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Bei der Hyposensibilisierung werden dem menschlichen Körper genau die Substanzen zugeführt, gegen die er allergisch reagiert, meist in langsam steigender Dosierung. Die Allergie wird dadurch deutlich (um rund 70 %) schwächer, der Patient braucht keine oder weniger Medikamente gegen seine Allergie, weil er weniger oder keine Beschwerden mehr hat. Die Wirkung der Hyposensibilisierung hält viele Jahre nach Ende der Behandlung an.

Hyposensibilisierung - Der kleine Pieks


Am besten erprobt: Spritze unter die Haut

Am besten erprobt ist die Spritze unter die Haut: Die subcutane Immuntherapie (SCIT). Hier weiß man, dass sie zuverlässig und langfristig wirkt. Eine Alternative ist die SLIT (Sublinguale Immuntherapie) – sie ist viel schlechter erprobt. Eine SLIT sollte nur durchgeführt werden, wenn eine SCIT, etwa bei Kindern, überhaupt nicht durchführbar ist.

Heuschnupfen und Asthma – da hilft die Behandlung

Eine Hyposensibilisierung kommt nur in Frage bei einer sogenannten Allergie vom Soforttyp, insbesondere beim Heuschnupfen und allergischem Schnupfen anderer Ursache, beim allergischen Asthma bronchiale und bei der Bienen- und Wespenstichallergie. Wenn Sie oder Ihr Kind gegen Hausstaubmilben allergisch sind, sollte zunächst Ihre Wohnung, besonders das Schlafzimmer saniert – von Milben befreit – werden. Erst wenn das nicht hilft, kommt eine Hyposensibilisierung in Frage. Bei Tierhaarallergie (Katzen, Hunde, Pferde etc.) sollte der Kontakt vermieden werden.

Hyposensibilisierung – Das dauert!

Eine Hyposensibilisierung ist sehr zeitaufwändig. Rechnen Sie mit drei bis fünf Jahren. Rechnen Sie anfangs mit einer Behandlung pro Woche, später weniger oft. Rechnen Sie bei Ihrer Kalkulation auch die Wartezeit von wenigstens einer halben Stunde nach der Spritze ein. Die ist notwendig, weil manchmal unerwartet heftige Reaktionen auf die Spritze auftreten können, die sofort behandelt werden müssen (und auch behandelt werden können).

Je eher, desto besser

Je eher mit einer Hyposensibilisierung begonnen wird, umso besser sind die Erfolgsaussichten. Die Ausbreitung der Allergie wird vermieden (z.B. Allergie erst gegen Pollen, dann gegen Milben). Oft kann auch der „Etagenwechsel“ verhindert werden – erst die Nase (Heuschnupfen), dann die Bronchien (Asthma). Bei Kindern kann mit einer Hyposensibilisierung schon in einem Alter von 5 Jahren begonnen werden. Sagen Sie Ihrem Kind bitte nicht: „Das tut nicht weh!“. Besser: „Das ist nur ein kleiner Pieks!“. Das ist nämlich die Wahrheit und Kinder werden nicht gerne belogen, sie glauben uns nachher gar nichts mehr. Das mit dem kleinen Pieks ist original richtig, bei den heutigen Nadeln geht der Schmerz gegen Null, ist aber nie gleich ganz Null.

Das kindliche Immunsystem lässt sich noch leicht „umpolen“, bei Erwachsenen ist das viel schwerer, ab ca. 40 bis 50 Jahren ist eine Hyposensibilisierung nicht mehr sinnvoll.

Und die Nebenwirkungen?

Nebenwirkungen gibt es, schließlich ist die Hyposensibilisierung eine hoch wirksame Behandlung. Juckreiz, Schwellung und Rötung an der Einstichstelle (meist oberhalb des Ellenbogens) kommt häufig vor. Hin und wieder gibt es auch Reaktionen am ganzen Körper: Juckreiz, Husten, Atembeklemmungen, Schwindel. Ein ernsthafter allergischer Schock mit Blutdruckabfall ist sehr selten. Alle diese Reaktionen kann der Arzt erfolgreich behandeln. Wichtig: Unbedingt die 30 Minuten Wartezeit einhalten! Während der Wartezeit alle ungewöhnlichen Reaktionen mitteilen.
„Wenn’s juckt – sofort zur Anmeldung!“ heißt bei uns die Devise.

