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Posts Tagged ‘Antidepressiva’

170941_R_K_by_Paul-Georg-Meister_pixelio.deBild: © pqm auf pixelio.de

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hatte einen Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen (G-BA) bekommen: Es sollte beurteilen, ob drei neuere Medikamente gegen Depression gut wirken und dabei vertretbare Nebenwirkungen aufweisen. Die drei Medikamente enthalten jeweils den Wirkstoff Reboxetin, Mirtazapin und Bupropion XL. Die Handelsnamen lauten: Edronax® für das Reboxetin von Pfizer, Remergil ® für das Mirtazapin von Essex Pharma (auch als „Generikum“ verfügbar) und das Elontril® (Bupropion XL) von GlaxoSmithKline.

Pfizer: Nur die positiven Ergebnisse weitergegeben?

Sichtlich verärgert sind die Wissenschaftler des IQWiG über die Haltung der Firma Pfizer: Die Firma gab nur 9 der durchgeführten 16 Studien weiter. Natürlich ist anzunehmen, dass in den zurückgehaltenen restlichen 7 Edronax® nicht so gut abgeschnitten hat, sich vielleicht sogar als wirkungslos oder schädlich herausgestellt hat. Der Leiter des Instituts, Professor Peter T. Sawicki meint dazu:

„Irreführung durch Verschweigen ist kein Kavaliersdelikt. Ohne vollständige Information können Patienten im Extremfall sogar nutzlose Behandlungen erhalten.“

Auch beim Wirkstoff Mirtazapin, entwickelt von der Firma Essex Pharma, ist sich das IQWiG nicht so ganz sicher, ob alle Daten weitergeleitet wurden. Korrekt verhielt sich lediglich GlaxoSmithKline: Die Pharmafirma gab alle Daten weiter, das Antidepressivum Elontril® mit dem Wirkstoff Bupropion XL wurde positiv beurteilt.

Gesetzliche Regelung in Deutschland überfällig

Übrigens: Die USA seien hier schon viel weiter, sagt der Leiter des Instituts, Peter Sawicki. Dort müssten seit dem Jahre 2008 alle Studien, auch die negativen, über ein Arzneimittel von den forschenden Firmen offen gelegt werden. Eine solche Regelung sei für Deutschland und Europa längst überfällig.

Quellen

IQWiG – Pressemitteilung: 10.06.2009
Pfizer hält Studien unter Verschluss
Arzneimittelhersteller behindert die bestmögliche Behandlung von Patienten mit Depression

Stationäre Aufnahme: Pfizer hält Studiendaten unter Verschluss

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Eine am 28. Februar 2008 in der Online Publikation PLoS Medicine veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die neuen Antidepressiva Fluoxetin, Paroxetin, Venlafaxin und Nefazodon (nicht mehr im Handel) allesamt nicht viel besser als Placebo wirken.

Die Forschergruppe um Irvin Kirsch von der Psychologischen Fakultät der englischen Universität Hull untersuchte Zulassungsunterlagen der amerikanischen staatlichen Arzneimittelzulassungsbehörde, der Food and Drug Administration. Viele Studien waren von den Herstellerfirmen eingereicht, aber bisher nie veröffentlicht worden.

Das Resultat der Analyse von 35 Studien: Alle vier genannten neueren Antidepressiva wirken bei leichten und mittelschweren Depressionen nicht besser als Plazebo. Nur bei sehr schweren Verlaufsformen der Erkrankung mit einem Hamilton Score von mehr als 28 zeigte sich ein zwar nur leichter aber signifikanter Vorteil gegenüber der Behandlung mit einem wirkungslosen Scheinmedikament.

„Diese Berichterstattung wird Menschenleben kosten“

Prof. Dr. Ulrich Hegerl von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Universitätsklinikum Leipzig und Sprecher des Kompetenznetzes Depression äußert sich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sehr besorgt über die Auswirkungen der Studie. Er befürchtet, dass manche Menschen die Medikamente absetzen, wieder in eine Depression verfallen und ihrem Leben ein Ende setzen könnten. Dass der Placebo-Effekt in klinischen Studien sehr hoch ist, sei bekannt, erklärte der Psychiater. Man könne von dieser speziellen Situation – in der die Patienten umsorgt und aktiviert werden – nicht auf den klinischen Alltag schließen.

„Würde man übrigens ähnlich strenge Kriterien an den Wirkungsnachweis der Psychotherapie anlegen, so wäre deren Wirksamkeit auch nicht belegt.“, erklärte Ulrich Hegerl im Interview.

Deutsches Ärzteblatt : „Meta-Analyse: Antidepressiva nur bei schwersten Depressionen wirksam“

Originalarbeit in Englisch auf PloS Medicine

Interview Professor Ulrich Hegerl mit der Süddeutschen Zeitung: Studie zu Antidepressiva
„Diese Berichte werden Menschenleben kosten“

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Sport schützt zumindest tendenziell vor Depressionen, selbst schwere Depressionen profitieren von einer Bewegungstherapie – das ist lange bekannt. Forscher an der Psychiatrischen Abteilung der Yale Universität haben im Tierversuch einen Hinweis darauf gefunden, warum das so ist.

Mäuse, die sich mehr bewegen, produzieren in ihrem Gehirn mehr von der Substanz „VGF Nervenwachstumsfaktor“. Dieser Stoff fördert die Funktionsfähigkeit der Synapsen – der Schaltstellen zwischen den Nervenzellen und hat verschiedene Einflüsse auf den Stoffwechsel. Die vermehrte körperliche Aktivität aktivierte offensichtlich das VGF-Gen im Hippocampus, einer Hirnregion, die zum sogenannten limbischen System gehört. Das limbische System ist aber zuständig für die Gefühlswelt bei Mäusen und Menschen.

Die Forscher stellten weiterhin fest, dass sie die Stimmung der Mäuse bessern konnten, wenn sie ein VGF-ähnliches Peptid verabreichten. Außerdem neigen Mäuse vermehrt zu Depressivität, wenn sie eine Mutation des VGF-Gens aufweisen.

Die amerikanischen Wissenschaftler hoffen nun, dass ihre Erkenntnisse zur Entwicklung neuer potenter Antidepressiva genutzt werden können. Auf jeden Fall sind ihre Ergebnisse ein weiterer Hinweis darauf, dass regelmäßiger Sport die Gesundheit fördert.

„Antidepressant actions of the exercise-regulated gene VGF“ – Zusammenfassung der Originalarbeit in „nature medicine“ (englisch)

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