, aber am Donnerstag werden es Millionen weltweit sein!

Quellen
blogactionday.org

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Den Nobelpreis kennt jeder, aber wer kennt den Ig® – Nobelpreis ? „Ig“ steht für das englische Wort „ignoble“. „Ignoble“ heißt auf Deutsch: „gemein“, „schändlich“, „schmachvoll“, „unwürdig“.

Der Ig-Nobelpreis wird seit 1991 in Harvard, der ältesten Universität der USA, vergeben. Organisiert wird die ganze Veranstaltung vom wissenschaftlichen Satiremagazin „Improbable Research“ („unwahrscheinliche Forschung“).

Gestern wurden nun die Preisträger für das Jahr 2009 bekannt gegeben, heute Abend stellen die geehrten Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse vor.

Erhalten kann man die Nobelpreis-Parodie für ein Forschungsergebnis, das „nicht wiederholt werden kann oder wiederholt werden sollte“. Über die Resultate sollte man zuerst lachen können, um dann dann nachdenklich zu werden („first laugh, then think“).
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Lachen kann man über Frau Dr. Elena Bodnar. Sie hat einen Büstenhalter entwickelt, der im Notfall abgenommen und in zwei Gasmasken verwandelt werden kann – eine Maske für die Trägerin des BHs, die andere für einen Bedürftigen in der Nähe.

Und nachdenklich werden kann man auch. Frau Dr. Bodnar ist Ärztin an der Universität von Chicago. 1986 hatte sie viele der unglücklichen Kinder behandelt, die radioaktiven Staub in Tschernobyl eingeatmet hatten.

Quellen und weiterführende Links

Homepage des Satiremagazins „Improbable Research“ mit Darstellung aller Preisgewinner 2009

Stern.de: „So wird der BH zur Gasmaske“

Spiegel.de: „Ein BH, der Leben retten kann“

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373825_R_by_Dorothea-Jacob_pixelio.de©Dorothea Jacob auf pixelio.de

Foodwatch, ein gemeinnütziger deutscher Verbraucherschutzverein, prangerte den Missstand gleich zweimal in den letzten zwölf Monaten an: „Zuviel Uran im Mineralwasser“ hieß es vor einer Woche, „Uran im Leitungswasser – gefährlich für Säuglinge“ war das Thema einer Kampagne im August letzten Jahres. Übertriebene Panikmache oder berechtigte Sorge – ich habe versucht, die Fakten aufzuklären.

Wie kommt das Uran ins Wasser?

Uran kommt in verschiedenen chemischen Verbindungen überall auf der Erde vor: Im Erdboden, in der Luft, im Meer- und im Flusswasser und besonders konzentriert in uranhaltigem Gestein. Die Konzentration von Uran in der Umwelt wird gesteigert durch Uranhaltigen Dünger, durch Uranminen, durch Kernkraftwerke aber auch durch die Verbrennung von Kohle. Wegen seiner hohen Dichte wird Uran auch zur Herstellung von Geschossen und Panzern benutzt – in den Kriegen in Jugoslawien und im Irak wurden große Mengen von Uran freigesetzt, Zivilbevölkerung wie Soldaten erlitten gesundheitliche Schäden.

Wie schädlich ist Uran für den Menschen?

Die ehrliche Antwort zuerst: Nichts genaues weiß man nicht. Uran ist radioaktiv. Natürlich vorkommendes Uran schadet dem Menschen kaum durch seine Radioaktivität, es strahlt recht wenig, verglichen mit der natürlichen Hintergrundstrahlung, die ständig auf uns einwirkt.

Aber Uran ist ein giftiges Schwermetall, vielleicht so giftig wie Blei. Es gibt viele Hinweise darauf, dass Uran die Niere des Menschen schädigt. Aber leider nur wenig exakte Untersuchungen. Ich habe eine Studie aus Finnland und eine aus Kanada gefunden. Die Studien sind nicht sehr groß, die gefundenen Veränderungen betreffen nur einige Abweichungen in den Urintests, keine gravierenden Nierenschädigungen.

