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Einen geringen, aber signifikanten Zusammenhang zwischen Parodontose und Krebserkrankungen fand eine britisch-amerikanische Forschergruppe jetzt heraus. Dieser Zusammenhang blieb auch bestehen, wenn man die bekannten Krebs-Risikofaktoren wie das Rauchen und die Ernährung herausrechnet.

Sehr wichtig ist diese statistische Korrektur vor allem für das Rauchen, weil Rauchen nicht nur die Krebsentstehung, sondern auch die Parodontose kräftig fördert. Umso erstaunlicher war es, dass auch bei „Nie-Rauchern“ der Zusammenhang zwischen der Zahl der durch Parodontose verlorenen Zähne und des Risikos für eine Krebserkrankung nachweisbar war.

Deutlich war der Zusammenhang insbesondere bei Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse, des blutbildenden Systems und der Niere, bei Rauchern auch der Lunge.

Die Ursache für die im Durchschnitt um 14 % höhere Rate an Krebserkrankungen ist unklar. Zeigt die Parodontose ebenso wie die Erkrankung an Krebs ein gestörtes Immunsystem an oder ist sie ein eigenständiger Krebsrisikofaktor ?

In diesem Fall wäre Zähneputzen eine effektive Art der Krebsvorbeugung!

Quelle

Zusammenfassung der Originalstudie in Lancet Oncology 2008; 9:550-558 (engl.)

Die Polymorphe Lichtdermatose (PLD) ist eine sehr häufige, oft juckende, manchmal schmerzende Reaktion der Haut auf die ersten Sonnenstrahlen des Jahres.

Polymorph heißt vielgestaltig: Die PLD zeigt rote Flecken, Knoten (Papeln) und Bläschen, sie ist häufiger bei Frauen als bei Männern und sie beginnt meist im jungen Erwachsenenalter. Am häufigsten befällt sie den Hals- und den Brustausschnitt, die Arme und den Handrücken.

Das Sonnenekzem tritt einige Stunden bis hin zu einigen Tagen nach der ersten intensiven Sonnenbestrahlung des Jahres auf, es bessert sich auch ohne Therapie und verschwindet in der Regel nach sieben bis zehn Tagen, ohne Narben zu hinterlassen.

Kortisonhaltige Cremes und Lotionen lindern die Beschwerden, zur Vorbeugung wird Sonnenschutz, möglicherweise auch eine dosierte Bestrahlung der Haut mit UV-Strahlen zur Gewöhnung der Haut empfohlen.

PLD ist keine Allergie

Viele Patienten verwenden für die Erkrankung die Bezeichnung Sonnenallergie. Die PLD ist aber keine Allergie im engeren Sinne, sie bessert sich – im Gegensatz zu allergischen Erkrankungen – bei weiterer Einwirkung der Ursache, der Sonnenbestrahlung.

Häufigkeit: Jeder fünfte Schwede, jeder zehnte Amerikaner

Studien aus den Vereinigten Staaten zufolge leiden rund 10 % der Bevölkerung an einer PLD, in Schweden sollen es 21 % sein, in China nur 0,65 %. Frauen sind zwei bis dreimal häufiger als Männer betroffen, nach den Wechseljahren nimmt die Häufigkeit bei Frauen ab.

Eine sehr gründliche Studie aus China kommt zu dem Ergebnis, das die Symptome im Durchschnitt 5,8 Jahre anhalten, die durchschnittliche Dauer der Sonnenexposition betrug sechs Stunden am Tag.

Viele Patienten leiden jahrzehnte- manche lebenslang an der PLD.

Flecken, Papeln und Bläschen

Die Krankheit hat ihren Namen von der Vielfalt der Symptome, die im Einzelfall auftreten. Kleine Knötchen in der Haut (Papeln), rote Flecken und auch Blasen mit wässerigem Inhalt zeigen sich.

Ultraviolette Strahlung als Ursache

Die meisten Experten gehen davon aus, dass die kurzwellige UV-A-Strahlung , die tief in die Haut eindringt, für das Sonnenekzem verantwortlich ist. Bei einigen wenigen ist aber auch die langwelligere UV-B-Strahlung mit geringerer Eindringtiefe, die die Haut bräunt und ihr den Sonnenbrand beschert, der Übeltäter. Sehr selten kann das sichtbare Licht (UV-Strahlung ist für das menschliche Auge unsichtbar) sogar durch eine Fensterscheibe Symptome der PLD hervorrufen.

