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Posts Tagged ‘Alzheimerkrankheit’


(Foto: © Peter Kirchhoff auf pixelio.de)

Der Handy-Strahlung werden allerhand negative Wirkungen nachgesagt. Letztens stritt man sich darum, ob Handystrahlung das Risiko für Hirtumore erhöhen könne. Jetzt kommt eine überraschend positives Forschungsergebnis aus Amerika: Handystrahlung könnte vor einer Erkrankung an der Alzheimer Erkrankung schützen, ja sogar bei der Behandlung von Alzheimerpatienten nützlich sein.

Gary Arendash, Professor an der Universität von Kalifornien und renomierter Alzheimer Forscher, berichtete über seine Forschungsergebnisse an Mäusen. Nicht an gewöhnlichen Mäusen, sondern an einer speziellen Rasse, die besonders häufig an Alzheimer erkranken und speziell für die Erforschung dieser schrecklichen Krankheit gezüchtet wurden. Arendash und seine Mitarbeiter setzten die Mäuse in Käfige, die um eine Antenne gruppiert waren. Diese zentrale Antenne sendete Handystrahlung aus. Die Stärke der Strahlung war in etwa so stark, wie sie am Kopf eines Handy-Nutzers auftritt.

Das erstaunliche Ergebnis: Die Alzheimermäuse, die der Handystrahlung ausgesetzt waren, entwickelten weniger starke Veränderungen im Gehirn als die, die ohne Strahlung lebten. Und es zeigte sich sogar, dass Mäuse, die bereits an dieser Art von Demenz litten, sich besserten, wenn sie mit der Handystrahlung behandelt wurden.

Nun gut, das ist ein Tierversuch und er ist nicht so ohne weiteres auf den Menschen übertragbar. Bevor man erste Versuche an Menschen anstellt, muss diese verblüffende Erkenntnis auch erst mal in anderen Tierversuchen reproduziert werden. Keinesfalls kann zum jetzigen Zeitpunkt bereits die Empfehlung gegeben werden, Handys einzusetzen, um die Alzheimerkrankheit zu behandeln oder ihr vorzubeugen.

Dennoch, interessant sind diese Ergebnisse schon, zumal bei einer Erkrankung, bei der noch keine wirklich wirksame Behandlung gefunden wurde.

Quellen
JOURNAL OF ALZHEIMER’S DISEASE: Press Release: 6-January-2010 – Cell Phone Exposure May Protect Against and Reverse Alzheimer’s Disease

Ärzte Zeitung online vom 7.1.09: „Handystrahlen verhindern bei Mäusen Alzheimer“

Physorg.com: „Cell phone exposure may protect against and reverse Alzheimer’s disease“

Volltext der Studie, zum Download als pdf-Datei

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Die Alzheimer – Krankheit, auch Morbus Alzheimer, Alzheimer Demenz oder einfach nur Alzheimer genannt, ist gekennzeichnet durch einen zunehmenden Untergang von Nervenzellen im Gehirn. Sie führt zu einem fortschreitenden Abbau der geistigen Funktionen wie z.B. dem Gedächtnis, der räumlichen und zeitlichen Orientierung oder der Gefühlswelt. Schließlich kann der Patient selbst einfachste Tätigkeiten nicht mehr verrichten, er wird hilflos und ist auf fremde Hilfe angewiesen.

Der Fachausdruck für diesen geistigen Abbau lautet Demenz, ein Wort, das aus dem lateinischen Wort de für ohne und mens für Verstand zusammengesetzt ist. Demenz heißt also wörtlich übersetzt: „ohne Verstand“.

Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz

Es gibt viele Formen der Demenz, die Alzheimer – Krankheit ist nur eine davon, aber bei weitem die häufigste. In Deutschland leiden etwa eine Million Menschen an einer Demenz, rund 700 000 davon an einer Alzheimer – Krankheit. Durchblutungsstörungen des Gehirns führen zur sogenannten vaskulären Demenz, rund 200 000 Demenzkranke in Deutschland sind hiervon betroffen. Der verbliebene Rest von 100 000 verteilt sich auf seltenere Formen, es treten natürlich auch Mischformen von z.B. Alzheimer – Demenz und vaskulärer Demenz auf.