Im wesentlichen geben uns heute Tierversuche Auskunft darüber, wie giftig Uran ist. Aber die Ergebnisse aus Tierversuchen müssen in komplizierten Berechnungen (Schätzungen) auf den Menschen umgerechnet werden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO kommt aufgrund solcher Kalkulation zu dem Ergebnis, dass 15 μg (Mikrogramm, 1/1000tel Milligramm) Uran pro Liter Trinkwasser unbedenklich sind. (Der Berechnung liegt ein Mensch mit 60 kg Gewicht zugrunde, der zwei Liter Wasser am Tag trinkt und nicht mehr als 20 % des Urans mit der Nahrung aufnimmt.) Vermutlich wären auch 30 μg/l noch unbedenklich, stellt die WHO fest.

Keine Grenzwerte in Deutschland und Europa

30 μg Uran pro Liter Trinkwasser, dies ist auch der Grenzwert, der in den USA gesetzlich festgelegt wurde. In Deutschland gibt es keinen solchen Grenzwert, obwohl es technisch kein Problem mehr ist, Uran aus dem Trinkwasser zu entfernen. Grenzwerte für die Handelsware Mineralwasser – dies wäre Europaangelegenheit – aber auch dort tut sich bislang wenig.

Einen Grenzwert gibt es allerdings doch in Deutschland – Mineralwässer, die mit dem Hinweis: „Geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ beworben werden, dürfen höchstens 2 Mikrogramm Uran pro Liter enthalten.

Das ist löblich, allerdings: Es gibt keinen vernünftigen Grund, Mineralwasser anstelle von Leitungswasser für die Säuglingsnahrung zu verwenden. (Ganz abgesehen davon ist das Stillen des Säuglings die beste Alternative.)

Fazit

Die Lage ist verwirrend. Uran ist nicht gesund, aber wir kommen nicht darum herum. Täglich nehmen wir mit der Nahrung und dem Trinkwasser durchschnittlich 1 bis 18 Mikrogramm Uran auf, weltweit. Uran ist kein lebenswichtiges Spurenelement, es schadet der menschlichen Gesundheit, gesichert sind Schädigungen der Niere.

Die Diskussion um die zulässigen Grenzwerte von Uran im Trinkwasser ist in hohem Mass spekulativ. Nach dem heutigen Stand der Erkenntnis können alle deutschen Mineralwässer ohne gesundheitliche Bedenken konsumiert werden, auch das Trinkwasser aus der Leitung ist nach wie vor eines der best kontrollierten und gesündesten Nahrungsmittel Deutschlands.

Allerdings: Die gesetzliche Festlegung von Uran-Grenzwerten könnte sowohl den Wasserwerken als auch den Herstellern von Mineralwässern einen Anreiz geben, Uran aus dem Wasser zu entfernen, was technisch heutzutage leicht möglich ist.

Auf den Seiten von Foodwatch können sie nachsehen, wie stark ihr Trinkwasser und verschiedene Sorten Mineralwasser mit Uran belastet sind.

Quellen

Foodwatch.de: „Jedes achte Mineralwasser kritisch für Säuglinge“

Foodwatch.de: „Uran im Leitungswasser – gefährlich für Säuglinge“

Gesellschaft für Toxikologie: „Überschreitung der Tinkwasser-Leitwerte für Uran“

Umweltbehörde der USA: „Uranium“

TU Bergakademie Freiberg: „Uran in Trinkwasser (Leitungswasser, Mineralwasser, Tafelwasser, Heilwasser)“
Mit elektrischer Feder: „Uran – Sind wir jetzt alle verstrahlt?“

SWR: „Wie gefährlich ist Uran im Leitungswasser?“

Päivi Kurttio, Anssi Auvinen, Laina Salonen, Heikki Saha, Juha Pekkanen, Ilona Mäkeläinen, Sari B Väisänen, Ilkka M Penttilä, and Hannu Komulainen: „Renal effects of uranium in drinking water“