Es beginnt im Frühling, im Sommer wird es wieder besser

Die PLD beginnt meistens im Frühjahr, spätestens im Frühsommer, je nach Wetterlage. (Eine Urlaubsreise aus dem winterlichen Deutschland ins sonnige Südafrika verschiebt den Beginn der Krankheit natürlich, aber auch ein Sonnenbad in den Schweizer Alpen kann zum Sonnenekzem führen.)

Im weiteren Verlauf des Sommers (oder des Urlaubs) wird der Hautzustand immer besser, nach einiger Zeit ist nichts mehr zu sehen.

Die Erkrankung beginnt ganz plötzlich, dreißig Minuten bis hin zu mehreren Stunden nach der Einwirkung der Sonnenstrahlen. Betroffen sind meistens Hautbezirke, die im Winter von Kleidung bedeckt waren, manchmal generalisiert der Ausschlag und ist am ganzen Körper zu finden.

Die meisten Patienten klagen über Juckreiz, einige auch über Brennen und Schmerzen, andere haben das Gefühl, eine Grippe oder Erkältung zu bekommen.

Von Jahr zu Jahr wird der Ausschlag schlimmer.

Diagnose: Was könnte es sonst sein, was da juckt?

Nach dem Aussehen des Hautausschlags und der Vorgeschichte (Sonnenlicht auf bleiche Haut!) kann die Diagnose meistens leicht gestellt werden.

Es gibt eine Reihe anderer Hauterkrankungen, die der PLD ähneln und von ihr abgegrenzt werden müssen.

Lichturtikaria – „Lichtallergie“

Eine sehr seltene Erkrankung ist die Lichturtikaria. Trotzdem ist sie in aller Munde, weil verschiedene Anzeichen darauf hindeuten, dass die durch Freitod verstorbene Hannelore Kohl an dieser Krankheit gelitten haben könnte. Vor sechs, sieben Jahren glaubten viele Patienten in Deutschland, die Symptome der „Lichtallergie“ bei sich festgestellt zu haben. Die Lichturtikaria wird in der Laienpresse oft „Lichtallergie“ genannt, im medizinischen Sprachgebrauch hat sich diese Bezeichnung nicht durchgesetzt.

Der Begriff „Urtikaria“ leitet sich von der botanischen Bezeichnung für Brennesseln – Urtica – ab. In der Tat sieht ein Patient mit Urtikaria so aus wie einer, der in die Brennesseln gefallen ist. Bei der Lichturtikaria löst die UVA – Strahlung des Sonnenlichts diesen juckenden und brennenden Hautausschlag aus – sofort und sogar durch Fensterglas hindurch. Im Extremfall ist der Patient zu einem Leben hinter zugezogenen Vorhängen verdammt. Sobald die Haut bedeckt wird, klingt auch der Ausschlag wieder ab. Sowohl das schnelle Auftreten als auch das schnelle Abklingen sind wesentliche Unterscheidungsmerkmale zur PLD.

Hydroa vacciniforme

Sie tritt in einem Fall auf 200.000 Menschen auf, ist damit recht selten, sie führt zur Bildung von juckenden und brennenden Flecken, Knötchen und Blasen meist wenige Stunden nach Sonnenbestrahlung. Im Gegensatz zur PLD beobachtet man die Hydroa vacciniforme zum erstenmal im Kindesalter zwischen drei und 15 Jahren, ebenfalls im Gegensatz zur PLD hinterlassen die (oft auch im Gesicht auftretenden) Blasen Narben. Nach der Pubertät leiden nur noch wenige Patienten an der Krankheit.

Lupus – Ausschlag

Der Hautausschlag bei bestimmten Formen des Lupus erythematodes (LE) wird ebenfalls durch Sonnenlicht ausgelöst. Mit etwa 40.000 Erkrankten in Deutschland ist der LE ebenfalls eine seltene Erkrankung, die zu 90 % Frauen betrifft. Typischerweise kommt es zur Schmetterlingsröte (Schmetterlingserythem): Eine Rötung des Gesichts über beide Wangen mit einer Brücke über dem Nasenrücken ergibt die Form eines Schmetterlings.