Die Ursache der Alzheimer – Krankheit ist nicht bekannt.

Die Alzheimer – Krankheit wurde nach dem deutschen Psychiater Alois Alzheimer benannt. Er beschrieb die Krankheit zum ersten Mal 1901 bei einer 51 Jahre alten Patienten.

Die Häufigkeit steigt mit dem Alter

Auguste Deter, so hieß die Patientin, die Dr. Alzheimer berühmt machte, war allerdings ungewöhnlich jung: In den meisten Fällen setzt die Krankheit erst nach dem 65. Lebensjahr ein.

Je älter der Mensch, desto größer ist sein Risiko, an Alzheimer zu erkranken – rund 1 % sind im Alter zwischen 65 und 69 betroffen, bei den über 90-jährigen 35%. (Die Angaben zur Häufigkeit schwanken in den einzelnen Untersuchungen, die sprunghafte Zunahme mit dem Alter ist aber unbestritten.)

Frauen erkranken nicht häufiger als Männer, die höhere Anzahl von Frauen mit der Alzheimer – Krankheit erklärt sich durch das durchschnittlich höhere Lebensalter.

Der Schuh im Kühlschrank

„Leide ich oder leidet mein Vater etc. an Alzheimer?“ Diese Frage wird sehr häufig in der Hausarztpraxis gestellt.

Im Frühstadium der Alzheimer Krankheit fällt die exakte Diagnose schwer. Es gibt eine Reihe von Anzeichen, die auf den Beginn der Erkrankung hinweisen.

Jeder Mensch vergisst – vor allem in Zeiten großer Belastung – Namen, Adressen oder Termine. Vor allem nach dem 50. Lebensjahr nimmt das Gedächtnis für neu Gelerntes langsam, aber sicher ab. Allerdings führt diese „normale“ Vergesslichkeit kaum zu Problemen im Alltag oder bei der Arbeit. Man weiß sich zu helfen, durch Klebezettel beispielsweise. Und ganz wichtig: Die Vergesslichkeit nimmt nicht ständig zu.

Das Verlegen von Gegenständen an völlig unpassende Orte ist ein häufiges Symptom einer beginnenden Alzheimer Demenz. Sucht der Patient seinen Schuh, den er tags zuvor im Kühlschrank deponiert hat, so ist dies ein Indiz für eine beginnende Demenz.

Jeder ringt einmal mit dem richtigen Ausdruck, will das passende Wort finden. Patienten mit Alzheimerkrankheit ersetzen oft ganz einfache Wörter des Alltags mit manchmal sehr unpassenden Füllwörtern, weil sie die richtigen Bezeichnungen vergessen haben.

Wer hat sich noch nie verlaufen? Aber nur ein Patient mit Demenz steht irgendwo hilflos an der Strasse und weiß nicht mehr, wie er nach Hause kommen soll.

Das Nachlassen der Urteilsfähigkeit zeigt sich z.B. in der Wahl einer völlig unpassenden Kleidung (Bademantel beim Einkaufen). Auch das abstrakte Denken lässt nach, einfache Rechenaufgaben werden zum Problem.

Die Stimmung schwankt oft plötzlich: Ohne ersichtlichen Grund wird Heiterkeit zur Panik. Die Persönlichkeit kann sich verändern, oft leider in die negative Richtung: Der ehemals freundliche und ruhige Patient wird ängstlich, reizbar oder aggressiv.

Keines dieser Anzeichen ist beweisend für eine Erkrankung an Alzheimer, eine Abklärung beim Hausarzt sollte aber erwogen werden.

Stadien: Leicht, mittel, schwer

Bei der Alzheimer Krankheit werden oft drei Stadien unterschieden. Im frühen Stadium treten eine zunehmende Vergesslichkeit und Sprachprobleme auf, im mittleren Stadium ist der Patient zunehmend auf Hilfe angewiesen und im Spätstadium kann er ohne fremde Hilfe überhaupt nicht mehr zurechtkommen.

Jedes Stadium soll rund zwei bis drei Jahre, der Verlauf der Erkrankung von der Diagnose bis zum Tod rund 6 bis 9 Jahre dauern. Das sind Durchschnittswerte, die zudem noch umstritten sind, im Einzelfall kann der Verlauf deutlich davon abweichen. Akute Erkrankungen wie z.B. eine Grippe oder ein Herzinfarkt führen oft zu einer schubweisen Verschlechterung.