Zamora ML, Tracy BL, Zielinski JM, Meyerhof DP, Moss MA.: „Chronic ingestion of uranium in drinking water: a study of kidney bioeffects in humans.“

WHO: „Chemical hazards in drinking-water“

Taylor DM, Taylor SK. : „Environmental uranium and human health.“

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215396_r_b_by_tobias-zeller_pixeliode138 Liter trinkt jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr davon: Die Rede ist von Mineralwasser. Verpackt wird es in Glas- und zunehmend auch in Plastikflaschen. Besonders in dem Mineralwasser aus der Plastikflasche fanden Frankfurter Forscher teilweise stark erhöhte Konzentrationen von Substanzen, die wie weibliche Geschlechtshormone (Östrogene) wirken.

Aber auch das Mineralwasser in Glasflaschen war nicht frei von diesen Substanzen, dort war die Belastung aber nur halb so hoch. Insgesamt waren 12 der 20 Mineralwasserproben mit Östrogen – wirksamen Stoffen verunreinigt.

Mineralwasser habe damit in hormoneller Hinsicht oft die Qualität von Abwasser aus Kläranlagen, erklärten die Forscher.

Ob das mit Hormonen belastete Mineralwasser die Gesundheit gefährdet, ist allerdings damit noch nicht gesagt. Dazu müssen erst noch die einzelnen Substanzen, die die Hormonwirkung verursachen, identifiziert werden. Erst dann kann eine Aussage darüber getroffen werden, wie diese sich im menschlichen Körper verhalten und ob sie dort auch eine hormonelle Wirkung entfalten.

Sollte sich der Verdacht der Forscher bestätigen, dass die Plastikverpackung eine wesentliche Ursache der Verschmutzung darstellt, dann dürfte der Hormoneffekt auch bei anderen, ähnlich verpackten Lebensmitteln nachweisbar sein.

Quellen

Maritn Wagner und Jörg Oehlmann: Endocrine disruptors in bottled mineral water: total estrogenic burden and migration from plastic bottles, Environmental Science and Pollution Research, 10.3.2009 online, (engl.) Zusammenfassung und kompletter Artikel zum Download

Deutsche Zusammenfassung des Artikels u.a. hier:

Uniprotokolle.de: Umwelthormone im Mineralwasser

Wissenschaft-online.de: Hormone im Mineralwasser

Süddeutsche Zeitung: Unser tägliches Östrogen

Bild: Glas Mineralwasser © Tobias Zeller auf pixelio.de

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Jetzt, im Dezember 2008, sind sie wieder in aller Munde: Die Dioxine. Diesmal kommen sie aus Irland, mit dem Schweinefleisch.

Seit vor dreißig Jahren, im Juli 1976 in Seveso – nördlich von Mailand – eine große Menge Dioxin bei einem Unglück frei kam, vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht wieder ein neuer Dioxin-Skandal bekannt wird.

Wiktor Juschtschenko

Wiktor Juschtschenko

Der Präsident der Ukraine wurde im September 2004 mit Dioxin vergiftet und erkrankte lebensgefährlich. Die Spuren der „Chlorakne“, einem typischen Symptom der Dioxin-Vergiftung, sind noch deutlich in seinem Gesicht zu erkennen.

Was sind Dioxine und was richten sie an?

Was sind Dioxine, wo kommen sie her und was richten sie genau im menschlichen Körper an ?

Dioxine bilden eine Gruppe von 210 chemischen Verbindungen, die sich in ihrem Aufbau ähneln, 17 von ihnen sind giftig für den Menschen. (Genau genommen gibt es nicht 210 Dioxine sondern 75 „polychlorierte Dibenzo-p-dioxine“ und 135 polychlorierte „Dibenzofurane„.)