Bei anderen Formen des LE entwickeln sich kleine Erhebungen, die schuppen und jucken. Bei wieder anderen erinnern die Symptome an eine Urtikaria, eine juckende Nesselsucht mit roten unregelmäßig geformten roten Ringen um ein blasses Zentrum.

Alle drei Hautveränderungen des LE können durch Sonnenlicht ausgelöst werden.

Medikamente und chemische Substanzen

Eine Reihe von Medikamenten wie bestimmte Antibiotika, aber auch chemische Substanzen, die in Sonnenschutzmitteln (!) und Kosmetika enthalten sind, können zu einer Überempfindlichkeit der Haut gegen das Sonnenlicht führen. Der resultierende Hautausschlag sieht der PLD oft sehr ähnlich.

Diagnose: Welche Prozeduren sind nötig?

Ist die Diagnose nicht auf den ersten Blick zu stellen, kann weitere Abklärung nötig werden. Die Blutuntersuchung oder die Entnahme von Proben aus der Haut können zur Klärung der Diagnose beitragen.

Die Bestrahlung einer kleinen Hautfläche mit einer UV-Lampe provoziert die Hautveränderungen, um sie diagnostisch weiter abklären zu können.

Therapie

Bei starkem Juckreiz helfen cortisonhaltige Cremes oder Lotionen. In schweren Fällen können auch sogenannte Antihistaminika wie sie auch zur Behandlung von Pollenallergien eingesetzt werden, helfen. Das schwerste Geschütz gegen den Juckreiz ist die innerliche Gabe von Kortison als Tabletten – allerdings sollte diese Therapie sehr schnell wieder abgesetzt werden, schließlich hat das PLD eine starke Tendenz zur Selbstheilung und Kortison bei längerer Anwendung erhebliche Nebenwirkungen.

Die betroffene Haut sollte vor weiterer Sonnenbestrahlung geschützt werden, am besten durch Kleidung.

An den Stellen (Hände!) und in den Situationen, wo eine Abdeckung durch Kleidung nicht möglich ist, können Sonnenschutzmittel vorbeugen. Es sollte nur Sonnenmilch oder Sonnencreme mit Schutzfaktor über 15 verwendet werden, die nicht nur gegen den Sonnenbrand-Auslöser UV-B, sondern auch gegen die UV-A-Strahlung schützt – schließlich ist sie in der Mehrzahl der Fälle verantwortlich für das Sonnenekzem.

Eine langsame Gewöhnung an die Sonne im Frühjahr kann dazu beitragen, dass der Ausschlag abgemildert wird – insbesondere in der Zeit zwischen 10 und 16 Uhr ist die UV-Strahlung am intensivsten.

Wer mitten aus dem mitteleuropäischen Winter in die Sonne will oder muss und an einer PLD leidet, der kann sich unter Umständen durch eine wohl dosierte ärztliche UV-Bestrahlung abhärten lassen.

Oft wird eine sechswöchige Einnahme von Beta-Carotin vor der Sonnenbestrahlung empfohlen. Gute wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit gibt es nicht. Die Einnahme von Beta-Carotin führte bei Rauchern zu einer Erhöhung der Lungenkrebsrate. Calcium Tabletten sind sicher unwirksam.

Links

Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft

DermIS: Bilder zur Diagnose

emedicine: Polymorphous Light Eruption

DermAtlas: Weitere Bilder zur Diagnose PLD

Mayo Clinic.com: Polymorphous light eruption

Die Hand-Fuß-Mundkrankheit ist eine Viruskrankheit, an der überwiegend Kleinkinder und Grundschulkinder bis zum 10. Lebensjahr erkranken, die meist harmlos verläuft und einen Ausschlag mit Bläschen um den Mund herum, an den Innenseiten der Hände und den Fußsohlen hervorruft. Seit April 2008 werden vermehrt Fälle aus China und Vietnam mit Dutzenden von Todesfällen berichtet. Warum diese Erkrankung offensichtlich zur Zeit in diesen Ländern so schwer verläuft, ist noch ungeklärt.