Wer kann nicht hyposensibilisiert werden?

Autoimmunkrankheiten sind Erkrankungen, bei denen sich das körpereigene Immunsystem gegen körpereigene Zellen wendet, z.B. Rheuma. Eine Hyposensibilisierung bringt das Immunsystem auf Trab – also Vorsicht bei Autoimmunerkrankungen. Aber auch bei Immundefekten (z.B. AIDS), bösartigen Erkrankungen und in der Schwangerschaft sollte keine Hyposensibilisierung durchgeführt werden. Wenn sie wegen einer Herzerkrankung sogenannte Betablocker einnehmen müssen oder Medikamente, die das Immunsystem bremsen, wie z.B. Kortison, kommt eine Behandlung nicht in Frage. Und wenn der Patient zu jung (unter vier Jahre) oder zu alt (über 50 Jahre) ist. Starten Sie keine Behandlung, wenn Sie von vorn herein wissen, dass Sie nicht in der Lage sind, sich regelmässig über drei bis fünf Jahre behandeln zu lassen – weil Sie entweder Handlungsreisender sind oder Ihre Meinung ständig alle drei Wochen ändern.

Was muss ich während der Behandlung tun?

Immer schön den Arm hinhalten und nicht wegziehen! Nein, Spaß beiseite, Sie sollten bei jeder Behandlung über Vorkommnisse nach der letzten Behandlung berichten. Sie sollten mitteilen, wenn Sie Heuschnupfen- und Asthmabeschwerden haben oder unter einem Infekt leiden. Impfungen können durchgeführt werden, nach Möglichkeit aber in einem gewissen zeitlichen Abstand von der Hypospritze. Keinen Extemsport nach der Spritze bitte! Informieren Sie den behandelnden Arzt über alle anderen Erkrankungen, Behandlungen, Medikamente und Operationen.

Quellen

Leitlinie: Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) mit Allergenen

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Die Hausstaubmilbe, genauer gesagt: der Kot derselben, löst eine Reihe von allergischen Erkrankungen aus, am häufigsten einen allergischen Schnupfen und das allergische Asthma bronchiale.

Viele Milbenallergiker werden von ihren Ärzten ermuntert, die Hausstaubmilbe aus ihrer Wohnung zu vertreiben. Die Matratzen werden in staubdichte Verpackungen gesteckt, Kuscheltiere und Samtvorhänge müssen das Schlafzimmer verlassen, spezielle Staubsauger und auch chemische Methoden werden großflächig eingesetzt.

Eine neu veröffentlichte Übersicht der Cochrane Collaboration zeigt jetzt, dass dieses alles vermutlich verlorene Liebesmüh‘ darstellt.

(Die Cochrane Collaboration ist eine internationale Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die sogenannte Evidenzbasierte Medizin zu fördern, eine Medizin, die sich auf wissenschaftliche Beweise stützt anstatt auf Mutmaßungen oder Meinungen von Autoritäten.)

Die Cochrane-Autoren sichteten 54 Studien, an denen 3003 Patienten mit allergischem Asthma teilnahmen. Die Qualität der Studien war sehr unterschiedlich, aber keine einzige von ihnen zeigte eine Verbesserung der Lungenfunktion nach Vertreibung oder Verringerung der Hausstaubmilbenbevölkerung in der eigenen Wohnung.

„Wir können zuverlässig schlussfolgern, dass es keinen Grund gibt, für Vakuum-Sauger, spezielle Matratzenbezüge oder Chemikalien Geld auszugeben. Sie sind allesamt unwirksam“, gibt die „Ärztliche Praxis“ heute die Zusammenfassung von Dr. Peter Gotzsche vom Cochrane-Centre in Kopenhagen wieder.

Quelle

Cochrane Database of Systematic Reviews: House dust mite control measures for asthma

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