Das am besten untersuchte und gleichzeitig auch das giftigste Dioxin ist das sogenannte Seveso – Dioxin, das 2,3,7,8-Tetrachlordibenzo-p-dioxin (2,3,7,8 -TCDD).

Dioxine entstehen bei Verbrennungsprozessen

Dioxine entstehen, wenn Chlorverbindungen, Kohlenwasserstoffverbindungen und Sauerstoff zusammen erhitzt werden, auf Temperaturen zwischen etwa 200 und 1000 Grad.

Das passiert z.B. bei der Müllverbrennung, in Krematorien, beim Recycling von Aluminium und anderen Prozessen der Metallverarbeitung, bei der Chlorbleiche von Papier und im Autoverkehr.

In der Chemieindustrie entstehen Dioxine als Abfallprodukte überall dort, wo Chlorverbindungen verarbeitet werden, vor allem früher bei der Herstellung von Pflanzenschutz- und Desinfektionsmitteln.


Polychlorierte Biphenyle
, die sogenannten PCBs, sind keine Abfallprodukte, sondern werden seit 1920 gezielt produziert. Sie dienen einer ganzen Reihe von Zwecken: Als Isolatoröl in elektrischen Anlagen, als Bestandteil von Lacken und Farben, als Weichmacher in Kunststoffen wie z.B. bei Elektrokabeln und Dichtungsmassen. 12 der 209 bekannten PCBs gelten als gefährlich, sie werden „dioxin-like PCBs“ – „Dioxin-ähnliche PCBs“ genannt, weil sie den Dioxinen in vielen Eigenschaften stark ähnlich sind.

In Deutschland dürfen PCBs nicht mehr hergestellt und auch nicht mehr verkauft werden.

Lange Lebensdauer, im Fett angereichert

PCBs und Dioxine haben eine unangenehme Eigenschaft: Sie werden in der Umwelt kaum abgebaut, sie haben eine beängstigend lange Lebensdauer.

Sie sind gut in Fett löslich, aus diesem Grunde reichern sie sich im Fettgewebe von Mensch und Tier an und werden nur sehr langsam wieder ausgeschieden. Je weiter oben ein Tier in der Nahrungskette steht, um so mehr Dioxin enthält sein Körper, das Raubtier vergiftet sich stärker als der Pflanzenfresser.

80 % seines täglichen Dioxins nimmt der Mensch mit tierischer Nahrung auf, Pflanzen enthalten nur wenig bis gar kein Dioxin. Eier, Fisch, Milch, Fleisch und Käse sind die Hauptlieferanten. Die Tiere nehmen das Dioxin meist über Futtermittel, aber auch über verseuchte Böden auf.

Gesundheitliche Schäden: Krebs und Störung des Immunsystems

Dioxine stehen in begründetem Verdacht, Krebs auszulösen und das Erbgut zu verändern. Dioxine fördern keinen bestimmten Krebs: Alle Krebsarten kommen häufiger vor, bei einigen vergifteten Arbeitern stieg die Krebshäufigkeit um bis zu 40 % an.

Sie schwächen das Immunsystem, der Mensch wird anfälliger für Infektionen.

Kinder entwickeln sich verzögert, die Fruchtbarkeit nimmt ab

Als Folge der Aufnahme von Dioxin im Mutterleib wurde eine verzögerte Entwicklung des Nervensystems bei Kindern beobachtet. (Dioxin reichert sich auch in der menschlichen Muttermilch an, zum Glück sinken die Konzentrationen ständig in den letzten beiden Jahrzehnten. Obwohl das Dioxin, das der Säugling mit der Muttermilch aufnimmt, schädlich für seine Entwicklung ist, es überwiegen doch die Vorteile des Stillens – das ist die Meinung aller Experten, die sich mit diesem Thema befassen.)

Dioxine vermindern die Fruchtbarkeit bei Mensch und Tier, in Seveso wurden nach dem Chemieunglück weitaus mehr Mädchen als Jungen geboren – keiner weiß warum, aber ein Zusammenhang mit Dioxin ist anzunehmen.