Erreger

Der Erreger der Krankheit sind Viren aus der Gruppe der Enteroviren, zu denen z.B. auch der Erreger der Kinderlähmung gehört. Die häufigsten Erreger sind der Coxsackie Virus 16 und der Enterovirus 71, der jetzt auch für die Epidemie in Asien verantwortlich zu sein scheint.

Symptome

Die Krankheit beginnt meist mit mäßigem Fieber, Halsschmerzen und einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Ein bis zwei Tage nach Beginn des Fiebers entsteht der Ausschlag mit roten Flecken im Mund, um den Mund herum, an den Innenseiten der Hände und den Fußsohlen, manchmal auch auf dem Gesäß. Auf den roten Flecken entwickeln sich nach kurzer Zeit Bläschen, aus den Bläschen entwickeln sich im Mund auch kleine Geschwüre. Manche Patienten zeigen keine Bläschen, sondern nur rote Flecken und Geschwüre im Mund.

Die meisten Kinder sind nach gut einer Woche wieder gesund. In seltenen Fällen kann es zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) kommen. Vor allem bei Infektionen mit dem Enterovirus 71 kommt es auch zu der weitaus schwereren Komplikation einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis), die in manchen Fällen tödlich verläuft.

Übertragung

Die Hand-Mund-Fußkrankheit ist nur mäßig ansteckend. Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt – die Bläschen enthalten Viren – und durch Tröpfcheninfektionen mit virushaltigem Speichel. Auch im Stuhl sind Viren zu finden, Übertragungen durch Schmierinfektionen sind daher möglich. (Bis zu 70 % der Infizierten erkranken nicht, sie können dennoch das Virus mit dem Stuhl ausscheiden.)

Vorbeugung und Behandlung

Eine Behandlung ist nicht bekannt.

Zur Vorsicht sollten Kinder mit einem Ausschlag den Kindergarten oder die Schule nicht besuchen. Allerdings scheiden viele Kinder den Virus auch nach der Gesundung mit dem Stuhl aus, die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist vermutlich das gründliche Händewaschen nach dem Besuch der Toilette.

Quellen

Centers for Disease Control:
Hand, Foot, & Mouth Disease

Robert Koch-Institut Berlin: Zum Ausbruch von Hand-, Fuß- und Mundkrankheit in Südostasien durch Enterovirus 71

Weitere Abbildungen zur Hand-Mund-Fußkrankheit auf DermIS

Eine Entzündung des Herzmuskels kann eine Vielzahl von Ursachen haben: Am häufigsten in unseren Breiten sind Virusinfekte. Die Symptome reichen von leichtem Unwohlsein bis hin zum Herzversagen, das nur noch durch eine Herztransplantation zu beherrschen ist; gelegentlich ist die Myokarditis auch die (unerkannte) Ursache eines plötzlichen Herztodes. Wegen der vielfältigen Symptomatik ist die genaue Häufigkeit der M. unbekannt, Statistiken aus den USA fanden in 1 bis 1,5 % der Fälle eines plötzlichen Herztodes eine Myokarditis als Ursache.

Viren, Bakterien, Rheuma und Medikamente

In vermutlich rund 50 % der Fälle tritt eine Myokarditis im Gefolge eines Virusinfektes, z.B. der Atemwege auf. Häufig wird der Coxsackievirus Typ B gefunden, aber auch Grippe-, Ebstein-Barr-, Herpes- und Windpocken (Varizella-Zoster) – Viren werden als Ursache nachgewiesen. Der HI-Virus, Erreger der Immunschwächekrankheit AIDS, kann sich in manchen Fällen im Herzmuskel vermehren, ohne dass eine Entzündung nachweisbar wäre. (Bisweilen löst aber auch der AIDS-Erreger Entzündungen im Herzmuskel aus.)

Bakterien sind seltener die Ursache: Weltweit am häufigsten kommt es im Rahmen einer Diphterie zu einer Entzündung des Herzmuskels. Aber auch andere Bakterien wie Streptokokken, Staphylokokken, Salmonellen und Brucellen infizieren das Herzmuskelgewebe. Die Chagas Krankheit, die in Südamerika weit verbreitet ist, führt zu einer Myokarditis durch den Einzeller Trypanosoma cruzi. Die durch Zecken übertragenen Borrelien können ebenfalls zum Auslöser werden.

