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Posts Tagged ‘Ärztemangel in Sachsen’

In Sachsen herrscht Ärztemangel. Die sächsische Landesregierung hat sich einiges einfallen lassen, um dem entgegen zu wirken: Österreichische Ärzte werden angeworben; Medizinstudenten bekommen Unterstützung, wenn sie sich nach dem Studium in Sachsen niederlassen.

Das alles wird wenig nützen: 40 Millionen Euro sollen 272 sächsische Arztpraxen bezahlen, weil sie zu viele Medikamente verordnet haben.

Das alles läuft unter dem Stichwort „Arzneimittelregress“. Kaum jemand in der Öffentlichkeit versteht das richtig. Der Arzneimittelregress heißt nicht, dass ein Arzt weniger Honorar erhält. Nein, es heißt, dass er für die Medikamente, die er seinen Patienten verordnet hat, mit seinem ganzen Hab und Gut haftet.

Ja, sie haben richtig verstanden: Mit seinem ganzen Hab und Gut. Die Summe, die der Arzt für ein Jahr bezahlen muss, kann um ein Vielfaches höher sein, als das, was er in diesem Jahr verdient hat. Die einzige Begrenzung: Der Umsatz (nicht Verdienst!) von einem und einem halben Jahr.

Ich habe enorme Schwierigkeiten, solche Widersprüche zu verstehen: Auf der einen Seite wird Geld verschwendet, um Medizinstudenten und ausländische Ärzte nach Sachsen zu holen – auf der anderen Seite werden bestehende Praxen in den Ruin getrieben.

In Sachsen und auch anderswo in Deutschland ist vor allem die Hausarztpraxis auf dem Land vom Aussterben bedroht. Und genau diese Praxen sind auch überdurchschnittlich oft vom Regress betroffen. Die ländliche Lage wird nicht als „Praxisbesonderheit“ gewertet. Der Landarzt muss in vielen Fällen Rezepte schreiben, weil der Weg für den Patienten zum Facharzt viel zu weit ist. Und dennoch gelten für ihn die gleichen Arzneimittelrichtgrößen wie für seinen Stadtkollegen. Wen wundert es noch, dass keiner mehr auf dem Land praktizieren will?
Quellen

Deutsches Ärzteblatt: „Arzneimittelregresse: Sächsischen Ärzten droht Insolvenz“

Sächsische Landesärztekammer zum selben Thema

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