Diabetes und Herzinfarkt durch Dioxin

Dioxine erhöhen den Blutzuckerspiegel, die Blut(neutral)fette („Triglyceride“) und führen zu einer erhöhten Erkrankungshäufigkeit an Diabetes. Menschen, die vermehrt Dioxine aufgenommen haben, sterben häufiger an Herzkreislauferkrankungen. Dioxine schädigen die Leber – sowohl erhöhte Leberwerte, Tod durch Leberkrebs als auch durch „gutartige“ Lebererkrankungen kommen gehäuft nach Aufnahme größerer Mengen an Dioxin vor.

DIoxine verursachen Abgeschlagenheit, Müdigkeit und allgemeines Unwohlsein.

In hoher Dosierung verursachen Dioxine Chlorakne, weltweit bekannt durch die Bilder des vergifteten ukrainischen Ministerpräsidenten. Auch andere Hautveränderungen – z.B. unklare Verfärbungen, die Bildungen von Grützbeuteln und vermehrte Verhornung wurden beobachtet.

In den letzten zwanzig Jahren: Weniger Dioxine in Europa

In der Europäischen Union wurden in den letzten Jahren große Fortschritte bei der Verringerung der Dioxin-Emissionen erreicht. Filteranlagen senkten die Emissionen der Müllverbrennungsanlagen und Krematorien, chlorhaltige Zusatzstoffe im Benzin wurden verboten und reduzierten den Dioxingehalt der Autoabgase drastisch.

Der häusliche Kamin und die Metallverarbeitung scheinen zur Zeit die größten Dioxinproduzenten zu sein.

Brennende Müllkippen neben grasenden Büffelherden rund um Neapel verseuchten den guten italienischen Mozarella.

Wenn ihr Nachbar seinen Restmüll über den Kamin entsorgt, werden auch bei Ihnen im Garten die Dioxinwerte drastisch ansteigen.

Die größte Menge an Dioxinen gelangt in den menschlichen Organismus durch das Essen, meistens über tierische Nahrungsmittel wie Eier, Milch, Fleisch und Fisch.

Das Grenzwertproblem

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, die tägliche Aufnahme von Dioxinen durch den Menschen auf einen bis vier Pikogramm (pg) pro Kilogramm Körpergewicht zu begrenzen. (Ein Pikogramm ist ein Billionstel Gramm, eine unvorstellbar kleine Menge – dies zeigt, wie giftig Dioxine sind! Zum Vergleich: Ein Virus wiegt etwa 70 Pikogramm.)

Die Obergrenze vier pg/kg wird von der WHO nur vorläufig verstanden, für wünschenswert hält die Gesundheitsorganisation der UNO eine Unterschreitung des Wertes von 1 pg. Die Grenzwerte wurden in Tierversuchen gewonnen, sie stellen den zehnten Teil der Menge dar, bei der im Tierversuch gerade noch schädliche Effekte nachweisbar waren.

Nach Vorstellungen der EU soll ein Mensch nicht mehr als ein Pikogramm Dioxin pro kg Körpergewicht pro Tag aufnehmen, ein 70 kg Mann also nicht mehr als 70 pg.

Nicht alle Dioxine gleich giftig – Umrechnen angesagt

Nun sind längst nicht alle Dioxine und Dioxin-ähnliche PCBs gleich giftig. Man versucht diesem Umstand beizukommen, in dem man Umrechnungsfaktoren für die unterschiedlichen Dioxine ermittelt. Das giftigste aller Dioxine, das Seveso – Gift 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin (TCDD) enthält den Umrechnungsfaktor 1. Andere Dioxinverbindungen sind weitaus weniger giftig – es sind z.B. hundert oder tausend mal mehr von dieser Substanz nötig, um den gleichen Gifteffekt wie den vom Sevesogift zu erzielen. Diese Substanzen würden dann den Faktor 0,01 oder 0,001 erhalten.