Eine Reihe von Medikamenten kann zu einer Myokarditis durch eine Überempfindlichkeitsreaktion führen, andere führen zu einer direkten Schädigung der Herzmuskelzellen. Kokain, Blei und Arsen sind potentiell auslösende Substanzen.

Bisweilen greifen körpereigene Abwehrzellen den Herzmuskel an: Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis oder die akute Abstoßungsreaktion eines transplantierten Herzens führen zu Entzündungen des Herzmuskels.

Abgeschlagenheit, Luftnot, Muskelschmerzen

Viele Patienten mit einer Myokarditis haben so wenig Beschwerden, dass sie deswegen nicht den Arzt aufsuchen, die Diagnose in diesen Fällen wird dann eher zufällig gestellt. Mehr als die Hälfte alle Patienten berichtet einen abklingenden Virusinfekt. Sie klagen über eine ungewöhnliche Müdigkeit und Schwäche, manchmal auch ungewöhnlich lang anhaltende Muskelschmerzen und eine leichte Atemnot bei Anstrengung. Etwa ein Drittel aller Patienten klagt über Schmerzen im Brustkorb, manchmal sind diese so stark, dass ein Herzinfarkt befürchtet wird. Über Herzklopfen und Herzstolpern wird oft geklagt, manchmal ist sogar eine plötzliche Ohnmacht aufgetreten.

In sehr schweren Fällen besteht heftige Luftnot, der Patient kann nur noch im Sitzen Luft bekommen, an Hinlegen ist nicht zu denken.

Bei Kleinkindern und Säuglingen sind die Symptome oft noch unspezifischer: Manchmal äußert sich die Myokarditis nur durch schlechtes Trinken, Fieber und vielleicht angestrengte oder beschleunigte Atmung. Eine Zyanose (Blaufärbung) der Lippen zeigt einen schweren Verlauf mit Versagen der Pumpfunktion des Herzens an.

Schwierige Diagnose

In den meisten Fällen kann eine Myokarditis nur vermutet, nie so recht bewiesen oder ausgeschlossen werden. Die einzige sichere Methode zum Ausschluss einer Myokarditis ist die Entnahme einer Gewebeprobe aus dem Herzmuskel mit anschließender Untersuchung unter dem Mikroskop. Da dies eine recht eingreifende Untersuchungsmethode ist, wird sie nur in sehr schweren Fällen mit einer rapiden Verschlechterung und schlechtem Ansprechen auf die Therapie durchgeführt.

Die Kernspintomografie des Herzens steht in ihrer Spezifität an zweiter Stelle, ist aber bei weitem noch nicht flächendeckend verfügbar.

Das EKG zeigt Herzrhythmusstörungen und Veränderungen der sog. ST-Strecke, die allesamt auf eine Myokarditis hinweisen, sie aber nicht beweisen können.

Das Echokardiogramm, die Untersuchung des Herzens mit Ultraschall kann abnorme Herzwandbewegungen und eine Verminderung der Herzfunktion zeigen, der Ausschluss einer Myokarditis ist mit diesem Verfahren nicht möglich.

Die Blutwerte zeigen in 60 % der Fälle eine Erhöhung der Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG) als Anzeichen einer Entzündung, in 25 % der Fälle besteht eine Vermehrung der weißen Blutkörperchen. Troponin T und die Creatininkinase (CK), die bei einem Herzinfarkt den Untergang von Herzmuskelzellen anzeigen, sind bei einer Myokarditis nur in den wenigsten Fällen erhöht.

Behandlung richtet sich nach Symptomen und Ursachen

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Herzmuskelschädigung. In leichten Fällen reicht körperliche Ruhe bis zum Verschwinden der EKG-Veränderungen. Bei gravierenden Herzrhythmusstörungen ist eine Monitorüberwachung im Krankenhaus erforderlich. Kann das Herz nicht mehr richtig pumpen, tritt also eine Herzinsuffizienz auf, so wird diese medikamentös mit wassertreibenden Mitteln, ACE-Hemmern, Betablockern etc. behandelt. In sehr kritischen Fällen ist intensivmedizinische Behandlung, manchmal sogar eine Herztransplantation erforderlich.