Diagnose

Die Vorgeschichte wird meistens von den Angehörigen berichtet, die Patienten selbst fühlen sich oft gar nicht krank.

Durch einfache Fragebogentests (z.B. Mini Mental Status) oder einfache Übungen (z. B. Uhrentest) wird der Schweregrad der Demenz ermittelt.

Die körperliche Untersuchung und eine Blutuntersuchung dient dazu, behandelbare Ursachen einer Demenz (z.B. Schilddrüsenunterfunktion) auszuschließen.

Eine Computer- oder Kernspintomografie zeigt Bilder vom Kopf und dem Gehirn in Schichten. Diese Untersuchungen helfen, andere Ursachen einer Demenz wie z.B einen Tumor oder einen Schlaganfall aufzuspüren.

Oft sind die Bilder dieser Untersuchungen im frühen Stadium der Alzheimer – Krankheit völlig normal, häufig zeigen sie schon den weitgehenden Verlust von Hirnsubstanz.

Behandlung: Betreuung und Pflege stehen im Vordergrund

Die Alzheimerkrankheit lässt sich nicht heilen. Trotzdem gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, dem Alzheimerpatienten und seinen Angehörigen das Leben zu erleichtern und Symptome der Krankheit zu mildern.

Die Pflege und die Betreuung stellt die Angehörigen vor große seelische, körperliche und finanzielle Probleme. Die Beratung über mögliche Hilfeleistungen sollte deshalb möglichst frühzeitig erfolgen.

Eine liebevolle Betreuung und eine anregende Umgebung mit Training aller verbliebenen geistigen Fähigkeiten kann die Krankheit günstig beeinflussen.

Leichte Besserung durch Medikamente

Durch die Behandlung mit Medikamenten lassen sich leichte Verbesserungen erzielen. Der Untergang von Nervenzellen führt unter anderem auch zu einem Mangel an dem Überträgerstoff Acetylcholin.

In leichten und mittelschweren Fällen werden Hemmer des Enzyms Cholinesterase eingesetzt, dadurch steigt die Konzentration des Botenstoffs Acetylcholin im Gehirn, bei einigen Patienten verbessert sich dadurch die geistige Leistungsfähigkeit.

Recht häufig führen diese Cholinesterasehemmer zu Nebenwirkungen wie Durchfall, Erbrechen und Übelkeit.

Im schweren Stadium der Erkrankung sind sie nicht mehr wirksam und sollten hier nicht eingesetzt werden. Sie müssen abgesetzt werden, wenn dieses Stadium erreicht ist.

Zu den Cholinesterasehemmern zählen Donepezil (z.B. Aricept®),Galantamin (z.B. Reminyl®) und Rivastigmin (z.B. Exelon®).

Memantine (z.B. Axura®, Ebixa®) kann auch bei fortgeschrittenem Alzheimer eingesetzt werden, es steigert die Konzentration von Glutamat, einem anderen Botenstoff im Gehirn des Menschen. Memantine kann Unruhe und Schwindel als Nebenwirkung verursachen.

Quellen und weiterführende Links

* Alzheimer Forum

* Deutsche Alzheimergesellschaft e.V. – Hilfe für Betroffene und Angehörige
* Ein Angehöriger berichtet in seinem Blog über die Erkrankung seiner Mutter

* Evidence Based Guidelines für Allgemeinmedizin: Alzheimer-Demenz, kostenpflichtiges Onlineangebot des Deutschen Ärzteverlags, Stand: 28.03.2007

* Patientenleitlinie Demenz der Universität Witten-Herdecke

* DIE ALZHEIMER-KRANKHEIT – Ein Ratgeber für Angehörige und Betreuer von Alzheimer-Patienten – aus der Spezialambulanz für Gedächtnisstörungen am AKH Wien

* Epidemiologie der Demenzerkrankungen – Schweiz med. Forum 2004 (pdf)

* Bundestags-Ausschuss für Gesundheit und Soziale Sicherung: Epidemiologie, Prävalenz und Inzidenz von Demenzerkrankungen im Alter (7.5.2003)

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