Die nachgewiesene Dioxinmenge, multipliziert mit dem Äquivalenzfaktor ergibt dann die Äquivalenzdosis, das sogennannte Toxic Equivalent (TEQ). Wenn also von einem bis vier Pikogramm Höchstdosis pro kg Körpergewicht die Rede ist, dann bezeichnet diese Dosis die Äquivalenzdosis der einzelnen Dioxinverbindungen.

Um die Sache noch unübersichtlicher zu machen, existieren zwei unterschiedliche Systeme, um die unterschiedlichen Dioxine entsprechend ihrer Giftigkeit umzurechen. Da ist einmal das ältere I-TEQ, das 1989 von der NATO geschaffen wurde und das neuere WHO-TEQ, welches manchmal auch nur einfach als TEQ bezeichnet wird. (Die Kalkulation nach WHO ergibt im Durchschnitt 10 % höhere Werte.)

Wir fassen zusammen: Nicht alle Dioxine sind gleich giftig. Mehr als 1 pg/kg Körpergewicht WHO-TEQ Dioxin pro Tag sollte ein Mensch durchschnittlich nicht aufnehmen, tatsächlich sind es bis zu vier in den europäischen Ländern. Trotz deutlichem Rückgang der Belastung seit Beginn der 1990er Jahre kann noch keine Entwarnung gegeben werden.

Beispiel Dorschleber: Grenzwerte in der EU der Realität angepasst?

Ein Beispiel aus der jüngsten europäischen Vergangenheit beleuchtet das Problem der Grenzwertsetzung recht deutlich. Im April 2007 berichtete das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit über erhöhte Dioxinkonzentrationen in Dorschleberkonserven. Leider machte das Amt keine konkreten Angaben, nannte keinen Marken- und keinen Herstellernamen. Die gemeinnützige und unabhängige Verbraucherschutzorganisation Foodwatch führte eigene Tests durch und nannte Ross und Reiter.

Nun sollte man meinen, die EU oder deutsche Behörden hätten den Verkauf dieser Produkte untersagen oder einen Warnhinweis anbringen müssen. Es geschah etwas ganz anderes : Die EU setzte den Grenzwert für die Dioxinkonzentration in Fischleberkonserven von acht auf 25 pg TEQ hoch!

Dieses Vorgehen ist nicht neu, berichtet Foodwatch. Bereits 2006 wurde der Grenzwert für Dioxin im Fischöl von sechs auf 24 pg pro g heraufgesetzt.

Fischöl, das ist häufig ein Bestandteil von industriell gefertigtem Tierfutter. Und so kommt das Dioxin über das Fischöl in das Schwein, in das Huhn und in das Ei und zum Schluss wird das Gift im Menschen angereichert. Hier besteht ein dringender Handlungsbedarf in der EU, um die weitere Vergiftung ihrer Bürger durch die Nahrung zu stoppen.

Quellen und weiterführende Links

Bild: Der Präsident der Ukraine, Wiktor Juschtschenko, gezeichnet von den Folgen der Chlorakne durch eine Vergiftung mit Dioxin, Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz GNU FDL

Umweltlexikon Katalyse

Deutsches Ärzteblatt: Dioxin-Vergiftung: Eine tickende Zeitbombe

Umweltbundesamt: Dioxin Datenbank

Fraunhofer Institut für Verpackung und Verfahrenstechnik: Dioxin Informationen

Verbraucherinformationssystem Bayern: Dioxine und Furane in Lebensmitteln

Foodwatch.de: Wie gelangen Dioxine und PCBs in den menschlichen Körper?

Umweltbundesamt: Chemikalienpolitik und Schadstoffe, Dioxine

Bundesamt für Verbraucherschutz:
Dioxine und Polychlorierte Biphenyle

Greenfacts Digests: Scientific Facts on Dioxins, eine sehr fundierte, allgemein verständliche und umfangreiche Seite mit Linksammlung, leider nur in Englisch

Die Europäische Komission: Dioxin exposure and health (englisch)

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