Behandelbare Ursachen werden so weit wie möglich therapiert: Antibiotika bei bakteriellen Infektionen, Giftentfernung bei Vergiftungen und das Abwehrsystem hemmende Mittel (Immunsupressiva) bei rheumatischen Erkrankungen. Die Gabe von Kortison bei bei denen durch Viren bedingten Erkrankungen verschlechterte den Verlauf.

Prognose: Myokarditis ist oft eine ernste Erkrankung

Bei Patienten mit einer Herzinsuffizienz hängt die Prognose vom Ausmaß der erhaltenen Pumpfunktion ab. Etwa die Hälfte der Patienten verbessert sich unter der Therapie, ein Viertel kann lediglich stabilisiert werden, bei einem weiteren Viertel verschlechtert sich die Erkrankung zunehmend weiter trotz Therapie.

Chronische Verläufe führen zum Bild der sogenannten dilatativen Kardiomyopathie, einer Erkrankung mit chronischer Schwächung der Herzmuskulatur und Erweiterung der Herzinnenräume.

Insgesamt ist die Beurteilung der Prognose vor allem bei den leichten Fällen sehr schwer, weil viele nicht in ärztliche Behandlung oder in klinische Studien geraten. Die ganz überwiegende Anzahl der leichten Fälle erholt sich sicher vollständig.

Die deutsche Leitlinie der Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie nennt eine Sterblichkeit von 25 % für die Myokarditis im Kindesalter – ein Wert, der sicherlich dazu führen sollte, die Krankheit sehr ernst zu nehmen.

Vorbeugung kaum möglich

Eine echte Vorbeugung gibt es nicht. Mit einem akuten Virusinfekt sollte man sich schonen, es gibt Hinweise darauf, dass körperliche Überanstrengung die Entstehung einer Virusmyokarditis fördert.

Links

emedicine: Myocarditis (engl.)

Circulation 113/Februar 2006: Myocarditis – Current Trends in Diagnosis and Treatment (PDF, Volltext, engl.)

AWMF online: Leitlinie Myokarditis der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie

Deutsche Patienten gingen in den Jahren 2005 und 2006 nicht seltener zum Arzt als in den Jahren 2000 bis 2003. Jeder Bundesbürger besucht im Durchschnitt zehn Mal pro Jahr eine Arztpraxis, im EU-Durchschnitt 6,8 mal.

Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und die Technische Universität Berlin laut einem Bericht der Wirtschaftswoche vom 19.4.2008 durchgeführt haben.

Der Zweck der zum 1.1.2004 eingeführten Praxisgebühr ist demnach nicht erreicht worden. Mit einer Abschaffung ist dennoch nicht zu rechnen: Immerhin nehmen die gesetzlichen Krankenkassen rund 1,6 Milliarden Euro jährlich mit der Praxisgebühr ein.

Quelle

Witschaftswoche: Praxisgebühr: Erhoffte Wirkung ausgeblieben

Rund zehn Sekunden bevor der Mensch eine Handlung plant, hat sein Gehirn die Vorbereitung dazu schon begonnen, ohne dass ihm dies bewusst wird.

Unbewusstes im Kernspin sichtbar gemacht

Das ist kurz zusammengefasst das Ergebnis einer Studie, die eine Forschergruppe um John-Dylan Haynes am Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig, der Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie des Bernstein Zentrums für Computational Neuroscience Berlin kürzlich durchgeführt haben.

Die Versuchspersonen lagen in einem Kernspintomografen. Sie sollten entweder die rechte oder die linke Hand heben – nach eigener Wahl.

Die Probanden beobachteten bei der Untersuchung eine Abfolge wechselnder Buchstaben. Sie sollten sich den Buchstaben merken, der in dem Moment eingeblendet wurde, in dem sie den Entschluss zum Heben der Hand fassten. Dadurch war es den Wissenschaftlern möglich, festzustellen, zu welchem Zeitpunkt der Versuchsperson ihr eigener Wille bewusst wurde.

Zehn Sekunden vor dem bewussten Entschluss: Das Gehirn hat schon entschieden

Das erstaunliche Ergebnis der Studie: Schon sieben Sekunden vor dem bewussten Entschluss konnten die Forscher Hirnaktivitäten in bestimmen Gehirnzentren feststellen, die der Vorbereitung der Handlung dienen. Da die Kernspintomografie die Aktivität dieser Zentren erst drei Sekunden später nachzuweisen erlaubt, kommt man auf zehn Sekunden Vorlaufzeit.

Ist der freie Wille seit Benjamin Libet tot?

Der amerikanische Physiologe Benjamin Libet kam schon in den 1970er Jahren zu ähnlichen Ergebnissen Nur hatte er keinen Kernspin zur Verfügung, sondern nur ein EEG und die Zeitspanne zwischen erster Hirnaktiviät und bewusstem Entschluss wurde nicht mit sieben sondern nur einer halben Sekunde gemessen.

Die Arbeiten von Libet wurden oft kritisiert und viel diskutiert, aber keiner wagte sich, sie zu wiederholen, zu wiederlegen oder zu bestätigen.

Nicht wenige schlussfolgerten aus den Versuchen Libets, der freie Wille des Menschen existiere in Wirklichkeit nicht, sei nur eine Vorspiegelung des Gehirns.

Weder Benjamin Libet noch sein Kollege John-Dylan Haynes glauben allerdings, dass ihre Experimente die Existenz des freien Willens widerlegen. Immerhin, sagte Libet, wird uns trotz unbewusster Vorbereitung die Handlung vor ihrer Ausführung bewusst und wir können sie daher noch rechtzeitig stoppen. Wenn das Gehirn nicht (auch) unbewusst reagieren würde, wäre es mit der Integration unserer Wahrnehmung und Ausführung unserer Handlungen hoffnungslos überfordert, sagt Haynes.

Dass unser Gehirn unsere Handlungen unbewusst vorbereitet, sei genau besehen keine neue Erkenntnis: Schon seit langem sei klar, daß die Mehrzahl der Sinneseindrücke und alltäglichen Handlungen völlig unbewusst ablaufen.

Libet starb im hohen Alter von 91 Jahren in Kalifornien. Noch ein Jahr vor seinem Tod erklärte er das Bewusstsein zur völlig ungelösten Frage. Am ehesten sei es eine Eigenschaft der belebten Natur, aber wir könnten nicht wissen, wie und warum die Natur diese Eigenschaft hervorbringe – genau so wenig wie wir wissen, warum die Materie Schwerkraft erzeugt.

Links

3Sat.de: Wo ist mein Ich?

Pressemitteilung der Max Planck Gesellschaft: Unbewusste Entscheidungen im Gehirn

Die Zeit.de: Der unbewußte Wille

Die Hausstaubmilbe, genauer gesagt: der Kot derselben, löst eine Reihe von allergischen Erkrankungen aus, am häufigsten einen allergischen Schnupfen und das allergische Asthma bronchiale.

Viele Milbenallergiker werden von ihren Ärzten ermuntert, die Hausstaubmilbe aus ihrer Wohnung zu vertreiben. Die Matratzen werden in staubdichte Verpackungen gesteckt, Kuscheltiere und Samtvorhänge müssen das Schlafzimmer verlassen, spezielle Staubsauger und auch chemische Methoden werden großflächig eingesetzt.

Eine neu veröffentlichte Übersicht der Cochrane Collaboration zeigt jetzt, dass dieses alles vermutlich verlorene Liebesmüh‘ darstellt.

(Die Cochrane Collaboration ist eine internationale Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die sogenannte Evidenzbasierte Medizin zu fördern, eine Medizin, die sich auf wissenschaftliche Beweise stützt anstatt auf Mutmaßungen oder Meinungen von Autoritäten.)

Die Cochrane-Autoren sichteten 54 Studien, an denen 3003 Patienten mit allergischem Asthma teilnahmen. Die Qualität der Studien war sehr unterschiedlich, aber keine einzige von ihnen zeigte eine Verbesserung der Lungenfunktion nach Vertreibung oder Verringerung der Hausstaubmilbenbevölkerung in der eigenen Wohnung.

„Wir können zuverlässig schlussfolgern, dass es keinen Grund gibt, für Vakuum-Sauger, spezielle Matratzenbezüge oder Chemikalien Geld auszugeben. Sie sind allesamt unwirksam“, gibt die „Ärztliche Praxis“ heute die Zusammenfassung von Dr. Peter Gotzsche vom Cochrane-Centre in Kopenhagen wieder.

Quelle

Cochrane Database of Systematic Reviews: House dust mite control measures for asthma